Mittwoch, 21. Oktober 2015

Shanghai Alltag: Kakerlaken

Aus gegebenem Anlass erzähle ich euch heute etwas von einem ziemlich ekligen Thema: Kakerlaken.

Ich hatte ja schon mal angemerkt, dass wir in unserer ersten Wohnung hier Kakerlaken hatten. Jetzt leben wir ungezieferfrei, aber Anlass gab es nun unangenehmerweise doch. Denn die Viecher können fliegen...

In Deutschland habe ich mir bis jetzt noch keine Kakerlake so ganz genau angeschaut. Aber dort müssten wohl die Deutschen Schaben heimisch sein. Die habe ich zumindest in Spanien kennen gelernt. Hier in Shanghai habe ich (wie auch auf Bali) nur mit der Amerikanischen Großschabe das Vergnügen gehabt. Und die macht ihrem Namen alle Ehre. Laut Wikipedia werden die bis zu 4 cm groß. Ich bin mir aber absolut sicher, auch schon größere Exemplare gesehen zu haben. Vielleicht kommt das dann doch von der Strahlung aus Fukushima. Oder die haben vorher bei einem Bodybuilder gewohnt und etwas von dessen Steroiden gefressen. Who knows...

Also auf jeden Fall sind die Biester hier riesig und braun und fliegen wie eine Eins.

In unserer ersten Wohnung hier lebten sie in Scharen in der Küche. Genauer gesagt unter den Kochplatten in dem Verschlag mit den Gasleitungen. Irgendwann traute ich mich gar nicht mehr, irgend einen Schrank in der Küche zu öffnen, da es mit dabei so regelmäßig entgegen krabbelte, dass einem ganz anders werden konnte. Noch dazu sind Kakerlaken sowas wie mein Kryptonit. Setz mir ne Spinne vor die Nase und ich begrüße sie freundlich, bevor ich sie vorsichtig nach draußen befördere. Aber mach das gleiche mit ner Schabe und ich kreische wie hysterisch und brauche jemanden, der mir das Ding platt macht und entsorgt.

Irgendwann dann hatten wir endlich wirkungsvolles Gift gefunden, sodass die Kakerlaken dann unter unseren Kochplatten in dem Verschlag mit den Gasleitungen starben. Unzählige. Mehr als da je gelebt haben. Eine Zeit lang wunderte mich das. Bis wir eines Abends in der Küche standen (was bei der Größe selbiger schon eine Leistung war), als plötzlich durch das geöffnete Fenster (ohne Dunstabzugshaube war Kochen anders nicht machbar) eine riesige Kakerlake herein geschwirrt kam und sich im krauselig-lockigen Haare des Haselchens verhedderte. Zum Glück ist der auch was Insekten angeht hart im nehmen. Ich wäre ausgeflippt!

Also in Kurz: In Shanghai gibt es riesige, fliegende, braune Kakerlaken. Überall. Du kannst sie zwar davon abhalten, bei dir zu wohnen. Aber nicht davon, ab und zu mal vorbei zu schauen. So wie Schwiegereltern. Oder in Deutschland Fliegen (die wiederum hier kein Thema sind, mir aber deutlich lieber wären).

Weshalb ich nun davon schreibe? Dafür hätte ich mal wieder einen Orden verdient! Und zwar konnte ich Vorgestern nicht gleich einschlafen. Ich lag also so im Dunkeln herum, als ich erst ein leises Schwirren und dann ein deutliches "Donk"  hörte. Mein erster Gedanke war "riesige Motte!", dem Klang nach hätte es auch ein kleiner Vogel sein können. Für einen Moment dachte ich darüber nach, es zu ignorieren und endlich zu schlafen. Dann aber schaltete ich doch das Licht an meinem Handy ein. Und sah mitten auf dem Kopfkissen eine gigantische Kakerlake sitzen. Ohne Mist, die war länger als mein Daumen! Glaube ich. Ich hab mir jetzt nicht die Zeit genommen, genaue Vergleiche mit meinen Gliedmaßen anzustellen. Dafür, in diesem Moment nicht losgekrischen zu haben, verdiene ich aber schon mal einen kleinen Orden. Ich wollte halt den kleinen Raben nicht so rabiat wecken... Dann war mein erster Impuls, wegzulaufen und das Haselchen zu holen. Aber das Vieh wäre in der Zwischenzeit bestimmt verschwunden. Glücklicherweise stand auf dem Tisch eine kleine Schüssel. Die habe ich dann todesmutig über das Insekt gestülpt und dann erst das Haselchen mit den Worten "wake up and be my hero! Please safe me!" geweckt. Gemeinsam haben wir dann den ungebetenen Gast aus dem Fenster befördert. Und der kleine Rabe schlief weiter wie ein Engelchen vor sich hin. Ich dann jedoch erst mal 2 Stunden lang nicht, weil ich ins Dunkel lauschen und auf das nächste "Donk" warten musste. Kam nicht. Aber lieber müde aufgewacht, statt mit Kakerlake im Gesicht...

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