Mittwoch, 30. September 2015

Vom zweibeinigen Nucki

Mein Kind bekommt, wenn er quengelt, nicht einfach den Nucki in den Mund geschoben.

Ich muss nachts nicht ständig aufstehen, um meinem Baby den Schnuller zurück zu geben.

Mein Kleiner nuckelt nicht einmal am Daumen.

Stattdessen nuckelt er genau dort, wo er auch trinkt und ich lasse ihn auch sein non-nutritives Saugbedürfnis an meiner Brust stillen.

Bekomme ich dafür jetzt die goldene Supermutti-Medaille am Band?

Naja, verdient wäre sie nicht. Ich versuche ja immer mal wieder, dem kleinen Rabe auch einen Schnuller schmackhaft zu machen. Dazu haben wir auch schon verschiedene gekauft, um unterschiedliche Formen auszuprobieren. Er finden zumindest den ganz runden auch spannend - kaut darauf herum, schiebt ihn im Mund umher um mal rechts und mal links kraftvoll zuzubeißen und spuckt ihn dann wieder aus. Die anderen werden sofort ausgespuckt.

Er hat auch schon an meinem Finger, meinem Oberarm oder Papas Brust(behaarung) genuckelt. Aber sobald er da merkt, dass nicht überall, wo man nuckeln kann, auch Milch heraus kommt, beschwert er sich lautstark über diese irreführende Werbung bis die Milchbar wieder eröffnet ist.

Ganz schön groß, so ein zweibeiniger Nucki. An dem kann man sich sogar festhalten.


Macht das aus dem Haus gehen nun auch nicht einfacher. Aber was will man machen.

So bleibt uns später wenigstens ein 
nervenaufreibender "Entzug" erspart. Und mich verliert man nicht so leicht. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich barbusig auf den Boden falle und mich mit Straßendreck, Katzenhaaren oder sonstwas einsaue ist relativ gering. Und ich finde mich auch im Dunkeln normalerweise ohne größere Schwierigkeiten.

Irgendwie bin ich ja auch gerne der Nucki. Der kleine Rabe wird noch viel zu schnell flügge werden. Bis dahin genieße ich diese besondere Nähe zwischen uns in vollen Zügen.

Also dann doch: Her mit meiner Medaille! ;-)

Montag, 28. September 2015

Ins Wasser gefallen...

... Ist heute mein Plan für einen schönen, langen Spaziergang.

Gestern war perfektes Wetter. Blauer Himmel, Schäfchenwölkchen und nicht zu heiß. Da aber das Haselchen den halben Tag in der Küche stecke und Essen zauberte (chinesische Fleischbällchen in pikant-saurer Reisweinsoße und koreanisch-chinesische Fusion Glasnudelsalat) ging ich nur ne schöne Runde im Compound. Dafür wollten wir heute an die Uferpromenade, die von hier ca. 20 Minuten gemütlich zu Fuß entfernt ist.

Das Haselchen muss ich von solch "gewagten" Unternehmungen immer ein bisschen überzeugen. Schließlich könnte der kleine Rabe ja anfangen zu weinen... -_-
Naja, überzeugt war er dann. Bis allerdings Geschirr gespült, Katzen gefüttert, Katzenklo gesäubert (Haselchens Aufgaben) sowie 2 Windeln gewechselt, Baby umgezogen, Felgen geputzt, nochmal gestillt (meine Aufgaben) und wir mit Frühstück gestärkt waren, war es mal wieder nach 11:00 Uhr. Ab 12:00 spuckte meinHandy eine Regenwahrscheinlichkeit von 53% aus. Aber ich wollte raaaauuuuus hier. Schließlich hatte sich der kleine Rabe ausgehfein gemacht und ich schaffte es zum aller ersten Mal in meinem Leben, einen Fischgrätenzopf zu flechten. Ich hatte auch als Kind nie lange Haare und ein Pferdeschwanz war so in etwa das höchste der Gefühle. Von daher ist das für mich als Frisuren-Anfängerin (irgendwie beschämend, sich mit 28 Jahren so zu nennen...) eine enorme Leistung.
Aber wie dem auch sei: Auf dem Weg zur Uferpromenade weinte der kleine Rabe und wollte fast unentwegt getragen werden. Ich blieb optimistisch ("He'll fall asleep soon. And then he'll sleep in the stroller like a stone!"). Aber Murphy schlug mal wieder zu: Kaum sahen wir das erste Grün, fing es an zu nieseln. Also einmal auf dem Absatz umgedreht und zurück nach Hause. Und der kleine Rabe? Na, der weinte natürlich und wollte (nun ohne fast) unentwegt auf dem Arm getragen werden.

Da hat er sich extra ausgehfein gemacht und dann regnet es...


Wenigstens schafften wir es noch rechtzeitig heim, bevor aus dem leichten Niesel richtiger Regen wurde.

Aber dann schrieb uns der Verkäufer aus taobao auch noch, dass meine "Nussa"-Creme nicht lieferbar ist. :-(

Nicht mein Tag heute. Normalerweise wäre das der richtige Moment für eine Flasche Wein gewesen. Aber selbst das ist ja nicht drin. Dann halt Schokolade. Und ein Nickerchen. Und noch mehr Schokolade.

Doofer Tag, aber cooler Zopf. :-)

Samstag, 26. September 2015

2 Katzen und ein Baby

Wir haben 2 Katzen. Eine weiße Dame und ein rot getigertes Katerchen. Ihn haben wir als Kitten adoptiert, nachdem eine ehemalige Kollegin einenganzen Wurf auf der Straße gefunden und mit dem Fläschchen aufgezogen hat (ja, hier werden unliebsame Tierbabys einfach zum Verhungern ausgesetzt). Sie haben wir ein paar Monate später von einer Organisation, die Straßentiere vermittelt, adoptiert.

Nun war ich im Vorfeld sehr nervös, wie das wohl mit Baby werden würde. Wir versuchten, beiden anzugewöhnen, dass sie nichts auf den Babysachen verloren haben. Trotzdem war die Katze ständig im KiWa und der Kater im Beistellbett oder auf dem Wickeltisch. Meine Sorge war daher diese alt geschürte Angst, die Katzen könnten sich auf das Baby legen und es ersticken.

Dann kamen wir mit dem kleinen Raben nach Hause und wollten ihn den Katzen vorstellen. Die kamen auch gleich zu uns - rannten jedoch genauso schnell auch vor dem zappelnden Bündel wieder davon, als sei er ein kleiner, eingeschalteter Staubsauger.

Als der kleine Rabe zum ersten Mal zu Hause Hunger vermeldete und schrie, wurde unsere Katze schier verrückt. Der Kater rannte gleich weg, sie aber kam auf den Sessel, auf dem ich mit dem Baby saß, gesprungen und fing an, mich wie von Sinnen am Arm zu lecken und wollte sich immer wieder richtig hektisch dem Kopf des Bsbys nähern. Das Haselchen wollte sie ein wenig zur Seite bugsieren - was sie mit aggressivem Beißen nach seinen Händen qittierte. Kurzerhand schubste er sie dann mit ein wenig mehr Elan als sonst vom Sessel. Seitdem macht sie einen großen Bogen um den kleinen Raben.

Der Kater, der alte Angsthase, wich dem lauten und zappeligen Neuankömling von Anfang an aus. Inzwischen hat er begriffen, dass der Mini-Mensch nicht beißt und auch nicht immer so wild zappelt. Er kommt daher manchmal und schnüffelt and Händen, Füßen oder Po des kleinen Raben. Dann dreht er sich aber auch wieder weg und macht es sich in gebührendem Abstand bequem. Der Staubsauger könnte sich ja anschalten...

Ansonsten sind die Katzen beide fast wie immer. Sie rennt einem permanent zwischen die Füße und  will sich balgen aber keinesfalls gestreichelt werden. Sie ist so ne kleine Psychpopatin (was wohl daran dass sie, nachdem sie als Kitten halbtot im Park gefunden wurde, aufgrund einer ansteckenden Krankheit wochenlang keinerlei Kontakt zu anderen Tieren haben durfte) und mehr so die "Katze zum Anschauen" anstatt zum Anfassen.

Unsere hübsche Psychopatin


Er rennt einem genauso vor die Füße, fläzt sich a la " I'm sexy and I know it" breitbeinig sitzend in die Ecken, steht am liebsten AUF uns (Schoß, Bauch, Beine - egal) und ist total verschmust. Er kommt ständig, miaut in seinem eierlosen Ministimmchen und zieht sich unsere Hände mit der Pfote ins Gesicht, damit wir ihn kraulen. Halt außer, wenn der Staubdauger aka das Baby dabei ist.

Seltene Zweisamkeit


Mein erklärtes Ziel ist es daher jetzt, den Kater und den kleinen Raben aneinander zu gewöhnen. Denn davon, die beiden strickt zu tren en, halte ich nichts. Wenn die Katzen Angst vor dem Baby haben, könnten sie panisch werden, wenn er sich später mehr für sie interessiert und ihn zum Beispiel böse kratzen, wenn er ihnen irgendwann hinterher rennt. Und auch der kleine Rabe soll von Anfang an lernen, wie er mit den Katzen umgehen sollte.

Unser größtes Problem jedoch sind die Katzenhaare. Das ist aber nichts neues, jetzt saugen wir halt etwas öfter...

Gilt grundsätzlich auch für Grufties...

Erstes "Mama"-Treffen

Am Freitag, also Gestern, habe ich mich zum ersten Mal mit einer anderen Mama verabredet. Über Shanghaimamas kam ich zu einer Gruppe für Muttis von kleinen Babys. Die Gruppe war auch schon fleißig am Treffen vereinbaren. Allerdings in Puxi, also auf der anderen Seite des Flusses. Das ist hier so n bisschen wie in einer anderen Stadt. Und je nach Verkehr dauert da auch die Fahrt rüber gerne mal ne halb-dreiviertel Stunde. Und bis man ein Taxi hat, dann wahrscheinlich ohne Gurt und den KiWa kann ich noch nicht zusammenklappen... 

Kurzum, ich mag (noch) nicht nach Puxi fahren, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Und während ich wegen meiner diesbezüglichen Faulheit noch ein bisschen haderte (denn MÖGLICH ist es ja schon, ich MÖCHTE halt nur nicht, weil ich ein Schisser bin) schrieb mich eine Mama aus der Gruppe direkt an. Und weil sie wohl merkte, was für ein Schisser ich bin und selbst aber keiner ist, bot sie von sich aus sofort an, dass wir uns bei uns in der Nähe treffen können.

Und so kam es, dass ich zum ersten Mal ein Date für einen gemeinsamen KiWa Spaziergang hatte.

Man, war ich aufgeregt! Das klingt vielleicht bescheuert. Aber ich mag andere Menschen schon, neue jedoch machen mich immer erstmal nervös bis panisch. Und so malte ich mir in den buntesten Farben aus, M. sei bestimmt DIE Supermutti schlechthin und käme mit perfekt gebundenem Tragetuch, in dem sie ihr Baby zwischendrin stillen würde ohne dass selbst ich das bemerken würde und würde mir dann vom Babyschwimmen und dem Pekip Kurs erzählen. Außerdem könnte sie ihrem Baby natürlich auf der Stirn ablesen, was ihm fehlt, noch bevor er sich lautstark melden müsste. Und von mir wäre sie bestimmt total genervt. Der kleine Rabe würde unentwegt schreien, ich bekäme das mit dem Stillen draußen entweder gar nicht oder nur durch exzessiven Exibitionismus hin und wäre ab dann in der gesamten internationalem Community als die Rabenmutter verschrien (hihi^^ zwei Sticker ins Wortspielheftchen, bitte^^).
Klingt alles jetzt total überzogen und irgendwie lächerlich. Dieses Bild geisterte aber tatsächlich am Vorabend genau so durch meinen Kopf... Und dann kam unser Treffen.

Kurz nach dem Verlassen des Hauses fing der kleine Rabe natürlich schon gleich das Schreien an. Da das Haselchen verpennt hatte und nicht mitkam blieb mir nichts anderes übrig, als das Baby auf den Arm zu nehmen, mit einer Hand den KiWa irgendwie vorwärts zu bewegen und in Dauerschleife "Sag mir wo die Blumen sind" zu singen. Und tatsächlich schlief der kleine Rabe nach wenigen Minuten ein und schlummerte friedlich im KiWa weiter.
Und M. war plötzlich auch eine ganz normale junge Frau, keine Übermutti mit Superkräften. Ok, der kleine L. hat nicht geweint in den 1 1/2 Stunden, die wir unterwegs waren. Aber er ist auch über einen Monat älter als der kleine Rabe und nimmt einen Nucki (der bei uns gekaut und dann ausgespuckt wird).

Der kleine Rabe fing zwischendrin ganz bitterlich zu weinen an, weil er Hunger hatte. Da die Flasche, die ich extra mitgenommen hatte, doch viel zu kalt war, wagte ich den Versuch zu stillen und es klappte tatsächlich ohne zuuuu viel Exibitionismus oder Schreien und Zappeln. Kurz darauf war es dem kleinen Raben dann wohl doch zu viel und zu heiß und er ließ sich im KiWa gar nicht mehr beruhigen, weshalb ich mich dann verabschieden musste.

Es war aber trotzdem einfach toll! Wir waren beide im gleichen Krankenhaus bei der gleichen Ärztin und sind uns beide einig, dass es schön wäre, die eigene Mama in der Nähe zu haben.

Was mir aber am Besten getan hat war M's Reaktion, als der kleine Rabe schrie. In so Momenten (draußen) werden das Haselchen und ich immer total nervös. Ich habe dann immer das Gefühl, alle Passanten starren uns an und verurteilen uns, weil wir unser Kind so quälen und ihm ja offenbar nicht geben, was er braucht, da er sonst ja nicht weinen würde. Ohne Mist. So fühle ich mich. M. hingegen blieb ganz ruhig, was mir auch half, entspannt zu bleiben und meinte dann "Yeah, I always feel so sorry when he is crying and have to remind myself that ACTUALLY nothing is happening and he will not die if he needs to wait a minute...".

Mein Fazit: Ich muss gelassener werden. Und sich mit anderen Mamas zu treffen ist toll. :-)

Freitag, 25. September 2015

"Schlaf, wenn das Baby schläft!"

Einer der tollen Ratschläge, die man als junge Eltern so bekommt, lautet ja "Schlaf, wenn das Baby schläft". Ist ja gut gemeint, meist im Sinne von "Leg dich halt hin, statt im Zombie-Modus noch das Putzen zu versuchen!". Mir kommt es aber irgendwie sarkastisch vor.

Zumindest in so Momente wie Donnerstag Morgen, kurz nach 9:00, ich seit 5:37 wach, versuche seit etwa 7:00 Uhr zu frühstücken, weil ich Hunger für drei habe und doch als stillende Mama gut essen soll, schmeiße letztendlich schnell eine selbstgemachte Fischfrikadelle vom Vorabend zwischen zwei Scheiben Brot, während der kleine Rabe im Tragetuch schreit und tanze dann vorwärts-rückwärts damit das Baby endlich wieder einschläft, das am Vorabend erst gegen 22:30 eingeschlafen ist aber eben nach dem letzten Aufwachen zum Kacken, Wickeln und Stillen schon seit 7:00 wach ist, weshalb ich noch immer nichts essen konnte, neben der Spüle her um mit seitlichen Drehungen über selbige das Krümeln auf ein Mindestmaß zu beschränken und nicht auf mein Baby zu krümeln weil ich mich dann immer als eine schlechte Mutter fühle. Ach ja, und der Katze musste ich auch noch ausweichen. Die wollte auch gerne frühstücken.

Also wer das dann schlafend hinbekommt darf mir gerne nochmal raten, doch dann zu schlafen, wenn das Baby schläft!

Donnerstag, 24. September 2015

Wo bin ich, was tue ich hier, und wer bin ich eigentlich?

Eigentlich wollte ich sowas nicht schreiben. Weil ich mich nicht gerne vorstelle. Wenn ich auf irgend einer Veranstaltung bin und es heißt "so, jetzt stellen wir uns mal alle reihum kurz vor" rolle ich innerlich drei Mal mit den Augen und schicke Stoßgebete zum Himmel, dass ich nicht anfangen muss. Ein "Über mich" gibt es daher hier zumindest nicht als festen Bestandteil. Also zumindest jetzt nicht. Die letzten Jahre haben mich eines ganz deutlich gelehrt: Sag niemals nie und am Ende kommt es sowieso anders, als gedacht.

Aber nun zur Sache, ich schweife mal wieder ab:

Ich bin die Fledermama. Fleder, wie in Fledermaus und Mama wie in Mama. Ich hab' Flügel auf den Schultern, Elfen auf dem Bauch und Fledermäuse auf dem Rücken. Ich bin also recht beflügelt...
Ich bin Jahrgang '87 und Fisch. Ich bin durchschnittlich groß, habe grünblaue Augen und lila Haare. Vorher waren sie türkis. Als nächstes sollen sie rot werden, dann grau, dann grün, dann flieder. Und dann vielleicht schwarz und kurz genug, dass ich mich ans Toupieren traue. So a weng oldschool goth...

Ich bin halb Hesse und halb Franke, was jetzt nicht so spektakulär ist. Ich habe schon immer gerne geschrieben, kann mich nicht kurz fassen und bin eigentlich sehr introvertiert. Ich hasse es, zu telefonieren. Trotzdem arbeite ich im Kundenservice - mit Hotline. Was der Hauptgrund ist, nicht gerne zur Arbeit zu gehen. Ich habe genug Macken, um als aussortierte B-Ware durchzugehen. Ich brauche alles immer symetrisch. Auch das Kauen. Z.B. kaue ich ein Gummibärchen rechts, eines links. Und wenn dann noch eines alleine übrig ist, muss ich es entweder in der Mitte durchbeißen oder mit den Schneidezähnen kauen.

Das Haselchen (verdenglischte Verniedlichung von husband) ist mein Mann. Der wurde gemacht, als ich geboren wurde. Also ist 9 Monate jünger als ich. Er trägt Bart und hat Locken. Also so richtig krauselige. Er ist Russe, bis er 15 war in Kazachstan aufgewachsen, danach zu seinem Vater nach Madrid gezogen. Er spielt seit viiieeelen Jahren Gitarre und war DJ in einem Gothic-Club in Madrid. Er hat seine eigene Firma (sourcing/trading/Import/Export) und arbeitet von zu Hause aus. Und kocht für uns. Immer. Und immer lecker! Er hat außerdem genug Selbstvertrauen für uns zwei.

Der kleine Rabe ist unser (erstgeborener) Sohn. Kleiner "Rabe", weil er so heißt. Also nicht wörtlich, aber das ist die Bedeutung seines (ersten) Vornamens.

Zusammen mit unseren beiden (hier adoptierten) Katzen leben wir in Shanghai. Seit 2010 bzw. 2011. Nein, wir sprechen kein Chinesisch (außer einzelnen Worten) und miteinander sprechen wir Englisch.

Und ich blogge hier. Ich habe tatsächlich keine "Ahnung" vom bloggen. Aber im Wochenbett mit dem kleinen Raben habe ich den Blog von (Mama) Miez gefunden, als ich nach dem Pucken gegoogelt habe. Und dann fing ich an, Einträge irgendwann aus 2010 zu lesen und konnte nicht mehr aufhören. Und beschloss, den Weg, den wir nun als Familie gehen, auch auf diese Weise festzuhalten - physisch nicht gebunden, dauerhaft und teilbar. Wenn hier außer mir und vielleicht ein paar Freunden nie jemand hineinschaut, soll mir das Recht sein. Wenn Leute kommen und alles kritisieren soll es mir egal sein. Und wenn Leute kommen und es ihnen hier gefällt, dann freue ich mich.

Mittwoch, 23. September 2015

Top 5 des kleinen Raben

Noch keine 3 Monate alt hat unser kleiner Rabe schon seinen eigenen Musikgeschmack... Aktuelle Top 5:

5. Platz: "Sag mir wo die Blumen sind"
Den Neueinsteiger der Woche darf Mama gerne in Dauerschleife singen, während sie den Zuhörer durch die Wohnung trägt. Dann fangen wir zumindest nicht an, zu Weinen (was sonst nur bei Papa garantiert ist).

4. Platz: "Future starts slow" - The Kills
Bei guter Laune optimal, um auf Mamas oder Papas Arm durchs Wohnzimmer zu tanzen. Aber wehe wir sind müder oder Mama dreht sich zu oft im Kreis!

3. Platz: "Temple of love" - Sisters of Mercy
Ebenfalls neu eingestiegen ist dieser Klassiker nach einem Feldversuch diese Woche. Und siehe da: Wenn Mama vorwärt-rückwärts-laufenderweise (so ähnlich wie beim Totengräber, nur ohne drehen, fuchteln oder verbeugen) durch die Wohnung oder den Compound tanzt (und die verwirrten Blicke der Nachbarn ignoriert), kann man sogar auf Mamas Arm tief und fest einschlafen (ging sonst nur bei Papa).

2. Platz: "Beschwörung" - von ASP, aber gesungen von Mama
Egal wo, egal wann - hilft fast immer gegen Weinen, nörgeln und unzufrieden sein. Ausnahmen sind Hunger (da verstehen wir keinen Spaß!) oder Koliken. Aber sogar Taxi fahren wird so erträglich (für alle Beteiligten).

1. Platz: "Assimmilate" - Skinny Puppy
DAS Beruhigungslied Nummer 1. Hilft gegen Weinen und zum Einschlafen, ganz besonders wenn Mama dazu tanzt (also natürlich mit dem Baby auf dem Arm). Einziges Manko: Die Wirkung scheint wie durch Zauberhand and der Schlafzimmertür aufzuhören.

Dienstag, 22. September 2015

Shanghai Alltag: AQI

Zwar leben in Shanghai inoffoziell rund 30 Millionen Menschen, aber wer auf diesem Blog landet, wohnt nur mit einer recht geringen Wahrscheinlichkeit hier.
Daher möchte ich euch ab und an ein wenig von Dingen erzählen, die den Alltag im "Paris des Ostens" deutlich von jenem in Deutschland unterscheiden. Heute: Der AQI (Air Quality Index).

Kurz gesagt gibt der AQI die Luftqualität anhand verschiedener Parameter an. Je niedriger der Wert, desto besser die Luft. Ein Wert von 300 entspricht in etwa der Luftqualität in einer Raucher-Lounge im Flughafen. Also dieser Glaskästen, aus denen selbst die Raucher schnellstmöglich wieder flüchten, nachdem die eigene Zigarette geraucht ist.

Eine Übersicht der verschiedenen AQI Abstfungen
Quelle: aqicn.org


Es ist ja kein Geheimnis, dass die Luftverschmutzung in China ein großes Problem ist. Und Shanghai ist da, trotz seiner Lage direkt am Meer, leider keine Ausnahme. Besonders schlimm ist es immer im Winter. Vor 3 Jahren (wenn ich mich nicht irre) war es im Dezember so richtig krass. Da haben uns die PM 2.5 Werte (ganz feiner Feinststaub) AQIs von bis über 500 beschert. Ich hatte damals ursprünglich eine leichte Erkältung - die dann natürlich zur Bronchitis wurde und mich einen kompletten Monat lang begleitet hat. Aber wen wundert's - das war so richtig eine trübe Suppe. Keine Luft mehr. Wenn man in der Zeit aus dem Fenster sah, sah alles aus wie in dichten, gelblich-braunen Nebel gehüllt. Hatte schon was von Silent Hill...
Zum Glück blieb das in dieser heftigen Form eine Ausnahme. Aber dennoch spielt die Luft hier eine große Rolle.

Für uns bedeutet das erstmal, dass wir den AQI ständig überwachen. Sowohl das Haselchen, als auch ich haben eine App von aqicn.org auf dem Handy. Und wir haben sie nicht nur (so wie ich drölf Russisch-Lernen Apps habe), sondern wir nutzen sie ständig. Wenn wir den Tag planen, bevor wir das Haus verlassen, draußen alle 1-2 Stunden, bevor wir ein Fenster öffnen, beo offenem Fenster alle 1-2 Stunden. Ja. Ich übertreibe leider nicht. So oft schauen wir uns den aktuellen AQI an. Das war nicht immer so ausgeprägt, aber seit ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hatte ist das Alltag.

Heute keine dicke Luft - yeah!


Denn: Ist die Luft schlecht (wir nehmen als Grenze den Wert von 150, ab dem die Luft auch offiziell als "ungesund" bezeichnet wird), bleiben wir soweit als möglich drinnen, lassen unseren Luftfilter laufen und halten Fenster und Türen geschlossen. Und während der Schwangerschaft bin ich dann auch nur noch mit einer Feinstaubmaske aus dem Haus gegangen. Im Büro werden die als "Bürobedarf" bestellt, sodass alle Mitarbeiter welche haben und es stehen alle paar Meter Luftfilter herum. Wir sind daher auch nicht nur verrückte Laoweis, die es einfach übertreiben...

In etwa so wichtig wie ein Regenschirm - die Feinstaubmaske

Nicht schön, nicht selten, aber ein Segen an Schlechtlufttagen - unser Luftfilter

Sonntag, 20. September 2015

Rückblick: 2 Monate kleiner Rabe

Ja, auch dafür ist es theoretisch zu spät. Schließlich steuert der kleine Rabe mut enorm großen Schritten auf die 3 Monate zu. Aber wie auch beim Geburtsbericht möchte ich das einfach hier sammeln und vereinen, damit es nicht untergeht... Folgendes ging mir am 2.8., also am 2-monatigen 'Geburtstag' durch den Kopf:

Um ganz ehrlich zu sein: Das waren 2 Monate Windeln wechseln, ein (schweres!) schreiendes Bündel umhertragen, spätestens nach 3 Stunden Schlaf wieder geweckt werden und nicht eine einzige Mahlzeit in Ruhe beenden.

Ein Baby macht viel Arbeit. Mehr, als ich erwartet hätte (vor allem wenn man so ein wenig schlafendes Exemplar wie wir bekommt).

Aber dann sind da auch noch 2 Monate stillen, kuscheln, intensivstes vertrauen, aus ganzem Herzen lieben und vor Niedlichkeit fast schmelzen. Da ist ein erstes Wiedererkennen, ganz viel "agu agu"-Koversation und (inzwischen) jeden Morgen ein so aufrechtes Lächeln voll ungetrübter Freude, dass es einem das Herz aufblühen lässt.

Mein Baby macht mich glücklich. Mehr, als ich erwartet hätte...

Samstag, 19. September 2015

Que pasan?!

Es heißt immer überall, auf allen Webseiten und in allen Foren, "Nach ein paar Wochen verstehst du, was deinem Baby fehlt, wenn es weint!". Also ich weiß nicht, wie genau man "ein paar Wochen" definiert, aber der kleine Rabe ist jetzt schon seit fast 11 Wochen bei uns und von einem echten "Verstehen" kann keine Rede sein. Ich höre mein Baby nicht weinen und erkenne sofort "Oh ja, das ist ein Hunger-Weinen" oder "Ja, so klingt er wenn er müde ist". Würde mir jemand nur sein Weinen aufzeichnen und vorspielen, wäre ich genauso schlau, wie jeder andere auch. Einzig Schmerz und so richtig großer Hunger klingen anders weil lauter und schriller bzw. verzweifelter. Aber sonst? Volle Windel, Hunger, müde aber kann nicht schlafen, Bäuerchen, Pups steckt quer und (seit Neuestem) Langeweile klingen alle einfach komplett gleich. Also für mich. Und für mein Haselchen. Und der ist Musiker und DJ durch und durch - zumindest bei ihm kanns nicht an den Quallohren liegen.

Wenn unser Baby weint, gehen wir daher ganz logisch vor und versuchen verschiedene Strategien, ohne " intuitiv zu wissen" oder "am Weinen zu hören", was los ist.

Hat er zum Beispiel gerade erst getrunken, aber kein Bäuerchen gemacht, ist das natürlich erstmal naheliegender, als Hunger. Ist er schon seit Stunden wach und schreit seinen Spielebogen genauso wie die Brust an, könnte er wohl müde sein.

Und wenn wir ganz planlos sind, biete ich ihm erstmal Milch an (wie seine Mama - abshora ves motora!). Kein Erfolg hier führt dann zu herumtragen (und singen) und mal kurz am Hinterteil schnüffeln.

So raten, versuchen und experimentieren wir herum, bis der kleine Rabe am Ende endlich zufrieden ist.

Eine Weile habe ich schon deswegen mit mir gehadert. Was auch nicht besser wird, wenn das Haselchen ins Zmer schaut und "Que pasan?" (eine Mix aus "que pasa" und "son") fragt (wenngleich er von mir so sehr eine Antwort erwartet wie ich vom kleinen Rabe, wenn ich die Frage mit "Baby, warum weinst du denn?!" an den Kleinen stelle). Eben weil es überall heißt, man würde sein Kind "nach ein paar Wochen" richtig verstehen. Und wenn es überall so steht, dann muss es ja stimmen. Und wenn das stimmt und es bei uns aber doch anders ist, dann müssen wir ja schlechte Eltern sein.

Ja, so Sachen fallen mir vor allem nachts um 1:00 Uhr ein wenn der kleine Rabe noch immer nicht schläft und ständig wieder zu heulen anfängt, bis ich irgendwann selbst meine 5 Minuten bekomme, neben ihm liege und mit mitheule. (Meist schläft er dann kurz darauf beim neuerlichen Herumtragen ein, als sei nie etwas gewesen.) Spätestens in dem Moment bin ich dann auch vom "Que pasan?" so genervt, dass das Haselchen je nach Uhrzeit ein halb geheultes "I don't knooooooow" bis hin zu einem gebellten "How the hell am I supposed to know?!" an den Kopf geworfen bekommt.

Dass wir keine schlechten Eltern sind, weiß ich aber. Und wenn der kleine Rabe mich anlächelt oder, so wie heute zum aller ersten Mal, lacht, dann zeigt er uns ja auch ganz deutlich, dass er zufrieden ist. Kinderlachen braucht man zum Glück nicht zu verstehen. Das darf man einfach genießen.

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Über den Blog von (Mama) Miez bin ich auf die Aktion .txt gestoßen, die Dominik Leitner Anfang des Jahes auf seinem Blog gestartet hat. Hier werden Texte zu einem bestimmten Überbegriff verfasst. Sowas gefällt mir immer gut. Diesmal war das "verstehen" - was ich tatsächlich gesehen habe, nachdem ich diesen Beitrag hier schon geschrieben hatte. Da er trotzdem passt , nehme ich jetzt auch an .txt teil. Alle anderen Beiträge zum Thema finden sich bei neonwilderness.

Geburtsbericht des kleinen Raben

Eigentlich wäre es für einen Geburtsbericht inzwischen schon ein bisschen spät. Schließlich ist mein Kleiner Rabe inzwischen schon 11 1/2 Wochen alt. Aber da ich zuvor nicht gebloggt habe und trotzdem finde, dass irgendwann in der Retrospektive etwas fehlen würde, wenn nicht alle meine Kinder hier ihren Geburtsbericht finden könnten, schreibe ich ihn trotzdem. Außerdem ist es ja meist ratsam, eine Geschichte am Anfang anzufangen. Ok, das wäre in dem Fall die Zeugung, aber die bleibt dann doch ganz zwischen dem Haselchen und mir. ;-)

Da die Geburt des kleinen Rabe nicht besonders schön war rate ich schwangeren Erstlingsmamas, den Bericht erst nach ihrer ersten Geburt zu lesen. Es wird jetzt nicht super brutal und blutig, aber ich hätte mehr Angst vor der Geburt gehabt wenn ich gewusst hätte, wie schwer der kleine Rabe es haben würde, zu schlüpfen...

Geboren wurde der kleine Rabe am 2.7.2015 um 3:54 morgens mit 51 cm und 3560 gr.

Es ging am 1.7. morgens gegen 9:00 los: Erst konnte ich den Schmerz nicht 100% zuorden - ich war davon ausgegangen, dass Wehen sich wie starke Menstruationsschmerzen, so wie die Senkwehen, anfühlen würden. Aber nachdem mein Bauch dabei hart wurde, der Schmerz regelmäßig kam und ich mit dem Veratmen anfangen musste, war mir klar: Das sind Wehen.

Nachdem die Abstände auch nach einer warmen Dusche und ein wenig ausruhen (ich hatte nachts wegen Durchfall sehr schlecht geschlafen) immernoch regelmäßig bei 5 Minuten lagen, sind wir gegen Mittag ins Krankenhaus gefahren. Ich wurde ans CTG angeschlossen und gleich in den Kreissaal aufgenommen.

Über Stunden hatte ich alle 5 Minuten Wehen, die immer schmerzhafter wurden. Ich durfte herumlaufen, aber ich musste mich ständig beim Schmerz vorbeugen und mit Tönen veratmen. Da war ich noch guter Dinge. Dann allerdings gegen 18:00 Uhr VU: Mumu bei 1 cm. Und so wehte ich weiter vor mich hin. Eine halbe Stunde später musste ich mich zum ersten Mal nach einer besonders schmerzhaften Wehe übergeben. Dann kamen die Wehen alle 3 Minuten. Ich musste mich wieder übergeben. Kurz vor 20:00 Uhr: Mumu 1.5 cm offen. So langsam sank meine Stimmung.

Kurz nach 21:00 Uhr waren wir endlich bei 2-3 cm und ich bekam eine PDA angeboten. Nach einer Weile überlegen (da ich usprünglich keine gewollt hatte) habe ich dann zugestimmt. Die Wehen kamen so oft und taten so weh, dass ich nicht mehr konnte. Nach einer Weile im Sitzen versuchte ich, mich zu entspannen (da ich hundemüde war), aber fühlte mich am Ende total benommen, schwindelig und wie auf Drogen. Laufen oder Stehen ging sowieso nicht mehr, da dann die Wehen alle 2 Minuten kamen und eine Minute dauerten. Die PDA wurde dann gegen 22:00 gelegt. Ab da ist mein Zeitgefühl so ziemlich weg. Unangenehm war nur, dass ich während des Legens ständig Wehen hatte, aber mich gar nicht bewegen durfte und die Anestesistin etwas länger brauchte.

Als die PDA saß hoffte ich der Schmerz würde nun komplett aufhören. Aber pustekuchen. Einige Male stöhnte ich laut auf und das Medikament wurde dann nach und nach auf die höchste Dosis aufgedreht. Da ich mal für kleine Mädchen musste, wurde mir eine Bedpfanne gegeben. Klappte aber nicht so recht, weshalb ich einen Katheter bekam.

Trotz der höchsten Dosis kamen die Wehen weiter recht heftig. Die Ärztin erklärte mir, dass die PDA den Schmerz reduziere, aber ich offenbar sehr schmerzhafte Wehen hatte. Mumu war inzwischen bei 5 cm. Dank der Besserung durch die PDA schaffte ich es dann, zwischen den Wehen halb einzunicken. Ich war soooo müde. Aber die nächste Wehe riss mich aus jeder Entspannung. Allerdings ließen sie sich eine Weile lang ganz gut veratmen. Eine Weile später: Mumu immernoch 5 cm. Die Wehen kamen dann wieder öfter und heftiger, sodass ich nicht mehr wirklich entspannen konnte. Und dass wir immernoch so lange vor uns hatten, zehrte ziemlich an meiner Moral.

Irgendwann weit nach Mitternacht (ich glaube gegen halb 1) dann der Befund: Mumu bei 7 cm. Aber das Baby lag nicht richtig ins Becken eingedreht. Daher dann der Vorschlag: Blasensprengung, um die Wehen hoffentlich effektiver zu machen und um das Baby durch Positionswechsel und falls nötig manuell richtig eindrehen zu können. Die Idee kam mir gut vor. Zu dem Zeitpunkt wäre mir wohl alles gut vorgekommen, dass ein Ende in Sicht stellte... Also wurde alles vorbereitet und die Fruchtblase gesprengt. Das tat überhaupt nicht weh und mein Mann war total erstaunt über die Menge an Fruchtwasser. Das Fruchtwasser war normal. Dann sollte ich mich auf die rechte Seite legen, um eine richtig Drehung des Babys zu erreichen.

Nach einigen nun echt heftigen Wehen merkte ich plötzlich, dass ich bald einen Pressdrang verspüren würde. Die Ärztin kam, checkte mich und gab mir das ok, bei den nächsten Wehen mit dem Pressen anzufangen. Es kamen noch mehr Ärztinnen und Schwestern dazu und ich begann mit dem Pressen. Das war irgendwo zwischen 1:30 und 2:00. Leider lag unser Schatz noch immer nicht optimal, sodass die Ärzte immer wieder nach dem Köpfchen fühlten. Das Pressen fiel mir total schwer. Der Pressdrang war minimal (ich hätte die Presswehen auch gut veratmen können) und ich war mit den Kräften am Ende.

In welcher Reihenfolge weiß ich nicht mehr genau. Aber irgendwann stand dann eine Schwester auf einem Stuhl neben mir, um von oben beim Pressen nach unten zu drücken. Zeitgleich saß eine Ärztin zwischen meinen Beinen und half, das Baby vorsichtig richtig einzudrehen und das Köpfchen zu führen. Ich bekam dann auch noch Oxytocin, weil meine Wehen nicht stark genug beim Pressen halfen. Und Glukose, weil ich körperlich so erschöpft war. Ich presste und presste und presste. Alle im Raum, allen voran mein Mann, feuerten mich an und versuchten, mir Mut zu machen. Ich konnte nicht mehr. Zwischen dem Pressen schwankte ich zwischen leichtem Hyperventilieren (eine Schwester tat laum etwas anderes, als ruhig mit mir zu atmen) jammern, "I can't do this anymore" und zwischendrin sogar weinen.

Mein Mann sah zum ersten Mal ein Stück vom Köpfchen im Geburtskanal und wurde total euphorisch, feuerte mich an und versprach mir nach jeder Wehe, dass es nicht mehr lange dauern würde. Irgendwann war der Druck im Geburtskanal echt heftig und plötzlich wurden alle ganz aktiv. Ich wurde ein wenig nervös, bis die Ärztin sagte, dass die Geburt vorbereitet würde. Mein Mann jubelte, als er die ersten Haare herausschauen sah.

Ich presste und presste, aber es tat sich nicht mehr. An dem Punkt erklärte die Ärztin, dass sie leider einen Dammschnitt würden machen müssen, damit ich die Geburt schaffen könnte. Mein Mann wurde in Scrubs, Haarnetz, Munschutz und Handschuhe gepackt, um die Nabelschnur zu durchschneiden. Mir war inzwischen alles recht, um endlich mein Baby zu haben. Also bekam ich eine lokale Betäubung und hörte dann unter der nächsten Wehe ein "Schnipp, schnipp".

Eine weitere Wehe kam, ich presste mit aller Kraft und wusste plötzlich, dass es jetzt soweit war. Wie auf echt harten Drogen und mit meinen lezten Kraftreserven, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte, presste ich so gut ich konnte und hatte das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen. Und hörte meinen Mann jubeln " He's out! He's out!". Ob ich nochmal gepresst habe, ald der Körper geboren wurde, oder ob die Ärztin das gemacht hat, weiß ich nicht mehr. Mein Mann durchtrennte dann die Nabelschnur.

Ich wollte unseren Schatz gleich auf die Brust gelegt bekommen. Da erklärte mir die Ärztin dann, dass die lezten Schwalle an Fruchtwasser (die beim Pressen noch heraus kamen) kontanimiert waren und der Kleine abgesaugt werden müsse. Da bemerkte ich dann außer ein wenig Blut auch den grünen Schleim an meinem Oberschenkel. Im Nebenraum wurde er also abgesaugt, ein wenig gesäubert und angezogen. Nach etwa einer Minute hörten wir einen wunderschönen Schrei. Dann bekam ich ihn endlich auf die Brust gelegt. Er schrie und war so wunderschön und ich streichelte sein Köpfchen und redete mit ihm und er beruhigte sich und schaute mich an.

Dann erklärte die Ärztin mir, dass der Kleine unter der Geburt offenbar sehr viel Stress hatte (weshalb das Mekonium abgegangen war) und genauer überwacht werden müsste. Daher könne er leider nicht bei uns bleiben, sondern würde im Inkubator überwacht, während man mich im Kreissaal überwachen wollte und gegen 6 könnten wir dann zusammen unser Zimmer auf der Station beziehen. Mein Schnitt wurde genäht und dann lag ich euphorisch, zitternd (vor Erschöpfung und da ich seit dem Abend des 30.6. nichts gegessen hatte) und klatschnass geschwitzt auf dem Kreisbett. Bis wir soweit waren, war es dann nach 4:30, sodass wir nicht schlafen wollten. Dann kam 6:00 Uhr und eine Schwester mit Rollstuhl und frischen Klamotten für mich.

An dem Punkt dachten wir, wir bekämen jetzt unseren Schatz und kämen auf's Zimmer. Dann allerdings eröffnete man uns, dass der Kleine zu schnell atmen würde und die Ärzte ihn noch weiter überwachen und die Resultate eines Bluttests abwarten wollen würde. Das würde 1-2 Stunden dauern. Da war es etwa 6:30.

Ich zog daher erstmal (wie ich dachte) alleine auf's Zimmer. Mein Mann ging vorest nach Hause, um zu duschen, sich umzuziehen und ein wenig zu schlafen. Ich nickte dann auch ein wenig ein. Gegen 8 ging ich an den Empfang (ich habe tatsächlich nicht ein einziges Mal nach der Schwester geklingelt) und fragte nach meinem Sohn. Ich durfte ihn dann vorest zu mir auf's Zimmer holen. Aber ich sollte ihn nicht anlegen. Er spuckte dann erstmal und ich hielt ihn eine Weile auf dem Schoß und streichelte und betrachtete ihn neben mir ihm Babybettchen. Irgendwann wachte er auf und schmazte. Mir war klar, dass er Hunger hatte. Das bekundete er dann auch mit lautem Gebrüll, ließ sich aber mit gutem Zureden und streicheln beruhigen. Kurz darauf kam eine Schwester und gab mir die schlechte Nachricht: Die Entzündungswerte seien schlecht und der Kleine müsse in ein spezielles Kinderkrankenhaus verlegt werden. Also kam mein Mann. Vor der Abfahrt durfte ich den Kleinen wenigstens noch einmal kurz anlegen.

Während mein Mann dann mit dem Kleinen unterwegs war, kamen immer mehr schlechte Nachrichten. Am Ende lag unser kleiner Rabe mit der Diagnose "Mekoniumaspiration mit Verdacht auf Lungenentzündung" auf der Intensivstation des besten Kinderkrankenhauses in Shanghai und es hieß, er müsse etwa 2-3 Wochen dort bleiben. Leider gibt es keine VIP Abteilung mit Intensivstation für Neugeborene. Und auf einer "normalen" Intensivstation gilt in China: Keinerlei Besucher. Auch keine Eltern. Kein Stillen, kein Bonding, nicht einmal ein Glasfenster um das Baby wenigstens sehen zu können...

Letztendlich hatten wir jedoch Glück im Unglück und durften den kleinen Raben nach genau 1 Woche abholen. Er hatte das Mekonium offenbar doch "nur" geschluckt und den Infekt sehr gut überstanden. Ein großer Kämpfer, unser kleiner Rabe. :-)

Freitag, 18. September 2015

Bloggeburt

Das Internet - unendliche Weiten... Und auf einmal macht es kaum vernehmbar in der letzten Ecke "plopp", das Raum-Zeit-Kontinuum schwabbelt kurz, weil da jemand endlich im 21. Jahrhundert angekommen ist, und ein neuer Blog ist geboren.

Mehr gibt es hier für heute aber nicht. Der kleine Rabe ist endlich richtig eingeschlafen. Da es jetzt schon Viertel vor 1 in der Nacht ist muss ich das nutzen, um endlich auch zu schlafen. Ist ja nicht so, dass ich schon seit 8 mit dem Raben im Bett gelegen hätte... Aber wie dem auch sei, in 2-3 Stunden werde ich wieder zum Stillen geweckt. Also jetzt erst einmal gute Nacht!