Samstag, 28. Mai 2016

WGT 2016 - Freitag

Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass man mit Kind beim WGT noch weniger planen kann bzw noch viel mehr Zeit einplanen muss, als sonst sowieso schon.

Freitag war das Victorian Village. Eigentlich, ja eigentlich, wollten wir versuchen, um 11:45  dort zu sein, für die Opera für die Kleinen. Uneigentlich schlief der kleine Rabe zu dem Zeitpunkt tief und fest im Hotelbett und ich war fast mit Stylen fertig.
 
Am Morgen frühstückten wir so entspannt, wie das mit Baby im Hotel möglich ist. Bis wir richtig so weit waren, war es dann eigentlich schon fast wieder Zeit für ein Nickerchen für den kleinen Raben. Also stillte ich ihn in den Schlaf. Das Haselchen legte sich daneben und ratzte bald dann auch weg. Der war nämlich am Vorabend auf mein Drängen hin bei der Eröffnungsveranstaltung im Belantis (Freizeitpark)¹ gewesen und erst nach 1 Uhr zurück gekommen.
 
Während also meine beiden Jungs schliefen, begann ich damit, mich aufzuhübschen. Der kleine Rabe schlief und schlief den Schlaf der Gerechten. Also ließ ich mir Zeit und war dann genau pünktlich geschniegelt und gebügelt, um ihn in Korsett, Stehkragen und Reifrock zu wickeln, während das Haselchen mit schlechter Laune glänzte und um uns herum wuselte, um alles nötige einzupacken. Ich war ja im Vorfeld eigentlich nicht so begeistert von der Idee gewesen, den Kinderwagen mitzunehmen. Der erwies sich aber doch als praktischer Packesel. Irgendwann waren wir dann endlich fertig.

Aber bevor es losgehen konnte, mussten wir ja nochmal "nur schnell" zur Agra runter. Ähm... Ja. Wer Leipzig kennt weiß, dass "nur schnell" und "zur Agra fahren" in etwa so gut zusammenpassen wie "Graf Dracula" und "entspannt sich im Sonnenstudio" oder so. Leider verdrängen wir das jedes Jahr aufs Neue. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir normalerweise halt in der Zeit in der Tram ein Bierchen oder einen Wein getrunken haben. Keine Ahnung... Also dödelten wir auf jeden Fall eine gefühlte Ewigkeit in der Straßenbahn gen Süden. Irgendwann kamen wir tatsächlich an. Ich holte noch am Presseschalter vorne mein Bändchen und dann fing es auch schon an, zu regnen. So schnell wir konnten flüchteten wir vor den dicken Tropfen (die übrigens zeitgleich mit Sonnenstrahlen vom Himmel kamen) ins Pressebüro, um noch unsere Ausweise abzuholen und uns dort unter zu stellen.
 
Wir quatschen ein bisschen mit dem Pressesprecher (vor allem über WGT mit Kindern) und ich konnte mich gerade so davon abhalten, "Black Friday" mit einem aufgeregten "I know you from YouTube!" anzuspringen. Auf dem Weg zum Ausgang gaben wir noch ein Interview für den MDR und trafen Margo und Tim. Eigentlich wollten wir jetzt schnellstmöglich zur Tram. Aaaber der kleine Rabe hatte Hunger. Also haben wir nochmal eine Pause gemacht, während der wir dann noch von einem Pressefotografen abgelichtet wurden (Bild ist in der FAZnet gelandet).
 
Danach ging es endlich in Richtung Panometer. Mit ungeschicktem Umsteigen, anderen Besuchern und der Hilfe eines Leipzigers kamen wir endlich im Victorian Village an. Um 16:45. 5 Stunden zu spät. Aber immerhin. Unsere Freundin Julia, die das Ganze hauptsächlich organisiert hatte, freute sich riesig und wir waren von der tollen Atmosphäre hin und weg.
 
Das Viktorianische Picknick auf dem WGT wurde von Jahr zu Jahr mehr zu einem Schaulaufen. Inzwischen sind da fast so viele Fotografen wie Gäste anwesend. Und die Gäste, die kommen, sind meist dann solche, die von einem "Kostüm" fürs WGT reden. Da kräuseln sich mir ja gleich wieder die Fußnägel hoch. Da kommt dann die Stino-Uschi, die sonst das ganze Jahr Jeans und Shirt in "fröhlichen" Farben trägt, zieht sich ein Halloweenkostüm an, eine billige Perücke über und ein möglichst auffälliges Kopfteil auf und fühlt sich dann einmal im Jahr super pöhöse. Ne danke. Eine wirklich schöne Stimmung kommt dabei nicht auf. Und letztendlich sind wir dort dann auch meist mit ner Alditüte voll Wein aufgekreuzt. Nicht sehr stimmig...
 
Im Victorian Village hingegen passte die Location zu den Besuchern und umgekehrt. Dazu dann noch Tische, kleine Wassergläser, Kuchengabeln, Cupcakes und Stoffservietten und sogar ich altes Schweinderl habe meine guten Manieren ausgepackt und mir die Serviette ordentlich auf den Schoß gelegt, gesittet gegessen und mir am Ende sogar die Mundwinkel vorsichtig abgetupft. Tim fühlte sich offenbar in seinem simplen T-shirt so unpassend, dass er sich zunächst auf die Treppe an der Seite gesetzt hatte.
 
Das Haselchen bekam von alledem erst einmal garnix mit. Der war nämlich mit dem kleinen Raben in der Manduca draußen unterwegs und lief vor der Location auf und ab, damit unser Baby in Ruhe und geborgen an ihn gekuschelt schlafen konnte. Er hatte aber auch darauf bestanden, zu gehen, damit ich erstmal das Essen genießen könnte. Habe ich schonmal erwähnt, was für einen tollen Mann und Papa ich da gefunden habe? Ich sage es ihm ja nicht so oft, um ihn nicht zu sehr zu verwöhnen. Aber hier muss ich das unbedingt noch einmal betonen. Hier liest er ja nicht mit. Aber ehrlich, er ist der beste Papa, den man sich nur wünschen kann!
 
Nach fast 1 1/2 Stunden kamen dann meine beiden Jungs wieder rein. Das Haselchen aß erst einmal etwas, während ich die Verkaufsstände ansah. Dann war auch schon fast Feierabend. Ich brauchte wieder Engelszungen, aber ich konnte das Haselchen davon überzeugen, dass ich es auch alleine mit Baby zurück ins Hotel schaffen würde und dass (wenigstens) er doch bitte jetzt mal entspannen, dass Festival genießen und Konzerte schauen sollte.
 
Also trennten sich unsere Wege am Panometer. Er fuhr zum Volkspalast, ich zurück zum Hotel. Auf dem Weg holte ich mir noch einen leckeren Bagel als Dinner und regte mich ein wenig auf. Der kleine Rabe war nämlich schon im Bagel Brothers recht motzig gewesen. Klar, er hatte Hunger und so langsam kam die Schlafenszeit immer näher. Als ich den Laden verließ, stand da eine Rentnerin und fragte, ob sie ein Foto machen dürfte. Ich erklärte kurz, aber freundlich, dass ich das jetzt bitte nicht möchte und schnellstmöglich mit meinem hungrigen und müden Baby ins Hotel muss. Sie motzte irgendwas von "sowas Unhöfliches" und hielt dann wohl beim Vorbeigehen trotzdem einfach drauf. Ich hätte jetzt ja mit ihr diskutieren und sie zum Löschen der Bilder auffordern können. Aber den Stress und die Zeit war es mir nicht wert.
 
Im Hotel aßen und tranken der kleine Rabe und ich ausgiebig und einer von uns schlief dann auch sehr bald. Derweil hatte das Haselchen eine tolle Zeit bei In the Nursery.









¹ Grufties im Vergnügungspark ist jetzt ja so ein Thema für sich. Dazu gab es im Vorfeld wilde Diskussionen. Ich finde die Entscheidung noch immer irgendwie seltsam, weil das für mich einfach nicht zusammen passt. Andererseits: Why not?! Und offenbar war es auch wirklich gut gemacht und eine gelungene Feier. Ich hätte vor allem gerne das Eröffnungsfeuerwerk gesehen. Das hat sogar das Haselchen beeindruckt - und nach 5 Jahren China will das wirklich was heißen!

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