Dienstag, 8. Dezember 2015

BLW Start

Wer es noch nicht gemerkt hat: Für die durchschnittlichen Eltern in Deutschland läuft bei uns so einiges recht "alternativ". So kommt es mir zumindest vor, wenn ich unseren Weg mit dem Gros der Elternforen vergleiche. So ist es jetzt auch nicht ganz verwunderlich, dass der kleine Rabe keine Hipp Gläschen bekommen soll.

Ursprünglich dachten wir daran, den Babybrei selbst zu kochen. Das hat meine Mama damals für mich gemacht und die Idee gefiel mir, weil ich den kleinen Raben so naturbelassen wie möglich füttern wollte. Dann las ich von BLW. Und war sofort überzeugt.

Wer sich damit sowie schon auskennt und nur auf unsere Erfahrungen gespannt ist, kann die folgende Erklärung einfach überspringen:

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BLW steht für "Baby lead weaning". Ich würde es in Anlehnung an das Stillen nach Bedarf am ehesten als Beikost nach Bedarf bezeichnen.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Sobald das Baby reif für Beikost ist, bietet man ihm Fingerfood zum selbst erleben, erstaten, erschmecken und ausprobieren an. Gefüttert wird nicht.

Reif für Beikost heißt, dass das Baby alleine ohne größere Schwierigkeiten sitzen, nach etwas greifen und es in den Mund stecken kann und sich auch wirklich für das Essen interessiert. Außerdem sollte es nicht alles, was es in den Mund bekommt, wieder automatisch mit der Zunge rausschieben. Macht Sinn, sonst wird Essen schwer. Als grober Richtwert heißt es, die meisten Babies seien etwa mit 6 Monaten so weit. Manche früher, andere später. Aber da Muttermilch auch nach dem 6. Monat noch alles enthält, was das Baby braucht, muss man sich nicht irre machen lassen und an Tag X UNBEDINGT ein Glas Möhren in das Kind schaufeln, damit es nicht an Mangelerscheinungen leidet.

Fingerfood kann alles mögliche sein. Beispielsweise gedünstete Gemüsesticks, Brot, Nudeln, Obst, Würstchen oder was einem sonst noch so schmeckt. Natürlich alles handgerecht in der Größe. Zu kleine Dinge wie Rosinen kann ein kleines Baby erstmal noch nicht selbst in den Mund befördern, aber recht doof verschlucken. Und so eine Schweinshaxe kaut sich zahnlos etwas schwer, was jetzt auch für den Anfang nicht optimal ist.

Man muss auch nicht ein Lebensmittel nach dem anderen einführen, sondern bietet einfach alles an, was altersgerecht und vorhanden ist. Schließlich nehmen sich die Kleinen erstmal nur homöopathische Portionen und es geht mehr um das Kennenlernen denn darum, eine Stillmahlzeit nach der anderen systematisch zu ersetzen. Gestillt wird weiter nach Bedarf.

Heißt ja schließlich auch Beikost und nicht Anstattkost. Das kommt dann irgendwann von alleine.

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Und nun haben wir damit angefangen.

Der kleine Rabe ist zwar erst 5 Monate alt, aber wir hatten den Eindruck, dass es für ihn jetzt schon der richtige Zeitpunkt ist, Essen kennen zu lernen.

Das war so: Am Morgen hat er mir das Stück Apfel, das ich gerade frühstückte, aus der Hand genommen und, so wie derzeit alles in seiner Reichweite, gleich in den Mund gesteckt und angefangen, darauf herum zu kauen. Ihm wurde aber sofort bewusst, dass so ein Stück Apfel was anderes als ein Ball oder ein Taschentuch oder ein Schnuller oder ein Finger ist. Denn der schmeckt! Er strahlte mich also schmatzend an und auch, nachdem ich ihm den Apfel wieder abgenommen hatte (aus Sorge, er könnte sich doch verschlucken, da er in dem Moment auf dem Rücken lag), machte er weiter glücklich Kaubewegungen und fing sogar an, vor Freude zu glucksen. Also beschlossen wir, ihm von jetzt an immer wieder gedünstete Gemüse-und Obststicks anzubieten, wenn wir essen.

Er hat dann auch gleich am ersten Tag etwa eine erbsengroße Portion Möhre gefuttert. Das war ein Bild für die Götter. Erst erwischte er ein Stück, das - warum auch immer, aber ich hab's dann gegessen - bitter schmeckte. Leckte daran und machte eine angeekelte Schnute. Dann kniff er die Augen zusammen und sabberte, während er versuchte, den Geschmack mit der Zunge aus dem Mund zu schieben. Zum Glück haben wir das gefilmt! ;)

Danach erwischte er ein gutes Stück. Er saugte, zuzzelte und biss darauf herum, bis er ein Stückchen abgeknibbelt hatte. Das wurde dann mit großen Augen und unter gelegentlichem Würgen bearbeitet. Ich starrte ihn derweil ununterbrochen an und das Herz schlug mir bis zum Hals. Angst, dass er sich doch verschlucken könnte, hatte ich natürlich trotz allem Vertrauen in seine Fähigkeiten. Aber er verschluckte sich nicht. Er schluckte stattdessen. Und machte dabei wieder ein Gesicht, das ich gerne gefilmt hätte...

Kennt ihr das, wenn ihr ein Bonbon lutscht und es dann aus Versehen ganz runterschluckt? Genau so, wie sich das anfühlt, hat der kleine Rabe in dem Moment geschaut. Danach hatte er keine Lust mehr. Aber da wir ja nicht versuchen, jetzt auf Teufel komm raus ein Glas Möhrchen in das Baby zu bekommen, ist das schon ok.

Vom gedünsteten Apfel am nächsten Tag hat er dann nichts gegessen. Der wurde nur mit den Händen zermatscht und dann mit großen Augen die Finger abgeleckt.

Dann kamen die Zähne dazwischen und er hatte erstmal drei Tage lang keine Lust auf so matschiges Zeug, sondern wollte lieber seinen Beißring. Heute hatte er dann wieder Freude am gedünsteten Apfel.

Also so ging es los. Ich werde weiter berichten. :)

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