Montag, 28. März 2016

Erziehung auf Chinesisch: Milchpulver #1 - Chinas Stillproblem

Was den Umgang mit dem und die Erziehung des kleinen Raben betrifft, machen wir fast nichts im "Chinese way". Einfach, weil wir diesem in den meisten Punkte ganz klar widersprechen und es so handhaben, wie WIR es für richtig erachten. Dennoch sind wir, allein schon als Expats ohne zusätzliche Krankenversicherung (und damit mit Geburt im Chinesischen Krankenhaus statt in der Expat-Klinik) und dann auch noch als Expats mit (fast ausschließlich) Chinesischen Kollegen und eigenem Baby, recht nahe dran an dem, was für unser Chinesisches Umfeld der Norm entspricht. Davon will ich euch ein bisschen erzählen.

Der kleine Rabe wird gestillt. Bis heute haben wir nicht eine Dose Milchpulver gekauft. Warum auch. Wir haben von Anfang an nach Bedarf gestillt, zunächst voll und dann eben neben der Beikost (die als BLW gedacht war...) weiter. Auch jetzt bekommt er noch immer hauptsächlich Muttermilch, die ich im Büro fleißig abpumpe. Damit sind wir aber in China noch mehr als in Deutschland tatsächlich die Ausnahme.

Chinas Stillproblem

2014 haben weniger als 16% der Chinesinnen, die in der Stadt leben, ihre Babies 6 Monate lang voll gestillt. Ausnahmslos alle meine Kolleginnen sind ganz baff wenn ich erkläre, dass wir kein Milchpulver zu Hause haben. Und wenn ich erzähle, dass meine Mama mich 1 1/2 und meinen Bruder 3 Jahren gestillt hat, ist die erste Reaktion immer eine Abwandlung von "WOW, your mother is a hero!". Denn so lange hält hier kaum eine junge Mutter durch, obwohl sie gerne wollen würde...

Gründe

Aber warum sind die Raten an stillenden Müttern hier so niedrig? Es liegt ganz eindeutig nicht daran, dass so viele nicht wollen würde. Jeder, und ich meine wirklich jeder, sagt mir immer wieder, wie toll das ist, dass ich stille. Die heutige Generation an Müttern will auch gerne stillen. Sie weiß, dass das das Beste für ein Baby ist. Und dennoch scheitern die meisten schon sehr früh.

Fast 50% Kaiserschnittrate

Die Schwierigkeiten beginnen bereits bei der Geburt. Fast die Hälfte aller Babies werden in China per Kaiserschnitt geboren. Natürlich kann man auch nach einem Kaiserschnitt stillen. Aber es wird dadurch nicht unbedingt einfacher gemacht.

Unterstützung im Krankenhaus

Dann kommt die Zeit im Krankenhaus. Hier gibt es in China viel zu wenig Unterstützung für das Stillen und es werden schon ganz zu Anfang viel zu viele Fehler gemacht. Bei uns zum Beispiel war es so, dass der kleine Rabe noch beobachtet werden musste und man die Laborergebnisse des Bluttests abwartete. In der Zeit war er von mir getrennt unter Beobachtung. Und bekam ohne mein Wissen oder meine Zustimmung erstmal eine Pulle mit Fertigmilch. Als ich ihn dann kurz zu mir holen konnte hieß es, ich dürfe ihn auf gar keinen Fall anlegen. Weil er hatte sich ja ständig übergeben und er habe ja erst getrunken und so kurze Abstände zwischen den Mahlzeiten wären nicht gut. Außerdem glauben viele Chinesen wohl noch, dass Fertigmilch, da industriell hergestellt, hygienischer als die Brust wäre. Ergo: Das Kind hat einen Infekt, also keine Brust.

Letztendlich durfte ich ihn dann doch einmal anlegen. An einer Seite. Für 5 Minuten bis der Krankentransport kam. Und mir zeigte niemand, wie ich das machen sollte. Es war mehr so ein "Da, nimm das Kind. Hier ist ein Hocker. Mach hinne!". Nicht schön und nicht hilfreich.

Dann ging es bei uns damit weiter, dass er in der Kinderklinik isoliert war und mit Pulvermilch gefüttert wurde. Und auch weiterhin erhielt ich keine echte Unterstützung vom medizinischen Personal. Wenn ich wollte, erklärte mir eine Ärztin, könnte ich den Milchfluss anregen. Ich hatte noch so gut wie kein Kolostrum und ihr Tipp war, alle zwei Stunden auf dem Nippel herum zu drücken. Das tat einfach nur weh und es kam nichts. Also suchte ich mir selbst online Hilfe von einer Stillberaterin. Hätte ich nur auf die Ärzte im Krankenhaus gehört, hätte ich wohl aufgegeben und Milchpulver gekauft.

Da mein Milcheinschuss so lange auf sich warten ließ kam es letztendlich auch nicht mehr dazu, dass ich abgepumpte Milch ins Krankenhaus hätte bringen können. Als ich zum ersten Mal wirklich etwas in der Flasche hatte hieß es bereits, dass wir ihn am nächsten Tag abholen könnten. Und die Milch hätte erst noch getestet werden müssen, was bis zu 24 Stunden hätte dauern können.

Und auch, als wir ihn dann endlich in Empfang nehmen durften gab es vom Kinderkrankenhaus her keinerlei Unterstützung zum Thema Stillen (oder sonst etwas - ohne Internet hätten wir ganz schön blöd dagestanden...). Wir bekamen unser Baby in die Hand gedrückt und das wars. Punkt.

Werbung

Außerdem wird Milchpulver hier richtig aggressiv beworben. Überall schreien einen Plakate an, Hersteller geben kostenlose Kurse für junge oder werdenden Eltern ("Stillkurs bei Milupa" - wahrscheinlich so ähnlich erfolgreich wie "Endlich Nichtraucher mit Marlboro"...). Es gibt kostenlose Proben und es wird bestochen, was das Zeug hält.

Milchpulver als Statussymbol

Klingt komisch, ist aber so: Chinesen lieben ihre Statussymbole. Zu zeigen, dass man Geld hat, ist hier unglaublich wichtig. Teure Uhren, teure Autos, teure Handtaschen. Goldene Handys, weil die goldene Sonderedition mehr kostet, als das normale Modell. All sowas findet in China reißenden Absatz. Sogar das Tragen von Pyjamas in der Öffentlichkeit kommt ja daher. Aber ich schweife ab. Es gibt tatsächlich ein paar Chinesen, die deshalb Milchpulver füttern, weil es teurer ist. Stillen kostet ja nichts, das kann jeder. Aber extra aus Deutschland importiertes Milchpulver, das muss man sich erstmal leisten können!

Das Wochenbett

Für die meisten Chinesinnen geht es nach dem Krankenhaus dann in "den Monat". Dazu werde ich nochmal separat erzählen. Aber kurz: Um sich von der Geburt zu erholen, soll Frau sich einen Monat lang nur ausruhen. Sogar die Betreuung des Babys und damit die eine oder andere Fütterung obliegt dann oft der Verantwortung von Verwandten oder extra engagierten Helfern. Und was verfüttert die Ayi am besten? Genau, Pulvermilch. Abpumpen wäre ja eine zusätzliche Anstrengung für die frischgebackene Mutter.

Keine Ruhe

Nach dem ersten Monat ist die liebe Verwandtschaft aber meist nicht aus dem Haus. Denn traditionell zieht die (Schwieger)Mama bei den jungen Eltern mit ein, um sie zu unterstützen. Klingt nett gemeint. Aber wenn man bedenkt, wie sehr sich die meisten Chinesinnen genieren und wie unpraktisch es ist, zu stillen, ohne die Brust auszupacken... Oder ohne wirklich entspannen zu können. Oder ohne ständig 'tolle' Ratschläge zu hören und verunsichert zu werden. Dann wird klar, dass mit der Oma, die einem über die Schulter schaut, das Stillen auch nicht leichter wird.

Zurück ins Berufsleben

Wer nun bis hierhin durchgehalten hat, für den kommt gleich die nächste Hürde: Das Ende des Mutterschutzes. Gesetzlich muss der Arbeitgeber täglich eine Stunde Stillpause gewähren und ab 25 Mitarbeitern Stillräume zur Verfügung stellen. Theoretisch. Praktisch tun das bei weitem nicht alle Firmen. Und von der Arbeitermigration und den Müttern, die ihre Säuglinge komplett bei den Großeltern auf dem Land betreuen lassen, während sie selbst in der Stadt leben und arbeiten (und nur an Feiertagen pendeln), will ich hier gar nicht groß anfangen...

Stillen in der Öffentlichkeit

Aber selbst für die Mütter, die mit ihrem Baby zu Hause bleiben, gibt es weitere Schwierigkeiten. So sind Chinesinnen ziemlich verschämt, um nicht zu sagen verklemmt. Und wenn es irgendwo keinen extra Stillraum gibt, greifen sie lieber zur Flasche, um sich nicht entblößen zu müssen. Dabei ist Stillen in der Öffentlichkeit hier absolut akzeptiert. Aber statt der Gesellschaft steht vielen einfach das eigene Schamgefühl im Weg. Und mit abgepumpter MuMi machen wohl viele schlechte Erfahrungen, weil sie sie komplett falsch lagern. So wie meine Kollegin, die ihre Milch den halben Tag über ungekühlt auf dem Schreibtisch stehen lässt und so lange in die selbe Flasche hineinpumpt, bis diese auch voll ist. Dass das Baby dann die Pulvermilch vorzieht, ist irgendwie verständlich...

Und selbst dann hört es noch nicht auf. Denn das Unwissen, das fehlende Vertrauen und die Ammenmärchen zum Stillen sind verdammt weit verbreitet.

Fehlinformation

Was mir selbst so begegnet ist, war bis jetzt: Du musst feste Abstände zwischen den Mahlzeiten halten und natürlich auch Wasser geben. Bei jeder einzelnen Impfung wurde uns Monat für Monat erzählt, heute müssten wir dem Baby mehr Wasser geben. Ein einziges Mal habe ich versucht, der Ärztin zu erklären, dass wir voll stillen und damit kein Wasser nötig ist. Dann habe ich aufgegeben und nur noch gelächelt, genickt und ignoriert. Das mit dem Wasser ist aber sogar ein sprachliches Ding. Auf Chinesisch trinkt man nämlich keine Milch, sondern man isst sie. Damit ist gedanklich ganz tief verwurzelt, dass Milch zwar Nahrung ist, aber nicht Getränk und ergo ein Baby Wasser braucht. Und mein Versuch, der Ärztin bei der Impfung und dem Arzt beim 6-Wochen-Check zu erklären, dass wir nach Bedarf und nicht nach Uhr stillen scheiterten auch beide kläglich. Nicht an der Sprachbarriere, sondern am Unverständnis meines Gegenüber.

Du hast zu wenig Milch!

Und dann lassen sich Chinesinnen halt auch von allen Seiten verrückt machen. Von wegen "Du hast bestimmt nicht genug Milch!" zum Beispiel wenn das Baby häufig trinken will oder viel weint. Oder nicht gemäß der tatsächlich veralteten da an Flaschenbabies orientierten Tabelle zunimmt. Oder von Leuten, die Brustmassagen verkaufen wollen. Oder spezielle Nahrungsergänzung für mehr Milch.

DEINE Milch ist nicht gut

Oder von wegen "Die Fertigmilch ist doch viel besser! Da sind viel mehr Vitamine drin!". Und dann die ganzen Verbote. Wer stillt darf keinen Kaffee trinken, viele Dinge nicht essen, sich nicht die Haare färben, sich nicht die Nägel lackieren und keine Medikamente nehmen. Wer das alles möchte, muss abstillen. Und wer krank ist sowieso. Mit Erkältung kann man nicht stillen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft ich inzwischen schon im Büro erklärt habe, dass ich meinem Baby auch weiterhin meine Milch füttere, auch wenn ich Kaffee trinke und bunte Haare habe. Die häufigste Reaktion ist dann immer "Also ein Chinesischer Arzt würde das nicht erlauben...". Und das ist dann gar nicht vorwurfsvoll gemeint, sondern im Sinne von "Oh, das ist ja ein Glück für dich, dass dein Arzt es erlaubt" - denn was einem der Halbgott in weiß sagt, das tut oder lässt man, ohne zu hinterfragen. Kein Sarkasmus. Nur Realität in China...

Es ist aber halt auch kein Wunder, dass sich die jungen Mütter so verunsichern lassen. Es ist ja niemand da, der ihnen sagt, dass sie auf sich selbst und die Natur vertrauen können und dass sie am Besten einfach nach Bedarf stillen, damit ihr Baby alles und genau das bekommt, was es braucht. Keine Hebammen, keine Stillberaterinnen, nichts. Es gibt keine Stillgruppen oder ähnliches.

Nur ganz viel Unwissenheit, Verunsicherung, Beeinflussung und damit dann ganz viele Konsumenten von Milchpulver, obwohl die Mütter eigentlich gerne gestillt hätten. Und das trotz des Milchpulverskandals.

Sonntag, 27. März 2016

Dinge, die den kleinen Raben zum Lachen bringen

Gibt es ein schöneres Geräusch als das aufrichtige Lachen eines Kindes (außer nachts um 3, da wäre wohl doch Stille schöner...)? Mit diesen Dingen kommen wir mit großer Wahrscheinlichkeit in den Genuss dieses Klangs, weil sie den kleinen Raben einfach zum Lachen bringen:

- rücklings auf zwei Händen liegend getragen und möglichst nackig umher "fliegen"

- "10 kleine Krebse"

- das Wort "Quatsch"

- Erschrocken werden (z. B. mit einem plötzlichen "Buh!")

- russischer Kinderreim über eine Ziege mit anschließendem Kitzeln

- Beine kitzeln wenn wir dazu "Nogi Nogi" sagen

- Das Wort "Hapatschu"

- Wenn wir so tun, als würde wir mit Schmackes auf den Boden spucken

- Wenn wir mit Bällen in seine Richtung werfen (am besten auf seinen Plastik-Latz)

- Wenn die weiße Katze ihn anschaut (beim roten Kater ist ihm das seltsamerweise recht wurscht)

- Auf dem Arm "hoppeln"

- Wenn Papa ihn hochwirft (und Mama jedes mal "Be careful!" schreit)

Donnerstag, 24. März 2016

My Muddistyle: Von Schlabber zu chic

Die coole Frida von 2Kindchaos rief neulich (ja, bei mir ist alles immer neulich, was weniger als drei Monate her ist... ^^) zur Blogparade auf. Von unserem "Muddistyle" sollten wir berichten. Also davon, wie die Elternschaft unser Aussehen verändert hat. Nun denn... Ich bin zwar eigentlich zu spät, aber mitmachen will ich trotzdem noch.
 
Für die nächsten Zeilen werden mich manche Muttis jetzt hassen, befürchte ich. Aber es ist halt so: Ich sehe insgesamt seit der Geburt des kleinen Raben besser aus, als vorher.
 
OK, ich habe das riesige Glück, dass ich meine Figur sehr schnell und ohne Anstrengungen wieder hatte (bis auf "Kleinigkeiten" wie mehr Besenreiser an den Beinen, breitere Taille und hängenderer Busen, aber ansonsten ist echt alles wie vorher...).
 
Aber ich habe im Büro mehrfach beobachtet, wie aus hübschen jungen Frauen - zack waren sie Mama - gammelige Schlabbertanten wurden. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönnen würde oder es verurteilen würde. Im Leben nicht.
 
Aber ich will so nicht sein. Wie gesagt - keine Verurteilung. Ich sehe ja auch tagtäglich Leute in Bluejeans und Pulli und will so nicht sein, ohne das ich an Bluejeans und Pulli etwas verwerflich finden würde...
 
Auf jeden Fall verhielt bzw verhält es sich mit meinem (Alltags-) Style so:
 
 
Vor dem kleinen Raben
 
Schwarz sowieso. So bequem wie möglich. Immer. Im Büro am liebsten Leggings und Longshirts. Die erste Amtshandlung nach Betreten des Büros war es zudem grundsätzlich, meine Schuhe auszuziehen und in die Hausschlappen zu schlupfen. Geschminkt habe ich mich nie. Nicht einmal Concealer für die Augenringe. "Keine Zeit" lautete die morgendliche Devise. Lieber 3 Minuten mehr schlafen und dann auf den letzten Drücker raus.
 
Am Wochenende blieb ich immer mindestens einen Tag im Schlafanzug. Manchmal auch einfach ganz im Bett, manchmal schaffte ich es genau bis zum Sofa.
  
Wie man sieht, sieht man nichts. Also von Schminke. Und auch, wenn man die Klamotten nicht erkennen kann: Nichts verpasst. 

OK, ich gebe zu, das Foto ist neuer. Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Und das war so ein ganz typisches Bürooutfit: schwarzer Sack mit Leggins. Nur normalerweise dann noch mit extra Hausschlappen (weiße aus nem Hotel, damit man die Kaffeeflecken besser sehen kann). 


 
Kurz nach der Geburt
Die ersten Wochen nach der Geburt war es mir absolut egal, wie ich aussah. Meine Haare wusch ich so alle 2-3 Wochen, meine Augenbrauen blieben ungezupft (was nach fast 16 Jahren ständigem Zupfen nur "gerupftes Huhn" statt "natürlicher Brauen" ergibt) und in Sachen Klamotten gab es entweder den Stillpyjama oder eines von zwei Sommerkleidern. Ich passte noch nicht wieder in meine Schuhe, weshalb ich auch hier entweder Hausschlappen oder uralte, kaputte Gammel-Sandalen trug. Diese Phase hielt so etwa 3 Monate an. Danach begann ich, mir die Haare wieder öfter zu waschen und kaufte mir Jogginganzüge, um nicht ständig nur Schlafanzug zu tragen und trotzdem bequem stillen zu können. Außerdem wurde es dann langsam schon ein wenig kühler... 
  
Scheiß auf Haarewaschen (daher das Kopftuch),  Styling, Klamotten und alles. Baby! ❤

 
Heute
 
Ich gehe nun seit fast 3 Monaten wieder arbeiten und seitdem hat sich mein Alltagsstyling im Vergleich zu früher stark gewandelt.
 
Ich trage noch immer praktisch nur schwarz. Das wird sich auch voraussichtlich nicht mehr ändern. Klar ist auch hier und da mal ein Teil in weiß oder lila oder rot dabei und ein paar türkisene Akzente habe ich auch im Schrank, aber das war's dann auch in Sachen Farbe.
 
Heute stehe ich morgens sowieso früher auf, als zuvor, um den kleinen Raben stillen und selbst etwas frühstücken zu können. Und dabei fallen dann auch 3 Minuten zum Schminken ab. Ich mache nicht viel, aber ein bisschen Lidstrich, Kajal und Concealer müssen schon sein. Auch ein Tropfen Patchouli, aber das sieht man ja nicht.

Ok, riiieesig ist der Unterschied auf dem Bild  jetzt nicht. Aber er ist da... 

 
Zum Glück ist meine Haut nach der Schwangerschaft insgesamt etwas besser geworden, sodass ich nur meine Augenringe abdecken muss und nicht mehr viele Unreinheiten habe.
 
Meine Figur habe ich schon lange wieder. Nach +/- 4 Monaten war ich wieder bei meinen Ausgangsgewicht, heute sogar 1-2 kg darunter (*duck*). Dementsprechend passen meine alten Klamotten mir alle wieder. Aber statt der immer gleichen Leggings und schlabberiggen Longshirts greife ich jetzt lieber zu Rock und Bluse oder Shirt.

Nicht nur für "#1MonatimKleid", sondern auch sonst gerne in Kleidern und Röcken, Blusen und Co unterwegs. 

Noch ein Kleid. Das ist neu und ich habe es extra mit dem Gedanken "fürs Büro" gekauft. 

 
Wenn ich nicht zur Arbeit muss, mag ich es natürlich immernoch gemütlich. Aber statt den ganzen Tag Pyjama trage ich dann derzeit meistens einen meiner (natürlich schwarzen ^^) Hausanzüge. Mit Reißverschluss stillt es sich einfach schnell und bequem.

Schwarz und bequem - was will man mehr an seinem freien Tag? Oh, ja, ein Baby in der Manduca. Auch noch check. Yeah! 

Freitag, 18. März 2016

Kundenmund

Twitter hat wohl oder übel meine Erwartungshaltung daran, wie lustig das Leben mit Kleinkind sein wird, ziemlich versaut. Bei den ganzen Brüllern, die die Kinder anderer Leute offenbar Tag für Tag von sich geben, muss der kleine Rabe schon ordentlich witzig werden. Wobei ich bei 3 Sprachen keine großen Zweifel habe, dass es hier in ein paar Jahren von urkomischen Kindermund-Posts nur so wimmeln wird.

Damit es in der Zwischenzeit nicht langweilig wird, plaudere ich heute mal aus dem beruflichen Nähkästchen. Denn was so manch ein Kunde von sich gibt, ist einfach Wahn-Sinn. Hier also ein wenig Kundenmund:

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Ja, natürlich habe ich den Hinweis auf die Stornierungsgebühren gelesen. Aber wenn ich bei einer so bekannten Firma wie Ihrer buche, erwarte ich einfach, dass Sie für solche Fälle eine Versicherung haben. Daher finde ich es eine Unverschämtheit, dass ich die Stornierungsgebühren jetzt tatsächlich zahlen soll.

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Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich da jetzt für meinen Fehler die Verantwortung haben soll.

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Sie hätten mir vorher sagen müssen, dass in dem Hotel auch Familien mit Kindern sind!

Naja, die Richtlinien sagen ja "alle Kinder sind willkommen" und wir können halt nicht vorher wissen, wer sonst noch alles ein Zimmer buchen wird...

Das ist mir egal. Sie haben die Verantwortung, mir alle relevanten Informationen zu geben. Und mit Kindern im Hotel konnte ich mich nicht erholen. Ich verlange daher eine volle Rückerstattung!

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In der Hotelanlage lebte ein Gecko. Der hat nachts immer gerufen. Das unfähige Personal hat es nicht geschafft, diesen Gecko zu finden und zu entfernen. So einen schlechten Service habe ich noch nicht erlebt!

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Gast: Die Auswahl beim Frühstück war sehr beschränkt. Dafür war es viel zu teuer.

Hotel: Unser Buffet bietet 3 Sorten Müsli, Joghurt, Quark, 4 Sorten Brot, 3 Sorten Marmelade, Honig, je 4 Sorten Wurst und Käse, Eier nach Wunsch frisch zubereitet, verschiedene Kaffestückchen, frisches Obst, Kaffee, Tee, Kakao, Milch, frischgepresste Fruchtsäfte und verschiedene warme Gerichte. Besondere Wünsche werden je nach Möglichkeit gerne berücksichtigt. Der Gast hat sich nie gemeldet.

Gast: Ja, aber es gab kein Nutella!

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Auch Hotels können einen in den Wahnsinn treiben:

Ich hatte schon wieder eine Nichtanreise. Ständig schicken Sie mir Buchungen und am Ende kommt keiner. Das geht so nicht! Ich verklage Sie, wenn Sie mir nicht endlich mehr Gäste schicken. Machen Sie meine Apartments voll!

Ja, sowas ist sehr ärgerlich. Wir könnten vielleicht Ihre Richtlinien so ändern, dass Sie eine Anzahlung nehmen. Dann wäre wenigstens kein finanzieller Verlust...

Das Geld ist mir doch egal! Ich habe genug Geld. Das steck ich locker weg. Und den Prozess noch gleich dazu, wenn Sie mir nicht endlich mehr Leute schicken!

Ich kann gerne auch die Kollegen, die darauf spezialisiert sind, darum bitten, Ihren Internetauftritt zu analysieren und mit Ihnen zusammen zu optimieren. Aber wenn Bucher nicht kommen, ohne vorher Bescheid zu geben, haben wir da leider keinen Einfluss drauf.

Nein. Ich mache gar nichts. Sie schicken mir gefälligst mehr Reservierung und sorgen dafür, dass die Leute kommen. Sonst verklage ich Sie!

Wie würden Sie sich das denn vorstellen? Also welche Lösung könnten wir da gemeinsam finden, damit Sie zufrieden sind? Wie gesagt, das Verhalten der Gäste liegt nicht in unserem Einflussbereich.

Ich muss doch da nichts vorschlagen. Sind Sie eigentlich taub? Oder nur blöd? Ihre Firma sorgt dafür, dass mehr Leute herkommen oder wir sehen uns vor Gericht. Basta!

Bitte werden Sie nicht beleidigend. Ich würde ja gerne eine Lösung finden, aber wir können die Leute doch nicht mit vorgehaltener Waffe zu Ihnen schicken oder persönlich vorbeibringen, wenn sie nicht wollen.

Das ist mir egal. Machen Sie einfach, was ich sage!

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Mir reicht's. Ich will mit Ihrem Vorgesetzten sprechen!

Ok, kein Problem. Aber da es in Deutschland gerade 3:00 morgens ist, ist dort kein Manager erreichbar. Mein direkter Vorgesetzter im Moment könnte nur Englisch oder Mandarin sprechen. Ansonsten müsste ein Manager Sie später zurückrufen.

Dann soll der gefälligst Deutsch lernen! Sofort!

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Und dann war da natürlich auch noch die Frau, die meinte:

Dann sagen Sie der Chinesischen Regierung mal, dass Googlemail sicher ist. Die brauchen das nicht zu blockieren. Sagen Sie das denen! Oder der Polizei. Das muss doch gehen! Ich kenne ja auch den Herrn Li in Peking. Könnten Sie den vielleicht für mich anrufen? Ich habe seine Nummer nicht. Aber er ist der Schwiegervater meiner Tochter. Ich habe nur seine Adresse in Peking. Aber er ist in der chinesischen Regierung. Und er ist der Vater meiner Kinder. Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Aber er hat nie geantwortet. Ich gehe daher davon aus, dass der Taxifahrer den Brief vernichtet hat. Sagen Sie das der Polizei! Überhaupt verstehe ich das ja nicht, dass mich hier keiner versteht. Ich spreche doch Deutsch! Und ich bin schon immer alleine gereist. Wissen Sie, letztes Jahr, da war ich sogar in Afrika. Und da haben die Leute halt diese traditionelle afrikanische Sprache Französisch gesprochen. Und aber auch Deutsch. Ich habe ja seit 40 Jahren als Lehrerin und Sozialpädagogin gearbeitet. Ich habe oft mit Flüchtlingen gearbeitet. Natürlich hatten wir dann auch Übersetzer. Aber ich hatte da nie ein Problem. Ich spreche doch Deutsch und sogar etwas Russisch. Ich kann halt dieses Englisch nicht. Und hier in China, ich fühle mich da gar nicht wohl, die sprechen alle kein Deutsch. Ich finde, dass die dann einen Übersetzer finden müssen ist doch das Mindeste. Den Service sollte ein Hotel schon bieten. Ich kann halt kein Chinesisch. Noch nicht. Warten Sie nur ab!

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Mein Fazit: Bitte seid lieb mit dem Kundenservicemitarbeiter am Telefon. Wir wollen nichts böses und wir bekommen schon so viel ab...

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[*txt] ist ein Projekt von Dominik Leitner. Jeden Monat gibt es ein neues Wort, zu dem jeder, der mitmachen möchte, einen Text verfasst. Die anderen Texte und alles bisherigen Wörter findet ihr auf seinem Blog.

Sonntag, 13. März 2016

Gothic Friday: Musik - Ich gebe mir die Blöße

Warnung: Wie man sieht, ist das ein verdamm langer Text geworden. Wer nicht ALLES lesen will, aber trotzdem mal neugierig ist, was ich so höre, der kann einfach ganz nach unten scrollen und den Links folgen. ;)

Es gibt nur wenige Dinge, auf die ich nicht gänzlich verzichten könnte. Selbst für den kleinen Raben nicht. Dazu zählen Wasser und Nahrung, ganz klar. Und Schlaf, zumindest ein gewisses Maß davon. Dazu zählt Sauerstoff und Wärme. Und Musik. Ohne Musik könnte ich nicht leben. Existieren, ja. Aber nicht leben.

Und da die Musik auch in der schwarzen Szene eine ganz besondere Stellung einnimmt ist es nicht verwunderlich, aber zeitgleich sehr schön und ganz furchtbar, dass im diesjährigen Gothic Friday nach unserem musikalischen Werdegang gefragt wird.

Sehr schön, weil die Neugier darüber, was die Leute da wohl so schreiben werden, groß ist. Auf allzu viele ganz neue Neuentdeckungen hoffe ich zwar nicht, denn dass einem extrem viel Musik vorgesetzt wird ist nur eine der vielen angenehmen Begleiterscheinungen, wenn man einen Vollblut-Musiker, zutiefst Musikbegeisterten und DJ aus Leidenschaft ehelicht. Dennoch bin ich einfach sehr neugierig auf eine so intensive und detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ganz furchtbar ist es aber andererseits, weil ich mir mit meiner Teilnahme nun die Blöße geben muss. Damit meine ich gar nicht nur meine musikalischen Jugendsünden. Die sind zwar teilweise auch von der Sorte, die man lieber unter den Teppich kehren will, aber andererseits ist das nun auch fast mein halbes Leben her (Hilfe! Ich werde alt!) und da kann man nachsichtig sein. Viel mehr meine ich die Tatsache, dass ich eigentlich noch immer keine Ahnung von Musik habe. Ich frage das Haselchen immer mal wieder, was das nun für ein Stil ist, den wir gerade hören. Und vergesse es dann doch bald wieder. Vielleicht ist das einer der Nachteile: Wenn man ein wandelndes subkulturelles Musiklexikon an seiner Seite hat, dass einem zu jedem Lied zielsicher den Interpreten und dessen kurzgefasste Diskographie sowie einen Abriss der Historie des entsprechenden Subgenres inklusive ähnlicher Interpreten angeben kann, wird man ein wenig faul, sich selbständig zu informieren.

Und wenn man als Paar auftritt, fällt das nicht so sehr auf. Aber hier schreibe ich nun einmal alleine...

Nun denn. Ich gebe mir die Blöße:

Teil 1 – Vergangenheit

2002/3-2005

In meinen Erinnerung an meinen Einstieg in die Szene habe ich ja bereits von diesen beiden schicksalhaften Momenten geschrieben - der Kunst Doppelstunde mit geteiltem Kopfhörer und Co-Player einer Freundin und dem ersten Besuch auf einer schwarzen Party. Die ersten Bands, die mich in ihren Bann gezogen haben, waren The 69 Eyes und ASP. Das war so ab 2002/2003. Meine Freundin hatte sie mir vorgespielt und dann, glaube ich, auch auf eine CD für mich gebrannt. Ich weiß noch, dass ich mir zu meinem Geburtstag in unserer Stammdisco immer "Gothic Girl" von den 69 Eyes gewünscht habe.

Überhaupt hatte unsere Stammdisko, das Steinbruch Theater, eine große Bedeutung für mich. Dort habe ich zwar nicht meine erste schwarze Party erlebt, aber da dieser Club (Dieburger Biergarten) immer nur donnerstags von Interesse war und wir freitags ja früh in die Schule mussten, ging es regelmäßig zum schwarzen Samstag in den Bruch.

Musikalisch gab es dort ein sehr gemischtes Programm. Metal und Mittelalter, EBM und Dark Electro. Jeden Samstag "Warriors of the world" mit Choreographie (inklusive ein-Mädel-in-die-Luft-werfen) und Stukas im Visier, sodass an Halloween ein Gast als Stuka verkleidet kam. Gemeinsame Choreographien (natürlich alle ironisch) gab es ebenfalls auf "Die kleine Ballade vom schwarzen Schmetterling" (oder "Ballade blablablubb", wie der DJ notierte) und Vollmond von In Extremo. Und weil sich eben keiner selbst so ernst nahm, wurden musikalische Ausreißer wie "Barbie Girl" gefeiert und Eiffel 65 füllte die Tanzfläche - die eine Hälfte headbangte, die andere Hälfte stompte. Und die Rausschmeißer wurden frenetisch gefeiert (zum Beispiel damit, den DJ zu Christina Stürmers "Ich lebe" kniend anzusingen).

Zu diesem schwarzbunten Haufen gehörte auch ein Forum. Das war ja alles noch vor dem großen Siegeszug von Facebook. In diesem Forum wurde dann jeden Sonntag die Playlist des Vorabends veröffentlicht (die der DJ von Hand mitschrieb und einer der Gäste dann zu Hause abtippte). Und ich machte es mir zur Gewohnheit, diese Playlist Woche für Woche durchzugehen. Ich notierte mir die Namen der Bands, deren Lieder mir gefallen hatten und suchte mir dann (ganz nervös ob der Illegalität des Ganzen) auf emule eine Hand voll Stücke der jeweiligen Combos heraus. Außerdem suchte ich regelmäßig auf Plattformen, auf denen unbekannte Bands ihre Musik ganz legal zum kostenlosen Download anboten. So fand ich heraus, dass Gothic Metal nicht so mein Ding ist. Und spielte mir neben den 69 Eyes und so ziemlich allem von ASP Sachen von Helium Vola, In Extremo, Schandmaul, Subway to Sally, Eisregen, Cephalgy, Das Ich, Qntal, Crüxshadows, VNV Nation, bis hin zu Blutegel und Marilyn Manson auf meinen neuen mp3-Player.

Zu meinem 18. Geburtstag 2005 bekam ich dann auch von meinen Freundinnen Tickets für die "Hunger" - Tour von ASP, stilecht in einer großen, schwarzen, mit silbernem Stift handgeschriebenen Karte, die ein Zitat aus "Kokon" schmückte:

Du bist auf einer Reise
Verirrst dich
Du wirst dich
Auf wundersame Weise
Verwandeln
und deine Zeit beginnt

Sehr passend. Auch, wenn man meine musikalische Reise betrachtet.

Im gleichen Jahr fuhr ich zum ersten Mal auf ein Festival. Auf dem Sintflut-Mera lernte ich nicht nur neue Leute kennen und war komplett begeistert von einer derart großen schwarzen Menschenmasse, sondern wurde auch von unseren Zeltnachbarn mit zum Auftritt von Skinny Puppy genommen. Eine völlig neue Erfahrung für mich.

2005/6-2009

Mit einem neuen Freund und einem durch selbigen erweiterten Freundeskreis erweiterte ich auch meinen musikalischen Horizont. Ich legte mir eine externe Festplatte zu und ließ mir von Freunden und Bekannten bei jeder Gelegenheit die Musik geben, die ich noch nicht hatte und von der sie glaubten, dass ich sie unbedingt haben müsste. Da mein Freund seines Zeichens EBMler war (und mir auch das Stompen, also das aggressiv im Dreieck Hüpfen, beibrachte, das ich sogar mit Plateau und Absatz meiner Demonias beherrschte und das als seinerzeit eine von nur 2 oder 3 Mädels im Club überhaupt), wurde meine Playlist insgesamt elektronischer. Front242, Hocico, Spetznatz, Amduscia, Suicide Commando, Wumpscut, Welle Erdball, And One, Feindflug, Nitzer Ebb, Funker Vogt, Xotox und sogar Combichrist. Da war auch noch mehr, aber diese Namen sind nun so hängen geblieben aus dem Zeitraum 2006-2008. Hauptsache tanzbar und je aggressiver, desto besser lautete die Devise.

Seit 2010

2009 dann lernte ich mein Haselchen kennen und seitdem hat er mich praktisch permanent für neue und alte Musik, die ich noch nicht kannte, begeistert. Zu den "Entdeckungen" gehören zum Beispiel Sisters of Mercy, Bauhaus, Bat Attack, Scary bitches, Sopor Aeternus, Lustmord, Untoten, Valhall, Sektor Gaza (russische punkige Rockband), Karol y Shut (russische Punkband), Clan of Xymox, Dvar, Derniere Volonte (sorry, mein Handy kann keine accents tippen), In the nursery, Fad Gadget, Voodoo church, Alien Sex Fiend, The Damned, November Novelet, Kitchen and the plastic spoons, Velvet Acid Christ, Haus Arafna und viele, viele, viele mehr. Einzig der Gothic Metal, den er so toll findet¹ und der für ihn einst die Einstiegsdroge war, der ist noch immer nicht mein Geschmack. Das wird wohl auch so schnell nix...

Teil 2 – Die Tiefe

Oder: Warum gefällt mir die Musik, die mir gefällt?

Die kurze Antwort auf diese Frage klingt ein wenig schmalzig, ist darum aber nicht weniger wahr: Emotion. Musik ist für mich einfach untrennbar mit Gefühlen verbunden und die Lieder, die eine besondere Bedeutung haben, haben diese meist aufgrund einer sehr emotionalen Erinnerung, die ich mit ihnen verbinde oder aufgrund der Empfindungen und Assoziationen, die sie spontan bei mir wecken.

Da die Musik von ASP mich über viele Jahre und in einer sehr "intensiven" Zeit meines Lebens begleitet hat, kann ich praktisch keines der alten Lieder hören, ohne nicht an die eine oder andere Begebenheit denken zu müssen. Da ist es mir inzwischen auch schon fast wieder egal, dass ich die neuen Sachen nicht mehr mag und die Unkenrufe von "dunklem Schlager" bestens verstehen kann...

"Fading away" konnte ich tatsächlich jahrelang nicht hören. Also nicht, ohne von der beklemmenden Erinnerung an eine destruktive Beziehung mit einem ziemlich kaputten Menschen in Panik versetzt zu werden.

"Und wir tanzten" brachte mich jahrelang immer wieder zum Weinen. Mal traurig und mal wohlig (ja, man kann auch wohlig-nostalgisch-schwermütig weinen). Mal im Stillen und mal mitten auf der Tanzfläche. Das hat eigentlich erst vor so 4-5 Jahren aufgehört...

...
Nur dieses eine mal noch schenk mir Kraft für einen neuen Tag
Ich stehe nackt und hilflos vor dem Morgen nie war ich so stark
Nur einen Tag noch Kraft und ich reiß alle Mauern um mich ein
Nur wer sich öffnet für den Schmerz läßt auch die Liebe mit hinein
...

Und "Blinded" begleitete mich durch einen sehr verwirrenden Lebensabschnitt. Ich brach einem ganz lieben Menschen das Herz und begab mich zeitgleich äußerlich auf ein großes Abenteuer und ließ mich emotional komplett fallen für einen Menschen, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er mich würde fangen können. (Spoiler: Da hatte ich mich total verschätzt).

...
I stand inside the ruins of my life
and try to make a picture of the pieces
I'm searching for myself inside myself
got to get out of here
I have to get those people out of my head
Knockin' up my brain and can't tear my mind
Please god help me
To get out of hell
To get those people out of my head
Of my head
Burnin' worms inside my head
Inside my body
Callin' my name
Dirty eagles in my skies
I never was
I'll never be
I'm insane 
...

Neben diesen Erinnerungen ist es für mich hauptsächlich wichtig, welches Gefühl mir die Musik vermittelt. Dabei muss allerdings auch meine Stimmung zur Musik passen und ich lasse meine Stimmung von der Musik treiben. Und tanzen ist für mich auch noch immer eine absolute Notwendigkeit.

Wenn ich einiges an Aggression in mir aufgestaut habe (was im Übrigen bei der Arbeit im Kundenservice sehr schnell gehen kann, wenn man sich von Idioten anstänkern lassen muss, weil diese zu blöd zum Lesen waren und man selbst muss dabei immer verständnisvoll und freundlich und höflich bleiben und lächeln...) gibt es nichts, was besser helfen würde als Hocico oder Spetznatz oder von mir aus auch Suicide Commando (wobei ich dazu eigentlich meist lieber von einem Bein aufs andere trete und meine Ellbogen hinter mich haue, aber das hilft auch) und dann ab in den Pit.

Hat man gerade keinen zur Hand, hilft es auch, während der Rushhour in Shanghai Metro zu fahren. Natürlich mit Musik auf den Ohren. Wenn man da an den richtigen Stationen umsteigt, wird fast mehr mit den Ellbogen und Schultern gerempelt, als wenn die Jungs im Pit dann doch Vorsicht mit dem Weibchen walten lassen...

An anderen Tagen tut es unglaublich gut, mit Alien Sex Fiend, Kitchen and the plastic spoons oder irgendwas ähnlichem auf den Ohren gedanklich mit den Armen zu schlackern, das bunte Treiben um mich zu beobachten und zu denken "... Ach, leck mich doch am Arsch...". So ähnlich geht es mir auch oft dann mit Punk im Ohr, nur dass dann in meinem Kopf eher ein "Fickt euch doch alle!" ertönt.

An anderen Tagen lasse ich mich von VNV Nation (oder auch anderem Synth Pop, for that matter) oder Dvar dazu beflügeln, lächelnd mit dem Kopf hin und her zu wippen, mit zu summen und mit den Fingern zu tanzen.

Auf wieder andere Sachen muss ich mich richtig einlassen und kann dann komplett darin versinken. So versetzt mich beispielsweise Dark Ambient schnell in einen richtig meditativen Zustand und ich lasse mich auf dem Klangteppich treiben wie in einem Solebecken. Das kann allerdings auch nach hinten losgehen. Auf einem Ambient-Konzert auf dem WGT (ich weiß nicht mehr, welche Band es war und welches Sub-Subgenre, aber ist letztendlich ja auch egal) sorgte die Musik (und nur diese alleine, denn Erinnerungen verknüpfte ich mit ihr gar keine) bei mir erst für Beklemmung und dann mehr und mehr für richtig irrationale Panik. Ich musste dann fast schon fluchtartig das Konzert verlassen, weil ich es nicht mehr aushielt.

Bei alle dem ist mir natürlich der Klang der Musik wichtig. Der Rhythmus, die Melodie, die Komposition und - wo vorhanden - die Stimme. Bevorzugt eine tiefe männliche, aber eine ungewöhnliche Frauenstimme geht auch. Ich will keine Perfektion. Aufnahmen, die so lange bearbeitet wurden, bis sie weniger Charakter als ein rund gelutschter Zitronendrop haben, nerven mich einfach nur (was für mich im Übrigen auch einer der Gründe ist, ASP nicht mehr zu mögen - neben unter anderem der krassen Arroganz, die das Management einer Bekannten von uns, die in Moskau Konzerte veranstaltet und bei ASP angefragt hatte, entgegen brachte. Die Gage-Vorstellungen und sonstigen Erwartungen waren jenseits von Gut und Böse und wurden damit begründet, ASP sei eine der bekanntesten Gothic Rock (?!) Bands überhaupt, obwohl sie in Russland absolut kein Schwein kennt...). Klar sollte ein Sänger die Töne und ein Gitarrist die Riffs und ein Schlagzeuger den Takt treffen. Aber wer keine Musik machen kann, soll halt keine Musik machen...

Aber neben dem Klang und der Musik an sich finde ich auch die Texte unglaublich wichtig. Ich kann ein Lied nicht wirklich mögen, wenn ich den Text bescheuert finde. Dem Haselchen ist das ziemlich egal, aber ich lege wert auf Texte. Daher lasse ich mir auch alle russischen Lieder übersetzen und bin sehr froh darum, Englisch, Spanisch und Französisch wenigstens soweit zu verstehen, dass mir nicht alle Texte heraussuchen und übersetzen muss. Früher habe ich das gemacht und so viel Englisch gelernt... ;)

Das geht so weit, dass ich sogar Lieder, die mir zunächst gut gefallen, nicht mehr leiden kann, wenn ich den Text blöd finde. Oder, was eher vorkommt, dass ich Lieder, die ich musikalisch mehr so la-la finde, zu lieben beginne, weil ich den Text so schön finde.

Teil 3 – Das Hier und Jetzt

So, hier sollte ich jetzt eigentlich davon schreiben, welche Bands ich total unterbewertet und empfehlenswert finde. Problem nun ist: Ich habe doch keine Ahnung! Ich weiß nicht, welche Bands wie bewertet werden. Klar, ich weiß, was so die großen Headliner auf den einschlägigen Festivals sind und finde einige davon ein wenig überbewertet. Nicht weil sie unbedingt schlecht sind (ok, alles um Chris Pohl beispielsweise schon...), sondern hauptsächlich, weil sie nicht so viel besser als alles andere wäre, dass es ihre Omnipräsenz auf den Bühnen und Playlists der Nation rechtfertigen würde.

Überhaupt kann ich Musik nicht bewerten. Ich weiß, dass das theoretisch möglich ist. So wie man bei einem Schreibstil bestimmte Kriterien ansetzen und diese dann objektiv bewerten kann, ist das auch bei Musik möglich. Aber ICH kann es nicht. Keine Ahnung. Wenn ich etwas höre kann ich sagen, ob ich es gut oder schlecht finde. Punkt.

Und Tipps geben. Uffff. Da mache ich mich doch nur lächerlich. Ich kenne doch eigentlich nichts und das, was ich kenne, kennen die meisten, denen es gefallen könnte, ja bestimmt auch. Von daher lasse ich das mal und gebe euch einfach meine persönlichen Hitliste (sorry, habe es nicht geschafft, mich auf je 5 zu beschränken):

Flops:

- Blutengel (einfach alles)
- Unheilig (war nie mein Fall - wenigstens ein Krug der Peinlichkeiten, der an mir vorüber gegangen ist)
- Jede Art von Gothic Metal ab einer Dauer von über 3 1/2 Minuten
- Uzzuzz - Bummbumm (sinnfreies gefruitylooptes Gestampfe wie "Diene meinem Penis")
- Depeche Mode (ja sorry, steinigt mich, aber DM war nie mein Ding und wird es wohl auch nicht mehr werden)

Everblacks:

- Sister of Mercy - Temple of love
- ASP - Fading away (wenn ich nur eins der alten Lieder nehmen darf...)
- Bat Attack - Zombie Disco
- Fad Gadget - Ricky's hand
- Helium Vola - Selig
- Suicide Commando - Cause of death: Suicide
- Scary bitches - Lesbian vampires from outta space
- VNV Nation - Illusion

Aktuelle Playlists-Lieblinge:

- Uninvited guest - When you're dead
- Kitchen and the plastic spoons - Liberty
- Bauhaus - She's in parties
- In the nursery - Vocopolis
- November Novelet - I see real
- VNV Nation - Nemesis

¹ Nachdem ich ihm davon erzählt habe, was ich derzeit hier so tippe, wurde ich darauf hingewiesen, dass eine seiner liebsten Lieblingsbands keinen Gothic Metal macht, sondern Gothic Doom. Das ist was ganz was anderes, offenbar. Trotzdem not my cup of tea...

Samstag, 12. März 2016

12 von 12 März 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Heute mit Frühstück! Haferflocken und Joghurt. Keine kulinarische Höchstleistung, aber macht satt. 

Nachdem ich den kleinen Raben erst noch abhalten musste, war ich spät dran. Daher Taxi statt Metro. 

Aufzugselfie

Mittagessen heute am PC, weil ich noch unsere Zugtickets fürs WGT bestelle. Zu Hause komme ich ja nie zu irgendwas... 

Da sitzen wir auf dem Hinweg. Der kleine Rabe fährt kostenlos mit, bekommt aber seinen eigenen Sitzplatz reserviert. Das finde ich mal echt gut. 

Ich frage mich, warum auf der Toilette inzwischen dieses Schild hängen muss. Und ob ich das eigentlich wirklich wissen will... 

Andere Menschen kitzeln auf Papier, ich habe heute beim Telefonieren eine Banane verziert. 

So asymmetrisch angezogen laufe ich im Büro herum, damit das Tattoo (ein Rabe, btw) in Ruhe heilen kann. Ist schon fast perfekt, nur eine Stelle spannt noch etwas. 

Dank diesem bescheuerten Hot seat muss ich alle meine Sachen zusammenpacken. 

Auf dem Heimweg von der Metro sitzen die Damen bei der Oil Massage schon wartend im Eingang. Zwischen den Bars mit Namen wie "69 Club", "Hot Lips", "G-Spot", "Naughty Beaver" oder "Happy Valley" ist aber ja auch klar, warum da nur nach Einbruch der Dunkelheit massiert wird... ;) 

Während ich mit dem kleinen Raben baden war, hat das Haselchen angefangen, mein Rad zusammen zu bauen, das heute angekommen ist. 


Der Kater verlangt wehement nach Streicheleinheiten, die Katze schaut aus der Ferne zu  und das Haselchen und ich bestellen online einen zweiten Luftreiniger und schauen uns einen Wasserfilter an. 

Samstag, 5. März 2016

Tagebuchbloggen März 2016

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" - hier ist meine heutige Antwort:

00:06 Eigentlich wollte ich jetzt schon schlafen. Stattdessen habe ich Spaß auf Twitter. Naja. Jetzt aber Handy auf Flugmodus und ab ins Land der Träume.

5:15 Der kleine Rabe nuckelt an der Brust. Ich werde davon wach, dass die andere Seite steinhart ist und schmerzt. Also klettere ich auf die andere Seite. Mein Baby will derweil weiter schlafen. Ich habe aber keine Lust auf Milchstau und animiere ihn so lange, bis er endlich andockt und ein paar ordentliche Schlucke. Ich habe Durst. Darf mich aber nachts nicht aus dem Schlafzimmer heraus bewegen, da der kleine Rabe sonst sofort hellwach wird und weint. Also schlafen wir einfach weiter.

6:irgendwas Ich habe gerade so schön von Urlaub auf Ko Lanta geträumt, als ein komisches Keuchen in meinen Traum kriecht. Dank des leichten Schlafs einer Mutter bin ich sofort hellwach. Es ist "nur" der Kater. Der klingt manchmal, als würde er ersticken, kotzt dann meistens und springt in bester Laune weg. Ich habe aber keine Lust, beim Aufstehen sofort in Katzenkotze zu treten. Also rollle ich aus dem Bett und leuchte mit dem Handy um zu sehen, wo er steckt. Von unter dem Bett kommt mir ein gut gelaunter Kater entgegen und will kuscheln. Gekotzt hat er nicht. Natürlich ist aber der kleine Rabe sofort aufgewacht und nölt auf der Suche nach mir herum. Ich lege mich zu ihm und kaum bin ich da, schläft er auch schon wieder ein.

7:40 Ich wache auf, der kleine Rabe stillt und wir dösen wieder weg.

7:50 Der Wecker klingelt. Der kleine Rabe ist gleich mit wach, trinkt aber nochmal ein bisschen. Mir fallen die Augen zu, aber der kleine Rabe schiebt mir die Lider wieder hoch. Das macht er derzeit gerne. Dann beginnt er, zu quatschen und ich kann nicht anders, als ihn zu schmusen und zu herzen und mich kichernd ins Gesicht schlagen und an den Ohrringe und an der Nase ziehen zu lassen.

8:22 Nun muss ich mich ein wenig sputen. Ich hole das Haselchen und er übernimmt das Baby-Kuscheln, Herzen und dann auch Felgen putzen und umziehen, während ich mich dusche, schminke und anziehe.

8:50 Frisch geschniegelt und gebügelt stillen wir noch eine Runde. Dabei zieht der kleine Rabe mir am Hals. Ouch, ich muss ihm dringend wieder die Nägel schneiden. Hoffentlich klappt das heute Abend.

9:05 Mein "Auf geht's!" Alarm klingelt. Ich trinke meinen Kaffee aus, ziehe die Schuhe an und verabschiede mich von meinen beiden Jungs.

9:37 Ich komme an meiner Station an und will mir im Family Mart Bautse zum Frühstück kaufen. Es gibt keine mit Gemüse, also gehe ich ohne Frühstück ins Büro.

9:50 Erstmal noch ein Kaffee und Cracker als Frühstücksersatz. In rund 2 Stunden gibt es eh schon Lunch. Meine Mittagspause ist zwar später, aber ich kann einfach am Platz was essen.

10:00 Los geht's mit der Arbeit. Heute ganz viel Picklist und nur 2 1/2 Stunden Telefon den ganzen Tag über. Yeah!

11:50 Pause. Pumpen.

12:30 Die Pause ist vorbei, aber ich habe Picklist und habe mir schon Mittagessen geholt. Reis, Kartoffeln, Chinakohl, Fleisch mit Zwiebeln und Sepia mit Sellerie. Das Fleisch bekommt dann heute Abend wieder das Haselchen und ich freue mich darauf, dass wir hier bald wieder Buffet haben sollen...

14:00 Lunchbreak. Gegessen habe ich ja eigentlich schon. Daher schreibe ich eine private Email und gehe wieder abpumpen. Dabei machen das Haselchen und ich einen Videocall und ich schaue dem kleinen Raben zu, wie er seine erste Erdbeere probiert und beim "Motorboot-bawwwwen" eine halbe Tasse Wasser durch die Gegend spuckt. Danach hole ich mir noch einen Kaffee.

15:00 Zurück an die Arbeit. Jetzt mit Telefon an. Mäh... Ich habe sowas von keine Lust auf Anrufe. Aber natürlich steht das Telefon nicht still. Ist ja auch kein Wunder, wir ersaufen seit rund einem Jahr in Anrufen und Email-Backlog. Das Unternehmen wächst nun schon seit Monaten deutlich schneller, als die Anzahl der Mitarbeiter und das merkt man halt. Ändert aber alles nichts an meiner fehlenden Motivation.

17:00 Pause. Pipi und eine heiße Schokolade.

17:10 Pause vorbei. Wieder Telefon... Und nebenbei mache ich Vorschläge, wie unser Büro nachhaltiger werden könnte und schicke meine interne Bewerbung als Senior ab. Die Teamleiterstelle habe ich vorerst nicht bekommen. Nächste Woche erfahre ich im halbstündigen Feedbackgespräch, woran ich für das nächste Mal noch arbeiten müsste. In der Zwischenzeit kann es nicht schaden, mich dann halt erstmal als Senior zu bewerben.

18:20 Feierabend für heute. Ich habe keinen Bock, meine Sachen zusammen zu packen. Da morgen mit Sicherheit nicht so viele Kollegen im Büro sind, wird schon keiner im hot seat meinen Platz brauchen. Also lasse ich alles liegen, packe meine Milch aus dem Kühlschrank in die Kühltasche und mache mich auf den Weg.

18:46 Ich komme an der Station an. Ich gehe noch Haferflocken und Cola und Milchbrötchen und frische Kokosnüsse für mich kaufen und kämpfe dann mit meinen kaputten Kopfhörern darum, bitte doch noch ein wenig Musik hören zu können.

19:26 Der beste Moment des Tages: Die Wohnungstür geht auf. Dahinter steht das Haselchen mit dem kleinen Raben auf dem Arm. Der kleine Rabe sieht mich, erkennt mich und quietscht vor Freude. Dann will er erstmal meine Brille haben, jauchzt und zappelt aber auch darüber mir an der Unterlippe zu ziehen. Ja, seine "Liebkosungen" werden derzeit ein wenig schmerzhaft...

Anschließend stillen wir erstmal. Und kuscheln. Ich lasse mich noch mehr an den Haaren und den Ohrringen und der Nase ziehen und kratzen. Derweil steht das Haselchen in der Küche und bereitet das Abendessen vor.

Dann halte ich den kleinen Raben ab, wickele ihn und packe ihn in den Schlafsack. Wir stillen, ich singe sein Schlaflied und spiele die Spieluhr ab.

20:30 Der kleine Rabe schläft ein. Als er tief genug zu schlafen scheint, drehe ich mich vorsichtig weg und hole die Taschenlampe und die Baby-Nagelschere.

21:00 Der kleine Rabe wacht auf.

21:15 Und schläft wieder an der Brust ein.

21:17 Und beginnt, zu weinen. Ich nehme ihn auf den Arm. Er macht ein winziges Bäuerchen, schmiegt sich entspannt an mich, drückt sich wieder weg und weint weiter. Ich lege ihn wieder hin und er stillt erneut.

21:24 Und schläft wieder ein.

21:30 Ich nehme die Taschenlampe zwischen die Zähne und fange an, dem kleinen Raben die Fingernägel zu schneiden.

21:47 Fertig und er schläft. Ich schleiche aus dem Schlafzimmer.

21:55 Das Haselchen und ich geraten darüber in Streit, ob er zu viel Tattoo Goo auf seinen Arm schmiert. Natürlich kommen wir dabei auf grundlegende Themen wie wer wem was zu sagen hat und wer was für wen tut und so weiter. Da wir beide müde und gestresst sind, haben wir keine gute Streitkultur und blaffen uns nur noch an.

22:15 Ich habe das Haselchen gefragt, ob er vielleicht seine Tage bekommt. Er fand das nicht so lustig und geht jetzt ins Bett.

22:20 Ich habe mir eine Schüssel mit Essen genommen (buntes Gemüse und Shrimps in Tomaten-Käsesoße und Reis dazu) und stelle mich mit selbiger in der Hand vor das Bett, wo ich die Diskussion weiterführe. Genau die falsche Taktik und das weiß ich eigentlich auch, aber ich bin gerade zu sauer.

22:30 Ich lasse den armen Mann endlich in Ruhe (Unrecht hat er doch!) und esse alleine auf dem Sofa weiter.

22:45 Der kleine Rabe wacht auf. Ich versuche, ihn in den Schlaf zu stillen, damit ich Zähne putzen gehen kann. Aber sobald ich mich bewege, wacht er auf. Dann wird er plötzlich ganz wach, windet sich und weint. Bauchweh, scheinbar.

23:00 Ich versuche, ob Abhalten hilft. Er schreit ganz bitterlich, beruhigt sich, schreit wieder usw. Zwischendrin lässt er Fürze wie wild. Zumindest dabei hilft das Abhalten. Deshalb hatten wir damit ja ursprünglich auch mal angefangen. Nach einer Weile wird er sichtlich müde und ruhiger. Wir ziehen eine frische Windel an und ich packe ihn wieder in den Schlafsack.

Dann versuche ich, mich bettfertig zu machen. Ich muss ihn beim Zähne putzen zunächst auf dem Arm halten, weil er im Liegen nur schreit. Dann geht es plötzlich doch und ich kann sogar mein Gesicht waschen gehen.

23:45 Der kleine Rabe schläft ein. Sehr unruhig, aber er schläft.

0:01 Das Haselchen wünscht mir in Wechat Happy birthday und schweigt dann weiter. Mir jetzt auch wurscht. Ich schlafe jetzt.

Mittwoch, 2. März 2016

8 Monate kleiner Rabe

Ich glaube es kaum - schon wieder ist ein Monat rum und mein kleines Baby wird immer größer.

Wo ich anfangs noch das genaue Alter in Wochen wie aus der Pistole geschossen abrufen konnte, stocke ich heute und muss das erstmal nachrechnen. Nur den Monat weiß ich heute genau. Aber das ist schon ok. Bei mir selbst vertue ich mich ja manchmal sogar im Jahr.

Was mir derzeit immer stärker auffällt, ist, wie unterschiedlich etwa gleichaltrige Babies doch entwickeln. Du, mein süßer kleiner Rabe, bist wohl einer von der faulen Truppe.

Während zum Beispiel Pippi von Frau Rabe, die ein wenig jünger ist, schon fleißig krabbelt und sogar damit angefangen hat, sich an Möbeln nach oben zu ziehen, liegst du noch immer den lieben langen Tag herum. Du KANNST dich zwar drehen. Das hast du schon bewiesen. Aber du siehst offenbar keinen Grund dazu. Wir haben schon versucht, deine Spielsachen gerade so weit weg zu legen, dass du sie nicht mehr erreichen konntes und dich hättest drehen müssen, um heran zu kommen. Und was machst du? Streckst den Arm aus, merkst es reicht nicht, seufzt und spielst mit deinen Füßen weiter. Es fehlte nur noch, dass du mit den Schultern zuckst und "meh..." sagst.

Manch andere Male haben wir dich zum Üben auf den Bauch gelegt. Dann hast du so halbherzig versucht, dich zu drehen, aber es klappte meist nicht auf Anhieb. Dann wurdest du ganz schnell motzig, gabst auf und fingst an, ganz herzzerreißend zu heulen, bis wir uns deiner erbarmten.

Genauso faul bist du auch beim Essen. Du hast einen ordentlichen Appetit. Ganz besonders Kürbis und Mandarine haben es dir angetan. Aber irgendwie wird das mit dem Fingerfood nicht so recht etwas. Du greifst ganz wunderbar nach dem Essen. Sogar kleine Dinge wie Erbsen oder Brotkrumen kannst du schon super aufheben. Ja sogar schon mit Daumen und Zeigefinger übst du dabei fleißig den Pinzettengriff. Dann aber zermatschst du alles, klatschst es auf den Tisch, wirfst es herum, öffnest den Mund und schrillst wie ein kleines Vögelchen, bis wir dich füttern. Und wehe wir wagen es, selbst etwas zu essen, während du nicht gerade den Mund voll hast. Irgendwie war das ursprünglich nicht so gedacht... Aber du bringst uns halt immer wieder bei, dass man mit Kindern nicht planen kann. Auch nicht, was man alles toll und gut und richtig machen will. So wie die Sache mit dem Tragetuch...

Gar nicht faul hingegen bist du, wenn es ums Reden geht. Von Flüstern bis Kreischen lautierst du den lieben langen Tag vor dich hin. Da ist ganz viel "Wawawawa" und "aguaguagu". Du lässt die Lippen zu "Bawww Bawww Bawww" vibrieren als wolltest du Motorboot spielen. Du schnalzt mit der Zunge und zischst uns ein "th" entgegen, dass alle Englischanfänger vor Neid erblassen. Daneben versuchst du ganz intensiv, unsere Worte nachzuplappern. So wie neulich, als der Kater zu uns aufs Bett gesprungen kam. Während du ihn interessiert beobachtetest, erklärte ich dir "Das ist eine Katze". Und, kein Witz, du schautest den Kater an und wiederholtes drei Mal "atze".

Wir gehen aber davon aus, dass du nicht gar so schnell wirklich sprechen wirst. Denn, um beim Beispiel der Katzen zu bleiben, heißen die ja nicht nur "Katze", sondern haben beide noch einen Namen. Und der Papa sagt "kisa". Und dann sagen Mama und Papa auch noch beide "cat". Das ist schon ein wenig verwirrend, gerade so am Anfang.

Aber ich bin guter Dinge, dass du das schon hinbekommen wirst.

Ein Wort allerdings kannst du schon ziemlich gezielt verstehen und nutzen: Papa.

Wenn ich so richtig ganz ehrlich bin, macht mich das so ein kleines bisschen eifersüchtig. Aber nur ein bisschen. Denn dass du mich auch sehr lieb hast, weiß ich mit Sicherheit.

Und am aller glücklichsten bist du sowieso, wenn Mama und Papa beide da sind. Dann quietschst du vor Freude, bis uns die Ohren klingeln, zappelst wie wild und schaust immer wieder strahlend von einem zum anderen.

Und wir strahlen zurück. Du machst uns nämlich beide so glücklich, wie nichts und niemand sonst es könnte.

Ach mein Kleiner. Du wirst immer größer. Nicht mehr lange, und ich werde diese Babyzeit mit dir sehr vermissen. Ok, vielleicht nicht, dass du mir derzeit mit großer Vorliebe an den Haaren und Ohrringen ziehst oder meine Augenlider auf und zu schiebst (und dabei ganz schön feste zudrückst...). Aber alles in allem genieße ich jeden Tag, den ich mit dir verbringen darf. Du bist einfach das beste, das ich je gemacht habe. Und ich freue mich so sehr darauf, dich weiter dabei begleiten zu dürfen, wie du die Welt entdeckst und sehen zu können, was du selbst aus dir machst. Danke, dass es dich gibt!