Samstag, 9. Juli 2016

Shanghai Alltag: Ohne Sprachkenntnisse

Das Leben in China ist anders, als in Deutschland. Ein wichtiger Faktor dabei ist: Wir sprechen kein (oder kaum) Chinesisch.
 
 

Für viele Dinge ist das nur halb so wild, wie man annehmen würde. Beispielsweise bei der Bank geht alles auf Englisch und das Steuersystem ist super einfach. Rechnungen bezahlen und Einkaufen geht auch ohne direkte Kommunikation, beziehungsweise mit Hallo, Danke, Zahlen bis 999, Händen und Füßen. Im Restaurant bestellen wir nach den Bildern auf der Karte (oder den teilweise sehr amüsanten englischen Übersetzungen a la „The ant is climbing the tree“ oder „fuck the duck until explode“ oder „jew ears“). Oder wir lassen uns einfach überraschen. So ein paar basics bei den Zeichen, wie Fleisch, Suppe, Reis Nudeln kann ich dann schon lesen.

 

Bei anderen Dingen wird es schon ein wenig schwieriger. Zum Beispiel beim Taxi fahren. Da müssen wir die Adresse vorher auf Chinesisch heraussuchen und dem Fahrer dann zeigen. Und wenn in der Wohnung irgendwas kaputt geht, dann übersezten wir das mit Google, drucken es aus (oder speichern es auf dem Handy) und zeigen die Übersetzung (beispielsweise von „Das Waschbecken tropft, die Küche steht unter Wasser“ oder „Aus dem Abfluss im Badezimmer kommt Wasser heraus“ – das Haselchen hat ein Händchen dafür, Pech mit Wasser zu haben...) dann den guards im Compound, die entsprechdn jemanden rufen, der sich darum kümmert.

 

Noch schwieriger wird es dann beim Essen bestellen. Das ging eine ganze Weile über ele.me mit Google Chrome Übersetzung. Nun jedoch wollen die meisten Läden da Vorauskasse. Wenn wir das per Onlinebanking versuchen, bekommen wir IMMER eine Fehlermeldung, das Geld kommt zurück und die Bestellung wird storniert. Und für Alipay können wir uns aktuell nicht anmelden, weil die entweder eine Chinese ID Nummer haben wollen – oder ein Foto vom original Pass, der aber derzeit für die Visa-Verlängerung unterwegs ist. Jetzt geht deshalb nur noch nocturnal food (also Barbeque). Lecker, aber halt auf Dauer ein kleines bisschen eintönig...* Und ein Auto per Uber bestellen klappt ohne Chinesisch auch praktisch gar nicht, weil jeder Fahrer einen grundsätzlich immer zurückruft, um die Fahrt zu bestätigen, und dann halt kein Wort Englisch spricht.

 

Aber auch für solche Fälle haben wir eine zumindest halbwegs gute Lösung gefunden: Grabtalk. Das ist ein Service, bei dem man auf Wechat mit Chinesen chattet, die Englisch können. Die helfen einem dann dabei, Essen zu bestellen oder rufen einem ein Uber, kaufen Zugtickets und lauter solche Sachen. Anfangs war es mal kostenlos, dann musste man für viele Sachen eine Premium-Mitgliedschaft abschließen (beispielsweise für Ubers – was wir genau deshalb dann auch für einen Monat zähneknirschend getan haben – lieber 99 RMB aus dem Fenster geworfen, als auf dem Weg zum Flughafen keinen Sicherheitsgurt für den kleinen Raben gehabt!), jetzt bekommt man wieder alles, aber zahlt dann eine gewisse Kommission. Damit kann ich dann leben.

 

Und so wurschteln wir uns halt so durch, ohne die Landessprache zu sprechen. Kostet halt manchmal extra, aber es klappt schon irgendwie.

 
 
* Update: Das ging plötzlich auch nicht mehr, aber dafür hat das Haselchen herausgefunden, wie er auf ele.me mit dem Wechat wallet zahlen kann. Und jetzt ist alles gut und wir können wieder faul sein und lecker essen! Woohoo, Mala tang und Sushi für alle!

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