Dienstag, 26. April 2016

WGT Vorbereitungen #3

Oh Goth, wie die Zeit fliegt… Noch drei Mal blinzeln und es ist wieder Pfingsten. In gerade einmal zwei Wochen geht unser Flieger nach Deutschland. Ufff. Ich atme kuz tief durch... Und renne schreien im Kreis. Einen Schlenker um die Nähmaschine, eine Runde duchs Schlafzimmer und dann nochmal drei Runden im Wohnzimmer. Dabei fuchtele ich natürlich wild mit den Armen in der Luft herum. Ok, Nochmal tief durchgeatmet. Jetzt geht‘s wieder...

Aber jetzt mal echt, wo bittenschön ist die Zeit hin?!

Ich hatte ja so viele schöne Pläne, was ich alles fürs WGT nähen will. Den Stoff habe ich auch da... Aber die Zeit hat , wie zu erwarten war, nicht gereicht. Zumindest habe ich einen Rock für mich, ein Hemd für das Haselchen und ein Shirt für den kleinen Raben (ohne Ärmel, weil wenn es warm wird soll er ja nicht mit langen Ärmeln schwitzen und einen Langarmbody drunter ziehen können wir ihm immer) aus dem gleichen Stoff fertig und mein zweiter Rock wird auf jeden Fall noch diese Woche fertig.

Dann noch ein paar Sachen (vor allem einen tollen Stehkragen und einen 1-Ärmel-Shrug und gaaanz wichtig ein Unterbrustkorsett, damit ich schnüren und trotzdem stillen kann!eindröf!) bestellen. Hab ich heute gemacht. Damit bin ich klamottentechnisch fertig. Wenn noch Zeit bliebe, hätte ich natürlich auch noch ein paar Nähprojekte... Aber ich denke mal nicht, dass das noch vor Pfingsten klappt. Leider. Aber nun ja. Naggisch müsse me net gehn... ;-)

Viel intensiver befasse ich mich allerdings derzeit sowieso damit, wie das wohl alles so wird mit dem kleinen Raben. Also vom Flug bis zum Aufenthalt in Leizig.

Vorgestern habe ich es endlich geschafft, bei Lufthansa anzurufen. Ganz tolle Wurst, echt... Die bieten ein Baby bassinet an. Das ist kostenlos. Aaaaber, damit man das buchen kann, muss man auch feste Sitzplätze buchen. Unbedingt. Ohne gebuchte Sitzplätze kein bassinet. Und das Buchen von Sitzplätzen kostet dann 200 RMB. Pro Person. Pro Strecke. Also nochmal 111 EUR extra dafür, dass wir ein kostenloses baby bassinet bekommen. Natürlich kann man seine Sitzplätze auch beim online Check-in auswählen. Aber das geht erst ab 23 Stunden vor Abflug. Und das bassinet muss man spätestens 48 Stunden vor Abflug reservieren. Darüber könnte ich mich jetzt den ganzen Tag aufregen. Aber ich lasse das mal einfach so stehen. Ändern kann ich es ja eh nicht... Nun denn, wir haben ein baby basinet. Ich bin mal gespannt, ob der kleine Rabe da auch drin schlafen wird... Aber selbst wenn er nur drin herumsitzt ist es doch bestimmt besser als auf dem Boden. Und immehin hat er bei LH auch ohne iegenen Sitzplatz ein Gepäckstück mit 23 kg frei und wir können den Maxi Cosi als Handgepäck mitnehmen.

Apopos (und ah, Popo) Handgepäck: Wir werden so wie es aussieht auch mit einem Töpfchen in der Hand durch den Flieger marschieren. Denn seit dieser Woche muss ich den Raben nicht mehr abhalten. Stattdessen geht er aufs Töpfchen. Windeln hat er natürlich noch immer an. So echtes Windelfrei machen wir ja nicht. Aber alles, was so eine Pampers nicht aufsaugt, macht er auch nicht hinein. Und mit Taxifahrt, Wartezeit, Flug, am Flughafen abgeholt werden usw sind wir dann halt schon gut und gerne 16 Stunden unterwegs. In der Zeit könnte er wohl mal müssen und wenn er dann einhalten muss, wird das seiner Laune nicht unbedingt zuträglich sein... Dann bin ich doch lieber komisch, aber mein Kind ist zufrieden.

Fürs WGT selbst habe ich jetzt schon bei meinen Eltern ein Tragetuch liegen. Und die Manduca nehmen wir ja eh mit. Und meine Eltern haben noch einen Kiwa besorgt (extra in dunkelblau, damit es wenigstens in etwa passt ^^). Allerdings bin ich mir da noch nicht ganz sicher ob es viel Sinn macht, den mit nach Leipzig zu nehmen...

Ansonsten ist uns jetzt aufgefallen, dass ja eigentlich eine Ferienwohnung praktischer gewesen wäre, als ein Hotelzimmer. Dann hätten wir ja eine Küche und könnten für den kleinen Raben Gemüse und so kochen. Jetzt ist es aber so ein kleines bisschen zu spät, um an den Arrangements noch was zu ändern. Naja, beim nächsten mal denken wir hoffentlich rechtzeitig dran. Und wenn er jetzt die 5 Tage mal Brot und Brötchen und leicht essbares Obst und das eine oder andere Gläschen bekommt, statt frisch geriebenem Apfel und selbst gekochtem, wird er schon nicht eingehen.

Aaaahhh, ich freue mich so und ich bin so aufgeregt!

Dienstag, 19. April 2016

Gothic Friday: Die Bürogruftine

Diesen Monat ist Marion Levi Gastgeberin des Gothic Friday auf Spontis. Und das Thema ist eines, über das ich mir früher sehr den Kopf zerbrochen habe und bei dem ich heute keine Kompromisse mehr eingehen will und wohl hier in China ein wenig verwöhnt wurde: Gothic sein und arbeiten.
   
Welchen Beruf übst du aus oder strebst du an?
 
Ich wollte irgendwann mal Psychologie studieren und habe dann aber begriffen, dass ich dazu selbst zu verkorkst bin. ;)
 
Dann wollte ich irgendwas mit Finanzen / Controlling machen. Denn ich mag Zahlen. Und ich wollte lieber mit Zahlen als mit Menschen arbeiten.
 
Aber, wie das Leben so spielt, ich ging nach China. Und hier bin ich - durch ein Praktikum in einem Startup und dortigen Bedarf - im Kundenservice gelandet. Jetzt ist mein Jobtitel "Senior Customer service executive" und ich arbeite bei einer großen OTA (online travel agency). Als Senior inzwischen zum Glück endlich nicht mehr im direkten Kundenkontakt. Außer, jemand verlangt unbedingt mit dem "Manager" oder "Vorgesetzten" zu sprechen. Das wäre dann doch noch ich...
  
Es gibt im Büro nicht immer blauen Kuchen. Aber wenn, dann passt meine Zunge hinterher zu meinen Haaren. 

(Wie) Lassen sich Gothic und Beruf verbinden und ist das überhaupt wichtig?
 
Ganz ehrlich und echt nicht blöd gemeint, aber ich verstehe die Frage nicht ganz, glaube ich. Ich bin Goth und ich habe einen Beruf. Punkt. Inwiefern ich mein Privatleben auch im Beruf ausleben kann, variiert ja sowieso von Beruf zu Beruf.
 
Wenn mein Beruf einen Dresscode erfordert - sei es Anzug und Schlips, Uniform oder Laborkittel oder sonstwas - dann ist das halt so. Aber dann ist das ja nicht nur für Gothics so. Wer privat am liebsten Baggypants oder kunterbunt geblümte Rüschenblusen trägt muss sich dem ja genauso beugen.
 
Wenn ein Beruf es erfordert, dass man aus hygienischen Gründe oder für die Sicherheit keine Piercings tragen kann, dann ist das halt so und die Ottonormalkollegin mit Nasenstecker muss den ebenfalls entfernen.
 
Und dass einem der Arbeitgeber die Musik vorschreibt, die man hören darf, habe ich noch nicht gehört. Ok, außer vielleicht als Tontechniker. Da muss man halt dann schon mit dem arbeiten, mit dem man arbeiten muss... ;)
 
Und schließlich ist Gothic kein Modestil, sondern ein "style of life". Und mit welcher Einstellung ich durch das Leben gehe ist und bleibt meine Sache. Ob ich sonntags zum Flohmarkt fahre oder über den Friedhof spazieren, welche Bücher ich lese oder Filme ich sehe. Worüber ich nachdenke und mich unterhalte. Welche Menschen ich mag. Was mich bewegt. Was mir wichtig ist und woran ich glaube. All diese Dinge (und mehr) machen es doch aus, Gothic zu sein. Und die haben mit dem Beruf, den man ausübt, in aller Regel überhaupt nichts zu tun.
 
Und wenn doch ein Beruf sich nicht mit meiner Lebenseinstellung vereinen lässt, dann kann ich diesen Beruf nicht ausüben. Aber das sollte wirklich die Ausnahme sein. Und auch das trifft eben wieder auf alle Menschen gleichermaßen zu und ist kein "Gothic-Problem". Ein überzeugter Tierschützer wird wohl kaum im Schlachthof arbeiten und für wen Monogamie einen hohen Stellenwert hat, der wird wohl keine Sexarbeit machen. Wer den Kapitalismus ablehnt und findet, dass Banken das personifizierte Böse sind beginnt wohl kaum eine Lehre bei der Sparkasse. So als Beispiel.
  
Da im Kundenservice an Hotline und per Mail nix dagegen spricht: Warum nicht mit frischem Tattoo ins Büro?! 

Trotzdem gilt für mich:
 
Welche Abstriche nimmst du bei deinem Äußeren im Kauf oder würdest du in Kauf nehmen?
 
Keine.
 
Also nicht mehr.
Als ich mit 17/18 versucht habe, einen Arbeitgeber für ein duales Studium zu finden, habe ich mich bei jedem Vorstellungsgespräch regelrecht verkleidet. Ich hatte einen mintgrünen und einen roten Hosenanzug. Ok, auch einen schwarzen mit Nadelstreifen. Den habe ich dann aber nur mit weißen Blusen angezogen. Bloß nicht schwarz! Alles, bloß nicht schwarz, damit die auf keinen Fall einen falschen Eindruck von mir bekommen.
 
Zu der Zeit hatte ich keine Tattoos, aber hätte ich welche gehabt, hätte ich sie abgedeckt und versteckt.
 
Nicht verstecken konnte ich hingegen meine Haare. Ok, den Undercut schon. Den hat keiner gesehen. Aber ich hatte halt schwarze Haare und einen roten Pony. Das klingt jetzt vielleicht nicht soooo krass. Aber es reichte aus, dass ich in einem Vorstellungsgespräch mal gefragt wurde, ob ich denn damit zurechtkommen würde, dass die Firma "für traditionelle Werte steht". Ok, der gleiche Personaler fragte mich im gleichen Gespräch noch, ob ich nicht später mal Kinder haben will und wie ich das dann mit der Arbeit unter einen Hut zu bringen gedenken würde (mal abgesehen davon, dass solche Fragen unzulässig sind: Ich war zu der Zeit gerade einmal 18 Jahre alt und noch nicht mit der Schule fertig. Hallo?!).
 
Damals hat mich das verunsichert. Heute bin ich froh, dass ich die Stelle nicht bekommen habe. Denn ganz ehrlich: Wie glücklich könnte ich denn mit einem Arbeitsplatz sein, an dem ich jeden Tag 8 Stunden Theater spielen muss?!
 
Heute habe ich zwei große Vorteile: Ich SEHE keine Kunden oder Partner und ich bin in China.
 
Für meine Einstiegsstelle bei meinem jetzigen  Arbeitgeber kam ich mit lilanen Haaren zum Vorstellungsgespräch. Ja, gut, auch meine Bluse war lila statt schwarz, aber das lag auch daran, dass die leichter ist und es heiß war.
 
Und letztes Jahr hat mir der Teamleiter, der damals das Gespräch geführt hat, erzählt, was sein Eindruck dazu war: "Such a bright young woman with such a bright haircolor!".
 
Und bis heute gehe ich so zur Arbeit, wie ich mich wohl fühle. Ich trage meine Haare in einem seitlichen Dutt, der meinen Sidecut offen lässt. Ich hatte lilane, türkise und wieder lilane Haare. Ich trage schwarz. Und Samt und lange Röcke und Spitze und alles genauso wie Hosen und Blusen oder Leggings und Longshirts. Einfach das, was mir gefällt. Ich trage meine Tattoos offen und lege den Schmuck an, nach dem mir ist.
 
Und ich würde es nicht mehr anders machen. Klar, ich wäre bereit, mich sofern nötig eleganter zu kleiden. Mehr busines und weniger casual. Kein Problem. Sogar einen anderen Scheitel würde ich mir ziehen, um den Sidecut zu verdecken, wenn ich jemals Kundentermine hätte. Und wenn nötig auch für bestimmte Termine lange Ärmel wegen der Tattoos tragen. Wenn es unbedingt sein muss. Für bestimmte Termine. Nicht jeden Tag. Und bitteschön weiterhin mit meiner Haarfarbe, meinen Tattoos, meinem Schmuck und in schwarz. Das bin ich. Punkt.
 
Und wenn ein Arbeitgeber damit ein Problem hat, dann ist es nicht der richtige Arbeitgeber für mich.
 
Wenn ein Arbeitgeber ein Problem mit Müttern hat, dann ist es ja auch nicht der richtige für mich.
 
Klar, meine Arbeitskraft ist die Ware auf dem Arbeitsmarkt und die Arbeitgeber sind die Käufer. Und jedes Produkt muss irgendwie attraktiv sein, um Käufer zu finden. Aber ich bin ziemlich überzeugt davon, dass ich meine Arbeitskraft auch in einer schwarzen Verpackung an den Mann bringen kann, ohne dabei zum Ladenhüter zu werden. Besser, als eine Mogelpackung zu sein.
 
Ich bin halt nun einmal ich.
 
Und wenn ich irgendwo arbeite, dann arbeite ICH dort. Und nicht ein gefaktes Abziebildchen von mir im mintgrünen Hosenanzug.
  
Nein, das ist kein mintgrüner Hosenanzug. 

Welche Vorurteile oder Probleme tauchen im Umgang mit Chefs, Kollegen oder Kunden auf?
 
Naja, ein duales Studium habe ich nicht bekommen. Allerdings bin ich mir recht sicher, dass daran nicht mein roter Pony Schuld war.
 
Und seitdem habe ich nie irgendwelche Probleme gehabt.
 
Mit Kunden habe ich nur per Email oder Telefon zu tun und von Vorgesetzten und Kollegen habe ich durch die Bank hauptsächlich positives Feedback bekommen.
 
Der einzige negative Kommentar war einmal, dass ich immer so böse schaue und immer die Ohrstöpsel zum Musik hören drin habe, wenn ich nicht gerade am Telefon bin und dass deshalb ein paar junge, neue Kolleginnen ein bisschen Angst vor mir hätten. Ich sollte doch einfach mal Hallo sagen, damit sie merken, dass ich eigentlich total nett bin und sich trauen, mich um Hilfe zu fragen, wenn sie was nicht wissen. Hab ich dann auch gemacht und gut war's.
 
Bei meiner letzten Bewerbung zum Teamleiter habe ich die Gruppe von TLs, für die ich eine Präsentation gehalten habe, ganz gerade heraus gefragt, ob sie glauben, dass mein Äußeres ein Problem sein könnte. Und sie haben das alle klar verneint.
 
Ich weiß nicht, ob da auch der China-Bonus eine Rolle spielt. Hier ist die Gothic-Szene so unbekannt, dass keiner damit was anfangen kann. Und keiner dementsprechend irgendwelche Vorurteile hat. Klar bin ich ein "Exot". Aber da ich ja sowieso ein Laowei bin, stört sich da keiner dran. So wie es in Deutschland seltsam wäre, wenn jemand in einem klassisch Chinesischen Kleid rumlaufen würde. Bei einer Chinesin würde aber kaum jemand die Augenbrauen heben.
 
Zudem brüstet sich meine Firma auch ganz offensiv damit, eben offen und tolerant und international zu sein und Menschen nach ihren Fähigkeiten und ihrem Potential einzustellen und zu fördern, statt nach ihrem Aussehen (oder ihrer Herkunft / Religion / sexuellen Orientierung /...).
 
Bis jetzt bekam ich von Kolleginnen hauptsächlich zu hören "I LOVE your hair!". Und allgemein einfach Nachfragen dazu, wie und wo ich mir die Haare färbe, was meine Naturhaarfarbe ist, ob das Tätowieren sehr weh tut, welches Tattoostudio ich empfehlen kann, wie ich den Sidecut nachschneide usw. Außerdem, ob ich Rammstein bzw. Lacrimosa kenne, weil der jeweilige Kollege die jeweilige Band super findet. Und was der eine oder andere Titel bedeutet. Auch gab es die eine oder andere ehrlich neugierige Nachfrage, was für Musik ich denn höre (wenn kein Metal, wovon die meisten ausgingen).
 
Zur Geburt des kleinen Raben hatte mein Team dann sogar extra "passende" Geschenke für uns ausgesucht - einen Schädel, einen Zombie und eine Spinne aus Plüsch und eine Fledermaus-Decke.
 
Also Neugier und Akzeptanz statt Vorurteilen und Problemen.

Und sogar mein Büro-Avatar trägt Sidecut. Wenn auch eher zufällig.

Samstag, 16. April 2016

Und der Haifisch...

... Ist bald nicht mehr der einzige, der Zähne hat und die auch noch im Gesicht trägt.
 
Seit heute scheint beim kleinen Raben unten links ein Zähnchen durch. Und wenn man genau drauf achtet, kann man es auch erstasten.
 
Oh Gott, mein Baby wird groß! Das ist so toll und so spannend und so beruhigend und so erschreckend und macht mir Angst und macht mich glücklich. Alles auf einmal.
 
Und außerdem hat er heute zum ersten Mal auf die Aufforderung, mir bitte etwas zu geben, reagiert. Er hatte gerade die Box zu einem Schnuller in der Hand und war dabei, sich den Finger darin einzuklemmen. Nicht dolle, aber halt auch nicht angenehm. Ich streckte ihm die Hand entgegen und sagte "Gib mir das bitte." Und er streckte tatsächlich die Hand mit der Box aus, bis sie in meiner Handfläche lag, und ließ dann los. Ganz verdattert machte ich die Box fest zu und gab sie ihm zurück. Er nahm sie dann auch wieder und haute damit weiter auf die Blechkiste.
 
Und noch eine Premiere gibt es. Der kleine Rabe hat nämlich Gestern sein erstes Selfie geschossen. Das ist dann wohl jetzt diese Generation. Nun denn...  Im Taxi auf dem Heimweg von der Spielgruppe fing er dann doch an, zu weinen. Klar, ihm war heiß und er war müde. Und vielleicht plagte ihn auch der Zahn. Um ihn zu unterhalten schaltete ich die Frontalkamera am Handy ein und ließ ihn sich selbst beobachten. Das findet er nämlich total spannend. Und dabei hat er selbst letztendlich auf den Auslöser gedrückt. Ein waschechtes Selfie also:


Freitag, 15. April 2016

So ein guter Tag

Ich weiß ja nicht, ob man es mir hier so anmerkt. Aber ich war in den letzten Wochen recht oft recht unzufrieden. Irgendwas war irgendwie immer.
 
Aber heute war einfach nur ein richtig schöner Tag. Besser geht es kaum.
 
Heute Morgen war ich mit dem kleinen Raben bei einer Spielgruppe hier. Das war sehr schön. Wir waren mit vier Müttern und fünf Kindern zwischen vier Monaten und zwei Jahren auf dem Spielplatz. Der kleine Rabe hat dort zum ersten Mal Grashalme abgerupft (und versucht, sie zu essen) und ist am Ende leider aus dem Sitzen umgefallen. Er hat sich nicht wirklich wehgetan, aber härter als das Bett zu Hause war es halt schon. Also musste ich ihn ein bisschen trösten. Aber es war trotzdem einfach schön.
 
Für mich sehr spannend war übrigens der andere, fast gleichalte Junge. Der hat bereits 6 Zähne, krabbelt wie ein Weltmeister durch die Gegend und zieht sich zum Stehen hoch. Dafür redet oder brabbelt er aber offenbar nicht. Also gar nicht.
 
Bis ich nach Hause kam, hatte das Haselchen schon den Staubsauger repariert, den Abfluss in der Badewanne gereinigt, gespült, gewaschen, Wäsche aufgehängt und mein Bett frisch bezogen. ❤ Ganz ehrlich, so einen Mann muss man erstmal finden.
 
Der kleine Rabe schlief dann erstmal beim Stillen ein und pennte 1 1/2 Stunden an der Brust. Wir beschlossen derweil (über Wechat kommunizierend), Sushi zu bestellen und im Compound zu picknicken.
 
Nachdem der kleine Rabe aufgewacht war, hielt ich ihn erstmal ab. Und er drückte sich seit drei Tagen zum ersten Mal wieder aus. Man glaubt ja echt nicht, wie oft man als Eltern über Scheiße nachdenkt und redet... Oder eben davon erleichtert ist.
 
Danach fuhren wir mit Baby, Picknickdecke, Nudeln und Sushi beladen nach unten und breiteten uns auf der Wiese direkt vor der Tür aus. Wir aßen vier Portionen super leckeres Sushi bis wir beide pappsatt waren (für umgerechnet rund 14 Euro - das wird mir wohl später in Deutschland fehlen...). Der kleine Rabe kaute ein paar Nudeln mit Tomatensauce (und spuckte etwa die Hälfte wieder aus). Und wir saßen auf der Decke, redeten kitzelten und kuschelten unser Baby und genossen einfach den freien Tag mit gutem Wetter und nicht schlechter Luft.
  

Dann habe ich noch mit dem kleinen Raben zusammen gebadet und jetzt haben wir Barbecue bestellt (fleischlos für mich...) und schauen House of Cards.
 
Oh, und dann muss ich mir noch den Nacken mit Aloe Vera eincremen, weil ich einen Sonnenbrand habe. Hihi. :)

Mittwoch, 13. April 2016

Carpe diem im April

Wir haben am letzten Samstag endlich die Picknick Saison eingeleitet und eines unserer "Carpe diem" Gothic Picknicks veranstaltet.
 
Das war sehr schön. Also wirklich. 
  

OK, es war bis auf ein neues Mädel niemand pünktlich. Die Ärmste hat eine geschlagene Stunde an der Kreuzung herumgestanden. Vielleicht hätten wir ihr sagen sollen, dass bei uns nie einer pünktlich kommt. Wir haben es echt versucht. Also früher. Aber nachdem wir uns so oft abgehetzt haben, nur um dann selbst ne Stunde auf den Rest der Meute zu warten (die erst dann verkatert aus dem Bett gefallen sind, als wir uns eigentlich schon treffen wollten) und jetzt mit Baby ja wohl echt die beste aller Entschuldigungen haben, kamen auch wir nicht pünktlich. Waren aber trotzdem noch vor allen anderen da...
 
Ich hatte ein Rosinenbrot gebacken, das wir zu Hause vergessen haben. Und super tolle Müsli-Muffins nach einem Rezept von der ÖkoHippieRabenmutter. Das Haselchen hatte Tortilla gemacht.

Der letzte überlebende Muffin

Und so saßen wir dann gemütlich im Grünen. Der Rest der Mannschaft trank Wein und Gin Tonic, während ich mich an Wasser und Tonic hielt. Der kleine Rabe ignorierte das extra mitgebrachte Gemüse, bzw. spuckte es elegant auf mein Kleid, futterte aber über den Tag fast 2 ganze Muffins. Und ein bisschen Brot und das erste Stück Käse seines Lebens. Die Erdbeeren landete auch wieder auf meinem Kleid. Wir stillten gemütlich auf der Decke liegend und beinahe wäre er dabei auch eingeschlafen. 

Die Freundin eines Freundes war ganz vernarrt in den Kleinen und wollte ihn ständig knuddeln. Ihm war das aber irgendwie nur so halb geheuer. Er strahlte ständig alle Leute an und streckte die Hand nach ihnen aus. Wenn sie dann allerdings tatsächlich näher kamen, schaute er nur noch kritisch und drehte sich weg. Nur, um dann den nächsten aus der Ferne anzustrahlen.
 
"Verliebt "hat sich der kleine Rabe dann in eine Packung Taschentücher. Ein pinkes Stück Plastik. Pink ist für mich ja so die Hass-Farbe überhaupt. Tatsächlich schon immer gewesen. Aber der kleine Rabe scheint da voll drauf zu stehen. Sein heißgeliebter Igelball ist pink und für die pinke Packung Feuchttücher im Bad wäre er mir schon so manches Mal vom Schoß gekullert oder aus dem Arm geklettert. Und nun diese Packung Taschentücher. Nun denn. Wir haben auch versucht, sie ihm wieder wegzunehmen. Oder gegen etwas anderes zu tauschen. Und dann zu verstecken. Alle entsprechenden Versuche wurden mit lautem Schreien, gefolgt von herzzerreißendem Weinen, quittiert. Also haben wir jetzt hier eine pinke Taschentuchpackung herumliegen, die nix mit uns zu tun hat. Außer, dass das Baby ihre Abwesenheit lauthals bemängelte.
 
Als es für den jüngsten Teilnehmer Zeit für ein Nickerchen wurde, wechselten das Haselchen und ich uns ab, ihn im Kiwa an der Uferpromenade entlang zu schieben. Ich fand es sehr ungewohnt. Ich war ja mit ihm seit fast einem halben Jahr nicht mehr mit Kiwa unterwegs, sondern trage ihn immer. Mein Kreuz fand es aber ganz gut und ich hätte jedes mal dahinschmerlzen können, wenn er für Sekunden die Augen halb geöffnet und dann weiter geschlafen hat.
  
Baby im Kiwa - so ungewohnt... 

Dann habe ich noch einen WTF - Moment gehabt. Also zum Glück nur beobachtet, aber trotzdem... Zwei Chinesische Muttis waren mit ihren beiden Kids, so um die 5 Jahre alt würde ich schätzen, unterwegs. Zuerst die eine, dann die andere Mutter sagte dem jeweiligen Kind etwas, worauf hin dieses in Tränen ausbrach, davon lief und an der nahe gelegenen Anker-Statue laut weinend und schreiend und tobte. Nun denn, so weit, so normal. Manchmal reicht ja der Hinweis auf Kekse alle oder baldige Heimkehr  um bei kleineren Kindern eine so heftige Reaktion zu verursachen. Was dann aber kam, machte mich so stinksauer: Beide Mütter zeigten mit den Fingern auf ihre inbrünstig weinenden Kinder und lachten sie aus! Und nein, das war kein Versuch der Aufheiterung oder sonst etwas, sondern das war ein eindeutiges respektloses und entwürdigendes Auslachen.
 
Argh.
 
Klar, ich bin bestimmt nicht perfekt und mache Fehler und werde auch noch ganz viele machen. Und klar weiß man nie, was an dem Tag oder in der Woche schon alles los war. Aber das fand ich echt so unter aller Kanone. Wenn einer Mama irgendwann mal die Nerven durchgehen und sie laut wird oder so, klar, nicht optimal aber menschlich und verständlich. Aber die beiden Mütter waren total entspannt und haben ihre Kinder ausgelacht. Nicht angelacht, nicht mit ihnen gelacht, nicht einmal über etwas drolliges von ihnen gelacht, sondern sie von oben herab ausgelacht!
 
Argh!
 
Erst war ich sauer und hätte sie gerne angebrüllt und dann hatte ich selbst einen Klos im Hals weil ich mir vorstellen musste, wie sich die beiden Kinder wohl fühlen.
 
Klingt vielleicht doof, aber das hat echt meiner Laune für ein Weilchen einen kleinen Dämpfer verpasst...
 
Aber machst nix. Lächeln und winken. Du kannst sie nicht alle töten oder so...
 
Ok, sorry jetzt für diesen ewig langen Abschnitt für nix.
 
Auf jeden Fall haben wir dann noch weiter beisammen gesessen. Bei Einbruch der Dunkelheit fingen dann die Fledermäuse wie bestellt an, über unsere Köpfe zu flattern und dabei hochfrequent zu "schnattern". Der kleine Rabe und ich fanden sie scheinbar etwa gleich faszinierend und wir starrten beide wie die Blöden in den Himmel und folgten den Tierlein mit den Augen.
 
Als ich dann gegen halb 7 den kleinen Raben in die Manduca packte, um mich auf den Heimweg zu machen, brach auch der Rest der Truppe auf. Die gingen dann noch zusammen in der Nähe essen, aber ich wollte lieber heim. Ein übermüdetes Baby gehört nicht ganz zu den besten Begleitungen beim Abendessen. Das Haselchen nahm die Kühltasche, die Decke und allen sonstigen Kram wieder im Kiwa mit. Er ging dann auch mit ins Restaurant (nachdem ich ihm etwa zweihundertdröfzig mal versichert hatte, dass es wirklich ok ist) und fühlte sich dort mit einem Kinderwagen voller Habseligkeiten ein bisschen wie das Hollywood-Klischee eines Obdachlosen.

Jack und Kühltasche werden geschoben 

Der kleine Rabe wird getragen 

Dienstag, 12. April 2016

12 von 12 April 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Da hilft auch kein Filter. Das Müsli ist lecker, aber hässlich. 

Statt Dementor auf dem Citybike heute Taxifahrt im Regen. 

Mein Schreibtisch. Mit meinem eigenen Arbeits-Laptop. Yeah! 

Mittagessen. Endlich wieder mit Buffet! 

Nach dem Essen pumpe ich ab und wir schalten einen Videoanruf. Der kleine Rabe wartet hier gerade auf sein Essen. 

Ein paar Impressionen aus dem Büro. Shanghai modern

Und traditionel. 


Mein Freund der Baum. Und direkt um die Ecke steht mein Freund der Kaffeeautomat. 

Feierabend. Immer noch Hot seat. -_-

Ich wäre vor lauter Schreck fast über meine eigenen Füße gefallen, aber so ist plötzlich der Boden in der Metro bedruckt. 

Nach Abendessen und vor gemeinsamem Bad muss ich den kleinen Raben ein paar Mal daran hindern, den Kater zu essen. 

Das kommt dabei raus, wenn ich meinem Mann sage "Jetzt hör' doch mal auf, ständig Grimassen zu schneiden und herumzufuchteln. Bleib mal einfach stehen..." Und dabei wollte ich euch einfach nur das Hemd zeigen, das ich heute fertig genäht habe. Fürs WGT. :) 




Montag, 11. April 2016

Von meinem ersten Kuss

Ich bin ganz aufgeregt. Ich habe heute meinen ersten Kuss bekommen. Also nicht allgemein, das wäre ein kleines bisschen ungewöhnlich. Schließlich muss man ja küssen, um schwanger zu werden. Oder so ähnlich.

Und ich denke, dass es ein Kuss war...

Auf jeden Fall hat der kleine Rabe heute zum ersten Mal sein Gesicht an mein Gesicht gedrückt und mir den Mund auf die Wange gepresst.

Er hat damit keine Kussschnute gemacht oder geschmatzt (obwohl er definitiv spitze Lippen machen kann - er macht die tollsten Hasenschnuten!), aber er hat auch nicht versucht, mich zu fressen. Also zu saugen, zu beißen und mich anzusabbern.

Daher werte ich das jetzt einfach als den ersten Kussversuch und freue mich!

Montag, 4. April 2016

Tagebuchbloggen April 2016

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" - hier ist meine heutige Antwort:

0:30 Nachdem ich mich nicht loseisen konnte und ewig Infos zu Tragehilfen gelesen habe (weil wir nächsten Monat zum Heimaturlaub in Deutschland sind und die Manduca langsam klein wird und wir in Deutschland dann ja endlich die volle Qual der Wahl haben werden) ist es jetzt endgültig Zeit zum Schlafen.

5:42 Natürlich haben wir zwischendrin nochmal gestillt, aber jetzt werde ich richtig wach und schaue auf die Uhr. Wir wechseln die Seite und schlafen weiter.

Ich habe einen Alptraum und träume, dass der kleine Rabe aus dem Bett gefallen ist. Er hat sich aber mit den Armen abgefangen und es ist alles ok. Ich habe ein endlos hässliches Tragetuch im Schrank und beschließe, das Binden zu üben. Aber der kleine Rabe nuckelt an meinem Handgelenk und das Licht geht nicht an und dann ist da plötzlich ein Geist, der uns beiden Angst macht.

6:50 Der Wecker klingelt und ich bin erleichtert, dass der blöde Traum vorbei ist. Der kleine Rabe schläft weiter und ich schleiche aus dem Bett. Ich wecke das Haselchen, gebe ihm den Babymonitor, hole mir eine Tasse Kaffee und steige unter die Dusche. Dann mache ich mich fertig.

Kennt ihr noch „Der heiße Draht“? Dieses Spiel, bei dem man eine Metallöse um einen Draht herum bugsieren musste und wenn man den Draht berührte hatte man verloren? So ähnlich fühlt es sich an, BH und Top mit einem frisch tätowierten, roten, empfindlichen Arm anzuziehen! Und was ein Segen danach, einen frischen MuMi-Wickel aufzulegen!

8:06 Stillen

8:15 Zu spät! Zu spät! Aber noch im Rahmen. Vor allem, da ich ja heute Training habe und daher nicht eine Minute nach Shichtbeginn als „Verspätet“ dokumentiert wird. Doof halt, dass mein Rad noch am Büro steht, weil es Sonntag Abend geregnet hat.

8:20 Mir fällt ein, dass heute ja der 5. ist und ich fange an, diesen Post (wie ja eh immer auf dem Handy) zu tippen.

8:52 Ich weiß wieder, warum ich Menschen hasse. Ganz besonders Chinesen in der Rushhour. Hier ein paar Beispiele:

- Etwa 50jährigen mann auf dem Gehweg volle Breitseite angerempelt weil er nur auf sein Handy starrte, rechts von ihm andere Fußgänger, rechts von mir geparkte Mopeds und fliegen kann ich noch nicht...

- Auf der Treppe runter zur Metro fast gefallen weil: Wenn 8 Leute nebeneinander auf die Treppe passen, dann kommen einem von unten jeweils 12 Leute nebeneinander entgegen von denen 10 nur auf ihr Handy schauen und fliegen kann ich noch nicht...

- Slalomlaufen um Menschen am Bahnsteig

- Zug kommt an, Türen gehen auf, Handgemenge beginnt weil: Manche wollen raus, manche (mich inklusive) wollen rein, manche wollen drin bleiben und stehen wie die Esel in der Tür weil sie ja dann bei der nächsten Station raus wollen und deshalb nicht weiter ins Innere des Zugs gehen wollen

- Zug kommt an, Türen gehen auf, Handgemenge beginnt weil: Fast alle wollen raus (mich inklusive), ein oder zwei Leute wollen rein, manche wollen drin bleiben und eine ganz besonders helle junge Dame steht direkt an der Tür, will aber im Zug bleiben, stemmt sich mit alle Kraft gegen die gefühlt dröfzigtausen Leute, die aussteigen wollen und hält sich letzen Endes sogar motzend und schimpfend und keifernd an der Haltestange fest als wäre der Fußboden der Station aus Lava und würde sie kurz aus dem Zug steigen und neben der Tür warten, bis alle ausgestiegen sind und dann wieder einsteigen, würden ihr die Beine wegbrennen

- Gedrängel, Vordrängen und Chaos am Ausgang

Dank der viele lustigen Leute, die mir gegen den Arm gerannt sind, brennt mein Tattoo. Zudem knurrt mir der Magen, aber beim Family mart sind die Bautse alle.

9:03 Ein bisschen zu spät, ohne Kaffee oder Frühstück, aber wir haben noch nicht losgelegt, ich habe minen Laptop dabei und den richtigen Raum auf Anhieb gefunden. Teilsieg.

9:05 Das Training beginnt.

11:25 wir haben noch immer keine Pause gemacht und meine Laune ist im Keller. Meine Motivation sitzt im Weinkeller und trinkt sich einen. Besser wird das alles auch nicht dadurch, dass die Aussprache der – eigentlich total lieben – Trainerin mir tierisch auf den Senkel geht. „Lawyer“ statt „lower“, zum Beispiel. Sowas nervt mich.

11:30 Pause. Kaffee, Früchtetee und Cracker stimmen mich ein bisschen versöhnlicher.

13:00 Lunch. Schnell essen. Heute endlich wieder Buffet und sie haben es sogar geschafft, nicht in ALLES Fleisch oder Wurst zu schnibbeln. Stattdessen Tofu, ich bin seelig. Dann muss ich mich ein bisschen abhetzen, um mein tattoo zu waschen, einen neuen Mumi-Wickeln anzulegen und abzupumpen.

14:05 Ein bisschen zu spät, aber wir haben noch nicht angefangen. Puh. Training geht weiter. Mein Arm brennt derweil. Fuuuu... Großflächige Tattoos sind nicht angenehm!

Während des Nachmittags baue ich immer weiter ab. Ich fühle mich fiebrig und elend, meine Schulter tut weh und ich will nur noch nach Hause.

18:00 Endlich Feierabend! Ich fahre mit dem Rad nach Hause. Mein Geisteszustand dabei: Mein Helm hat eine kleine "Lichterkette" eingebaut. Die funzelt so ein bisschen vor sich hin. Also kein Ersatz für die Trillion an Reflektoren, die das Haselchen überall befestigt hat, oder für richtiges Licht, aber es schadet zumindest nicht. Ich schalte also dieses Licht am Helm ein. Es ist noch nicht ganz dunkel und die Straßenlaternen leuchten schon. Also werfe ich auch einen ordentlichen Schatten. So schaue ich also auf meinen Schatten und grübele vor mich hin, warum wohl das Licht nicht an ist. Ich sehe es ja nicht. Bis mir auffällt, dass Licht keinen Schatten wirft. Ich fahre weiter und ungelogen keine drei Minuten später wieder der selbe Gedankengang. Und das insgesamt drei mal auf dem Weg nach Hause.

18:30 Zu Hause begrüßen mich ein leicht gestresstes Haselchen und ein motziger kleiner Rabe. Wir stillen erst einmal. Ich versuche, ihn abzuhalten, aber trotz Unterhaltungsprogramm von Papa wird nur gebrüllt. Also trage ich ihn durch die Gegend, lasse ihn den Kater betatschen, wir stillen noch mehr und versuchen es noch einmal. Diesmal klappt es. Allerdings kippe ich fast vom Wannenrand. Das Haselchen bringt mir ein Glas Wasser und bereitet die Wanne vor, während ich den noch immer irgendwie nicht ganz ausgeglichenen kleinen Raben bespaße. Eigentlich wäre es ja Zeit für einen frischen MuMi-Wickel... Aber nun denn. Baby geht vor und meine Haut heilt schon. Das tut sie immer. Das Haselchen badet den kleinen Raben ganz fix (ich darf ja frisch gestochen nicht in die Wanne) und geht danach zum Kochen in die Küche. Derweil mache ich den kleinen Raben bettfertig.

20:02 Der kleine Rabe schläft ein. Aber nuckelt und nuckelt und nuckelt. Jeder Versuch meinerseits, mich aus dem Bett zu schleichen, wird mit Suchen im Halbschlaf quittiert. So ist das halt als zweibeiniger Nucki...

20:44 Ich dachte, der kleine Rabe würde nun schlafen. Nun ja, falsch gedacht. Ich schließe die Tür hinter mir und er brüllt los.

21:00 Er schläft wieder ein. Und nuckelt und nuckelt und nuckelt...

21:18 Herzschmelzmoment: Ich küsse den kleinen Raben sanft auf die Wange und er lächelt im Schlaf.

21:20 Ich schleiche wieder aus dem Schlafzimmer. Diesmal erfolgreich. Ich wasche mein Tattoo und lege einen frischen MuMi-Wickel auf. Nicht, dass ich grundsätzlich so Öko wäre, aber von jeglicher sonstiger Pflege (sogar nativem Kokosöl!) bekomme ich derzeit Ausschlag. Einzig feuchte Wundheilung mit MuMi funktioniert.

21:46 Wir beginnen, zu essen. Kartoffeln mit verschiedenem Gemüse und Tomatensauce.

Dabei reden wir über unsere Träume von letzter Nacht.

22:30 Wir beschließen, ins Bett zu gehen. Ich putze mir nur die Zähne und ignoriere Vorhaben wie Gesicht waschen oder bloggen.

22:43 Ich gleite ins Land der Träume.

Samstag, 2. April 2016

9 Monate kleiner Rabe

Ach mein süßer kleiner Kerl, wo ist denn der letzte Monat hin? Oder überhaupt, die ganzen letzen 9 Monate? Jetzt bist du schon länger auf der Welt als wir wussten, dass du in meinem Bauch warst. Und man merkt ganz deutlich, dass du von einem kleinen, hilflosen Baby zu einem richtigen kleinen Jungen wirst.

Du hast richtige Launen und lachst manchmal so unglaublich niedlich über die tollsten Sachen (wie das Geräusch, wenn jemand Nüsse isst oder auf den Boden spuckt) oder wirst motzig, wenn wir versuchen, dich zu kitzeln und du gerade keinen Lust darauf hast. Du kreischst ohrenbetäubend laut, wenn du Essen willst und (zum Wehmut deiner Mama) forderst immer öfter auch "richtiges" Essen ein. Stillen ist schön und gut und lecker, aber Milch reicht dir alleine nicht mehr aus, um satt zu sein. der absolute Renner sind bei dir derzeit Haferflocken. Aber auch Brot, Gemüse, Nudeln und jetzt sogar Eier und Hühnchen stehen auf deinem Speiseplan. Manches magst du lieber breiig (geriebener Apfel oder pürierte Lotuswurzel zum Beispiel), anderes am Stück (Mandarinen, Brot, Nudeln,...). manchmal isst du selbst (z.B. Brot, aber du steckst dir auch mal den Löffel in den Mund), meist bestehst du aber darauf, gefüttert zu werden. Wir machen uns da jetzt nicht wild sondern essen einfach gemeinsam so, wie du es magst und am Ende satt und zufrieden bist.

Sogar Rosinenbrot (mit wenig Zucker und Vollkornmehl gebacken) hast du schon mit uns gegessen - und zu unserer Entzückung dabei eine einzelne Rosine ganz gezielt mit Daumen und Zeigefinger in einem ordentlichen Pinzettengriff hochgehoben und dir in den Mund gesteckt.

Und nach Rote-Beete-lotus-Kartoffelbrei sahst du aus, als hättest du gerade an einem Zombiewalk teilgenommen, woraufhin wir zum ersten mal zusammen duschen gegangen sind. Deine Babybadewanne kannst du nämlich nicht mehr leiden und für ein gemeinsames Vollbad ist ja nicht immer Zeit (obwohl du es jedes Mal sehr genießt in der Wanne). So ganz hat dich die Dusche noch nicht begeistert, aber es war besser, als ich gedacht hätte.

Und jetzt möchte ich mal ein paar Punkte aus einem Entwicklungskalender aufgreifen, die angeblich Babys mit 9 Monaten so machen:

Das Baby lächelt sein Spiegelbild an und schenkt ihm Küßchen. Es dreht den Spiegel um, um nach seinem Spiegelbild zu suchen. (91%)

- Hmmm... Du schaust in den Spiegel. Du lächelst und lachst in den Spiegel. Aber erstens drehst du dich lieber um, um in die Kloschüssel zu schauen (immer in Erwartung, dass jemand abdrückt, das findest du nämlich total spannend) oder weil gerade irgendwo eine Katze zu sehen ist. Und zweitens: Nein, du gibst deinem Spiegelbild keine Küsschen. Das mache ich auch nicht. Dein Papa auch nicht. Wir sind ja auch nicht auf Intragram... ;-) Überhaupt geben wir keine Luftküsschen. Wir küssen dich. Oder uns gegenseitig. Aber nicht die Luft. Für dich ist wohl der Anblick von Küssen, die auf Füße gegeben werden, bekannter als jener von Küssen in die Luft. Daher wundert es mich jetzt nicht sonderlich, dass du keine Küsschen in Richtung deines Spiegelbildes schickst . Du machst auch keine Selfies mit Duckface. Hoffentlich nie...

Das Baby lauscht auf das Ticken einer Uhr und reagiert auf beiden Seiten durch Kopfwenden. (87%)

- Keine Ahnung. Wir haben keine tickenden Uhren. Also du kannst gut hören. Aber ob du den Kopf drehst kommt auch darauf an, was sonst so passiert. Wenn du gerade etwas ganz spannendes links von dir passiert, dann wirst du einen Teufel tun und nach rechts schauen nur, weil da irgendwas tickt. Oder schnalzt. Oder was auch immer.

Das Baby benutzt beim Greifen kleiner, runder Gegenstände die Fingerspitzen von Zeigefinder und Daumen. (20%)

- Jepp. Nicht jedes Mal, natürlich. Du experimentierst auch mal mit Handrücken und Zeigefinger, oder nur einem Finger (vor allem als du gemerkt hast, wie klebrig so eine Rosine wird, wenn man nur fest genug draufdrückt...), aber klappt.

Das Baby benutzt den Zeigefinger getrennt von den anderen Fingern zum Zeigen. (20%)

- Ersetze zeigen mit "in Mamas Nase bohren" und wir sind bei ABER SOWAS VON!

Das Baby hebt den Kopf aus der Rückenlage für mind. 5 Sekunden. (95%)

- Also nicht, dass wir es schon bewusst gesehen hätten. Ist ja aber auch ungemütlich... Ich mach das ja auch nur, wenn es sein muss.

Das Baby kann für mind. 1 Minute frei sitzen. (94%)

- Gefühlt sitzt du stundenlang herum und sortierst Fingerpuppen (manche gehören offenbar nach rechts, manche nach links, aber keine in die Mitte vor dich), haust eine Plastikflasche auf die Katze, spielst sonst mit irgendwas, schaust herum und brabbelst vor dich hin.

Das Baby zieht sich selbst zum Sitzen hoch. (61%)

- Jein. Also wenn wir dir die Hände hinhalten ziehst du ordentlich mit.

Das Baby setzt sich selbstständig hin, ohne sich dafür irgendwo hochzuziehen oder festzuhalten. (41%) und Das Baby stützt sich beim Sitzen nach hinten ab, wenn es nach hinten kippt. (11%)

- Wenn du halb gesessen hast (zum Beispiel nachdem du dich aus dem Sitzen rückwärts auf eine zusemmengeknautschte Bettdecke hast fallen lassen) schaffst du es ganz alleine, dich mit Situp und Abstützen wieder richtig hinzusetzen.

Das Baby kann sich aus der Bauchlage in Rückenlage drehen. (100%)

- KÖNNEN, ja. Aber trotzdem tust du es nicht. Nicht, wenn wir in der Nähe sind und du nur lange genug meckern musst, bis wir dir helfen oder dich auf den Arm nehmen.

Das Baby versucht vergeblich, mit heftigen Körperbewegungen vorwärts zu kommen. (100%)

- Also was genau du da versuchst können wir ja nicht wissen. Es scheint ja nicht so zu klappen, wie du es willst. Aber du strampelst, stemmst dich hoch und bist am Ende ganz frustriert.

Das Baby kann sich aus der Rückenlage in Bauchlage drehen. (99%)

- KÖNNEN, ja. Machen, nein. Schließlich isses auf dem Bauch ja offenbar irgendwie scheiße...

Das Baby dreht sich auf dem Bauch um die eigene Achse. (89%)

- Jup.

Das Baby zeigt lauf- oder tanzähnliche Bewegungen, wenn es in aufrechter Haltung unter den Armen festgehalten wird. (92%)

- Jup. Du scheinst pogen zu wollen, so wild wie du auf Papa herumhüpfen würdest, wenn dich deine Beine schon richtig halten könnten.

Überhaupt bist du ein richtiger kleiner Flummi geworden. Du hüpfst auch im Sitzen und auf dem Arm immer wie wild herum und freust dir nen Ast, wenn wir mit dir hoppeln.

Zähne hast du trotz all dem Beißen und Sabbern noch immer keine. Dafür kitzeln dich die Haare in den Ohren.

Du schläfst noch immer so etwa 2-3 Stunden am Stück und willst dann wieder stillen. Also mit Glück. Manchmal muss ich auch abends alle halbe Stunde zu dir und bleibe dann meist irgendwann einfach bei dir liegen.

Du passt bald nicht mehr in die Babyschale des Kinderwagens. Als wir dich das letzte mal gemessen und gewogen haben, warst du 73.5 cm groß und 9400 gr schwer. Damit liegst du bei der Größe knapp unter der 85. und mit dem Gewicht etwa auf der 75. Perzentille.

So. Und jetzt habe ich hier genug getippt. Jetzt kuschel ich mich an dich und halte im Schlaf deine zarte, kleine Hand. Und freue mich einfach darüber, dass du bei uns bist.

Ich liebe dich, mein kleiner Rabe. Ich liebe dich so sehr! Ich sage nicht, dass ich für dich sterben würde. Denn dann würde ich dich ja alleine zurücklassen und ich wäre fein raus aus allem. Das wäre ganz schön scheiße. Aber ich würde alles für dich tun. Ich werde immer für dich da sein. Wo immer du auch hingehst, wartet meine Liebe schon auf dich. Ich lebe für dich!