Mittwoch, 6. Juli 2016

Bucket List

Vor nicht allzu langer Zeit radelte ich von der Arbeit nach Hause und überlegte so vor mich hin.

Nun ist ja so ein Weg mit dem Rad in der Großstadt durch den Feierabendverkehr und über 9 Kreuzungen nicht unbedingt ungefährlich. Also kam mir in den Sinn: Was wäre, wenn ich jetzt einen Unfall hätte und sterben würde? Was hätte ich vorher noch gerne gemacht? Was steht auf meiner "Bucket List" an Dingen, die ich unbedingt vor meinem Ableben noch erleben will?

Und das Ergebnis dieser Überlegungen fand ich zugleich beruhigend und irgendwie interessant. Denn: Meine Bucket List ist nicht lang. Also vor allem nicht so lang, wie man es vielleicht bei einer jungen Frau U30 erwarten würde.

 

Ganz oben stehen natürlich Dinge, die mit dem kleinen Raben zu tun haben.

 

Ich hätte gerne einen schönen Sommer mit ihm, ein Picknick im Park, einen Besuch im Schwimmbad, einen Spaziergang im Wald. Ganz unspektakuläre, entspannte, Familienzeit.

 

Natürlich will ich auch sonst das ganze Spektrum des Mama-Seins erleben. Ich will ihn pflegen, wenn er krank ist (was er bis jetzt bis auf das vermutete Dreitagefieber noch nicht wirklich war *über die Schulter spuck spuck spuck* *auf Holz klopf klopf klopf*). Ich will dabei sein, wenn er laufen lernt, ich will die Meilensteine seiner Entwicklung feiern, ich will selbst gemalte Bilder und Trotzanfälle, ich will noch ganz oft beim Stillen in den Magen getreten werden und es kaum glauben können wenn er irgendwann durchschläft und sich abstillt, ich will will seine Einschulung erleben und seinen Schulabschluss, ich will mich mit ihm streiten und vertragen, ihm bei den Hausaufgaben helfen und zum Muttertag von ihm Frühstück ans Bett gebracht gekommen, ich will Pflaster kleben und pusten, ich will ihn durch seinen ersten Liebeskummer begleiten, ich will auf seiner Hochzeit tanzen und mein Enkelkind auf dem Arm halten. Ja.

 

Und ja, ich möchte auch gerne nochmal Mama werden und nochmal und vielleicht nochmal. Ich wünsche mir vier Kinder.

 

Aber sonst? Bucket List?

 

Ich brauche kein Bungeejumping, keine Reise nach Bora Bora oder einmal um die ganze Welt, keine außergewöhnliche sprituelle Erfahrung, muss keine sportliche Höchstleistung bringen, muss keine neue Sprache lernen oder eine bahnbrechende Erfindung machen.

 

Ok, vielleicht würde ich noch einmal gerne auf Bali in einem Tempel meditieren. Das war etwas Besonderes. Und nochmal in Madrid im El Tigre Tapas essen bis ich nicht mehr kann.

 

Aber sonst? Sonst fehlt mir keine Erfahrung in meinem Leben, die ich unbedingt brauche.

 

Ich habe 5 Sprachen gelernt (und 2 wieder vergessen XD), ich habe in 4 Ländern und auf 2 Kontinenten gelebt, ich habe in einem Tempel auf Bali meditiert, ich war an einem der schönsten Spots der Welt tauchen, ich bin mit einer Meeresschildkröte geschnorchelt und habe die Korallen „singen“ gehört, ich habe Straßenkinder zum Essen eingeladen, ich habe einen Vulkan bestiegen, ich habe Nächte durchgefeiert und bin morgens um 8 durch Löchern in Zäunen geklettert, ich wurde verhaftet, ich habe die Liebe meines Lebens gefunden und ein Kind geboren. Und, aus einem eher egoistischen Standunkt heraus, aber wenn es um MEIN Leben geht vielleicht der wichtigste Punkt: Ich habe mich selbst gefunden.

 

Also nein, ich habe keine Bucket List. Es gibt keine Erfahrungen oder Erfolge mehr, die ich unbedingt haben oder machen will. Ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Leben, meinen Erfahrungen und meinen Erfolgen. Natürlich höre ich jetzt nicht auf und ziehe mir auf dem Sofa die Decke über den Kopf. Schließlich muss ich doch noch wissen, wie Game of Thrones endet! ;-) Aber wenn ich auf dem Heimweg auf dem Fahrrad von einem U-Boot erschlagen werden oder der Sensemann mich sonstwie holen kommt, dann würde ich nur hoffen, dass mein Sohn glücklich wird. Ansonsten: A life well spent!

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Zwar ist dieser Beitrag nicht mehr ganz neu, aber auf Raiseandshine.de gibt es gerade eine Blogparade zu ganz genau diesem Thema.

Kommentare:

  1. Liebe Fledermama,

    wow. Hört sich so an, als seist du ganz bei dir und im wahrsten Sinne des Wortes wunschlos glücklich. Ein schöner Text, bei dem für mich nur eine Frage offen bleibt: Für welches Delikt wurde Fledermama wohl verhaftet???

    Liebe Grüße, Regine

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    1. Hihihihi, DAS bleibt ein Geheimnis. Aber es war eigentlich nichts wirklich schlimmes und ist auch schon seeeehr lange her. ;)

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