Samstag, 29. Oktober 2016

Nicht der Papa!

Ich wollte nie die Art von Mutter sein, die sich krampfhaft an ihr Kind klammert und es am liebsten klein halten möchte. Und ja, ich freue mich tierisch, dass der kleine Rabe immer größer und selbstständiger wird. Ich bin total stolz auf ihn, wenn er durch die Wohnung krabbelt und kichernd Richtung Bad flitzt, um die Wattestäbchen auszuräumen und überall zu verteilen. Kichernd deshalb, weil er weiß, dass uns das manchmal ein wenig nervt, da wir dann ja alles wieder aufräumen müssen und er das deshalb eigentlich nicht unbedingt machen soll und daher kichert er schon auf dem Weg dorthin. Ich bin so stolz auf ihn, wenn er Wünsche klar äußert und ganz deutlich „Krch-Kaka“ oder „Manga“ fordert oder sich seiner eigenen Autonomie bewusst wird und dann eben auch mal in frustriertes Kreisch-heulen ausbricht, wenn etwas nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat (und ich zum Beispiel partout keine Aluminiumfolie essen möchte, obwohl er mich doch so nett damit zu füttern versucht). Das ist alles natürlich für uns nicht aller ganz leicht. Aber es ist toll und aufregend und es macht mich stolz und glücklich. Trotzdem tut mir der Ablöseprozess, den wir im Zuge dieser Entwicklung haben, auch irgendwie weh. Umso mehr so, als scheinbar insbesondere ich ganz viel Kreisch-heulen abbekomme, während das Haselchen mit Kichern, Glucksen und Lachen bedacht wird. Und obwohl ich vom Kopf her weiß, dass es nicht meine Schuld ist, fühle ich mich dabei einfach als schlechte Mutter...

 

Er heult ja immer bei dir

 

Diesen Satz sagte das Haselchen in verschiedenen Varianten immer mal wieder. Mal verwundert, mal neckisch, mal genervt. An einem schlechten Tag auch mal richtig vorwurfsvoll, bis ich selbst in Tränen ausbrach (woraufhin das Haselchen mich in den Arm nahm und wir uns drüber aussprachen). Und es stimmt. Wenn ich alleine mit dem kleinen Raben bin, heult er sehr viel mehr, als wenn er bei seinem Papa ist oder wir beide da sind. Egal, ob auf dem Töpfchen, beim Wickeln, beim Spielen oder beim Spazieren gehen. Meine Bemühungen wurden ständig kurz mit Lachen und kurz darauf mit Heulen seitens des Raben gewürdigt. Selbst das früher so universell einsetzbare „Auf dem Arm herumtragen“ klappt nicht mehr, um ihn zu beruhigen. Dann fallen ihm nämlich scheinbar tausend Sachen ein, die er jetzt haben oder stattdessen machen möchte. Also wenn ich ihn trage. Bei seinem Papa hingegen schmust er sich an, spielt er fröhlch vor sich hin, teilweise auch ganz alleine, er lacht und quasselt, lässt sich Sachen erklären und sitzt entspannt auf dem Topf. Ganz besonders krass war es immer beim Essen. Wenn ich versuchte, den Raben zu füttern, endete das in letzter Zeit immer in einem sich verweigernden, kreischheulenden, Dinge umher werfenden und Cracker in den Stuhl einmassierenden Kleinkind. Kaum übernahm der Papa, aß er genau das Essen, wogegen er sich bei mir mit Händen und Füßen gewehrt hatte und nur auf meinen Arm wollte. Mit großem Appetit, in riesigen Mengen und fröhlich dabei plappernd. Ja einige Male musste ich sogar beim Abendessen komplett den Raum verlassen, weil das Kind sonst nur heulte und nichts essen wollte.

 

Warum nur?

 

Das fragen wir uns natürlich immer, wenn unser Kind unzufrieden ist. Warum? Was ist los? Und: Was können wir tun? Für sein Verhalten gibt es sicherlich viele Gründe. Ein ganz tollen Artikel vom gewünschtesten Wunschkind, an den ich mich tatsächlich erst jetzt gerade beim Schreiben erinnert habe (http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/05/warum-lehnt-mein-kind-mich-ab-was-kann-man-tun-wenn-das-baby-den-papa-ablehnt.html) erklärt das mit der Bindung, die so ein Kind hat. Dass das Kind eine Nummer 1 und eine Nummer 2 hat und bei Nummer 1 einfach besser richtig „loslassen“ kann, was dann eben so manches Heul-kreischen erklärt. Stressabbau. Das finde ich ja erstmal beruhigend und es bestärkt mein WISSEN, dass ich nichts falsch mache. Aber das ändert halt nichts am Gefühl. Und was genau ich beim Essen falsch mache (also in den Augen des kleinen Raben), das weiß ich noch immer nicht. Genauso wenig wie, warum es ab und zu doch klappt. Es ist einfach irgendwie doof... Und egal, wie sehr ich versuche, mich nicht verrückt zu machen: Die Stimme im Hinterkopf, die flüstert „Selbst Schuld! Was gehst du auch arbeiten?! Und im Sommer hast du sogar mal Überstunden gemacht!“ will einfach nicht dauerhaft und ganz ihre vorlaute Klappe halten...

 

Die Sache mit dem Stillen

 

Zu allem Überfluss kommt nun noch hinzu, dass der kleine Rabe immer weniger stillt. Er futtert wie ein Scheunendrescher, aber die Brust will er immer weniger. Das ist ja auch ok, weil so von ihm initiiert. Aber trotzdem fühlt es sich traurig an. Ab sofort werde ich auch meine Milchpumpe, die die letzten 10 Monate täglich mein Begleiter ins Büro war, nicht mehr mitnehmen. Es kamen sowieso inzwischen nur noch rund 50 ml jeden Mittag. Schön ist ja, dass uns das viel Zeit spart. Und es bedeutet auch, dass ich zumindest theoretisch ab und zu ausgehen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Mein Kind liegt nicht als hilfloses Baby daheim und weint nach der Brust. Stattdessen turnt er, wenn ich da bin, als gackelndes Kleinkind über mich, trinkt drei Schluck Milch und verlangt dann, noch mit der Brust im Mund, grinsend nach Mango. Das ist niedlich und das ist super. Aber es ist auch anstrengend und traurig. Denn die Zeiten, in denen er selig in meinem Arm dem Milchkoma erlegen ist und ich dieses winzige Bündel Baby hatte, die sind unwiederbringlich vorbei. Ebenso die Zeiten, in denen wir ohne Vorräte einfach mit der Prämisse „Ich hab meine Brüste ja dabei“ vor die Tür gehen konnten. Hach, seufz...

 

Lösungen?

 

Eine Lösung haben wir nicht gefunden. Vorgestern haben wir den Tag so gestaltet, dass das Haselchen mit dem kleinen Raben alleine spazieren ging, ihn fütterte und auch in den Mittagsschlaf begleitete. Ich war zwar da, aber ich werkelte am großen Spiegelschrank und sortierte unter anderem Medikamente aus – wo es jetzt nicht ganz so optimal gewesen wäre, ein Kleinkind mitten hinein zu setzen. Das Ergebnis war, dass ich mich am Ende des Tages nicht nur freudig erschöpft vom erfolgreichen Tagwerk, sondern auch richtig mies gefühlt habe. Da habe ich frei und dann verbringe ich trotzdem nicht so viel Zeit mit meinem Kind. Andererseits war der Rabe den ganzen Tag über glücklich und zufrieden. Trotzdem ist das für mich keine dauerhafte Lösung – gut tut es unserer Bindung garantiert nicht, wenn ich zwar da bin, aber halt nur so vor mich herumdümpele und nur zwischendrin ein bisschen mit ihm spiele...

 

Nicht die Mama!

 

Mit dem ganzen Weinen und Heulen in meiner Nähe hätten man jetzt ja annehmen können, dass bei Papa immer alles ok ist. Das Phänomen ist aber: Sobald nur ich da bin, ruft er ständig „Papa! Papa!“. Sobald nur der Papa da ist, fragt er ständig nach „Mama? Mama?“. Einzige Lösung ist: Wir müssen beide da sein. Dann wird aus dem Fordern und Fragen immer ein glückliches „Mama? Papa? Mama! Papa! Mama Papa Mamapapa Mampa!“. Nun denn, mein Sohn. Dann brauchen wir halt einfach viel mehr Zeit zu dritt. Da hat er aber ja auch recht: Das ist am schönsten. :-)

1 Kommentar:

  1. Das Essensspielchen haben wir hier auch, dass das Zwerg bei einem viel besser isst als beim anderen. Allerdings habe ich noch kein Muster erkannt, das kommt vielleicht noch?
    Liebe Fledermama, wenn du Zeit und Lust hast, möchte ich dir den Liebster Award überreichen - Details gibts auf meinem Blog.

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