Dienstag, 22. September 2015

Shanghai Alltag: AQI

Zwar leben in Shanghai inoffoziell rund 30 Millionen Menschen, aber wer auf diesem Blog landet, wohnt nur mit einer recht geringen Wahrscheinlichkeit hier.
Daher möchte ich euch ab und an ein wenig von Dingen erzählen, die den Alltag im "Paris des Ostens" deutlich von jenem in Deutschland unterscheiden. Heute: Der AQI (Air Quality Index).

Kurz gesagt gibt der AQI die Luftqualität anhand verschiedener Parameter an. Je niedriger der Wert, desto besser die Luft. Ein Wert von 300 entspricht in etwa der Luftqualität in einer Raucher-Lounge im Flughafen. Also dieser Glaskästen, aus denen selbst die Raucher schnellstmöglich wieder flüchten, nachdem die eigene Zigarette geraucht ist.

Eine Übersicht der verschiedenen AQI Abstfungen
Quelle: aqicn.org


Es ist ja kein Geheimnis, dass die Luftverschmutzung in China ein großes Problem ist. Und Shanghai ist da, trotz seiner Lage direkt am Meer, leider keine Ausnahme. Besonders schlimm ist es immer im Winter. Vor 3 Jahren (wenn ich mich nicht irre) war es im Dezember so richtig krass. Da haben uns die PM 2.5 Werte (ganz feiner Feinststaub) AQIs von bis über 500 beschert. Ich hatte damals ursprünglich eine leichte Erkältung - die dann natürlich zur Bronchitis wurde und mich einen kompletten Monat lang begleitet hat. Aber wen wundert's - das war so richtig eine trübe Suppe. Keine Luft mehr. Wenn man in der Zeit aus dem Fenster sah, sah alles aus wie in dichten, gelblich-braunen Nebel gehüllt. Hatte schon was von Silent Hill...
Zum Glück blieb das in dieser heftigen Form eine Ausnahme. Aber dennoch spielt die Luft hier eine große Rolle.

Für uns bedeutet das erstmal, dass wir den AQI ständig überwachen. Sowohl das Haselchen, als auch ich haben eine App von aqicn.org auf dem Handy. Und wir haben sie nicht nur (so wie ich drölf Russisch-Lernen Apps habe), sondern wir nutzen sie ständig. Wenn wir den Tag planen, bevor wir das Haus verlassen, draußen alle 1-2 Stunden, bevor wir ein Fenster öffnen, beo offenem Fenster alle 1-2 Stunden. Ja. Ich übertreibe leider nicht. So oft schauen wir uns den aktuellen AQI an. Das war nicht immer so ausgeprägt, aber seit ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hatte ist das Alltag.

Heute keine dicke Luft - yeah!


Denn: Ist die Luft schlecht (wir nehmen als Grenze den Wert von 150, ab dem die Luft auch offiziell als "ungesund" bezeichnet wird), bleiben wir soweit als möglich drinnen, lassen unseren Luftfilter laufen und halten Fenster und Türen geschlossen. Und während der Schwangerschaft bin ich dann auch nur noch mit einer Feinstaubmaske aus dem Haus gegangen. Im Büro werden die als "Bürobedarf" bestellt, sodass alle Mitarbeiter welche haben und es stehen alle paar Meter Luftfilter herum. Wir sind daher auch nicht nur verrückte Laoweis, die es einfach übertreiben...

In etwa so wichtig wie ein Regenschirm - die Feinstaubmaske

Nicht schön, nicht selten, aber ein Segen an Schlechtlufttagen - unser Luftfilter

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