Montag, 16. November 2015

Von Waschmaschinen und meinem Helden

Unsere Wohnung hier war ein absoluter Glücksgriff. Und ich liebe unsere Wohnung. Nicht umsonst haben wir den Vertrag gleich für 4 Jahre fest gemacht - üblich ist es hier zumindest für Ausländer sonst, immer nur auf 1 Jahr zu unterzeichnen.
 
Einen Haken gab es aber doch. Nämlich die Waschmaschine...
 
Das war ein Toplader. An sich ja erstmal ok. Sah ok aus. Bis uns bewusst wurde: Da kann man ja gar keine Temperatur auswählen. Nee, die kann nämlich nur kalt oder im Winter dann sau kalt waschen. Dazu kann man auch das Schleudern nicht beeinflussen. Sie hat uns damit immer wieder Sachen kaputt gemacht. Und nach einem mutigen Versuch, dem gleich drei von meiner Mama handgestrickte Teile zum Opfer gefallen sind haben wir auch den Wollwaschgang aufgegeben.
 
Am nervigsten war aber immer die Sache mit der Temperatur. Wäsche über machen hieß, alles einstellen und anschalten, das Wasser abstellen und dann die Brause aus der Dusche in die Maschine legen und darauf warten, dass die irgendwann piept, weil sie mit dem Waschen anfangen will, aber der Deckel noch offen steht. Mehr als 35°C waren damit dann also effektiv auch nicht drin. 
Die schreckliche alte Waschmaschine
 
Wir verhandelten mit unserem Landlord, aber der meinte nur, die Maschine sei doch in bester Ordnung. Letztendlich einigten wir uns darauf, dass er 1000 RMB für eine neue Maschine dazu gab.
 
Wir warteten aber noch bis 11.11. Da ist nämlich großes Shopping Festival auf taobao. Und so bekamen wir unsere Wunsch-Maschine für rund 2000 RMB statt knapp 3000 RMB.
 
Am Sonntag nun kam sie an. Lieferung bis Haustür. Nicht Wohnungstür. Und so begann ein anstrengender Tag für das Haselchen... 
Mal wieder ein großer Karton von taobao 

Erst schleppte er den Karton in die Wohnung. Dann befreite er die Maschine aus der Verpackung, hob die alte Maschine aus ihrer Ecke und begann die Suche nach einer passenden Montageanleitung auf Englisch oder Russisch. Beigelegt war nur Chinesisch und der Verkäufer konnte auch nicht auf Anhieb weiter helfen.

Während er auf eine Antwort vom Verkäufer wartete begann er, die Waschmaschine an ihren neuen Platz zu bugsieren. Das war schwerer als erhofft. So eine "richtige" Waschmaschinen wiegt einiges. Und sie musste am Klo vorbei über die Ecke der Dusche in ihre Ecke unter dem Fenster. Ich wollte gerne helfen. Aber zum einen lässt das Haselchen mich nichts schweres heben¹ und zum anderen ist die Ecke halt echt nicht groß, sodass ich eher im Weg herumgestanden wäre. Und jemand, der einen hibbelig beobachtet, während das Baby motzt, tut den Nerven nun auch nicht so wirklich gut. Also zog ich mich mit dem kleinen Raben ins Schlafzimmer zurück.
 
Eine Stillmahlzeit und ein paar Fingerspiele später juhute es laut: Die Maschine stand da, wo sie hin sollte und musste "nur noch" gedreht werden - doof nur, dass so eine Diagonale länger ist als die längste Seite des Rechtecks. Einfach so drehen fiel damit nämlich flach.
 
Ich ließ das Haselchen in Frieden arbeiten und kümmerte mich weiter um den motzigen kleinen Raben.
 
Ein Nickerchen später stand die Maschine so, wie sie sollte. Wir aßen etwas Kasi (kasachische Pferdewurst) mit Brot und dann sollte es an die "richtige" Montage gehen. Also Transportsicherungen raus, alles gerade ausrichten (ins Wasser stellen geht leider ohne Wasserwage nicht - wieder etwas gelernt: Man kann 5 Jahre lang ohne eine Wasserwage leben), Schläuche dran usw. 
Die neue Waschmaschine an ihrem endgültigen Platz. Wie man sieht ist da nicht viel Luft und einfach hinschieben ist auch nicht drin... 

Nun hatten wir aber noch immer keine englische oder russische Bedienungsanleitung. So googlete und YouTube-te das Haselchen eine Weile. Ich bespaßte derweil den kleinen Raben und erzählte ihm, wie toll sein Papa ist, dass er sowas schafft. Denn ganz ehrlich: Selbst ohne die mangelnde Körperkraft hätte ich es mir nicht zugetraut, die Waschmaschine ohne jede Hilfe anzuschließen. Zur Not hätte ich es wohl geschafft. Aber um es überhaupt zu versuchen hätte ich schon zu viel Schiss gehabt und mir Hilfe geholt. Das Haselchen ist da mehr der Russe, der nach dem Motto "selbst ist der Mann" nicht aufgibt und so lange macht, bis alles passt. Passt auch wieder in das Schema der klassischen Rollenverteilung. Aber ich find's gut.²
 
Und nach einer Runde Trommel reinigen war es dann soweit und wir konnten die ersten Ladung Wäsche in der neuen Maschine waschen. Ohne Duschschlauch, ohne Warten, ohne Waschmittel mit der Duschbrause über der offenen Maschine auflösen, damit es nicht in Klümpchen in den Klamotten hängen bleibt. Ein Traum! Selbst im Schleudergang war die Maschine flüsterleise. Und hinterher war alles richtig sauber und sogar die Katzenhaare und Fusseln, die die alte Maschine immer nur gleichmäßig verteile (sodass wir immer über alles nochmal mit der Fusselbürste gingen) waren weg. Genial!
 
Und während das Haselchen die frische Wäsche zum Trocknen aufhing und dann so ganz nebenbei noch Abendessen kochte, brachte ich den kleinen Raben (der ganz schlimm kreischte³) ins Bett und erzählte ihm davon, dass sein Papa alles schaffen kann und Mamas Held ist. :)
   
Hätte mir jemals jemand vorhergesagt, dass ich mich mal so über eine Waschmaschine freuen würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt... 

  
¹ Wäre ich jetzt eine kämpferische Feministin, würde ich mich über diesen Sexismus aufregen. Da ich keine bin gebe ich zu, dass ich wirklich so eine Waschmaschine nicht heben kann (ohne mir weh zu tun) und mich über meinen Gentleman freue, wenn er mir im Urlaub den Koffer oder beim Einkaufen die Tüten abnimmt.
 
² Nur um meine "Ehre" da mal kurz zu retten: Ganz das hilflose Weibchen bin ich nicht. Ich habe bei meinem Auto immer selbst die Batterie überbrückt und die Reifen gewechselt. Das könnte das Haselchen zum Beispiel nicht, er hat nicht einmal einen Führerschein.

³ Wir haben ja die Zähne unter Verdacht. Er sabbert nämlich auch sehr viel, beißt ständig auf allem herum und man kann die einzelnen Zahnknospen inzwischen ganz deutlich unter dem Zahnfleisch ertasten. Babulya stimmte uns zu, dass der Kleine schon langsam am Zahnen ist. Jetzt warten wir mit Sehnsucht auf die Veilchenwurzel aus Deutschland...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen