Samstag, 29. Oktober 2016

Nicht der Papa!

Ich wollte nie die Art von Mutter sein, die sich krampfhaft an ihr Kind klammert und es am liebsten klein halten möchte. Und ja, ich freue mich tierisch, dass der kleine Rabe immer größer und selbstständiger wird. Ich bin total stolz auf ihn, wenn er durch die Wohnung krabbelt und kichernd Richtung Bad flitzt, um die Wattestäbchen auszuräumen und überall zu verteilen. Kichernd deshalb, weil er weiß, dass uns das manchmal ein wenig nervt, da wir dann ja alles wieder aufräumen müssen und er das deshalb eigentlich nicht unbedingt machen soll und daher kichert er schon auf dem Weg dorthin. Ich bin so stolz auf ihn, wenn er Wünsche klar äußert und ganz deutlich „Krch-Kaka“ oder „Manga“ fordert oder sich seiner eigenen Autonomie bewusst wird und dann eben auch mal in frustriertes Kreisch-heulen ausbricht, wenn etwas nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat (und ich zum Beispiel partout keine Aluminiumfolie essen möchte, obwohl er mich doch so nett damit zu füttern versucht). Das ist alles natürlich für uns nicht aller ganz leicht. Aber es ist toll und aufregend und es macht mich stolz und glücklich. Trotzdem tut mir der Ablöseprozess, den wir im Zuge dieser Entwicklung haben, auch irgendwie weh. Umso mehr so, als scheinbar insbesondere ich ganz viel Kreisch-heulen abbekomme, während das Haselchen mit Kichern, Glucksen und Lachen bedacht wird. Und obwohl ich vom Kopf her weiß, dass es nicht meine Schuld ist, fühle ich mich dabei einfach als schlechte Mutter...

 

Er heult ja immer bei dir

 

Diesen Satz sagte das Haselchen in verschiedenen Varianten immer mal wieder. Mal verwundert, mal neckisch, mal genervt. An einem schlechten Tag auch mal richtig vorwurfsvoll, bis ich selbst in Tränen ausbrach (woraufhin das Haselchen mich in den Arm nahm und wir uns drüber aussprachen). Und es stimmt. Wenn ich alleine mit dem kleinen Raben bin, heult er sehr viel mehr, als wenn er bei seinem Papa ist oder wir beide da sind. Egal, ob auf dem Töpfchen, beim Wickeln, beim Spielen oder beim Spazieren gehen. Meine Bemühungen wurden ständig kurz mit Lachen und kurz darauf mit Heulen seitens des Raben gewürdigt. Selbst das früher so universell einsetzbare „Auf dem Arm herumtragen“ klappt nicht mehr, um ihn zu beruhigen. Dann fallen ihm nämlich scheinbar tausend Sachen ein, die er jetzt haben oder stattdessen machen möchte. Also wenn ich ihn trage. Bei seinem Papa hingegen schmust er sich an, spielt er fröhlch vor sich hin, teilweise auch ganz alleine, er lacht und quasselt, lässt sich Sachen erklären und sitzt entspannt auf dem Topf. Ganz besonders krass war es immer beim Essen. Wenn ich versuchte, den Raben zu füttern, endete das in letzter Zeit immer in einem sich verweigernden, kreischheulenden, Dinge umher werfenden und Cracker in den Stuhl einmassierenden Kleinkind. Kaum übernahm der Papa, aß er genau das Essen, wogegen er sich bei mir mit Händen und Füßen gewehrt hatte und nur auf meinen Arm wollte. Mit großem Appetit, in riesigen Mengen und fröhlich dabei plappernd. Ja einige Male musste ich sogar beim Abendessen komplett den Raum verlassen, weil das Kind sonst nur heulte und nichts essen wollte.

 

Warum nur?

 

Das fragen wir uns natürlich immer, wenn unser Kind unzufrieden ist. Warum? Was ist los? Und: Was können wir tun? Für sein Verhalten gibt es sicherlich viele Gründe. Ein ganz tollen Artikel vom gewünschtesten Wunschkind, an den ich mich tatsächlich erst jetzt gerade beim Schreiben erinnert habe (http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/05/warum-lehnt-mein-kind-mich-ab-was-kann-man-tun-wenn-das-baby-den-papa-ablehnt.html) erklärt das mit der Bindung, die so ein Kind hat. Dass das Kind eine Nummer 1 und eine Nummer 2 hat und bei Nummer 1 einfach besser richtig „loslassen“ kann, was dann eben so manches Heul-kreischen erklärt. Stressabbau. Das finde ich ja erstmal beruhigend und es bestärkt mein WISSEN, dass ich nichts falsch mache. Aber das ändert halt nichts am Gefühl. Und was genau ich beim Essen falsch mache (also in den Augen des kleinen Raben), das weiß ich noch immer nicht. Genauso wenig wie, warum es ab und zu doch klappt. Es ist einfach irgendwie doof... Und egal, wie sehr ich versuche, mich nicht verrückt zu machen: Die Stimme im Hinterkopf, die flüstert „Selbst Schuld! Was gehst du auch arbeiten?! Und im Sommer hast du sogar mal Überstunden gemacht!“ will einfach nicht dauerhaft und ganz ihre vorlaute Klappe halten...

 

Die Sache mit dem Stillen

 

Zu allem Überfluss kommt nun noch hinzu, dass der kleine Rabe immer weniger stillt. Er futtert wie ein Scheunendrescher, aber die Brust will er immer weniger. Das ist ja auch ok, weil so von ihm initiiert. Aber trotzdem fühlt es sich traurig an. Ab sofort werde ich auch meine Milchpumpe, die die letzten 10 Monate täglich mein Begleiter ins Büro war, nicht mehr mitnehmen. Es kamen sowieso inzwischen nur noch rund 50 ml jeden Mittag. Schön ist ja, dass uns das viel Zeit spart. Und es bedeutet auch, dass ich zumindest theoretisch ab und zu ausgehen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Mein Kind liegt nicht als hilfloses Baby daheim und weint nach der Brust. Stattdessen turnt er, wenn ich da bin, als gackelndes Kleinkind über mich, trinkt drei Schluck Milch und verlangt dann, noch mit der Brust im Mund, grinsend nach Mango. Das ist niedlich und das ist super. Aber es ist auch anstrengend und traurig. Denn die Zeiten, in denen er selig in meinem Arm dem Milchkoma erlegen ist und ich dieses winzige Bündel Baby hatte, die sind unwiederbringlich vorbei. Ebenso die Zeiten, in denen wir ohne Vorräte einfach mit der Prämisse „Ich hab meine Brüste ja dabei“ vor die Tür gehen konnten. Hach, seufz...

 

Lösungen?

 

Eine Lösung haben wir nicht gefunden. Vorgestern haben wir den Tag so gestaltet, dass das Haselchen mit dem kleinen Raben alleine spazieren ging, ihn fütterte und auch in den Mittagsschlaf begleitete. Ich war zwar da, aber ich werkelte am großen Spiegelschrank und sortierte unter anderem Medikamente aus – wo es jetzt nicht ganz so optimal gewesen wäre, ein Kleinkind mitten hinein zu setzen. Das Ergebnis war, dass ich mich am Ende des Tages nicht nur freudig erschöpft vom erfolgreichen Tagwerk, sondern auch richtig mies gefühlt habe. Da habe ich frei und dann verbringe ich trotzdem nicht so viel Zeit mit meinem Kind. Andererseits war der Rabe den ganzen Tag über glücklich und zufrieden. Trotzdem ist das für mich keine dauerhafte Lösung – gut tut es unserer Bindung garantiert nicht, wenn ich zwar da bin, aber halt nur so vor mich herumdümpele und nur zwischendrin ein bisschen mit ihm spiele...

 

Nicht die Mama!

 

Mit dem ganzen Weinen und Heulen in meiner Nähe hätten man jetzt ja annehmen können, dass bei Papa immer alles ok ist. Das Phänomen ist aber: Sobald nur ich da bin, ruft er ständig „Papa! Papa!“. Sobald nur der Papa da ist, fragt er ständig nach „Mama? Mama?“. Einzige Lösung ist: Wir müssen beide da sein. Dann wird aus dem Fordern und Fragen immer ein glückliches „Mama? Papa? Mama! Papa! Mama Papa Mamapapa Mampa!“. Nun denn, mein Sohn. Dann brauchen wir halt einfach viel mehr Zeit zu dritt. Da hat er aber ja auch recht: Das ist am schönsten. :-)

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Shanghai Alltag: modische Highlights

Das hier wird ein kleiner Lästerbeitrag, aber ein bisschen Spaß muss doch auch mal sein. Und es gibt tatsächlich so ein paar modische Highlights, die man, glaube ich, SO in Europa nur selten zu Gesicht bekommt...

 

Kombi-Königinnen

 

Kleidungsstücke so zu kombinieren, dass sie farblich und vom Stil her zusammenpassen, ist kein großes chinesisches Talent. Pinker Rock mit gelben Punkten, dazu ein grün-rot gestreiftes Shirt oder bunte Blümchensocken? Kein Problem. Joggingsbuxe, kombiniert mit High heels und zu kurzer Bluse? Check. Schwarzer Tüllrock mit Satinbändchen, dazu ein zu kleiner und aus der Form gewaschener hellgrauer Strickpullover und hellblaue Flipflops mit großen, hellgrünen Plastikblumen drauf. Yeah! Minirock mit Radlerhose? Natürlich! Wie soll man sich den sonst in der Metro die Fußnägel schneiden, ohne dass die andere Passagiere einem die Unterbuxe weggucken, sobald man denFuß auf den Sitz hochhebt?! Dicken Dauenjacke, fest verschlossen, dazu Rüschenshorts, knielange Feinstrumpfleggings und dann noch Feinstrumpfsöckchen in einem anderen Farbton in Ballerinas? Klar, sonst kommen doch die blutig aufgekratzten Mückenstiche auf den Waden gar nicht richtig zur Geltung!

 

Die Krux mit den Heels

 

Chinesinnen tragen unglaublich oft und gerne High heels. Damit habe ich auch absolut kein Problem. Ich finde hohe Hacken an sich sehr chic und vermisse es ein bisschen, dass ich seit der Schwangerschaft selbst kaum noch Absatz trage (weil Sturzgefahr, jetzt weil meist doch irgendwie Kind auf dem Arm etc). Aber: Die Schuhe sollten schon einem qualitativen Mindestmaß entsprechen und passen und die Trägerin sollte keine größeren orthopädischen Probleme haben und auch wirklich in den Schuhe laufen können. Das ist hier meist NICHT der Fall. Die Mädels starksen auf Billigdingern herum, die Absätze sind ungleich abgenutzt, wackeln ganz und drohen bei jedem Schritt abzubrechen. Die Schuhe sind zu groß oder zu klein, sodass die Füße gequält aus Peeptoe-Löchens gequetscht werden oder die Trägerin wie klein Lischen in Mamas Pumps durch die Weltgeschichte schlurfen muss, um nicht ständig ihre Schuhe zu verlieren. Hinzu kommt: Ich habe wirklich noch NIE so viele Menschen mit Fehlstellungen an Beinen und Hüfte gesehen, wie hier (auch kein Wunder, wenn die Hüfte von Babies niemals auch nur kurz angeschaut wird...). X- und O-Beinen sind da noch das harmloseste. Da Laufen Frauen mit sogar für mich sichtbar komplett deformiertem „Fahrgestell“ herum, watschen wie die Enten mit den Füßen nach außen gerichtet, fallen ständig fast über die eigenen, vor sich gekreuzten Zehen, haben ein normales und ein verdrehtes Bein und so weiter und so fort. Und all diese Mädels, anstatt zum Orthopäden zu gehen und sich um ihre Knochen zu kümmern, trippeln, watscheln oder staksen auf miesen Hacken durch die Weltgeschichte. Und selbst die, die keine sichtbaren Verformungen haben, können einfach nicht in High heels laufen. Da wird wie der Storch im Salatbeet das Bein in höchste Höhen gehoben, mit stocksteifer Hüfte gestakst (weil Hüfte bewegen hat ja was sexuelles und das macht man als ordentliches Mädchen nicht!!!einself) oder die Sohle verliert niemals den Bodenkontakt und es wird mit angezogener Handbremse herumgeschluft. Und davon, wie die Mädels dann RENNEN, wenn sie versuchen, sich zu beeilen (kurz: die Füße werden bei jedem Schritt seitlich abgeknickt und man rudert ganz wild mit den Armen, ist dabei aber noch ein kleines bisschen langsamer unterwegs, als ich es als Hochschwangere Watschelente war, was auch davon nicht besser wird, dass man nach rund 10 m kurz stehen bleiben und aufs Handy schauen muss), will ich gar nicht erst groß anfangen...

 

Wer schön sein will...

 

Wer schön sein will, muss nicht nur leiden. Der muss auch: Nägel schneiden, feilen und lackieren, Lockenwickler tragen, Gesichtsmasken auflegen. Macht man zu Hause im Bad? Neihein! Weit gefehlt! Macht man überall. Hier ist es vollkommen normal, das Kolleginnen morgens mit einem einzelnen Lockenwickler im Pony ins Büro kommen, den sie dann gegen Mittag herausnehmen, um allen Kollegen ihre tolle Haartolle präsentieren zu können. Oder dass Menschen sich mitten in der vollen U-Bahn Finger und Fußnägel knipsen. Oder dass Frauen mit aufgelegten Gesichtsmasken (es gibt ja so Masken in Form eines Vlies, das mit den Pflegestoffen getränkt ist und nach der Benutzung weggeworfen wird) durch die Straße gehen. Alles sehr stange wenn man eigentlich gewohnt ist, dass Menschen ihr Haus erst fertig angezogen und gestyled verlassen... Und von den skurrilen Schönheitstrends wie diesen unsäglichen, hautfarbenen Aufklebern, mit denen Frau ihr Augenlid weiter öffnet, um so einen „europäischeren“ Blick zu bekommen und die aber einfach immer wie ein Unfall aussehen oder den Klett-Stückchen, die man sich als Deko in die Haare hängt, mag ich gar nicht weiter ausholen...

 

Hauspuschen

 

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, dass Kollegen und Kolleginnen es sich im Büro ein wenig gemütlicher machen wollen. Wer schon in billigen Plastik High-Heels zur Metro gerannt ist, darf von mir aus gerne dann unter dem Schreibtisch in ein paar bequeme Hausschluppen schlüpfen. Wobei ich mir aber immer wieder ein Kichern oder Augenrollen verkneifen muss ist, WAS für Hausschuhe viele Mädels hier tragen. Und ja, ich rede da nur von den Mädels. Die männlichen Kollegen haben meist entweder kostenlose Hotel-Schlappen oder ein paar neutrale Hausschuhe. Die Damen hingegen... Pink und rosa, wohin man schaut. Was ja ok wäre. Wären es nicht beispielsweise pinke und rosane Hello-Kitty Köpfe, Minimäuse, Häschen und Ähnliches in der riesen Plüsch Variante, bei denen das ach so süüüüüüüüße Plüschgesicht mit den aufgeklebten Kulleraugen oder den auslandenden Plastikblümchen oder den Schnurrhaaren gleich 2-3 so groß sind, wie die Füße der Trägerin. Sogar so knallrote, Puff-Federpantöffelchen MIT ABSATZ habe ich schon im Büro gesichtet. Und sorry, aber wer sich so etwas auf der Arbeit anzieht, den kann ich nicht erst nehmen! Grund ist aber wohl, dass die Mädeln ganz bewusst klein und niedlich wirken möchten. Eine Kollegin sagte mir vor Kurzem O-Ton „Yeah, for us Chinese the thing is: Once we are getting old, like 25, we do everything we can to look cute and young, like 15.” Ich war kurz davor, aber habe dann doch den Mund gehalten. But this is just wrong on so many levels...

 

Schlafanzüge

 

Es gibt ja so dieses Klischee-bild des Chinesen, der im Seidenschlafanzug durch die Gegend radelt. Furchbar rassistisch und vorbei an jeglicher Lebensrealität? Nope. Genau DER begegnet mir alle paar Tage auf meinem Weg morgens zur Arbeit. Der gute Mann ist etwas älter und trägt einen hellgelben Pyjama aus Seidenbrokat mit chinesischen Drachen darauf. Mit kleinem Stehkragen und den typisch chinesischen Knubbelknöpfchen. Dazu fährt er auf seinem alten, rostigen Rad und hat ein kleines Ziegenbärtchen. Nur mit Reishut habe ich ihn noch nicht gesehen. Die tragen nur die Reinigungskräfte im compound, wenn sie im Hochsommer Laub fegen und so. Ich vermute immer, dass er auf dem Weg zur Renter Tai-Chi Gruppe in unserem Compound ist. Dort tragen die Teilnehmen entweder ähnlichen Pyjamas – oder Sportkleidung aus Hightech-Fasern. Aber doch eher die Seidenschlafanzüge. Und das ist nichts ungewöhnliches. Ähnlich gekleidete Menschen sieht man hier überall und immer wieder. Der Seidenpjyama ist dabei das eleganteste Teil. Es gibt aber auch viele, die einfach in ganz „normalen“ Schlafanzügen aus Baumwolle herumlaufen. Auch „europäisch“ geschnitten. Damit geht man einkaufen, Fährt mit dem Rad durch die Gegend, geht in den Park,... Alles, was man in der Freizeit so tut. Und manchmal habe ich sogar schon am Wochenende Kolleginnen im Büro sitzen sehen, die einen Pjyama anhatten. Und die waren morgens nicht einfach zu spät aus dem Bett gefallen – sonst hätten sie keine Zeit gehabt, sich die künstlichen Wimpern aufzukleben und sich ein halbes Pfund Spachtelmasse ins Gesicht zu schmieren...

 

Schlafanzüge im Winter

 

So ein Seidenpyjama eignet sich wohl im Frühling und Sommer, aber sobald es deutlich unter 10 Grad Celsius hat, friert man sich da ja dann elementare Körperteile ab. Dann MUSS man doch eine Winterjacke drüber ziehen, nech? Nö. Nicht in China. Hier gibt es den Winter-Schlafanzug. Schaut aus wie eine gefütterte Steppdecke, aus der jemand Hose und Jacke genäht hat. Meistens sind die Dinger dann in rosa und pink gehalten und mit „schönen“ bunten Blumenmustern „verziert“. Es gibt aber auch die grauen oder blauen Varianten für den Herrn von Welt, der auch bei Kälte und Frost noch zeigen will, dass er reich genug ist, einen Schlafanzug zu besitzen.

 

Samstag, 22. Oktober 2016

Was für eine Mama will ich sein?

Es gibt ja so ganz grundlegende Fragen, die man sich eigentlich dann doch erst stellt, wenn es schon so weit ist. Dazu gehört für mich auch die Frage, was für eine „Art“ von Mam ich sein will. Dabei denke ich gar nicht einmal so sehr an die typischen Schubladen a la „Latte Macciato Mum“, „Helikopter-mutter“ etc pp. Sondern wirklich daran, wie ich mit meinem Kind umgehen will. So im ersten Jahr lief das alles bei uns eigentlich einfach so. Da gab es keine größere Frage. Wir haben gestillt, mal getragen, mal geschoben und wir teilen uns ein Bett zusammen. Denn ein Baby schreien lassen, das geht einfach nicht. Stillen ist schön und gesund und praktisch und an mich gekuschelt bzw. an mir nuckelnd (da er trotz mehrere Versuche auch keinen Schnuller nimmt) schläft der kleine Rabe halt einfach am Besten. Da gab es nicht so viel zum drüber nachdenken. Also nicht für uns.

 

 

Stil? Bauchgefühl?

 

Aber jetzt wird der kleine Rabe langsam älter und ist ein richtiges, echtes Kleinkind. Er hat einen Sturkopf, bekommt Wutanfälle wenn ihm was nicht passt etc. Und damit kam wieder die Frage bei mir auf, was für eine Mama ich sein will. Unerzogen? Laissez-faire? Autoritär? Muss ich einem Stil folgen? Nein. Muss ich nicht. Natürlich nicht. Klar, ein paar Dinge sollten schon stringed (stingend ungleich streng!) sein, um das Kind nicht unnötig zu verwirren. Aber ich muss mich nicht an einem Erziehungsratgeber orientieren und alles so machen, wie mir jemand anderes sagt, dass es am besten sei.

 

Trotzdem habe ich mich gefragt, was für eine Mama ich sein will. Wie will ich heute, morgen und in 10 Jahren mit meinem Kind umgehen? Und die Antwort ist in meinem Fall: Ich will meinem Kind oder für die Zukunft meinen Kindern eine Mama sein, so wie meine Mama mir eine war und ist.

 

 

Wie ich erzogen* wurde

 

Meine Mama hat uns lange gestillt (mich 18 Monate, meinen Bruder 3 Jahre). Sie hat uns jeden Abend ins Bett gebracht und in den Schlaf gesungen und gekuschelt und wir waren jederzeit im Familienbett willkommen. Sie hat mich, als das ältere Kind, bewusst und aktiv miteinbezogen, als mein kleiner Bruder auf die Welt kam, damit ich mich nicht zurückgesetzt fühlen und eifersüchtig werden würde. Sie hat unsere Trotzanfälle „ausgesessen“ und alle Gründe für Verbote oder Regeln immer auf Augenhöhe erklärt. Dabei war sie sehr konsequent. Konsequenz sollte man nicht mit "Strenge" verwechseln. Konsequent heiß zum Beispiel: Wenn vorher ausgemacht war, dass ich mir EINE Süßigkeit im Laden aussuchen darf, dann darf ich mir eine Süßigkeit aussuchen. Dann wird mir weder eine vorgeschrieben oder die ausgesuchte verwehrt (ggf wird darüber kurz gesprochen, warum der einzelne Schokoriegel an der Kasse weniger Sinn macht als die günstigere Großpackung aus dem Regal), noch kann ich mir (durch ausreichendes Quengeln oder wie auch immer) noch eine zweite aussuchen, wenn die nicht sowieso Teil des Einkaufs sein soll. Damit heißt konsequent auch, dass keine sinnlosen Regeln nur um der Regeln Willen aufgestellt werden. Und dass Absprachen von allen Seiten eingehalten werden. Sogar meine wirklich, wirkliche üble Pubertät hat sie größtenteils mit (zumindest äußerlich) stoischer Gelassenheit durchstanden und gelächelt und Dinge mit Kommentaren wie „Ach, wenn du meinst...“ abgewunken – was mich teilweise noch mehr in Rage brachte... Und dann habe ich mich hinterher bei ihr entschuldigt, sie nahm es an und war einfach weiter für mich da. Überhaupt immer. Wenn ich es mal schaffte, meine Mama wirklich in Rage zu bringen und sie mit ihrer knurrenden, wütenden Stimme anfing wusste ich genau, dass ich JETZT aber wirklich RICHTIG über die Grenzen gegangen war. Aber zeitgleich, dass sie mich liebt und immer für mich da ist. Und ja, ganz genau so eine Mama will ich ebenfalls sein.

 

 

Praktische Entscheidungshilfe

 

Das macht die Sache eigentlich ganz einfach: Wenn ich mir nicht sicher bin, frage ich mich manchmal tatsächlich „Was würde meine Mama jetzt machen?“. Und ich hoffe, dass ich das auch in Zukunft beibehalten kann, wenn der kleine Rabe noch sturer wird. Denn dass er einen tierischen Dickschädel haben wird, ist bei mir und dem Haselchen als Eltern eigentlich schon klar. Und an sich auch sehr toll (Willensstärke und so), aber kann eben auch anstrengend werden... ;-) Und an sich ist das ganz cool, weil es sehr viel einfacher ist, als mich an einem theoretischen erziehungstheoretischen Konstrukt zu orientieren.

 

 

Woran ich noch arbeiten muss

 

Leider merke ich im Alltag, dass ich von dem Idealbild, als Mama so zu sein wie meine Mama, in manchen Punkte noch weit entfernt bin. Beispielsweise ist meine Mama sehr gut organisiert und hat es auch als wir noch klein waren immer geschafft, uns beide, Papa und den Haushalt zu managen. Wir waren praktisch immer pünktlich (also soweit ich mich entsinnen kann), es fehlte nie irgendwas (wichtiges) und alles war durchgeplant und organisiert. Mich stellt sowas noch vor eine mittel-kleine Krise... Wir schaffen es grundsätzlich nie, zur angepeilten Zeit vor die Tür und selbst wenn wir nur mal eben unten im Compound picknicken wollen bin ich von der Logistik, Decke, Essen für Kind und Erwachsene, Lätzchen, Löffel, Wasserflasche und Co zügig und vollständig aus der Wohnung zusammen zu sammeln und einzupacken schon gestresst. Unser Ausflug ins Schwimmbad bei unserem letzten Besuch in Deutschland hätte mich wohl ohne die Hilfe meiner Mama total überfordert. Ich hoffe ja darauf, dass das zu den Dingen gehört, die man mit der Zeit noch lernt und dass Übung den Meister macht...

 

Und ja, manchmal muss ich auch noch an meiner Konsequenz und meinen "Regeln" arbeiten. wenn zum beispiel der kleine Rabe mit der Fernsehfernbedienung spielt, ist das ok. Sachen ein- und ausschalten ist derzeit eines seiner liebsten Hobbies und wirklich Fernsehen kann er damit eh nicht, weil der Fernseher nicht mit dem normalen Programm angeschlossen ist. Die kann er auch gerne haben und wenn ich was verstellt können wir das einfach wieder zurückstellen. Aber ich möchte nicht, dass er sie durch die Gegend wirft und auf den Boden schlägt, weil sie sonst kaputt gehen könnte (und dem Vermieter gehört und ich nicht wüsste, wo man eine neue herbekommt). Also versuche ich, ihm das zu erklären. Aber, logischerweise, fruchtet so eine Erklärung noch nicht wirklich und wenn ihm danach ist, dann macht er weiter. Also nehme ich ihm die Fernbedienung irgendwann ab und versuche, etwas anderes mit ihm zu spielen. Manchmal klappt das. Aber manchmal halt auch nicht und er motzt und schreit und weint der Fernbedienung so lange nach, bis ich sie ihm wiedergebe. Was halt irgendwie nicht Sinn der Sache ist, befürchte ich... Aber, so nachsichtig darf ich wohl mit mir selbst sein, das sind eher Feinheiten. Wirklich PERFEKT ist niemand und wenn ich den einen oder andere Fehler mache heißt das nicht,. dass ich nicht trotzdem im Großen und Ganzen die Mutter sein kann, die ich gerne wäre.

 

 

 

P.S.: Und ich hoffe, dass meine Mama ein bisschen lächeln muss, wenn sie den Text liest. ;-) Denn dass sie eine super Mama ist, das weiß sie hoffentlich schon. Aber ich glaube es ist doch schön, das auch mal in dieser Form zu lesen... :-)

 

 

 

 

* Auf die Debatte erzogen/unerzogen will ich an dieser Stelle jetzt nicht näher eingehen. Aber auf Englisch würde ich weniger von „education“, denn von „parenting“ sprechen. Im Deutschen fehlt mir dazu einfach ein passendes Wort...

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Shanghai Alltag: Gaffer und Paparazzi

So manches Mal fühlen wir uns hier ja schon wie die Tiere im Zoo. Bei den Ausführungen zum Stillen in der Öffentlichkeit hier in China hatte ich ja mal erwähnt, wie angenehm überrascht ich darüber war, dass man uns während des Stillens so weit in Frieden gelassen hat. Denn selbstverständlich ist das hier bei Weitem nicht.

 

 

Die Gaffer

 

Es gibt die eine Spezies, die gaffen uns einfach permanent und penetrant an. Meist sind das Damen mittleren Alters. Oder kleine Kinder. Oft beides (in Form von Oma mit Enkel). Sie zeigen auch gerne mal mit dem Finger auf uns und rufen dabei lautstark zum Rest der Familie, damit die uns auch ja nicht verpassen und auch mal gucken können.

 

 

Die Halsrecker

 

Der durchschnittliche Gaffer lässt es irgendwann auch mal gut sein. Spätestens, wenn man aus dem Sichtfeld verschwindet. Die Halsrecker versuchen, diesen Moment so weit wie möglich hinaus zu zögern, indem sie den Kopf eulenartig immer weiter drehen. Dass das natürlich noch auffälliger ist, als nur zu gaffen, stört die meist Ü40er Herren dabei kaum. So manch einer hätte auch schon fast einen Unfall auf dem Mofa gebaut, weil er zwar weiterfahren, aber uns auch weiter beobachten wollte. Besonders amüsant ist bis heute die Fotoserie, die bei unserem ersten Gothic Picknick entstanden ist: Während wir alle im Vordergrund essen, reden und in die Kamera lächeln, geht im Hintergrund ein Mann auf dem Weg an uns vorbei. Dabei starrt er unentwegt zu unserem Grüppchen hinüber und hat den Mund vor Staunen offen stehen, was vor allem auf den letzten paar Bildern, auf denen er eigentlich schon vorbei ist, sich aber im Gehen weiter umdreht, um nichts zu verpassen, ausgesprochen grotesk wirkt.

 

 

Die Paparazzi

 

Am unangenehmsten von allen finde ich immer die Leute, meist junge Damen und Herren unter 25, die meinen, uns unbedingt ungefragt fotografieren zu müssen. Jup. Kein Witz. Mehr als nur ein oder zwei Mal standen wir ganz unbedarft in der Metro, als plötzlich direkt vor unserer Nase die Handys in die Höhe ginge und der laute Auslöser-Sound offenbarte: Jepp, die machen gerade ungeniert und ungefragt einfach mal so ein paar Fotos von uns. Und das nicht einmal unbedingt, wenn wir gestyled, mit tollen Klamotten, Haaren und Makeup unterwegs waren. Einfach so. Da reichen unsere Frisuren und Haare offenbar schon...

 

 

Die Fans

 

Sehr niedlich ist es, wenn die Neugierigen auch ein bisschen Englisch können und uns ansprechen. Meist bitten sie dann freundlich und unter schüchternem Kichern um ein gemeinsames Foto. Neulich auch im Restaurant eines 5-Sterne Hotels. Oder wir bekommen versichert, wie cool wir sind. Dass meine Haare schön sind oder dass das Haselchen einen coolen Bart hat. Oder sie fragen uns, wenn sie sich trauen und so viel Englisch können, auch mal, wer wir sind. Wir wurden schon für Künstler, Schauspieler und natürlich Rockstars gehalten. Vielleicht deshalb auch die ganzen Fotos...

Dienstag, 18. Oktober 2016

Shanghai Alltag: Laowei

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, bezeichne ich uns selbst hier immer mal wieder als Laoweis. Wer schon mal in China gelebt hat weiß, was das heißt. Für alle anderen will ich es mal ein bisschen erklären:

 

Die Übersetzung

Laowei ist, oh Wunder, Chinesisch. Und heißt übersetzt wortwörtlich sowas wie „alter Außenseiter“. Dazu muss man jetzt wissen, dass alt sein her nicht negativ belegt ist, sondern mit Respekt und Wertschätzung einher geht. Also für eine Gesellschaft, in der Beziehung das absolute A und O ist, ist Laowei eigentlich ein Oxymoron. Denn es steht für einen „wertgeschätzten Außenseiter“.

 

Die Verwendung

Verwendet wird es für Ausländer. Überwiegend für Westerners. Beispielsweise ein Koreaner wäre wohl weniger Laowei, als ein Europäer. Und ein Schwarzer würde wohl auch eher nur bedingt so genannt werden, weil vielen da dann die Wertschätzung fehlt. Ja, Rassismus ist in China ein riesiges Problem. Muss ich auch mal gesondert drüber schreiben. Wobei, auch Laowei hat eine rassistische Note...

Es ist nämlich mit diesem Wort hier so ähnlich wie mit den Gringos, wenn man Spanisch spricht. Je nach Situation und Umständen, je nach Intention des Sprechenden und nach Empfindung des Hörenden, kann Laowei mal größte Wertschätzung ausdrücken (der gebildete, gesittete Laowei in Kontrast zum kulturlosen chinesischen Landbewohner), Verständnis (wenn ein Laowei gesellschaftliche Normen halt nicht kennen kann), ein Sich-drüber-lustig-machen (haha, schau mal wie lustig der Laowei versucht, mit Stäbchen zu essen) oder blanke Verachtung (die sollen dahin gehen, wo sie hergekommen sind). Oder alles dazwischen. Auch gemischt.

Also es ist nicht leicht, diesen Begriff zu fassen.

In unserem Fall verwenden wir es meist irgendwie witzig / ironisch. Beispielsweise hieß mein letztes Team auf der Arbeit „Laowei Team“, weil wir nur Ausländer waren. Oder wir „berufen“ uns auf diesen Status, wenn wir irgend etwas nicht auf die Reihe kriegen. Oder Werbeanrufe nerven.

 

Ewige Außenseiter

Ja, manchmal ist es ganz cool, wenn man als Laowei eine Extrawurst bekommt und Servicepersonal sofort hüpft. Oder niedlich, wenn kleine Kinder einem freudig winken und versuchen, Englisch mit einem zu sprechen.

 

Manchmal ist es ein wenig nervig, wenn man als Außenseiter betrachtet wird und damit beispielsweise übers Ohr gehauen werden kann, ohne dass das gesellschaftlich geächtet wäre. Deutlich spürbar ist das bei den Preisen, zum Beispiel. Unsere Dusche ist kaputt - Handwerker kommt und verlangt 1000 RMB. Eine Chinesische Kollegin fragt „ihren“ Handwerker für den genau gleich Fall, was sowas kostet und bekommt gesagt 300-500 RMB. Gut, ne? Und so geht es bei viele, vielen Sachen. Weil wir Laoweis sind. Weil wir Außenseiter sind und nicht dazu gehören. Und das werden wir auch nie. Ganz egal, wie lange wir hier leben, ob wir mal perfekt Chinesisch sprechen, alles wurscht. Wir haben runde, grüne Augen, helle Haare und eine lange Nase. Damit sind wir immer Außenseiter. Laowei for life. Aber nicht mehr lange...

Sonntag, 16. Oktober 2016

Wie die Mutterschaft mich verändert hat

Die liebe Frida vom 2KindChaos hat zur Blogparade aufgerufen. Und wenn auch etwas spät, will ich mich trotzdem mit einreihen. Denn die Frage gefällt mir: Wie habe ich mich als Mutter verändert?

 

Dass so ein kleines Wesen, das erste eigene Kind, unser Leben ziemlich durchwirbeln würde, das war uns ja von Anfang an klar. Aber dass auch ich selbst mich dabei ziemlich ändern würde, damit hatte ich nicht in diesem Ausmaß gerechnet. Klar, ich bin immer noch ich. Ich trage noch immer (fast) ausschließlich schwarz. Meine Haare sind an einer Seite glatt rasiert, an der anderen lang und immer in verschiedenen, knallig bunten Farben gefärbt. Ich mag den Geruch von Patchouli. Ich mag und habe Tattoos und plane noch immer mindestens eine full sleeve. Ich höre noch immer die gleiche Musik, die querbeet durch den musikalischen Garten der Nachtschattengewächse geht. Ich schaue noch immer gerne Horrorfilme. Ich trinke noch immer gerne Wein und esse Käse, liebe chinesisches Essen und gehe gerne Spazieren. Ich trinke gerne Kaffee, schlafe gerne lang und schlurfe wenn ich frei habe am liebsten im Schlafanzug durch die Wohnung. Ich habe noch immer tierisch Angst vor Spiegeln im Dunkeln, finde Puppen bei Nacht gruselig, präferiere Katzen, telefoniere nicht gerne, pople in der Nase, bin oft nah am Wasser gebaut. Ich weigere mich, erwachsen zu werden, Verantwortung zu tragen finde ich erschreckend und ich bin ein Flausenkopf. Ich bin immer noch ich. Aber zeitgleich habe ich mich entwickelt.

 

Ich habe Angst

 

Unglaublich viele Dinge, die ich früher erfolgreich verdrängt habe, machen  mir heute viel mehr Angst. Ich habe viel Angst um die Zukunft dieser Welt. Schließlich ist es die Welt, in die ich mein Kind gesetzt habe und in der er eines Tages selbstständig wird leben müssen. Und ich weiß, dass ich ihn beispielsweise im Falle eines Weltkriegs nur bedingt würde schützen können. Ich kann ihn nicht vor Naturkatastrophen schützen. Nur sehr bedingt vor der Gesellschaft, Krankheit, Verkehrsunfällen. Es gibt viele Dinge, denen der einzelne Mensch ziemlich hilflos ausgeliefert ist. Und das macht mir große Angst. Zudem habe ich, seit er ganz klein war, immer wieder ganz komische, plötzliche Ängste. Wie dass ich ihn in der Küche auf dem Arm habe, ungeschickt stolpere und er aus dem Fenster im 20. Stock fällt. Oder dass er auf dem Boden sitzt und spielt, das Haselchen geht vorbei, fällt plötzlich hin und landet auf dem Kleinen und zerquetscht ihn. Sowas in der Art. Komplett irrational, aber sehr beängstigend, weil halt auch nicht 100% unmöglich...

 

Ich habe Heimweh

 

Noch mehr als ohnehin schon habe ich seit der Schwangerschaft mit dem kleinen Raben gemerkt, wie verdammt gut es einem in Deutschland geht. Das Gesundheitssystem, wenn auch nicht perfekt, ist verdammt gut. Lebensmittel sind, trotz aller Skandale (die sich neben dem, was man hier so findet, als Lappalien ausnehmen) sicher. Die Luft ist sauber, es kommt Trinkwasser aus der Leitung. Es gibt öffentliche Spielplätze, bezahlbare Kindergärten (kurz gefasst: wenn man hier nicht will, dass das Kind geschlagen wird, wenn es mit 2 Jahren im Unterricht, der dann bereits rigoros stattfindet, nicht stillsitzen kann, muss man mit ab 2000 EUR pro Monat rechnen). Es gibt Kindergeld, for god’s sake! Und Arbeitslosengeld, wenn man seinen Job verliert. Als Arbeitnehmer in Vollzeit hat man 20 Tage Urlaub (ich habe hier 15 und damit Glück – gesetzliche vorgeschrieben sind 5) und kann sich bis zu 10 Tage pro Jahr frei nehmen, wenn das Kind krank ist. Aber nicht nur wegen diesen harten Fakten vermisse ich Deutschland. Ich vermisse das Essen meiner Kindheit, ich vermisse die Freizeitaktivitäten wie Schwimmbad, Zoo, Jahrmarkt, Pfarrfest, Kerb, Kinderdisko. Ich vermisse Straßenmalkreide und Brausepulver, ich vermisse Radhelme für Kinder und Laugenbrezeln. Ich vermisse Schaukeln und Sandkästen. Ich vermisse normale Supermärkte und Drogerien. Und allem voran vermisse ich Natur. Ich will zurück nach Deutschland, nach Hause, weil es das Beste für uns als Familie ist. Denn ja, ich würde ab und an auch an all diese Dinge denken, wenn ich kein kind hätte. Aber dann würden wir noch mindestens 2-3 Jahre hier bleiben, weil Shanghai (als Kinderlose, die rumreisen, sich die Nächte um die Ohren schlagen, Party machen etc können und wollen) eine tolle Stadt ist. Und danach würden wir vielleicht nach Thailand gehen oder nach Spanien oder sonstwo hin...

 

Ich bin chic

 

Das hatte ich ja schon mal genauer ausgeführt. Es klingt vielleicht komisch, aber ich sehe, seit ich Mama geworden bin, in aller Regel besser aus, als vorher. Also dass ich mich selbst, mein Gesicht als auch meinen Körper, schöner finde, ist dabei eine Sache. Aber ich achte tatsächlich (meist) heute mehr darauf, wie ich aussehe. Früher schlurfte ich praktisch jeden Tag ungeschminkt, in Leggings und XXL-Shirt ins Büro. Heute trage ich viel öfter auch mal elegante Sachen, schöne Kleider, Bluse, Rock, etc und versuche zumindest, täglich meine Augenringe abzudecken, ein bisschen Lidstrich zu ziehen und ein wenig Parfum aufzulegen. Klappt zwar zeitlich nicht immer, aber ich versuche es zumindest.

 

Ich bin für mehr echte Gleichberechtigung

 

Ich bin mir gar nicht ganz sicher, ob das mit dem kleinen Raben alleine zu tun hat oder auch das Bloggen und die sich dadurch aufgebaute Filterbubble eine Rolle spielt. Aber auf jeden Fall ist mir heute mehr denn je bewusst, wie viele Rollenklischees es noch immer gibt und wie diese sich ganz konkret auf die Lebensplanung von Frauen und Männern auswirken. Wie viele Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern bestehen. Wobei in manchen Belangen auch Männer benachteiligt werden. Denn Jungs und Männer sind nicht per se die „Bösen“, sondern als Individuen erst einmal genauso Opfer des Systems, wie Frauen auch. Und deshalb denke ich heute nicht mehr, dass Feministinnen die unrasierten Kampflesben sind, die einfach nur Männer hassen. Sondern ich würde mich selbst als Feministin bezeichnen. Und das Haselchen gleich dazu.

 

Ich schlafe gut

 

Ich hatte seit meiner Jugend, also seit ich ein Teenager war, Schwierigkeiten mit dem Schlafen. Hauptsächlich mit dem Einschlafen. Ich lag oft noch eine gefühlte Ewigkeit wach im Bett, konnte nicht schlafen und die Gedanken drehte sich fröhlich im Kreis. Ganz egal, wie müde ich war, wie gut ich auf meine Schlafhygiene achtete, ob ich noch einen entspannende Tasse Kräutertee oder heiße Milch mit Honig (mit oder ohne Schuss) oder ein Glas (oder eine Flasche) Rotwein getrunken hatte oder direkt aus der Disko kam, egal ob ich Sport trieb oder den ganzen Tag auf dem Sofa lag, egal ob ich pflanzliche Schlafmittel nahm oder Sex hatte. Ich brauchte im Schnitt immer etwa eine Stunde, bis ich eingeschlafen war. Und ich brauchte viel Schlaf. Ok, teilweise lag das als Teenager auch an einer Schilddrüsenunterfunkltion. Aber auch, als diese richtig eingestellt war, brauchte ich viel Schlaf. Wenn ich im Wochenschnitt weniger als 9 Stunden pro Nacht geschlafen hatte, blieb ich oft am Wochenende mindestens an einem Tag bis weit in den Nachmittag hinein im Bett liegen und wurde einfach nicht richtig wach. Heute lege ich mich hin und bin binnen Minuten weg. Expressway ins Land der Träume. Und das ist sowas von genial! Außerdem komme ich plötzlich mit viel weniger Schlaf aus. Klar. Ich bin auch oft müde und trinke viel Kaffee. Aber ich fühle mich plötzlich nach einer Nacht mit 7 Stunden Schlaf so fisch und fit wie zuvor eigentlich nie. Vor allem, wenn ich noch dazu mal ganze 3 oder sogar mehr Stunden an einem Stück schlafen konnte. Hammer! Und nein, das liegt nicht nur daran, dass man ja dann als ganz frisch gebackene Mama überhaupt kaum schläft und einem die kleine Verbesserung im Laufe der Monate plötzlich so gut vorkommt. Ich vergleiche das tatsächlich mit den letzten 15-18 Jahren. So gut, wie als Mama, habe ich in dieser Zeit nie geschlafen.

 

Ich bin öko

 

Die extreme Verschwendung hier in China fand ich schon immer unangenehm und ich nehme schon immer lieber Leinentaschen mit, statt mit Plastiktüten geben zu lassen und so. Aber seit der kleine Rabe auf der Welt ist, denke ich sehr viel mehr über Nachhaltigkeit nach. Ich habe nahezu aufgehört, Fleisch zu essen (außer ab und zu mal Bio oder aus Versehen wenn es irgendwo drin war). Ich versuche mehr denn je, Wasser, Strom und Verpackungsmüll zu sparen. Ich wickle den kleinen Raben mit Stoffwindeln. Ich versuche den Mann dazu zu bewegen, mehr Bio zu kaufen und ebenfalls Plastik, Strom und Wasser zu sparen und mit Stoff zu wickeln – derzeit noch mit mäßigem Erfolg... Und würde ja auch regional kaufen, aber dann müssten wir auf sehr viel verzichten (Milch und Käse beispielsweise, da wir hier der Qualität in China nicht trauen). Leider ist das alles in China eher schwer umzusetzen. Umso mehr freue ich mich auf Deutschland, wenn wir Müll trennen, regional kaufen, etc können. Aktuell planen wir auch, uns erstmal kein Auto anzuschaffen, viel zu laufen usw.

 

Die Gesellschaft kann mich mal

 

Die Gesellschaft, in der wir leben, fand ich noch nie sonderlich toll. Die meisten Menschen sind Idioten oder verhalten sich zumindest so. Gier, Neid, Missgunst, Gewalt, Hass, Egozentrismus, Egoismus wohin man auch blickt.* Und gerade für Mütter, so scheint es, ist diese Gesellschaft ein besonders schlimmes Haifischbecken. Wie man es macht, macht man es falsch und jeder Hanswurst glaubt, sich einmischen zu müssen. Mir wurde allen erstes schon online von wildfremden anderen Müttern (!) vorgeworfen, ich sei pädophil, weil ich den kleinen Raben mit über einem Jahr noch stille. Andere finden, wir sollten mit Kind nicht fliegen, weil das die anderen Fluggäste stören könnte. So als kleine Beispiele. Da fällt einem echt nichts mehr ein. Außer: Leckt mich doch am Arsch! Egal, wer was von mir will oder erwartet, wer was über mich denkt, es interessiert mich nicht. Noch weniger, als je zuvor. Natürlich gibt es ein paar Menschen, die mir nahe stehen und deren Meinung mir wichtig ist. Und wer mir gute, logische und am besten belegbare Gründe für dies oder jenes geben kann, der kann mich auch von etwas überzeugen. Aber etwas tun oder lassen, so oder so machen, weil „man“ das so macht? Weil sich das so „gehört“? Fickt euch.

 

Und von Hierarchien, Strukturen, struktureller Gewalt, dem Wirtschaftssystem, der Politik, der gesellschaftlichen Ordnung als Ganzes will ich lieber gar nicht anfangen. Denn die ist einfach rotten to the core, aber eine wirkliche, gut durchdachte, durchsetzbare, faire Lösung habe ich leider auch nicht parat...

 

*Nein, ich bin kein Übermensch. Auch ich bin neidisch, manchmal gierig, kann sehr egoistisch sein und bin kein wandelnder Engel. Ich bin ein Mensch und ich mache Fehler. Aber ich versuche, der beste Mensch zu sein, der ich sein kann, aus meinen Fehlern zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden.

 

Ich bin glücklich

 

Nein, ich war vor der Geburt des kleinen Rabe jetzt nicht dauernd todunglücklich. Aber ich lebte hauptsächlich halt so vor mich hin. Es gab immer mal wieder Highlights im Jahr, auf die ich mich freute (Urlaub, Festival, Geburtstag, Halloween, sowas halt), aber meistens war es so ein ganz normaler Alltag. Natürlich habe ich den auch heute noch. Ich gehe zur Arbeit, bin genervt, bin müde. Ich orrrrre manchmal vor mich hin und habe Tage, and denen ich alles anzünden will. Aber ebenfalls habe ich seit der kleine Rabe endlich bei uns ist jeden einzelenen Tag mindestens einen Moment, in dem ich vor Glück zerspringen könnten. Oft treibt es mir dann auch die Freudentränen in die Augen. Einfach so. Einfach, weil da dieses wunderbare, zauberhafte, niedliche, neugierige kleine Wesen ist. Nicht nur in den „großen“ Momenten. Ganz oft in den kleinen. Wenn er im Schlaf seufzt, wenn er etwas neues ausprobiert und Cracker durch ein Sieb zerkrümelt, wenn er mich in die Schulter beißt, wenn er lacht, wenn er sich den Finger in die Nase steckt, wenn er sich vor etwas erschreckt, wenn er mich mit einem angelutschten Stück Keks füttert, wenn er mir beim Stillen in die Augen sieht. Einfach, wenn er ist. Einfach nur, weil es ihn gibt und es ihm gut geht. Ein solch vollkommenes Glück kannte ich nicht, bevor ich Mutter wurde. 

Freitag, 14. Oktober 2016

Umzugsgedöns #1

Heute fährt meine beste Familie der Welt nach Leipzig, schaut sich unsere Wohnung und den Fortschritt der Renovierungsarbeiten an und plant eine Küche für uns. Höchste Zeit, einmal hier kurz festzuhalten und Revue passieren zu lassen, wo wir bezüglich des Umzugs stehen:

 

Seefracht

 

Wir haben verschiedene Angebote eingeholt, hatte zwei Damen zu Hause, die sich alles angeschaut und dann ein Angebot gemacht haben und haben uns für die gleiche Firma entscheiden, die auch bei der lieben Mareike von „Von 0211 nach 021“ den Umzug gemacht hat. Die waren nämlich günstiger und da Mareike mit denen hier so gute Erfahrungen gemacht hat...

 

Jetzt müssen wir noch

-              Einen Termin festlegen

-              Eine Packliste machen

-              Mehr Zeug kaufen (Fake Duple/Lego, Stoffwindeln, Kinderklamotten)

-              Altes Zeug aussortieren

-              Alles, was sich per Vakuum gut komprimieren lässt in Vakuum-beutel packen um Platz zu sparen

 

Katzen

 

Wir haben – meinerseits schweren Herzens – entschlossen, dass die Katze hier bleibt und wir nur den Kater mitnehmen. Die Katze hat echt sowas von nen Rappel weg. Gerade letzte Woche hat sie das Haselchen so gebissen, dass er geblutet hat. Einfach so, während er auf dem Sofa saß. Sie faucht ständig alles und jeden an, lässt sich nicht anfassen, kratzt und beißt oft, terrorisiert den Kater, kotzt ständig alles voll etc. Ja, sie liebt uns. Aber sie ist wirklich verhaltensauffällig und wenn der kleine Rabe sich später schneller bewegen und sie nicht mehr so einfach von ihm weggehen kann, hätte ich richtig Angst. Ein paar Mal war sie schon drauf und dran, nach ihm zu hauen. Dafür wollen wir weder uns, noch ihr die Strapazen der Reise und –Vorbereitungen antun und mehrere Hundert Euro ausgeben (Flug, Transportbox, Tierarzt, ...). Der Kater hingegen nimmt all die unbeholfenen Kleinkind-Liebkosungen (inklusive sich vor Freude kreischend auf das Tier werfen, an den Pfoten und dem Schwanz und dem Fell ziehen, vor lauter Liebe in den Katzenspeckbauch beißen etc) mit stoischer Gelassenheit hin, schurrt meist sogar noch dabei oder schläft einfach weiter und wenn es ihm zu viel wird rennt er weg und verkrümelt sich irgendwo hin, wo man ihn nicht erreichen kann. Und kommt dann doch wieder und schleckt den ausgestreckten Kinderfinger liebevoll ab, während dieser versucht, ihn ins Auge zu piksen. Daher werden wir für die Katze hier ein neues, liebes Zuhause suchen und nur den Kater mitnehmen.

 

Gechipped waren beide ja schon. Tollwutimpfung ist nun durch, am 6.11. können wir frühestens zum Titertest. Dann müssen wir noch

-              Transportbox kaufen

-              Auf positives Ergebnis des Titertests hoffen

-              Flug timen

Wenn der erste Titertest gleich positiv ausfällt (also genug Tollwuttiter nachgewiesen werden können), kann der Kater theoretisch Ende Januar / Anfang Februar nach Deutschland kommen. Gegebenenfalls werden wir daher unseren Flug ein bisschen später legen. Oder wir finden jemanden, der in der Zwischenzeit den Kater bei sich aufnimmt und ihn dann mit nach Deutschland nimmt. Da müssen wir mal schauen. Als Cargo verschicken geht auch. Dazu haben wir ein Angebot von einer pet relocation agency. Das würde dann allerdings über 2500 EUR kosten, weil Cargo und Zollabwicklung separat und so. Das ist echt der Punkt, der mir derzeit am meisten Kopfzerbrechen bereitet, wie wir unser faules Fellknäuel mitnehmen können...

 

Papierkram

 

Ich habe eine lange, aber offenbar soweit vollständige Liste mit Papierkram, den wir dann in Deutschland erledigen müssen. Von hier aus geht das meiste nicht so wirklich. Meine ehemalige Krankenkasse habe ich schon mal angeschrieben und die nehmen mich, bzw. uns als Familie, dann wieder auf. Ich muss dann nur das Formular ausfüllen. Und dann eben zuallererst Wohnsitz anmelden und dann lauter so kleine Späße wie Kindergeld beantragen, arbeitssuchend melden (falls ich nicht gleich was finde), eine deutsche Geburtsurkunde für den kleinen Raben besorgen, unsere Ehe nachtragen lassen, einen Personalausweis beantragen und mich bei Gelegenheit mal bei der Rentenversicherung melden. Also gegen den Papierkrieg in Deutschland kommt mir das hier alles so easy peasy vor... Aber andererseits haben wir hier ja auch nichts mit dem Sozialversicherungssystem am Hut. Da könnte das ggf ein wenig anders aussehen...

 

Sonstiges

 

Ja, sonst muss halt die neue Wohnung eingerichtet werden, ne. Dabei hilft uns meine Familie. Aber wie! Also ohne diese Hilfe wären wir ziemlich aufgeschmissen...Irgendwie würden wir das dann zwar schon hinbekommen, aber halt auch wirklich nur irgendwie.

 

Emotional

 

Ich freue mich tierisch auf Deutschland. Ich bin super hibbelig und würde am liebsten gleich Morgen in den Flieger steigen. Es gibt so viel, was mich hier inzwischen einfach nur noch tierisch nervt und ich freue mich auf so viel in Deutschland. Und dann auch noch Leipzig... Und ich kenne die Straße, in der wir wohnen werden. Wir haben uns schon die Kindergärten und Spielplätze und Schulen in der Nähe angesehen, die Supermärkte und Bäckereien und Restaurants. Wir wissen, wo das nächste Schwimmbad ist und wie viel die Jahreskarte für den Zoo kostet und welches Ticket für den ÖPNV das günstigste für uns sein dürfte. Ich kenne unsere Adresse schon auswendig (inklusive PLZ) und aaaaahhhh. Ja, ich freue mich echt so tierisch auf alles. Sogar, und das ist ganz strange, auf den Umzug an sich. Ok, nicht ganz so sehr auf die Arbeit, die da so oder so noch kommt. Aber auf diesen Moment, wenn alles geschafft ist und wir müde, aber glücklich in ein Stück Pizza beißen können (Pizza nach Umzug ist auch so n Ding, oder?). Und ich würde tatsächlich auch jetzt gerade lieber in unserer neue Wohnung zeitgleich den kleinen Raben bespaßen und einen Schrank zusammenbauen, als hier in Shanghai im Büro zu sitzen. Ich glaube, beim Haselchen schwebt da noch etwas mehr Wehmut mit. Schließlich wollte ER damals unbedingt nach China und hat seine Ziele hier nicht erreicht. Aber er freut sich jeden Tag ein bisschen mehr, habe ich den Eindruck. Schließlich hat er jetzt ein neues Ziel vor Augen. Und auch, wenn er ein unverbesserlicher Träumer ist und bleibt (auch, wenn er sich das natürlich niemals eingestehen würde), kann er erst in Deutschland dann wirklich darauf hinarbeiten. Und er ist ja auch den logischen Argumenten gegenüber nicht ganz verschlossen (wie Krankenversicherung, Kindergeld, Lebenshaltungskosten im Allgemeinen die hier in Shanghai rasant ansteigen und so). Jetzt müssen wir nur noch eine gute Lösung für unsere Stubentiger finden und dann... Woohoo!

Mittwoch, 12. Oktober 2016

12 von 12 Oktober 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Mein T-shirt heute. Ich liebe es ja, dass ich hier echt einfach alles ins Büro anziehen kann, worauf ich Lust habe... 

Haselchen und kleiner Rabe schlafen noch. Ich mache mal ausnahmsweise das Katzenklo sauber. 

Und füttere die Stubentieger auch gleich noch 

Bürofrühstück: 3 Tage alte "Hefan" Reisnudeln mit Kaffee an Schreibtischchaos

Unser Obst heute im Büro. Ich weiß noch immer nicht, wie die Dinger heißen. Aber sie sind lecker. 

Mittagessen. Wie man sieht schmecken mir diese Gemüse-Rösti. Sind aber auch tierisch ölig. Trotzdem esse ich 6 Stück (!) und möchte ins Fresskoma fallen 

Nachmittags Kaffee und Kekse 

Zähneputzen ist KRIEG! Aber ich hatte neulich Zahnweh und will hier auf keinen Fall zum Zahnarzt müssen. Also putze ich lieber, was die Bürste hergibt. 

Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf: Die Ampel zeigt gerade für ALLE Seiten rot (es ist dieser kurze Moment, bevor die Fußgänger für geradeaus grün bekommen) und trotzdem fahren die Chinesen aus ALLEN Richtungen in die bereits volle Kreuzung ein. So läuft Verkehr hier immer. Das werde ich nicht vermissen... 

#nofilter - So dunkel war es an der Rutsche im Compound um 17:30 tatsächlich. Daher gingen wir dann auch wieder rein. 

Nach Abendessen, Schreiheulkreischen wegen von mir nicht verspeister Alufolie, Bild malen, Kuscheln, Spielen und Waschen ist jetzt Schlafenszeit. Mit Buch lesen, auf den Muffin deuten und "Hamm! Hamm!" Forderungen. Ja, Schatz. Am Samstag backe ich Muffins. Aber gesund, mit Zucchini. Das wird mit Giggeln quittiert. 

Simples Abendessen. Kartoffeln, Brathering und Kräuterfrischkäsecreme in Ermangelung von Quark (was freue ich mich auf Quark!). Nicht im Bild: Des Mannes Steak. 


Mittwoch, 5. Oktober 2016

Tagebuchbloggen Oktober 2016

Jeden 5. des Monats fragt Frau Brüllen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?". Hier ist meine Antwort mit einem eher durchwachsenen Tag heute:

  

0:00 WTF?! Ich wollte doch heute eigentlich früh... Ach naja, jetzt isses eh zu spät, um mich noch zu wundern oder aufzuregen. Erstmal schlafen.

 

3:30 Nach ein bisschen hin und her gestille hatte der kleine Rabe scheinbar wieder einen Alptraum. Er wacht schreiend auf und klammert sich mit aller Kraft an mich. Er zeigt immer wieder zur Tür und ruft nach Papa. Der schläft nebenan. Er schlingt die Arme um meinen Hals als ruft nach mir. Ganz verängstigt ist das arme kleinen Häschen. Dabei war er abends noch soooo tapfer und hat den Fernseher eingeschaltet, kurz gezuckt und dann gelacht anstatt in untröstriche Panik auszubrechen... Ich nehme den kleinen Raben hoch, trage ihn herum, rede ihm gut zu und langsam beruhgt er sich. Nur loslassen darf ich ihn auf gar keinen Fall. Dann geht er nochmal kurz aufs Töpfchen und pennt da fast im sitzen ein.

 

3:47 Der kleine Rabe schläft wieder. Mich überkommt genau jetzt ein übler Hustenreiz. Da die Suche nach dem Yoks im Dunkeln auf dem Nachttich vergebens bleibt, trinke ich einen Schluck aus dem Trinklernbecher und es hilft.

 

3:50 Ich schlafe wieder ein.

 

6:45 Ich verfluche mein past self von letzter Nacht, das vergessen hat, den früheren Wecker auszustellen.

 

7:45 Der richtige Wecker klingelt. Der kleine Rabe wacht mit mir auf und lächelt mich an. Herzschmelzmoment! Wir stillen nochmal fix, dann setze ich ihn aufs Töpfchen und warte darauf, dass das Haselchen aus dem Bad kommt.

 

8:00 Das Haselchen übernimmt. Ich muss mich jetzt beeilen.

 

8:15 Ich stehe halb nackt im Bad, das Haselchen holt irgendwas und plötzlich gibt es einen stumpfen, lauten Kanll und der kleinen Rabe schreit schrill auf. FUCK! Er ist vom Bett gefallen. Er wollte offenbar auf den Nachttisch krabbeln, um mit den Sachen dort zu spielen, und ist daneben getapst. Das Haselchen hat ihn schon auf dem Arm, als ich dazu komme. Aber er will lieber zu Mama. Also trage ich ihn ein wenig herum, während er weint und vor lauter Weinen und Aufregung ganz schweißnass wird.

 

8:20 Mein „Jetzt los!“ Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus und stille den kleinen Raben nochmal. Er entspannt und wirkt erschöpft. Kein Wunder... Dann setzen wir ihn auf den Boden, wo er ein bisschen spielt und sich immer wieder an den Kopf fasst. Ich schneide Grimassen und er versucht, zu lächeln, aber fühlt sich dazu sichtlich nicht wirklich gut genug. Aber er versucht es trotzdem. Mein süßer, kleiner, immer positiver, herzallerliebster Rabe! Ich mache ich mich derweil in neuem Rekordtempo fertig und schmeiße einen Muffin als Frühstück in meinen Rucksack. Dann muss ich los.

 

8:40 Ich verlasse auf dem Rad den Compound. Zum Glück ist noch Feiertag und es ist nicht viel los auf der Straße. So kann ich ein bisschen in die Predale treten und schaffe es gerade noch so bei grün über 5 der 9 Ampeln auf meiner Strecke.

 

9:02 Minimal verspätet logge ich mich ein.

 

9:12 Das Haselchen berichtet von zu Hause, dass der kleine Rabe nichts essen wollte und sogar das angebotene Stück Muffin verschmähte. Stattdessen liegen sie jetzt im Bett und der Kleine schläft gerade ein. Ich fasse dem Mann, der sich gerade vor lauter Selbstvorwürfen wohl am liebsten den Kopf vor die Wand hauen würde, nochmal zusammen, worauf er halt jetzt achten muss und wann sie in Krankenhaus fahren müssten. Er ist zwar nicht doof, aber es beruhigt uns beide ein bisschen.

 

9:58 Der kleine Rabe ist wieder wach und das Haselchen schickt mir einen ganz verheulte, halb tränenerstickte Sprachnachricht, dass alles in Ordnung zu sein scheint. Er ist doch so viel sensibler, als er sich selbst eingestehen will, mein Mann... Der Rabe hat sich gleich nach dem Aufwachen erstmal hingesetzt, winkt fröhlick, plappert vor sich hin und lächelt. Und die Pupillen sind auch ok.

 

10:32 Der kleine Rabe hat einen kompletten Kirschmuffin UND eine ganze Schüssel Haferschleim mit Apfel verputzt und krakeelt fröhlick im Hintergrund der Sprachnachricht. Ich habe jetzt Pause und hole mir erstmal einen Mocha.

 

10:47 Pause vorbei. Weiter geht die Arbeit. Zum Glück ist es nicht mehr ganz so krass wie über’s Wochenende. Wir haben zwar immer noch viele mass issues, aber mein Telefon steht auch mal ein paar Minuten still und statt der ganzen verzweifelten „Der Gast ist an der Rezeption und die sagen, sie haben noch nie was von unserer Webseite gehört und kein Zimmer frei! Was soll ich tun?“-Anrufe habe ich heute die ganzen „Der Gast hat uns die Rechnung von der Alternative geschickt, kann ich das jetzt für die Auszahlung an die zuständige Abteilung weiterleiten?“-Anrufe. Deutlich entspannter! Natürlich muss ich nebenbei noch nach meinen offenen mass issues schauen, aber auch da brennt nicht mehr so die Hütte. Die meisten der 586 Millionen Chinesen, die in der Golden Week verreisen, fahren halt in den ersten 3 Tagen. Und den meisten Hotels, die sich überbucht oder komplett falsche Preise angegeben oder plötzliche Renovierungsarbeiten angefangen oder sonst ein Problem haben, die merken das dann auch am Anfang der Golden Week, wenn die ersten Gäste eintrudeln wollen.

 

13:21 Ich gehe in die Mittagspause. Ich gehe erst einmal Abpumpen und habe dabei einen Viodeocall mit meinen beiden Männern zu Hause. Der kleine Rabe erkennt mich und lächelt und winkt mir zu.

 

13:45 Ich gehe in die Kantine. Das Essen ist heute sehr, sehr fad, wenn man kein Fleisch isst... Aber gut, es ist gratis und dann haue ich mir halt noch Zu und Sojasoße auf geschmacklos gedünstetes Grünzeug und weißen Reis.

 

14:20 Ich bin wieder an meinem Schreibtisch. Jetzt erstmal eine Stunde Picklist, also neue MJs abarbeiten. Ich habe Glück und bekomme super einfache Fälle. Danach wieder Telefon, aber es bleibt alles recht entspannt.

 

15:50 Pause. Capuccino.

 

16:05 Und Endspurt! (und ein bisschen Twitter zwischen den Anrufen... *lalalala*)

 

16:25 Escalated call. Ich habe das Vergnügen, mich über eine halbe Stunde lang von einer Dame aus England anschreien zu lassen, deren Akzent ich kaum verstehe. Es geht darum, dass sie der festen Überzeugung ist, sie hätte ihre Buchung storniert. Hat sie aber nicht. Sie sieht selbst, dass sie noch aktiv war und hat weder einen Screenshot der Stornierung, noch eine Email, noch sonst irgendwas. Nun erkläre ich mir den Mund fusselig, dass vielleicht ihr Handy kurz ohne Internet war und die Stornierung deshalb nicht abgeschickt wurde, aber dass bei uns definitiv nichts angekommen ist und dass halt einzig ihre eigene Erinnerung kein handfester Anhaltspunkt ist, den wir von unserer Seite aus weiter untersuchen können. Aber sie findet das unbefriedigend und meint, wir müssten ihr beweisen, dass sie nicht storniert hat und nur unser ganzes System ausgefallen sei. Letztendlich meint sie, ich würde sie der Lüge bezichtigen und will sich über mich persönlich beschweren.

  

Am schwersten fällt es mir immer, bei diesen Leuten ruhig zu bleiben. Also ich kann das sehr, sehr gut. Ich bleibe höflich und sachlich und lächle weiter für die freundliche Stimme. Aber innerlich koche ich und rege mich furchtbar auf. Daher zittere ich nach den meisten escalted calls erstmal vor Wut.

 

18:03 Nachdem ich den Anruf dokumentiert habe, ist Feierabend. Ich packe meinen Rucksack, hole die abgepumpte Milch aus dem maternity room und mache mich auf den Weg. Im Gehen fällt mir unser Sandsack ein. Ich ziehe meinen Feenring aus und boxe 2x mit aller Kraft gegen den Sack. Jetzt tut mir zwar die Hand ein bisschen weh, aber ich fühle mich tatsächlich besser. Das sollte ich mir fürs nächste mal merken...

 

Dann radle ich im Stockdunkeln nach Hause.

 

18:37 Ich komme zu Hause an. Der kleine Rabe isst gerade zu Abend, aber will natürlich erstmal zu mir. Wir gehen ins Schlafzimmer, stillen ein bisschen, kuscheln und klettern und freuen uns. Dann versuche ich, ihn weiter am Tisch zu füttern. Er meckert nur und will tanzen. Also muss das Haselchen weitermachen. Machte er aber nicht, ohne mir vorher eine Überraschung zu kredenzen: Er hat still und heimlich Kirschbier für mich gekauft! ❤

 

19:00 Ich spüle derweil die Milchpumpe. Bis ich fertig bin, hat auch der kleine Rabe fertig gegessen und wir gehen spielen, während das Haselchen anfängt zu kochen.

 

19:53 Der kleine Rabe und ich schauen das Sandmännchen. Danach fange ich an, ihn bettfertig zu machen. Töpfchen, Zähne putzen, Waschen und alles, was dazu gehört. Dazwischen ganz viel kuscheln und Quatsch machen.

 

21:02 Das Licht ist aus. Zeit zum Einschlafstillen und Gute-Nacht-Lied. Denke ich. Der kleine Rabe sieht das ein wenig anders. Er will lieber rumrollen, sitzen, die ausgeschaltete Deckenleuchte anstarren, durchs Bett krabbeln, versuchen auf den Nachttisch zu krabbeln und nach Papa rufen. Sobald ich versuche, ihn länger als 20 Sekunden hinzulegen, quittiert er das mit wütendem Weinen.

 

21:22 Ich schreibe dem Haselchen in Wechat, wie es gerade läuft. Er kommt und löst mich ab.

 

21:30 Der kleine Rabe schläft.

 

21:40 Wir fangen an, zu Abend zu essen und den neuen "The purge" zu schauen. Dazwischen reden wir, einmal wacht der kleine Rabe auf und der Kater will gestreichelt werden.

 

0:00 Morgen habe ich zwar Spätschicht, aber jetzt gehen wir trotzdem schlafen - auch, wenn wir den Film Dank endloser Quassel-Unterbrechungen noch immer nicht zu Ende gesehen haben.

Sonntag, 2. Oktober 2016

15 Monate kleiner Rabe

Oh, mein süßer kleiner Rabe! Jetzt bist du schon 15 Monate alt. So ein richtiges, echtes Kleinkind. Und das merkt man auch...

 

Gewicht und Größe

 

Heute früh haben wir dich mit 76 cm und 10.8 kg gemessen.

 

 

Gesundheit

 

Diesen Monat warst du absolut fit.

 

 

Was du alles kannst

 

Du kannst so viel und du lernst jeden Tag neue Sachen. Es ist einfach nur faszinierend... Was du diesen Monat so alles gelernt hast:

-          Du zeigst einen Finger und sagst „an“ (stattt „adin“), wenn man dich auf Russisch fragt, wie du heißt

-          Du reagierst auf Aufforderungen wie „Hau den Papa“, „Streichel die Katze“, „Beiß mich in die Schulter“, „Gib mir den Dino“, „Komm her“ etc. Nicht immer, aber das liegst wohl dara, dass du sehr stur bist...

-          Du weißt recht gut, womit du NICHT spielen sollst (Handyladekabel etc). Also wartest du, bis wir nicht schauen, und schnappst dir genau diese Dinge dann ganz schnell

-          Du zeigst sehr zielischer auf Nase, Augen, Zähne und manchmal Ohr bei uns und bei dir selbst

-          Du winkst auf Aufforderung und immer am Ende des Sandmännchens

 

Essen

Du isst alles. Immernoch. Manches mit mehr, anderes mit weniger Begeisterung. Ganz spannend ist dabei, dass du wirklich auch einfach nach Appetit isst. So magst du beispielsweise Banane grundsätzlich sehr gerne. Aber manchmal hast du einfach keinen Appetit darauf und willst lieber einen Cracker oder ein Käsebrot. Ich glaube du bist da schon recht kompetent, auf deinen Körper zu hören.

 

Medien

Du gehörst zu der Generation, die mit den „neuen Medien“ aufwachsen wird. Da mache ich mir nichts vor... Wir schauen seit kurzem abends zusammen das Sandmännchen. Wir haben damit angefangen, als du krank warst und es gehört inzwischen zu unserem Abendritual. Mit meinem Handy willst du auch immer wieder hantieren, aber so richtig verstehst du es noch nicht. Daher schmeißt du es dann immer irgendwann weg, was ich nicht ganz so prickelnd finde... ;-)

 

Sozialverhalten

Du „flirtest“ derzeit sehr gerne mit Menschen, die du magst. Heute zum Beispiel mit der Ayi. Dazu hast du sie praktisch „gerufen“ und mit „Äh, äh!“ die arme nach ihr ausgestreckt. Als sie dann jedoch tatsächloch zu dir kam und so getan hat, als wolle sie dich auf den Arm nehmen, hast du dir ganz verschämt einen Finger in den Mund gesteckt und dich an mich gedrückt und dabei gegrinst. Auch sonst lächelst und winkst du draußen allen Leuten zu, aber wirklich nahe kommen magst du nur sehr wenigen. Letzte Woche hast du dich tatsächlich an ein Mädchen aus dem Compound getraut. Sie ist 4 und hat dich mit ihrem Ball spielen lassen. Im gegenzug hast du ihre hand begutachtet, mir ihre Nase gezeigt und dann versucht, ihr einen Finger in den Mund zu stecken. Sie fand das zum Glück mehr niedlich und wollte dich weiter Ball spielen lassen, anstatt zum Abendessen nach Hause zu gehen. ;-)

Außerdem scheinst du zu verstehen, dass ich den ganzen Tag weg sein werde, wenn ich morgens aus dem Haus gehe. Denn während du sonst ganz entspannt bleibst, wenn wir das Zimmer oder sogar die Wohnung kurz verlassen, weinst du seit Neuestem morgens immer ein bisschen, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen habe.

 

Spiele und Spielsachen

Absolute Lieblinge sind bei dir noch immer alle Sachen, die sich drehen. Räder ganz besonders, aber auf Ventilatoren, Kreisel, Schraiubverschlüsse,... Bälle auch, aber die rollen immer so weit weg. Dein absoluter Favorit ist jedoch der Kinderwagen. Wenn du den hin und her rollen kannst, bist du glücklich. Du magst Bücher und nimmst gerne Puzzle auseinander. Vor allem deinen Puzzelteppich. Außerdem fängst du langsam an, Kuscheltiere zu kuscheln und spielst manchmal mit deiner Puppe. Gestern beim Stillen hast du auch versucht, Chicken God (ein Plüschhuhn) mit meiner Brust zu füttern.

 

 

Angst

Du bist derzeit sehr ängstlich. Besonders der Fernseher ist dir ein Graus. Vorletzte Woche hast du beim Schublade-Ausräumen einen Fernbedienung gefunden. Wir wusste gar nicht, wozu die gehört. Du dachtest, sie gehäre zur Klimaanlage und hast versucht, die Klimaanlage einzuschalten. Mit dem dem großen, roten Knopf. So viel weißt du schon über fernbedienungen. Stattdessen ging der Fernseher an. Der spielt dabei immer eine Melodie. Du starrtest den sich einschaltenden Fernseher an, wurdest ganz starr und fingst aus dem Lachen heraus an, aufzukreischen und dich panisch an mich zu klammern. Du weintest und ich jusste dich ein bisschen herumtragen, bis du dich wieder bruhigt hattest. Seitdem geht es immer so, wenn der Fernseher eingeschaltet wird. In leicht abgeschwächster Form auch, wenn wir die Tonfolge summen oder davon sprechen, den Fernseher einzuschalten. Und auch, wenn du die neue Glühbirne in der Lampe über dem Esstisch siehst. Weil dein Papa nämlich in einem unbedachten Moment sagte „Jetzt hör doch mal auf, ständig da hin zu starren. Das ist zu hell, das ist nicht gut für die Augen. Soll ich den Fernseher einschalten?“

 

Und letzte Nacht hattest du offenbar einen schrecklichen Alptraum. Anders können wir uns dein Verhalten nicht erklären. Denn du bist aufgewacht, hast kurz im Zimmer umher gesehen und dann auf einmal begponnen zu kreischen, zu schreien und zu weinen, dass es einem durch Mark und Bein ging. Ich kam sofort zu dir, aber stillen wolltest du nicht, du konntest dich aber auch so nicht beruhigen. Also nahm ich dich auf den Arm und du hast am ganzen Leib vor Angst gezittert und weiter geschrieben und geweint. Dann kam das Haselchen dazu, aber selbst mit deinem papa wurde es nur für wenige Sekunden besser. Wir trugen dich letztendlich durch die ganze Wohnung und es wurde ein wenig besser. Dann musste das Haselchen mal pieseln und du saßt ruhig auf meinem Arm, schautest irgendwo anders im Raum hin und fingst wieder an, bitterlich zu weinen. Wir versuchten, dich im zweiten Schlafzimmer hinzulegen. Da hast du ganz kurz an der Brust genuckelt und dich dann, wieder schreiend, zum Papa umgedreht und dich an ihn gekrallt, dich wieder panisch zu mir gedreht etc. Immer wieder riefst du „Mama! Papa!“ und scheinbar machte dir jeder Schatten Panik. Wir waren ein wenig überfordert. Das ganz ging eine richtige Weile. Insgesamt über 20 Minuten mindestens. Letztendlich dachten wir dann, dass du vielleicht Schmerzen haben könntest und dein Papa bestand darauf, dir eine Mini-Baby-Dosis Ibusaft zu geben. Danach war es plötzlich ok. Ich hatte dich dann noch über eine halbe Stunde auf dem Arm und als du dort fast am einschlafen warst, konnte ich dich zurück ins Bett bringen, wo du dann über 4 Stunden am Stück seelenruhig geschlafen hast.

 

  

Wortschatz

-          Mama

-          Papa

-          Tota (Tjotja – Tante)

-          Dada (Djadja – Onkel)

-          Äta (das da auf Russisch)

-          Dat da (das da)

-          Daz! (Tanz)

-          Kaka

-          Chrck-Kaka (Cracker, Keks oder Brot)

-          Ma (Miau – für Katze, aber auch grundsätzliche alle anderen Tiere)

-          Ga (Gans)

-          Gaga (Bagger)

-          Ende

-          Hände (Handy)

-          Na/Nei (Nein, allerding nicht im eigentliche Sinne, sondern immer wenn du etweas tust von dem du weißt, dass du es nicht sollst und ich deshalb gleich Nein sagen werde)

-          Löla (Jula – Kreisel)

-          Auto

-          Ham/Yam/Am (essen, stillen, beißen)

-          Ecka (lecker)

-          An (adin – eins)

-          Mamba / Baba (Babulja, also die russiche Oma)

-          Mmmmm (Muh – Kuh)

-          Brrrrrr (brummendes Geräuscht für alles was fährt - mit der Hand in der Luft für alles, was fliegt)

 

Fortbewegung

Du kannst krabbeln! Endlich! Du tust es noch immer nicht sonderlich gerne und hast eine ungewöhnliche Technik, bei der du manchmal ein bein wie im Sitzen eingeklemmt einfach nur mitschleifst (schwer zu beschreiben, es sieht sehr unbequem aus, aber scheinbar fällt es dir so leichter, dich wieder zu setzen, sodass du das für kurze Strecken bevorzugst), aber du kannst es.

 

Außerdem machst du, wenn du dich an uns festhalten kannst, immer 2-3 Schritte, bevor du dich wieder hinsetzt. Und du ziehst dich selbst immer öfter in den Stand.