Samstag, 31. Oktober 2015

Halloween 2015

Der Tag heute begann mitten in der Nacht mit echtem Grusel. Ich binde euch da jetzt keinen Bären auf und ihr könnt uns ruhig für verrückt erklären, aber wir finden beim besten Willen keine logische Erklärung...
 
Gegen halb 6 wollte der kleine Rabe abgehalten werden. Im zweiten Schlafzimmer, wo derzeit der Wickeltisch noch steht, stellte ich fest, dass auf selbigem statt der wasserfesten Unterlage nur ein leicht feuchtes Mullhandtuch lag. Die wasserfeste Unterlage fand ich klatschnass in der Waschmaschine. Nachdem wir fertig waren, weckte ich das Haselchen um zu erfahren, was passiert war: Er war kurz vor eins aufgestanden, um zur Toilette zu gehen. Auf dem Weg nach draußen streifte er mit der Hand über den Wickeltisch und stellte fest, dass dieser nass war. So richtig pitsche patsche nass. Allerdings nur auf dem Wickeltisch. Drumherum war der Boden trocken. Es tropfte nicht von der Decke. Es riecht auch nicht nach Katzenpipi (und die hat ja nun wirklich einen markanten Duft). Und um diese Unterlage SO nass zu bekommen, braucht es auch mindestens 1/2-1 Liter Wasser. Solche Mengen an Urin können auch zwei Katzen in nur 2 Stunden nicht produzieren. Wir können uns beim besten Willen nicht erklären, woher das Wasser kam. Uns war es daher beiden echt gruselig. Zurück im Bett hielt ich sicherheitshalber beim Einschlafen die Hand des kleinen Raben - nicht, dass ein Wassergeist mir den noch klaut!
 
Beim Aufstehen stellte ich dann auch noch fest, dass der kleine Rabe sich an der Stirn einen blutigen Kratzer verpasst hatte. Diese Baby - Fingernägel! Rasiermesser sind nix dagegen!
 
Und dann fingen auch schon die Vorbereitungen für unsere "mad hatter tea party" an. Also vor allem musste ich mich zwischen Stillen und Nickerchen schminken, anziehen und versuchen, meine Haare aufzudrüsseln. Die hatte ich für einen wirren Lockenschopf Gestern nass eingedreht. Cupcakes waren schon fertig, genau wie unser Kürbis und meine Fingernägel.
 
Einer von insgesamt 20 individuellen Cupcakes 

Dann schafften wir es, mit Grabtalk ein Auto zu ordern (vs. ein Taxi am Straßenrand abzufangen). Allerdings war die Fahrt scheiße. Anders kann man das nicht nennen. Der kleine Rabe scheint das Auto fahren zu hassen und hat das ausgesprochen laut und ausdauernd zum Ausdruck gebracht. Dabei wurde dann das Haselchen ganz nervös und schimpfte in einer Tour mit mir. Tolle Wurst, zwei Jungs auf einmal stinkesauer (wobei der Kleine eher verzweifelt klang...) und ich kann nicht einmal was "für die Nerven" trinken. -_-
 
Wurde alles auch nicht davon rausgerissen, dass bis auf den "harten Kern" von 4 Mann (außer uns) NIEMAND kam.
 
Und trotz meiner Bestechung mit echt gut gelungenen Halloween - Cupcakes kamen 3 von 4 Leuten natürlich auch über eine Stunde zu spät.
 
Und noch n Cupcake 

Lustig fand ich es jedoch, den kleinen Raben in einer Metal - Bar auf dem schwarzen Ledersofa zu stillen und zu wickeln (keine Sorge, es war leer und die Musik lief auf Zimmerlautstärke). So bequem haben wir außer Haus noch nie gestillt (ging sogar im Liegen). Und stilecht ist es ja schon. Er hat dann auch rhythmisch im Takt zu "Sweet Dreams" geschluckt. Dabei steht er daheim eher auf Synth oder Future Pop...
 
Vom Diener vorm Inferno gab es auch einen Lolli für den kleinen Raben 

Der Heimweg war allerdings wieder die Hölle.
 
Jetzt haben wir noch Corpse Bride geschaut (unsere Halloween Tradition) und unseren Kürbis beleuchtet, damit der böse Geister vertreibt (wobei das normalerweise auch die Katzen tun können). Außerdem haben wir ein wenig mit Weihrauch geräuchert (außer im Schlafzimmer mit dem kleinen Raben darin). Zur Reinigung. Schaden kann es nicht...

Diese Seite des Kürbises hat das Haselchen gemacht 

Der Mumien - Lolli für den kleinen Raben (haben wir natürlich gegessen) 

Meine Seite am Kürbis 

Ich bin mir noch nicht so sicher, wie ich meine Haare jetzt wieder glatt bekomme... 


An Halloween gehe ich grundsätzlich bunt - schwarz trage ich ja sonst das ganze Jahr :-) 







Donnerstag, 29. Oktober 2015

Herbst und ganz viel Vorfreude

Heute ist der Herbst bei uns eingezogen. Zum einen haben wir unseren Halloween - Kürbis bekommen und zum anderen war ich mit dem kleinen Raben bei gerade einmal 15°C und Regen spazieren. Normalerweise würde ich ja bei so einem Wetter nicht vor die Tür gehen. Aber die letzten paar Tage war die Luft schlecht und irgendwann muss das Kind ja mal an die frische Luft...

Dabei habe ich dann festgestellt, dass die Sohlen meiner Billigstiefel mal wieder gebrochen sind. Passiert meist nach etwa einem Jahr. Die werden dann in etwa so wasserfest wie ein Paar Feinstrumpfsocken. Also bin ich ne dreiviertel Stunde mit klatschnassen Füßen unterwegs gewesen. Darauf habe ich mir zu Hause dann erstmal eine heiße Schokolade gegönnt (auch sehr geil mit Mandelmilch!). Das Haselchen nahm derweil den kleinen Raben auf den Schoß und mir fielen schlagartig die ganzen tollen Sachen ein, die wir in Zukunft machen können und die zwar total schön sind, aber ohne Kinder macht man das doch nicht oder es macht nur halb so viel Spaß: Kastanien und bunte Blätter oder schöne Steine oder Muscheln sammeln, Drachen steigen lassen, rodeln, wandern, Fahrradtouren, Zoobesuche, Sankt Martins Umzüge, Ostern und Weihnachten feiern und so weiter.

Und dabei freue ich mich sogar richtig auf die Mutterrolle bei alledem. Ich freue mich darauf, Rucksäcke voller Snacks, Getränke und Krimskrams zu tragen, kiloweise Orangen zu schälen und selbst nur eine halbe zu essen, heiße Schokolade nicht nur zu trinken sondern auch zu kochen, Ostereier zu verstecken, Plätzchen zu backen und so weiter.

In dem Moment rollte das Haselchen mal wieder mit den Augen, weil mir vor lauter Glück und Rührung Tränen in selbigen standen. Ich begreife die gesamte Tragweite immer mal wieder Stück für Stück... Ich bin jetzt und für den Rest meines Lebens eine Mama und es gibt nichts was mich glücklicher oder mein Dasein erfüllter machen könnte.

So, und bevor ich hier noch gefühlsduseliger werde gehe ich jetzt schlafen. Morgen habe ich viel vor - Halloween will vorbereitet werden!

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Schwiegermama kommt

Seit heute ist es "amtlich": Meine Schwiegermama hat ihr Visum bekommen und kommt uns nächste Woche besuchen. Zusammen mit meiner Schwägerin. Die ist erst zarte 13 Jahre alt. Ich freue mich ganz besonders auf die Kleine, die ich bis jetzt noch gar nicht kennen lernen konnte. Und ich bin gespannt, wie es mit Schwiegermama in da house wird.

Bei unserer Hochzeit hat sie zwischendurch die Zicke raushängen lassen und sich wie ein beleidigter Teenager aufgeführt. Nicht mir, sondern dem Haselchen gegenüber. Zeitgleich hat sie ihm dann aufgetragen, immer auf seine Frau zu hören. ;-)

Ich selbst kann mit ihr keinen Knatsch bekommen, da sie nur Russisch spricht und ich eben so gut wie gar nicht. Sie nervt aber halt wohl das Haselchen schon immer wieder über Skype bezüglich des Babys und weiß alles besser. Er sagt ihr dann auch klipp und klar, dass sie sich nicht einzumischen hat und uns gerne Tipps geben darf, aber als Eltern entscheiden wir. Er ist da nicht so und gibt auch seiner Mutter sehr direkt zu verstehen, wenn sie Unrecht hat. Sie holt dann gerne die "Wie redest du mit deiner Mutter?!" Keule heraus und schwupps streiten sie sich.

Also mal schauen, wie das nächste Woche wird. Erstmal freue ich mich aber. Denn wie gesagt - ich habe mit ihr ja keine Schwierigkeiten...

Dienstag, 27. Oktober 2015

Ausgang

Ich hatte am Samstag zum ersten Mal seit der Geburt des kleinen Raben alleine Ausgang. Es ging (auf Einladung) zur Eröffnungsparty von "Betrayers paradise", einer Ausstellung für "Dark Art".
 
Ich gebe zu, ich hatte mir ein wenig mehr Party und ein bisschen weniger Eröffnung erhofft. Also auch mal tanzen statt nur Networking und genuine schwarze Gestalten statt 99 % nur verkleidet für den Dresscode. Aber Spaß hatte ich dann doch.
 
2 Gläser Wein habe ich getrunken und fühlte mich schon davon richtig heftig beschwipst. Merke: Nach so langer Abstinenz merkt man jeden Tropfen. So fiel mir mit meiner generellen Angst vor neuen Leuten dann allerdings das Quatschen und Networken deutlich einfacher. ;-)
 
So habe ich ggf eine Möglichkeit gefunden, kostenlos in Beijing tätowiert zu werden - gegen ein professionelles Photoshooting und die Erlaubnis, die Bilder dann für Webezwecke für das Tattoostudio verwenden zu dürfen. Aber bevor ich euphorisch werde, will ich mir die Arbeit des Artists erstmal anschauen. Im Zweifelsfall warte ich dann doch lieber, bis wir wieder in Bangkok sind...
 
Sehr schmeichelhaft fand ich die erstaunten Gesichter und Blicke auf meine (endlich wieder ordentlich ins Korsett geschnürte) Taille wenn ich erzählt habe, dass zu Hause mein 3 1/2 Monate altes Baby auf mich wartet. Daran hingegen, dass mich alle für eine Künstlerin hielten, habe ich mich hier schon fast gewöhnt. ;-)
 
Derweil hütete das Haselchen Heim, Herd und Kind und wir waren ständig über Wechat in Kontakt. Gegen 23 Uhr wachte der kleine Rabe dann wohl auf. Anders als bei meinem Frisörbesuch von vor ein paar Wochen wollte er dann aber die (zuvor abgepumpte) Milch aus der Flasche nicht trinken, sondern kaute nur auf dem Sauger herum. Das Haselchen sendete mir immer nervösere Nachrichten. Bis ich fast einen Herzinfarkt nach der Zeile "We had a little accident..." bekam. Ich sah uns schon aufgelöst mitten in der Nacht in der Chinesischen Notaufnahme sitzen... Bis er mich aufklärte, dass er lediglich dem Baby Milch über geschüttet hatte und er eine Katzenwäsche und einen frischen Schlafanzug brauchte. Die außerplanmäßige Dusche schien dem kleinen Raben aber zu gefallen. Zumindest ließ er sich danach endlich dazu überreden, auch in Papas Arm etwas zu trinken. Und ein wenig später schlief er sogar wieder ein.
 
Etwas komisch war es dann für mich, den 3. Wein (sowie den Vodka Cranberry und den Gin Tonic) abzulehnen und am Ende direkt nach Hause zu fahren. In bester Shanghai - Manier wurden die verbliebenen Gäste nämlich immer angeheiterter und gingen dann alle zusammen ins Dada (ein Club). Früher endete in Shanghai keine Nacht für mich vor frühestens 4:00 (normalerweise eher) und der Frage "Wie bin ich eigentlich nach Hause gekommen?". Ich fühlte mich also so ein bisschen wie Aschenputtel, als ich gegen halb eins schon wieder daheim war. Nur, dass ich noch beide Schuhe an hatte...
 
Also ein bisschen ungewohnt ist das alles so noch. Aber schön. Und jetzt noch ein paar Fotos:

Ausgehfertig daheim 


Zwei Bekannte getroffen 

Die Mädels hier: Eine Designerin, die Organisatorin und die Fledermama 

Rotwein hmmmm 

Keine Ahnung, was die Künstlerin uns sagen will, aber cool schaut es aus... 

Schicke Deko kann auch Kunst sein 

Mit Bekannten und punkrave Designern 

Nicht ganz die Art von Party, die ich mir erhofft hatte... 

Das Dollhouse of horror 

Samstag, 24. Oktober 2015

Genau ein Jahr...

... Ist es heute her, dass ich beim Vorbereiten unseres Umzugs in der alten Wohnung dachte "ach, ignorier mal das mit dem Morgenurin... Bevor ich sie einpacke, mache ich noch schnell einen Test. Ich glaube es hat geklappt..."

Und siehe da, nach ein paar Minuten erschien tatsächlich ein ganz blasser zweiter Streifen auf dem extra empfindlichen 10er Schwangerschaftstest.

Seitdem begleitet mich ein riesiges Glück, das jeden Tag ein wenig größer wird. Und eine Angst im Hinterkopf, die ich wohl niemals abschalten werde können. Aber seit genau einem Jahr darf ich mit meinem kleinen Raben diesen spannenden Weg beschreiten, der sich Leben nennt. Und ich könnte nicht glücklicher sein.

Freitag, 23. Oktober 2015

WGT Vorbereitungen #1

Wir haben letzte Nacht unsere Flugtickets für nächstes Jahr gekauft. So viel Geld! Und das nicht einmal mit separatem Sitzplatz für den kleinen Raben... Aber naja, zu Fuß kommen wir halt nicht so einfach hin. Also vorfreue ich mich einfach schon mal. 2 Wochen Deutschland! Erst geht's für ein paar Tage zu meinen Eltern, dann nach Leipzig und dann wieder zu meinen Eltern.

So Touren wie die letzten Jahre, Flug mit Stopover, dann direkt am Flughafen in den Zug sodass wir am Ende bis zu 30 Stunden unterwegs waren (und davon höchstens 3 nüchtern) gehören mit Kind halt jetzt der Vergangenheit an. Ein bisschen leider und ein bisschen zum Glück...

Jetzt müssen wir uns nur noch bezüglich Zug vs Auto entscheiden, um von meinem Elternhaus aus nach Leipzig zu kommen. Ich tendiere ja zu Zug, denn unser Hotel ist direkt am Bahnhof und parken ist da eher Essig (bzw nicht billig) und ich bin was das Fahren angeht total aus der Übung. Ein paar Hundert Kilometer Autobahn mit (wahrscheinlich irgendwann auch kreischendem) Baby sitze ich so bestimmt nicht mal eben auf einer Arschbacke ab. Und getankt will so ein Auto ja dann auch werden... Ich schaue mal die Preise der Bahn an...

Außerdem wird es jetzt auch Zeit, mir um meine Outfits Gedanken zu machen... Normalerweise habe ich 4 Outfits - eins für jeden Tag. Das wollte ich so beibehalten. Ein Kleid, das mir vorschwebt, müsste ich wohl komplett nähen. Also Stoff suchen... Und wie mache ich das mit Taschen? Weder in meine Mini-Taschen noch in meinen Fledermaus-Rucksack passen Wickelutensilien und Essen für den kleinen Raben hinein. Und so ein dicker Rucksack zu Viktorianischem Kleid sieht einfach doof aus. Das täte allerdings auch die Manduca, aber aus schnödem Eitel werde ich meinem Kind das Tragen sicherlich nicht verwehren... Einen (Reise -) Buggy wollen wir aber auch mitnehmen. Und Mickimäuse brauchen wir auch noch. Klar wird der Kleine nicht mit auf Konzerte geschleppt werden. Da wechseln wir uns ab. Aber auch vor der Agra oder im HeiDo (wo wir dann wahrscheinlich am häufigsten sein werden) oder vor der Parkbühne (haben Minis mit 10 Monaten eigentlich schon Spaß auf Spielplätzen?) wird es ja doch mal lauter...

Also mal schauen. Pfingsten ist ja zum Glück (oder leider) noch nicht Morgen.

Überhaupt bin ich sehr gespannt, wie WGT mit Baby wird. Ich stelle es mir ja toll vor, aber dass Vorstellung und Realität nicht immer miteinander konform gehen, das hat mich der kleine Rabe ja schon gelehrt.

Aber so schlimm kann es gar nicht werden, dass ich mich nicht wie bekloppt auf das WGT freue!

Wer übrigens wissen will, was wir 2013 und 2014 so auf dem WGT gemacht haben, der findet hier meine ausführlichen und bebilderten WGT Berichte (auf Englisch).

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Und er dreht sich doch...

Ich war heute Früh ganz aus dem Häuschen. Der kleine Rabe hat sich zum aller ersten Mal ganz alleine vom Bauch zurück auf den Rücken gedreht.

Erst reckte er den Kopf so hoch wie noch nie, dann legte er ihn schief zur Seite und ehe ich mich geistig sammeln (das war alles noch vor dem ersten Kaffee!) konnte um nachzuvollziehen, was er da genau tat, lag er auch schon (ächzend) auf der Seite. Von dort aus kann er sich schon seit Langem auf den Rücken drehen.

Er schafft dieses Kunststück zwar noch nicht jedesmal, aber gerade eben hat es nochmal geklappt. Also wird er doch nicht bis zum Schulbeginn auf dem Rücken herum liegen, sondern sich bald schon dazzelig drehen.

Nur gut, dass wir die "Mission Beistellbett" bereits in Angriff genommen haben. Darüber mehr, wenn es spruchreif ist. :-)

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Shanghai Alltag: Kakerlaken

Aus gegebenem Anlass erzähle ich euch heute etwas von einem ziemlich ekligen Thema: Kakerlaken.

Ich hatte ja schon mal angemerkt, dass wir in unserer ersten Wohnung hier Kakerlaken hatten. Jetzt leben wir ungezieferfrei, aber Anlass gab es nun unangenehmerweise doch. Denn die Viecher können fliegen...

In Deutschland habe ich mir bis jetzt noch keine Kakerlake so ganz genau angeschaut. Aber dort müssten wohl die Deutschen Schaben heimisch sein. Die habe ich zumindest in Spanien kennen gelernt. Hier in Shanghai habe ich (wie auch auf Bali) nur mit der Amerikanischen Großschabe das Vergnügen gehabt. Und die macht ihrem Namen alle Ehre. Laut Wikipedia werden die bis zu 4 cm groß. Ich bin mir aber absolut sicher, auch schon größere Exemplare gesehen zu haben. Vielleicht kommt das dann doch von der Strahlung aus Fukushima. Oder die haben vorher bei einem Bodybuilder gewohnt und etwas von dessen Steroiden gefressen. Who knows...

Also auf jeden Fall sind die Biester hier riesig und braun und fliegen wie eine Eins.

In unserer ersten Wohnung hier lebten sie in Scharen in der Küche. Genauer gesagt unter den Kochplatten in dem Verschlag mit den Gasleitungen. Irgendwann traute ich mich gar nicht mehr, irgend einen Schrank in der Küche zu öffnen, da es mit dabei so regelmäßig entgegen krabbelte, dass einem ganz anders werden konnte. Noch dazu sind Kakerlaken sowas wie mein Kryptonit. Setz mir ne Spinne vor die Nase und ich begrüße sie freundlich, bevor ich sie vorsichtig nach draußen befördere. Aber mach das gleiche mit ner Schabe und ich kreische wie hysterisch und brauche jemanden, der mir das Ding platt macht und entsorgt.

Irgendwann dann hatten wir endlich wirkungsvolles Gift gefunden, sodass die Kakerlaken dann unter unseren Kochplatten in dem Verschlag mit den Gasleitungen starben. Unzählige. Mehr als da je gelebt haben. Eine Zeit lang wunderte mich das. Bis wir eines Abends in der Küche standen (was bei der Größe selbiger schon eine Leistung war), als plötzlich durch das geöffnete Fenster (ohne Dunstabzugshaube war Kochen anders nicht machbar) eine riesige Kakerlake herein geschwirrt kam und sich im krauselig-lockigen Haare des Haselchens verhedderte. Zum Glück ist der auch was Insekten angeht hart im nehmen. Ich wäre ausgeflippt!

Also in Kurz: In Shanghai gibt es riesige, fliegende, braune Kakerlaken. Überall. Du kannst sie zwar davon abhalten, bei dir zu wohnen. Aber nicht davon, ab und zu mal vorbei zu schauen. So wie Schwiegereltern. Oder in Deutschland Fliegen (die wiederum hier kein Thema sind, mir aber deutlich lieber wären).

Weshalb ich nun davon schreibe? Dafür hätte ich mal wieder einen Orden verdient! Und zwar konnte ich Vorgestern nicht gleich einschlafen. Ich lag also so im Dunkeln herum, als ich erst ein leises Schwirren und dann ein deutliches "Donk"  hörte. Mein erster Gedanke war "riesige Motte!", dem Klang nach hätte es auch ein kleiner Vogel sein können. Für einen Moment dachte ich darüber nach, es zu ignorieren und endlich zu schlafen. Dann aber schaltete ich doch das Licht an meinem Handy ein. Und sah mitten auf dem Kopfkissen eine gigantische Kakerlake sitzen. Ohne Mist, die war länger als mein Daumen! Glaube ich. Ich hab mir jetzt nicht die Zeit genommen, genaue Vergleiche mit meinen Gliedmaßen anzustellen. Dafür, in diesem Moment nicht losgekrischen zu haben, verdiene ich aber schon mal einen kleinen Orden. Ich wollte halt den kleinen Raben nicht so rabiat wecken... Dann war mein erster Impuls, wegzulaufen und das Haselchen zu holen. Aber das Vieh wäre in der Zwischenzeit bestimmt verschwunden. Glücklicherweise stand auf dem Tisch eine kleine Schüssel. Die habe ich dann todesmutig über das Insekt gestülpt und dann erst das Haselchen mit den Worten "wake up and be my hero! Please safe me!" geweckt. Gemeinsam haben wir dann den ungebetenen Gast aus dem Fenster befördert. Und der kleine Rabe schlief weiter wie ein Engelchen vor sich hin. Ich dann jedoch erst mal 2 Stunden lang nicht, weil ich ins Dunkel lauschen und auf das nächste "Donk" warten musste. Kam nicht. Aber lieber müde aufgewacht, statt mit Kakerlake im Gesicht...

Sonntag, 18. Oktober 2015

Werbung in eigener Sache #2

Die Tage bin ich ein wenig abwesend hier... Grund ist, dass der kleine Rabe ziemlich fordernd ist zur Zeit und viel Aufmerksamkeit verlangt.

Aber eigentlich wollte ich ja auf das hinaus, was ich zeitgleich noch mache. Nämlich Halloween vorbereiten. Dieses Jahr organisieren wir eine "Mad hatter Halloween tea party" im Inferno (die einzige Metalbar der Stadt!). Die haben nämlich auch einen Außenbereich und so können wir mit der ganzen Familie feiern.

Ich bastel gerne Flyer. Und sooo schlecht finde ich den diesmal gar nicht :-)

Der kleine Rabe hat schon ein passendes Outfit. Plan für die besten Halloween Cupcakes aller Zeiten steht. Nun brauch ich noch ein Kostüm, das auch zum Stillen und Manduca-Tragen geeignet ist und versuche, das Haselchen zu überzeugen, sich auch ein bisschen mehr zu verkleiden, als nur seinen Zylinder aufzusetzen. :-)

Und Morgen müssen wir zum Impfen. Und letzte Nacht hab ich wegen einer Kackerlake nur 3 Stunden geschlafen... Daher bin ich jetzt so ein kleines bisschen kurz angebunden hier...

Aber wer in Shanghai ist und am Halloween-Nachmittag noch nix vor hat ist herzlich eingeladen! Gebäck wird von den Teilnehmern selbst mitgebracht. Ist so ein bisschen wie Picknick, nur mit Tischen und Stühlen. Und ner Bar. :-)

Samstag, 17. Oktober 2015

Die Tücken der Babypflege

Mit so einem kleinen Baby gibt es ja einiges zu tun. Und auch so manches, an das man im Vorfeld kaum denkt. Oder sich anders vorstellt, als es dann wirklich ist.

Ich dachte zum Beispiel, ich würde das Windelwechseln total nervig bis eklig finden und so oft als möglich "abgeben" wollen. Aber nein. Es stört mich gar nicht. Und selbst als der kleine Rabe mich (mehrfach) komplett vollgekackt hatte und ich mich dann erstmal umziehen und duschen musste, war da kein Ekel. Ich fand's urkomisch und war erleichtert, dass der Kleinen den Druck im Bäuchlein los war. Ich meine klar, in die Windel wäre es mir lieber gewesen und das müssen wir nicht unbedingt wiederholen, aber immherin ging nix in meine Haare und wir haben keinen Teppichboden.

Was ich allerdings ganz schrecklich finde und worüber ich zuvor nie nachgedacht habe, ist das Nägelschneiden. Die Dinger wachsen wie Unkraut, sind rasiermesserscharf und grundsätzlich immer so schwarz als hätte er gerade ein Grab damit ausgehoben. Also müssen sie alle paar Tage gestutzt werden. Das geht aber nur, wenn der kleine Rabe schläft. Ansonsten zappelt er viel zu viel. Also sitze ich regelmäßig abends mit einer kleinen Taschenlampe zwischen den Zähnen in den verquersten Positionen auf dem Bett und hantiere mit der Baby-Nagelschere als wäre ich beim Bombenräumkommando. In etwa so schlägt mir das Herz dabei auch bis zum Hals. Und bei jedem Zucken glaube ich, jetzt doch den Zünder erwischt zu haben und sofort von einer Schalldruckwelle aus Babygebrüll und der schmerzlichen Gewissheit, meinem Kind wehgetan zu haben, erschlagen zu werden. Dann realisiere ich, dass er nur gerade träumt.

Und bis jetzt hatten wir noch Glück und ich musste noch keine Fußnägel schneiden. Ohne Mist, so Baby-Mini-Zehennägel sind doch mit bloßen Auge kaum zu erkennen! Und es hat halt fei scho seine Gründe, dass ich mit meinen Woschtfingern keine Gefäßchirurging geworden bin...

Ja, und dann war da auch noch die Geschichte mit der Nabelpflege... Die fasse ich mal kurz¹ zusammen: Wir hatten (außer "Luft dran lassen") keine Ahnung, was man mit einem Nabelstumpf so tut. Nachsorgehebamme gibbet in China nüscht. Erklärung gab's auch von niemandem (Abholen in der Kinderklinik war: Ok, alles bezahlt, hier ist das Baby. Kommen Sie nächste Woche nochmal. Tschüß!). Und das Internet, der Freund und Helfer verunsicherter junger Eltern² spuckte 50 verschiedene Meinungen auf der ersten Google-Ergebnisseite aus. Nach vielen Sorgen fiel der Stummel dann ganz plötzlich ab, bzw. hing an einem so dünnen Fädchen, dass das Haselchen ihn wie einen sturen Wackelzahn abzwirbelte während ich gar nicht hinschauen konnte. Und drunter war alles schön verheilt.

Jetzt schicke ich jeden Tag Stoßgebete gen Himmel, dass auch so Mini-Baby-Zehennagel-Überstände immer weiter von alleine abfallen, wenn man nur genug Luft dran lässt...

¹ Ja, ich und mich kurz fassen... Öhm, möööp, geht nicht...
² Maybe in Bizzarroworld...

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Bam Bam Baam...

Offenbar stehen wir am Anfang des 19 Wochen Schubs.

Liegen = Weinen
Hochheben = Schreien
Wieder hinlegen = noch lauter Schreien
Spielebogen = Meckern bis Brüllen
Mit Mama spielen = lächeln und heulen im fließenden Übergang
Kuscheln = Meckern
Stillen = mit vollem Mund Meckern

Einziges verlässliches Hilfsmittel heute, das dem kleinen Raben sogar ein Lachen für die Videobotschaft an Oma und Opa entlocken konnte: Smoke on the water. Die ersten 12 Akkorde. In Dauerschleife.

So, kleiner Rabe meckert die Brust an. Ich muss weitermachen. Lustig nicken und: Bam bam baam bam bam badaam bam bam baam bam bam...

Dienstag, 13. Oktober 2015

Vom schlechten Gewissen, heute Kinder in die Welt zu setzen

Man mag mich einen Pessimisten nennen, aber die Welt, in der wir leben, ist ziemlich scheiße. Korruption, Krisen und Kriege halten den gesamten Globus in ihren Krallen.¹ Eine Hand voll Reicher wird immer reicher und eine Masse an Armen wird immer größer und ärmer. Die einen fressen sich die Augen zu, verschenken Dekaden von Lebenszeit an Transfette, Zucker und Konsorten und schmeißen 1/4 ihrer Lebensmitteleinkäufe in den Müll. Die anderen verhungern und verdursten. Und manche hungern sich freiwillig zu Tode oder kotzen bis die Speiseröhre birst, um einem Schönheitsideal hinterher zu eifern, dass selbst Topmodels ohne Photoshop vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Grundschulkinder werden depressiv wegen des enormen Leistungsdrucks in der Gesellschaft. Oder weil sie gemobbt werden - weil sie Klamotten der falschen Marke tragen oder so. Der Planet wird ausgebeutet, die Polkappen schmelzen, die Bienen sterben und in China schweißen ein paar Legte lebendige Babyschildkröten in Plastikhüllen als Handyanhänger, woraufhin Leute auf Facebook schreiben "The China are a barbaric and cruel race. They are not human!" oder gleich fordern "Burn China to ashes!". Die Sozialsysteme stehen vor dem Ruin, weil die Gesellschaften der Industrienationen immer älter werden, aber nicht genug Kinder bekommen. Zeitgleich ist die Welt überbevölkert. Die Ozeane sind leer, das Plankton geht zugrunde.² Ok, letzteres hat noch bis 2022 Zeit.

Aber mein Punkt ist: Die Welt, in der wir heute leben, ist ziemlich scheiße. Und ganz ehrlich betrachtet bin ich auch nicht besser. Ich habe Angst vor einem dritten Weltkrieg, wenn ich die globale Politik und die Propaganda in den Medien beobachte. Und was tue ich? Sitze auf dem Sofa und klebe mir Folien auf die Fingernägel, weil die so schön im Dunkeln leuchten.

Krank ist das doch alles. Die Menschen und diese Welt. Und in diese Scheiße reite ich mein Kind auch noch mit rein. Ohne ihn zu fragen, haben wir ihn einfach gemacht und geboren. Aber kann man das so einfach? Oder besser: Sollte man das dürfen? Unschuldige Seelen in diese kaputte Welt setzen? Wenn ich ehrlich bin, zu euch und zu mir selbst: Ich habe manchmal meinem Baby gegenüber ein schlechtes Gewissen dafür, dass ich ihn in diese Welt gesetzt habe. Noch bin ich hier und beschütze ihn. Aber schon so bald wird bzw. muss er auf eigenen Beinen stehen und in absehbarer Zeit (denn so 40-50 Jahre sind nun keine Ewigkeit) bin ich tot und lasse ihn alleine hier zurück.

Ich habe meinen eigenen Eltern mal im Streit sinngemäß gesagt "Ihr habt mich ja nicht gefragt, ob ich geboren werden wollte! Und jetzt verlangt ihr von mir, dass ich mit diesem Leben klarkomme. Das ist nicht fair! Ich hab' nicht darum gebeten!" ³ Und irgendwie hatte ich ja schon Recht.

Und trotzdem habe ich den gleichen "Fehler" gemacht. Nein, für mich ist mein Baby kein "Fehler" ich habe ihn mir von Herzen gewünscht, ich bin dem Leben unendlich dankbar für dieses kleine Wunder und nichts oder niemand könnte mich je so glücklich machen. Aber genau das ist ja der Punkt. ICH bin glücklich. IHN hat keiner gefragt. Warum also habe ich überhaupt ein Kind bekommen (und plane derzeit noch 3 weitere)?

Nun, die Natur hat sicherlich ihren Anteil daran. Ich mache mir da nichts vor. Ich bin ein triebgesteuerter Primat. Hormone und Instinkte diktieren mir, dass Babies niedlich sind und ich auch eins will.

Sicherlich spielt da auch die Nagelpflege auf dem Sofa mit hinein. Denn MIR geht es ja gut. All das Kaputte, Beschissene und Beängstigende der Welt ist abstrakt. Ganz weit weg und irgendwie nur Theorie. Trotz allem Wissen wiege ich mich doch in einem Gefühl von "Alles gut" - und die Instinkte der Arterhaltung haben wieder freies Spiel.

Aber so viel Triebkontrolle traue ich mir dann doch zu, dass das nicht alles ist.

Auch, wenn man mich einen Pessimisten nennen mag, so bin ich letztendlich doch ein hoffnungsloser Optimist.⁴

Ja, wir leben in einer ziemlich beschissenen Welt. Aber das liegt doch gerade daran, dass es zu viele dumme, ignorante, unehrliche, brutale, raffgierige etc. Menschen gibt. Die Welt braucht dringend ganz viele bessere Menschen! Und so weit kann ich mich glaube ich schon aus dem Fenster lehnen um zu sagen: Meine Kinder werden keine psychopathischen Serienmörder, sie werden keinen Genozid gutheißen und keine lebenden Tiere in Plastik einschweißen. Sie werden das Licht ausschalten, wenn sie den Raum verlassen, Essensreste für später aufheben (statt weg zu werfen) und sich mit niemandem darüber die Schädel einschlagen, wer den besseren imaginären Freund hat. Und wer weiß - vielleicht findet eines meiner Kinder einen Weg für Weltfrieden oder weltweite soziale Gerechtigkeit oder erfindet DIE Energiequelle der Zukunft. Jedes Menschenkind hat schließlich das Potantial dazu, Großartiges zu leisten.

Oder vielleicht werden sie einfach so glücklich, auch in dieser beschissenen Welt. So wie ich. Und meine nachtleuchtenden Fingernägel.

Also ja, ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen, den kleinen Raben in diese Welt gesetzt zu haben, weil das Risiko besteht, dass er unglücklich wird. Würde ich jedoch einzig aus diesem Grund kinderlos geblieben sein, müsste ich ein genauso schlechtes Gewissen haben, weil ich keiner kleinen Seele die Chance gegeben hätte, glücklich zu werden.

Am Ende ist das Leben weder gut, noch schlecht. Das Leben ist einfach nur. Und lebendig kommen wir alle da genauso wenig heraus, wie mit einem reinen Gewissen.*

¹ Das war jetzt tatsächlich eine Alliteration mehr, als beabsichtigt.^^

² Soylent Grün ist Menschenfleisch!

³ Ja, Pubertät ist hart... Für alle Beteiligten. Und die unbeteiligten Zuschauer...

⁴ Ja, das Oxymoron ist ganz bewusst so gewählt und nicht zufällig entstanden.

* So, noch eine letzte Fußnote just for fun. Gut, dass ich meine Bachelorarbeit nicht mit dem Handy getippt habe - das kann nur bis "⁴" und macht dann "⅝". Weiß der Teufel warum...

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[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Alle 3 Wochen gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Montag, 12. Oktober 2015

12 von 12 - Oktober 2015

12 Fotos vom 12. des Monats. Das ist die Idee "12 von 12". Auf dem Blog "Draußen nur Kännchen" werden alle Beiträge gesammelt. Los geht's:

Ich war am Morgen ziemlich müde. Daher kümmerte das Haselchen für eine Weile um den kleinen Raben, sodass ich nochmal eine gute Stunde in Ruhe schlafen konnte.

Die Luft war nicht gut. Also nur aus dem Fenster schauen, aber kein Spaziergang.

Kaffee und Mandelmilch. Der kleine Rabe bekommt leider schlimme Bauchschmerzen und manchmal Hautausschlag, wenn ich Kuhmilchprotein zu mir nehme. Aber Mandelmilch ist sau lecker!

Mandelmilchkaffee und die Reste von Schokokuchen und Rosinenbrot. Dabei online neue NewRocks gekauft. So darf der Tag startrn. Der Flachmann im Hintergrund ist übrigens echt kommunistisch - aus der UdSSR. Damit haben wir in China schon einige Freunde gemacht, kein Mist!

Gemeinschaftliches Spielebogen erkunden und schmusen

Die Katze kam kucken, aber der kleine Rabe fing just in dem Moment zu weinen an, also einmal Rückmarsch

Beim Nickerchen legte sie sich dann aber doch zu uns

Hell yeah! Das Kind ist auf dem richtigen Weg!

Getestet und für gut befunden: Die Manduca. Und ja, ich bin im Schlafanzug. War ich den ganzen Tag^^

Heute war Badetag für den kleinen Raben. Danach massiere bzw. öle ich ihn mit nativem Kokosöl ein. Seit unserem Thailandurlaub schwöre ich auf das Zeug! Witzig ist die Marke: Po care. Genau für selbigen nehmen wir das auch nach dem Wickeln statt Babyöl oder Puder.

Immernoch dicke Luft. :-( Aber der Pearltower heute in türkis - das ist die Farbe des kleinen Raben. :-)

Haselchen hat gekocht: Gefüllte Calamares aus dem Ofen mit Reis, Champignons und Kräutern und dazu gemischtes Pfannengemüse. Mjam!

Sonntag, 11. Oktober 2015

Carpe diem Oktober '15

Fertig für's Picknick
Heute hatten wir unser "Carpe diem" Gothic picnic. Der Tag stand erstmal unter keinem guten Stern...
   
Gestern hatte ich einen Schokokuchen gebacken (aka etwas schwarz anbrennen lassen - ich hasse unseren Mini-Elektroofen...) und ein Rosinenbrot in der Brotbackmaschine gemacht. Letzteres ging so gut auf, dass es den Deckel öffnete und wir Teig abnehmen und im Ofen separat backen schwarz anbrennen lassen mussten. Doof war das für das Haselchen, der heute Morgen die Maschine säubern musste.
  
Lecker und fluffig isses, das Monster-Rosinenbrot

Der kleine Rabe sollte dann eigentlich einen total süßen (für unseren Geschmack^^) Strampler mit Skelett darauf anziehen. Die Knochen leuchten sogar im Dunkeln! Aaaber er ist da schon rausgewachsen. Er hatte das Teil noch nie an, aber er ist rausgewachsen. Zunächst dachte ich noch "Naja, geht grade so noch.". Aber nach etwa 10 Minuten in dem schicken Teil fing er an, wie am Spieß zu schreien. Also Baby umgezogen.
 
Wir waren schon spät dran. Also runter, raus und hopphopp. Aaaber irgendwer im Compound heiratete heute wohl. Das geht hier nicht ohne Böller und Feuerwerk. Also ging plötzlich eine ganze Batterie Chinaböller los. Von der richtig lauten Sorte. Direkt vor dem Kinderwagen! Ich hielt dem kleinen Raben sofort die Ohren zu und wir nahmen so schnell wir konnten Reißaus. Aber natürlich schrie er trotzdem wie am Spieß.
 
Unterwegs war er dann wieder bester Laune. Dafür war mir von dem Schreck und der Aufregung (und vielleicht dem fehlenden Mittagessen) ganz schwummerig und weich in den Knien.
 
Eigentlich hätte ich gerne einen Schnaps gehabt. Aber mein heißgeliebter Mix aus alkoholfreiem Bier und Malzbier half dann auch. :-)
 
Das Picknick war ok. Leider nicht mehr. Wir hatten sozusagen Glück und ein russischer Bekannter kam (der mit Gothic nix am Hut hat, aber den kleinen Raben mal sehen wollte) und brachte gleich eine ganze Horde Russen mit.
 
So aßen und tranken wir, der kleine Rabe stillte und schlief eine Runde auf der (isolierten) Picknickdecke.
 
Von "unseren" Leuten kam der erste ne Stunde später, nochmal etwa ne Stunde später kamen zwei und die letzte trudelte dann etwa ne halbe Stunde bevor wir wieder aufbrachen ein. -_-
 
Also alles ganz ok, aber nicht berauschend. Und jetzt ganz o.T.: Ich liebe übrigens meine Nägel! Die leuchten im Dunkeln! ;-)

Licht an

Licht aus


Samstag, 10. Oktober 2015

Vom Abstellbett und dem Walross

Bei uns im Schlafzimmer steht seit ein paar Wochen dort, wo ich vorher meinen Nachttisch hatte, ein praktisches neues Möbelstück: Das Abstellbett. Auf dem kann man alles abstellen und -legen, was man so braucht. Spieluhren, Kuscheltiere, Spucktücher, Klamotten - ganz egal. Eine bezogene Kokosfasermatratze bietet viel Platz. Denn eigentlich sollte das ein Beistellbett sein. Für den kleinen Raben. Der sieht das aber ein wenig anders und inzwischen stimmen wir ihm voll und ganz zu...

Der Spieluhr-Freund des kleinen Raben wartet ganz alleine im Abstellbett auf seinen Einsatz

Anfangs versuchten wir, den kleinen Raben im Beistellbett schlafen zu lassen. Das Haselchen und ich wollten in unserem Bett ("großes Bett" würde ich das mit 150 cm jetzt nicht nennen) bleiben. Dabei gab es jedoch ein paar Schwierigkeiten:

- Der kleine Rabe schläft nur auf dem Arm oder an der Brust ein. Letzteres lieber. Aber danach darf man ihn nicht bewegen, sonst wacht er gleich wieder auf.

- Der kleine Rabe stillt verdammt OFT.

- Selbst für ein kleines bisschen Kind herumheben muss ich richtig wach sein, sonst habe ich Angst, ihm aus Versehen weh zu tun (ich bin extrem tollpatschig, daher ist das gar nicht soooo abwegig)

- Wenn ich einmal richtig wach bin, brauche ich 10-45 Minuten, um wieder einzuschlafen (ja, auch mit Stillhormonen).

Letztendlich schlief ich dann doch immer wieder beim Stillen nachts ein. Mit Baby agedockt direkt neben mir schlief ich dann sogar besser als ohne, weil ich nicht bei jedem Mucks hochschreckte mit "Oh! Baby Hunger muss füttern uga uga Urinstinkt". Dass ich mich im Schlaf nicht bewegen konnte, störte mich nicht - immer, wenn es dann doch so ein wenig unbequem wurde, war eh wieder Zeit zum Stillen. Und so entschieden wir, den kleinen Raben "offiziell" in unser Bett zu holen.
Ein Problem hatten wir jedoch noch: Das Haselchen schnarcht wie ein altes Walross. Ohrstöpsel konnte ich nun mit Baby nicht nehmen - die komplette Stille weckte dann wieder die Urinstinkte, die glaubten, dass da was faul sein muss, wenn das Jungtier keinen Mucks macht.

Unsere Nächte waren somit eine Endloschleife aus:
- kleiner Rabe weckt Fledermama zum Stillen
- Fledermama stillt
- kleiner Rabe schläft ein
- Fledermama versucht einzuschlafen, wird aber von Haselchens Geschnarche davon abgehalten
- Fledermama rüttelt, schüttelt, tritt und stößt Haselchen, damit er mit dem Schnarchen aufhört
- das Bettbeben Starke 9.8 und das zischende Flüsterbrüllen der Konversation
"Hhhrrrmmmmpf"
"My dear!"
"Krrrrrcchhhhh"
"MY DEEEHEEEAR!"
"What? Lemme sleep..."
"You are snoring like hell"
"No. Kkrrrccchhhtssss" oder wahlweise "Sorry. Kkrrrccchhhtssss"
wecken den kleinen Raben, der wieder zum Nuckeln an die Brust will
- repeat

Also ausgesprochen erholsam für die ganze Familie. Außer Mama. Und Papa. Und Kind... Die Katzen haben aber gut geschlafen.

Und dazu kam jetzt, dass das Haselchen leider auch zu der Sorte " rücksichtsloser Schläfer" gehört. Den dann auch nix wach bekommt. Ihr glaubt nicht, wie oft ich schon mit nem Ellbogen in den Rippen oder nem Knie im Kreuz aufgewacht bin, ihn gerüttelt und angesprochen habe und nichts als Schnarchen zurück bekam. Erst mindestens halblautes Rufen und gezieltes Treten oder Schütteln wie zur Ernte an nem Obstbaum brachten mir dann genervtes Gegrummel und eine Drehung des Haselchens ein.
Leider änderte sich daran auch mit dem kleinen Raben im Bett kaum etwas.

Der bekam zwar keine Ellbogen oder Knie ab, aber doof war das alles trotzdem. Unsere Nächte waren so in etwa so entspannend wie ein 12 Stunden Nachtflug in der Holzklasse. Nur, dass uns niemand Tomatensaft brachte.

Das Haselchen ist jetzt daher erstmal ins zweite Schlafzimmer umgezogen (wo derzeit auch noch der Wickeltisch steht) und wir treffen uns morgens in einem der beiden Betten (beide fast gleich groß) zum Familienkuscheln. Seitdem schläft er wieder ganz normal gut und ich zumindest deutlich besser als zuvor.

Über Platzmangel kann er sich nun wirklich nicht beklagen.

Der Plan ist jetzt, dass wir den kleinen Raben langsam an sein Beistellbett gewöhnen, damit er darin schlafen kann, sobald die Stillabstände etwas humaner werden, er sich dreht (um die Gefahr des aus dem Bett fallens zu minimieren) und das Haselchen (zusammen mit dem Wickeltisch) im Winter wieder ins Masterbedroom zieht, damit wir nachts nicht in zwei Räumen die Klimaanlage (einzige Heizung aber heftiger Stromfresser) laufen lassen müssen.

Ich bin gespannt, wie und ob das funktioniert und werde weiter berichten. :-)

Freitag, 9. Oktober 2015

Schlaf Rabe, schlaf (doch bitte endlich)

Habe ich schonmal erwähnt, dass der kleine Rabe wenig schläft? Ja? Naja, dann kommt hier die Langform des Ganzen im müden Mama-Mimimi...

Wenn zum Beispiel die Frau Rabe davon erzählt, wie das Baby eine komplette Vorlesung im Tragetuch verschläft oder lareine erwähnt, dass 3 ihrer 4 Kinder mit 3-4 Monaten durchgeschlafen haben, dann habe ich drei Reaktionen: 1. Das kann doch gar nicht sein! 2. Verdammt, was mache ich denn dann falsch?! Und 3. Schade, dass mein kleiner Rabe da anders tickt.

1 und 2 sind so die unüberlegten Spontanreaktionen. Wobei ich bis vor vielleicht 3-4 Wochen tatsächlich überzeugt war, ich müsse irgendwas falsch machen, weil mein Kind so anders schläft. Also wer den Fehler findet, darf mir gerne Tips geben. Ich bin dafür ehrlich dankbar. Auch Klugscheißen ist erlaubt, wird dann aber freundlich lächelnd und nickend ignoriert. ;-)

Aber zurück zum Thema: Also, der kleine Rabe ist jetzt 14 Wochen alt. Laut verschiedener Ratgeber sollte ein Baby in seinem Alter etwa 15 Stunden täglich schlafen. 10 davon als Nachtschlaf und 5 verteilt auf 3 Nickerchen. Da hält er sich aber nicht dran...

Ich tracke seinen Schlaf inzwischen mit einer App und habe daher die "echten" Zahlen der letzten 30 Tage: Im Schnitt schläft er 12 1/2 Stunden. Davon ca. 10 1/2 in der Nacht und 2 verteilt auf ganze 3 bis sogar 4 Nickerchen. Aber jetzt soll man nicht glauben, er würde nachts dann wenigstens länger am Stück schlafen. Neihein! Der kleine Rabe Nimmersatt wacht im Schnitt alle 1 1/2 Stunden auf und will gestillt werden.

Ok, jetzt könnte man sagen 30 Tage sind ein zu langer Betrachtungszeitraum für ein doch noch so kleines Baby. Aber irgendwie machen mich die letzten 7 Tage auch nicht ausgeschlafener: 12 Stunden Durchschnitt, davon 10 in der Nacht, 2 verteilt auf 3 Nickerchen und nachts gestillt wird alle 1 1/2 Stunden.

Und es gibt ganz genau 2 Wege, wie er einschläft: Auf dem Arm schuckelnd (ENDLICH auch auf meinem!) oder an der Brust. Alles andere kann ich vergessen. Also auch, mich mit ihm auf dem Arm hinzusetzen. Oder stehen zu bleiben. Oder mit dem Schuckeln aufzuhören. Oder die Brust vorsichtig aus dem Mund klauen, wenn er noch nicht von selbst losgelassen hat, was auch mal 45 Minuten dauern kann (und dann isser wieder wach weil Nickerchen vorbei). Und abends dauert es halt gerne mit Bettfertig machen, Trinken, wegpennen, Bäuerchen, nochmal trinken, Bäuerchen, wegpennen, doch nochmal trinken und vielleicht noch ne Runde kacken auch mal 2 Stunden, bis er tatsächlich schläft.

Jetzt gibt es ja immer so viele Ratgeber und Tips. Da heißt es dann "Auf keinen Fall Einschlafstillen oder -Herumtragen! Dann gewöhnt sich das Kind daran und will es gar nicht mehr anders!". Ja Himmelherrgott, mein Kind WOLLTE es noch nie anders. Und stattdesse sollte man beim Kind sitzen bleiben, ihm gut zureden und übers Gesicht streicheln und so. Joar, klingt gut. Klappte auch prima. So von 19:00-23:00 Uhr. Dann fing er an, zu schreien, und ließ sich nicht mehr beruhigen. Klar wäre er da auch irgendwann eingeschlafen. Vor Erschöpfung. Aber ich kann mein Baby nicht schreien lassen und ihm gut zureden, wenn ich doch weiß, was er will - nämlich auf den Arm genommen und durch die Wohnung geschuggelt werden. Da blutet mir das Herz. Und die Ohren...

Mir graut es halt a Weng davor, wie das wird sobald ich nächstes Jahr wieder arbeiten muss... Aber noch sind das ja ungelegte Eier.

Also mache ich erstmal so weiter wie bisher und verziehe mein Kind zu einem kleinen Tyrannen. Ich bin mir aber trotzdem ziemlich sicher, dass er bis zum Abi kein Einschlafstillen mehr braucht und ihn seine Frau später nicht auf dem Arm in den Schlaf schuckeln muss.

Und bis dahin geben mir das nicht endende Nickerchen-Nuckeln und das ewige Einschlafstillen ganz viel Zeit, um mit dem Handy mein Blog zu pflegen. ;-)

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Wie ich um meine Sternchen getrauert habe

Dieser Artikel hier, auf den ich mehr zufällig denn gewollt gestoßen bin, hat mich dazu bewogen, auch hier über meine Erfahrungen mit dem Thema Fehlgeburt zu berichten. Denn vor dem kleinen Raben hielt ich schon 2 positive Schwangerschaftstests in der Hand und musste die Kleinen wieder ziehen lassen.

Darüber allerdings, ob und wenn ja warum Fehlgeburten ein Tabu sind, will ich hier gar nicht schreiben. Für mich waren sie es nie. Aber unter anderem deshalb fühle ich mich halt auch in der schwarzen Szene so zu Hause - weil es hier kaum Tabus gibt und eben auch Dinge wie Schmerz und Tod ganz offen behandelt werden.

Ich ging nicht blauäugig in dieses Abenteuer "Kinderkriegen" hinein. Ich wusste um die statistische Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt genauso wie darum, dass ich eigentlich zwei Brüder hätte, aber einer still geboren wurde, und dass meine Schwiegermama gleich 4 Fehlgeburten in Folge gehabt hatte, bevor das Haselchen eine kleine Schwester bekam.

Nichtsdestotrotz freute ich mich erstmal ungetrübt, als ich am 2. Juli 2014 einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. Beim Arzt hieß es, es sei noch zu früh für einen Ultraschall, aber der Bluttest war positiv und ich solle 4 Wochen später wiederkommen. Aber dazu kam es nicht mehr...

Das Haselchen und ich waren überglücklich. Wir begannen, über Namen nachzudenken und die Zukunft zu dritt zu planen. Dennoch sagten wir bis auf unseren Eltern erstmal niemandem etwas. Einfach aus Aberglaube heraus (es bekam z.B. auch niemand außer den Großeltern vor Ablauf von 40 Tagen ein Foto vom kleinen Raben wegen dem "bösen Blick" - Russen sind unglaublich abergläubisch!).

Bei aller Freue beschlich mich doch ständig wieder ein ungutes Gefühl. Das Baby, da war ich sicher, würde ein Junge werden. Und dabei hatte ich doch davon geträumt (also echt geträumt, nicht im Sinne von gehofft), mein erstes Kind würde ein Mädchen. "Das ist das falsche Baby" schoss mir manchmal abends vor dem Einschlafen durch den Kopf.

Dann hatte ich eine besonders unruhige Nacht und wachte mit Krämpfen auf. Und ich wusste: Falls ich jetzt Blut, und sei es noch so wenig, sehe, dann habe ich eine Fehlgeburt. Und so war es dann auch. Über den genauen Ablauf werde ich vielleicht ein ander mal schreiben. An dieser Stelle nur so viel: Ich habe nie zuvor und nie danach solche körperlichen Schmerzen erleiden müssen, wie sie mir an diesem Tag angetan wurden.

Ich hatte mich schon am Morgen zunächst für 1 Tag krank gemeldet und informierte dann meinen Teamleiter darüber, was los war. Der war ganz geschockt und kümmerte sich gleich darum, dass ich meine 15 Tage bezahlten "maternity leave", der einem in China bei einer Fehlgeburt vor dem 4. Monat zusteht, bekomme. Also konnte ich 2 Wochen zu Hause bleiben.

Die ersten Tage waren hart. Ich kam kaum aus dem Bett, weinte viel und starrte an die Wand, während ich mir volkommen unbegründete Vorwürfe machte oder panische Ängste a la " was, wenn das immer wieder passiert und ich nie ein Kind bekomme?!" hatte. So ging es etwa eine Woche lang. Bis ich beschloss: Schluss jetzt!

Ich habe zwar nie eine offozielle Diagnose bekommen, aber ich war jahrelang depressiv. Und ich wollte nicht wieder zurück in dieses Loch fallen, aus dem ich mich doch erst kurz zuvor mit viel Kraft und viel Hilfe über Jahre hinweg in kleinen Schritten befreit hatte. Und so "riss ich mich am Riemen". Nicht im Sinne von "Zähne zusammenbeißen", um irgendwie zu funktionieren. Nein, sowas bringt nichts. Außer, dass man sich innerlich noch schlechter fühlt. Stattdessen erinnerte ich mich ständig daran, an etwas Positives zu denken. Und ich begann ganz aktiv, nach vorne zu sehen. Gegen meine irrationalen Ängste und die Vorwürfe laß ich medizinische Fakten und redete dagegen an, indem ich dem Haselchen eben diese Fakten erzählte. Und ja, ich sagte mir auch immer wieder Dinge wie " Jetzt daran zu verzweifeln, ändert auch nichts. Schau positiv in die Zukunft und alles wird gut!" und sogar das so 'verpöhnte' "Anderen ergeht es noch viel schlimmer". Das sind ja sonst so ziemlich genau die Sätze, die man einem Trauernden NICHT sagen sollte. Und wäre das von jemand anderem gekommen, wäre es vielleicht auch kontraproduktiv gewesen. Aber für mich von mir selbst aus war es genau das, was ich in diesem Moment brauchte.

Einmal bekam ich in dieser Zeit sogar zu hören, ich würde meine Trauer verdrängen und ich müsse sie unbedingt erst noch richtig verarbeiten. Und wenn ich dann mit anderen Mädels im Internet verglich, schien ich mich wirklich ungewöhnlich schnell wieder gefangen zu haben. Also begann ich kurz sogar daran zu zweifeln, wie ich mit der Situation umging. Aber ich verwarf diese Zweifel bald wieder. Denn: Ich wollte definitiv nicht wieder zurück in dieses schwarze Loch fallen. Ich verbot mir ja auch keine negativen Gefühle und ich versuchte nicht, die Trauer zu unterdrücken. Ich hatte eine ganze Weile noch immer wieder Tränen in den Augen, wenn ich eine Schwangere sah. Aber ich ließ es nicht zu, dass meine Trauer Überhand über mein gesamtes Denken und Sein nahm. Und so war es tatsächlich ganz echter Optimismus, dass alles gut wird, der sich bald durchsetzte.

Bei der zweiten Fehlgeburt war es so, dass ich nicht einmal Zeit gehabt hatte, mir die Schwangerschaft beim Arzt bestätigen zu lassen, als nur wenige Tage nach dem positiven Test auf der Arbeit die Krämpfe und Blutungen einsetzten. Ich nahm mir den Rest des Tages frei, heulte eine Weile in den Armen meines Haselchens und sagte dann "Ok, ich sollte nicht mehr so früh testen. Ansonsten wäre das jetzt einfach als verspätete Periode durchgegangen... Aber ich glaube jetzt wird es klappen." Und tja, ich sollte Recht behalten...

Einen Tag ließ ich mich trotzdem vom Telefondienst befreien und machte nur Emails, da mir halt dann doch nicht gleich wieder nach freundlich lächeln war.

Ich weiß, dass andere Frauen anders trauern und eine Fehlgeburt als einen heftigeren Schicksalsschlag empfinden. Ich vermute immer wieder, dass es vielleicht auch daran lag, dass ich beide Sternchen schon so früh verloren habe. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Aber ich habe um meine Sternchen nur kurz getrauert. Ich werde sie nicht vergessen, aber ich werde mich auch nicht in "Was hätte sein können, wenn..."-Gedanken verlieren. Die Welt dreht sich weiter, mein Leben geht weiter und nichts geschieht ohne Grund - und sei es, dass wir daran als Person wachsen.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Nix Besonderes...

Eigentlich ist heute nix passiert, das sonderlich ausgefallen oder spannend gewesen wäre.

Aber ich freue mich trotzdem und hatte einen super Tag. Die Luft war ganz gut, es war nicht heiß, aber auch nicht kalt, angenehm bewölkt aber nicht schwül. Einfach schönes KiWa-Spaziergang-Wetter.

Also habe ich nicht lang gefackelt, sondern dem Haselchen gegen 14:00 Uhr erklärt, dass der kleine Rabe und ich jetzt einen langen Spaziergang machen und er mitkommen kann oder nicht. Es kam zwar "Noooo, I don't want", " We can go in the compound!" und "Let's play!" (Stein-Schere-Papier und der Gewinner bestimmt - machen wir immer, wenn wir uns nicht einig sind). Aber ich habe mich auf nichts eingelassen und so kam er mit. :-)

Unsere Uferpromenade - besonders schön, da immer recht leer.

Während das Haselchen noch einen Abstecher zum Lianghua (Supermarkt) machte, um Mandelmilch, Essig und Zucker zu kaufen, gingen wir schonmal an unserer Uferpromenade entlang. Das Haselchen stieß dann nach ein paar Minuten zu uns. Ich stillte den kleinen Raben unterwegs und als er quängelig wurde, trugen wir ihn abwechselnd auf dem Arm herum.

Meine Stillbank - wer mich anglotzen will, muss baden gehen :-)

Nach fast 2 Stunden geschah dann kurz vor unserem Compound und trotz lauter Busse und LKW das Unglaubliche und der kleine Rabe schlief im KiWa ein. Nicht auf dem Arm, nicht an der Brust. Nein. Einfach so im KiWa.

Ich habe dann trotz müder Beine noch 20 Minuten durch den Compound gedreht aus Sorge, der kleine Rabe würde aufwachen, sobald der KiWa stehen bleibt. Dann dachte ich "Ok, vielleicht klappt's ja doch und ich kann endlich seine Nägel schneiden...". Pustekuchen. Kaum stand der Wagen 30 Sekunden still in der Wohnung, gab es einen herzzerreißenden Schrei, gefolgt von fast panischem Quäken. Dass ich aber auch immer Recht behalten muss...

Dienstag, 6. Oktober 2015

Shanghai Alltag: Verkehr

Der Verkehr in Shanghai ist irre. Großstädte scheinen dafür ja allgemein anfällig zu sein (ich komme aus 'nem kleinen Ort - bei uns gibt's Stau, wenn auf der Hauptstraße ein Tracktor fährt, daher kenne ich die Zustände in anderen Großstädten hauptsächlich aus Hörensagen...). Ist ja auch nicht sooo verwunderlich, wenn halt mehrere Millionen Autos auf engstem Raum herumfahren. Da kann man noch so viele elevated roads über und unter einander bauen. Besser als in Moskau oder Darmstadt ist es hier schon gelöst. Aber wenn halt so ein paar Milliönchen PKW herumgurken, wird es eng (insbesondere wenn halt drumherum auch noch gelebt und gearbeitet wird und die Stadt nicht nur aus Straße besteht).

Und die Fahrweise der meisten Chinesen macht das jetzt nicht unbedingt besser...

Vorfahrt hat der, der halt vor fährt und lauter hupt.

Und hupen tun sie gerne, oft und ausdauernd. Da wird auch mal an der roten Ampel so lange unaufhörlich (!) auf die Hupe gedrückt, bis der Vordermann sich in Luft auflöst oder die Ampel auf Grün schaltet - je nachdem, was zuerst passiert. Mofas scheinen manchmal einfach alle paar Sekunden zu hupen, einfach um auf sich aufmerksam zu machen.

Die eingezeichneten Fahrspuren sind ein grober Richtwert, genauso wie Geh- oder Radwege. Gefahren wird da, wo man hinpasst. Das gilt ganz besonders für Zweiräder. Ihr glaubt nicht, wie oft ich schon auf dem Gehweg von hinten ein penetrantes "möp möp" "möööööp möööööp mööööööp" zu hören bekam, weil ein Mofa da jetzt durch wollte (ggf weil auf der Straße von den Autos eine dritte und vierte Spur eingerichtet wurde, auf der aber auch nichts mehr ging, weil irgendwo einer parkte oder abbiegen wollte oder die Kreuzung verstopft war oder oder) und ich halt nicht in den nächsten Obstladen oder Hauseingang gesprungen bin und das Mofa aber nicht anders an mir vorbei kam. Ich bin dann unglaublich stur und habe meine helle Freude daran, wie der Fahrer immer mehr die Nerven verliert. Denn einfach so umfahren tun sie einen dann meist doch nicht. Also meist. Einmal habe ich einem mit Schmackes meinen Regenschirm irgendwo hin gepfeffert (keine Ahnung, wo ich ihn getroffen habe, aber er hat "ahgrmpf - aaa" gemacht), als ich selbigen reflexartig beim zur Seite springen vor mich gehalten habe. Und einmal hat das Haselchen so einen Helden fast vom Mofa gehauen, nachdem der mich von hinten angedozt hatte, sodass ich einen blauen Fleck am Arm bekam (der Gehweg war so schmal, dass wir hintereinander liefen). Tatsächlich hatte ich da in Deutschland aber schon krassere Geschichten...

Was ich immer wieder faszinierend zu beobachten finde (und mich selbst als Autofahrer auf die Palme bringen würde) ist, wie die Leutchen es hier schaffen, Kreuzungen immer wieder komplett zu verstopfen. Ich habe in der Fahrschule gelernt "erst dann in die Kreuzung einfahren, wenn man diese auch durchqueren kann". Hier fährt man einfach soweit wie geht, aller spätestens wenn die eigene Ampel grün zeigt. Nun stelle man sich das an einer belebten X-Kreuzung mit jeweils auch noch einer Spur für Linksabbieger vor. Für die Autos, die z.B. von rechts nach links wollen, staut es sich hinter der Kreuzung ein wenig. Statt zu warten fahren sie aber alle bei grün nach vorne, sodass die Autoschlange nun auch bei rot bis zur Mitte der Kreuzung reicht. Nun kommen die Autos die von " oben" nach "unten" wollen erstmal nicht weiter. Rollen aber schonmal vor bis es nicht weiter geht (also stehen auf dem Fußgängerübergang rum). Von "unten" nach "oben" rollt es noch. Außer für die Linksabbieger. Die machen aber einfach kurzerhand 2-3 neue Spuren auf und breit gefächert zu warten, bis es weiter geht. Ampel schaltet wieder. Links ging es inzwischen voran, aber erstmal rollen die Autos von oben vom Fußgängerübergang langsam weiter. Sind ja schließlich schon in der Kreuzung. Derweil fädeln sich die Autos von links nach rechts einen Weg zwischen die Linksabbieger von unten nach oben. Und letztere streiten mit den Autos von rechts nach links darum, wer als erstes weiterfahren kann. Zeitgleich machen die Linksabbieger von beiden Seiten wieder neue Spuren auf. Und nicht zu vergessen sind ja auch die Mofas und Roller, die sich zwischen allem hindurchfädeln, das nicht Stoßstange an Stoßstange steht. Wer sich jetzt das Chaos bildlich vorstellen kann denke sich bitte auch noch dazu, dass jeder Fahrer, der steht (inklusive dem 2. hinter der roten Ampel) hupt. Et voila: Der Grund, warum ICH hier NICHT selbst fahren werde. Wie diese gordischen Knoten übigens letztendlich aufgedrüsselt werden, entzieht sich noch heute meinem Verständnis.

Hinzu kommt, dass es eine ausgeprägte Rushhour gibt, zu der die halbe Stadt auf den Beinen (bzw. Rädern) ist. Ok, zugegeben, die Kreuzungsflechtkunst sieht man vor allem zur Rushhour.

Wir waren mal bei einem Bekannten zum Abendessen eingeladen. Laut google maps sollten wir rund 20 Minuten brauchen. Wir nahmen 40 Minuten vorher ein Taxi. Und waren dann 2 1/2 Stunden später endlich da. Allein 30-40 Minuten davon brauchten wir in einem einzigen Kreuzungs-Knoten. Durch das kreative Eröffnen neuer Fahrspuren gab es direkt bevor wir in die Kreuzung einfuhren vor unsere Nase einen Unfall (nix als Blechschaden - LKW und PKW wollten kuscheln). Und ratet mal was direkt vor unserer Nase am anderen Ende der Kreuzung passierte?! Genau! Ein Auto wollte sich an einen Bus kuscheln. Noch n Blechschaden. Und der restliche Verkehr musste sich in beiden Fällen um die Turteltäubchen von Fahrzeugen herum schlängeln. Die mussten natürlich erstmal genau dort stehen bleiben, wo es geknatscht hatte (gescheppert hatte es nicht) um auszudiskutieren, wer Schuld war.

Was aber erstaunlich ist: In diesem ganzen Verkehrschaos gibt es dann doch gefühlt recht wenige Unfälle. Mein Eindruck ist: Weil sich eh keiner an Verkehrsregeln hält, erwartet keiner, dass sich die anderen an Verkehrsregeln halten. Also nicht "Ich hab grün, ich fahr jetzt" sondern "Ich hab grün. Ich schau mal, ob was kommt oder ob ich fahren kann".

Hinter's Steuer kriegen mich hier trotzdem keine 10 Pferde! ;-)

Montag, 5. Oktober 2015

Werbung in eigener Sache

Wer rein zufällig in Shanghai ist und am Wochenende nichts besseres zu tun hat ist herzlich zu unserem letzten Picnic des Jahres eingeladen!



With the beginning of October, winter is just around the corner. But before it gets too cold, we want to gather one last time this year for a gothic picnic.

Unfortunately, we could not find the perfect date, but we still hope that many of you will be able to come.

As long as the weather is good, we meet on October 11th. If that day is rainy, we meet a week later on October 18th.

Like last time, the meeting point is Qichang stack Ferry Station (crossroads of Binjiang avenue and Dongfang road) and then we will go to the riverside park nearby.

Hope to see you soon!

Sonntag, 4. Oktober 2015

Die Freiheit nehm' ich mir

Ich bin gerade so happy, dass ich klatschen könnte. ;-)

Das Haselchen und ich waren Obst und Gemüse einkaufen. Mit dem kleinen Raben im Kinderwagen. Und ich hab in einer Mini-Gartenanlage unterwegs gestillt. Ohne viel Schreien, zu viel nackte Haut oder sonst ein großes Tamtam.


Beim Obsthändler




Einfach hinsetzten, auspacken, anlegen, Bäuerchen, nochmal anlegen, einpacken, weitergehen. Und wenn wer was sieht, dann sieht halt wer was. Himmelherrgott, auf dem WGT bin ich ja auch schon mit transparentem Oberteil, Unterbrustkorsett und Nippelpasties rumgelaufen. Da gab es deutlich mehr zu sehen. Klar, Leipzig zu Pfingsten ist nicht Shanghai zur Golden Week. Aber die Chinesen schauen tatsächlich weg - glaube ich zumindest.

Und wie ich da so auf meiner Bank saß, der kleine Rabe gierig vor sich hin schmatzte, hinter mir die Roller säuselten, ich umher schaute und die frische Luft und das Tageslicht genoss, schoss mir nur ein Gedanke durch den Kopf: "Ich fühle mich so frei!".

Klingt jetzt nicht nach ner besonderen Leistung, ich weiß. Weltweit gehen Abermillionen von Müttern mit Babys ihrem ganz normalen Alltag nach, gehen alleine mit Neugeborenen und den älteren Geschwistern einkaufen etc. Ich weiß. Aber ich habe das bis jetzt eben noch nicht geschafft bzw. habe mich einfach nicht getraut.

Ich saß jetzt 3 Monate lang fast nur zu Hause rum. Ja, mir fällt inzwischen seit geraumer Zeit die Decke auf den Kopf und der Lagerkoller macht sich breit. Aber die Angst "was tun, wenn das Baby weint?!" war einfach stärker. Und wir wurden dann auch beide total nervös und mit Tüchern friemelnd und total aufgeregt stillt es sich halt echt nicht gut. Und der kleine Rabe ist halt echt nicht geduldig, wenn er Hunger hat.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bald nur lächelnd auf diese Angst zurückschauen werde und spätestens beim 2. Kind gar nicht mehr verstehen kann, worum ich 'damals' so einen Aufriss machen musste.

Aber das macht mir meine jetzige Freude nicht madig. Hell yeah! Wir sind auf dem Weg zu einem ganz normalen Familienleben (ok, das bleibt bei uns natürlich relativ, aber zumindest ICH weiß, was ich meine^^).

P.S.: Und dann haben wir auch noch Granatäpfel und frische Feigen gekauft. Und zum Lunch hat das Haselchen eine tortilla española gemacht. Yummie! :-)

Tortilla *sabber*

Und weil's so lecker und so schön war gleich noch n Foto :-)