Mittwoch, 8. Juni 2016

WGT 2016 - Samstag

Der Samstag begann wieder mit einem mehr oder minder entspannten, in jedem Fall jedoch ausgiebigen Frühstück, gefolgt von Aufrüschen meinerseits, während meine Jungs beide noch eine Runde pennten.
 
Wie immer zu spät machten wir uns auf den Weg. Es sollte zum Treffen der Russen in der Agra gehen. Vorher mussten wir aber noch ein paar Gläser Babynahrung kaufen. Wie das halt so ist, packten wir im DM dann auch gleich noch drölfzig andere Sachen mit ein. Zum Beispiel ein Moskitonetz und eine Regenabdeckung für den Kinderwagen. Für letzte wurde das Haselchen hier diese Woche schon belächelt (aka begafft, mit dem Finger auf ihn gezeigt, dabei lautstark kommentiert und ggf noch fotografierte/gefilmt). Weil: Sowas scheint man hier nicht zu kennen. Ich habe hier zumindest bewusst noch nie eine Regenabdeckung für einen Kiwa gesehen. Wenn es regnet bleibt man halt drinnen oder hält nen Schirm drüber... Aber nun gut, wollen wir uns da jetzt mal nicht so dran aufhängen.
 
Auf jeden Fall waren wir für die Einkäufe halt in der Innenstadt. Und dort dann doch recht genervt von den Massen an Rentnern, die die Treffenbesucher wie die Affen im Zoo begafften und fotografierten. Klar, das ist eigentlich immer irgendwie so. Aber dieses Jahr empfand ich es als besonders unangenehm und krass.
 
Nun denn, wir schafften es zum Einkaufen und wollten dann eigentlich vor der Oper an der nächsten Haltestelle in die Bahn steigen. Auch da war ich ein wenig unentspannt, weil ein Trupp betrunkener jugendlicher Besucher die halbe Innenstadt mit einer Box auf einer Sackkarre beschallte. Das wäre ja halb so wild gewesen, wenn sie nicht so einen grottenschlechten Musikgeschmack gehabt hätten. Aber so wummerte irgend ein einfallsloses Utztz von Bummbumm durch die Gegend. Ich freute mich schon darauf, wohl dann auch noch mit textlichen Ergüssen der besonderen Art beglückt zu werden, als die Bahn kam.
 
Die fuhr dann aber auch wieder ohne uns ab. Wir hatten nämlich mit dem Wagen nicht mehr hinein gepasst. Also beschlossen wir, zurück zum Hauptbahnhof zu laufen und da dann die nächste Bahn zu nehmen. Gesagt, getan. Und so zuckelten wir bald wieder runter Richtung Agra.
 
Wie zu erwarten, waren wir leider zu spät und kamen gerade an, als das Treffen sich schon wieder auflöste. Hmpf. Aber nun nicht mehr zu ändern. Der kleine Rabe war mittlerweile in der Manduca eingeschlafen und so beließen wir es bei einer kurzen Begrüßung, um dann Richtung Heidnisches Dorf aufzubrechen.
 
Wir waren offenbar nicht die einzigen, die auf die Idee gekommen waren, den Tag im HeiDo zu genießen. Denn es war voll. Aber so richtig rammelvoll. Und gefühlt jeder zweite Besucher war mit Kind unterwegs. Dabei war recht auffällig, dass die allermeisten Leute kein Bändchen hatten. Also "nur" Tagesgäste für das HeiDo waren. Außerdem unangenehm fiel mir auf, dass von den ganzen kleinen Mäusen kaum eines einen Gehörschutz hatte. Klar, hinten auf der Wiese haben wir den dann auch abgesetzt. Da ist es halt so laut wie auf einer Wiese, auf der vielen Leute zeitgleich picknicken. Aber gerade vorne, kurz vor der Bühne, seitlich Richtung Dixies (bei denen mir die Schlange reichte, um meinen Harndrang verschwinden zu lassen) und bei den Ständen dort kann es halt doch auch recht laut werden. Aber auch da habe ich beobachtet, wie winzige Würmchen schreiend im Wagen und kleine Kinder schüchtern an der Hand durch die Gegend geschoben und gezogen wurden. Die sahen irgendwie nicht so glücklich aus...
 
Der kleine Rabe bekam von alledem erstmal nix mit. Der schlief nämlich seelenruhig in der Manduca. Wir breiteten unsere Decke aus. Er schlief. Ich lernte eine wichtige Lektion: Trage niemals, niemals, niemals ein Korsett (schließlich war ich ja ordentlich verschnürt) und die Manduca gleichzeitig. Außer, du hast Bock auf Schmerzen. Genauer gesagt schmerzende Hüftknochen from hell. Mir standen irgendwann die Tränen in den Augen. Und der kleine Rabe schlief und schlief.
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit wachte er endlich auf und wir setzten uns zusammen hin. Das Haselchen holte etwas zu essen und fand Bekannte auf dem Weg. Und ich traf (über Twitter gefunden) die liebe Prinzessin von Traumverliebt und den kleinen Wolf getroffen. Der die ganze Zeit über schlief.
 
Ein wenig stressig war ein Bekannter, der von nüchtern weit entfernt war, und immer wieder fragte, ob er denn nicht doch den Raben mal halten dürfte. Er habe ja auch Kinder und daher Erfahrung. Aber erstens gebe ich mein Baby bestimmt niemanden auf den Arm, der nicht alle Sinne beisammen hat, und zweitens wollte der kleine Rabe das auch sehr eindeutig nicht.
 
Nach einer Weile machte die Prinzessin sich auf, um sich mit ihrem Mann zu treffen. Andere Bekannte schauten noch bei uns vorbei, aber langsam wurde es doch auch kühl und wir beschlossen bald, auch aufzubrechen.
 
Meine Laune war an dem Punkt echt nicht gut. Ich war enttäuscht und genervt von allem. Der WGT Samstag war schon fast rum, also Halbzeit und ich hatte noch nichts, aber auch gar nichts, gesehen. Alles war so langwierige und kompliziert und überhaupt.
 
Aber nichtdesto trotz fuhren wir jetzt erstmal zurück zum Hotel. Dort brachten wir den kleinen Raben gemeinsam ins Bett. Als dieser tief und fest schlief, schlüpfte ich zurück in meinen Reifrock, ließ mich zum zweiten Mal für diesen Tag ins Korsett schnüren und macht mich auf den Weg. Mit der StaBa fuhr ich zur MoBa. Es war kalt und windig und regnerisch, aber ich war wild entschlossen, wenigstens noch ein bisschen Spaß zu haben. Eigentlich hatte ich noch Bock auf mehr Mittelalter-Markt. Am liebsten wäre ich ja zum HeiDo runter gefahren. Aber, das spukte halt doch im Hinterkopf, was, wenn der kleine Rabe nu doch wach wird und ganz urplötzlich im fremden Hotelzimmer Papa zum Beruhigen nicht reicht? Dann wäre ich erstmal eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Also halt doch einfach nur Moritzbastei.
 
Ob der Kälte holte ich mir erstmal einen heißen Met. Direkt am Met Stand dann kam ich mit einem Exil-Leipziger ins Gespräch. Er war auch mit Kind unterwegs. Allerdings war in diesem Falle das “Kind“ mit seinen 18 Jahren vom Alter her näher an mir dran, als der Papa... Wir quatschen und ein wenig fest, schauten der Feuershow zu und dann war es mir doch zu kalt und ich ging zurück. Im Hotel schlief der kleine Rabe tief und fest. Das Haselchen beschloss, zu einem abendtlichen Treffen der Russen zu gehen (das man nachmittags noch beschlossen hatte) und damit war mein Tag dann auch rum.







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