Dienstag, 22. Dezember 2015

Hand aufs Herz: Beziehungsstress mit Baby

Mal ganz ehrlich: Wir sind doch mit Sicherheit nicht das einzige Paar, das sich nach der Geburt eines Kindes plötzlich mehr streitet. In allen Ratgebern und Elternwebsiten heißt es immer so schön, die Beziehung ändere sich, man müsse sich als Paar nun als Eltern neu zusammenfinden und sich an die neue Rollenverteilung gewöhnen. Das klingt ja alles so schön und gut und machbar. Aber könnte man da nicht der Ehrlichkeit halber hinzufügen, dass dieses ganze neu zusammenfinden viel mehr ein zusammenraufen ist?!

Ganz ehrlich, ich wusste ja schon, dass mit Baby einiges anders wird. Aber so viel wie in den letzten 5 Monaten haben wir uns nie gestritten. Höchstens vor 4 1/2 Jahren, als ich gerade her gezogen war und wir uns in unserem Zusammenleben erst einmal zusammen raufen mussten.

Wobei ich den Eindruck habe, der Hauptgrund für unsere Streitigkeiten ist gar nicht so sehr die Tatsache, dass wir jetzt Eltern sind. Also nicht die neuen Rollen und die veränderte Beziehung zueinander. Sondern vielmehr die Umstände, die mit einer jungen Elternschaft einhergehen. Also so Dinge wie Schlafmangel, Hormone (ich war in der Schwangerschaft lammfromm, danach dann aber wochenlang aufbrausend, reizbar und verheult wie nur was), von Babygeschrei angekrazte Nerven und all diese Späße.

Da kann ich meinen Partner noch so sehr lieben und respektieren und mich bemühen und wir versuchen, aufeinander einzugehen und alles. Aber wir sind halt doch nur Menschen. Und wenn die Nerven sowieso ein bisschen blank liegen, dann schnautzt mal halt doch mal wegen der zerknautschten Zahnpastatube oder weil man schon wieder über die mitten im Weg stehenden Hausschlappen des Partners gestolpert ist oder über nicht weggeworfene Bonbonpapiere oder sonst eine Kleinigkeit. So diese ganzen Kleinigkeiten, die einem schon irgendwie missfallen, aber die ja eigentlich nicht so wichtig sind, sodass man sie sonst ignoriert oder nett anspricht.

Aber irgendwie säuselt es sich halt nicht mehr so süß "Schatz, sei doch bitte so gut und räum deinen Abfall vom Wohnzimmertisch, das wäre nett", wenn einem nach drei oder vier Stunden Schlaf mit Nackenschmerzen vom Baby umher tragen jemand auf höchster Lautstärke ins Ohr brüllt. Und man eigentlich gerne mal zurückbrüllen würde - und sei es, um den eigenen Frust über das Gebrüll heraus zu lassen -, es aber nicht tut, weil man natürlich weiß, dass da keine böse Absicht dahinter steckt und dass es mehr schaden als nutzen würde. Und überhaupt KANN man so ein hilfloses Baby nicht anbrüllen, auf das kann man nicht einmal ein bisschen sauer sein. Gefrustet und genervt ist man aber trotzdem. Da bellt man halt doch mal "Maaan, räum deinen Dreck weg.". Und wenn der Gegenüber genauso gut drauf ist, bellt er (oder sie - ich bin bei uns der größere Chaot...) halt auch irgendwas nicht ganz so nettes zurück. Und schwups gräbt man uralte Fehden aus ("Damals hast du ja auch... "), kommt auf grundsätzliche Streitthemen (" Du gibst zu viel Geld aus!" oder "Ich mache alles hier!") oder bezieht den Rest der Familie mit ein (" Und deine Mutter... "). Lauter so Paradebeispiele dafür, wie man sich NICHT streiten sollte, weil es total destruktiv ist und sich nur weiter hochschaukelt. Am Ende stehen dann zwei stinksaure Menschen und die Bonbonpapiere liegen immer noch auf dem Wohnzimmertisch herum...

Glücklicherweise vertragen wir uns dann auch genau so schnell wieder, entschuldigen uns und irgendwer räumt die Bonbonpapiere weg. Meist dann doch das Haselchen, weil der kleine Rabe dann stillen will.

Und glücklicherweise hat die Zoff-Frequenz schon deutlich abgenommen. Nicht, das wir viel mehr schlafen würden oder so, aber wir haben langsam mehr Übung darin, uns zusammen zu reißen.

Aber ehrlich: Wir können doch echt nicht das einzige Paar sein, dem es so geht...

Kommentare:

  1. Haha, nein, ihr seid nicht die einzigen! Hier :)
    Meine Tochter ist inzwischen 14 Jahre und es wird nicht besser. Ich hoffe auf das junge Erwachsenenalter. Mädels sind da eh wahrscheinlich schlimmer, Töchterchen beherrscht den Zoff mit Papa aus dem FF, da ist nichts mit der besonderen Papa-Tochter-Beziehung. Mir fallen gerade ganz viele negative Wörter ein, wie sich das Dasein mit Kind auf eine Beziehung auswirkt. Und trotzdem haben wir jetzt 23 Jahre geschafft. Und ja, ich denke, das mit dem Zusammenreißen stimmt und das mit meinem schlechten Gedächtnis unterstützt mein Leben sehr :)

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    1. Hihi, jetzt weiß ich nicht, ob ich beruhigt sein soll, dass wir da nicht die einzigen sind, oder beunruhigt, dass das auch nach 14 Jahren noch aktuell bleibt... XD

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