Dienstag, 24. Mai 2016

Gothic Friday: Von schwarzen Eitelkeiten

Auch, wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte und auch auf Spontis eindeutig darum gebeten wird, diese Diskussion in dem diesmonatigen Zusammenhang nicht breit zu treten, möchte ich nur kurz anmerken: Gothic bedeutet weit mehr als schnöde Äußerlichkeiten.
 
Aber natürlich gehören auch diese doch dazu. Und genau um eben diese geht es im Mai nun. 

Angesichts des Themas fasse ich mich textlich mal so kurz, wie ich es kann.
 
Wie hat sich euer Stil über die Jahre verändert?
- Dazu könnte ich jetzt einen halben Roman schreiben. Aber stattdessen könnt ihr einfach die Bilder unten ansehen. Ich versuche, sie so chronologisch wie möglich zu sortieren. Aber eigentlich hatte und habe ich nicht EINEN Stil. Ich bin recht stillos, wenn man so will... ;)
 
In Sachen Styling (was ja nicht gleichbedeutend mit Stil sein muss) kann ich ausführen:
 
Haare:
Schwarz mit roten Strähnen - schwarz - schwarz mit rotem, dreieckigem Pony - dunkelrot-violett - blond - grau - schwarz mit blondem Pony - schwarz mit lila Pony - blond zu schwarz Farbverlauf - rot - pink - lila - türkis - lila zu türkis Farbverlauf - lila
 
Makeup:
Von fetten schwarzen Flecken über den Augen mit Übung zu fast richtigen Smokey Eyes, manchmal ein paar Eyeliner-Schnörkeleien, ansonsten gleichbleibend Lidstrich, helle aber nicht weiße Grundierung und Lippen irgendwo bei schwarz/rot/violett (kleine Jugendsünden ausgenommen)
 
Kleidung:
Von Polyester und Kunstleder über Lack zu mehr Spitze, Samt und Satin. Korsetts als Konstante.
 
Schuhe:
Von "Stino Schuhen nur in schwarz" über Demonias zu Newrocks und spitzen Schuhen (ich traue mich ja kaum, Pikes zu sagen, aber es scheinen wohl welche zu sein...). Außer im Sommer (meinen Füßen ist es bei Hitze egal, ob Sandalen untrue sind).
 
Oder wie würdet ihr euch gerne herrichten, gäbe es keine Hindernisse welcher Art auch immer (vom Zeitmangel über den konservativen Chef bis hin zur nicht kooperativen/vorhandenen Haarpracht)?
- Dann gerne öfter so oder so ähnlich, wie dieses Jahr Freitag und Samstag zum WGT. Ich habe nämlich einen gewissen Faible dafür, wenn Details zusammen passen... Und außerdem mag ich Reifrock und Korsett wirklich sehr gerne. Aber das ist einfach im Alltag zu unpraktisch und zeitaufwendig.
 
Habt ihr Styling-Vorbilder oder Inspirationen?
- Inspirieren kann mich fast alles. Zum Beispiel ein schöner Stoff, der unbedingt zu einem bestimmten Teil genäht werden muss. Lange Zeit war eines meiner Vorbilder ein Mädel aus meinem Stammclub. Die trug oft Fishtail Röcke, Korsett und Spitzenoberteile und hatte kräftig rote Locken. Ich fand sie einfach nur wunderschön! Außerdem ist Mortitia Addams eine der Figuren, die ich als Schönheitsideal sehen würde.
 
Welche Accessoires sind unumgänglich?
- Ich trage Strumpfhosen wenn, dann nur zerfetzt. Ohne meine Ohrringe, meine 3 Ringe und ganz besonders mein Ankh (das ich schon lange, bevor ich erfahren habe, dass Goths Ankhs mögen, geliebt habe) fühle ich mich nackt. Ein Tropfen Patchouli gehört hinter die Ohren. Kajal muss sein. Und wie gesagt, ich trage einfach gerne Korsett (wenn möglich).
 
So, und jetzt der Teil, auf den ihr doch eigentlich gewartet habt. Fotos:

2004 - Kunstleder und Polyester von Pimkie

2005 -  Mein erstes Kleid aus einem Gothic Store. Trage ich heute noch gerne. 

Mera Luna 2005 - Mein erstes Festival! In selbst genähtem Rock und mit Kunstblut... 

Mera Luna 2006 - Ein Horror in schwarz/weiß

WGT 2008 (von 2007 gibt es keine Fotos) 

WGT 2008 - Ich sage mal besser nichts... Aber immerhin: selbst genäht... 
WGT 2008 -  Irgendwas scheine ich vergessen zu haben... 

2009 in Madrid 

2009 in Madrid - btw eines der ersten Fotos von Haselchen und mir gemeinsam 

2009 in Madrid 

2009 in Madrid - Ja, ich habe eine Schweißerbrille. Lalalalala... 

2009 mal kurz in Deutschland mit Zombie im Steinbruch. Das waren noch Zeiten... 

WGT 2010 - An diesem Tag haben das Haselchen und ich unsere Ringe gekauft.

WGT 2010 - meine ersten falschen Wimpern (man war das ein Krampf, die zu kleben...) 

Mera Luna 2010 - Ein bisschen Spaß muss sein. 

Oktober 2010 - Kurztrip nach Leipzig 

WGT 2011

WGT 2011 

WGT 2011 - Den silbernen Rock trage ich jedes Jahr aus 'Tradition' 

Unsere Hochzeit 2012

WGT 2012 

WGT 2012

WGT 2012 

WGT 2012 

Ausgehen mit Freunden in Shanghai 

WGT 2013 

WGT 2013 

MIDI Festival in Shanghai (bzw auf dem Weg dorthin in der Metro) 

Oktober 2015 - Auf dem Weg zu einer Eröffnungsparty für eine Kunstausstellung

2016

WGT 2016 - Makeup Freitag 

WGT 2016 - Outfit Freitag 

WGT 2016 - Nie wieder Korsett plus Manduca! Meine Hüftknochen tun nur bei dem Gedanken daran weh... 

WGT 2016 - beim Spontis Treffen 


P.S.: Dieser Hinweis sei mir bitte noch gestattet: Ja, die meisten Fotos hier stammen vom WGT. Das heißt aber nicht, dass ich mich nur zum WGT als Teil des buntschwarzen Karnevals verkleide. Aber zu einem besonderen Anlass mache ich mich halt auch besonders zurecht. Ich gehe ja auch nicht im Ballkleid den Müll rausbringen oder in Leggings und Schlabbershirt eine Hochzeit besuchen. Und hier jetzt 20 Fotos von mir im gleichen schwarzen Top, mal mit Rock und mal mit Hose und den wechselnden Haarfarben wäre ja langweilig. Und mich, nach einer durchgemachten Nacht, abgeschminkt, mit Augenringen bis unter die Knie und Pickel auf der Nase - das will doch keiner sehen! ;) 

Kommentare:

  1. Verdammt! Jetzt, wo ich Deine einleitenden Worte lese, fällt mir auf, dass ich genau das getan habe. Goth, würde ich doch endlich mal meinen eigenen Blog lesen :) Stattdessen treibe ich mich bei Mama aus Shanghai herum. An dieser Stelle: Danke fürs Kommen zum Treffen. Auch wenn ich das nicht zeigen konnte und ich mit den ganze Leute vollkommen überfordert war, hat mir Dein Besuch eine Menge bedeutet.

    Schön zu lesen/sehen ist übrigens, Deine Selbstkritik an Deinen Outfits und wie du vom "Verkleiden" zum "Kleiden" mutiert bist. Möglicherweise hattest du damals das Gefühl genau so rumlaufen zu müssen, oder? Heute kommst du mir auf jeden Fall wesentlich authentischer vor :)

    Ein sehr schöner Artikel! Vielen Dank!

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    1. Es hat mich auch sehr, sehr viel Selbstbeherrschung gekostet, eben NICHT über die Fragen Schein vs Sein oder Verkleiden vs Kleiden ins Detail zu gehen. Insbesondere nach so manch einer Debatte in der Facebook WGT Gruppe... Ich weiß nicht, ob mir das nur so vorkommt, weil ich früher nicht darüber nachgedacht habe oder ob es - vielleicht ja auch wegen der entsprechenden Berichterstattung - tatsächlich so ist, aber irgendwie muss man ja als Goth heute überall und ständig betonen, wie unwichtig Äußerlichkeiten sind, dass man wirklich immer schwarz herumläuft und sich nicht verkleidet. Sonst ist man sofort der Karnevalist. Gerade zum WGT. "Wiiiee, du trägst Reifrock und Korsett und Schminke so nicht im Alltag? Du klebst dir falsche Wimpern auf und gehst nicht mit schwarzem Lippenstift ins Büro?! Pah, dann bist du ja gar kein echter Goth, sondern ein verkleideter Karnevals-Poser!" Irgendwo ist es ja - leider - ob einer (so empfundenen) entsprechenden Tendenz verständlich, aber es nervt auch ein wenig...

      Denn mal ganz ehrlich: Das Aussehen ist mit Sicherheit nicht der wichtigste Punkt, aber wäre es so vollkommen egal, wie man herum läuft, wie alle immer tun, würde es mit Sicherheit nicht "schwarze Szene" heißen...

      Aber egal, ich will jetzt auch hier und an dieser Stelle nicht soooo sehr ins Detail gehen.

      Ich würde tatsächlich auch mein Auftreten von vor 10 Jahren nicht unbedingt als "Verkleiden" bezeichnen. Es ist bzw war mehr ein "Experimentieren". Denn nur, weil der Kleiderschrank immer schwärzer wird, ist ja die Selbstfindung noch lange nicht abgeschlossen. Nicht nur meine Outfits haben sich geändert. Ich bin ja auch selbst nicht mehr der gleiche Mensch wie vor 10 Jahren. Damals fand ich ein hautenges Lackoutfit toll und aufregend und habe mich darin sexy und selbstbewusst gefühlt und dabei gelernt, viel von meiner eigentlich sehr großen Unsicherheit abzulegen. Heute möchte ich das so nicht mehr anziehen und das ist genauso ok. Noch bis vor recht Kurzem habe ich ja auch meine Oberweite ziemlich offen zur Schau getragen. Weil ich es schön fand und stolz darauf war. Schon heute käme ich mir dabei ein kleines bisschen lächerlich vor. Zum einen weil Schwerkraft und Ästhetik sich nicht immer so lieb haben und zum anderen, weil ich mit dem Stillen ein vollkommen neues Gefühl, einen ganz anderen Stolz, für meinen Körper entwickelt habe.

      Früher bin ich ja auch auf dem WGT zu Xotox gegangen und habe das "Industrial" genannt... ;)

      Ich denke, die Frage der Authentizität hat auch viel mit dem eigenen Selbstbewusstsein zu tun. Vor 10 Jahren war ich sehr unsicher und ja, ich habe mich bis zu einem gewissen Grad auch hinter einer schwarzen Maskerade versteckt. Aber hätte ich mich damals ganz genau so zurecht gemacht wie heute, wäre dem ganz genau so gewesen. Oder umgekehrt: Heute würde ich auch einen Alptraum in schwarz/weiß "authentischer" tragen, einfach wegen eines anderen (Selbst-) Bewusstseins.

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  2. Schöne Bilder, schöne Kleider (ich wünschte, ich könnte so nähen), und das Haselchen habe ich mir seltsamerweise genauso vorgestellt.

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    1. Vielen Dank. :) Es ist bei weitem nicht alles selbst gemäht auf allen Bildern. Ich nähe eigentlich sehr schlecht. Ein Korsett reißt da viel wieder raus... ;)

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  3. Was die Haarfarbe- und länge schon so ausmacht. Sehr schöne Fotos, hübsche Fledermama!

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