Sonntag, 14. August 2016

Immerhin ist er bei Papa!?!

Nachdem ich euch davon erzählt habe, was für eine süße Glucke das Haselchen ist, muss ich auch mal loswerden, wie sehr mich die Reaktionen der anderen Leute auf die Tatsache, dass er aktuell hauptberuflich Papa ist, manchmal nerven.


Unsere Lösung

Bei uns ist es halt so, dass ich, seit der kleine Rabe 6 Monate alt ist, wieder vollzeit arbeiten gehe. Ich wäre gerne länger zu hause geblieben, weil ich lieber Zeit mit meiner Familie denn mit wildfremden Kunden verbringen würde. Aber es war nicht möglich. Is halt so. Seitdem ist das Haselchen, der schon zuvor von zu Hause aus selbstständig gearbeitet hatte, hauptsächlich Hausmann und Vater. Er arbeitet derzeit nicht viel, weil es einfach aus verschiedenen Gründen mit seinem business nicht so prickelnd lief und er sich stattdessen auf die „Care-Arbeit“ konzentriert.

Wir sind damit beide soweit zufrieden, wie es bei uns läuft. Und damit könnte jetzt ja alles im Lot sein. Unsere Familie, unsere Lösung. Mama, Papa und Kind glücklich. Aber es nervt mich ungemein, wie bis dato ALLE Außenstehenden auf diesen Umstand reagiert haben.


WENIGSTENS beim Papa

Dabei ging es bei uns weniger darum, dass er den Haushalt schmeißt und ab und an selbstständig von zu Hause aus arbeitet. Dafür wurde er mehr bewundert (vor allem den Haushalt und seine Kochkünste) und beneidet. Viel mehr war da ein gewissen Mitleid dafür, dass der Papa sich um das Baby kümmert. Unterschwellig, ja, aber es war da. Für den Papa auch (so von wegen, „Oh, das ist aber anstrengend für einen Mann“ – WTF?! Und für eine Frau nicht oder was?!), aber in erste Linie für das Baby. Die Unterhaltungen liefen meist in etwa so ab:

„Oh! You are back at work! So – who is taking care of your baby now? Your mother? Or you hired some nanny or something?”
“No, no. The baby is at home with my husband. He used to work from home and is a full time daddy for now.”
“Oh, ok. Well, at least the baby is with the father.”

Das klingt ja erstmal ganz ok soweit. Anfangs dachte ich mir auch bei der Reaktion nix. Aber: Nach einer Weile fiel mir dieses „at least“ auf. Also war das ja eigentlich gar kein „Ah, ok, er ist beim Papa“. Nee. Da steckte ein „Naja, wenigstens“ mit drin. Kein „Oh, schön, liebevoll beim Elter betreut“, sondern ein „Hach, wenigstens das kleine Übel“.

Ja, Fremdbetreuung wäre für uns hier nicht in Frage gekommen (ich hatte dazu mal ausführlicher geschrieben, Kurzfassung: einer chinesischen Ayi hätte ich mein 6 Monate altes Baby im Leben nicht anvertraut und würde ich auch meinen Einjährigen nicht anvertrauen). Und ja, es wäre schön gewesen, wenn ich länger hätte zu Hause bleiben können. Weil ich mein Baby vermisse und weil ich gerne zu Hause bin und weil er so schnell groß wird und weil das Abpumpen und Flaschen waschen etc. nervig aufwendig ist und das mit dem Trinken aus der Flasche zunächst ein bisschen Übung brauchte, da unser kleiner Rabe eigentlich lieber die Brust gehabt hätte. Aber das ist Pipifax und das waren wenige Wochen der Umstellung.

Aber was zum Henker soll dieses „Naja, wenigstens“ beim Papa?!


Surprise: Väter sind auch Eltern

Daran, dass hauptsächlich der Vater sich um sein Baby kümmert, gibt es kein „Naja, wenigstens“. Da ist kein „kleineres Übel“. Da ist gar kein Übel. Da ist ganz viel Liebe und Fürsorge, Zuwendung, Aufmerksamkeit, Geduld und Herz. Ob das alles von einem Menschen mit Eierstöcken oder einem mit Eiern kommt, ob die Hauptbezugsperson Brüste oder Brusthaar hat, das ist doch dem Kind egal (ok, vielleicht bis auf die Brüste). Ein Papa kann sein Kind genauso lieben und genauso gut versorgen, wie eine Mama. Oder sogar besser, je nach Eltern. Der absolut einzige Unterschied ist doch, dass das Haselchen halt nicht stillen kann. Aber bei einem Flaschenkind käme doch auch niemals jemand auf den Gedanken zu sagen „Hach, naja, wenigstens ist das Kind bei der Mutter“. Daran kann es doch also auch nicht liegen. Das ist doch absurd!

Ein Penis hindert nicht daran, ein Kind zu tragen. Testosteron sorgt nicht dafür, dass man unfähig zum Trösten, Umarmen und Kuscheln ist. Eine Prostata unterdrückt weder Einfühlungsvermögen, noch Geduld oder Kreativität. Hoden hindern einen nicht daran, Flasche zu geben oder ein Kind zu füttern. Kein Mensch benötigt einen Uterus, um einen Kinderwagen zu schieben. Eierstöcke sind keine Voraussetzung zum Wickeln. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.


People are idiots

Das Haselchen ist dem kleinen Raben das beste Elter überhaupt. Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran liegt, dass er selbst ohne Vater aufgewachsen ist und sich deshalb schon immer selbst versprochen hatte, es später einmal besser zu machen und ein richtiger, guter Vater zu sein. Aber wenn ich morgens das Haus verlasse, dann weiß ich, dass unser Kind bei seinem Papa MINDESTENS so gut aufgehoben ist, als wenn er zur Arbeit fahren und ich zu Hause bleiben würde.

Ich weiß, es kommt von diesen vollkommen willkürlichen Klischees der Gesellschaft, was männlich und was weiblich ist und was Frauen und was Männer gut oder nicht so gut können. Aber wieder einmal kann man dazu doch nur ganz laut brüllen: BULLSHIT!

Er selbst sagt zu dem ganzen Rant, den ich ihm eben grob mit „Ich verstehe einfach nicht, warum die Leute immer meinen, ein Vater wäre automatisch ein schlechteres Elter als eine Mutter“ umrissen habe übrigens nur: „Cause people are idiots!“.

Dem wäre dann wohl nichts mehr hinzuzufügen.

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