Donnerstag, 23. Juni 2016

Vom Walross, das auszog um die Mama schlafen zu lassen

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, eine Noch-Nicht-Mama. Die fand es total seltsam, wenn Paare in getrennten Schlafzimmern schliefen. Das roch immer nach Streit oder Entfremdung, auf jeden Fall aber Vorbote einer Trennung. Die Noch-Nicht-Mama teilte sich ihr Ehebett mit dem Haselchen. Dann begann das Haselchen erst ab und an, dann immer öfter und immer lauter, zu schnarchen. Bis er sich nachts wie durch zauberhand in ein verschnupftes Walross verwandelte. Die Noch-Nicht-Mama lag ihrem liebsten Walross täglich damit in den Ohren, ein Gegenmittel zu diesem bösen Zauber zu finden. Aber da das Haselchen seine eigene Verwandlung gar nicht mitbekam und so ein Walross nun einmal faul ist, und dieses auch noch sehr stur war, tat sich nicht viel. Und so begann die Noch-Nicht-Mama damit, mit Ohrstöpseln zu schlafen. Das half auch gegen den Krach von nachts um vier wie bekloppt durch die Gegend rennenden Katzen. Ab und an wurde das Walross dann noch geschüttelt, gepiekst oder getreten, wenn es gar zu laut wurde (und sich umdrehen sollte) und das lief mehr oder minder.

Dann kam der kleine Rabe.

Und die Mama konnte keine Ohrstöpsel mehr verwenden. Denn zum einen wollte sie nachts nicht erst dann aufwachen, wenn der kleine Rabe bereits erbittert schreien musste und zum anderen schlief sie auf einmal gar nicht mehr gut, wenn sie nichts hören konnte. Also blieben die Ohrstöpsel draußen. Und die Nächte der Mama wurden zu einer Endlosschleife aus Einschlafen – Aufwachen – Stillen – dem Walross wach beim Schnarchen zuhören – das Walross wachrütteln damit das Schnarchen aufhört und dabei auch das Baby wieder halb wecken – Baby in den schlaf stillen – dem Walross beim Schnarchen zuhören – das Walross treten, damit das Schnarchen aufhört – einschlafen. Irgendwann ging die Mama auf dem Zahlfleisch und hatte keinen Bock mehr. Genauso wenig das Haselchen, dem es jetzt auch nicht sooo viel Spaß machte, jede Nacht in seiner Form als Walross geschüttelt, geschlagen, getreten und angeflüsterbrüllt zu werden.

Und so kam es, dass das Walross auszog, um die Mama schlafen zu lassen.

Und wenn das Haselchen sich heute des nachts in ein Walross verwandelt, dann tut es das im zweiten Schlafzimmer. Und die Mama und der kleine Rabe schlafen im Masterbedroom in aller Ruhe. Bis auf die Katzen. Die rennen noch immer gerne nachts im vier wie bekloppt durch die Gegend.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich noch heute.

Die Moral von der Geschicht: Zieh voreilige Schlüsse nicht!

Kommentare:

  1. "Meiner" schnarcht, dass er sogar Walrösser verscheuchen würde. Man stelle sich ein gut ausgelastetes Sägewerk vor. (Das ist allerdings nicht der Grund, weswegen wir gleich in verschiedenen Stadtvierteln wohnen.)

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    1. Ich stelle mir das gerade bildlich vor: "Schatz, du schnachst so schlimm... Zieh doch bitte drei Straßen weiter!" XD

      Ich befürchte ja, dass da beim Haselchen auch noch was geht... Aber so lange es keine gesundheitlichen Folgen hat, soll es mir mit den getrennten Schlafzimmern ja recht sein...

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