Donnerstag, 22. September 2016

Gothic Friday: The Internet is for.... EVERYTHING!

Bei uns geht es derzeit hoch her. Wir haben die definitive Zusage für die Wohnung bekommen und ziehen Anfang des Jahres nach Leipzig. Von der längsten Anreise zum WGT zur kürzesten... ;-) Ich habe heute meinem Teamleiter meine Kündigung angekündigt und wir warten gerade noch auf den Kostenvoranschlag des zweiten Umzugsunternehmens... Also viel Tumult hier bei uns.

 

Aber trotzdem habe ich jetzt mal eine ruhigen Moment (den ich im Büro gerade eh nicht viel anders nutzen kann) und will versuchen, auch weiter beim Gothic Friday mitzumachen.

 

Internet als Thema?

 

Das Thema für diesen Monat fand ich auf den ersten Blick irgendwie... Unerwartet. Es geht um das Internet. Unerwartet fand ich es deshalb, weil für mich das Internet einfach da ist. Ich nutze es täglich und es gehört fest zu meinem Alltag. Ich bin mit ihm zusammen groß geworden und könnte nicht mehr darauf verzichten. Absolut nicht. Natürlich ist es nicht wie die Luft zum Atmen oder etwas zu essen, dass ich ohne Internet Qualen leiden würde. Aber ich könnten nicht mehr darauf verzichten so, wie ich auch nicht auf Elektrizität oder fließend Warmwasser oder eine Mikrowelle in der Küche verzichten kann. Also so, dass man zwar auch ohne leben und auch mal eine Zeit ohne genießen kann, aber man merkt doch immer ganz deutlich, dass es fehlt.

 

Ich lese Nachrichten online, ich habe den Großteil meiner sozialen Kontakte online, ich bestelle meine Kleidung, Schuhe und Accessoires online, genauso wie Spielsachen, Dinge des täglichen Bedarfs etc, ich buche meinen Urlaub online, ich arbeite bei eCommerce-Unternehmen, ich bestelle mein Essen online, ich finde meine Musik online, ich finde die Filme und Serien die ich schaue online, ich suche nach Jobs online, ich suche nach Wohnungen online, ich informiere mich über alle möglichen Themen online, ich sehe die Wettervorhersage online,...

 

Ich finde es trotzdem doof, wenn auf einer Party jeder nur ständig an seinem Handy klebt und die erste Frage die nach dem Wifi Passwort ist. Keine Frage. WENN ich schon aus dem Haus gehe, dann ist das doof und es ist auch einfach unhöflich. Aber, seien wir ehrlich, da kann das Internet nix für. Die gleichen Leute könnten dann auch offline an einem Gameboy daddeln oder telefonieren. Oder sich von mir aus mit der Katze statt mit den Menschen unterhalten (das war früher immer so meine Rolle...).

 

Dann jedoch fiel mir ein, dass andere Menschen mit dem Internet ja wirklich ganz anders umgehen und es ganz anders sehen. Und dass die Selbstverständlichkeit, mit der ich das Internet sehe, selbst für meine Generation und ganz besonders für die vorhergegangenen eben nicht unbedingt der Standard ist.

  

 

Internet und Schwarzsein

 

Auch hier sah ich zunächst keinen Zusammenhang. Ich gehöre der schwarzen Szene an und ich bin online. Jupp. Ich trage auch schwarz und stelle mein Essen in die Mikrowelle, wenn es kalt ist. Ich fahre mit düsteren Songs auf den Ohren in der U-Bahn. Aber ich würde nicht großartige über Mikrowellen und Schwarzsein oder U-Bahn fahren und Schwarzsein nachdenken... Dann jedoch fiel mir ein, dass das ja alles nicht immer so war.

 

Also ja, das Internet ist eine riesen Bereicherung für mein persönliches „Schwarzsein“, weil ich so mit anderen Menschen, die ähnlich ticken, in Verbindung kommen und bleiben kann, egal, wo ich bin. Dazu geht das alles vergleichsweise anonym und bequem von zu Hause aus. Allein schon der Austausch, der hier, im Zuge des Gothic Friday, stattfindet, ist diesbezüglich eine riesige Bereicherung. Von den schier unendlichen Möglichkeiten, neue Musik kennen zu lernen und den „schwarzen“ genau wie den sonstigen Horizont immer mehr zu erweitern, wenn man das Wissen der Welt in seiner Hosentasche trägt, will ich gar nicht erst anfangen, sonst komme ich nämlich zu keinem Ende.

  

 

Soziale Medien

 

Auf Facebook bin ich angemeldet, aber nutzen es nur noch sporadisch. Das dortige Niveau spiegelt wohl leider zu oft den Durchschnitt der Gesellschaft ab. Und an unserer Gesellschaft möchte ich zu oft verzweifeln... Dennoch nutze ich es ab und an zum Zeitvertreib, beispielsweise in lustigen Gruppen, lasse mir immer wieder interessante Artikel (überwiegend über Elternschaft, Gleichberechtigung, etc pp) in meine Timeline spülen und diskutiere hier und da mal mit (beispielsweise über Stillen in der Öffentlichkeit). Letzteres versuche ich jedoch, mir so oft wie möglich zu verkneifen, denn Spaß macht es letztendlich nicht...

 

Whatsapp habe ich installiert. Genauso wie Wechat, das chinesische Pendant dazu. Als Chat-App um mit Freunden, Kollegen, Verwandten und Bekannten in Kontakt stehen zu können. Denn ich HASSE es zu telefonieren und schreibe lieber eine Nachricht. Und wenn ich ohnehin eine Internetflatrate auf dem Handy habe geht das über einen solchen Messenger einfacher und ohne die Zeichenbegrenzung einer SMS.

 

Eine besondere „Liebe“ habe ich für Twitter entwickelt. Das liegt nicht gar so sehr an der Plattform an sich, denn an den Menschen aus meiner dortigen Filterbubble. Ich weiß nicht mehr, wer es schrieb, aber neulich laß ich eine ganz treffenden Tweet. Sinngemäß stand da: Auf Facebook sind die Leute, die man kennt, aber nicht mag. Auf Twitter die, die man mag, aber nicht kennt. Und das stimmt in weiten Teilen tatsächlich. Auf Twitter kann ich nachts um drei schreiben, wenn mein Kind Fieber hat und ich es gerade wie ein Neugeborenes in den Schlaf geschuckelt habe, nachdem es alles vollgekotzt hat und ich selbst völlig am Ende bin und bekomme von wildfremden Menschen aus der anderen Ecke der Welt Zuspruch, virtuelle Umarmungen, Schokoladen-Emojis und Tips. Auf Twitter werden Aktionen wie #offeneTuer gestartet, bei der Münchner nach dem Amoklauf Getrandeten, die sonst nirgendwo unterkommen konnten, bei sich zu Hause aufgenommen haben. Und dann ist Twitter auch einfach viel lustiger. Nicht umsonst gibt es ganze Webseiten voll von geklauten Twittersprüchen.

  

 

Sinkendes Niveau

 

Oh... oh... Schwerer Brocken hier. Ja, die Diskussionskultur auf Facebook ist absolut das letzte. Wie erwähnt, dort zu diskutieren, macht einfach keinen Spaß. Da werden Rundumschläge verteilt, es wird verallgemeinert, beleidigt, getrollt, gedroht, überhaupt nicht gelesen, worum es eigentlich geht,... Im echten Leben würde ich solche Diskussionen gar nicht führen, sondern mich einfach umdrehen und gehen. Im Internet legt der andere dann immer nochmal nach und wird damit schwerer zu ignorieren. Außerdem fühlen sich viele durch die empfundenen Anonymität geschützt. Ich glaube kaum, dass mir im echten Leben jemand ins Gesicht sagen würde „Du stillt dein Kind mit über einem Jahr noch? Du bist ja pädophil!“. Im Internet jedoch wird es teilweise genau so geschrieben. Das frustriert gegebenenfalls, das regt auf und das ist nicht schön. Aber es ist auch, leider muss man wohl oft sagen, ein ehrlicherer Blick in die oft verqueren Meinungen mancher Zeitgenossen.

 

Dazu kommt dann auch noch, dass im Internet der ganze nonverbale Teil der Kommunikation fehlt. Ich habe auf Twitter schon mitbekommen, dass ein Satz, der als echte und aufrichtige Bewunderung gemeint war, als Sarkasmus aufgefasst wurde und zum Blocken der anderen Person führte. Da wollte jemand eigentlich wirklich nett sein und verletzte dann komplett ungewollt jemanden, schlichtweg weil die Stimmlage, die Gestik und Mimik fehlten oder auch vielleicht einfach die Situation beim Schreiben und die beim Lesen eine andere war.

 

Zeitgleich jedoch kann man im Internet ganz wunderbar fruchtbare Diskussionen führen. Denn, was in einer Debatte von Angesicht zu Angesicht nicht möglich ist, man kann seinen Standpunkt auch mit Belegen, Studien, Statistiken etc untermauern. Links zu weiterführenden Informationen setzen, einen ordentliche Argumentationsstruktur ganz nach Lehrbuch aufbauen und so tatsächlich überzeugen. Zudem gefällt mir persönlich das geschriebene Wort besser, da es nicht so vergänglich ist und man sich bei der Formulierung auch mal Zeit lassen kann.

  

 

Selbstdarstellung

 

Uyuyuyuyuy, aber sowas von! Ich muss da immer an die WGT Facebook-Gruppe denken. Wer da nicht drin ist: Vor und während des WGT posten die Damen und Herren dort tägliche Selfies von sich und ihren Outfits und lassen sich dann dafür feiern, wie toll sie aussehen. Und wehe dem, der widerspricht... Und in der Mera Luna Gruppe wird davon geschrieben, dass dieses Jahr wieder so viele schöne KOSTÜME zu bewundern waren...

 

Aber ich glaube, das hat weniger mit dem Internet an sich und mehr mit dem Drang nach Selbstdarstellung und dem Geltungsbedürfnis der einzelenen Personen zu tun. Also auch hier kann das arme Internet ja echt nix für die Menschen, die es nutzen. Das Internet macht aus einem schüchternen, zurückhaltenden bescheidenenen Menschen mit Sicherheit keinen geltungsbedürftigen Protz. Es mag ihn für mich SICHTBAR machen, aber er war schon vorher so. Und über die Kostüm-Geschichte mag ich mich schon gar nicht mehr aufregen, sonst bekomme ich nur Blutdruck...

  

 

Bestandsaufnahme

 

Tatsächlich sind die Spontis die einzige „schwarze“ Seite, die ich regelmäßig verfolge. Im Zuge dessen dann natürlich auch jeweils immer die Blogposts der Teilnehmer des Gothic Friday. Klar, ich bin auch bei Facebook in den Gruppen für WGT und Mera Luna sowie bei der „Schwarzen Familie“, aber das überfliege ich meist einfach.

 

Ansonsten bin ich mehr die Elternblog-Leserin. Da das aber für den Gothic Friday nur so mäßig spannend ist, klammere ich das jetzt mal aus und erwähne nur die, die auch irgendwie schwarz-bunt sind. Da wären Traumzweiplus bzw. Traumverliebt, die ja auch beim Gothic Friday mitmacht, Frau Hamschta, die sich selbst zwar nicht mehr als Gothic bezeichnet, aber trotzdem, die dunkelbunte Erdbeerlila und das 2KindChaos, dessen Frontfrau früher die gleiche Stammdisco hatte wie ich, und mit der ich mir auch noch den Vornamen teile. Habe ich noch irgendwen vergessen? Ja, mit Sicherheit. Sorry, mein Hirn ist heute Matsch...

 

Auf YouTube folge ich nix und niemandem. Da schaue ich manchmal Musik- und meist lustige Katzenvideos, wenn wir keinen Film zum schauen haben. Und die Anstalt. Außerdem das Sandmännchen zusammen mit dem kleinen Raben.

  

 

Teil des Netzes

 

Oh Wunder, surprise surprise, ich blogge. Und twittere. Mehr mache ich nicht, aber das reicht auch schon neben dem normalen Alltag.

Kommentare:

  1. Hallo :)

    Ich lese hier schon eine weile still mit ;)

    Ich sehe das mit dem Internet wie Mikrowelle etc. genau so. Ich finde es immer wieder schwierig das mit menschen zu diskutieren, die das nicht so sehen. gerade jetzt, wo die Kinder langsam größer werden und das Internet für sie noch viel selbstverständlicher ist als schon für uns, wird das immer deutlicher.

    ich wünsche euch viel Glück für den Umzug :D

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    1. Hallo,

      Ja, ich kann es halt irgendwie auch verstehen, wenn man den größten Teil seines Lebens ohne Internet verbracht hat, dass man es dann anders betrachtet...

      Und vielen Dank! :)

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