Freitag, 5. August 2016

Tagebuchbloggen August 2016

1:00 Nach einem anstrengenen Tag habe ich mit dem Haselchen noch lange Musik gehört und Paarzeit genossen. Jetzt geht es ab ins Bett.

 

1:15 Stillen und den kleinen Raben dann aus dem Beistellbett einfach bei mir liegen lassen.

 

6:37 Stillen, die Badezimmertür chließen, durch die zu viel Licht ins Zimmer fällt und den Katzer böse anschauen, der ersucht, uns alle zum Frühstück zu wecken. Er scheint es zu bemerken und rollt sich wieder am Fußende des Bettes ein.

 

8:26 Der kleine Rabe ist wach, hat fertig gestillt und bohrt mir den Fingern abwechselnd in die Nase und lässt meine Lippe damit schnallzen, damit ich „bwwww“ mache. Dabei strahlt er mich an. Ich bin trotzem froh, als das Haselchen kommt und sich erstmal um den Kleinen kümmert, während ich noch ein paar Minuten liegen bleibe, um richtig wach zu werden. Dann übernehme ich das Zähne putzen, Anziehen und Spielen, während das Haselchen Frühstück vorbereitet.

 

9:28 Wir beginnen, zu frühstücken. Weetabix mit Apfel und selbstgemachtem Joghurt. Ich finde es lecker, der kleine Rabe auch. Der Mann findet es gesund un hätte lieber was Handfestes.

 

10:00 Alle sind fertig mit dem Frühstück und ich fange an, mich fertig zu machen.

 

10:10 Die Dusche bleibt kalt. Sonst könnte der Boiler Feuer fangen. Bei Gas nicht so eine schöne Vorstellung... Aber bei 32 Grad im Schatten ist auch das kalte Wasser nicht wirklich kalt und so geht das schon.

 

10:35 Ich bin soweit fertig und stille den kleinen Raben nochmal. Dann mache ich mich auf den Weg ins Büro. Unterwegs schwitze ich auf em Rad vor mich hin, aber es geht heute doch besser, als noch vor zwei Wochen. 32 sind halt keine 40 Grad und 60% sind keine 90% Luftfeuchtigkeit...

 

11:15 Ich komme im Büro an und bemerke, dass meine Fahrradschloss verbogen ist. Damit hatt das Haselchen letzte Nacht versucht, unsere kaputte Türe zu öffnen. Jetzt kann ich es nicht schließen und zum Zurückbiegen fehlt mich auch ein bisschen die Körperkraft. Also hänge ich es offen an den Reifen und hoffe auf die Chinesen. Und darauf, dass es ja im Keller des Bürogebäudes und nicht zum Beispiel vor der Metrostation steht. Es wäre zwar ärgerlich, wenn das Rad wegkommen sollte. Aber kein Weltuntergang. Das Teil hat keine 25 Euro gekostet und ist eignetlich ja sowieso zu klein...

 

11:22 Ich bin an meinem Arbeitsplatz und fahre den Rechner hoch. Dann bestelle ich erstmal mein Mittagessen für später.

 

11:30 Absolut pünktlich beginne ich meine Überstunde und habe binnen weniger Minuten schon meine items abgearbeitet. Einer Kollegin sei dank, die deutsche Items hatte (und selbsts kein Deutsch spricht).

 

11:55 Ich gehe durch meine Emails und sehe, dass wir Nachricht aus dem Büro in Berlin bekommen haben. Dort hatte ich mich intern für eine Teamleiterstelle beworben. Und sie wollen gerne ein kurzes Telefoninterview mit mir führen! Yeah! Das ist zwar natürlich noch keine Zusage, aber es ist auch keine Absage. Ich bin nervös und freue mich. Vielleicht behalte ich ja Recht und wir feiern Silvester dann in Deutschland... Und eine interne Versetzung bzw. Beförderung hätte halt den großen Vorteil, dass ich extra Urlaub für den Umzug bekomme und mir die Firma dabei ggf auch ein bisschen unter die Arme greift. Und außerdem mag ich meine Firma ja eigentlich echt gerne, das Betriebsklima passt und dann gäbe es keine Probezeit und überhaupt...

 

12:00 Ich hole mir erstmal Mittagessen vom Buffet.

 

12:27 Ich bin wieder am Platz und fange an, die vorhin gesichteten Emails durchzuarbeiten.

 

12:30 Meine offizielle Arbeitszeit beginnt. Also Telefon auf ready. Noch immer nicht meine Lieblingaufgabe, aber deutlich besser jetzt als Senior, da ich bis auf die ganz schweren Fälle nur noch Agents am anderen Ende der Leitung habe, die Rat brauchen, Geld auszahlen wollen oder technische Probleme haben.

 

13:29 Gleich mal meinen ersten mass issue für heute. Ein Hotel hat aus Versehen seine Raten um den Faktor 1000 zu niedrig geladen. Jetzt gibt es über 130 Fälle, bei denen Leute eine Suite mit Frühstück für 2 Personen für umgerechnet 15 Cent gebucht haben. Immerhin fällt das mal so schön unter „obvious errors“, dass es klarer nicht sein könnte.

 

14:00 Pause. Ich gehe nur kurz aufs Klo und arbeite dann weiter. Wir müssen ja aktuell auch noch 20 items pro Tag erledigen, um gegen den Ansturm des summer peak anzukämpfen...

 

14:05 Direkter Anruf während der Pause. Ein Gast aus Taiwan beharrt darauf, dass 15 Cent für die Suite eines 5 Sterne Hotels inklusive Frühstück kein offenkundiger Fehler sei und der Preis honoriert werden muss, ansonsten geht er zum Anwalt. Ich rate dem Agent, dass der Gast gerne auch zum Anwalt gehen darf, wenn er das für richtig hält, aber dass wir das Hotel in dieser Situation zu nichts zwingen und ihm auch nichts in Rechnung stellen werden.

 

14:15 Und weiter geht es offiziell.

 

15:00 Ich hole mir einen Kaffee und ein paar Cracker. Was zum Knabbern für die Nerven... Ein agent hat mir allen Ernstes ein feeback gesendet, meine note sei unklar und verwirrend. Weil ich geschrieben habe „Hotel kann in diesem Zimmertypen keine 4 Erwachsenen unterbringen. Maximale Belegung sind 2 Erwachsene und 2 Kinder unter 16 Jahren“. Jetzt ist der agent verwirrt, ob 2 Erwachsene und 2 Kinder mit 8 und 3 Jahren untergrbracht werden können. Und ich bin Schuld, weil meine note so unklar ist. Ihr merkt das, ne? Ja, der agent halt nicht und muss deshalb ein feeback an meinen Teamleiter geben.

 

15:37 Nächster mass issue. Ein Hotel hat den Betreiber gewechselt und die neuen Besitzer wollen unserere Buchungen nicht mehr honorieren. 20 Gäste brauchen ein neues Hotel, aber zum Glück nicht für heute. Easy peasy.

 

16:00 Team huddle. Wir hören, dass in Zukunft ie mass issues anders assigned werden. Klingt gut, ist logisch und spart Zeit. Alles klar, bin ich dabei!

 

16:23 Mittagspause. Heißt heute: Ich gehe schnell hoch und hole meine Lunchbox und esse dann, wörhrend ich noch ein paar cases mache.

 

16:45 Ich gehe in den maternity room und stelle dort fest, dass ich genau die beiden Teile der Milchpumpe, die sonst direkt auf die Brust kommen, vergessen habe. Ich ersuche, trotzdem zu pumpen. Aber es tut weh und kommt praktisch nix. Alo heute dann halt mal nicht.Argh. Zeitgleich spinnt die Interneterbindung und ich kann keine gescheite Videokonferenz mit meinen Männern daheim führen. Noch mehr argh. Ich bin genervt und vermisse mein Baby. Und dabei ist der Tag noh nicht einmal zur Häfte um...

 

17:00 Ich bin wieder an meinem Tisch. Drei verpasste Anrufe, die ich einfach mal unelegant ignoriere. Statdessen schreibe ich eine interne Mail. Die Account Managerin bittet, den Fall mit den falschen Raten „vorsichtig“ zu behandeln. Ja Himmel Arsch un Zwirn, was soll das denn bitte heißen?! Ich habe den agents bestimmt nicht gesagt „So, jetzt ruf den Gast mal an und streite dich mit ihm und brüll ihn an, wie er so ein blöder Arsch sein und sowas buchen kann, ok?“. Stattdessen bleibe ich ganz höflich und bitte Sie um einen Ratschlag, wie wir das am Besten angehen sollten. Allein dafür sollte ich heute schon einen Orden bekommen, ey... Oder dafür, niemandem an die Gurgel gegangen zu sein im Allgemeinen...

 

17:20 Und wieder auf ready.

 

17:30 Ich bekomme einen Salat. Die Firma hat was zu feiern und dafür wurde bei McDonald fried chicken bestellt. Kein Witz. Auf mehrfachen Wunsch der Chinesischen agents hin. Aber irgendjemand hat dran gedacht, dass ich kein Fleisch esse und für mich einen Gartensalat geordert. Ich schwanke zwischen „Zou gotta be kidding me“ und „Süß!“.

 

18:30 Zwischen „Ich will nicht mehr!“ „Orrrrrrrr“ und „Was soll en diese ver****** *******?!“ jongliere ich meine Anrufe und mass issues.

 

18:44 Endlich ein kleiner Lichblick in dem Wahnsinn: Ein Schuldiger ist gefunden und ich kann an einem meiner mass issues weiter arbeiten.

 

19:20 Meine Brüste spannen. Aber jetzt muss ich da durch...

 

19:36 Das Haselchen schickt mir eine „Gute Nacht, Mama“ Videobotschaft und ich muss mich zusammenreißen, um nicht zu heulen. Ich LIEBE es, en kleinen Raben abends ins Bett zu bringen. Unser Abendritual tut auch mir so gut und wenn er in meinem Arm einschläft, dann komme auch ich jedes Mal so richtig zur Ruhe und kann alles Nervige und Schlechte einfach hinter mir lassen. Umso mehr bedauere ich heute, meinen Kleinen nicht in den Schlaf begleiten zu können. Das Haselchen macht das natürlich auch gut und liebevoll, aber ich würde es so gerne übernehmen...

 

19:38 Fast 10 Minuten verspätet beginne ich meine Pause und hole mir ein Snickers aus dem Snackautomaten für die Nerven.

 

19:52 Und weiter geht’s... Wenigstens ist jetzt am Telefon ein bisschen weniger los und ich kann bei meinen ganzen offenen mass issues einen follow up machen und nach dem Rechten sehen. Auch, wenn ich mich dabei dann mal wieder nur über die Kollegen aufrege, die anscheinen nicht richtig lesen können... Ich veratme das jetzt aber einfach mal mit Erdnüsen zwischen den Zähnen.

 

20:21 Follow ups für heute beendet. Einen neuen mas issue bekomme ich jetzt auch nicht mehr zugeteilt und ich kann mir Fälle zum Bearbeiten suchen, damit ich da für diese Woche auf mein Soll komme.

21:20 Ich setze meinen Status auf "finalize call" und fange langsam an, meine Sachen zu packen.

 

21:30 Feierabend!

 
21:36 Yes! Das Fahrrad ist immer noch da! Ich liebe die Chinesen ja für sowas.
 

 
21:40 Mit einem wilden Musikmix (Specimen, ASP laut mitgesungen, Suicide commando, Tommy Stumpf, russischer Punk mit Textzeilen wie "Deutsche Soldaten Gitler kaputt. Rusky punky oy!" und Lacrimosa) auf den Ohren fahre ich nach Hause.

22:03 Ich komme zu Hause durch die Tür. Während das Haselchen sich meine mitgebrachten Reste aufwärmt, bereite ich das Frühstück für den kleinen Raben und mich vor, indem ich Haferflocken, Goji Beeren und Rosinen in Joghurt einrühre, damit das bis morgen alles ordentlich aufquellen kann.

22:24 Ich setze mich mit einem Ginger Ale (ein gutes von Watsons, das deutlich mehr nach Ingwer schmeckt, als das von Schweppes) zum Haselchen aufs Sofa und wir reden über Chinesische Küche.

 

22:50 Ich stehe auf, um mir die Zähne zu putzen und mich auch sonst bettfertig zu machen.
 


23:05 Ich lege mich zum kleinen Raben ins Bett und kann endlich mein Kind stillen - eine Wohltat für Körper und Seele heute.



23:26 Ich habe noch ein bisschen auf dem Handy gelesen und werde jetzt gleich schlafen. Gute Nacht!

1 Kommentar:

  1. Was war denn heute bloß los? Alle irre, nicht nur die Kundschaft und die Kollegen, sondern auch der Busfahrer auf dem Heimweg. Pure Aggression allerorten. Ich bin froh, dass ich noch lebe...;-)

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