Donnerstag, 20. Oktober 2016

Shanghai Alltag: Gaffer und Paparazzi

So manches Mal fühlen wir uns hier ja schon wie die Tiere im Zoo. Bei den Ausführungen zum Stillen in der Öffentlichkeit hier in China hatte ich ja mal erwähnt, wie angenehm überrascht ich darüber war, dass man uns während des Stillens so weit in Frieden gelassen hat. Denn selbstverständlich ist das hier bei Weitem nicht.

 

 

Die Gaffer

 

Es gibt die eine Spezies, die gaffen uns einfach permanent und penetrant an. Meist sind das Damen mittleren Alters. Oder kleine Kinder. Oft beides (in Form von Oma mit Enkel). Sie zeigen auch gerne mal mit dem Finger auf uns und rufen dabei lautstark zum Rest der Familie, damit die uns auch ja nicht verpassen und auch mal gucken können.

 

 

Die Halsrecker

 

Der durchschnittliche Gaffer lässt es irgendwann auch mal gut sein. Spätestens, wenn man aus dem Sichtfeld verschwindet. Die Halsrecker versuchen, diesen Moment so weit wie möglich hinaus zu zögern, indem sie den Kopf eulenartig immer weiter drehen. Dass das natürlich noch auffälliger ist, als nur zu gaffen, stört die meist Ü40er Herren dabei kaum. So manch einer hätte auch schon fast einen Unfall auf dem Mofa gebaut, weil er zwar weiterfahren, aber uns auch weiter beobachten wollte. Besonders amüsant ist bis heute die Fotoserie, die bei unserem ersten Gothic Picknick entstanden ist: Während wir alle im Vordergrund essen, reden und in die Kamera lächeln, geht im Hintergrund ein Mann auf dem Weg an uns vorbei. Dabei starrt er unentwegt zu unserem Grüppchen hinüber und hat den Mund vor Staunen offen stehen, was vor allem auf den letzten paar Bildern, auf denen er eigentlich schon vorbei ist, sich aber im Gehen weiter umdreht, um nichts zu verpassen, ausgesprochen grotesk wirkt.

 

 

Die Paparazzi

 

Am unangenehmsten von allen finde ich immer die Leute, meist junge Damen und Herren unter 25, die meinen, uns unbedingt ungefragt fotografieren zu müssen. Jup. Kein Witz. Mehr als nur ein oder zwei Mal standen wir ganz unbedarft in der Metro, als plötzlich direkt vor unserer Nase die Handys in die Höhe ginge und der laute Auslöser-Sound offenbarte: Jepp, die machen gerade ungeniert und ungefragt einfach mal so ein paar Fotos von uns. Und das nicht einmal unbedingt, wenn wir gestyled, mit tollen Klamotten, Haaren und Makeup unterwegs waren. Einfach so. Da reichen unsere Frisuren und Haare offenbar schon...

 

 

Die Fans

 

Sehr niedlich ist es, wenn die Neugierigen auch ein bisschen Englisch können und uns ansprechen. Meist bitten sie dann freundlich und unter schüchternem Kichern um ein gemeinsames Foto. Neulich auch im Restaurant eines 5-Sterne Hotels. Oder wir bekommen versichert, wie cool wir sind. Dass meine Haare schön sind oder dass das Haselchen einen coolen Bart hat. Oder sie fragen uns, wenn sie sich trauen und so viel Englisch können, auch mal, wer wir sind. Wir wurden schon für Künstler, Schauspieler und natürlich Rockstars gehalten. Vielleicht deshalb auch die ganzen Fotos...

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