Sonntag, 14. Februar 2016

Creepy Kinderlieder

Der kleine Rabe mag Musik. Klassische Musik schon im Bauch. Zu Mozart ist er immer ganz besonders abgegangen. Unter anderem daher auch sein zweiter Vorname. Und auch jetzt hören wir zusammen immer wieder Mozart, Grieg, Vivaldi und Co.

Außerdem hört er 'unsere' Musik mit. Seine favorisierten Genres sind dabei Synth Pop und Goth Rock. Außerdem steht er total auf Assimilate von Skinny Puppy. Guter Musikgeschmack ist ihm also schon in die Wiege gelegt. ;)

Aber nun wollen wir ihm ja nicht immer nur Musik aus der Konserve vorspielen. Geht ja auch nicht immer. Also singen wir (tatsächlich beide - wenn mir das einer erzählt hätte, dass mein Haselchen mal freiwillig singt...) ihm auch immer wieder vor.

Aber genau da wird es nun spannend.

Denn die klassischen Stücke summen sich zwar gut und Mozart hat mir schon die schlimmsten Ohrwürmer beschert, aber so richtig singen ist es ja doch nicht. Und 'unsere' Musik gibt auch nur bedingt Stücke her, die sich gut alleine singen lassen. The mysterious vanishing of the foreman family von ASP mag der kleine Rabe zum Beispiel. Ebenso wie Illusion von VNV Nation. Aber dann wird es schon schwerer. Auch mit der Textsicherheit. Und weil ich dann immer alle Instrumente mitsingen will. Also singen wir ihm doch auch Kinderlieder vor.

Aber ist euch mal aufgefallen, wie creepy so viele Kinderlieder sind?!

"Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt" - ja und wenn er nicht will?!

"Der Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt" - du bist jetzt Vollwaise. Und nun schlaf schön... O.o

"Åber heidschi bumbeidschi, schlåf långe, es is jå dein Muatter ausgånga; sie is jå ausgånga und kimmt neamer home und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!" - könnte man jetzt ohne Worte stehen lassen. Wenn ich euch nicht erzählen wollen würde, dass mein Bruder davon so panisch wurde, dass er selbst dann, wenn nur jemand die Melodie summte, schon zu weinen und zu schreien begann.

Das sind jetzt mal drei Beispiele. Aber da gibt es noch viel mehr. Gerade auf Deutsch scheinen Tod, Verlust, Krieg und Gott so ziemlich die wichtigsten Themen für Kinderlieder zu sein. Oder es ist Rolf Zuckowski. *brrrrr* *schüttel*

Wir singen also stattdessen auf Russisch. Den kompletten Text kenne ich inzwischen von Жили у бабуси.

Auf Deutsch gibt es sein Gutenachtlied. Das ist das Schlaflied von Lucy Lectric. Ja, im Ernst. Das ist schön! Hört euch das mal an, das ist echt schön und kommt ganz ohne Tod, Engel oder Gott aus.

Und dann ist da noch (s)eine Insel mit zwei Bergen. Davon kann ich inzwischen den gesamten Text auswendig. Also in der richtig langen Version. Inklusive des Briefes nach Lummerland. Und des vermutlich politisch total unkorrekten chinesischen Jungen namens "Ping Pong". Neben Jim, Lukas, Emma und Frau Vaas kommt da nämlich auch ein kleiner chinesischer Junge vor. Der heißt Ping Pong.

Das ist ja kein Name, sondern ein Sport. Und dann auch noch einer, der halt klischeehaft den Chinesen zugeordnet wird. Im Zuge der politischen Korrektheit würde sowas verboten gehören.

Aber ich finde da nichts schlimmes dran. Genauso wenig würde es mich stören, wenn in einem Chinesischen Kinderlied ein Deutscher namens Fuß Ball oder ein Russe namens Eis Hockey vorkommen würde.

Und die Chinesen geben ihren Kids manchmal auch echt komische Namen. Die Tochter einer Kollegin heißt auf Chinesisch Pomelo. Weil sie, also die Kollegin, während der Schwangerschaft so gerne Pomelo gegessen hat.

Aber ich komme mal wieder vom Thema ab.

Eigentlich wollte ich ja nur mal ausführen, wie creepy viele deutsche Kinderlieder sind. Und dann doch lieber Ping Pong, als das...

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[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Jeden Monat gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Kommentare:

  1. "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt" Damit wollte mich meine Oma mal in den Schlaf singen, und ich hätte ganz fürchterlich geweint, erzählt meine Mutter. Die Frage: was, wenn Gott mal nicht will, dass ich wieder aufwache, habe ich mir als Kindergartenkind ernsthaft gestellt. Andererseits hat meine jüngste Tante meiner Cousine und mir mal "Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu Dir..." vorgesungen, und wir fanden es ganz toll und haben uns richtig schön gegruselt. -> https://youtu.be/L2Awt3duSzI

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    1. Ja, die Reaktionen können ganz unterschiedlich ausfallen... Ich fand Heidschi Bumbeidschi auch nicht schlimm, mir gefiel die Melodie. :)

      Aber ich frage mich halt, wer auf die Idee kommt, sowas explizit für Kinder zu schreiben. ;)

      Den Haarmann habe ich erst viel später gehört. Daher weiß ich nicht, wie ich als Kind drauf reagiert hätte...

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