Samstag, 19. September 2015

Que pasan?!

Es heißt immer überall, auf allen Webseiten und in allen Foren, "Nach ein paar Wochen verstehst du, was deinem Baby fehlt, wenn es weint!". Also ich weiß nicht, wie genau man "ein paar Wochen" definiert, aber der kleine Rabe ist jetzt schon seit fast 11 Wochen bei uns und von einem echten "Verstehen" kann keine Rede sein. Ich höre mein Baby nicht weinen und erkenne sofort "Oh ja, das ist ein Hunger-Weinen" oder "Ja, so klingt er wenn er müde ist". Würde mir jemand nur sein Weinen aufzeichnen und vorspielen, wäre ich genauso schlau, wie jeder andere auch. Einzig Schmerz und so richtig großer Hunger klingen anders weil lauter und schriller bzw. verzweifelter. Aber sonst? Volle Windel, Hunger, müde aber kann nicht schlafen, Bäuerchen, Pups steckt quer und (seit Neuestem) Langeweile klingen alle einfach komplett gleich. Also für mich. Und für mein Haselchen. Und der ist Musiker und DJ durch und durch - zumindest bei ihm kanns nicht an den Quallohren liegen.

Wenn unser Baby weint, gehen wir daher ganz logisch vor und versuchen verschiedene Strategien, ohne " intuitiv zu wissen" oder "am Weinen zu hören", was los ist.

Hat er zum Beispiel gerade erst getrunken, aber kein Bäuerchen gemacht, ist das natürlich erstmal naheliegender, als Hunger. Ist er schon seit Stunden wach und schreit seinen Spielebogen genauso wie die Brust an, könnte er wohl müde sein.

Und wenn wir ganz planlos sind, biete ich ihm erstmal Milch an (wie seine Mama - abshora ves motora!). Kein Erfolg hier führt dann zu herumtragen (und singen) und mal kurz am Hinterteil schnüffeln.

So raten, versuchen und experimentieren wir herum, bis der kleine Rabe am Ende endlich zufrieden ist.

Eine Weile habe ich schon deswegen mit mir gehadert. Was auch nicht besser wird, wenn das Haselchen ins Zmer schaut und "Que pasan?" (eine Mix aus "que pasa" und "son") fragt (wenngleich er von mir so sehr eine Antwort erwartet wie ich vom kleinen Rabe, wenn ich die Frage mit "Baby, warum weinst du denn?!" an den Kleinen stelle). Eben weil es überall heißt, man würde sein Kind "nach ein paar Wochen" richtig verstehen. Und wenn es überall so steht, dann muss es ja stimmen. Und wenn das stimmt und es bei uns aber doch anders ist, dann müssen wir ja schlechte Eltern sein.

Ja, so Sachen fallen mir vor allem nachts um 1:00 Uhr ein wenn der kleine Rabe noch immer nicht schläft und ständig wieder zu heulen anfängt, bis ich irgendwann selbst meine 5 Minuten bekomme, neben ihm liege und mit mitheule. (Meist schläft er dann kurz darauf beim neuerlichen Herumtragen ein, als sei nie etwas gewesen.) Spätestens in dem Moment bin ich dann auch vom "Que pasan?" so genervt, dass das Haselchen je nach Uhrzeit ein halb geheultes "I don't knooooooow" bis hin zu einem gebellten "How the hell am I supposed to know?!" an den Kopf geworfen bekommt.

Dass wir keine schlechten Eltern sind, weiß ich aber. Und wenn der kleine Rabe mich anlächelt oder, so wie heute zum aller ersten Mal, lacht, dann zeigt er uns ja auch ganz deutlich, dass er zufrieden ist. Kinderlachen braucht man zum Glück nicht zu verstehen. Das darf man einfach genießen.

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Über den Blog von (Mama) Miez bin ich auf die Aktion .txt gestoßen, die Dominik Leitner Anfang des Jahes auf seinem Blog gestartet hat. Hier werden Texte zu einem bestimmten Überbegriff verfasst. Sowas gefällt mir immer gut. Diesmal war das "verstehen" - was ich tatsächlich gesehen habe, nachdem ich diesen Beitrag hier schon geschrieben hatte. Da er trotzdem passt , nehme ich jetzt auch an .txt teil. Alle anderen Beiträge zum Thema finden sich bei neonwilderness.

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