Montag, 2. Mai 2016

10 Monate kleiner Rabe

Gestern Abend saß ich auf dem Sofa und erinnerte mich an den Geburtsschmerz, während du nebenan tief und fest geschlafen hat. Ja, deine Geburt war hart. Für uns beide. Aber ich würde es jederzeit wieder tun! Auf Englisch würde ich sagen „I still can’t wrap my head around it“, dass du mein Baby bist. Dass dieser kleine Junge, den ich statt des hilflosen Säuglings immer mehr in dir sehe, tatsächlich das Baby ist, dass in meinem Bauch gewachsen ist. Das Baby, das erst wie ein Schrimp auf dem Ultraschallbild aussah. Und dessen Gesicht ich zum ersten Mal bei der Feindiagnosik gesehen habe, wie es gerade Fruchtwasser trank und den Mund zum Schlucken auf und zu machte. Das mich spätestens ab dem Urlaub in Thailand mir Vorliebe in die Blase gedrückt und im Bauch am wildestens gestrampelt hat, wenn ich Kürbiscremesuppe gegessen habe. Das Baby, dass in meinem Bauch so oft Schluckauf hatte und mich damit jedes Mal zum Lachen brachte. Das Baby, das so fest treten konnte, dass ich mit dem Essen pausieren musste, und das mich trotzdem jede Nacht soweit in Ruhe (bis auf ein paar unruhige Träume) schlafen ließ. Und das Baby, das ich am 2. Juli mitten in der Nacht nach 19 1/2 Stunden Wehen geboren habe und das mir danach für eine ganze lange Woche ‚weggenommen‘ wurde. Und dann sehe ich dich, wie du im Schlaf nach der Brust suchst und den Mund auf und zu machst und dabei ganz genauso aussiehst wie auf dem Ultraschall. Und du ziehst an meinen Haaren, kratzt in meiner Nase oder piekst mir in die Augen. Und deine mit abstand liebste Leibspeise ist Kürbiscremesuppe. Und du hast oft Schluckauf, der mich jedes Mal aufs neue zum Grinsen bringt und der dich, anders als wohl viele andere Babies, noch nie gestört hat. Du kannst sogar mit Schluckauf stillen und einschlafen. Und obwohl du nachts noch immer viel stillen und jetzt beim Zahnen am liebsten ununterbrochen nuckeln willst, lässt du mich dabei meist schlafen (und ich baue einfach dein Nuckeln in meine Träume ein). Und dann weinst du und willst du auf meinen Arm und ich drücke dich ganz fest. Und ich weiß nicht, ob ich es mir nur einbilde (wie dein Papa glaubt), oder ob auch für dich unsere erste Woche der Trennung noch immer irgendwie schmerzlich nachhallt. Und dann verspreche ich dir, dass ich dich niemals alleine lassen werde und dass ich immer da sein werde, wenn du mich brauchst. Und dann wir mir bewusst, dass du es wirklich bist und alles, was ich denken kann, ist WOW. Ich bin so glücklich, dass es dich gibt. Und ja, ich bin stolz auf dich und auf das, was wir, wir alle drei gemeinsam, geleistet haben. Und mein Herz könnte platzen vor lauter Glück und Freude und Liebe.

Und bevor hier jetzt wirklich irgend etwas platzt und ich mal wieder zu heulen anfange, erzähle ich lieber ein bisschen zusammengefasst davon, wie du dich inzwischen so entwickelt hast.

Du hast deinen ersten Zahn bekommen. Die Spitze schaut inzwischen komplett heraus und wir putzen jeden Morgen und Abend fleißig mit einer Finger-Babyzahnbürste und Wasser. Damit du auch Morgen noch kraftvoll zubeißen kannst. ;-) Auch, wenn ich nach meinen letzten Erfahrungen mit deinem Zähnchen sehr hoffe, dass du das bei mir nicht so oft üben wirst. Weil: AUA!

Du isst immer mehr. Dein Leibgericht ist, wie gesagt, Kürbiscremesuppe. Außerdem Haferflocken. Nur Kuhmilch bekommst du wieder keine mehr, da du - nachdem es zwischendrin so aussah, als würdest du es nun vertragen – davon Hautausschlag bekommst. Du futterst gerne selbst, lässt dich aber auch gerne füttern.

Und das sagt die Entwicklungstabelle, was du inzwischen können könntest:

 

Das Baby lächelt sein Spiegelbild an und schenkt ihm Küßchen. Es dreht den Spiegel um, um nach seinem Spiegelbild zu suchen. (96%)

Nope. Ich frage mich ja noch immer, woher ein Baby die Idee bekommen sollte, seinem Spiegelbild Küsschen zuzuwerfen... Und wenn du etwas interessanteres woanders siehst, dann ist die dein Spiegelbild egal.

 

Das Baby spricht 3 klare Wörter und verwendet sie richtig. (22%)

Jein. Du sagst:

-          Mama: Sehr klar, aber normalerweise nur, wenn du etwas nicht leiden kannst und auf meinen Arm willst

-          Äta: („Das“ auf Russisch) Den ganzen Tag. Non Stop. Vom Aufwachen bis zum Einschhalfen. Dabei deutest du auf alles mögliche und willst offenbar wissen, was das ist. Am häufigsten deutest du auf alle Lampen und Bilderl. Dicht gefolgt vom Stuhl im Schlafzimmer, der Fee auf der Bar, dem Wasserspender, den Schränken, den Hörnern und den Türen.

-          Lustra: („Lampe“ auf Russisch) Den ganzen Tag. Non Stop. Lampen scheinen dich absolut in Ihren Bann zu ziehen und jede Lampe und alles , was Licht macht oder besonders hell ist, wird mit dem Finger bezeigt und als Lustra bezeichnet. Sogar deine Mama, wenn sie in einem weißen Handtuch aus dem Bad kommt. Allerdings ist deine Aussprache nicht immer ganz klar und manchmal klingt es wie „usta“.

-          Mau: Auf die Frage, wie die Katze macht, beginnst du manchmal damit, zu miauen. Nicht immer, aber trotzdem.

Ansonsten versucht du permanent, uns Worte nachzusprechen. Und das nicht nur zufällig geplappert, sondern du übst wirklich konzentriert. Gestern zum Beispiel habe ich dir immer wieder gesagt, dass der Schrank Schrank heißt und du hast immer wieder „sch“ „sch“ „sa“ „san“ wiederholt. Und dabei auf den Schrank gestarrt und nach ein paar Versuchen immer wieder darauf gedeutet und mit „äta“ nachgefragt, wie das Ding da nochmal heißt.

 

Das Baby erkennt seinen eigenen Namen. (20%)

Das könnte wohl sein, aber du ignorierst es dann wohl, dass wir gerade versuchen, dich anzusprechen... ;-)

               

Das Baby lauscht auf das Ticken einer Uhr und reagiert auf beiden Seiten durch Kopfwenden. (93%)

Noch immer nicht mit einer Uhr probiert, aber du hörst definitiv auf beiden Ohren gut genug.

               

Das Baby benutzt beim Greifen kleiner runder Gegenstände Zeigefinger und Daumen ähnlich wie die beiden Schneiden einer Schere. (92%)

Darüber sind wir schon hinaus denn:

 

Das Baby benutzt beim Greifen kleiner, runder Gegenstände die Fingerspitzen von Zeigefinder und Daumen. (59%)

Jupl. Jedes Mal.

 

Das Baby benutzt den Zeigefinger getrennt von den anderen Fingern zum Zeigen. (52%)

Oooohhh jaaa. Und dazu dann „Äta“ „äta“ „äta“ „Lustra!“

 

Das Baby läßt bewußt einen Gegenstand los, z.B. um ihn an einer bestimmten Stelle zu platzieren. (14%)

Jup. Du gibst uns immer öfter bewusst Dinge in die Hand. Dazu hälst du sie uns erst hin. Dann halten wir die flache Hand vor dich, die plazierst den Gegenstand darauf und lässt los. Am häufigsten machst du das mit einer Box (von einer Mundharmonika), die du alleine nicht öffnen kannst. Wir machen sie dir dann auf und du freust dir nen Ast. Außerdem legst du Dinge (Spielsachen, Löffel, Brot, etc.) auf dem Tisch neben dir ab und nimmst sie später wieder.

 

Das Baby kann für mind. 1 Minute frei sitzen. (98%)

Du tust den lieben langen Tag kaum etwas anderes, als frei zu sitzen...

 

Das Baby zieht sich selbst zum Sitzen hoch. (79%)

Fast. Also wenn wir die die Hände geben, dann ziehst du dich an unseren Fingern selbst zum Sitzen hoch.

Das Baby setzt sich selbstständig hin, ohne sich dafür irgendwo hochzuziehen oder festzuhalten. (65%)

Wenn du nicht GANZ flach liegst, dann kommst du mit Armen und einem erstaunlich guten Situp ebenfalls von alleine wieder hoch.

 

Das Baby stützt sich beim Sitzen nach hinten ab, wenn es nach hinten kippt. (30%)

Nope. Du lässt dich gerne mit Schmackes umfallen und findest das voll lustig. Wenn wir dich umzukippen versuchen, dann drückst du dagegen, nimmst aber noch nicht deine Arme hinter dich.

 

Das Baby dreht sich auf dem Bauch um die eigene Achse. (93%)

Ich glaube ja, aber du liegst so gut wie nie auf dem Bauch.

 

Das Baby schafft den "Vierfüßlerstand", d.h. es stützt sich auf Hände und Kniee und hebt den Körper von der Unterlage. (84%)

Nein.

 

Das Baby krabbelt auf Händen und Knien. [Manche Babys überspringen das Krabbeln vor dem Laufen.] (66%)

Nope. Dein Papa glaubt, dass duj das Krabeln einfach überspringen wirst. So langsam glaube ich da auch dran...

 

Das Baby zeigt lauf- oder tanzähnliche Bewegungen, wenn es in aufrechter Haltung unter den Armen festgehalten wird. (96%)

Ja.

 

Das Baby steht auf beiden Beinen, wenn es unter den Armen oder an der Hüfte gehalten wird. (86%)

Nicht wirklich. Du erwartest dann immer, hingesetzt zu werden, und klappst die Beine entsprechend ein.

 

Das Baby zieht sich selbstständig an Möbeln o.ä. hoch . Es bleibt dort stehen, wenn es die Möglichkeit hat, sich fesstzuhalten. (77%)

Nein.

 

Das Baby läuft mit Seitwärtsschritten an Möbeln o.ä. entlang und hält sich dabei fest. (60%)

Nein.

 

Das Baby läuft an der Hand ein paar Schritte. (48%)

Nein.

 

Das Baby kann stehen, ohne sich dabei festzuhalten. (6%)

Nein.

 
Also kurz gefasst: Du bist eine neugierige Quasselstrippe, aber ziemlich bewegungsfaul. Bist halt echt das Kind deiner Eltern... ;-)

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