Mittwoch, 30. Dezember 2015

2015

Ich werde auch noch von Weihnachten erzählen. Aber mit meiner Familie hier komme ich kaum zum Bloggen. Is ja auch nicht so wichtig, wie Zeit mit lieben Menschen verbringen. Und sei es beim Putzen weil die Ayi absagt, wie heute. Trotzdem will ich vor dem neuen Jahr noch einen kurzen Rückblick wagen. Ich habe mir mal ganz frech einen Fragebogen geklaut. Den hatte ich so ähnlich schon bei Daily Pia gesehen und habe ihn jetzt gerade von Frau Brüllen kopiert.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
10. Ganz klar. Es gab natürlich auch doofe Momente, aber ich bin Mama geworden. Besser geht's nicht.

Zugenommen oder abgenommen
Bis Juli fleißig zu, danach ordentlich ab, sodass ich inzwischen mein pre-pregnancy Gewicht sogar unterschreite.

Haare länger oder kürzer
Länger. Ich lasse sie immer noch wachsen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich geblieben. Sowohl im medizinischen, als auch im übertragenen Sinn.

Mehr Geld oder weniger
Weniger. Haselchens business läuft derzeit nicht so doll, ich habe ebay aufgegeben und 2 Monate unbezahlten Urlaub merkt man auch.

Mehr ausgegeben oder weniger
In etwa gleich viel. Mehr für Babysachen und weniger für Parties und Kurztrips am Wochenende hielten sich die Waage.

Der hirnrissigste Plan?
Kurztrip mit Baby. Haben wir dann auch sein lassen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Öööhm... Höchstens Urlaub in Thailand im 6. Monat.

Die teuerste Anschaffung?
Der Kinderwagen. Aus Deutschland importiert...

Das leckerste Essen?
Mein Haselchen kocht immer so gut. Hmmmm... Sein süß-saures Schweinefleisch würde ich dann sagen.

Das beeindruckenste Buch
Den größten Eindruck hat ein Buch hinterlassen, dessen Titel ich nicht mehr weiß. Aber es ging unter anderem darum, auf welchen Prinzipien Homöopathie beruht.

Der ergreifendste Film? 
Ich habe dieses Jahr bei so vielen Filmen derart heulen müssen... Aber sehr gut fand ich beispielsweise Interstellar.

Die beste Serie?
Person of interest!

Die beste CD?
Hmmmm. Ich habe schon seit Jahren keine CD mehr in der Hand gehabt, um ehrlich zu sein. Und dieses Jahr fällt mir da jetzt echt nix ein...

Das schönste Konzert?
Das Haselchen mit Gitarre für den kleinen Raben :)

Die meiste Zeit verbracht mit?
Zu viele Sorgen machen und den kleinen Raben lieb haben

Die schönste Zeit verbracht mit? 
Dem kleinen Raben

Vorherrschendes Gefühl 2015? 
Liebe

2015 zum ersten Mal getan?  
Ein Kind geboren

2015 nach langer Zeit wieder getan?
In einem Krankenhaus als Patient gelegen. Das letzte Mal ist so lange her, dass ich mich da selbst nicht mehr dran erinnern kann.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen
- Dammschnitt
- Die (Neugeborenen- oder wie auch immer) Infektion des kleinen Raben
- die zwangsweise Trennung vom kleinen Raben direkt nach der Geburt

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass ich abgepumpte MuMi ins Krankenhaus bringen darf - was letztendlich ok gewesen wäre
 
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? 
Der kleine Rabe - Sohn und Enkel

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der unglaubliche Beistand meines Haselchens

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
"We can release him and you can take him home tomorrow. "
 
Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe 
" We are parents now. "
  
Besseren Job oder schlechteren?
Zum Geldverdienen: same shit, different day.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Die Erkenntnis, dass man mit Kindern nicht planen kann.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Viele Spaziergänge und all die Kilometer mit Baby auf dem Arm...

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
1 oder 2 Erkältungen

Davon war für Dich die Schlimmste?
Dann wohl die Erkältung derzeit, aber auch nur weil ich den kleinen Raben wecke, wenn ich nachts husten muss.

Dein Wort des Jahres?
[Name des kleinen Raben]

Dein Unwort des Jahres?
Childern's hospital

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Auf's ganze Jahr gesehen muss ich da wohl Daily Pia sagen. Den habe ich im Wochenbett fast von Anfang bis dann eben heute gelesen und er hat mich dazu gebracht, selbst zu bloggen.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Dass ich so wenig Zeit wie möglich für die Arbeit verschwenden muss und nicht so viel davon verpasse, wie mein kleiner Rabe größer wird

2015 war mit 1 Wort…?
Wunder-voll

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Frohe Weihnachten

Heute kurz und knapp: Frohe Weihnachten euch allen!



Meine Familie kam heute aus Deutschland eingeflogen und ich erzähle bald auch noch Genaueres, aber jetzt gehe ich zurück zu Plätzchen und Käse und vielleicht einem Schluck Rotwein. :)

Dienstag, 22. Dezember 2015

Hand aufs Herz: Beziehungsstress mit Baby

Mal ganz ehrlich: Wir sind doch mit Sicherheit nicht das einzige Paar, das sich nach der Geburt eines Kindes plötzlich mehr streitet. In allen Ratgebern und Elternwebsiten heißt es immer so schön, die Beziehung ändere sich, man müsse sich als Paar nun als Eltern neu zusammenfinden und sich an die neue Rollenverteilung gewöhnen. Das klingt ja alles so schön und gut und machbar. Aber könnte man da nicht der Ehrlichkeit halber hinzufügen, dass dieses ganze neu zusammenfinden viel mehr ein zusammenraufen ist?!

Ganz ehrlich, ich wusste ja schon, dass mit Baby einiges anders wird. Aber so viel wie in den letzten 5 Monaten haben wir uns nie gestritten. Höchstens vor 4 1/2 Jahren, als ich gerade her gezogen war und wir uns in unserem Zusammenleben erst einmal zusammen raufen mussten.

Wobei ich den Eindruck habe, der Hauptgrund für unsere Streitigkeiten ist gar nicht so sehr die Tatsache, dass wir jetzt Eltern sind. Also nicht die neuen Rollen und die veränderte Beziehung zueinander. Sondern vielmehr die Umstände, die mit einer jungen Elternschaft einhergehen. Also so Dinge wie Schlafmangel, Hormone (ich war in der Schwangerschaft lammfromm, danach dann aber wochenlang aufbrausend, reizbar und verheult wie nur was), von Babygeschrei angekrazte Nerven und all diese Späße.

Da kann ich meinen Partner noch so sehr lieben und respektieren und mich bemühen und wir versuchen, aufeinander einzugehen und alles. Aber wir sind halt doch nur Menschen. Und wenn die Nerven sowieso ein bisschen blank liegen, dann schnautzt mal halt doch mal wegen der zerknautschten Zahnpastatube oder weil man schon wieder über die mitten im Weg stehenden Hausschlappen des Partners gestolpert ist oder über nicht weggeworfene Bonbonpapiere oder sonst eine Kleinigkeit. So diese ganzen Kleinigkeiten, die einem schon irgendwie missfallen, aber die ja eigentlich nicht so wichtig sind, sodass man sie sonst ignoriert oder nett anspricht.

Aber irgendwie säuselt es sich halt nicht mehr so süß "Schatz, sei doch bitte so gut und räum deinen Abfall vom Wohnzimmertisch, das wäre nett", wenn einem nach drei oder vier Stunden Schlaf mit Nackenschmerzen vom Baby umher tragen jemand auf höchster Lautstärke ins Ohr brüllt. Und man eigentlich gerne mal zurückbrüllen würde - und sei es, um den eigenen Frust über das Gebrüll heraus zu lassen -, es aber nicht tut, weil man natürlich weiß, dass da keine böse Absicht dahinter steckt und dass es mehr schaden als nutzen würde. Und überhaupt KANN man so ein hilfloses Baby nicht anbrüllen, auf das kann man nicht einmal ein bisschen sauer sein. Gefrustet und genervt ist man aber trotzdem. Da bellt man halt doch mal "Maaan, räum deinen Dreck weg.". Und wenn der Gegenüber genauso gut drauf ist, bellt er (oder sie - ich bin bei uns der größere Chaot...) halt auch irgendwas nicht ganz so nettes zurück. Und schwups gräbt man uralte Fehden aus ("Damals hast du ja auch... "), kommt auf grundsätzliche Streitthemen (" Du gibst zu viel Geld aus!" oder "Ich mache alles hier!") oder bezieht den Rest der Familie mit ein (" Und deine Mutter... "). Lauter so Paradebeispiele dafür, wie man sich NICHT streiten sollte, weil es total destruktiv ist und sich nur weiter hochschaukelt. Am Ende stehen dann zwei stinksaure Menschen und die Bonbonpapiere liegen immer noch auf dem Wohnzimmertisch herum...

Glücklicherweise vertragen wir uns dann auch genau so schnell wieder, entschuldigen uns und irgendwer räumt die Bonbonpapiere weg. Meist dann doch das Haselchen, weil der kleine Rabe dann stillen will.

Und glücklicherweise hat die Zoff-Frequenz schon deutlich abgenommen. Nicht, das wir viel mehr schlafen würden oder so, aber wir haben langsam mehr Übung darin, uns zusammen zu reißen.

Aber ehrlich: Wir können doch echt nicht das einzige Paar sein, dem es so geht...

Montag, 21. Dezember 2015

Bananen und Bauchlandung

Heute haben wir gleich zwei Meilensteine zu vermerken. Einer ist größer, der andere aber unterhaltsamer (wenn man auf Fäkalhumor steht).

Ich fange mal bei dem eigentlichen Meilenstein an: Heute hat sich der kleine Rabe zum ersten Mal ganz alleine vom Rücken auf den Bauch und dann auch wieder zurück gedreht. Er hatte die Tage schon fleißig geübt, aber irgendwie war der eine Arm immer so doof im Weg. Heute lag er dann zwar auf dem drauf, aber er lag auf dem Bauch und reckte den Kopf in die Höhe. Nach einem kurzen Weilchen kämpfte er dann wieder mit dieser vermalledeiten Koordination und gewann, als er sich wieder auf den Rücken zurück drehte. Ich war ganz baff und er freute sich nen Ast. Ohne Mist, er hat vor lauter Begeisterung so laut gequietscht und gejauchzt, dass es mir in den Ohren schepperte.

Und zu Nummer zwei: Es gab gestern Abend und heute Morgen seine neueste Leib- und Magenspeise. Banane. Und beide Male verputzte er wirklich erstaunlich viel. So etwa die Länge meines Zeigefingers, würde ich schätzen. Also das, was er tatsächlich aß und nicht nur zermatschte und sich ins Lätzchen schmierte. Und tja, so viel Banane kommt halt irgendwann auch am anderen Ende wieder raus. Und ob der ordentlichen Menge sah das dann in der Windel wie ein richtiges Häuflein aus Bananenknotteln aus. Nicht nur wie Stillstuhl mit ein bisschen was.

Heute Abend hat er fast die gleiche Menge an gedünsteter Gurke gemampft. Mal schauen, was uns da dann morgen erwartet... XD

Samstag, 19. Dezember 2015

Die Mär vom introvertierten Goth?

Es gibt so viele Definitionen von und Erklärungsansätze für "Gothic" und so viele Diskussionen innerhalb der Szene, dass es schwer fällt, einen für die Szene gültigen "kleinsten gemeinsamen Nenner" zu finden. Und wenn ich von der Szene rede oder schreibe kommt für mich erschwerend hinzu, dass ich mich eben seit rund 13 Jahren inzwischen in dieser bewege und befinde. Somit sind meine Gedanken und Ideen zur schwarzen Szene sehr, sehr subjektiv. Ich vermute, dass inzwischen viele der Klischees, von denen ich glaube, dass Stinos¹ sie "uns" gegenüber hegen, gar nicht mehr aktuell sind. Sind Grufties noch die Katzen opfernden Satanisten? Oder sind wir inzwischen die schwarz verkleideten Stinos und die Fetisch Freaks? Ich weiß es nicht.

Daher weiß ich auch nicht, inwiefern das Klischee der introvertierten Goths allgemein bekannt ist oder nicht. Aber scheinbar traut man uns zumindest keine Freunde zu... Hierzu wurde neulich auf Spontis (sehr lesenswerter Blog zur schwarzen Szene, übrigens!) diskutiert. Und tatsächlich gehörte die Mehrheit der Kommentatoren tatsächlich der Spezies "Einzelgänger" an. Daher möchte ich dieses Thema heute aufgreifen. Ganz subjektiv und ohne auch nur den geringsten Anspruch auf Gültigkeit, versteht sich.

Ja, ich denke es ist ein existierendes Klischee, dass Grufties eher introvertiert sind. Denke ich an Klischees, fallen mir Spaziergänge auf Friedhöfen ein. Und Gedichte schreiben, lesen oder sich alleine im abgedunkelten Zimmer den Klängen einer neuen CD hingeben. Denke ich an die Realität, fällt mir das Nähen ein. Und die Tatsache, dass in einem schwarzen Club jeder für sich tanzt. Ehrlich, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand jemanden "antanzen" könnte und ich glaube in den meisten Stino Clubs wäre es auch ungewöhnlich, dass Leute mit geschlossenen Augen tanzen. Ganz für sich. Und ja, auch aus den Unterhaltung im virtuellen und im realen Leben, die ich in der letzten Dekade geführt habe, ergibt sich ein Bild von ruhigen, introvertierten und einzelgängerischen Goten.

Auch auf mich trifft das absolut zu. Ich hatte in der Schule wenig Freunde, ich wurde gemobbt und ich konnte (auch schon vor dem Mobbing) mit den meisten meiner Klassenkameraden nicht viel anfangen. Ich spielte lieber für mich alleine, schrieb Gedichte und Geschichten oder saß später auf Klassenfahrt alleine im Schein eines Grablichts im Kellergewölbe des alten Klosters, in dem wir untergebracht waren, und dachte über Gott, die Welt, das Leben und den Tod nach. Im Unterricht waren die mündlichen Noten mein größtes Problem. "Du bist zu ruhig. Wenn du dich mehr melden würdest, könnte ich dir eine 2 geben..." ²...

Und auch heute würde ich mich auf jeden Fall als introvertiert bezeichnen. Mein Teamleiter meinte bei unserem letzten 1on1 Gespräch, ich sollte doch mehr auf die Kollegen zugehen. Die neuen hätten oft Angst vor mir und trauten sich nicht, mich anzusprechen, daher sollte ich auf sie zugehen. Außerdem sollte ich nicht immer mit dem mp3 Player auf den Ohren herum laufen. Da hat er ja bestimmt Recht, aber mein Problem ist: Ich will meist mit niemandem reden. Ich bin schon ständig am Telefon. So viel Menschen ertrage ich kaum, geschweige denn, dass ich es genießen würde. Klar brauche ich auch soziale Kontakte. Wenn ich nur zu Hause sitze, fällt mir die Decke auf den Kopf. Aber soziale Interaktion mit praktisch Fremden wird mir ganz schnell zu viel. Ich sitze gerne auch mal mittendrin - aber lieber einfach als stiller Beobachter...

Wie aber passt dann das scheinbar so extrovertierte Auftreten vieler Gothics in dieses Bild? All die Lack und Leder Leute, die (halb oder auch ganz) nackten Gothic Models oder die kunterbunten, im Dunkeln leuchtenden Cyber? All die, so könnte man ja argumentieren, sind eigentlich keine Grufties, sondern werden nur in Ermangelung eigener Subkulturen und aufgrund kleiner Berührungspunkte im Musikgeschmack dem dunkelbunten Schmelztiegel "schwarze Szene" zugeordnet. Allerdings: Auch so ein richtig klassischer Grufti mit Pikes, schwarzen Gewändern, viel Silberschmuck und hochtoupierten Haaren fällt ins Auge und kann sich nur schwer als graue Maus in einer Masse an Stinos verstecken.

Klar, für viele ist das Auftreten auch einfach ein Stück weit Selbstverwirklichung. Sich einfach so stylen, wie man sich selbst schön findet und dabei auf gängige Schönheitsideale pfeifen.

Aber zumindest für mich (und ich denke auch für andere) gehört auch eine äußerliche Abgrenzung dazu. Vielleicht mal um zu provozieren oder sogar zu schockieren. Um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.³ Aber auch, um ein Stück weit in Ruhe gelassen zu werden. Ohne Mist, eine der Begleiterscheinungen, als ich damals anfing, in schwarz herum zu laufen (und es natürlich total übertrieb und jeden Tag mit langem schwarzen Ledermantel, schwarzen Nägeln, Augen und Lippen im Bus zur Schule saß ^^) war, dass die Mitfahrer plötzlich Angst vor mir hatten. Nicht jeder wollte neben mir sitzen und wer es doch tat, ließ mich in Ruhe. Keine aufgezwungenen Gespräche, kein Smalltalk. Einfach Ruhe. Ja sogar meine Zigaretten vor und meinen Kaffee in der Schule konnte ich ruhig für mich haben - mit den ganzen Abdrücken von schwarzem Lippenstift an Filter und Pappbecher wollte niemand mehr einen Zug oder einen Schluck von mir schnorren.

Heute rauche ich nicht mehr und kann meinen Kaffee für mich haben. Ich laufe im Alltag nicht mehr so krass und übertrieben herum wie vor 12, 13 Jahren. Aber ruhig mag ich es trotzdem noch immer lieber. Und bin es selbst. Und - ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit - dem Gros der schwarzen Szene geht es da nicht anders.

¹ Ich weiß nicht einmal, ob das Wort nun allgemein bekannt ist oder nicht - Stino steht für Stinknormal

² Ein Hoch auf das deutsche Schulsystem, ne?!

³ ASP fand ich früher ganz toll und möchte daher hier "Hässlich" zitieren: "Hässlich will ich für euch sein [...] der Spiegel eures Innern, ihr wisst es nur noch nicht. Ich zeig euch eure Seele in meinem hässlichen Gesicht"

_______________________________

[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Alle 3 Wochen gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

BLW - ein erster Zwischenstand

So, nun bieten wir dem kleinen Raben seit gut zwei Wochen Fingerfood an. Ein paar Tage haben wir pausiert, weil er so quengelig war, dass er einfach keine Muße hatte, sowas doofes wie ein Stück Gemüse zu probieren. Ist ja auch ok. Und wir haben in diesen zwei Wochen nun schon einiges erfahren:

- Karotte ist ganz ok, aber nicht soooo toll

- Karottenstückchen bleiben auch in der Windel orange

- gedünsteter Apfel lässt sich gut matschen, aber frischer schmeckt besser (obwohl er einem immer wieder abgenommen wird)

- Auf Mamas Schoß macht Essen viel mehr Spaß als im Hochstuhl

- Banane ist der Hammer! Flutscht nur aus den Fingern...

- gedünstete Gurke ist (zu Mamas Erstaunen) richtig lecker und lässt sich gut essen, sodass man davon erstaunlich viel essen kann

- ganz egal was oder wie viel man isst, was Mama isst oder trinkt ist viel spannender und man muss auf jeden Fall versuchen, davon zu kosten (und sei es der untere Rand der Kaffeetasse)

- von den ganzen negativen Seiten wie "Baby würgt ständig" oder "Gemansche" (-> Sauerei) haben wir tatsächlich noch nichts mitbekommen

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Operation Beistellbett - der Tragödie erster Teil

Ich hatte ja schon mal angedeutet, dass wir den kleinen Raben so ganz langsam aber sicher an sein Beistellbett gewöhnen wollte. Aus dem Abstellbett soll halt doch irgendwann mal seine Schlafstätte werden.

Denn spätestens wenn er sich fröhlich in alle Richtungen herumkugelt will ich ihn nur ungern in unserem Ehebett liegen lassen - schlicht aus Sorge, er könne abends, wenn wir im Wohnzimmer sind oder nachts, wenn ich auf der anderen Seite beim Stillen einschlafe oder auch einfach mal aufs Klo muss vom Bett fallen. Und egal wie unwahrscheinlich das letztendlich ist - unser Bett ist verdammt hoch (da die Matratze des Landlords nur 190 cm lang war und genau mit dem Rahmen abschloss, haben wir unsere eigene gute Matratze einfach oben drauf gelegt) und ich will einfach nichts riskieren.

Außerdem würde ich irgendwann mal wieder gerne mit meinem Mann im selben Bett schlafen. Aber wie bereits ausgeführt klappt das mit dem kleinen Raben in der Mitte nicht so recht.

Nun versuchten wir die Operation Beistellbett bereits vor dem Besuch von Schwiegermama. Und scheiterten kläglich.

Die erste Hälfte der Nacht, oder genauer gesagt bis ich selbst ins Bett ging, schlief der kleine Rabe in seinem Bettchen ganz wunderbar und sogar länger am Stück als je zuvor (einmal sogar fast 4 Stunden!). Doch kaum war ich im Bett, strampelte und rumorte und wuselte er so lange herum, bis er wieder direkt bei mir lag. Auch kurz nach dem Stillen, also Hunger war's keiner. Und nuckeln wollte er auch nicht. Auch Händchenhalten half nicht. Und dabei darf ich normalerweise nachts im Bett schon auch ein Stück von ihm wegrücken und er MUSS nicht ständig in meinem Arm liegen. Aber wohl halt mit mir auf einer Matratze...

So zog das Haselchen letztendlich auf eine Luftmatratze im Büro, während seine Mama und seine Schwester sich das zweite Schlafzimmer teilten.

Jetzt kommt nächste Woche meine Familie. Da geht das nicht. Denn meine Eltern bekommen das zweite Schlafzimmer und mein Bruder die Luftmatratze im Büro.

Vielleicht klappt die Operation Beistellbett in zwei Wochen ohne Alternative. Vielleicht werden die Nächte richtig unruhig. Wir werden es wohl oder übel sehen...

Montag, 14. Dezember 2015

Letzte Nacht

War so eine der Nächte, die mich darüber grübeln lassen, wie ich das in Zukunft schaffen will, morgens für die Arbeit aus dem Bett zu kommen...
 
Der kleine Rabe war recht schnell eingeschlafen und das Haselchen und ich schauten noch entspannt eine Serie. Zwischendrin musste ich schon zwei mal zum kleinen Raben, weil der wieder aufwachte. Ungewöhnlich, aber nicht so ungewöhnlich.
 
Kurz nach Mitternacht lag ich dann im Bett und wollte gerne schlafen. Ging aber nicht. Der kleine Rabe trat, gab im Schlaf Laute von sich und wollte ununterbrochen an die Brust.
 
Viertel vor zwei dann endlich: Pupsgeräusche. Ausdauernde. Also ab ins Bad und abhalten.
 
Fast genau um zwei wieder ins Bett. Klimaanlage einschalten, denn es ist echt kalt.
 
Der kleine Rabe starrte das Licht an der Klimaanlage an und ließ sich nicht zum Trinken überreden (wofür er auch den Kopf vom Licht hätte weggehen müssen). Er machte ein paar mal "agu" und dann auf einmal "örks" und kotze mit Schmackes einmal quer über das halbe Bett.
 
Ich wischte die halb geronnene Milch so gut es ging weg, während er mich jammernd und sichtlich müde anblinzelte.
 
Trinken wollte er seltsamerweise trotzdem nichts. Normalerweise hat er nach dem Spucken immer Durst. Stattdessen fing er an zu meckern und ein bisschen zu weinen.
 
Da kam mein Retter in Gestalt eines müden Haselchens herein. Der war eigentlich nur kurz aufgewacht um aufs Klo zu gehen und hatte dann aber das Licht bei uns gesehen.
 
Also trug das Haselchen den kleinen Raben eine Weile durch die Gegend, bis er eingeschlafen war. Also das Baby, nicht der Mann. Wieder im Bett strampelte der kleine Rabe aber unruhig im Schlaf weiter und gab auch immer wieder Laute von sich.
 
Das änderte sich dann leider den Rest der Nacht auch nicht mehr. Und wenn ich versuchte, ein kleines bisschen weg zu rücken, um nicht ständig getreten zu werden und besser schlafen zu können, quittierte er das natürlich mit Aufwachen und - für nachts total ungewöhnlich - weinen.
 
Aber immerhin scheint er gut geschlafen zu haben, war am Morgen bester Laune, ließ mich sogar noch ein bisschen dösen und lachte dann laut auf, als wir ins Bad flogen.

Samstag, 12. Dezember 2015

12 von 12 Dezember 2015

12 Bilder vom 12. des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.


Vegetarische Reispapier-Röllchen mit süßer Chillisoße zum Frühstück 

Die Luft ist gut, das Wetter auch und wir gehen im Compound spazieren 

Yup, das ist ein Schweinehirn. Ich fand's nicht so lecker, Haselchen schon. Ich habe dann doch mehr Jiautse und gebratene Nudeln gegessen... 

Ein zweiter Spaziergang am Nachmittag 

Der kleine Rabe schläft und ich darf mich sogar hinsetzen 

Ich habe es irgendwie nicht geschafft, ein Foto von mir zu machen. Daher stellvertretend mein heißgeliebtes Patchouli Öl. Damit rieche ich wie ein Gothic Store - ich finde es super! 

Teambuilding im Teppanyaki. Hier der Sashimi-Teller. 

Ein Asahi für die Mami 

Beim Teppanyaki schaut man dabei zu, wie der Koch alles vor einem auf der heißen Platte zubereitet. 

So schaut das dann unter anderem aus. 

Flambierte Banane zum Abschluss 

Derweil wollte der kleine Rabe daheim nichts trinken. Kein normaler Sauger, kein Calma Sauger, keine Medizin-Spritze und kein Löffel half so richtig... Ein Glück, dass Mama wieder nach Hause kam! 


Donnerstag, 10. Dezember 2015

S dnom rashdjenya

Mein Haselchen hat heute Geburtstag. Jetzt ist er genauso alt wie ich. Er wurde nämlich gemacht, als ich geboren wurde. Deshalb darf ich mir jedes Jahr 9 Monate lang anhören, wie aaalt ich doch schon bin... ;)
 
Mir gruselt schon jetzt vor 2017. Ja, ich habe einen unverbesserlichen Troll geheiratet. ;)
 
Ausnahmsweise gab es für das Haselchen heute keinen selbstgebackenen Kuchen. Ich bin mit dem kleinen Raben einfach nicht dazu gekommen. Und er isst eh nicht so gerne Süßes, dass er den Kuchen an sich vermissen würde.
 
Geplant hatte ich eigentlich, ihm einen Irish coffee ans Bett zu bringen. Dem Plan machte dann der kleine Rabe einen Strich durch die Rechnung. Der wollte nämlich ab halb Acht meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Dann machten wir um halb Zehn nochmal ein gemeinsames Nickerchen und bis ich endlich so weit gewesen wäre, hatte das Haselchen sich schon einen Geburtstagscocktail selbst gemischt und Essen bestellt.
 
Eine kleine Überraschung gab es für ihn dann aber doch noch: Bei unserem späteren Spaziergang kauften der kleine Rabe und ich ein paar Mini-Muffins. In Herzform ausgestochen und mit Kerzen wurden sie zum Geburtstagskuchenersatz.
  

Jetzt haben wir noch leckeres Barbecue bestellt und trinken ein Gläschen Sekt zusammen und skypen mit der Schwiegermama. :)


Dienstag, 8. Dezember 2015

BLW Start

Wer es noch nicht gemerkt hat: Für die durchschnittlichen Eltern in Deutschland läuft bei uns so einiges recht "alternativ". So kommt es mir zumindest vor, wenn ich unseren Weg mit dem Gros der Elternforen vergleiche. So ist es jetzt auch nicht ganz verwunderlich, dass der kleine Rabe keine Hipp Gläschen bekommen soll.

Ursprünglich dachten wir daran, den Babybrei selbst zu kochen. Das hat meine Mama damals für mich gemacht und die Idee gefiel mir, weil ich den kleinen Raben so naturbelassen wie möglich füttern wollte. Dann las ich von BLW. Und war sofort überzeugt.

Wer sich damit sowie schon auskennt und nur auf unsere Erfahrungen gespannt ist, kann die folgende Erklärung einfach überspringen:

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BLW steht für "Baby lead weaning". Ich würde es in Anlehnung an das Stillen nach Bedarf am ehesten als Beikost nach Bedarf bezeichnen.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Sobald das Baby reif für Beikost ist, bietet man ihm Fingerfood zum selbst erleben, erstaten, erschmecken und ausprobieren an. Gefüttert wird nicht.

Reif für Beikost heißt, dass das Baby alleine ohne größere Schwierigkeiten sitzen, nach etwas greifen und es in den Mund stecken kann und sich auch wirklich für das Essen interessiert. Außerdem sollte es nicht alles, was es in den Mund bekommt, wieder automatisch mit der Zunge rausschieben. Macht Sinn, sonst wird Essen schwer. Als grober Richtwert heißt es, die meisten Babies seien etwa mit 6 Monaten so weit. Manche früher, andere später. Aber da Muttermilch auch nach dem 6. Monat noch alles enthält, was das Baby braucht, muss man sich nicht irre machen lassen und an Tag X UNBEDINGT ein Glas Möhren in das Kind schaufeln, damit es nicht an Mangelerscheinungen leidet.

Fingerfood kann alles mögliche sein. Beispielsweise gedünstete Gemüsesticks, Brot, Nudeln, Obst, Würstchen oder was einem sonst noch so schmeckt. Natürlich alles handgerecht in der Größe. Zu kleine Dinge wie Rosinen kann ein kleines Baby erstmal noch nicht selbst in den Mund befördern, aber recht doof verschlucken. Und so eine Schweinshaxe kaut sich zahnlos etwas schwer, was jetzt auch für den Anfang nicht optimal ist.

Man muss auch nicht ein Lebensmittel nach dem anderen einführen, sondern bietet einfach alles an, was altersgerecht und vorhanden ist. Schließlich nehmen sich die Kleinen erstmal nur homöopathische Portionen und es geht mehr um das Kennenlernen denn darum, eine Stillmahlzeit nach der anderen systematisch zu ersetzen. Gestillt wird weiter nach Bedarf.

Heißt ja schließlich auch Beikost und nicht Anstattkost. Das kommt dann irgendwann von alleine.

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Und nun haben wir damit angefangen.

Der kleine Rabe ist zwar erst 5 Monate alt, aber wir hatten den Eindruck, dass es für ihn jetzt schon der richtige Zeitpunkt ist, Essen kennen zu lernen.

Das war so: Am Morgen hat er mir das Stück Apfel, das ich gerade frühstückte, aus der Hand genommen und, so wie derzeit alles in seiner Reichweite, gleich in den Mund gesteckt und angefangen, darauf herum zu kauen. Ihm wurde aber sofort bewusst, dass so ein Stück Apfel was anderes als ein Ball oder ein Taschentuch oder ein Schnuller oder ein Finger ist. Denn der schmeckt! Er strahlte mich also schmatzend an und auch, nachdem ich ihm den Apfel wieder abgenommen hatte (aus Sorge, er könnte sich doch verschlucken, da er in dem Moment auf dem Rücken lag), machte er weiter glücklich Kaubewegungen und fing sogar an, vor Freude zu glucksen. Also beschlossen wir, ihm von jetzt an immer wieder gedünstete Gemüse-und Obststicks anzubieten, wenn wir essen.

Er hat dann auch gleich am ersten Tag etwa eine erbsengroße Portion Möhre gefuttert. Das war ein Bild für die Götter. Erst erwischte er ein Stück, das - warum auch immer, aber ich hab's dann gegessen - bitter schmeckte. Leckte daran und machte eine angeekelte Schnute. Dann kniff er die Augen zusammen und sabberte, während er versuchte, den Geschmack mit der Zunge aus dem Mund zu schieben. Zum Glück haben wir das gefilmt! ;)

Danach erwischte er ein gutes Stück. Er saugte, zuzzelte und biss darauf herum, bis er ein Stückchen abgeknibbelt hatte. Das wurde dann mit großen Augen und unter gelegentlichem Würgen bearbeitet. Ich starrte ihn derweil ununterbrochen an und das Herz schlug mir bis zum Hals. Angst, dass er sich doch verschlucken könnte, hatte ich natürlich trotz allem Vertrauen in seine Fähigkeiten. Aber er verschluckte sich nicht. Er schluckte stattdessen. Und machte dabei wieder ein Gesicht, das ich gerne gefilmt hätte...

Kennt ihr das, wenn ihr ein Bonbon lutscht und es dann aus Versehen ganz runterschluckt? Genau so, wie sich das anfühlt, hat der kleine Rabe in dem Moment geschaut. Danach hatte er keine Lust mehr. Aber da wir ja nicht versuchen, jetzt auf Teufel komm raus ein Glas Möhrchen in das Baby zu bekommen, ist das schon ok.

Vom gedünsteten Apfel am nächsten Tag hat er dann nichts gegessen. Der wurde nur mit den Händen zermatscht und dann mit großen Augen die Finger abgeleckt.

Dann kamen die Zähne dazwischen und er hatte erstmal drei Tage lang keine Lust auf so matschiges Zeug, sondern wollte lieber seinen Beißring. Heute hatte er dann wieder Freude am gedünsteten Apfel.

Also so ging es los. Ich werde weiter berichten. :)

Sonntag, 6. Dezember 2015

WGT Vorbereitungen #2

Das Haselchen will den kleinen Raben zum WGT bei meinen Eltern lassen. Ich bin absolut dagegen. Erstens sind meine Eltern fast fremd für ihn und zweitens würde ich mich fühlen, als ob ich mein Kind abschiebe, um Party zu machen. Sowas geht mal für einen Abend, wenn ich jederzeit nach Hause kommen kann. Aber nicht für 5 Tage...

Naja, wir haben uns jetzt darauf geeinigt, erstmal nichts diesbezüglich zu entscheiden, sondern abzuwarten, wie es im Mai dann ausschaut. Ich bin guter Dinge, dass das Haselchen bis dahin einfach einsieht, dass ich Recht habe. ;)

Jetzt habe ich jedoch ein derzeit dringlicheres Problem. Ich habe mich nämlich verliebt... Eigentlich wollte ich nur nach schwarzem Brokat suchen. Für einen Rock für mich und einen Umhang für den kleinen Raben. Dann wollte das Haselchen auch einen Umhang. Ok, damit kann man ja noch leben. Aber dann kam die Auswahl an Stoffen und jetzt phantasiere ich von passenden Umhängen aus einer Art Samt mit Prägung, einem Rock mit passendem Rüschenkragen und Hemden für meine Männlein aus schwarzem Stoff mit silbernem Print, einem Rock und dann will das Haselchen aus dem Stoff eine Art langes aber ärmelloses Hemd aus schwarzem Brokat und einem Kleid mit passendem leichtem Tragecover aus Brokat in schwarz mit Muster in türkis und - ich wage es ja kaum, das zu sagen, aber - magenta und obendrauf würde sich das dann auch noch echt gut mit Straußenfedern verzieren lassen...

Das wäre ja alles schön und gut, wenn ich besser, öfter und vor allem routinierter nähen würde... Aber eigentlich kann ich gar nicht nähen. Ich habe bis jetzt alles, was ich genäht habe, improvisiert. Die Vorstellung, normale Ärmel zu nähen, lässt mich mein Shirt ausziehen um mir anzusehen, wo dort die Nähte sitzen um daraus vielleicht herzuleiten, wie das geht. Herrje, ich schiebe das Projekt "Tragecover" schon seit über einer Woche vor mir her, weil ich nicht weiß, wie ich eine Kapuze nähen soll...

Ich befürchte also, dass ich das eh nicht alles bis zum WGT fertig bekomme. Ich werde wohl mit den einfachen Teilen anfangen und mich dann langsam vorarbeiten... SOLLTE ich wider Erwarten alles genäht bekommen, dann stellt sich die Frage, was davon ich zum WGT anziehen soll, denn dann hätte ich 5 Outfits für 4 Tage und so lange der kleine Rabe mich nicht von oben bis unten vollspuckt, mag ich mich zwischendurch nicht umziehen...

Ach ja, ich KÖNNTE auch hier zum Tailor market und nähen lassen. Aber die Idee, mich in ein Taxi zu setzen, dahin zu fahren und dann mit Händen und Füßen zu erklären, was ich will, um am Ende enttäuscht zu sein weil es nicht so aussieht, wie ich mir das vorgestellt habe und dann nicht einmal sagen zu können "Jupp, das hab ich genäht (verhunzt... ^^)"... Nee. Außerdem kann ich da nicht meinen eigenen Stoff mitbringen. Und ich habe mich doch verliebt...

Samstag, 5. Dezember 2015

Tagebuchbloggen Dezember 2015

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" - hier ist meine heutige Antwort:

Kurzform: Es war ein scheiß Tag mit doofem Wetter, sodass ich praktisch nichts anderes getan habe, als mein quengeliges (vermutlich weil zahnendes, aber sicher sind wir da erst, wenn ein Zahn durchbricht) Baby zu bespaßen.

Langform:

2:00 Stillen

4:05 Der kleine Rabe weckt mich mit einem "verdächtigen" Geräusch, will aber erstmal stillen. Er schläft schon fast wieder ein, aber ich schaue doch kurz, ob es wirklich nur ein Pups war. Da fällt ihm ein, dass es keiner war und er noch nicht fertig ist. Also abhalten.

4:40 Die ganze Familie war auf dem Klo (inklusive Haselchen, das zwischendrin auch kurz nach uns schaute), wir können losreiten. Beziehungsweise zum wieder einschlafen nochmal stillen. Dabei checke ich kurz die Vorhersage für die Luftwerte. Den ganzen Tag rot. Also wohl kein Spaziergang.

5:48 den kleinen Raben wieder in den Schlaf stillen / kuscheln

6:48 den kleinen Raben wieder in den Schlaf stillen / kuscheln

8:16 den kleinen Raben wieder in den Schlaf stillen / kuscheln (und dabei vor lauter eigener Müdigkeit nicht realisieren, dass wir eigentlich auch aufstehen könnten)

9:25 Aufwachen. Feststellen, dass es schon nach 9 ist und beschließen, jetzt aufzustehen. Aber der kleine Rabe hat so gute Laune und das Haselchen kommt auch gerade zu uns. Also MÜSSEN wir erstmal ausgiebig kuscheln, kitzeln, schmusen, lachen und komische Geräusche machen.

10:20 Ich fange an, den kleinen Raben tagfertig zu machen.

11:00 Der kleine Rabe ist fertig und will erstmal stillen.

11:30 Haselchen schaut nach dem kleinen Raben und macht das Essen von Gestern warm, während ich unter die Dusche hüpfe und aus dem Schlaf- in den Jogginganzug schlüpfe.

12:00 Wir essen. Der kleine Rabe ignoriert die Möhrensticks, matscht aber interessiert mit dem gedünsteten Apfel umher und freut sich, dass seine Finger so lecker sind.

12:15 Der kleine Rabe wird langsam motzig. Er füllt kaum hörbar die Windel und mag dann nicht mehr sitzen. Verständlich, ich fände das auch unangenehm. Also trägt das Haselchen ihn ein wenig herum, während ich aufessen.

12:28 Eine frische Windel später schläft der kleine Rabe an der Brust nuckelnd ein.

12:58 Der kleine Rabe wacht auf. Erst noch gut gelaunt grabbelt er mein Gesicht und freut sich über Küsschen. Dann wird er motzig. Wir versuchen alles mögliche. Aber er wechselt ständig zwischen lachen und weinen. Egal, was wir tun.

13:26 Wir erhoffen uns eine Besserung der scheiß Laune unseres Sohnemännchens, als dieser geräuschvoll die nächste Windel füllt. Aber Pech gehabt. Einzig die kleine LED Lampe, die er derzeit so gerne anstarrt, hält ihn beim Windelwechsel vom Weinen ab.

14:00 Das Haselchen geht in die Küche, um die Schweinshaxe für das Abendessen vorzubereiten. Ich folge zunächst mit dem kleinen Raben auf dem Arm. Ein paar Minuten schaut der auch gebannt zu und brabbelt fröhlich vor sich hin - bis ihm das auf der Schwarte scharrende Messer plötzlich Angst macht und er mir ins Ohr schrillt.

14:15 Mit dem kleinen Raben unter dem Spielebogen neben mir versuche ich, eine neue Milchpumpe zu bestellen. Schließlich muss ich nächsten Monat wieder ins Büro und mit der Handpumpe bräuchte das Pumpen zu lange. Eine elektrische Doppelpumpe muss her. Das wird aber erschwert, da der kleine Rabe seiner Spielsachen recht schnell überdrüssig wird und wieder heult. Singen hilft nicht. Ihn auf den Schoß nehmen hilft nicht. Also gehen wir ins Schlafzimmer.

14:30 Der kleine Rabe stillt ein bisschen, macht Bäuerchen, stillt noch ein bisschen und heult wieder los. Aus Verzweiflung schaue ich nach den Luftwerten und siehe da: 122! Wir gehen jetzt raus.

15:00 Bei 5°C und Regen spaziere ich mit dem kleinen Raben in der Manduca durch den Compound und singe ihm vor, während er nach ein paar Minuten umherschauen wieder zu motzen beginnt.

15:29 Der kleine Rabe ist eingeschlafen. Ich setze mich auf eine überdachte Bank und esse russisches Schokoladenkonfekt (noch von der Schwiegermama), während meine Füße trotz Winterstiefeln immer kälter werden. Außerdem regnet es mir ein wenig auf die Knie. Aber egal. Hauptsache, der kleine Rabe hat es trocken und warm.

16:05 Der kleine Rabe wacht auf und motzt. War aber auch meine Schuld - ich habe am Reißverschluss gefriemelt und ihn damit geweckt. Mir soll's aber auch recht sein. Ich habe kein Gefühl mehr in meinen Fingern und Zehen, mir läuft die Nase und - am schlimmsten - ich habe kein Konfekt mehr.

16:25 Stillen

16:45 Wir essen selbstgemachte haladez (Sülze) mit frischem Brot und ich trinke heißes Wasser mit Johannisbeersyrup. Der kleine Rabe ignoriert Möhren- und Apfelsticks, kaut aber fröhlich auf seinem Beißring herum.

17:15 Der nächste Windelwechsel steht an.

17:25 Der kleine Rabe meckert, motzt, heult und giggelt im fliegenden Wechsel. Wir versuchen, ihm möglichst viel von letzterem zu entlocken. Wir kuscheln und kitzeln, machen Geräusche und singen, das Haselchen spielt Gitarre und wir tragen den kleinen Raben durch die Gegend.

18:00 Das Haselchen bespaßt den kleinen Raben, während ich online Dekoration für den Weihnachtsbaum auszusuchen versuche. Da wir bis jetzt nie einen Baum hatten, haben wir auch keine Dekoration für einen. Stattdessen zicke ich jedoch immer wieder mit dem Haselchen herum und über die Frage "Silber, violett und türkis oder Silber, violett und rot" geraten wir fast genauso in Streit wie über "Lametta vs. Flitterglitterband". Fragen, die die Welt bewegen und im Hause Fleder für einen Ehekrach verantwortlich werden könnten... Letztendlich bewirft mich das Haselchen mit Schokolade (bzw Konfekt).

18:50 Wir haben uns wieder vertragen. Ich entschuldige mich für mein (ehrlich ungerechtfertigtes) Gemaule und Gezicke und wir umarmen uns. Christbaumschmuck haben wir noch immer keinen ausgesucht, vertagen das jetzt aber auf später. Es ist höchste Eisenhusch, dass der kleine Rabe ins Bett kommt. Der ist lustigerweise total unbeeindruckt davon, dass er jetzt normalerweise müde und motzig wäre und hat zum ersten Mal seit dem Aufstehen heute so richtig gute Laune.

19:36 Der kleine Rabe schläft ein. Nuckelt aber noch fleißig, sodass ich bei ihm liegen bleiben muss.

20:00 Der kleine Rabe wacht auf, strahlt mich mit den bezauberndsten Kulleräuglein an und kackt.

20:33 Der kleine Rabe hat nochmal ausgiebig gestillt, dockt ab und schläft ein. Ich liege ganz verdattert daneben, da er sonst viel mehr Begleitung in den Schlaf braucht.

20:50 Ich gönnen mir eine heiße Schokolade mit einem kleinen Schuss spiced Rum.

21:00 Wir essen zu Abend (japanisch-chinesische Reispapier-Röllchen, Fleisch von einer marinierten Schweinshaxe, buntes Gemüse und frisches Brot) und schauen erst Once upon a time und dann The walking dead.

22:30 Ich schreibe ins Babybuch des kleinen Raben, während das Haselchen mich mit zerknüllten Taschentüchern bewirft (jupp, den Mann hab ich ernsthaft geheiratet) und dann den Tisch abräumt.

22:55 Ich mache mich bettfertig. Im "zweiten" Badezimmern, weil im Master-Bathroom der Abfluss des Waschbeckens leckt und weil ich glaube, dass das nebenan laufende Wasser den kleinen Raben weckt.

23:25 Gute Nacht!

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Shanghai Alltag: Auf Kuschelkurs

Jeder Mensch hat ja so seine "comfort zone", seinen "Tanzbereich" oder wie auch immer man das nennen möchte. Deswegen fühlt man sich in einem vollen Aufzug oder einer überfüllten Bahn nicht so richtig wohl. Wildfremde Menschen kommen einem da einfach körperlich zu nah.

Im Studium habe ich gelernt, dass die Größe dieses "Tanzbereichs" kulturell bedingt ist. Wir haben in der Vorlesung damals herzlich über die Anekdote vom deutschen Diplomaten gelacht, der in Brasilien (glaube ich) vom Balkon fiel. Er hatte sich nämlich mit einem brasilianischen Kollegen unterhalten. Und während dieser immer weiter auf den Deutschen zukam, weil er ihm für ein nettes Gespräch so weit weg erschien, machte der Deutsche immer wieder einen Schritt zurück, weil ihm der Brasilianer so unangenehm auf die Pelle rückte. Bis zur Brüstung. Und dann darüber hinaus.

Wir Deutschen haben also einen recht großen "personal space". Und soviel kann ich nach 4 1/2 Jahren sagen: Die Chinesen nicht! Die mögen es eher kuschelig.

Als Beispiel könnte ich jetzt hier anführen, dass gefühlt die halbe Stadt meinen kleinen Raben antatschen will, wenn wir spazieren gehen. Aber während eine russische Bekannte ob dieser Erzählung ganz verdattert war und nicht verstehen konnte, wie jemand überhaupt auf die Idee kommen kann, ein wildfremdes Baby zu befummeln, scheint es ja auch in Deutschland so zu sein, dass für Babys diesbezüglich die gleichen 'Regeln' wie für Schoßhündchen angesetzt werden. Süß + beißt nicht = streicheln.

Ähnliches gilt auch für das Bauchtatschen in der Schwangerschaft. Da gibt es ja sogar einen passenden Sketch von den Ladykrachern. Nichtsdestotrotz fand ich es ein wenig befremdlich, als eine Kollegin im Büro mich mit Babybauch am Wasserspender richtiggehend 'überfiel'. Statt - ob gefragt oder ungefragt - eine Hand auf meinen Bauch zu legen, sprang sie freudig heran und umarmte mich mit Inbrunst von hinten, sodass ihre Arme mich beide komplett umschlossen und ließ ihre Hände auf meiner Kugel kreisen. Dazu qietschte sie "Oh, so nice! So happy! Baby Baby!". Kein Mist. Diese Szene hat sich tatsächlich ganz genau so abgespielt. Ja, ich war auch ein wenig perplex. Aber, wie wir immer wieder sagen (den nächsten Satz bitte mit der "This is Spartaaa" - Intonation aus dem Film lesen: This... Is... CHINAAA!

Die ticken hier halt a Weng anders. Wäre ich Fledermamix würde ich sagen: Die spinnen, die Chinesen. Aber in Wahrheit haben sie einfach kulturell bedingt eine sehr viel kleinere "comfort zone". Und kuscheln gerne.

Denn diese - für mich als "distanzierte" Deutsche - ungewohnten, plötzlichen Umarmungen fingen auch schon vor der Schwangerschaft an. Mehr als einmal fühlte ich mich richtig gehend überrumpelt, wenn Kolleginnen sich bei Gruppenfotos richtig angekuschelt haben, sich beim Warten auf den Aufzug bei mir einhakten oder einfach so bei einem Gespräch einen Arm um mich legten. Sowas war ich aus Deutschland gar nicht gewohnt. Aller, aller höchstens mit wirklich guten Freundinnen. Aber selbst da nicht so... Dabei empfand ich das nie als "negativ", als wolle man mich überrumpeln. Viel mehr kam ich selbst mir komisch stocksteif vor. So wie damals in Frankreich, als ich das mit den Küsschen zur Begrüßung nicht kapiert habe...

Die Jungs haben mich bis jetzt übrigens noch nicht geknuddelt - ich schätze, damit ist auch nicht zu rechnen, Männlein und Weiblein sind hier doch sehr auf diesen Unterschied bedacht. Es wäre aber glaube ich auch echt nochmal eine ganze Spur seltsamer, wenn mich plötzlich ein männlicher Kollegen ungefragt und ohne Vorwarnung umarmen würde. Das gäbe wohl eher einen Satz heißer Ohren...

Bisweilen sehr amüsant können die kulturellen Unterschiede bezüglich Nähe / Distanz übrigens auch in einer Unterhaltung werden. Auf die Frage "How are you?" beispielsweise antworte ich meist mit etwas wie "Great, just a bit tired... Waiting for the weekend!". Oder so. Hier habe ich tatsächlich schon gehört "I feel somehow sick. I was on the toilet already four times today..." öhm, ja... Too much information...

Allerdings ist mir das so auf jeden Fall lieber, wie ein automatisches und unehrliches "Great, thank you. And you?". Dann doch lieber too much information und ab und an eine unerwartete Umarmung. Hat irgendwie mehr Charme. Und sie kuscheln halt gerne, die Chinesen.

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[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Alle 3 Wochen gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

5 Monate kleiner Rabe

Mein süßes kleines Baby! Heute ist es genau 5 Monate her, dass du aus deiner Einzimmerwohnung ausgezogen bist. Ich mag noch immer nicht so gerne an diesen Tag denken, denn wir durften dich ja erst eine Woche später so wirklich begrüßen, in den Arm nehmen, kuscheln und stillen. Ich befürchte, ein bisschen wird es immer wehtun, dass wir einen so holprigen Start hatten...
 
Aber während ich anfangs oft den Eindruck hatte, dass du noch von diesen negativen Erfahrungen und der Trennung in den ersten Tagen geprägt warst, hast du inzwischen eindeutig dein Urvertrauen zu Mama und Papa gewonnen.
 
Und während du anfangs ein hilfloses, kleines Neugeborenes warst, erstaunt es mich richtig, wie unglaublich schnell du schon groß wirst.
 
Damit meine ich nicht nur, dass du dein Geburtsgewicht schon mehr als verdoppelt hast. Oder dass du über 15 cm an Länge gewachsen bist. Nein, nicht nur.
 
Du bist auch so wach und aufmerksam. Du beobachtest deine Umwelt ganz genau. Du hast Vorlieben und Abneigungen, die du auch ganz deutlich zum Ausdruck bringst. Nicht nur durch Weinen oder Lächeln. Du hast ein solch beeindruckendes Repertoire an Gesichtsausdrücken und Lauten, an Gesten und Körperhaltungen, dass es manchmal einfach nur faszinierend ist, dich zu beobachten.
 
Manchmal ist es auch einfach urkomisch, wenn du zum Beispiel plötzlich vor irgend einem Geräusch, das wir machen, Angst bekommst. Oder, so wie heute, vor deinem Papa im Spiegel. Oder wenn dir etwas nicht schmeckt. Dazu erzähle ich dir bald nochmal genauer. Aber du hast heute zum ersten Mal in deinem Leben ein Stück Karotte gegessen.
 
Es ist einfach so wunderschön und so spannend, dabei sein zu dürfen, während du die Welt entdeckst...
 
Übrigens freundest du dich so langsam aber sicher auch mit den Katzen an. Oder sie sich mit dir, wie man es nimmt. Auf jeden Fall beobachtest du die beiden mit größtem Interesse, während sie endlich keine Angst mehr vor dir haben.
 
Ach mein Kleiner, ich sehe dich schon fast als Kleinkind statt als Baby. Und trotzdem überrascht es mich dann doch immer wieder, wenn du plötzlich etwas Neues kannst. Wenn du zum Beispiel auf die Seite und sogar fast auf den Bauch rollst, um ein Spielzeug zu erreichen, statt nach dessen Verlust hilflos zu weinen. Oder wie selbstständig du dich nachts an der Milchbar bedienst und mich dabei kaum weckst. Oder wie erstaunlich lange du dich grundsätzlich selbst beschäftigen kannst, aber dann doch die Gesellschaft vorziehst. Oder wie du es gefühlt von heute auf morgen schaffst, in deinem Hochstuhl angelehnt zu sitzen, ohne wie ein Besoffener zu torkeln - und welch einen Heidenspaß es dir macht, uns aus dieser neuen Perspektive zu beobachten.
 
Dein Lachen ist das schönste Geräusch, das ich mir vorstellen kann.
 
Ich bin so froh, dass es dich gibt.