Montag, 25. Juli 2016

Shanghai Alltag: Transportmittel

Ob man’s glaubt oder nicht, aber auch in einer Stadt muss der Mensch manchmal von A nach B kommen. In einer Mega-Metropole wie Shanghai umso mehr. Alleine schon, weil die Stadt einfach so riesig ist. Wie also kommen wir hier von einem Ort zum anderen? Und wie machen das die anderen Leute hier?

 

 

Zu Fuß

 

Klar, zu Fuß kommt man von A nach B. Und ich mache das auch wirklich gerne. Allerdings dürfen die beiden Punkte dann nicht allzu weit auseinander liegen. Daran scheitert es dann manchmal, denn 45 Minuten einfache Strecke an einer vielbefahrern Straße entlang laufen, um dann zum Beispiel im Park zu spazieren und dann wieder zurück laufen, das schlaucht auf Dauer. Und wer sich mal eine Karte der Stadt anschaut und vielleicht mal mit seinem eigenen Wohnort maßstabsgetreu vergleicht merkt schnell: In Shanghai liegen A und B sehr oft weiter auseinander, als es zu Fuß angenhem zu bewerkstelligen ist. Vorteil jedoch ist, dass wir einfach den Kinderwagen nehmen können und es sonst nicht viel zu organisieren gibt.

 

Früher sind wir manchmal einfach losgeganegn, haben uns durch die Straßen treiben lassen, mal was irgendwo gegessen, unterwegs kalte Getränke im Family Markt gekauft und sind gelaufen, bis wir müde ware – um uns dann von einem Taxi wieder nach Hause bringen zu lassen. Heute ist das halt so nicht mehr drin, weil wir mit dem kleinen Raben und Kinderwagen am Straßenrand nicht einfach ein Taxi nehmen können...

 

 

Fahrrad

 

Fahradfahren in Shanghai kann je nach Stadtteil von super toll über eigentlich nicht erlaubt bis lebensgefährlich sein. Ganz toll ist es, wenn auf der Strecke ein eigener, meist mit Büschen von der Fahrbahn getrennter (damit die Autos ihn nicht einfach nutzen, den einen einfachen Strich auf der Straße ignoriert man hier) Rad- und Mofaweg ist. Das ist oft an großen Straßen der Fall. Sehr schwer ist es, den Hungapu river zu überqueren (also zwischen Pudong und Puxi), weil man dazu entweder illegal über eine Brücke oder mit der Fähre und dann entweder illegal auf der anderen Seite oder einen riesen Umweg fahren muss. Und tja, lebensgefährlich ist es immer dann, wenn es keinen extra abgetrennten Radweg gibt. Oder man eine größere Kreuzung überqueren muss.

 

 

Bus

 

Ich bin in Shanghai bis jetzt ganz genau einmal mit dem Bus gefahren. Denn: ALLES ist NUR auf Chinesisch. Also habe ich keinen blassen Dunst, welche Nummer wann wohin fährt. Es gibt aber viele Busse und die sind soweit ok. Also soweit sauber, gut in Schuss und alles. Ich würde sagen etwas besser als der durchschnittliche Bus in Deutschland. Höchstens mit Punktabzug für die Plastiksitze und die fehlende Klimaanlage. Und halt die Fahrweise der Fahrer, die durch die Straßen jagen, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her. Und Bus fahren hier ist richtig, richtig günstig!

 

 

Metro

 

Mein liebstes Transportmittel in Shngahi ist die Metro. Das Metronetz ist das größter der Welt (588 km). Und man kommt auch wirklich fast überall mit der U-bahn hin. Alle Stationen und automatischen Ansagen sind auf Chinesisch und Englisch, die Fahrkartenautomaten kann man auch auf Englisch stellen und sogar manche Mitarbeiter an den Servicepoints sprechen ein paar Worte Englisch. Außerdem gibt es keinen Stau. Dazu ist es sauber (!). Und günstig ist es auch.

 

Einzige Wehrmutstropfen:

-          Die schweinegefährlichen Türen, die einfach schließen – egal, ob da noch was dazwischen ist, oder nicht. Ich bin schon ein paar mal mit einem Teil meines Rucksacks außerhalb der Tür gefahren. Aber es gibt in den Stationen Mitarbeiter, die vor er Abfahrt kurz schauen, dass nicht noch ein halber Passagier herausguckt, damit niemand ernsthaft zu Schaden kommt. Und, ehrlich gesagt, könnte man die Türen mit Knopfdruck öffnen oder gäbe es Lichtschranken, dann kämen kein Zug JEMALS aus der Station heraus...

-          Die unerträglichen Menschenmasse, insbesondere zur Rushhour. Und die Chinesen sind dann halt weder zivilisert (auf den Boden rotzen mitten im Zug keine Seltenheit), noch nehmen sie Rücksicht (da wird gedrängelt und geschubst, man kommt kaum aus der Bahn, weil andere hinein wollen und sich volle Breitseite vor der Tür aufbauem um hinein zu drängeln, obwohl der halbe Zug erstmal aussteigen will/muss etc pp).

-          Mit dem Kiwa wird es ein wenig schwer, weil man dann den Aufzug nehmen mus. Den muss man aber erstmal rufen und da spricht die Person auf der anderen Seite nur Chinesisch.

 

 

Motorroller / Motorrad

 

Hier sind soooo viele Elektroroller unterwegs, das ist der Hammer. Für die Umwelt finde ich das immer ganz gut. Also besser Elektro als die Knatterpötte aus Bali. Die fahren aber auch wie die Irren. Mehr als einmal wurde ich schon auf dem Gehweg wehement und aggressiv ausgehupt, weil ich es gewagt habe, nicht in einen Hauseingang zu springen, sondern einfach weiter auf dem Gehweg zu laufen und der Roller nicht an mir vorbei konnte. Und ich übertreibe nicht. Auf der Straße hingegen fädeln sich die meisten Roller zwar frech, aber einfach geschickt überall durch, sind jedoch ein bisschen wengier aggressiv – denn gegen Autos oder Busse haben sie ja keine Chance.

 

 

Tuk-Tuks

 

Sie sind zwar nicht ganz so ominpräsent wie in Thailand und sehen ein bisschen anders aus, als ich sie auf Ko Lanta oder in Bangkok gesehen habe, aber auch hier gibt es TuckTucks. Es sind meist umgebaute Elektroroller bzw. Dreiräder mit einem Wägelchen, in dem 1-2 Leute sitzen können. Die Preise sind Verhandlungssache, aber günstig. Die TukTuks stehen meistens vor den Ausgängen der Metro, um die ganz Faulen (oder die, die halt weit weg von der Station wohnen) zu chauffieren. Aber auch da, wo sich sonst viele Taxis finden (zum Beispiel vor Bars, Krankenhäusern, etc). Weit fahren wollen die Fahrer normalerweise nicht, sodass man bei über 30 Minuten Fußweg tendenziell eher Kopfschütteln bekommt.

 

 

Taxis

 

Lange Zeit (vor dem kleinen Raben) waren neben der Metro Taxis für uns hier DAS Transportmittel der Wahl. Die Straßen der Stadt sind voll mit den VW Santanas. Sie quietschen, sie schaukeln, sie stinken (vorwiegend nach Rauch), es gibt keine Gurte auf der Rücksitzbank. Aber sie bringen einen schnell und mehr oder minder bequem von A nach B. Die Fahrer sprechen kein Wort Englisch (ganz wenige Ausnahmen abgesehen), aber dafür gibt es ja Smartshanghai und Co. mit ihren Taxiprintouts, also den Adressen aller möglichen Orte in chinesischen Schriftzeichen. Wichtig ist dabei, nicht nur Straße und Hausnummer, sondern immer auch die nächste Kreuzung mit anzugeben. Nach Hause ließen wir uns bis jetzt immer nur mit Angabe der nächsten Kreuzung fahren.

 

Taxis lassen sich an jeder Straße 24 Stunden am Tag problemlos herbeiwinken. Einzige Ausnahme ist die Rushhour oder wenn es regnet. Dann wird es ein bisschen schwer. Und seit man mit Didi Dache und anderen Apps ein Taxi vorbestellen kann (wovon die Chinesen exessive Gebrauch machen), wurde es nochmal eine Spur schwerer.

 

Aber da Taxis inzwischen wegen der fehlenden Gurte mit dem kleinen Raben weitestgehend flach fallen, ist das nur noch halb so wild für uns.

 

 

Uber

 

In Deutschland ist Uber ja offenbar irgendwie ein Streitthema. Hier nicht. Hier ist es genial! Also dass man überhaupt ein Auto rufen kann. Und dann riechen die gut bis gar nicht. Die Fahrer sprechen ebenfalls kein Englisch, aber die Autos sind um Längen besser als die Taxis. Es gibt Gurte und genug Platz im Kofferraum für Gepack von mehreren Personen. Ein Traum!

 

Doof nur für uns: Selbst, wenn man die App einrichtet und das Bezahlsysthem und alles, rufen die Fahrer einen grundsätzlich IMMER an, um die Fahrt zu bestätigen. Und sprechend dann halt kein Englisch. Aber dafür gibt es halt bei uns jetzt Grabtalk un wir kommen mit von Grabtalk gerufenen Ubers auch samt kleinem Raben in der Babyschale* von A nach B. Deutlich teurer als ein Taxi zwar, aber angeschnallt.

 

 

Eigenes Auto

 

Ein eigenes Auto ist in Shanghai ein Luxus. Kein riesen Luxus, aber ein Shanghaier Kennzeichen kostet ab rund 10.000 USD aufwärts. Zusatzlich zum Auto und den damit laufenden Kosten. Also nur das Kennzeichen. Und dann ist das Them das Parken... Und, für alle Ausländer, die Tatsache, dass die Chinesen Fahren wie die Irren. Einen Führerschein zu machen (man braucht einen chinesischen Führerschein, der deutsche oder auch internationale reicht nicht aus) ist gar keine soooo große Hürde, wie man denken würde. Aber das Fahren... Ufff. Oft wird mir schon als Beifahrer ganz anders. Also GANZ anders. Ich muss das mal bei Gelegenheit näher ausführen, aber es herrscht Chaos auf den Straßen und es kracht auch oft genug. Für mich wäre die Vorstellung, mich auch noch in einer gummibereiften Blechkiste mit hinein zu stürzen in dieses Gewusel, der blanke Horror.

 

Und tatsächlich kenne ich auch kaum jemanden, der selbst ein Auto besitzt und fährt. In Deutschland ist es ja eher ungewöhnlich, wenn man nicht gleich mit 18 seinen Führerschein und ein gebrauchtes, eigenes Auto hat. Hier ist es eher die Ausnahme, wenn man mit unter 35 schon ein eigenes Auto fährt.

 

Ich kenne genau zwei Auslander, die ein eigenes Auto hier fahren (einer davon hat seines bereits 3 Mal geschrottet!). Und von den Chinesen sind es vielleicht so 5-10.

 

Trotzdem sind die Straßen VOLL. Aber gut, bei (inoffiziell) 30 Millionen Menschen kommt halt auch viel Blech zusammen.

 

 

Eigener Fahrer

 

So manch verwöhnter Expat (ich schiele jetzt zwinkernd und mit einem Grinsen in eine ganze bestimmte Richtung... ;-) ) leistet sich den Luxus (oder bekommt von seiner Firma den Luxus geleistet), einen eigenen Fahrer mit Auto anzustellen. Das ist genauso luxuriös, praktisch und beneidenswert, wie es klingt. Glaube ich. Hatte ich ja nie. Deshalb sage ich mal ganz neidisch, dass das nur was für verwöhnte Expats ist... ;-) Ist allerdings auch wirklich nur in diesen Kreisen verbreitet. Die Chinesen würden sich dann, alleine schon als Statussymbol, eher selbst ein Auto kaufen und selbst fahren.

 

Aber im Ernst: Für uns würde sich das kaum lohnen. Ich fahrer mit dem Rad zur Arbeit und bin da in der Rushhour schneller, als ich es mit Fahrer jemals sein könnte. Und ansonsten sind wir nicht soooo viel unterwegs, dass es sich rentieren würden, dafür jemanden zu bezahlen, der immer auf Abruf bereit steht.

 

 

 

 

*Noch passt er in diese hinein. Nicht mehr lange, jedoch. Und dann wird es schwer...

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