Samstag, 20. August 2016

Suzhou Getaway Juli 2016

Früher, also bis zur Geburt des kleinen Raben, sind wir regelmäßig für ein paar Tage irgendwo hin gefahren. In schöne Hotels, mit Pool und vielleicht Hot Springs in der Nähe. Oder mitten in einer der zahlreichen Wasserstädte um Shanghai herum. So alle 2 Monate etwa waren wir unterwegs.

Mit Baby dann haben wir uns nicht getraut. Zu groß war unsere Sorge. Was, wenn er auf dem Weg die ganze Zeit brüllt? Und beim Frühstück langweilt er sich bestimmt. Und sitzt ja nicht gerne lange. Und wenn es regnet? Er war ja noch nie schwimmen, vielleicht ist der Pool viel zu kalt. Oder vielleicht bekommt er plötzlich Fieber. Etc pp.

Aber jetzt, mit 1 Jahr, ist er ein Kleinkind. Und das merkt man auch. Er sitzt den ganzen Tag herum, liebt Wasser, interagiert liebend gerne mit anderen Menschen und isst ausnahmslos alles, dass er kleinbekommt. Und unsere Sorgen haben sich nach dem Urlaub in Deutschland auch alle zwar nicht ganz in Luft aufgelöst, aber doch deutlich relativiert

Und so haben wir drei Tage, die ich zufällig am Stück mitten in der Woche frei hatte dazu genutzt, nochmal nach Suzhou zu fahren


Das Packen

Packen ist mit Kind irgendwie viel aufwändiger. Früher habe ich für diese Kurztrips einfach fix eine Unterhose und meinen Bikini in den Rucksack geschmissen und geschaut, dass ich ein Ladekabel und meinen Geldbeutel dabei habe. Diesmal hat das Haselchen schon am Vortag eine Tasche bereit gestellt und wir haben auch am Mittwoch noch rotiert. Windeln, Wechselsachen, Töpfchen, Wickeltasche, Schwimmring, Schwimmwindel, Kapuzenhandtuch, Schlafanzug, Kinderzahnpasta, Kokosöl, Wasserflasche,... Die Liste an Kram, den man für zwei Übernachtungen mit Kind nicht vergessen sollte, ist ja fast länger, als das Kind! Aber irgendwann habe ich dann auch noch meine Unterhosen und meinem Badeanzug dazu geschmissen und wir waren fertig.


Vor der Abreise

Nach einer unruhigen Nacht (es scheint wohl bald die nächsten Zähne zu geben) wachte der kleine Rabe morgens um 6:10 auf. -_- Aber er war nicht mehr zum Schlafen zu bewegen. Also standen wir alle zusammen auf, frühstückten, packten. Das Haselchen duschte noch und schrieb Grabtalk an, ob die uns ein Auto besorgen könnten, das uns bis nach Suzhou bringt. Das ginge nicht. Also doch Zug. Und weil der Rabe schon 4 Stunden wach und langsam müde war, legte ich mich kurz nach 10 erstmal wieder mit ihm hin. Der Checkin im Hotel war eh erst für den Nachmittag und weit ist es von Shanghai nach Suzhou nicht.


Der Weg

Nachdem der Versuch, ein Uber für die gesamte Strecke zu finden, kläglich scheiterte, buchten wir ein Auto zum Bahnhof. Das kam mit ein paar Schwierigkeiten doch noch an und wir waren froh, erstmal aus der Hitze draußen zu sein. Es waren nämlich mittlerweile 40°C. Der kleine Rabe meckerte erst eine Weile im Stau und schlief dann plötzlich ganz unerwartet ein. Beim AAm Bahnhof mussten wir erst noch einen Geldautomaten suchen und die Tickets kaufen. Die bekamen wir dann für 16:00. Dann noch mit Kind und Reisetasche durch die Sicherheitskontrolle und am richtigen Bahnsteig dann endlich in der klimatisierten Wartelounge warten.

Uff. Wir waren inzwischen alle drei klatschnass geschwitzt und die Großen waren zudem hungrig und durstig und gestresst. Wir zickten uns ein wenig gegenseitig an und beschlossen, sowas nicht wieder zu tun. Dann holten wir kühle Getränke und frische Nudeln und der Zug kam. Dank 1. Klasse hatten wir mehr als genug Platz. Der kleine Rabe stillte, wollte aber partout nicht schlafen und verschmähte auch die Nudeln. Trank dafür aber noch mehr Wasser.

In Suzhou hatten wir das große Glück, ein neues Taxi mit Sicherheitsgurt zu bekommen und das fuhr uns zum Hotel. Schon in der Auffahrt wurde unsere Laune ein wenig besser.


Das Hotel

Wir hatten im Pan Pacific Suzhou gebucht und es war der Hammer! In bester 5 Sterne Manier wurden uns alle Türen geöffnet, das Gepäck abgenommen und nach dem Check in zum Zimmer getragen. Ohne Trinkgeld oder Ähnliches, sondern einfach als der Standard-Service.

Unser Zimmer war sehr groß, mit Balkon und riesigem Bad mit Badewanne und Regendusche (Spoiler: Da habe ich es leider nicht hinein geschafft). Ein kleines bisschen vor "omg ist das toll hier" ausgeflippt bin ich dann, als ich außer Shampoo, Conditioner etc auch noch Badesalz und einen Luffa entdeckt habe. Das hatte ich bis jetzt noch in keinem Hotel...

Aber erstmal war es nun Zeit für den kleinen Raben, zu schlafen. Und zwar allerhöchste! Er schlief vor lauter Aufregung sehr viel schwerer ein, als ich erwartet hätte, schlief dafür dann aber gleich bis nach 18:00 Uhr. Nun denn. Machte nix, denn wecken will ich ihn nicht so gerne, das nimmt er einem nämlich übel und ist dann gleich stundenlang knotterig...


Die Club Lounge

Danach ging es zu unserem zweiten Wohnzimmer für die nächsten 48 Stunden: Da wir ein Club-Zimmer gebucht hatten, hatten wir auch die Annehmlichkeiten der Club-Lounge. Dazu gehörten Frühstück, Afternoon tea, Cocktail Happy Hour und Softdrinks 24/7. Und jetzt war happy hour. Ich begnügte mich mit einem Bier und extrem leckerem Ginger Ale, während das Haselchen dem Gin und Tonic fröhnte. Der kleine Rabe wuselte derweil - glücklich mit einem Auto spielend - über das Sofa und futterte den Belag vom Sandwich. Vor allem die Tomaten und Gurken. Den Sandwichtoast hingegen spuckte er immer wieder irritiert aus. Ist halt ein Vollkornbrot-Kind... ;)

Hier kamen das Haselchen und ich nach der doch recht anstrengenden Anreise erst so richtig zur Ruhe und begannen, zu genießen. Und stellten fest, dass es sich doch gelohnt hatte, herzukommen.

Sehr positiv fiel mir hier übrigens auf, dass sich NIEMAND auch nur ansatzweise daran störte, dass da jetzt ein Einjähriger in der fancy Lounge war. Ich meine ok, er ist nicht brüllend durch die Gegend gerannt und hat alle Tische abgeräumt. Er hatte keinen Tobsuchtsanfall vor dem Kuchenbuffet oder hat mit Spielzeug nach anderen Gässte geworfen oder sonstwas in der Art. Aber er war auch nicht die ganze Zeit mucksmäuschen still. Er hat auch schon mal krakehlt, wenn er sein Auto weggeworfen hatte und wir ihn davon abhielten, sich über die Sofalehne hinterher zu werfen. Und er hat auch beim Frühstück deutlich hörbar nach der Brust verlangt. Und später kundgetan, dass es ihm langweilig ist. Aber er war genauso Gast, wie alle anderen auch. Die Bedienung freute sich jedes Mal, ihn zu sehen und die anderen Gäste winkten ihm meist lächelnd zu und waren ganz entzückt, wenn er zurück winkte.








Das Restaurant

Danach ging es zum Buffet-Restaurant. Abendessen. Das war nicht mitgebucht, aber hungern wollten wir ja nun nicht. Also auf ging's. Und es war toll! Dass die Großen an einem guten Buffet so ihre Freunde haben würden, war ja zu erwarten. Aber die Menge und Auswahl, die der kleine Rabe futtere - und mit welch einer Wonne! Wurst, Käse, Brot, Kartoffeln, Oliven, saure Gurke, Tomate, Fisch, Meeresfrüchte, Broccoli, Blumenkohl, Mais, grüner Spargel, Obst. Alles. Queerbett und durcheinander und mit so viel Appetit, dass es eine Freude war, ihm zuzusehen. Es wurde ihm auch gar nicht langeweilig. Ok, zwischendrin fuhr er ja auch mit uns das Buffet entlang in seinem Hochstuhl oder trommelte mit bunten Stäbchen auf den Tisch. Aber es war echt toll.

Am nächsten Abend waren wir wieder da und es war ein ganz kleines bisschen anstrengender, weil er müder war. Aber trotzdem. Mit einem Einjährigen zum Buffet ist viel, viel besser, als ich erwartet hätte!









Das Beste: der Pool

Einer der Hauptgründe, weshlab wir das Hotel ausgesucht hatten war – neben der Club Lounge und dem Preis – der Pool. Beziehungsweise die Pools. Es gab einen drinnen und einen draußen. Letztendlich waren wir nur im Außenpool. Drinnen hallte es nämlich und das Becken war etwas kleiner. Sodass hier der kleine Rabe Angst vor den anderen Kindern, die hier wild tobten, hatte. Außerdem war das Wasser dort recht kühl, während es draußen schon fast Badewannentemperatur hatte (bei 40 Grad Außentemperatur über mehrere Tage ja auch kein Wunder). Hier planschten wir zweimal täglich und drehten lustige Videos mit der GoPro. Der kleine Rabe hatte einen extra Schwimmreifen. Aber panische Angst vor selbigem. Also liesen wir den Reifen Reifen sein und wateten, hüpften und planschten mit ihm auf dem Arm durchs Wasser. Und da mag jetzt die eigene Schwimmbegeisterung oder der allgemeine Schlafmangel aus mir sprechen, aber wir hatten beiden zwischendurch den Eindruck, dass er versuchte, zu schwimmen. Also nicht nur auf unserem Arm herumhing, sondern bewusst mit den Füßen paddelte, während wir ihn unter den Armen festhielten.






Die Nächte

Die Nächte waren besser, als ich befürchtet hatte. Nachdem der kleine Rabe schlief, setzten das Haselchen und ich uns ins Bad auf den Boden und redeten bei einem Gläschen (von zu Hause mitgebrachtem) Rotwein und (aus der Club Lounge geholtem) Ginger Ale. Seltsam fühlte sich dabei an, dass mal KEIN babzmonitor vor uns stand. Was uns in der Folge dann gleich dazu veranlasste, immer mal wieder aufzustehen und nachzusehen, ob mit dem kleinen Raben direkt nebenan auch alles ok sei. Helikopteralarm, ich weiß... Aber wir können halt doch nicht aus unserer Haut.

Schlafen klappte dann auch gar nicht so schnelcht – Kingsize Bett sei dank war genug Platz für alle und das Haselchen schnarchte nur zwischendurch mal so, dass es mich nervte. Und so müde von der ganzen Aufregung und dem Schwimmen schlief der kleine Rabe auch wie der niedlichste kleinen Stein, den ich je gesehen habe. Ganz besonders für seine Verhältnisse...


Die Rückfahrt

Der Rückweg war vergleichsweise ereignislos. Das Hotel rief uns ein Taxi (wieder mit Sicherheitsgurt! WOW!), das uns zum Bahnhof brachte. Dort stampften wir mit Gepäck und Kinderwagen und Kind auf dem Arm eine Treppe runter zum Ticketschalter und dann wieder hoch, um dann letztendlich in der Wartehalle festzustellen, dass wir och wieder runter mussten. -_- Nun ja. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben... der kleine Rabe war dann recht genert beziehungsweise eingeschüchert von den aufdringlichen Mitreisenden, die unbedingt wollten, dass ihre eingeschüchterten Kleinkinder zu dem Laowei Baby gehen sollen und das mit Fucheln und Krakeelen untermalten. Und dann versuchten, den kleinen raben direkt selbst zu betatschen. Das kann ich ja leiden... Aber leider kann ich es auf Chinesisch nicht erklären. Also nahm ich ihn einfach auf den Arm und ging mit ihm weg. Im zug war er dann ganz aufgedreht und hampelte auf meinem Schoß herum. Bis ein anderer Schnellzug an un vorbei fuhr, er sich erschrak, zusammenzuckte und ich dann ganz fest an mich klammerte. Süßes armes kleines Häschen!

Zurück in Shanghai dann hatten wir einen furchtbaren Taxifahrer und eine nervenaufreibende Fahrt. Und auch die Nacht danach war hart. Offenbr noch zu aufgekratzt von den ganzen Erlebnissen wachte der klene Rabe ungelosen jede Stunde auf und beruhigte sich erst, wenn ich mit ihm sprach oder ihn hoch nahm oder sonstwie richtig aktiv wurde. Einfach nur kuscheln oder stillen reichte nicht. Dementsprechend war ich dann körperlich am nächsten Tag im Büro ziemlich durch den Wind. Aber mental war dieser kleine Kurztrip wie eine komplette Woche Urlaub.

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