Mittwoch, 20. Juli 2016

Shanghai Alltag: Einkaufen

Jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin, will ich am liebsten den ganzen Drogeriemarkt und dann auch noch den halben Supermarkt leerkaufen! Man denkt ja gar nicht drüber nacht, wie sehr man sich an bestimmte Produkte und Annehmlichkeiten beim Einkaufen gewöhnen kann - und WIE sehr man das dann vermissen kann, wenn man es nicht mehr hat!

 

Denn das Einkaufen hier in China geht anders von statten, als man das aus Deutschland gewohnt ist.

 

 

Einkaufszentren

 

Shopping malls gibt es hier zwar nicht wie Sand am Meer, aber schon in etwa so, wie Muscheln am Strand. Die riesigen, glitzernden, leuchtenden Klötze aus Beton, Stahl und Glas stehen in Shanghai an jeder zweiten Ecke. Spannend ist vielleicht zu wissen: Oft finden sich in malls die besseren (insbesondere internationalen) Restaurants und Cafes. Beispielsweise „unser“ Teppanyaki ist auch in einer mall. Ansonsten findet man dort so gut wie alles, was das Herz begehrt. Vor allem (Marken-) Kleidung, Schuhe, Accessoires etc. Aber auch Sportläden, Elektronikgeschäfte oder ab und zu einen Expat-Supermarkt findet man in malls. Genauso wie Babyausstattung, Spielzeug und Kosmetika. Dabei sind malls 7 Tage die Woche geöffnet, meistens so irgendwann ab Vormittag bis in den Abend hinein (grob 9 – 22), wenn ich mich recht entsinne (war halt lange nicht mehr in einer drin).

 

Weil: truth be told, ich HASSE malls. Eigentlich betrete ich sie ausschließlich für die darin liegenden Restaurants. Ansonsten mache ich einen großen Bogen drum. Das liegt nicht daran, dass ich so intensiv Kapitalismuskritik üben würde oder was auch immer. Aber erstens sind Einaufszentren hier schweineteuer und man bekommt die genau gleichen Artikel auf taobao für einen Bruchteil des Preises (weil Mieten in der Stadt halt so scheiß teuer sind und weil die Leute es halt zahlen). Zweitens hasse ich shoppen wie die Pest. Und drittens haben die am Ende eh nichts, was mir gefällt.

 

 

Supermarkt

 

Unser normale „Standard-Supermarkt“ hier ist der Lianghua. Das sind mal größere, mal kleinere Supermärkte einer chinesischen Kette, die so das grob gewöhnliche Supermarktsortiment abdecken. Obst, Gemüse, Fleisch, Milch, Jogurt, Getränke mit und ohne Alkohol, Reis, Öl, Nudeln, Frühstücksflocken, Süßigkeiten, Regenschirme, Unterhosen, Damenbinden (allerdings fast nie Tampons – die benutzt man hier kaum), Windeln, Feuchttücher, Pappbecher, Teekannen, Tupperdosen, Besteck, Putzzeug, Gewürze, Zigaretten, Klopapier, Zahnpasta. Halt so alles, was man im Alltag mal mehr und mal weniger dringend braucht. Die meisten Sachen sind Chinesisch, aber es gibt auch importierte Produkte und internationale Marken (zum Beispiel Ritter Sport, Pampers, spanischen Wein, deutsches Bier, Snickers etc). Geöffnet sind die Läden dann meist so 8 – 20 Uhr und auch 7 Tage die Woche (hier hat grundsätzliche bis auf Banken ALLES 7 Tage die Woche auf).

 

Aber auch an den chinesichen Supermärkten stören mich ein paar Dinge. Zum einen sind die sowas von chaotisch! JEDER Laden hat eine eigene „Ordnung“ und „Logik“ dafür, was wo zu finden ist. Und die ist teilweise so logisch wie... Wie halt nur Chinesen es sein können. Dass Mehl zu Instantnudeln, Zucker zu Öl und Chips zu Trockenobst gehören oder zwischen Zahnbürsten und Zahnpasta mindestens zwei Reihen Abstand sein müssen, wusstet Ihr ja bestimmt auch noch nicht. Und Salz gehört auch nicht zu den Gewürzen, sondern mit der Suppenbrühe zusammen neben das Glutamat, die Stärke und die eingelegten Gurken und Chillies, um die Ecke beim Essig, aber weit weg von der Sojasoße (und dem Mehl und dem Zucker, natürlich). Aber nur in diesem einen bestimmte Laden. Sobald man den nächsten betritt, beginnt die Suche wieder ganz von vorne. Das kann recht nervig werden, wenn man halt nur noch schnell irgendwas bestimmtes besorgen will. Und dann haben die halt auch alle ein leicht unterschiedliches Sortiment. Einer bei uns in er Nähe hat zum Beispiel keine Feuchttücher, dafür aber Trockenobst und Nüsse, die ich im anderen bis jetzt vergeblich gesucht habe. Bei einem gibt es kein Obst und Gemüse, dafür aber sechs verschiende Sorten losen Reis, den man im anderen nur im 20 kg Beutel bekommt.

 

Ein anderer Punkt, der mich vor allem jetzt mit dem kleinen Raben total nervt: Diese Supermärkte sind in etwa so kinderwagentauglich wie ein altes Kloster. Fast alle sind nur über Stufen zu erreichen (ich befürchte fast, die Rampe wird weggelassen, damit keiner mit dem Mofa reinfährt, das traue ich den Chinesen schon zu...). Und wenn man es doch hinein geschafft hat, dann muss man gleich wieder raus, weil es viel zu eng ist, um einen Kinderwagen zwischen den Regalen zu bewegen. Selbst mit einem Rucksack auf dem Rücken tue ich mir schon manchmal schwer damit, mich umzudrehen, ohne einmal komplett die Auslage abzuräumen. Es gibt dementsprechend natürlich auch keine Einkaufswägen, sondern nur Körbchen. Mit Kind, das nicht selbst läuft, ist ein Einkauf daher extrem schwer bis ganz unmöglich.

 

Und dann nervt mich halt manchmal auch einfach das Sortiment an sich. Mit fehlen da nämlich oft Dinge, die ich aus Deutschland einfach gewohnt bin. So wie Vollkornbrot, Backzutaten (schon so basics wie Butter oder Schokostreusel gibt es hier GAR nicht), Milchprodukte (außer Milch und künstlichen, gesüßten Jogurt gibt es NICHTS), Babynahrung, Kräutertees, Kaffee, bestimmte Süßigkeiten (Gummibärchen, Doppelkekse usw.), BIO-Lebensmittel und so.

 

 

Minimarkt

 

Minimärkte, auch Convenience stores genannt, gibt es hier wirklich an jeder Ecke. Also wirklich. Du gehst normalerweise nie länger als 15 Minuten, bis du am nächsten Minimarkt vorbei kommst. Meist sind es so 5. Es gibt einige große Ketten wie „7 Eleven“, „Q“ oder, hier allen voran, „Family Markt“. Aber es gibt auch kleine, namenlose Stores so wie den bei uns im Compound. Die meisten Minimarkts sind 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöfnet, was sie VERDAMMT praktisch macht. Und je nach Größe des Ladens ist das Sortiment erstaunlich. Manch ein großer Family Markt kann mit dem Sortiment eines kleinen Lianghua locker mithalten oder ihn überbieten. Grundsätzlich gibt es immer kalte Getränke (im Winter auch heiße), Snacks, Süßigkeiten, Instant-Nudeln und Zigaretten. Dazu dann je nachdem Fertiggerichte, Hygieneartikel, Eis, Kaffee, Kosmetika, Regenschirme und – vorne an der Kasse – Kondome, Gleitgel, Schwangerschaftstest und Ovulationstests.

 

 

Obst- und Gemüseläden

 

In Puxi noch öfter als in Pudong, aber auch hier gibt es vor allem in kleineren Straßen überall kleine Obst- und Gemüseläden. Interessant ist vielleicht: Die sind meist voneinander getrennt. Dort bekommt man, oh wunder, Obst. Seltsamerweise öfter Obst, als Gemüse. Aber auch Gemüse. Und manchmal, je nach größe des Lädchens, auch Tofu, Fleisch, Fische aus dem Aquarium, Reis etc. Die Läden sind von den Konditionen her meistens in etwa so wie Märkte. Das Gemüse steht dann halt einfach in Kisten auf dem Boden und in alten Regalen herum, das Obst liegt auf Tischen angerichtet. Auch in unserem Compound haben wir so einen Gemüser, der Obst und Gemüse anbietet. Hier ist es etwas hygienischer weil gefliest und es wird regelmäßig ordentlich geputzt. Wenn wir nicht gerade Bio-Sachen auf taobao bestellt haben, dann kaufen wir hier unser Obst und Gemüse ein. Offenbar recht saisonal, zumindest das Obst wechselt (bis auf basics wie Äpfel und Nashi) nämlich ständig. Und unsere Erdnüsse, die haben sie nämlich auch.

 

 

Sontige kleine Läden

 

Es gibt sonst auch immer mal wieder kleine Läden, die bestimmte Sachen anbieten. Zum Beispiel Geschäfte, bei denen man nichts außer (einzeln verpackten) Süßigkeiten, Mini-Küchlein und Snacks bekommt. Oder Läden mit allerlei getrockentem – von Banenenchips und gesalzenen Plaumen zu Nüssen, Bohnen und Lotus-Samen.

 

 

Multistores

 

Ebenfalls sehr klein sind Geschäfte, die wir als „Multistores“ bezeichnen. Dort findet man Nadel und Faden, Putzzeug, Siebe, Steckdosenleisten, Batterien, Teekannen, Wäscheklammern, Plastikschüsseln, Schlüsselanhänger, Geschirr, Besteck, Nagelclipser, Haargummies,... Einfach alles, was man halt so brauchen könnte. Total chaotisch in die staubigen Regale geschmissen, sodass man es zu Hause erstmal sauber machen muss. Aber einfach um die Ecke und super günstig (mit Potential zum Verhandeln).

 

 

Mini-Baummärkte

 

Eine besondere Unterart der Multistores sind die Mini-Baummärkte. Dort bekommt man Steckdosenleisten, Batterien, Kabelbinder, Werkzeug, Glühbirnen, Rohre, Silikon, etc pp und bei entsprechender Größe des Ladens auch mal Toilettenschüsseln, Waschbecken usw. Aber man darf sich da jetzt keinen riesen Baumarkt vorstellen. Mehr so ein 20 Quadratmeter Lädchen, das abends beim Abschließen und Herunterlassen des Tors dann fast aus allen Nähten platzt, weil tagsüber die Hälfte der Auslage auf den Bürgersteig ragt.

 

 

Markt

 

Gemüse, Obst, Fisch (oft noch lebend) und Fleisch kann man zudem auch auf dem Markt kaufen. Ebenfalls findet man hier Reis und Frösche, Schlangen oder Schildkröten (die letzten drei normalerweise lebendig). Unter der Saison auch Krabben (ebenfalls lebendig). Wohl auch Tauben und andere kleine Vögel, aber ich habe selbst noch keine gesehen.

 

Die Märkte finden aber nicht, wie in Deutschland üblich, auf Marktplätzen an bestimmten Tagen statt, sondern eigentlich täglich, dafür aber an bestimmten Orten, die jedoch meist überdacht sind. Es gibt Markthallen, die einfach so irgendwo stehen oder mitten in einem Compund liegen.

 

Die hygienischen Verhältnisse sind von Markt zu Markt unterschiedlich, aber insgesamt würde ich persönlich sie allgemein unter „geht so“ einordnen. Nicht für empfindliche Gemüter oder Mägen allerdings. Also auf Bali der Markt war ekelhaft (da rannten die Ratten überall rum, es stank, alles was ungekühlt und es sah so aus, als würde nie geputzt). Hier gibt es teilweise große Kühltruhen und ich habe schon gesehen, wie die Fliesen am Ende des Tages mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt wurden. Andernorts allerdings saugte der blanke Beton alles auf und gekühlt wurde nur durch die alte, ratternde Klimaanlage...

 

 

Expart-Supermärkte

 

Wer es sich leisten kann, den importierten Sachen auf taobao nicht traut (oder kein Taobao hat) und gerne importierte Dinge haben will, der geht in das, was ich einen “Expat-Supermarkt” nennen. Der bekannteste dabei ist wohl City Shop. Ich war bis jetzt nur einmal in so einem (da ich taobao habe und mir die importirten Sachen die geforderten Preise dort NICHT wert sind), daher bin ich mit dem Sortiment nicht so vertraut. Aber Essen und Getränke sind es in jedem Fall.

 

Hier ist grundsätzlich (fast) alles importiert. Und dementsprechend sau teuer. Für manche Sachen kann es einem das wohl mal wert sein. Aber als Bekannte von uns allen Ernstes 2 mikrig kleine Gurken rumliegen hatten, die zusammen in etwa so groß waren wie eine normale Salatgurke, die dick in Plastik gewickelt waren und auf denen ein Preisschild von 18 RMB prangte, habe ich mir nur noch an den Kopf gefasst. Wer bitteschön kauft ne Gurke für 2,40 Euro?!?

 

 

Hypermärkte

 

Eine ganze Nummer größer als ein gewöhnlicher Supermarkt sind die Hypermärkte. Die bedienen dann meist sowohl das gewöhnliche Supermarktsortiment (also das chinesische), als auch ein paar weitere Sachen wie Kleidung, Spielsachen, Babysachen, Haushaltselektronik, große Kühlthekenbereiche mit Milchprodukten (ein paar, manchmal sogar Käse) und Fleisch und Wurst und so. Außerdem Aquarien mit Fischen und Frösche, Schlangen, Krabben, Schildkröten, Hummer etc pp.

 

Hyppermärkte finde ich toll und könnte Stunden darin verbringen. Tue ich oft auch einfach deshalb, weil ich etwas suche und auch hier manchmal so die chinesische Logik der Warenanordnung greift...

 

Es gibt auch Carreefour und Metro, aber da hatten wir nie einen in der Nähe. Da gibt es wohl etwas mehr Importiertes. Aber auch der chinesische Century Mart erfüllt meine Wünsche. Ok, fast. Geburtstagskerzen oder Backzutaten habe ich auch da nicht gefunden. Aber gut, ich lebe halt auch in China und nicht in Deutschland.

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