Mittwoch, 31. August 2016

Beschissene erste Male: kranker Rabe

Auf Twitter hatte ich die Tage schon viel Korrespondenz dazu, aber ich will es auch hier nochmal festhalten: Der kleine Rabe ist krank.
 

Die Vorboten

Eigentlich hatte ich am Samstag Abend schon das erste mal das Gefühl, dass da was im Busch ist. Der kleine Rabe war zwar super gelaunt, aber auch sehr anhänglich und wollte permanent stillen. Aber da er ansonsten super fit war, haben wir in Ruhe gebadet und er ist ganz normal eingeschlafen.


GAGA!

Um 4:46 wachten wir auf. Also der kleine Rabe weckte mich mit einem fröhlichen "Gaga! Gaga!". Nach unserer Windel-Überlauf-Aktion vor Kurzem wusste ich jetzt ja, dass das nachts "Ich muss mal Pipi" heißt. Also Windel aus, Kind aufs Töpfchen. Lief. Wortwörtlich. Nachdem alles ausgeleert, eingepackt und zugeknöpft war, war ich mächtig stolz auf unser Teamwork. Das Kind war jetzt zwar etwas wacher, als mir das sonst morgens um 5 lieb wäre, aber Hey! Er hatte angesagt, gepullert und die Windel war trocken. Ohne Töpfchentraining und Zwang, da waren wir doch auf einem guten Weg!


Börgs

Er rödelte also ein wenig unruhig herum und wurde irgendwie motzig. Ein wenig ungewöhnlich motzig. Und dann wollte er nicht einmal stillen. Aber naja, ich streichelte ihm über Kopf und Bauch und ließ ihn einfach mal machen. Irgendwann wurde er dann ruhig. Ich war mir sicher, er würde gleich einschlafen und strich nochmal über seine Wange. Und bekam einen Schwall warmes Nass über die Finger. Ich nahm ihn sofort hoch, damit er sich nicht verschlucken konnte. Und es kam noch mehr. Das Bettlaken, sein Schlafanzug, mein Schlafanzug - alles eingesaut. Er hatte stinkende Krümel geronnener Milch in den Haare und am Hals kleben. Ich machte erstmal die schlimmste Sauerei schnell weg, zog uns aus und holte dann das Haselchen. Während der das Bett neu bezog, wusch ich den kleinen unglücklichen Raben. Frisch angezogen legten wir uns dann wieder hin, um weiter zu schlafen.

Mama ist zum Kotzen

Leider klappte das immer nur in sehr kurzen Etappen. Jeder Schlaf wurde dann wieder durch Motzen bis Weinen unterbrochen. Ganz hilflos und verwirrt wusste er gar nicht, wie ihm geschah, oder wie er mit der Übelkeit umgehen könnte. Er wehrte sich aber sichtlich gegen den Brechreiz und weinte immer wieder, wenn dieser ihn überkam. Und er ließ es dann auch immer erst zu, wenn er sich soweit geborgen fühlte, dass er loslassen konnte. Das war immer auf meinem Arm der Fall. Nicht besonders angenehm. Für uns beide.


Sick leave

Eigentlich hätte ich um 9 Uhr im Büro sein müssen. Aber nach einer solchen Nacht und mit einem kranken Babysohn im Arm konnte ich nicht einfach abhauen. Also nahm ich 4 Stunden sick leave. Das ist das Maximum, das wir hier nehmen können, ohne ein ärztliches Attest vorzulegen (bis ich die 40 Stunden Jahresmaximum an bezahlter Krankheit erreicht habe - danach muss ich für schon 1 Stunde ein Attest vorlegen und werde für die Zeit nicht bezahlt). Nachdem schlafen irgendwann nicht mehr möglich schien und der kleine Rabe wach und knötterig war und ihm offenbar immernoch schlecht war, halbierten wir ein Vomex A Zäpfchen und gaben es ihm. Derweil machte das Haselchen eine Elektrolytlösung, die er ihm dann alle paar Minuten mit dem Löffel anbot. Da er insgesamt deutlich besser wirkte, ging ich für den Nachmittag ins Büro.


Der Abend

Abends dann war der kleine Rabe zunächst ganz gut gelaunt. Aber er war warm. Wir maßen nach und das Thermometer zeigte 38.7°C und seine Laune wurden schnell schlechter. Motzig und sehr kuschelbedürftig wollte er auf den Arm. Also zog ich uns beide aus und band ihn mir im Tragetuch um, um ihn beim Temperaturausgleich zu unterstützen und ihm ganz viel Nähe zu geben. Gesundkuscheln. Dabei gab ich ihm weiter immer wieder Elektrolytlösung und Wasser. Gegessen hatte er nichts. Ich brachte ihn dann früh ins Bett und wir beschlossen, in Erwartung einer unruhigen Nacht selbst auch früh schlafen zu gehen. Für den Fall der Fälle legte ich schonmal Paracetamolzäpfchen bereit und las den Beipackzettel.


Die Fiebernacht

Gegen 23:00 Uhr wachte ich auf und der kleine Rabe glühte wie ein kleiner Hochofen neben mir. Er weinte, oder besser gesagt er versuchte zu weinen. Denn für mehr als ein verzweifeltes Wimmern fehlte ihm die Kraft. 39.5°C. Angesichts seines wirklich elenden Zustands gab ich ihm sofort eine Paracetamol und machte kühle Wadenwickel. Ich versuchte, ihn zum Trinken zu animieren, aber er verweigerte jegliche Flüssigkeitsaufnahme. Selbst zum Stillen fehlte ihm die Kraft und er dämmerte nach ein paar mal halbherzig nuckeln wieder weg. Nach knapp unter einer Stunde war er wieder wach und wimmerte erneut. Die Temperatur schien ein wenig runter gegangen zu sein, aber gut ging es ihm nicht. So ging es die ganze Nacht weiter. Das einzige, das ihn beruhigte war, wenn ich ihn auf den Arm nahm und schuckelnd auf und ab ging und dabei summte. Genau, wie ich es ein Jahr zuvor schon getan hatte, als er als kleines Würmchen vor Bauchweh nicht schlafen konnte. Kurz nach 3 schrieb ich dann eine Email an die Arbeit, dass ich urgent leave nehme müsse. Der geht von meinem Jahresurlaub (15 Tage, was sehr viel ist, gesetzlich vorgeschrieben sind 5 Tage, die viele Arbeitgeber dann auch noch mit Krankentagen verrechnen) ab. Aber eine andere Möglichkeit, frei zu bekommen, gibt es hier nicht. Deshalb empfinde ich es immer als ein wenig höhnisch, wenn man sich in Deutschland darüber aufregt, dass man "nur" 10 Tage "Kinderkrank" pro Jahr hat und dazu ein Attest vom Arzt braucht... Aber nun gut.


Erkenntnisse über ein Trauma

Da wir ja nachts soweit klar gekommen waren, hatte ich das Haselchen erstmal nicht geweckt. In den frühen Morgenstunden dann war er gerade wach, als dem kleinen Raben Dank Durchfall die Windel überlief. Praktisches Timing! Gemeinsam kümmerten wir uns drum und ich erzählte vom hohen Fieber in der Nacht und dass wir besser zum Arzt gehen sollten. Und sei es nur, um auszuschließen, dass es etwas ersteres als ein Virusinfekt sein könnte (Google sei dank hatte ich das eigentlich anhand der Symptome schon getan, aber ich habe nun einmal nicht Medizin studiert und will nicht riskieren, irgend etwas zu übersehen). Die enorme Angst, die mein Liebster darauf hin zeigte, machte mich ein wenig nachdenklich:

But... What will the doctor do?

He will check him and make sure that he doesn't have anything but the stomach flu. Then, he will prescribe us some powder to mix with water for rehydration and maybe something else for the symptoms and tell us that he needs rest and plenty of fluids.

Will they do a blood test?

Well, they might. They like doing those here.

But, what if they say he needs an IV?

Then he gets one. You've seen that before in the children's hospital. They give you the IV and then you just sit around with the child until it's done.

But... But what if they say he has to stay in the hospital? I don't want to leave him, what can we do then?

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das Haselchen hatte riesige Angst davor, sein Kind abgeben zu müssen. Schließlich war er es damals gewesen, der mit seinem Neugeborenen Baby, das er erst wenige Stunden zuvor auf die Welt hatte kommen sehen (und dessen zunächst recht regungslose Erscheinung ihn bis ins Mark schockiert hatte, was er mir aber erst Wochen später erzählte, um mich nicht unnötig zu beunruhigen), in die Kinderklinik fahren musste. Und er musste dieses kleine Menschlein, auf das wir uns so gefreut hatten, an eine wildfremde Krankenschwester übergeben. Zusehen, wie er davongetragen wurde, ohne zu wissen, wann wir ihn würden wiedersehen können.

Aber der Logik, dass der Kleine ja jetzt mit fast 14 Monaten nicht mehr auf die Neugeborenenintensiv müsste, sondern wir im Fall der Fälle ein Familienzimmer bekommen könnten und wir unser Baby nie mehr alleine lassen müssen, konnte er sich dann doch nicht entziehen.


Der Arztbesuch

Im Krankenhaus war es dann wie immer wuselig und laut und voll und beinahe hätte ich eine Mid-50erin von der (defekten und daher nur zu Fuß zu nutzenden) Rolltreppe geworfen. Ich meine, ich schubste nicht gerne 'ältere' Damen, aber wenn die sonst mein in der Manduca vor sich hin wimmerndes Baby anrempeln würden, weil sie in bester chinesischer Manier so tun, als seien sie allein auf der Welt, dann würde es mir nicht einmal drum leid tun...

Der Arzt tat dann genau das, was ich erwartet hatte. Und mit neuer Elektrolytlösung und "Was gegen Infektion", das sich dann beim Googlen des Wirkstoffes als Antibiotika herausstellte, welches wir nicht gegeben haben, weil das bei einem Virusinfekt, mit dem wir es ja offenbar zu tun haben, herzlich wenig bringen würde (aber hier bekommt man einfach für alles immer Antibiotika - Ich habe tatsächlich mal mit einem Arzt hier schon fast darum gestritten, dass ich für einen grippalen Infekt bitte nur eine Krankschreibung und was gegen den Husten wollte und eben KEINE Antibiotika, woraufhin der ganz baff war, da die Patienten sonst am liebsten für einfach alles Antibiotika haben wollen).


Der Fiebertag

Den Tag über hing der kleine Rabe dann ziemlich in den Seilen. Er schlief die meiste Zeit, trank bei Weitem nicht genug, aber ließ sich auch nichts einflößen. Er war weiter warm, aber er glühte nicht mehr, sodass wir das Bestimmen der exakten Temperatur sein ließen. Hauptsächlich lag er an der Brust nuckelnd herum oder wollte getragen werden. Was wir dann auch taten.


Back to work

Nach einer erstaunlich ruhigen, fieber- spuck- und Durchfallfreien Nacht musste ich am Dienstag wieder ins Büro. Das Haselchen würde das Kind schon schaukeln und wenn nötig wäre ich ja doch binnen einer halben Stunde wieder zu Hause. Da wäre es mir dann auch egal gewesen, ob ich frei bekommen oder eine Abmahnung riskiert hätte. Aber es wurde nicht nötig. Mit mehr Nickerchen und mehr gefrorener Milch als sonst kamen die beiden Jungs wunderbar zurecht.

 
Das ist doch zum Kotzen!

Gut gelaunt gingen wir also Gestern Abend ins Bett. Die Nacht war auch soweit gut. Zwischenzeitlich meckerte der kleine Rabe irgendwie scheinbar grundlos und war mit nix zufrieden, aber das legte sich jeweils nach ein paar Minuten wieder. Bis dann irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Er meckerte wieder. Ich nahm ihn also, wie auch zuvor, auf den Arm und börks, wurde angespuckt. Nicht allzu viel, zunächst. Also schaffte ich es zum Glück gerade noch rechtzeitig, den Mini-Spuckeimer zu greifen, in den dann der nächste Schwall ging. Nachdem er sich beruhigt hatte, zog ich uns um, machte uns ein wenig sauber, wechselte das Handtuch (auf dem er schlauerweise sowie so schon gelegen hatte) und holte für ihn eine frische Wasserflasche. Der Flasche von Gestern traute ich irgendwie nicht ganz. Daher holte ich lieber eine neue. Wir haben noch eine Kiste mit 0.33-Flaschen Evian hier. Wir hatten das immer bestellt, als der Rabe noch kleiner war, da unser normales Nonfu-Spring aus dem Wasserspender nicht für Babys geeignet ist. In der Flasche löste ich dann ein Sachet Rehydration-Salts auf und bot es dem Raben mit einem Strohhalm direkt aus der Flasche an. Er trank und trank und schlief ein. Genau eine Stunde später wachte er wieder weinend auf. Wieder war ich nur fast schnell genug und musste ihn erneut umziehen, aber das Gros landete im Eimer. Frisch in eins meiner T-shirts gepackt gab ich ihm nun Tröpfchenweise die Elektrolytlösung. Einmal noch musste er dann wieder eine Stunde später spucken. Da allerdings dann trotz ausgiebigem Stillen zwischendrin nicht viel.

Den Tag heute hatte er erst gute Laune und hat sogar einen Viertel Apfel (gerieben) gegessen. Außerdem hatte er bis zum Mittag schon die erste Flasche Evian geleert. Die zweite wird garantiert auch vor der Nacht noch leer werden. Dann hing er doch wieder durch, machte einen langen und unruhigen Mittagsschlaf, wollte nur auf den Arm, hat wieder leicht erhöhte Temperatur und ist jetzt kurz nach 17 Uhr beim Stillen wieder eingeschlafen.

Ich hoffe sehr, dass es ihm bald richtig besser geht und er auch wieder Appetit bekommt. Denn schon jetzt merken wir ganz deutlich, wie stark ihn die letzten 3 Tage ausgezehrt haben. Man kann richtig spüren, wie die Schulterblätter und die Wirbelsäule durch den Body hervorstehen, wenn man ihn trägt. Und beim Wickeln ist sein süßes Bäuchlein wölbt sich in die falsche Richtung, sodass man seine Rippen zählen kann... :(

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