Samstag, 27. Februar 2016

Und noch n Award :)

Ich freue mich sehr, dass die liebe Frau Hamschta, die übrigens auch Goth und dazu auch noch eine vegetarische Freestylebuddhistin ist, zum Liebster Award nominiert hat. Vielen, vielen Dank!

Anstatt einer großen Dankesrede lege ich mal einfach los:

Gibt es eine bestimmte Message die du mit deinem Blog rüber bringen willst (wenn jawelche?), oder hast du mit dem bloggen eher so für dich angefangen?

Nein, eine Message habe ich absolut nicht. Ich blogge hier einfach über alles, was mir so durch den Kopf geht. Klar, ganz viel über den kleinen Raben. Aber genauso auch über Shanghai und die Gothic Szene. Ich sehe den Blog mehr wie ein Online-Tagebuch.

Während ich mit dem kleinen Raben im Wochenbett lag, kam ich durch Zufall über eine Google-Suche zum Pucken (das bei uns übrigens nicht sonderlich viel half) auf den Blog von "daily pia" und begann, ihn von Anfang bis Ende durchzulesen. Mehr als genug Zeit hatte ich ohnehin..

Mir gefiel die Idee, diese aufregende und spannende Zeit festzuhalten. Tagebuch habe ich früher immer gerne geführt, aber nach ein paar Umzügen sind so Bücher mal schnell verloren und in einem Blog kann man auch viel einfacher zwischendurch schreiben (derzeit oft in der Metro), Fotos hochgeladen usw. Oder geziel nach etwas suchen. Hier verblassen auch keine Seiten.

Und dann kann ich den Blog eben auch mit anderen teilen. Zum Beispiel lesen meine Eltern hier immer wieder mit und haben so eigentlich fast mehr an unserem Alltag teil, als wenn nur wir ab und an skypen würden.

Und dann ist da eben noch diese große online Community. Die hatte ich zuvor komplett unterschätzt. Also in dieser Form. Und mir gefällt das sehr, einen Austausch mit anderen zu haben. Ich lese jetzt keine Massen an Blogs, aber ich finde es immer wieder spannend, bei anderen Familien Mäuschen zu spielen, andere Meinungen zu lesen und trotzdem hier so mein eigenes Refugium zu haben.

Wenn du etwas in deinem Leben nochmal ganz anders machen könntest, was wäre das?

Gar nichts.

Jeder Schritt hat mich dort hin gebracht, wo ich heute stehe und jede Entscheidung, jeder Fehler hat mich doch zu der Frau gemacht, die ich heute bin.

Und auch, wenn das in der Vergangenheit oft anders war: Ich mag mich selbst so, wie ich bin und ich bin unglaublich glücklich mit meinem Leben.

Natürlich gibt es ein paar Dinge, die besser sein könnten. Aber wie das so ist mit dem Schmetterling und dem Orkan würde ich für nichts davon riskieren, vielleicht niemals an diesem Punkt anzukommen, an dem ich heute bin.

Welche ist deine Lieblingsfarbe?

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider... ;)

Aber da schwarz ja eigentlich eine Unfarbe ist sage ich: violett.

Was ist dir bei der Erziehung deines Kindes/deiner Kinder besonders wichtig?

Noch sind wir ja lange vor der Zeit, in der Erziehung an sich losgeht... ;) Aber sobald es dann irgendwann so weit ist: Kindern zuhören, sie ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen, alle Regeln logisch begründen (wenn das nicht möglich ist, ist die Regel wertlos und damit hinfällig), konsequent sein (nicht im Sinne von streng, sondern im Sinne von verlässlich nach dem handeln, was man gesagt hat), eigene Fehler eingestehen. So in etwa. Mein hauptsächliches Ziel dabei wäre neben einem angenehmen Familienleben, dass aus meinen Kindern Erwachsene werden, die alles kritisch hinterfragen, niemals blind folgen, sich unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden und ihren eigenen Weg gehen.

Bist du eher Öko oder stehst du auf die Wegwerfgesellschaft?

Naja, so richtig drauf stehen kann man ja eigentlich nicht, wenn man auch nur fünf Minuten über die Wegwerfgesellschaft und ihre Folgen nachdenkt... Und ich werfe auch nicht gerne Dinge weg. Ich trage teilweise Klamotten schon seit 16 Jahren. Wenn etwas kaputt geht, wird es repariert, wenn es mir nicht mehr gefällt geändert und aufgepimpt. Schuhe trage ich so lange, bis sie mir von den Füßen fallen. Wir essen regelmäßig Reste, um keine Lebensmittel wegzuwerfen. Im Restaurant lassen wir uns die Reste einpacken und waschen zu Hause die daobao-Boxen aus. Wenn ich einkaufen gehe, vermeide ich es soweit wie möglich, mir Plastiktüten geben zu lassen. Und ich habe, zum Spott meines Mannes, vor Kurzem angefangen, vegetarisch (bzw. pescetarisch) zu essen. Im Büro habe ich mich jetzt auch als "Green ambassador" beworben, um unser Büro nachhaltiger zu gestalten und Nachhaltigkeit im Kollegenkreis zu promoten.

Leider ist das jedoch in China alles nicht ganz so einfach. Mülltrennung gibt es keine. Jede einzelne Rolle Klopapier, jeder Marke, kommt einzeln in Plastik gewickelt daher. Pfandflaschen gibt es nicht. Leinentaschen im Supermarkt gibt es nicht. Und bei der Lebensspanne mancher Produkte könnte ich verzweifeln...

Wenn du deinem Vergangenheits-Ich einen Rat geben könntest, welcher wäre das?

Mach dir nicht so nen Kopf. Sieh alles ein bisschen lockerer und genieße den Moment mehr. Zweifel nicht so sehr an dir und hab Spaß!

Hast du Haustiere?

Ja. Eine weiße Katze zum Anschauen und ein rot getigerter Kater zum Schmußen. Beide hier adoptiert.

Wenn du mal einen Tag ganz für dich alleine hättest, was würdest du tun?

Bis mittags schlafen und den Rest des Tages im Schlafanzug auf dem Sofa sitzen, eine Serie binge-watchen, Calimotcho (Rotwein mit Cola) trinken und futtern bis mir schlecht ist.

Wahlweise würde ich den Tag auch auf ein Festival legen und auf dem Mera Luna Calimotcho trinken, vor dem Zelt sitzen, Konzerte schauen und endlich bei Nitzer Ebb in den Pit vor der Bühne springen (statt verzweifelt meinen Bruder zu suchen, aber das ist eine andere Geschichte...).

Welches ist dein Lieblingsbuch?

Hmmmm... Eigentlich ist es ja ein Jugendbuch, aber ich sage hier mal Momo. Ich finde es einfach noch immer ganz zauberhaft.

Was ist deine Lieblingssüßigkeit?

Nougat. Und Raffaello. Oder besser gesagt die Kokoscreme IM Raffaello. Die könnte ich auch pur gleich pfundweise weglöffeln.

Worüber kannst du dich so absolut richtig mega fies aufregen?

Ungerechtigkeit.

_____

So. Und wie das so läuft bei den Blogstöckchen jetzt hier die 11 Fragen, die ich weitergebe:

1. Was war deine letzte Mahlzeit?

2. Was war der letzte Traum, an den du dich erinnern kannst?

3. Wenn du einer Gruppe wildfremder Menschen ein Lied aus deiner Playlist vorspielen müsstest: Welches wäre das und warum?

4. Was ist dein Lieblingstier?

5. Du könntest einen Abschnitt deines Lebens noch einmal leben. Welcher wäre das und warum?

6. Du könntest eine Erinnerung aus deinem Gedächtnis löschen. Welche wäre das?

7. Du gewinnst eine Million Euro im Lotto. Was machst du?

8. Welche Sprachen sprichst du und welche würdest du gerne sprechen?

9. Erzähle einen Witz. "Mir fällt keiner ein" zählt nicht als Antwort.

10. Worauf bist du stolz?

11. Wovor hast du am meisten Angst?

So. Und jetzt kommt der schwerste Part. Die Nominierung... Ich nominiere:

Maren von "Irgendwas ist immer", mit der ich mich unbedingt mal im echten Leben treffen muss

Trippmadame von "Geschichten und Meer" in der Hoffnung, dass sie nun mein Stöckchen annimmt ;)

und Frida von" 2Kindchaos", weil wir uns vor Jahren bestimmt mal auf der Tanzfläche des gemeinsamen Stammclubs begegnet sind

Und zur Vollständigkeit hier auch nochmal die Regeln:

Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt (eigentlich steht da auch noch "und bedanke dich bei ihm", aber ich zwinge niemanden zum Danken, das würde dem Sinn eines Dankes irgendwie entgegenstehen, also wer mich für die Nominierung verfluchen will, kann das ebenfalls tun ^^).

Gerne verlinke deine Antwort unten im Kommentar.

Nominiere 3 – 5 weitere Blogger für den Liebster Award.

Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.

Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.

Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

So, und nun auf ans Beantworten. Sonst gibt es sieben Jahre schlechten Sex oder so... ;)

Dienstag, 23. Februar 2016

Dreitagefieber

Da ich den Blog (oder heißt es das? Oder ist das wie Nutella?) auch irgendwann mal retrospektiv nutzen will, um zu rekonstruieren, was bei uns wann so los war, muss ich das noch unbedingt vermerken: Der kleine Rabe hatte offenbar das Dreitagefieber.

Insgesamt war er in den letzten zwei Wochen sehr motzig und unzufrieden, schlief nachts schlecht und weinte vergleichsweise viel. Wir hatten zunächst die Zähne im Verdacht. Er sabberte auch wie wild und wollte ständig kauen. Sein Zahnfleisch war auch geschwollen und Dentinox half ein wenig. So falsch lagen wir also mit unserer Vermutung wohl nicht.. 

Dann waren wir Montag vergangener Woche bei der Impfung. Er bekam eine lokale Reaktion. Sein Ärmchen war leicht gerötet und druckempfindlich. Er hatte kaum Appetit und wollte nur noch pausenlos an der Brust nuckeln. Er kam mir dann auch etwas warm vor, aber das Ohrthemometer zeigte eine ganz normale, höchstens ganz leicht erhöhte Temperatur an.

Besonders schlimm war dann die Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Er wälzte sich die ganze Nacht nur hin und her, wollte ständig die Seite zum Stillen wechseln und weinte sogar laut auf - was er sonst nachts wirklich nie tut. Gegen 3 Uhr dann war er wach und wollte über zwei Stunden nicht mehr schlafen. Außerdem war er glühend heiß. Unser digitales Ohrthermometer zeigte 37°C, also wohl 38 °C reale Temperatur - dachte ich!

Ich nahm mir am Morgen erstmal 2 Stunden sick leave, um noch ein wenig mit dem armen Kleinen liegen zu bleiben und stillen zu können.

Als er dann endgültig wach war, maßen wir beim Wickeln 'richtig' Fieber und erschraken: 39.1 °C. Das Ohrthermometer zeigte derweil 36.7 °C an. Bei uns allen drei. Ein klarer Fall für die Tonne, das Teil...

Mit schlechtem Gewissen ging ich dann ins Büro und das Haselchen hatte einen harten Tag. Der kleine Rabe weinte praktisch den ganzen Tag, schlief selbst in der Manduca nicht mehr als 15 Minuten am Stück, wollte nicht essen und trank auch nur so mittelmäßig.

Ich blieb dann nach der Arbeit einfach direkt beim kleinen Raben liegen und bewegte mich die ganze Nacht nicht mehr weg. Mit Brust schlief er dann wenigstens immer so 90 Minuten am Stück und stillte ordentlich. Er wurde in der Nacht wieder heiß, aber weniger als zuvor.

Und genauso schnell, wie es angefangen hatte, war der Spuk auch wieder vorbei. Als dann der Ausschlag kam (der nach genau 2 Tagen auch wieder weg war), fiel mir dann ein, dass ich doch was über dieses Dreitagefieber gelesen hatte. Nun denn, das war es dann wohl.

Jetzt ist der Kleine übrigens plötzlich ausgeglichen wie nie zuvor.

Sonntag, 21. Februar 2016

Shanghai family: Stillen in der Öffentlichkeit

In Deutschland tobt mal wieder eine Debatte. Das Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Vor Kurzem hatte ich dazu auf Facebook schon eine Diskussion. Die fand hauptsächlich mit Amerikanern statt und ich ging davon aus, die 'Gegenseite' sei halt einfach zu sehr von der amerikanischen Prüderie und Bigotterie geprägt. Jetzt allerdings bekomme ich mit, dass es in Deutschland offenbar viel mehr genau solche Hornochsen zu geben scheint, als ich dachte. Da gibt es wirklich Menschen, die allen Ernstes Frauen das Stillen ihrer Babies verbieten und sich an selbigem stören. Und die anderen, die das unterstützen. Und ich rege mich an sich auch gar nicht so sehr über den Vorgang in diesem Cafe in Berlin auf. Da hat sich anscheinend auch die Mutter nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Aber die Argumentation in der zugehörigen Diskussion bringt mich in drei Sekunden von 0 auf 180...

Da schreiben Frauen, so etwas unästhetisches wie eine stillende Mutter würden sie beim Essen auch nicht sehen wollen, da verginge ihnen der Appetit. Andere meinen sie hätten auch nur zu Hause gestillt und so gehöre sich das. Mit hungrigem Baby sollte man nach Hause gehen und nicht in einem Cafe sitzen. Männer fragen, wozu denn sonst die Flasche erfunden worden sei. Und manch einer spricht sogar von "Hängeschläuchen", die Frau gefälligst auf dem Klo auspacken soll. Und natürlich wird immer wieder die Natürlichkeit des Stillens mit der Natürlichkeit des Urinierens verglichen, was man ja auch nicht überall täte.

Ja Himmel Arsch und Zwirn! Was zum Teufel ist mit dieser Gesellschaft los?! Haben die denn alle den Arsch offen?! Schreien will ich, wenn ich sowas lese. Schreien und Toben. Ich meine, was denken sich diese geistigen Tiefflieger bitteschön? Mir vergeht auch beim Anblick so manch einer Visage der Appetit. Trotzdem zwinge ich hässliche Menschen nicht dazu, sich ne Papiertüte über den Kopf zu ziehen. Ich schaue, wenn mich etwas stört, ganz einfach woanders hin (wobei ich auch nicht nachvollziehen kann, was am Stillen 'unästhetisch' sein sollte...). Natürlich sollte man sich beim Stillen jetzt nicht sofort alle Kleider vom Leib reißen und allen Umstehenden erstmal rechts und links mit der Brust um die Ohren schlackern. Aber genauso wenig muss man sich doch bitteschön als stillende Mutter zu Hause einsperren. Und manchmal passiert es einfach, dass man beim Stillen ein bisschen mehr Haut zeigt, als man möchte. Zum Beispiel weil das Baby sich nicht unter einem Tuch abdecken lassen will oder aus welchen Gründen auch immer immer wieder abdockt und herum schaut. Aber meist bekommen unbeteiligte Dritte doch kaum etwas zu sehen.

Unser Grundgesetz sagt doch bitteschön noch immer "Die Würde des Menschen ist unantastbar.". Nicht "des Erwachsene". "des Menschen"! Auch Babies sind Menschen und verdienen eine menschenwürdige Behandlung. Es ist nicht menschenwürdig, jemandem, der bereits vor Hunger oder Durst verzweifelt, die Nahrung und das Trinken zu verweigern. Sowas nennt sich Folter. Noch ist es menschenwürdig, jemanden dazu zu nötigen, auf einer öffentlichen Toilette zu essen. Das ist einfach nur ekelhaft und unhygienisch. Und wer verlangt, dass ein Baby, ein absolut hilfloses, argloses, schutzbedüftiges kleines Menschenkind (das später mal unser aller Rente mit zahlt, übrigens) derart menschenunwürdig behandelt wird, der hat doch echt den Schlag nicht gehört!

Beinahe hoffe ich ja schon, dass uns mal jemand doof kommt. Unterhaltsam wäre das auf jeden Fall...

Aber hier in China ist damit nicht zu rechnen. Und damit kann ich jetzt zu dem Thema überleiten, von dem ich eigentlich schreiben wollte. Nämlich die Situation in China bezüglich Stillen in der Öffentlichkeit. Und das ist echt unglaublich entspannt!

In China kannst du dein Kind grundsätzlich immer und überall stillen. Die meisten Chinesinnen stillen nicht lange oder nicht voll. Dazu werde ich nochmal gesondert schreiben. Aber insgesamt ist es hier etwas tolles, wenn Frau stillt (offenbar auch Langzeit, aber bevor ich das bewerte, will ich damit erstmal Erfahrungen sammeln). Und alle Chinesen, die ich getroffen habe, haben vollstes Verständnis dafür, dass ein Baby gestillt werden muss und respektieren dabei die Privatsphäre der Mutter.

Die meisten Chinesinnen sind sehr, ähm, zurückhaltend (um nicht verklemmt zu sagen) und geben eben oft die Flasche und so sieht man normalerweise recht selten, dass in der Öffentlichkeit gestillt wird. Das ändert aber nichts an der guten Einstellung der Leute.

An vielen Orten gibt es extra Nursing rooms. Ich war zum Beispiel in denen im Flaschenöffner unten und die waren der Hammer! 4 separate Kabinen mit Licht, Strom, Pflänzchen und bequemem Sessel, dazu ein Wickeltisch, eine Wartebank, ein Waschbecken und ein hypermoderner Fläschchenwärmer. Ich fand es ein wenig zu heiß drin, aber das ist ja dann doch eher ein Luxusproblem.

Aber auch ohne nursing room ist das Stillen draußen hier sehr entspannt (so lange die Schwiegermama es nicht so übertreibt...).

OK, in Cafés oder Restaurants habe ich bis jetzt noch nicht gestillt. Cafés sind hier nicht so meins und Essen lassen wir Faulpelze uns derzeit lieber liefern... Aber ich habe mir sagen lassen, dass man stillenden Mütter auch mal den VIP room anbietet. Nicht wegen der anderen Gäste, sondern damit Mutter und Kind mehr Ruhe haben. Und selbst in den kleinen Lamian-Läden, die muslimisch geführt werden, wurden schon Frauen gesichtet, die ihr Baby anlegten und dann weiter geräuschvoll ihre Nudeln schlürften.

Ich selbst habe nun doch auch ein paar Mal außerhalb unserer vier Wände gestillt und war positiv überrascht.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass die Chinesen es sonst so mit der Rücksichtnahme und Privatsphäre nicht so eng sehen. Sowohl das Haselchen, als auch ich, werden regelmäßig angegafft und ungefragt fotografiert und gefilmt. Da stellen sich auch mal ganz ungeniert 3-4 Jungs direkt vor dich, heben die iPhones und knipsen ohne Vorwarnung mit lautem Shutter-Sound und Blitz die unvorteilhaftesten Bilder. Die ganz mutigen und höflichen fragen auch mal nach einem gemeinsamen Bild. Die sind aber die Ausnahme. Nun hatte ich dementsprechend meine Sorgen, wenn dann auch noch ein kleines, blondes, blauäugiges Laowei-Baby im Spiel wäre, dass das noch krasser würde. Und dass dann auch recht egal wäre, ob diese "Attraktionen" gerade stillen oder nicht. Meine Sorgen waren bis dato jedoch unbegründet.

Ich habe mir halt immer eine Bank gesucht, die jetzt nicht gerade auf einen belebten Platz zeigte und habe den kleinen Raben angelegt. Und zu meiner großen Freude haben die Passanten uns alle in Ruhe gelassen. Selbst die 'wilden Dörfler', die kurz zuvor noch mit dem Finger auf uns zeigten, mit offenem Mund starrten und ihre Freunde riefen, damit die uns auch begaffen konnten, ließen uns in Frieden. Sobald klar war, dass ich stillen würde oder auch es gerade tat drehten sie sich alle sofort um und schauten woanders hin, um unsere Privatsphäre in diesem Moment zu respektieren. Manchmal warteten sie tatsächlich einige Meter entfernt, bis wir fertig waren, um dann gucken zu kommen. Aber wie nervig oder sogar übergrifflich sie sonst waren - stillen kann Frau hier überall.

Das bis jetzt interessanteste Erlebnis hatte ich, als meine Eltern hier waren. Da gingen wir nämlich zum Shanghai World Financial Centre, dem Flaschenöffner-Wolkenkratzer. Und fuhren auch hoch auf die Aussichtsplattform. Und dort, im 97. Stockwerk, auf 410 Metern, hielt der kleine Rabe das Warten dann nicht mehr geduldig aus. Und da ich mein Kind weder foltere, noch aus sonstigen Gründen hungern, dursten oder schreien lasse, haben wir gestillt. Da es dort keine Sitzgelegenheiten gibt, zog ich mir kurzerhand die Schuhe aus und setzte mich im Schneidersitz vor eines der Deckenhohen Fenster. Während ich die Aussicht genoss und der kleine Rabe sich satt trank, kam ein älterer Herr mit Kamera vorbei, sah uns, entschuldigte sich (obwohl er ja nichts getan hatte) und fotografierte aus einem anderen Fenster heraus die Stadt von oben. Die einzige Reaktion des anwesenden Personals war es, den kleinen Raben freudigst anzustrahlen.

Also was das Verhalten gegenüber dem Stillen in der Öffentlichkeit angeht können sich die Deutschen von den Chinesen noch eine richtig dicke Scheibe abschneiden.

Dienstag, 16. Februar 2016

Wawawawa

Der kleine Rabe plappert derzeit so unglaublich süß und so ohne Punkt und Komma, dass es eine Freude ist.

Den halben Tag geht es nur noch wawawawamamamabababaguguuuaaaaneineineineinananananana...

Also das ohne Punkt und Komma reden hat er eindeutig von seinem Vater geerbt.

Aber es wäre ja nicht mein Sohn, wenn er nicht auch seinen Papa immer wieder unterbrechen würde.

Das Haselchen versuchte zum Beispiel, mir eine Sprachnachricht in Wechat zu schicken. Tja. Versuchte. Er setzte an mit sowas wie "And well, we were...". Dann war etwas 30 Sekunden lang nichts als ziemlich lautes "Mamamamamababamapamananananeineineineinawawawaguuaaabubuamama" zu hören. Dann musste der kleine Rabe wohl mal kurz Luft holen. Haselchen nur noch so "Egal, I tell you later".

Ich bin so verliebt in unseren kleinen Plapper-Raben!

Sonntag, 14. Februar 2016

Creepy Kinderlieder

Der kleine Rabe mag Musik. Klassische Musik schon im Bauch. Zu Mozart ist er immer ganz besonders abgegangen. Unter anderem daher auch sein zweiter Vorname. Und auch jetzt hören wir zusammen immer wieder Mozart, Grieg, Vivaldi und Co.

Außerdem hört er 'unsere' Musik mit. Seine favorisierten Genres sind dabei Synth Pop und Goth Rock. Außerdem steht er total auf Assimilate von Skinny Puppy. Guter Musikgeschmack ist ihm also schon in die Wiege gelegt. ;)

Aber nun wollen wir ihm ja nicht immer nur Musik aus der Konserve vorspielen. Geht ja auch nicht immer. Also singen wir (tatsächlich beide - wenn mir das einer erzählt hätte, dass mein Haselchen mal freiwillig singt...) ihm auch immer wieder vor.

Aber genau da wird es nun spannend.

Denn die klassischen Stücke summen sich zwar gut und Mozart hat mir schon die schlimmsten Ohrwürmer beschert, aber so richtig singen ist es ja doch nicht. Und 'unsere' Musik gibt auch nur bedingt Stücke her, die sich gut alleine singen lassen. The mysterious vanishing of the foreman family von ASP mag der kleine Rabe zum Beispiel. Ebenso wie Illusion von VNV Nation. Aber dann wird es schon schwerer. Auch mit der Textsicherheit. Und weil ich dann immer alle Instrumente mitsingen will. Also singen wir ihm doch auch Kinderlieder vor.

Aber ist euch mal aufgefallen, wie creepy so viele Kinderlieder sind?!

"Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt" - ja und wenn er nicht will?!

"Der Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt" - du bist jetzt Vollwaise. Und nun schlaf schön... O.o

"Åber heidschi bumbeidschi, schlåf långe, es is jå dein Muatter ausgånga; sie is jå ausgånga und kimmt neamer home und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!" - könnte man jetzt ohne Worte stehen lassen. Wenn ich euch nicht erzählen wollen würde, dass mein Bruder davon so panisch wurde, dass er selbst dann, wenn nur jemand die Melodie summte, schon zu weinen und zu schreien begann.

Das sind jetzt mal drei Beispiele. Aber da gibt es noch viel mehr. Gerade auf Deutsch scheinen Tod, Verlust, Krieg und Gott so ziemlich die wichtigsten Themen für Kinderlieder zu sein. Oder es ist Rolf Zuckowski. *brrrrr* *schüttel*

Wir singen also stattdessen auf Russisch. Den kompletten Text kenne ich inzwischen von Жили у бабуси.

Auf Deutsch gibt es sein Gutenachtlied. Das ist das Schlaflied von Lucy Lectric. Ja, im Ernst. Das ist schön! Hört euch das mal an, das ist echt schön und kommt ganz ohne Tod, Engel oder Gott aus.

Und dann ist da noch (s)eine Insel mit zwei Bergen. Davon kann ich inzwischen den gesamten Text auswendig. Also in der richtig langen Version. Inklusive des Briefes nach Lummerland. Und des vermutlich politisch total unkorrekten chinesischen Jungen namens "Ping Pong". Neben Jim, Lukas, Emma und Frau Vaas kommt da nämlich auch ein kleiner chinesischer Junge vor. Der heißt Ping Pong.

Das ist ja kein Name, sondern ein Sport. Und dann auch noch einer, der halt klischeehaft den Chinesen zugeordnet wird. Im Zuge der politischen Korrektheit würde sowas verboten gehören.

Aber ich finde da nichts schlimmes dran. Genauso wenig würde es mich stören, wenn in einem Chinesischen Kinderlied ein Deutscher namens Fuß Ball oder ein Russe namens Eis Hockey vorkommen würde.

Und die Chinesen geben ihren Kids manchmal auch echt komische Namen. Die Tochter einer Kollegin heißt auf Chinesisch Pomelo. Weil sie, also die Kollegin, während der Schwangerschaft so gerne Pomelo gegessen hat.

Aber ich komme mal wieder vom Thema ab.

Eigentlich wollte ich ja nur mal ausführen, wie creepy viele deutsche Kinderlieder sind. Und dann doch lieber Ping Pong, als das...

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[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Jeden Monat gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Freitag, 12. Februar 2016

12 von 12 Februar 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Nix los in der Metro. Und ein Chinese pennt auf der Sitzbank. Das ist normal, dass nix los ist, ist jedoch sehr ungewöhnlich. Kommt noch von CNY... 
Dichter Nebel und kein Mensch auf der Straße. Silent Hill feeling pur... 

Erstmal einen Kaffee 

Love hurts... Ich liebe meine neuen Schuhe. Aber das harte Leder einzulaufen tut sau weh. Heute geht es - wohl auch dank Plastern auf den Fersen - etwas besser als gestern, aber wer schön sein will muss leiden. 

Milchpumpe im Büro waschen sorgt immer wieder für verwirrte Blicke. 

Ein vor-dem-Aufzug-Selfie. Das Kleid ist übrigens das selbe wie auf dem Foto von mir mit 16 im letzten Eintrag. Ich habe mir das mit 12 Jahren für 5 DM in einem Restposten-Laden gekauft und es ist noch immer eines meiner liebsten Kleidungsstücke... 

Lunch 

Am Nachmittag gibt's Kuchen vom Geburtstag meines TL 

Die endlose Treppe. Hier sieht man nur 33 Stufen. Da kommen nochmal 26. So etwa ab dem 6. Monat bin ich da nicht mehr hoch gekommen... 

Unsere Ayi im Büro meint es immer ganz lieb mit mir. Heute: Der ist übrig. Hier, nimm ein wenig Joghurt. 

Kleiner Rabe stillt, Haselchen ruht sich einen Moment lang aus, Kater will kuscheln. 

Nur noch ein Ginger Ale und dann früh ins Bett 


Dienstag, 9. Februar 2016

Gothic Friday: Wie ich zur schwarzen Szene kam

Auf Spontis wird (wieder) zum Gothic Friday geladen. Fragen aus der schwarzen Szene an die schwarze Szene. Da bin ich dabei!
 
Im Februar fragt der Wizard of Goth die versammelte Leserschaft "Wie bist du in die Szene gekommen?".
 
Kurz gefasst könnte ich jetzt sagen: Über eine Freundin, die mir 'ihre' Musik gezeigt und mich auf meine erste Gothic Party mitgenommen hat. Damit war ich angefixt und kam nicht mehr los.
 
Aber ich kann mich ja so schlecht kurz fassen und das ist so ein schönes Thema, um etwas länger auszuholen und zu erzählen. Also hier die Langfassung:
 
Ich war eigentlich schon immer ein kleines bisschen anders, als die Mehrheit meiner Altersgenossen. Ich wollte als Kind zu Fasching nie Fee oder Prinzessin sein, sondern lieber Ritter oder Pipi Langstrumpf. Und etwas später dann Vampir. Ich wollte lieber auf Bäume klettern und im Matsch spielen und interessierte mich auch später, als die frühpubertären Klassenkameradinnen einander zu selbigen luden, weder für Kaffeekränzchen, noch für die dort besprochenen Modetrends. Bis heute erschließt es sich mir nicht, warum ich etwas tragen sollte, nur weil alle anderen es tragen. Oder warum ich mir vorschreiben lassen sollte, was ich jetzt schön zu finden habe und was nicht. Aber gut.
 
Dann kam die Pubertät. Und mit ihr das Mobbing. Ich wurde zum Außenseiter. Und ich begann mit der Suche nach mir selbst. Und nach einer sozialen Gruppe, in der ich mich würde wohlfühlen können.
 
So probierte ich einiges durch. Ich hörte Hiphop und lernte Missy Elliott Texte auswendig. Aber irgendwie bekam ich das mit dem Style nicht richtig hin und war einfach awkward. Ich hörte Techno, Trance und Schranz und gab sogar einen guten Teil meines Ersparen für eine weite, glänzende Hose aus. Aber ich fand die Musik auf Dauer einfach langweilig. Genau wie die Leute, die ich traf. Dann hörte ich zum ersten Mal Nirwana und stieg musikalisch erstmal Richtung Rock ein. So dümpelte ich ein wenig vor mich her.
 
Ziemlich zeitgleich entwickelten sich neue Freundschaften. Zusammen mit drei Mädels, die auch nicht zu den "beliebten" gehörten, hatte ich zum ersten Mal so etwas wie eine Clique. Wir hingen in der Schule zusammen oder trafen uns, um zum Beispiel Ska Punk zu hören und uns Rastazöpfe zu flechten. Zwei der drei waren große HIM Fans. Aber während ich den Typen schon ganz hübsch fand, gefiel mir die Musik ganz und gar nicht.
 
Dann musste eine der drei in die Klinik. Magersucht und bipolare Störung. Vergleichsweise schockierend, da wir als Freundinnen das nicht hatten kommen sehen... Als sie wiederkam, hatte sie nicht nur etwas mehr Gewicht (glücklicherweise, denn endlich wieder in ein gesunden Rahmen) und Psychopharmaka im Gepäck, sondern auch neue Musik kennen gelernt. Außerdem fing sie an, noch mehr schwarz zu tragen, als zuvor schon.
 
Ich fand schwarz und Spitze und Samt und Satin sowieso schon verdammt schön, aber dass man sich damit täglich in die Schule trauen konnte und nicht auf Halloween oder Fasching warten musste, war eine kleine Offenbarung für mich.
 
Dann kam diese schicksalshafte Stunden im Kunstunterricht. 90 Minuten zum Zeichnen und die Erlaubnis, dabei Musik zu hören. Meine Freundin packte ihren tragbaren CD Player aus und bot mir einen der beiden Inear-Knöpfchen an. Ich steckte ihn mir ins Ohr und... An dieser Stelle müsst ihr euch das wie in einem Film vorstellen. Nahaufnahme des Kopfhörers, wie er mit dem silikonbenoppten Teil (oder war es so einer komplett aus hartem Plastik?) im Gehörgang versenkt wird - Nahaufnahme eines grün-blauen Auges - nichts als ein Herzschlag zu hören - der Puls erhöht sich - die Pupille weitet sich in Erstaunen. "Was'n das?" "ASP". "Und das?" "69 Eyes." (einen Faible für Finnen hatte die Gute einfach) "Und das?" "Lacrimosa.". So ging es praktisch die gesamte Doppelstunde über. Über die damalige Musikauswahl mag man wohl streiten können und heute fände ich das meiste davon auch nicht mehr so toll. Aber für mich hatte sich eine neue Welt geöffnet.
 
Nicht allzu lange Zeit später ließen wir uns von einem unserer Eltern zum ersten Mal zu einer Gothic Party fahren. Wir waren tierisch nervös. Schließlich waren wir erst 15 oder 16 und hätten da eigentlich noch nichts verloren gehabt. Aber wir bekamen unseren Stempel (und Trolli Gummi-Vampirzähne). An dieser Stelle bitte wieder wie in einem Film vorstellen: Der Vorhang, der den Vorraum ein wenig schallisoliert wird beiseite geschoben und das Bild einer noch halb leeren Gothicdisko taucht dahinter auf. Grablichter auf den Tischen. Tarnstoff an der Wand. Alle Gäste in schwarz. Schwarze Augen, schwarze Stiefel, Korsetts, Undercuts, Bandshirts. Überall. Wie die Mitglieder eines seltsamen Kults tanzen alle um eine Säule in der Mitte des Raumes und heben einen Fuß nach dem anderen im Takt der aggressiven elektronischen Musik. Und wieder weitet sich die Pupille eines grün-blauen Auges und aus dem Off schallt die innere Stimme "Shit, das ist doch genau das, was du gesucht hast!". Denn auf allen Parties, auf denen ich zuvor war, hatte mir immer etwas gefehlt. Und hier war es da. In der Musik und im Tanz, in der Atmosphäre und ganz besonders in der Grundstimmung der Leute.
 
Wir fingen nun an, regelmäßig gemeinsam auszugehen. In den Schulferien donnerstags in den BiGa (der nun leider schließt) und samstags in den Bruch. Zu letzterem gab es auch ein eigenes Forum im Internet, in dem sonntags immer die Playlist des Vorabends geposted wurde. Die ging ich zu Hause dann immer durch und suchte mir von jeder Band, die mir gefallen hatte, 2-3 weitere Lieder auf Emule. So erweiterte ich ganz langsam meinen musikalischen Horizont.
 
Natürlich lernten wir dann auch nach und nach mehr Leute kennen, die die gleichen Parties besuchten. Und ich war komplett hin und weg von der Szene.
 
Menschen, mit denen man wirklich gute Gespräche führen konnte. Menschen, die einen so akzeptierten, wie man war. Menschen, die sich trauten, mitten in einem Club zu weinen. Und andere Menschen, die nicht nur gafften, sondern die Weinenden in den Arm nahmen. Menschen, die einem als erstes in die Augen sahen, statt auf die Label der Klamotten oder in den Ausschnitt. Menschen, für die Miteinander und Füreinander wichtiger war als Gegeneinander. Menschen, die ihre Differenzen mit Worten auf Augenhöhe anstatt mit Fäusten oder passiv-aggressiven Hinterlistigkeiten klärten. Menschen, die Sehnsucht und Weltschmerz zuließen statt sich zu betäuben. Menschen, die meist irgendwie kaputt waren und auch nicht so taten, als seien sie makellos. Einfach Menschen, in deren Gesellschaft ich mich wohl fühlen kann.
 
Äußerlich übertrieb ich es zu Anfang aus heutiger Sicht ein wenig. Dass meine Klamotten langsam immer schwärzer wurden ist nicht verwunderlich. Auch, dass meine blonden Haare plötzlich schwarz mit roten Strähnen daherkamen (und mein Papa mich beim Abholen vom Friseur erw nicht erkannte XD) ist ok. Aber ich ging tatsächlich jeden Tag im langen, schwarzen Kunstledermantel und mit dick schwarz geschminkten Augen und Lippen aus dem Haus. Und aus heutiger Sicht hörte ich teilweise echt schlimme Musik. Aber ich hatte endlich gefunden, wonach ich gesucht hatte. Und noch heute fühle ich mich in der schwarzen Szene einfach am wohlsten und kann einfach ich selbst sein.

Sowas müsste man ja eigentlich verstecken... Aber so sah ich mit 16 aus. 

Bloß nicht lächeln... 

Das ist ein Jahr später. Geht sogar aus heutiger Sicht fast noch.

Mein erstes Mera Luna mit 18. 2005, das Sintflut-Mera... 

Und oh Goth, das Bild ist inzwischen auch schon 10 Jahren alt. 

Freitag, 5. Februar 2016

Tagebuchbloggen Februar 2016

0:22 Eigentlich wollte ich ja früh ins Bett. Tja. So viel zum Thema planen mit Kind... Nachdem der kleine Rabe eine Stunde lang Party gemacht hat, kann ich jetzt endlich das Licht ausschalten und schlafen.

2:17 Ich werde zum Stillen wach und aus irgendeinem unerfindlichen Grund bin ich davon überzeugt, dass es bereits Morgen ist und ich bald aufstehen muss. Also reiße ich mich zusammen, sammle mich und strenge all meine Willenskraft an, um wach zu werden. Dann schaue ich auf mein Handy und bin unsagbar erleichtert, dass ich doch noch fast 4 Stunden schlafen kann. Und während der kleine Rabe im Schlaf ein wenig unruhig an mir nuckelt, bin ich binnen Sekunden wieder eingeschlafen.

In der Nacht stillen wir noch ein paar mal. Wann und wie oft genau weiß ich nicht mehr. Da die Operation Beistellbett erst einmal auf Eis gelegt ist, machen wir das im Dunkeln im Halbschlaf.

5:57 Stillen. Dabei schnell den Wecker ausschalten, damit der den kleinen Raben nicht vollends wach macht. Ich stille mein Baby zurück ins Land der Träume, während ich auf Facebook lese, um nicht selbst wegzupennen.

6:28 Baby schläft. Ich drücke dem Haselchen den Bildschirm des Babymonitors in die Hand, hole mir eine Tasse Kaffee und mache mich fertig. Der kleine Rabe ratzt derweil weiter und um ihn nicht zu wecken, verkneife ich mir sogar den Abschiedskuss.

7:13 Ich habe den "Los gehen" - Alarm nicht mitbekommen und muss mich jetzt sputen. Also ab geht's zur Metro. Der kleine Rabe wird natürlich genau jetzt wach und meckert, aber ich müsste schon seit 10 Minuten unterwegs sein und kann ihn jetzt nicht mehr stillen.

7:50 Erstmal einen Kaffee. Und ein paar Cracker als Frühstücksersatz.

8:00 Arbeitszeit beginnt und ich muss erstmal mit einem TL checken, weil die Zeit im Arbeitsplan, die für mein Interview heute reserviert war, plötzlich auf "available" steht. Und so ein Vorstellungsgespräch hält sich irgendwie schlecht, wenn man zeitgleich mit Kunden zu telefonieren hat...

9:15 Tolle Wurst. Dank Code red wegen Chinesisch Neujahr wird das Interview auf irgendwann in 1-2 Wochen verlegt.

9:35 Pause. Also ab zum Pumpen. Ich hasse das Ampumpen ja, aber mit Doppelpumpe und hands free BH kann ich wenigstens auf dem Handy surfen. Oder bloggen.

10:05 Und back to work. Ich habe tierisch Hunger, esse eine Banane (das Büro-Obst heute) und kaufe ein Snickers am Schackautomaten. Danach ist mir schlecht und ich habe Hunger. -_-

12:00 Endlich Mittag. Früher hatten wir ein Buffet. Dann beschwerten Leute sich ständig über das Essen. Die Leute, die keine Ahnung vom Kochen haben, Nudeln mit Soße für das Nonplusultra halten und denen Salat, Brot, 2 Sorten Beilagen, 2-4 Sorten Gemüse, 2 Sorten Fleischgerichte, 1-2 Suppen und 1-2 Sorten Nachtisch nicht genug Auswahl waren, weil sich die Gerichte in wechselnden Kombinationen etwa alle 2-3 Wochen wiederholten. Also gab es einen neuen Caterer. Über den beschwerte ich mich dann gleich in der ersten Woche, weil er uns komplett schwarzen, überlagerten Blumenkohl vorsetzte. Nichts passierte. Ich ging in die Babypause. Kollegen fanden Kakerlaken im Essen. Nichts passierte. 36 Kollegen bekamen eine Lebensmittelvergiftung und mussten teilweise im Krankenhaus behandelt werden. Seitdem gibt es keine Buffet mehr, sondern wir ordern Take away aus verschiedenen Restaurants. Jetzt gibt es weißen Reis, 1-2 Sorten Gemüse und 1-2 Sorten Fleisch. Alles wiederholt sich alle 5-10 Tage. Und alle beschweren sich über das Essen... Mein Essen heute ist sehr Ei-lastig. Bouillon mit Eistich für alle, dazu Tomate mit Ei und Hackbraten mit Ei. I devour the unborn und so. Aber da Ei hier, genau wie Tofu, zu den Gemüsebeilagen gezählt wird... Habe ich viel Gemüse. ;)

12:30 Ich habe mir so schnell ich kann den Bauch vollgeschlagen und gehe wieder pumpen.

13:03 Und wieder zurück an die Arbeit.

14:00 Es ist, wie im Winter oft, inzwischen im Büro fast unerträglich heiß. Fenster auf is nicht, weil der AQI mal wieder über 200 ist. Und ich bin soooo müde. Ich muss mich tierisch zusammenreißen, um nicht im Sitzen einfach wegzupennen. Leider hilft auch mein Mocha nur so bedingt...

14:40 Pause. Pumpen.

15:03 Pause um 3 Minuten überzogen. Aber nun wieder an die Arbeit. Meine Motivation rennt nicht mehr mit einem Cocktail nackt über die Wiese, sondern steht jetzt voll hinter mir. Und fragt in bester Kleinkindmanier alle zwei Minuten "Wie lange noch?" oder "Ist bald Feierabend?". Aber hey, wir haben 30 Minuten maternity break am Ende des Tages. Also das Ende ist nahe!

16:30 Feierabend! Ich packe meinen Krempel, mache ein paar Witze über Cybergothics und setzte meine Feinstaubmaske auf. Und weg bin ich.

Die Metro ist angenehm leer und es ist ein gutes Gefühl, noch im Hellen nach Hause zu kommen.

17:18 Der kleine Rabe freut sich ganz kurz über meine Stimme. Dann fängt er an, zu weinen. Könnte auch an der Maske liegen, aber vor allem hat er Hunger. Und keine Geduld. Ich sollte wohl anfangen, mich schon im Aufzug auszuziehen...

17:32 Der kleine Rabe ist an der Brust eingeschlafen. Das Haselchen geht runter, um beim Compound-Gemüseladen noch schnell Obst und Gemüse zu kaufen, bevor die auch für Chinesisch Neujahr dicht machen. Er ist nicht der einzige, dem diese Idee kam und die Regale waren wohl ziemlich leer, aber für 3 große Tüten hat es gereicht.

18:01 Der kleine Rabe wacht auf und trinkt erstmal weiter. Wir stillen und kuscheln und spielen.

18:30 Der kleine Rabe kackt. Ich renne erstmal ins Dusch-Bad wo das Haselchen sich gerade duscht, um die frohe Botschaft zu überbringen. Wir hatten schon Sorge, dass es wieder wie letzte Woche losgeht... Dann halte ich den kleinen Raben noch ein wenig ab. Im Anschluss liegt er auf der Wickelunterlage herum und spielt.

19:00 Ich beginne damit, die Badewanne vorzubereiten. Das Haselchen kocht derweil.

19:20 Der kleine Rabe und ich baden zusammen. Er planscht und jauchzt vor Freude. Dann will er wieder stillen und lässt sich gar nicht beim Trinken stören, während ich ihn wasche. Das Haselchen kommt mit dem Handtuch und bringt das saubere Baby ins Schlafzimmer. Da müssen wir erstmal weiter stillen.

20:00 Ich öle den kleinen Raben ein und mache ihn bettfertig. Das Haselchen kocht noch immer,kommt aber natürlich zum gute Nacht sagen.

20:43 Nach ganz viel Stillen und dem gebannten Erkunden des Spieluhr Plüschraben schläft der kleine Rabe an der Brust ein.

21:00 Ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer, schalte den Babymonitor ein und höre die wundervollen Worte "I pee, then I bring the food" - ich bin am Verhungern!

21:08 Der kleine Rabe ist wieder wach. Damn, normalerweise dauert das 10-20 Minuten länger. Ich hatte gehofft, wenigstens irgendwann essen zu können. Inzwischen habe ich nämlich auch schon Bauchschmerzen vor Hunger. Meine letzte Mahlzeit war vor fast 9 Stunden zu Ende... :(

21:14 Schnell besänftigt war er zumindest. :)

21:30 Noch bevor mein Teller auf dem Tisch steht, weint der kleine Rabe schon wieder. Irgendwo ist heute der Wurm drin. Ich vermute entweder Bauchweh oder Zähne. Oder beides. Mir knurrt der Magen und mir fallen fast die Augen zu. Lieb ist aber, dass das Haselchen inzwischen schon die abgepumpte Milch von heute eingefroren, die Flaschen und Pumpe gewaschen und sterilisiert hat und die Kaffeemaschine so vorbereitet hat, dass ich morgen Früh nur einen Knopf drücken muss. Ich arbeite morgen nämlich wieder um 8...

21:54 Ich fange an, zu essen. Marinierte Entenbrust aus dem Ofen und Gemüse mit Kartoffeln aus dem Kazan. Sau gut! Wir essen und schauen YouTube Videos und ich trinke alkoholfreies Bier gemischt mit Malzbier. Ich esse, bis ich fast platze. Aber trotzdem bleibt meine Laune komisch. Ich heule sogar kurz, weil es mich so stört, dass das große Bild im Wohnzimmer schief hängt. Jup, ernsthaft. So seltsam bin ich drauf, wenn ich übermüdet bin. Ist, denke ich, schonmal eine gute Übung für meinen Mann, wenn der kleine Rabe in den "terrible two" steckt oder so... ;)

23:08 Wir beschließen, ins Bett zu gehen. Ich putze mir die Zähne, wasche und creme mein Gesicht, rolle mir die Haare in mein Schlafkopftuch und mache sogar noch ein wenig Gymnastik (Situps und was für den Beckenboden).

23:40 Ich krabble ins Bett und stelle diesen Blogpost fertig, während ich den kleinen Raben mal wieder stille.

Gute Nacht!

Dienstag, 2. Februar 2016

7 Monate kleiner Rabe

Oh goth, mein Kleiner. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bist du 7 Monate alt. Und wirst von einem kleinen Baby zu einem großen Baby.

Du isst fleißig fast alles. Mit großer Wonne vor allem das, was du uns aus der Hand nimmst. Nur trinken musst du ein bisschen mehr, damit du nicht wieder so Probleme mit deinem Bäuchlein bekommst wie letzte Woche...

Du hast inzwischen schon "Papa" und auch "Mama" gesagt. Und "Mampa" auch. Natürlich nicht ganz so bewusst und auch nicht so gezielt, um Mama oder Papa zu rufen oder anzusprechen, aber trotzdem haben wir beide noch nie so wundervolle zwei Silben gehört.

Dein eigentliches Lieblingswort ist derzeit aber "Nein". Den halben Tag liegst du herum und es geht in einer Tour "NeinNeinNeinNeinNeinNein". Ganz besonders süß wird das auch noch dadurch unterstrichen, dass du zur Zeit oft und gerne und ausgiebig den Kopf schüttelst. Also entweder bist du sehr anti und schon früh am Widersprechen, oder du hast Spaß daran, Laute zu wiederholen. ;)

Auch viel Freude scheint es dir zu bereiten, wenn du mit dem Mund Pupsgeräusche machen kannst. Und ganz schrill und laut kreischen kannst du ebenfalls.

Du lachst viel, viel mehr als du weinst. Sehr gerne "fliegst" du auf unseren Händen durch die Gegend. Oder schaust bei Fingerspielen zu. Nur alleine bist du nicht gerne, sondern brauchst immer Gesellschaft.

Du freundest dich immer mehr mit dem Kater an. Du findest ihn sowieso spannend und er verliert langsam die Scheu vor dir. So lange du nicht an seinem Schwanz ziehst, zumindest. Die Katze hat immer noch Angst vor dir. Aber sie ist ja eh nicht so zum Anfassen.

Und deine Eltern machst du einfach nur unglaublich glücklich.

Man sagt, ein Kind zu bekommen bedeutet, dass in Zukunft das Herz außerhalb der eigenen Brust schlägt. Und ja, das stimmt auch. Als du Bauchschmerzen hattest und vor Schmerzen geweint und geschrien und auf meinem Arm gewimmert und geschluchzt hast, habe ich so sehr gelitten. Ich wollte so sehr, dass es dir gut geht, dass ich alles dafür auf mich genommen hätte. Aber ich konnte es nicht. In diesem Moment konnte ich dir nicht helfen, sondern dich nur festhalten und trösten. Und ich weiß, dass wir solche Situationen in Zukunft noch sehr oft haben werden.

Trotzdem habe ich, nachdem du eingeschlafen warst, erst einmal Rotz und Wasser geheult. Wobei, geweint habe ich in den letzten 7 Monaten sowie sehr viel. Das mag auch an den Hormonen und dem Schlafmangel liegen. Aber die allermeiste Zeit liegt es an dir. Daran, dass du mich so unglaublich glücklich machst. Glücklicher, als es jemals jemand oder etwas vermocht hat. Ja, ich habe noch nie so viele Freudentränen in den Augen gehabt wie in den Monaten seit du bei uns bist.

Ich liebe dich einfach so sehr, mein kleines Engelchen. Mehr, als Worte es jemals werden ausdrücken können.