Freitag, 20. November 2015

Was wir als gruftige Familie anders machen

Der Untertitel dieses Blogs ist ja "Aus dem Leben einer gruftigen Familie in Shanghai". Der Shanghai Bezug ist ja ganz klar. Hier leben wir und das bestimmt oftmals unseren Alltag. Aber machen wir eigentlich als gruftige Familie so viel so anders?

Ich meine, wir lieben unser Kind und haben nicht vor, ihn in irgend einem Ritual irgend einem höheren Wesen zu opfern. Er heißt auch nicht Luzifer Beelzebub Antichrist. Und auch wenn ich das echt lustig finden würde bekommt er auch keine 666 auf den Kopf tätowiert.

Wobei das ja alles satanistische Klischees wären. Und Gruftis sind keine Satanisten.

Ist es vielleicht schon seltsam, dass ich eine 666 (in Anlehnung an den Film "Das Omen" ) auf dem Kopf lustig finden würde?

Und wir spielen dem Kleinen auch nicht jeden Abend "Lullaby" von The Cure als Gutenachtlied vor oder hüllen ihn ausschließlich in schwarzen Samt und Brokat, der nach Patchouli duftet. Auch seine Spielsachen sind bunt. Er hat weder ein Fledermaus-Mobile, noch eine schwarze Wiege.

Schließlich heißen wir mit Nachnamen auch nicht Addams.

Aber ein paar Dinge sind dann halt doch ein wenig anders als bei "ganz normalen" Familien...

Sein Name zum Beispiel bedeutet Rabe (bzw kommt vom entsprechenden lateinischen Wort). Er hat bis auf Geschenke von anderen keine hellblauen Babysachen. Stattdessen zum Beispiel ein dunkelblaues Shirt mit einem Wolf darauf. Und dem Print "I love people - they are delicious!". Und auch ein "Goth in training" sowie ein "Gothling" T-shirt. Ich singe ihm neben "Was müssen das für Bäume sein", "Shili u babusi" (russisches Kinderlied über zwei Gänse) oder "Es war einmal ein Krokodil" eben auch "The mysterious vanishing of the Foreman family" oder "Und wir tanzten" oder "Smoke on the water" vor. Und wir tanzen gemeinsam nicht zu Rolf Zukowski, sondern zu Sisters of Mercy, Skinny Puppy, And One oder Bauhaus durch's Wohnzimmer.

Er ist nicht getauft und wir werden ihn weder mit einer einzigen Religion, noch mit Atheismus indoktrinieren.

Er wird mit tätowierten und gepiercten Eltern aufwachsen, die fast immer schwarz tragen und nach Patchouli riechen (endlich ^^).

Und er hat unter anderem eben auch eine Plüsch-Spinne, ein schwarzes Schaf, eine Hexe und einen Vampir. Seine Spieluhr für die Nacht steckt in einem schwarzen Raben und zu Weihnachten bekommt er von Oma und Opa einen Abraxas von Steiff dazu.

Er wird uns, sofern er möchte, jedes Jahr auf das WGT begleiten.

Und natürlich werde ich ihn immer lieben, auch wenn er der größte Spießer unter der Sonne oder eingefleischter Gangster-Rapper wird. Aber es wäre gelogen zu behaupten, dass ich mich nicht freuen würde, wenn er auch zum 50. WGT gehen würde...

Und wir werden aus nichts ein Tabu machen. Keine ausweichenden Märchen erfinden. Zu keinem Thema. Sei es die Frage, wo Babies herkommen oder seien es Dinge wie Krankheit und Tod.

Also so manches läuft dann wohl bei uns wirklich anders, als in einer "ganz normalen Familie"...

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