Samstag, 11. Juni 2016

WGT 2016 - Montag

Und auch am letzten WGT Tag waren wir pünktlich zum Frühstück wach. Das ist ja eigentlich total ungewöhnlich für uns. Normalerweise haben wir beim WGT immer bis zum Vormittag gepennt. Hotelfrühstück war dann immer schon lange rum, bis wir da gewesen wären. Aber so ein Baby ist halt einfach früher wach, als ein verkaterter Tween...
Und so frühstückten wir und es wiederholte sich das (fast) gleiche Spiel davon, dass der kleine Rabe dann Nickerchen hielt, während ich mich fertig machte und so weiter. Ich habe das ja jetzt hier ein paar Mal beschrieben, hatte sich auch an diesem Tag nicht geändert. ;-)

Einzig anders war, dass wir heute einen fixen Programmpunkt auf dem Plan hatten, dem wir alle zusammen beiwohnen konnten. Und zwar ging es um 14:00 Uhr zum Spontis Treffen hinter der MoBa. Und tatsächlich: Wir waren pünktlich! Und es war sehr schön. Der kleine Rabe und ich saßen zusammen mit der Prinzessin und dem kleinen Wolf sowie dem sonstigen anwesenden Nachwuchs in der Krabbelecke auf Picknickdecken. Der Rabe zerkrümelte fröhlich ein Brötchen (oder „erlegte“ es, wie einer der Anwesenden so schön sagte), verweigerte aber seinen mitgebrachten Brei recht hartnäckig. Ebenso den anderen Brei und die Banane. Dafür wollte er gerne Gras essen (was ich ihm nicht erlaubte) und Stillen (was wir dann auch taten).

Insbesondere beim WGT fand ich es ja sehr entspannt mit dem Stillen. Da, wo ich vor ein paar Jahren selbst mit nichts als Nippelpasties unter einer transparenten Bluse herumgelaufen bin und wo man das so oder so ähnlich an allen Ecken sieht, stärt es halt auch wirklich keinen, wenn ein Stück Brust irgendwoe hervor blitzt. Und dazu kommt halt auch noch, dass der durchschnittliche Schwarzkittel – allen Unkenrufen zum Trotz empfinde ich es auch nach über einem Jahrzent noch so – halt auch einfach tolerant ist. Leben und leben lassen.

Gerade, als wir fast mit dem Stillen fertig waren, rief dann der liebe Robert zum berühmt-berüchtigen Pikes-Sitzkreis auf. Er meinte, ich solle doch das Haselchen sich kurz um den Kleinen kümmern lassen (der hatte nämlich keine spitzen Schuhe an und durfte/musste somit nicht mit aufs Bild). Aber so gerne er auch würde – stillen kann das Haselchen halt nicht. Zudem war er in dem Moment gerade unterwegs, um Futter zu holen. Ernährer der Familien und so. Wenn ich schon die Brötchen verdiene, dann geht er sie halt kaufen... ;-)

Also stillten wir noch fertig, ich schnappte den kleinen Raben und wir setzten uns (nach ein wenig Verwirrung darüber, wo ich würde sitzen können) mit in das Ei. Einen Kreis konnte man es dieses Jahr echt nicht nennen... ;-) Nach ein paar Fotos war auch schon alles wieder vorbei. Also der Sitzkreis. Das Treffen ging natürlich weiter. Und auch die Sonne hatte ein Erbarmen mit den dieses Jahr doch recht schlechtwettererprobten Grufties und schien fröhlich auf die versammelte Gruftischar. Denn, das muss man schon sagen, die Leser- und Schreiberschaft der Spontis gehört zu den Leuten, die ich auf dem WGT sehr gerne sehe. Da ist nix mit schlechter Musik, viel zu laut aus Boxen auf einer Sackkarre oder besoffenen, total unlustigen Peniswitzen, die durch die Straßenbahn gebrüllt werden. Also ch meine nichts gegen Peniswitze im Allgemeinen. Aber sie sollten halt auch witzig sein. Und nicht nur deshalb, weil jemand Penis sagt. Über diesen Humor sollte man so ab dem 13. Geburtstag nun doch langsam hinweg sein. Aber genug davon, eigentlich wollte ich ja von den Spontis schreiben. Und eigentlich wollte ich ja nur kurz ein Gespräch zitieren, dass ich mit dem Haselchen zu selbigen hatte (und der kann noch nicht einmal alles verstehen, was da so geschrieben wird). Normalerweise bezeichnet das Haselchen alles und jeden immer als „herki“. Das ist Russisch für sowas ähnliches wie Poser-Gothics. So Claudi666 (kennt die eigentlich noch wer heutzutage?). Aber nachdem er kurz zuvor bei unserer Planung zum WGT noch von den „Pikes-People“ gesprochen hatte, rutsche es ihm dann doch noch heraus: „So we go and meet with the real goths?” „Did YOU just actually call anybody ‚real goths‘?“ „Well, if anybody is, then those people are...“.

Die Zeit verflog (wie immer mit netten Menschen) und bald wurde der kleine Rabe wieder ein wenig motzig weil müde. Aber beim Sitzen auf der Wiese würde er bestimmt nicht schlafen können. Also packten wir alles zusammen und machten uns auf den Weg Richtung Hotel. Nach einem kurzen Pitstop dort ging ich diesmal alleine los. Ich wollte im Schauspielshaus Saeldes Sanc und Ernst Horn sehen. Das Haselchen würde derweil den Raben in den Kiwa packen und in den Schlaf spazieren.
 
Eigentlich müsste ich ja wissen, wo das Schauspielhaus ist und wie ich da hin komme. Schließlich fahre ich seit 2007 zum WGT und war auch zwischendrin mal in Leipzig. Eigentlich ja. Also theoretisch. Praktisch hingegen und unter leichtem Zeitdruck war ich extreme froh, dass ich Internet auf dem Handy hatte. Und die WGT Guide App. Und Google maps. Und das alles zusammen so wunderbar und ganz ohne VPN funktionierte, dass ich einfach zwichendrin auf der Karte schauen konnte, wo ich lang muss. Göttlich! Unterwegs versuchte ich, mich zu erinnern, wie das beim ersten Mal war. Aber ich weiß nicht mehr, wie ich ganz ohne Smartphone mein aller erstes WGT überstanden habe. Da war damals wohl die ganze Aufregung im Vorfeld irgendwie gerechtfertigt... Und ich glaube, ich hatte auch so hilfreiche Ausdrucke mit dabei. Also so echte auf Papier. Mit den Tramstationen und einer Karte, weil ich ja im Forum schon vorher gelesen hatte, dass die Karte, die man mit dem Programm bekommt, nicht so ganz das Wahre ist.
 
Ich erreichte das Schauspielhaus noch rechtzeitig, marschierte mit einigen anderen Besuchern die Treppe hoch zu den Rängen und musste innerlich ein wenig grinsen. Saeldes Sanc macht sowas Richtung mittelalterliche Musik (singt zum Beispiel auf Mittelhochdeutsch). Wie der „Kenner“ wohl beim dazu geschriebenen Namen „Ernst Horn“ gemerkt haben wird (das ist sozusagen der „Kopf“ hinter Helium Vola und Qntal). Und just zu so einem Konzert stampfte nun vor mir ein Glühwürmchen, also ein Cyber, mit neongrünen Puschel-Sachen und Gasmaske die Stufen im Theater hoch. Aber nun denn.
 
Das Konzert war dann sehr schön. Eine wunderschönen Frauenstimme, zwei Klaviere, zwei Trommler, die sichtlich Spaß an der Sache hatten. Insgesamt schienen die Musiker mit Freude dabei zu sein. Währned der „Anmoerationen“ zwischen den Stücken klang die Sängerin immer mal wieder vor Lachen so, als sei sie kurz vorm Heulen. Sehr gelungen fand ich auch die Abwechslung von fröhlichen und traurigen Stücken.
 
Ok, tolle Wurst. Jetzt habe ich einen Ohrwurm. Beziehungsweise gleich zwei. Und zwar eigentlich jetzt schon seit 2 Tagen, weil ich diesen bericht über mehrere age verteilt geschrieben habe. Und seit ich an das Konzert gedacht habe, singe oder summe ich in Dauerschleife „Du bist min, ich bin din. Das sollst u gewiss sin. Du bist beslossen…“ und zwischendrin hüpfe ich “Tandaradeii” trällernd durch die Gegend.
 
Woran man dann wohl auch merkt, welche Stücke einen besonders bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben...
 
Nun denn. Nach dem Konzert war der kleine Rabe von seinem Nickerchen schon wieder aufgewacht. Aber er war ja jetzt erstmal wach. Also gingen wir noch ein wenig spazieren. Zu gerne wäre ich nochmal auf die MoBa hoch gegangen. Einen Rosen- oder vielleicht Holuderfederweißen hätte ich gerne nochmal probiert. Außerdem wollte ich gerne noch eine Flasche Met kaufen, um sie mit nach hause zu nehmen. Aber als wir dort ankamen, konnten wir beobachten, wie bereits Stück für Stück alles abgebaut wurde.
 
Also gingen wir zur Sixtina. Da war das Odin alle. Aber, zu meiner großen Freude (die ich mit einem kleinen Freudentanz mitten im Hof bekundete) es gab einen Met-Stand, der den super guten Chilli-Met verkaufte. Zwei Flaschen für Shanghai gekauft. Dann wollte das Haselchen gerne noch ein Steak essen. Die hätten aber auf dem Grill noch gedauert, der kleine Rabe wurde noch doch motzig, mir wurde langsam kalt und überhaupt war alles ein bisschen meh. Also hat er aufs Steak verzichtet. Ich schälte mich aus dem Korsett, schnallte mir den kleinen Raben in die Manduca und wir gingen zurück ins Hotel. Und damit war unser WGT dann auch zu Ende.





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