Montag, 30. November 2015

Advent, Advent

... Kein Lichtlein brennt.

Würden mich die verschiedenen Blogs und Posts auf Facebook nicht daran erinnern, hätte ich nie im Leben daran gedacht, dass Gestern schon der erste Advent war.

Wir haben es aus verschiedenen Gründen nicht so sehr mit Advent und Weihnachten. Und die Tatsache, dass wir nicht christlich gläubig sind, hat damit nur am Rande zu tun. Das war ich (trotz katholischer Schule ^^) schon lange zuvor nicht mehr...

Mir war es, seit ich mit 21 zu Hause ausgezogen bin, für mich alleine immer irgendwie zu doof, etwas zu schmücken. Und auch auf einen Adventskalender oder - Kranz nur für mich alleine konnte ich immer verzichten. Als ich noch studiert habe, war ich dann an Weihnachten eh daheim. Das reichte mir.

Dann kam China und das Zusammenwohnen mit meinem Haselchen. Und damit wieder zwei Gründe, nicht in Weihnachtsstimmung zu verfallen.

Zum einen fällt das in China echt schwer. Es gibt zwar Weihnachtsmärkte hier in Shanghai, aber die kosten dann gerne mal umgerechnet 12 € Eintritt, dafür, dass man drinnen dann für 5 € pro Tasse billigen Fertigglühwein kaufen darf. Die meisten Geschäfte dekorieren zwar wie die Wilden, aber mit grotten hässlichen, kitschigen, kunterbunt glitzernden Weihnachtsmännern aus Plastik. Und die Deko bleibt dann auch einfach hängen. Bis sie vielleicht irgendwann im Juli abfällt. Oder auch nicht. Und dann ist da auch noch das Wetter. Ich meine, wir waren heute bei 17°C mit offener Jacke spazieren. Das sorgt nun nicht gerade für vorweihnachtliche Stimmung... Genau so wenig wie die Tatsache, dass Weihnachten ganz normale Arbeitstage sind.

Und dann kommt halt bei uns zu allem Überfluss noch dazu, dass das Haselchen in einem russischen (bzw russischorthodoxen) Haushalt aufgewachsen ist. Dort wurde kein Weihnachten wie wir das kennen gefeiert. Und auch keine Adventszeit begangen. Ich musste ihm erstmal von Grund auf erklären, was ich überhaupt mit "Advent" meine und was es mit dem Kranz und dem Kalender auf sich hat. Ihm fehlen also auch die ganzen Kindheitserinnerungen, die mich in diesem Bezug nostalgisch werden lassen.

Und dieses Jahr ist der kleine Rabe halt noch zu klein, um irgendwas davon zu verstehen.

Also feiern wir dieses Jahr noch keinen Advent. Weihnachten feiern wir dann schon. Da kommt nämlich meine Familie aus Deutschland zu uns. Also werden wir unseren allerersten Weihnachtsbaum kaufen und gleich zwei mal Geschenke darunter legen. Für die Russen kommt nämlich nicht am 24. Dezember das Christkind, sondern am 31. Dezember genau um Mitternacht der dead maros (auf Deutsch am ehesten Väterchen Frost). Und wir werden einfach beide Traditionen beibehalten. Den kleinen Raben wird das später ganz sicher freuen ^^

Sonntag, 29. November 2015

Shanghai family: Mutterschutzgesetz

Das Mutterschutzgesetz in China ist an sich recht simpel:

- Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft dürfen während der Arbeitszeit gemacht werden (bei meinem Arbeitgeber ab dem 4. Monat, dafür bekam ich immer den kompletten Tag frei)

- keine Nachtarbeit (nach 22:00 Uhr) oder schwere körperliche Arbeit für Schwangere

- ab der 28. SSW jeden Tag extra Pausen (bei mir: 1 Stunden extra bei 8 Stunden normaler Arbeitszeit. Diese Pause ließ ich mir auf das Ende des Tages legen und konnte so immer 1 Stunde früher heim).

- Ab Bekanntwerden der Schwangerschaft bis zum 1. Geburtstag des Kindes ist man absolut unkündbar und auslaufende befristete Verträge müssen verlängert werden

- Mutterschaftsurlaub sind regulär 98 Tage.

- Für bestimmte Umstände wie "Spätgebärende" (in Shanghai ab 25 Jahren), Mehrlinge, eine "schwere" Geburt etc gibt es jeweils 15 Tage extra (für Spätgebärende theoretisch nur, wenn sie unter das ein - Kind - Gesetz fallen, wie das nun nach dessen Aufhebung ist, weiß ich nicht)

- Gesetzlich geregelt darf man ab 2 Wochen vor ET in den Mutterschaftsurlaub, praktisch kann man mit seinem AG auch etwas anderes vereinbaren

- Bei einer Fehlgeburt vor dem 4. Monat bekommt man 15 Tage Mutterschaftsurlaub, danach 42 Tage

- Während des Mutterschaftsurlaubes wird grundsätzlich das volle Gehalt ohne jegliche Abzüge weiter gezahlt

- bis zum 1. Geburtstag des Kindes hat man täglich eine Stunde extra Stillpause

- ab einer gewissen Größe (ich glaube es waren 25 Mitarbeiter oder so) muss das Unternehmen einen separaten Raum zum Stillen bzw Abpumpen bereit stellen

Es scheint wohl immer wieder Arbeitgeber zu geben, die sich da rausreden wollen, behaupten, das alles gelte nicht für Ausländer etc, aber das ist alles bullshit.

Ich hatte zum Glück keine Probleme. Mein Arbeitgeber ist sehr korrekt, was sowas angeht. Und ich habe auch noch zwei Monate unbezahlten Urlaub bekommen. :)

Leider sind die Ende des Jahres dann auch vorbei und wenn ich nur daran denke, wieder vollzeit arbeiten gehen zu müssen, könnte ich heulen (und habe es auch schon getan), aber was muss, das muss...

Freitag, 27. November 2015

Dinge, die ich gerne auf Chinesisch sagen können möchte

Nach einem Spaziergang beim ersten schönen Wetter seit gefühlt zwei Wochen hat sich meine Liste an Sätzen, die ich gerne auf Chinesisch sagen können möchte, mal wieder verlängert...
 
1. Ja, der Kopf, der da aus meiner Jacke schaut, gehört zu einem Baby.
 
2. Nein, nicht anfassen.
 
3. Ja, er versteckt sein Gesicht halb in der Jacke / an meiner Brust.
 
4. Nein, auch nicht die Jacke vom Gesicht wegziehen. Nein, auch nicht nur mal zum Gucken.
 
5. Ja, er schläft.
 
6. Nein, er wird nicht ersticken. Deshalb ist ja die Jacke nicht zu und mit dem Gesicht an Mama gekuschelt kann er trotzdem weiter atmen.
 
7. Ja, ich kann dich hören.
 
8. Nein, ich verstehe auch dann kein Chinesisch, wenn du schreist.
 
9. Ja, wenn du so schreist, weckst du das Baby auf.
 
10. Nein, wir wollen das Baby jetzt nicht wecken. Nein, auch nicht nur mal zum Gucken.
 
11. Ja, er atmet immer noch.
 
12. Nein, immer noch nicht anfassen, bitte.
 
13. Ja, er ist mein Baby, also ein Laowei Baby. Blonde Haare und blaue Augen.
 
14. Nein, ich werde ihn nicht aufwecken und / oder gegen seinen Willen mit dem Gesicht zu dir drehen, damit du dir seine Augen anschauen kannst.
 
15. Ja, er schläft noch. Und atmet auch noch. Halt, Moment, ich hatte Recht mit Punkt 9.
 
16. Nein, wenn ich weiter gehe ist das keine Einladung, uns zu folgen, sondern mein Versuch, das Baby wieder in den Schlaf zu wiegen.
 
17. Ja, jetzt isser eh wach, jetzt kannst du ihn dir anschauen.
 
18. Nein, nicht anfassen, nur schauen. Ohne Finger.

Offenbar unwiderstehlich - da MUSS doch an der Jacke gezupft werden. Wie soll man denn sonst dem wildfremden Baby über die Wange streicheln?!

Sonntag, 22. November 2015

Endlich ein Tragling

Nun läuft es schon so lange gut, dass ich es jetzt auch "offiziell" machen kann, ohne den ollen Murphy zu fürchten: Wir haben einen kleinen Tragling! 

Kein Kinderwagen mehr in Sicht :) 

Ich wollte den kleinen Raben eigentlich gerne von Anfang an tragen. Einen (guten) Kinderwagen hatten wir auch gekauft (aus Deutschland importiert). Aber mein Wunsch war es eher, mein Baby im Tragetuch ganz nahe bei mir zu haben.
 
In meiner Vorstellung würde das ganz toll werden. Mit etwas Übung würde das Binden richtig fix gehen und das Baby würde friedlich im Tuch schlummern, während ich in Ruhe essen oder spazieren oder am Computer arbeiten könnte. Dabei würden wir ja auch gleich was für unsere emotionale Bindung sowie die Hüftgesundheit des kleinen Raben tun.
 
Da die Auswahl an Tragetüchern hier etwas, hmmm, sagen wir mal begrenzt ist, bestellen wir also ein Moby Wrap. Das ist ein elastisches Tragetuch. Nur zur Sicherheit und für das Haselchen später (irgendwie scheinen Männer Tragetücher oft nicht so sehr zu mögen) bestellten wir außerdem noch eine Manduca. Ich werde dazu nochmal separat schreiben, aber an halbwegs guten Tragehilfen gibt es hier entweder die Manduca oder den Ergo Baby Carrier. Das war's. Alles andere ist so ziemlich Schrott. Also das, was ich in etwa 3 Wochen Suche finden konnte... Aber ich hatte mich gedanklich ja sowieso schon auf das Tragetuch versteift. Und zu Weihnachten könnten meine Eltern dann auch noch ein gewebtes Tuch mitbringen.
 
Und dann kam der kleine Rabe. Und mit ihm die Erkenntnis, dass so einem kleinen Baby deine Pläne, Ideen und Wünsche erstmal schnurzpiep egal sind.
 
Ich übte erstmal das Binden des Tuches und setzte dann den kleinen Raben gemäß Anleitung hinein. Laut all der Tipps und Berichte aus dem Internet sollte er nun friedlich einschlafen. Er hatte aber die Tipps und Berichte nicht gelesen und wusste davon nix. Also schrie er. Und schrie und schrie. Immer so lange, bis wir ihn wieder aus dem Tuch befreit hatten.
 
Das Haselchen verteufelte schnell das "dämliche" Tuch. Ich aber wollte noch nicht aufgegeben. Also übte ich weiter das Binden und setzte den kleinen Raben immer mal wieder hinein.
 
Wir versuchten es mit der Manduca, aber wir kamen mit der Sitzverkleinerung für Neugeborene nicht so richtig klar. Es wirkte alles noch viel zu groß. Hätte er nicht wie wild geschrien und gestrampelt, hätte der kleine Rabe wie ein Schluck Wasser in der Kurve in dem Teil gehangen. Also vertagten wir das auf einen späteren Zeitpunkt.
 
Nach ein paar Wochen dann endlich der erste Erfolg: Der kleine Rabe schlief tatsächlich im Tuch. Der Trick bestand darin, ihn auf Papas Arm einschlafen zu lassen und dann vooorsichtig ins Tuch zu setzen. Dort schlummerte er dann meist so um die 30 Minuten, bis er wieder mit lautem Gebrüll erwachte. 

Ich freue mich wie bekloppt, als der kleine Rabe zum ersten Mal im Tragetuch nicht schreit 

Einmal schaffte ich es sogar, mit dem kleinen Raben im Tuch im Compound zu spazieren. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie die Chinesen uns angeglotzt haben! Ich meine ich bin es ja schon gewohnt, dass die Leute uns angaffen, ungefragt und ungeniert Fotos schießen usw. Aber das war nochmal eine Nummer krasser. Hätte ich mich nackt ausgezogen, grün angemalt und wäre dann grunzend durch den Compound gehüpft, ich hätte nicht mehr Blicke auf mich gezogen...
 
Auf jeden Fall war es leider so, dass diese Phase bald wieder vorbei war. Die Schlafphasen des kleinen Raben im Tuch wurden immer kürzer, bis er auch beim Hineinsetzen aufwachte und sich nicht mehr beruhigen ließ.
 
Also gab ich irgendwann auf und versuchte nicht mehr, ihn im Tuch zu tragen.
 
Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Hoffnung aufs Tragen schon fast aufgegeben. Wir gingen also mit dem Kinderwagen spazieren und trugen unser Baby wortwörtlich auf Händen, wenn er unzufrieden war.
 
Dann kam der 12. Oktober und mit ihm der Gedanke, dass der kleine Rabe inzwischen doch schon recht groß geworden ist. Also versuchte ich, ihn in die Manduca zu setzen. Und siehe da: Der Steg ging ihm genau von Kniekehle zu Kniekehle. Und er fühlte sich in dem Teil auch noch richtig wohl.
 
Seitdem haben wir den Kinderwagen nicht ein einziges Mal mehr benutzt. Egal, wohin - der kleine Rabe wird in der Manduca getragen. Er schläft darin wie eine Eins, ist aber auch wach beim Spazieren zufrieden. Er beginnt nur zu motzen, wenn er Hunger hat (oder ne volle Windel).
 
Endlich haben wir auch einen richtigen Tragling! 

Auch beim täglichen Spaziergang im Compound nicht mehr ohne Manduca 

Die Idee, im Tuch zu tragen, habe ich für den kleinen Raben aufgegeben. Aber ich werde es trotzdem beim nächsten Baby wieder versuchen. Bis dahin besorge ich mir wohl noch ein gewebtes Tuch. Undi wenn alles so läuft, wie derzeit geplant, kommt Nummer drei dann in Deutschland auf die Welt. Da kann ich dann auch eine Trageberatung machen, wenn nötig...

Samstag, 21. November 2015

Rennauto vs Pferdekutsche

Mit Baby macht man ja gerne mal viele lustige und / oder bescheuerte Geräusche. Die Kleinen finden's toll und machen große Augen oder lachen und quietschen vergnügt. Und dann kommt man sich auch nur noch halb so bescheuert vor und freut sich über seinen Erfolg.

Ich habe daher in letzter Zeit so ziemlich jeden Laut durchprobiert, den ich willentlich erzeugen kann. Und sogar dabei hat der kleine Rabe seinen eigenen Geschmack...

Das erste Mal fiel mir das auf, als ich ihm das Alphabet aufsagte. Vorher wussten wir schon, dass er ein hohes "bsssss" (so ein Geräusch als wolle man eine Kreuzung aus Biene Maja und den Schlümpfen akustische darstellen) super toll fand. Ohne Mist, das brachte ihn jedes mal zum Lachen (oder dazu, mit dem Weinen aufzuhören). Ich sagte also ganz langsam und deutlich das ABC auf. Der kleine Rabe schaute mich ein wenig skeptisch an, aber seine Neugierde war geweckt. Bis ich zum "R" kam. Ich rollte es deutlich und fleißig im Rachen (mit der Zunge kann ich nämlich kein R rollen, trotz Jahren an Übung). Und auf einmal zog der kleine Rabe die Augenbrauen zusammen und die Mundwinkel nach unten und begann, zu weinen. Nur mit Schuckeln auf dem Arm ließ er sich wieder beruhigen.

Vorgestern haben wir wieder Geräusche für ihn gemacht. Da er sein aktuelles Werwolf-Zombie Knurren von sich gab, kam ich auf die Idee, das als Rennauto fortzusetzen. Also so als "wröööm wröööm wröööm". Tja. Kleiner Rabe mag keine Rennautos. Denn das Resultat war laut und tränenreich. Und selbst nach einer ganzen Weile auf meinem Arm schluchzte er noch immer ein wenig auf.

Kurz darauf lachte er dann aber wieder: Ich hatte wie ein galoppierendes Pferd geklatscht und dabei gewiehrt.

Also man merke: Knurren und Rennautos sind flopp. Bienen-Schlümpfe und Pferde sind top. Vielleicht sollten wir bei Gelegenheit auch mal versuchen, uns in einer Kuschte statt in einem Auto fortzubewegen. Vielleicht schreit er dann unterwegs auch nicht mehr...

Freitag, 20. November 2015

Was wir als gruftige Familie anders machen

Der Untertitel dieses Blogs ist ja "Aus dem Leben einer gruftigen Familie in Shanghai". Der Shanghai Bezug ist ja ganz klar. Hier leben wir und das bestimmt oftmals unseren Alltag. Aber machen wir eigentlich als gruftige Familie so viel so anders?

Ich meine, wir lieben unser Kind und haben nicht vor, ihn in irgend einem Ritual irgend einem höheren Wesen zu opfern. Er heißt auch nicht Luzifer Beelzebub Antichrist. Und auch wenn ich das echt lustig finden würde bekommt er auch keine 666 auf den Kopf tätowiert.

Wobei das ja alles satanistische Klischees wären. Und Gruftis sind keine Satanisten.

Ist es vielleicht schon seltsam, dass ich eine 666 (in Anlehnung an den Film "Das Omen" ) auf dem Kopf lustig finden würde?

Und wir spielen dem Kleinen auch nicht jeden Abend "Lullaby" von The Cure als Gutenachtlied vor oder hüllen ihn ausschließlich in schwarzen Samt und Brokat, der nach Patchouli duftet. Auch seine Spielsachen sind bunt. Er hat weder ein Fledermaus-Mobile, noch eine schwarze Wiege.

Schließlich heißen wir mit Nachnamen auch nicht Addams.

Aber ein paar Dinge sind dann halt doch ein wenig anders als bei "ganz normalen" Familien...

Sein Name zum Beispiel bedeutet Rabe (bzw kommt vom entsprechenden lateinischen Wort). Er hat bis auf Geschenke von anderen keine hellblauen Babysachen. Stattdessen zum Beispiel ein dunkelblaues Shirt mit einem Wolf darauf. Und dem Print "I love people - they are delicious!". Und auch ein "Goth in training" sowie ein "Gothling" T-shirt. Ich singe ihm neben "Was müssen das für Bäume sein", "Shili u babusi" (russisches Kinderlied über zwei Gänse) oder "Es war einmal ein Krokodil" eben auch "The mysterious vanishing of the Foreman family" oder "Und wir tanzten" oder "Smoke on the water" vor. Und wir tanzen gemeinsam nicht zu Rolf Zukowski, sondern zu Sisters of Mercy, Skinny Puppy, And One oder Bauhaus durch's Wohnzimmer.

Er ist nicht getauft und wir werden ihn weder mit einer einzigen Religion, noch mit Atheismus indoktrinieren.

Er wird mit tätowierten und gepiercten Eltern aufwachsen, die fast immer schwarz tragen und nach Patchouli riechen (endlich ^^).

Und er hat unter anderem eben auch eine Plüsch-Spinne, ein schwarzes Schaf, eine Hexe und einen Vampir. Seine Spieluhr für die Nacht steckt in einem schwarzen Raben und zu Weihnachten bekommt er von Oma und Opa einen Abraxas von Steiff dazu.

Er wird uns, sofern er möchte, jedes Jahr auf das WGT begleiten.

Und natürlich werde ich ihn immer lieben, auch wenn er der größte Spießer unter der Sonne oder eingefleischter Gangster-Rapper wird. Aber es wäre gelogen zu behaupten, dass ich mich nicht freuen würde, wenn er auch zum 50. WGT gehen würde...

Und wir werden aus nichts ein Tabu machen. Keine ausweichenden Märchen erfinden. Zu keinem Thema. Sei es die Frage, wo Babies herkommen oder seien es Dinge wie Krankheit und Tod.

Also so manches läuft dann wohl bei uns wirklich anders, als in einer "ganz normalen Familie"...

Donnerstag, 19. November 2015

Wuäh bist du denn?

Der kleine Rabe wird immer größer... Nicht nur, dass er heute mit genau 20 Wochen stolze 7700 gr wiegt und ganze 66 cm groß ist. Nein, er fängt auch an, zu fremdeln.

Das erste mal ist mir das mit einer chinesischen Nachbarin aufgefallen. Sie ist sehr alt und quackte ihn lautstark und fröhlich auf Mandarin an. Er schaute sie kurz an, zog die Augenbrauen zusammen und quietschte ganz schrill los. Bis sie außer Sicht-und Hörweite war und er sich auf meinem Arm beruhigte.

In dem Moment dachte ich noch, er sei halt müde und sie wäre ihm vielleicht einfach zu laut gewesen.

Aber seine Reaktion auf Fremde wird seitdem immer individueller.

In der gleichen Situation kann er in einer Gruppe Menschen (Kinder oder Babys eingeschlossen) manche strahlend anlächeln. Andere werden neugierig begutachtet. Viele beäugt er kritisch. Und bei manchen reicht ein Blick und er beginnt, zu schreien wie am Spieß. Extrem schrill, mit Tränchen in den Augen, aber nie lange (also nur so lange, bis die ihm offenbar nicht geheueren Menschen 'weg' sind).

Und wenn ihm jemand für seinen Geschmack zu nahe kommt, schrillt er auch los. Er hat sogar seine Babulya zunächst heftig angebrüllt, als sie ihn an ihrem zweiten Tag hier auf den Arm nehmen wollte. Später war das ok. Aber in dem Moment war es ihm ganz offensichtlich nicht geheuer.

Also damit hat jetzt auch offiziell unsere erste Fremdelphase begonnen.

Mittwoch, 18. November 2015

Kater streut

Irgendwie scheint der Kater den Begriff "Katzenstreu" als Aufforderung verstanden zu haben. Denn seit einer kurzen Weile verteilt er die Katzenstreu in der gesamten Wohnung. Also wirklich ÜBERALL. Es ist nicht so, dass wir nicht eine extra Schmutzfangmatte vor dem Katzenklo liegen haben. Und einen Paravent daneben, damit die beiden auch wirklich über die Matte gehen und nicht einfach seitlich weg springen. Und es ist ja auch nicht so, dass das nicht eigentlich schon seit Jahren ganz problemlos funktioniert hätte.
 
Aber trotzdem haben wir plötzlich überall Katzenstreu herumliegen. Und wenn man da drauf tritt, wird es Pulver und verteilt sich noch besser.
 
Und der Kater rennt auf einmal alle paar Minuten aufs Katzenklo. Er lässt dann immer so ein Knöttelchen fallen, packt sich scheinbar die Tatzen voll mit Streu, rennt einmal durch die ganze Wohnung, verteilt die Streu gleichmäßig und rennt wieder aufs Klo, um ein weiteres Knöttelchen zu legen und Nachschub an Streugut zu besorgen. 

Der Kater, der so tut, als habe er nichts mit der Katzenstreu auf dem 2. Bürostuhl zu tun 

Ich vermute ja ganz stark, dass er einfach ein bisschen eifersüchtig ist. Vor dem kleinen Raben wurde er ständig gestreichelt, gekrault und umtüddelt, was er auch (im Gegensatz zu der Katze) total genossen hat. Und nun heißt es seit Monaten nur noch "Sch, weg da" hier und "Nicht jetzt!" da. Und um irgendwo hin zu pieseln ist er zu gut erzogen und um sich an dem Aufmerksamkeit stehenden Mini-Menschen zu rächen ist er zu lieb. Also macht er Dreck. Daher habe ich mir jetzt vorgenommen, ihn zumindest abends immer so lange zu schmusen, bis er von alleine abhaut.
 
Ich hoffe, dass das hilft. Und ich hoffe, dass er nicht Englisch spricht und die Streu nicht nur verstreuen, sondern gleich die ganze Wohnung damit FÜLLEN will...

Dienstag, 17. November 2015

Kopf hoch

Wir haben jetzt was das Halten des Köpfchens betrifft einen kleinen Meilenstein gemeistert. :)

Beim Tragen hielt der kleine Rabe seinen Kopf schon seit einer Weile ganz gut und auch in der (immer noch verhassten) Bauchlage reckt er ihn schon fleißig und je nach Laune auch mehr oder minder ausdauernd in die Höhe.

Jetzt aber nimmt er den Kopf auch mit hoch, wenn man ihn an den Armen langsam nach oben in eine sitzende Haltung zieht.

Machen wir natürlich jetzt nicht ständig, denn er kann ja noch nicht sitzen, aber er scheint es selbst auch total spannend zu finden. :)

Montag, 16. November 2015

Von Waschmaschinen und meinem Helden

Unsere Wohnung hier war ein absoluter Glücksgriff. Und ich liebe unsere Wohnung. Nicht umsonst haben wir den Vertrag gleich für 4 Jahre fest gemacht - üblich ist es hier zumindest für Ausländer sonst, immer nur auf 1 Jahr zu unterzeichnen.
 
Einen Haken gab es aber doch. Nämlich die Waschmaschine...
 
Das war ein Toplader. An sich ja erstmal ok. Sah ok aus. Bis uns bewusst wurde: Da kann man ja gar keine Temperatur auswählen. Nee, die kann nämlich nur kalt oder im Winter dann sau kalt waschen. Dazu kann man auch das Schleudern nicht beeinflussen. Sie hat uns damit immer wieder Sachen kaputt gemacht. Und nach einem mutigen Versuch, dem gleich drei von meiner Mama handgestrickte Teile zum Opfer gefallen sind haben wir auch den Wollwaschgang aufgegeben.
 
Am nervigsten war aber immer die Sache mit der Temperatur. Wäsche über machen hieß, alles einstellen und anschalten, das Wasser abstellen und dann die Brause aus der Dusche in die Maschine legen und darauf warten, dass die irgendwann piept, weil sie mit dem Waschen anfangen will, aber der Deckel noch offen steht. Mehr als 35°C waren damit dann also effektiv auch nicht drin. 
Die schreckliche alte Waschmaschine
 
Wir verhandelten mit unserem Landlord, aber der meinte nur, die Maschine sei doch in bester Ordnung. Letztendlich einigten wir uns darauf, dass er 1000 RMB für eine neue Maschine dazu gab.
 
Wir warteten aber noch bis 11.11. Da ist nämlich großes Shopping Festival auf taobao. Und so bekamen wir unsere Wunsch-Maschine für rund 2000 RMB statt knapp 3000 RMB.
 
Am Sonntag nun kam sie an. Lieferung bis Haustür. Nicht Wohnungstür. Und so begann ein anstrengender Tag für das Haselchen... 
Mal wieder ein großer Karton von taobao 

Erst schleppte er den Karton in die Wohnung. Dann befreite er die Maschine aus der Verpackung, hob die alte Maschine aus ihrer Ecke und begann die Suche nach einer passenden Montageanleitung auf Englisch oder Russisch. Beigelegt war nur Chinesisch und der Verkäufer konnte auch nicht auf Anhieb weiter helfen.

Während er auf eine Antwort vom Verkäufer wartete begann er, die Waschmaschine an ihren neuen Platz zu bugsieren. Das war schwerer als erhofft. So eine "richtige" Waschmaschinen wiegt einiges. Und sie musste am Klo vorbei über die Ecke der Dusche in ihre Ecke unter dem Fenster. Ich wollte gerne helfen. Aber zum einen lässt das Haselchen mich nichts schweres heben¹ und zum anderen ist die Ecke halt echt nicht groß, sodass ich eher im Weg herumgestanden wäre. Und jemand, der einen hibbelig beobachtet, während das Baby motzt, tut den Nerven nun auch nicht so wirklich gut. Also zog ich mich mit dem kleinen Raben ins Schlafzimmer zurück.
 
Eine Stillmahlzeit und ein paar Fingerspiele später juhute es laut: Die Maschine stand da, wo sie hin sollte und musste "nur noch" gedreht werden - doof nur, dass so eine Diagonale länger ist als die längste Seite des Rechtecks. Einfach so drehen fiel damit nämlich flach.
 
Ich ließ das Haselchen in Frieden arbeiten und kümmerte mich weiter um den motzigen kleinen Raben.
 
Ein Nickerchen später stand die Maschine so, wie sie sollte. Wir aßen etwas Kasi (kasachische Pferdewurst) mit Brot und dann sollte es an die "richtige" Montage gehen. Also Transportsicherungen raus, alles gerade ausrichten (ins Wasser stellen geht leider ohne Wasserwage nicht - wieder etwas gelernt: Man kann 5 Jahre lang ohne eine Wasserwage leben), Schläuche dran usw. 
Die neue Waschmaschine an ihrem endgültigen Platz. Wie man sieht ist da nicht viel Luft und einfach hinschieben ist auch nicht drin... 

Nun hatten wir aber noch immer keine englische oder russische Bedienungsanleitung. So googlete und YouTube-te das Haselchen eine Weile. Ich bespaßte derweil den kleinen Raben und erzählte ihm, wie toll sein Papa ist, dass er sowas schafft. Denn ganz ehrlich: Selbst ohne die mangelnde Körperkraft hätte ich es mir nicht zugetraut, die Waschmaschine ohne jede Hilfe anzuschließen. Zur Not hätte ich es wohl geschafft. Aber um es überhaupt zu versuchen hätte ich schon zu viel Schiss gehabt und mir Hilfe geholt. Das Haselchen ist da mehr der Russe, der nach dem Motto "selbst ist der Mann" nicht aufgibt und so lange macht, bis alles passt. Passt auch wieder in das Schema der klassischen Rollenverteilung. Aber ich find's gut.²
 
Und nach einer Runde Trommel reinigen war es dann soweit und wir konnten die ersten Ladung Wäsche in der neuen Maschine waschen. Ohne Duschschlauch, ohne Warten, ohne Waschmittel mit der Duschbrause über der offenen Maschine auflösen, damit es nicht in Klümpchen in den Klamotten hängen bleibt. Ein Traum! Selbst im Schleudergang war die Maschine flüsterleise. Und hinterher war alles richtig sauber und sogar die Katzenhaare und Fusseln, die die alte Maschine immer nur gleichmäßig verteile (sodass wir immer über alles nochmal mit der Fusselbürste gingen) waren weg. Genial!
 
Und während das Haselchen die frische Wäsche zum Trocknen aufhing und dann so ganz nebenbei noch Abendessen kochte, brachte ich den kleinen Raben (der ganz schlimm kreischte³) ins Bett und erzählte ihm davon, dass sein Papa alles schaffen kann und Mamas Held ist. :)
   
Hätte mir jemals jemand vorhergesagt, dass ich mich mal so über eine Waschmaschine freuen würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt... 

  
¹ Wäre ich jetzt eine kämpferische Feministin, würde ich mich über diesen Sexismus aufregen. Da ich keine bin gebe ich zu, dass ich wirklich so eine Waschmaschine nicht heben kann (ohne mir weh zu tun) und mich über meinen Gentleman freue, wenn er mir im Urlaub den Koffer oder beim Einkaufen die Tüten abnimmt.
 
² Nur um meine "Ehre" da mal kurz zu retten: Ganz das hilflose Weibchen bin ich nicht. Ich habe bei meinem Auto immer selbst die Batterie überbrückt und die Reifen gewechselt. Das könnte das Haselchen zum Beispiel nicht, er hat nicht einmal einen Führerschein.

³ Wir haben ja die Zähne unter Verdacht. Er sabbert nämlich auch sehr viel, beißt ständig auf allem herum und man kann die einzelnen Zahnknospen inzwischen ganz deutlich unter dem Zahnfleisch ertasten. Babulya stimmte uns zu, dass der Kleine schon langsam am Zahnen ist. Jetzt warten wir mit Sehnsucht auf die Veilchenwurzel aus Deutschland...

Sonntag, 15. November 2015

Applaus!

Erklärt mich für verrückt (oder wahlweise stilldement), aber ich glaube der kleine Rabe klatscht gerne Applaus.
 
Weil das auf einer Website (Baby Center?) vorgeschlagen wurde, habe ich den kleinen Raben immer mal wieder meine kleinen Finger umfassen lassen und dann mit seinen Händchen an meinen geklatscht.
 
Seit ein paar Tagen nun fing er an, seine Hände als halb geballte Fäustchen gegen einander zu schrubbeln. Dabei war er so ein bisschen motzig. Ist er derzeit öfter mal, vor allem seit Babulya und damit ihre Rundumbespaßung weg ist. Und irgendwie half in dem Moment dann auch das Lied von den zwei Gänsen nicht viel.
 
Auf jeden Fall kam ich Gestern auf die Idee, ihm beim Schrubbeln meine kleinen Finger in die Fäustchen zu legen und klatschte dann entsprechend seiner Bewegungen immer mal wieder. Also wenn er die Hände gegen einander schlug, klatschte ich (halt so ein bisschen mehr mit Spannung in meinen Fingern).
 
Und auf einmal strahlte er mich an. Wir machten mit dem Spiel weiter und irgendwann jauchzte er sogar vor Freude.
 
Das klingt jetzt alles vielleicht total banal oder rein zufällig. Aber ich glaube ehrlich, dass er gerne klatschen wollte und sich ärgerte, dass da kein Geräusch bei raus kam.
 
Und für mich ist das gefühlt ein riesen Ding, dass aus meinem mini kleinen Baby ein großes Baby wird. Und dass der kleine Rabe sich Sachen merken kann und Wünsche und Vorlieben entwickelt und zeigt, die über Füttern, Wickeln, Schlafen hinaus gehen. Das ist alles so super spannend!

Samstag, 14. November 2015

Die Tücken der Babypflege - Nachtrag

Bei meinen Ausführung zu den Tücken der Babypflege wollte ich eigentlich noch auf einen Punkt eingehen, den ich dann doch vergessen habe: Ärmel.

Ich kannte schon den Witz mit "Bist du bereit für ein Baby?" in dem es heißt man müsse einen lebenden Octopus so in ein Einkaufsnetz packen, dass kein Arm mehr heraus schaut, um auf das Anziehen eines Babys vorbereitet zu sein.
Nun, stimmt nicht. Schließlich hat so ein Octopus in seinen Armen keine Knochen und an selbigen auch keine Finger!

Ohne Witz: Sobald die Hand des kleinen Raben aus dem Ärmel auftaucht, zähle ich immer kurz nach, ob noch immer 5 Finger dran sind und vergewissere mich, dass die auch alle in die richtige Richtung schauen. Wenn er beim Anziehen brüllt, schwitze ich so lange vor Nervosität, bis ich die Finger zwei mal nachgezählt habe...

Freitag, 13. November 2015

Kleine Gruftitanzstunde

Disclaimer: Der folgende Text ist todernst. Sollte jemand ihn lustig finden, muss er zum Lachen in den Keller gehen. Alles andere ist zu ungruftig.

Seit ich in China lebe, bin ich auf Entzug. Normalerweise sollte sowas nach 4 1/2 Jahren ja irgendwann auch mal vorbei sein, aber bei mir wird das einfach nicht besser... Die Droge meiner Wahl ist aber halt auch kein Stoff, weder flüssig, noch fest. Ich bin auf Tanz-Entzug.

Bei der Clubszene in Shanghai mag das komisch klingen. Bzw mit dem ganzen öffentlichen Gruppentanzen an allen möglichen Plätzen hier. Aber ich bin halt auch ein Grufti. Als solcher ist ja schon das Tanzen an sich eine eigene kleine Wissenschaft (dazu gleich mehr). Und wild zu irgendwelchem Techno-Gewummer oder Lady Gaga abzuzappeln verbietet sich dann ja von selbst.¹

Ein paar mal habe ich mich schon über dieses ungeschriebene Goten-Gesetz hinweggesetzt. Nach 10 Jahren Szenenzugehörigkeit stehen einem bis zu 6 solcher Regelverstöße pro Jahr zu, die als ironisch, sarkastisch oder wahlweise als gesellschaftskritische Performancekunst gewertet werden können. Vorher oder bei häufigeren Verstößen wird einem nach und nach die Trueness aberkannt, bis man wieder von vorne als "Babybat" "wannabegoth" oder auf Russisch "herka" anfangen muss, sich seinen Status als echter Gruftie zu erarbeiten.

Nein, als echter Gruftie kann man nicht einfach abzappeln.

Erstens muss die Musik stimmen. Tanzen auf solch verpönte Bands wie Combichrist oder Blutengel hat fast den gleichen Effekt wie zu Scooter oder Helene Fischer. Grundsätzlich gilt: Je älter die Band, desto besser. Ich sage bewusst nicht "unbekannt", denn so richtig Underground kennt dann halt auch in der Szene wieder kein Schwein und die ganze Trueness verpufft im Unverständnis der Betrachter. Annehmbar zum Tanzen ist zum Beispiel Suicide Commando (Dark Electro) oder Nitzer Ebb (EBM). Noch besser ist es allerdings, auf Klassiker wie Sisters of Mercy oder Bauhaus zu warten . Sopor Aeternus geht natürlich auch immer.

Und wie darf man nun tanzen? Hier gibt es (zumindest im Rhein-Main-Gebiet) eine Auswahl an zulässigen Tänzen:

1. Stompen
Zu EBM hüpft man im Dreieck, dreht sich dabei immer wieder und haut mit den Ellbogen um sich. Je nach Pit (= Gruppe der Stompenden) geht es dabei auch schon recht deftig zu. Ein Bekannter torkelte mal auf dem Mera Luna aus dem Pit mit den Worten "Total geil heute!" - mit blutender Nase und zerissenem T-Shirt. Daher normalerweise eher Männersache. Ein Grund mehr, weshalb ich stolz darauf war, sogar mit Absätzen stompen zu können.

2. Ellenbogenschwinger
Meistens wird so auf "Electro" getanzt. Also Dark Electro, aber auch Harsh EBM, Aggrotech, manchmal EBM oder Synth Pop usw. Man stellt sich mehr als hüftbreit hin und geht leicht in die Knie (klingt nach Gymnastik ^^) und hebt abwechselnd im Takt die Fersen (für Fortgeschrittene den ganzen Fuß) vom Boden. Zeitgleich dreht man die jeweilige Schulter nach hinter und oben. Selbiges tut man mit dem Ellenbogen des zugehörigen Arms. Zur Abwechslung kann man die selbe Seite mehrfach heben, mit den Händen fuchteln, die Luft boxen oder sogar das Haupthaar enthusiastisch mitschwingen lassen. Je nach Gemütszustand des Tänzers und Aggressivität der Musik kann man dabei den Menschen hinter einem theoretisch die Nase brechen. Daher wird so faktisch die Frage "Mein Tanzbereich - dein Tanzbereich" schnell geklärt. Beim Tragen sehr kurzer Röcke ist vom allzu hohen Heben des Fußes auch für Fortgeschrittene abzuraten.

3. Der geht immer
Auf wahllos jedes Lied kann man sich von einer Seite auf die andere wiegen. Die Hüfte beschreibt dabei in etwa eine liegende 8. Zusätzlich kann man mit den Händen fuchteln.

4. Der Totengräber
Der gruftigste aller Tänze wird schon von Kontrast in "Einheitsschritt" besungen - "Drei Schritten vor und drei zurück, sie bewegen sich im Einheitsschritt, drei Schritt zurück und drei Schritt vor in ihrem schwarzen Trauerflor". Und, oh Wunder, für den Totengräber läuft (oder besser schreitet) man vor und zurück. Dabei kann man sich je um 180° drehen und mit den Händen herum fuchteln. Und warum jetzt Totengräber? Nun, viele machen beim letzten Schritt nach vorne eine Art Verbeugung - was dann eben so aussieht, als würden sie ein frisches Grab ausheben. So goth...

Und wisst ihr, wer das alles (bis aufs Stompen) hier von den Chinesen auch schon alles gesehen hat? Die Security Guards, die jeweils bei uns daheim und im Büro für die Überwachung der Aufzüge verantwortlich sind. Mp3 Player und die Sucht siegt...

¹Oder macht einem mit unter 2‰ einfach echt keinen Spaß.

_______________________________

[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Alle 3 Wochen gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Donnerstag, 12. November 2015

12 von 12 November 2015

Heute war so ein richtig doofer Tag. So einer, an dem man aufwacht und sich schon fragt "Will den noch jemand, oder kann der gleich weg?". Doofes Wetter, doofe Luft und doofe Laune (weil MÜÜÜDE). Naja, ihr dürft nun trotzdem an meiner Langeweile im Bild teilhaben. Und wer noch mehr Fotos von anderen Leuten sehen will, findet alle Beiträge bei Draußen nur Kännchen.

Nachdem ich das Haselchen 3 Mal angeblafft hatte fragte er "Why are you so pissy?" - "Cause I am tired and I need coffee!". Zur Wahrung des Friedens brachte er mir darauf hin Kaffee und 2 Kekse ans Bett. Ich hab echt das beste Haselchen der Welt!  
Regen, Nebel und Luftverschmutzung. Bäh! 

Die Katze. Einfach mal so. 

Während die Ayi die Wohnung auf Vordermann bringt essen wir im Büro Reste von Gestern zu Mittag.  
Und kaufen aus Deutschland importierte Veilchenwurzel 

Ich lerne das Lied über zwei Gänse, das dem kleinen Raben in Babulya 's Repertoire am besten gefallen hat und ernte freudiges Lächeln (war rar heute) 

Der Kater massiert die Decke während ich den kleinen Raben stille 

Alkoholfreier Mojito 

Abendessen: Leber (übrig gebliebene Pirrogi - Füllung) mit Kartoffeln und Paprika  
Ich liebe meine heitzenden Schuhe! Bye bye, kalte Füße! 

Wir schauen Serie und Babyphon (der Sound ist kaputt, daher muss der Bildschirm immer in Sichtweite sein) 

Noch besser als Schokolade an so einem Tag: Russisches Konfekt. Danke, Schwiegermama! 

Mittwoch, 11. November 2015

Bullshit Bingo mit Schwiegermama

Holt die Bingokarten raus und spielt mit. Wer als erstes 3 Bullshits in einer Reihe hat, gewinnt!
 
1. 24°C, Windstille, Baby schwitzt in der Manduca in kurzem und langem Strampelanzug: "Dem Kleinen ist kalt!"
 
2. Immernoch 24°C, Windstille: "Setz ihm doch eine Mütze auf, sonst bekommt er bestimmt eine Mittelohrentzündung!"
 
3. "Das Baby braucht unbedingt Wasser! Muttermilch alleine reicht nicht!"
 
4. "Der trinkt viel zu oft. Ihr müsst ihm unbedingt feste Mahlzeiten angewöhnen!"
 
5. "Ein Baby gehört täglich gebadet!"
 
6. Baby liegt am Kopfende des Bettes, Katze rollt sich am Fußende ein "Ksch, Ksch. Die Katze so nahe am Baby ist gefährlich!"
 
7. "Das ist egal, dass in dem Beipackzettel steht 'Für Kinder ab 6 Jahren'. Ich habe das Gel gegen Zahn(ungs) schmerzen meinen beiden Kindern gegeben. Und unser Nachbar genauso. Und es ist nix passiert. Das ist auch für Babys geeignet, die Info im Beipackzettel ist bloß veraltet."
 
8. Baby nießt einmal: "Seht ihr, ich hab es doch gesagt das ihm kalt ist. Jetzt ist er erkältet. Gib ihm am besten gleich diese oder jene Medizin."
 
Und hier noch ein Schanghai Special:
 
9. "Kommt der Kleine dann auch mit?" - "Nein, die Luftwerte sind zu schlecht." - "Dann gehen wir vielleicht einfach spazieren?" - "Nein, bei den schlechten Luftwerten sollte er gar nicht raus. Wir haben heute draußen keine frische, sondern giftige Luft." - "Und wenn wir ihm ein Taschentuch vor's Gesicht halten?"
 
Da lobe ich mir doch meine Eltern... Reaktion meines Papas, als ich ihm mein "Leid" geklagt habe: "Einfach 'Oh, interessant, ja' sagen und lächelnd ignorieren. So haben wir das damals auch gemacht. Ihr seid die Eltern und ihr wisst am besten, was euer Kind braucht. Außerdem macht ihr das alles schon richtig gut. Und überhaupt werden Kinder nicht mit Haferschleim groß, sondern nur mit ganz viel Liebe. "
 
Jetzt ist Schwiegermama wieder weg. Schade ist es schon, denn schön war's. Aber ein bisschen mehr Ruhe hat auch was für sich...

Sonntag, 8. November 2015

Eiswasser und Kuchen

Ich bin mir nicht sicher, ob es mir nicht nur so vorkommt, aber seit der Ice bucket challenge werden ja ständig irgendwelche Sachen gestartet, bei denen Leute hin und her nominiert werden, um mitzumachen. Erinnert mich irgendwie immer so ein wenig an den Hermann - Kuchen, den ich irgendwann in der Schule bekam... Den musste man ja glaube ich auch immer irgendwie weiter geben... Wie dem auch sei. Auf Facebook sind da ja derzeit Fotos, die schon über 15 Jahre alt sein müssen der Brüller. Ja, und bei den Bloggern eben scheinbar 11 Fragen. Das nennt sich dann Liebster Award und ist fast so gut wie Kuchen. Und definitiv besser als ein Eimer Eiswasser!
 
So, und wo ich sonst zu nichts nominiert werde, darf ich auf einmal diesen Orden einfügen:
 

 Denn die wunderbare Frau Rabe vom Rabensalat hat mich tatsächlich nominiert. Ich bin noch ganz baff davon. Aber endlich darf ich auch mal bei was mitspielen! Yeah! Vielen Dank! :)
 
So, und nun darf ich Fragen beantworten.
 
 
1. Als Sie 20 waren, was war da Ihr Lebensplan?
 
- Ganz zu Anfang des Lebensjahres noch: Psychologie studieren, Therapeutin werden, anderen Menschen helfen. Dann kam ein freiwilliges Praktikum in einer Tagesklinik und die Erkenntnis, dass moderne Psychologie in der Praxis oft auf die Frage reduziert wird, welcher Patient wie viel von welcher Droge braucht. Und, dass ich selbst viel zu kaputt für den Job wäre. Ab dann wollte ich mein letztendlich gewähltes Studium "Internationales Management" möglichst schnell und erfolgreich abschließen, mit meinem damaligen Freund zusammen ziehen, Karriere machen, nebenbei ein paar Kinder bekommen, aber weiter Karriere machen und die Kinder zu Hause bei ihrem Papa (der sowieso keinen Job finden würde, vor allem weil er sich nichts zutraute und sich schämte, einen Behindertenausweis zu beantragen) lassen.
 
 
2. Fühlt sich das komisch an, das heute aufzuschreiben?
 
- Nicht wirklich. Es kam alles dann ein wenig anders. Aber so ist das nun einmal im Leben.
 
 
3. Wo möchten Sie mal wohnen?
 
- Das Schlimme daran, an verschiedenen Orten gewohnt zu haben ist ja, dass man immer irgendwas vermisst... Daher wäre der Wunschtraum, zwischen Shanghai, Madrid und Deutschland (am liebsten in der Nähe meines Elternhauses) hin und her zu wechseln und überall ein Zuhause zu haben. Wenn das nicht geht, wäre die erste Wahl Madrid.
 
 
4. Welches Wort hassen Sie am meisten?
 
- Wirklich hassen kann ich kein Wort. Am nervigsten finde ich derzeit "Hurry!".
 
 
5. Welches Wort lieben Sie am meisten?
 
- Aktuell sage ich am liebsten "Meckermännchen", weil sich daraus ein Singsang machen lässt, der den kleinen Raben immer wieder zum Lachen bringt. Hören mag ich derzeit am liebsten "Agu".
 
 
6. Wenn Sie heute ihren ersten Schwarm treffen, was geht Ihnen als erstes durch den Kopf?
 
- Ach du Schei ... benkleister! Direkt gefolgt von "Krass, wie Geschmäcker sich ändern..."
 
 
7. Ist es ok, im Vorstellungsgespräch die Kinder zu verschweigen (vorausgesetzt, man wird nicht direkt danach gefragt)?
 
- Aus einem moralischen Gesichtspunkt finde ich es nicht per se verwerflich. Trotzdem würde ich selbst es niemals tun. Denn meine Familie gehört zu mir und das ich Mutter bin ist für mich so sehr Teil meiner selbst, wie die Tatsache, das ich eine Frau bin. Ich trage auch zu einem Vorstellungsgespräch schwarz und habe meinen derzeitigen Job mit lilanen Haaren bekommen. Wenn in einem Unternehmen Mütter unerwünscht sind, dann bin ich dort unerwünscht und dann werde ich dort mit Sicherheit nicht glücklich. Ich sehe Mutterschaft zudem auch in einem beruflichen Kontext nicht nur als "Problem", sondern ganz klar auch als Stärke. Wer die Wutausbrüche eines Kleinkinds meistert, für den stellt ein infantiler Kunde mit Wutausbruch kein so großes Problem mehr da. Wer eine wilde Horde Kinder rechtzeitig in den Kindergarten bringt, Ausflüge wohlbehalten übersteht, Urlaube organisiert etc, der beweist schon im privaten Alltag mehr Organisationstalent und Multitaskingfähigkeit im kleinen Finger als so manch anderer im ganzen Arm hat. Wer ein Kleinkind dazu bekommt, sich die Zähne zu putzen und den Schlafanzug anzuziehen, der hat ein gutes Verhandlungsgeschick. Und was, wenn nicht Führungsqualitäten und das Talent, andere zu motivieren, braucht es denn in großem Maße, um ein Kind erfolgreich durch die Schullaufbahn zu begleiten?! Kurzum: Mütter sind Meister der soft skills. Und wenn ich daran denke, wie oft ich schon Kollegen erlebt habe, die total verkatert und übernächtigt mit genug Restalkohol im Blut, um fahruntüchtig zu sein, im Büro aufgeschlagen sind... Sowas passiert einem mit einer Mutter auch eher selten.
 
 
8. Wenn sie eins der folgenden Dinge opfern müssten, was wäre es? Ihr Blog, Ihr Handy, alle Bücher in Ihrem Haushalt, alle Musik in Ihrem Haushalt?
 
- Bis zur Ankunft meiner Schwiegermutter wären es die Bücher gewesen. Da hatten wir nämlich nur ein paar Wörterbücher, ein Kochbuch und ein Buch zur Numerologie von Namen im Haus. Da diese spärliche Auswahl nun jedoch durch schöne Bilderbücher ergänzt wurde, die so alt sind wie das Haselchen, will ich diese Erbstücke nicht mehr missen. Daher jetzt: Der Blog.
 
 
9. Kaffee oder Wein?
 
- Würde ich nicht stillen, dann auf jeden Fall Wein. Die Drogen meiner Wahl (inklusive Dingen wie Düfte etc.) haben immer eher sedierende denn aufputschende Wirkung. Und geschmacklich kann auch kein Kaffee der Welt für mich mit einem schönen Glas Ribera del Duero mithalten...
 
 
10. Wenn Sie einen kinderfreien Tag hätten (mit oder ohne Partner), was würden Sie machen?
 
- Wäre es warm und unter der Woche: Ab in den Aquapark mit einer Kühltasche voll Bier und einem Rucksack voll Snacks. Andernfalls: Ein fauler Sofatag mit mindestens einer ganzen Staffel einer interessanten Serie, ein paar Flaschen Rotwein und bestellter Pizza.
 
 
11. Sie fahren in den Urlaub: was ist das letzte, was Sie denken, bevor Sie die Haustür hinter sich schließen?
 
- Hmmmm, das aller letzte ist schwer zu sagen... Normalerweise "Pässe? Hier. Handy? Hier. Schlüssel? Hier. Dokumente (Flugtickets etc.)? Hier. Handy Ladegerät? Hier. Alles hier. Ok. Pässe? Immernoch hier. Dokumente vollständig? Ja, Immernoch. Ok." (das Spiel wiederhole ich dann nochmal im Aufzug, vor der Haustür unter und im Taxi) Beim Zuziehen der Tür sagen (und denken) wir jedoch immer "Paka kissi" ("Tschüß Katzen").
 
 
So. Und jetzt kommt der schwierigere Teil. Jetzt muss ich nämlich jemanden finden, der mir einen Ableger vom Kuchen abnimmt und noch keinen hat. Also nominieren. Ich lese halt, um ehrlich zu sein, keine 50 Tausend Blogs... Daher fällt mir das so ein bisschen schwer... Aber ich versuche es mal:

Mareike von "Von 0211 zu 021"
 
Trippmadame von "Geschichten und Meer"
 
Drachenmädchen
 
So, jetzt "traue" ich mich auch an einen ganz großen Blog, denn mehr als nicht mitmachen kann sie ja nun auch nicht ;) Und das war nun einmal der erste Blog, den ich überhaupt gelesen habe.
 
Daily Pia
 
Und nu bin ich mit meinem Latein schon fast am Ende... Mir fällt tatsächlich nur noch ein Blog ein, der ja eigentlich nicht richtig privat ist. Ist das dann ein Regelbruch und ich habe 7 Jahre schlechten Sex? Ich weiß es nicht. Aber ich lasse es mal drauf ankommen:
 
Die liebe Julia (ich freue mich auf unser Wiedersehen zu Pfingsten!) mit dem Blog zu ihrem veganen und nachhaltigen Label mit Babymode für die schwarze Szene "Infantium Victoria"
 
Und dies sind die Fragen:
And these are the questions:
 
1. Welche irrationalen Ängste (z. B. Vor Monstern unter dem Bett, bloody Mary im Spiegel o. Ä.) hast du?
What irrational fears (e.g. the Boogeyman, bloody Mary in your mirror etc) do you have?
 
2. Glaubst du an Geister, Aliens oder andere unerklärliche Phänomene?
Do you believe in ghosts, aliens or other inexplicable phenomenon?
 
3. Katze oder Hund?
Cat or dog?
 
4. In welcher Epoche würdest du am liebsten leben?
In which epoque would you most like to live in?
 
5. Wenn du ein Jahr lang nur eine Sorte Obst und eine Sorte Gemüse essen könntest, welche würdest du wählen?
If you could eat only one type of fruit and one type of vegetable for a whole year, which types would you choose?
 
6. Welche Serien schaust du regelmäßig?
Which series are you watching?
 
7. Süßigkeiten oder salzige Snacks?
Sweets or salty snacks?
 
8. Wie sieht für dich ein perfekter Urlaub aus?
What would a perfect holiday be like for you?
 
9. Was wolltest du später einmal werden, als du ein Kind warst?
When you were a child, what did you want to become?
 
10. Wann warst du zum ersten Mal beschwipst?
When have you been tipsy for the first time?
 
11. Wie trinkst du deinen Kaffee?
How do you take your coffee?
 
So, und damit alle wissen, wie es nun weiter geht, hier die Regeln:
So that you know what to do, here are the rules:
 
1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
Thank the blogger who has nominated you
 
2. Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat
Link to the blogger who has nominated you
 
3. Füge einen der Liebster-Blog-Award Buttons in deinen Post ein
Paste the Liebster Award into your blog post
 
4. Beantworte die dir gestellten Fragen
Answer the questions
 
5. Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger, die du nominierst
Make up 11 new questions for the bloggers you want to nominate
 
6. Nominiere 5-11 Blogs
Nominate 5-11 blogs
 
7. Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass du sie nominiert hast
und verlinke von dort aus auf deinen eigenen Liebster Award Artikel
Write a comment to the bloggers you wish to nominate and link to your own Liebster Award post
 
Viel Spaß! :)

Samstag, 7. November 2015

Auf die Finger klopfen oder: So nicht!

Heute wurde auf zwei Hände geschlagen. Einmal, wie ich finde, sehr berechtigt und einmal ganz und gar nicht.

Eigentlich sollte ich ja auch noch ein paar Fragen von Frau Rabe beantworten, aber das heute hat mich so aufgeregt, das muss erstmal raus...

Situation 1:
Ich bin mit dem kleinen Raben in der Manduca im Compound spazieren. Dort sind immer Leute unterwegs. Bei einer kleinen Gruppe aus 4 älteren Damen und einem Baby bleibe ich kurz stehen. Der kleine Rabe strahlt die Oma mit Baby an. Mit Händen, Füßen, Fingern, Lauten ("Aaahh, aham" ist international) und drei Wörtern Chinesisch "unterhalte" ich mich mit der Baby Oma (Mädchen oder Junge, wie alt, die Standards). Die anderen aus der Gruppe schauen sich den kleinen Raben an, begutachten skeptisch die Manduca und versuchen, die Aufmerksamkeit des Laowei-Babys zu bekommen und betatschen seine Socken. Alles ganz normal und so lange der kleine Rabe nicht weint für mich hinnehmbar. Plötzlich jedoch will eine der Frauen dem Kleinen mitten ins Gesicht langen. Genauer an bzw fast in den Mund, mit dem er glücklich den Träger der Manduca vollsabbert. Reflexartig haue ich die Hand weg. Also nicht dolle schmerzhaft, sondern halt wie eine Fliege. Die Frauen schnattern irgendwas (klang nicht nett) und verziehen sich.

Wäre ich in der Lage gewesen zu kommunizieren, hätte ich ja gegebenenfalls einfach "Hey, lassen Sie das bitte!" gesagt. Aber bei den Vorstellungen von Hygiene, die viele hier haben (dazu muss ich nochmal gesondert was schreiben, aber für heute suffice it to say: Händewaschen nach dem Toilettengang wird von erschreckend vielen nur dann für nötig erachtet, wenn man braun verschmierte Finger hat...), verstehe ich dann doch keinen Spaß...

Situation 2:

Später während des gleichen Spaziergangs beobachte ich eine Mutter mit ihrem Baby/Kleinkind. Ich würde schätzen nicht älter als ein Jahr. Das Kleine macht unsichere, tapsige Schrittchen und nuckelt dabei an irgendwas herum. Das Irgendwas fällt auf den Boden. Mit sichtlicher Konzentration, um nicht sofort auf den Hosenboden zu plumpsen hockt sich das Kleine runter und streckte das Händchen nach dem Irgendwas aus. In dem Moment (also noch vergleichsweise lange vor Aufheben und wieder in den Mund stecken des Irgendwas) quietscht  die Mutter, die die gesamte Szene zuvor stumm und untätig beobachtet hatte, "Aii" und schlägt dem Kleinen auf die Hand. Auch nicht dolle schmerzhaft, aber doch sehr erschreckend und ganz ohne Vorwarnung oder Erklärung (sie sagte davor und auch danach nichts, aber auch gar nichts, zu ihrem Kind). Das schaute sie natürlich wie vom Donner gerührt an.

Wäre ich in der Lage gewesen, zu kommunizieren, hätte ich mich definitiv nicht zurückhalten können. Aber wäre ich einfach hingegangen und hätte der Mutter auf die Hand geschlagen, so ganz ohne Vorwarnung oder Erklärung, hätte sie wohl genauso sehr verstanden, was sie warum falsch gemacht hat, wie ihr Kind...

Donnerstag, 5. November 2015

Tagebuchbloggen November 2015

1:30 Stillen
 
3:00 Stillen

4:00 Stillen
 
5:40 Stillen und verwirrt überlegen, wann wir nun in der Nacht gestillt haben
 
6:45 kleinen Raben abhalten, wickeln und nochmal stillen
 
7:30 Ich glaube, der kleine Rabe ist endlich wieder eingeschlafen. Kaum jedoch fallen mir die Augen zu, ist er wieder wach. Er quietscht eine Weile komisch im Halbschlaf, bis ich ihn herum trage, er ein herzhaftes Bäuerchen macht und dann an der Brust nuckelnd einschläft.
 
8:55 Stillen. Und dann den kleinen Raben tagfertig machen, also abhalten, Felgen putzen, Hände waschen, Hals und Achseln waschen und pflegen, die trockenen Stellen hinter den Ohren einölen, Haare kämmen, Windel und Klamotten anziehen. Als wir soweit sind, bespaßen Babulya und Tante den kleinen Raben, damit ich mich duschen kann.
 
10:45 Stillen. Dabei schläft der kleine Rabe ein. Ich versuche, ihn durch einen Schnuller - Brust - Tausch auszutricksen. Denn so langsam habe ich Hunger. Klappt nur so bedingt, aber das Nickerchen hat seine Laune gehoben, sodass er uns lächelnd beim Frühstücken zuschaut.
 
11:45 Schwiegermama meint, der kleine Rabe habe gerade gepupst. Dieser kontert mit seinem Ichmachjetztkacka - Knöttern und dem charakteristischen Geräusch "pffsch". Also: Wickeln. In der Zwischenzeit kommt die Ayi wie jeden Donnerstag. Frisch gewindelt wird der kleine Rabe unter seinem Spielebogen platziert und ich trinke noch in Ruhe meinen Kaffee aus.
 
12:45 Stillen, abhalten und nochmal frisch verpacken. Wir beschließen, einen langen Spaziergang zu machen. Auf an die Uferpromenade!
 
13:40 Los geht's. Bis alle nochmal Pipi waren und fertig sind, hat es eine gute Weile gedauert. Mir schwant diesbezüglich nichts Gutes für die Zukunft mit ganz vielen Kindern, aber bekanntlich wächst man ja an seinen Herausforderungen... Draußen sieht es nach Regen aus, wir gehen aber trotzdem und nehmen halt Schirme mit.
 
13:53 Der kleine Rabe ist in der Manduca eingeschlafen. Babulya fängt derweil so ein winziges bisschen zu nerven an. "Dem Baby ist bestimmt kalt" "Setz ihm eine Mütze auf!" So viel Russisch verstehe ich halt doch schon. Leider. Übersetzen lassen muss ich mir "Er bekommt sonst bestimmt eine Mittelohrentzündung!" Der kleine Rabe schwitzt derweil bei 24°C und fast gänzlicher Windstille mein Shirt voll. Das Haselchen meint (zu seiner Mama) "Dem Baby ist warm. Du hast das Oma - Syndrom...". Die schmollt darauf hin ein bisschen. Aber nur ein bisschen.
 
14:21 Der kleine Rabe wacht auf und schaut sich erst verschlafen, dann entspannt um, während wir am Wasser entlang spazieren.
 
14:40 Wir betreten sozusagen Neuland und gehen über die Brücke, an der wir vorher mit Baby immer umgekehrt und heim gegangen sind. Unter anderem auch wegen der Stufen... Der kleine Rabe meldet derweil so ganz langsam Hunger an.
 
14:45 Stillen. In Ermangelung einer "stillfreundlich" platzierten Bank setzte ich mich auf ein paar Stufen mit Büschen an den Seiten. Das Haselchen und sein Schwesterchen stehen mit aufgespannten Regenschirmen vor mir und Schwiegermama macht am anderen Ende der kleinen Treppe den Security Guard, damit wir von allen Seiten vor neugierigen Blicken abgeschirmt sind. Ich finde meine Brüste nun nicht derart spektakulär, um so viel Theater darum zu veranstalten. Aber meine Truppe lässt sich davon nicht beirren.
 
14:55 Während das Haselchen den kleinen Raben für ein Bäuerchen herum trägt, erinnert mein Handyalarm mich daran, online zu gehen.
 
15:00 Genau um 15:00 schicke ich über die entsprechende Website mit den Arbeitszeitplänen meine Präferenz für Feiertage ab. In meinem Job ist es üblich, dass wir auch (gegen entsprechende Vergütung, versteht sich auch in China) an Feiertagen arbeiten. Wir können dazu Präferenzen angeben. Für Neujahr wollten aber wohl so viele Kollegen frei haben, dass hierfür der Wunsch nur heute von 15:00 bis 16:00 angenommen wurde und nach "wer zuerst kommt mahlt zuerst" erfüllt wird. Ich habe jetzt 2 Jahre lang an Neujahr arbeiten müssen. Und das ist so scheiße! Nicht nur, dass es Neujahr ist und ich müde bzw verkatert bin. Da sind so viele Leute im Skiurlaub. Und saisonale Unterkünfte haben so oft keine Ahnung, wie unser System funktioniert... Also habe ich jede Menge Anrufe und Überbuchungen. Die blödeste Situation, die ich so tagtäglich lösen muss. Also Neujahr arbeiten - nein danke!      
 
15:10 Nach dem Stillen befreien wir den kleinen Raben aus einer Schicht Klamotten und verpassen ihm auch gleich eine frische Windel. Babulya ist ganz entgeistert ob des Freiluftwickelns und meint in den wenigen Sekunden, die der kleine Rabe unten ohne daliegt, bestimmt 4 mal, wir sollten ihn zudecken. Man erinnere sich, wir haben 24°C und Windstille... Und wie ich ein zugedecktes Baby wickeln soll ist mir ebenfalls ein Rätsel.
 
15:15 Wieder in der Manduca beginnt der kleine Rabe zu meckern. So ein müdes Dauer-Motzen. Das Haselchen macht das total nervös und er zickt mich ein bisschen an. Als die Schwiegermama meint, dass er als Baby vor dem Einschlafen immer so klang, ist er beruhigt. Ich singe derweil "The mysterious vanishing of the Foreman family", weil der kleine Rabe das zum Einschlafen so gerne hört.
 
15:37 Wir sind auf dem Rückweg und der kleine Rabe schläft ein.
 
16:15 Wir sind daheim. Der kleine Rabe ist wieder wach und motzig.
 
16:20 Stillen
 
16:45 Wir essen. Tomatensalat, scharfer Reis mit Fleisch, Schmortopf mit Pilzen, Kartoffeln und Hühnchen mit georgischen Kräutern. Der kleine Rabe motzt. Babulya bespaßt ihn, damit ich essen kann. Das ist toll. Dann fängt sie (wieder) davon an, dass wir dem Baby unbedingt Wasser geben müssen. Der braucht doch was zu trinken. Auf die ausführliche Erklärung, dass das nicht notwendig ist, dass ich voll stille und die MuMi sich an die Bedürfnisse des Kindes anpasst und so weiter reagiert sie mit dem russischen Equivalent zu "Jaja, blabla, ich hab trotzdem Recht.". Das ist nicht so toll.
 
17:00 Stillen. Der kleine Rabe hat endlich nochmal ein Bäuerchen gemacht und kann weiter trinken.
 
17:40 Babulya und Tante bespaßen den kleinen Raben, das Haselchen bereitet das Bad vor, ich räume meine frische Wäsche weg. Dazu kommen noch die beiden Katzen, damit auch wirklich die ganze Familie in einem Zimmer ist.
 
18:00 Das Haselchen badet den kleinen Raben während ich noch schnell ein paar Löffel Schmortopf futtere.
 
18:15 Das Bad ist beendet und ich fange an, den Kleinen mit Kokosöl zu massieren, während Babulya und Tante ihn unterhalten.
 
18:57 Nach Spieluhr und Stillen schläft der kleine Rabe richtig schnell ein. Ich bleibe noch ein bisschen bei ihm liegen und schreibe hier. Dann stelle ich die Kamera des Babyphons auf und schleiche aus dem Zimmer. Im Esszimmer sitze ich mit meiner Schwieger-Schwester ("Schwägerin" klingt so komisch...) zusammen und essen noch was.
 
19:39 Der kleine Rabe ist wieder wach. Er schläft abends immer erst ein, wacht kurz darauf nochmal auf und schläft erst dann für ein paar Stunden...
 
19:45 Stillen und auf ein Bäuerchen wartend dem kleinen Raben auf den Rücken klopfen und das Ganze ein paar Mal da capo al fine...
 
20:15 Der kleine Rabe schläft.
 
20:45 Wir trinken Vodka "russian Style", will heißen ausatmen - trinken - von der Oma bzw. jetzt ja sogar Uroma marinierte Pilze (selbst im Wald gesammelt) mit Zwiebeln hinterher essen. Ich habe 3 x 10 ml. Schwiegermama noch weniger. Aber Spaß haben wir.
 
21:30 Schwiegermama und Schwieger-Schwester nötigen mich, meine Lesekünste auf Russisch zu üben und singen mir russische Kinderlieder vor, nachdem ich die Texte aus einem Buch gelesen habe (wie ein Erstklässler, so mit Finger und Laut für Laut aussprechen - schnell Russisch vorlesen kann ich definitiv nicht).
 
22:00 Alle fragen, was ich die ganze Zeit auf dem Handy mache und das Haselchen erklärt, was ein Blog ist. Wir sitzen weiter beisammen, essen Pilze und Süßkram, trinken alkoholfreies Bier und Limo und reden in 2 1/2 Sprachen über dies und jenes.
 
22:30 Ich spiele "4 Gewinnt" gegen meine Schwieger-Schwester und das Haselchen. Dabei esse ich noch mehr Konfekt. Irgendwann beginnen wir, den Tisch abzuräumen. Schwiegermama sitzt im Büro und shoppt sich in taobao nen Wolf.
 
23:45 Ich gehe ins Bett.

Mittwoch, 4. November 2015

Schwiegermama - Besuch #1

Gestern kamen meine Schwiegermama und meine sistra (= meine 13 jährige Schwägerin) an. Bis jetzt: Super! Die dürfen sehr gerne öfter kommen! Haben uns trotz Problemen beim Zoll ganz viele Leckereien mitgebracht (u. A. russisches Konfekt... Ich würde am liebsten drin baden!) und der kleine Rabe lässt sich nach anfänglicher Scheu von Babulya und Tante ganz wunderbar bespaßen. Die beiden singen und klatschen und reimen und tanzen den halben Tag und der Kleine lacht und quietscht vor Freude. Und während das Haselchen Tortilla zum Frühstück gemacht hat, habe ich es endlich mal geschafft, mich tatsächlich morgens zu duschen. Und bis jetzt hat die Babulya auch nur Sorge, dem Baby sei zu kalt, lässt uns aber machen (dem ist halt nicht kalt, ich hab ihn auch ein paar Wochen lang immer zu warm eingepackt bis wir den Dreh raus hatten... Er hat sein Temperaturempfinden definitiv vom Papa geerbt...). Also alles super bis jetzt. Bis auf das Wetter, aber wenigstens ist die Luft gut.

Montag, 2. November 2015

4 Monate kleiner Rabe

Mein süßer kleiner Rabe, heute bist du genau 4 Monate alt. Ach herrje, wie die Zeit vergeht...

Zu behaupten, ich könnte mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen, wäre gelogen. So beschränkt ist mein Vorstellungsvermögen nun nicht.

Ich würde heute noch mit dem Kater von Halloween kämpfen. Insgesamt würde ich mehr Alkohol trinken. Und öfter Pizza bestellen. Ich hätte mehr Sex (ja, ich weiß, wenn du das später mal liest: igittigitt - aber auch Eltern haben welchen, damit musst du dich abfinden). Ich hätte theoretisch mehr Zeit, die ich aber praktisch mit so unlustigen Dingen wie Geld verdienen (mit eBay und Textbroker auch in meiner Freizeit) oder verkatert im Bett liegen vergeuden würde. Mir wäre öfter langweilig. Ich würde mehr Filme und Serien schauen. Ich hätte weniger Cellulitis und mein Bauch wäre immer noch flach und straff. Vermutlich hätte ich schon mehr Tattoos. Mehr Geld aber wohl kaum - nur für andere Dinge ausgegeben. Wochenenden in 5 Sterne Hotels, Alkohol und Teppanyaki statt Erstausstattung, Babyklamotten und Pampers. Ok, mit Überstunden und eBay und Textbroker vielleicht etwas mehr... Ich würde weniger vor Mitternacht schlafen und mehr danach. Ich wüsste nicht, wie Wehen sich anfühlen. Ich wäre körperlich noch nicht an meine Grenzen gekommen. Ich wüsste nicht, wie angenehm stillen ist. Ich könnte Ruhe noch immer nicht ertragen, statt sie auch mal zu genießen. Ich würde mir andere Sorgen machen - welche, die mir heute lächerlich vorkommen. Ich wüsste weniger. Ich würde noch immer jeden Morgen schlecht gelaunt aufwachen, weil meine Träume viel spannender und schöner als die Realität wären und das Aufstehen würde mich jeden Morgen Überwindung kosten, statt auch um vor 6 Uhr schon mit der Vorfreude auf dein Lächeln geweckt zu werden und jeden Tag mit Grimassen und Lachen zu beginnen. Überhaupt würde ich mich viel öfter ärgern und viel weniger freuen. Und ich hätte viel seltener das Gefühl, dass ich vor lauter Glück und Liebe platzen könnte.

Also ja, ich kann mir ein Leben ohne dich vorstellen. Der Punkt ist: Um nichts in der Welt würde ich die Realität gegen diese Vorstellung eintauschen wollen.