Mittwoch, 26. Oktober 2016

Shanghai Alltag: modische Highlights

Das hier wird ein kleiner Lästerbeitrag, aber ein bisschen Spaß muss doch auch mal sein. Und es gibt tatsächlich so ein paar modische Highlights, die man, glaube ich, SO in Europa nur selten zu Gesicht bekommt...

 

Kombi-Königinnen

 

Kleidungsstücke so zu kombinieren, dass sie farblich und vom Stil her zusammenpassen, ist kein großes chinesisches Talent. Pinker Rock mit gelben Punkten, dazu ein grün-rot gestreiftes Shirt oder bunte Blümchensocken? Kein Problem. Joggingsbuxe, kombiniert mit High heels und zu kurzer Bluse? Check. Schwarzer Tüllrock mit Satinbändchen, dazu ein zu kleiner und aus der Form gewaschener hellgrauer Strickpullover und hellblaue Flipflops mit großen, hellgrünen Plastikblumen drauf. Yeah! Minirock mit Radlerhose? Natürlich! Wie soll man sich den sonst in der Metro die Fußnägel schneiden, ohne dass die andere Passagiere einem die Unterbuxe weggucken, sobald man denFuß auf den Sitz hochhebt?! Dicken Dauenjacke, fest verschlossen, dazu Rüschenshorts, knielange Feinstrumpfleggings und dann noch Feinstrumpfsöckchen in einem anderen Farbton in Ballerinas? Klar, sonst kommen doch die blutig aufgekratzten Mückenstiche auf den Waden gar nicht richtig zur Geltung!

 

Die Krux mit den Heels

 

Chinesinnen tragen unglaublich oft und gerne High heels. Damit habe ich auch absolut kein Problem. Ich finde hohe Hacken an sich sehr chic und vermisse es ein bisschen, dass ich seit der Schwangerschaft selbst kaum noch Absatz trage (weil Sturzgefahr, jetzt weil meist doch irgendwie Kind auf dem Arm etc). Aber: Die Schuhe sollten schon einem qualitativen Mindestmaß entsprechen und passen und die Trägerin sollte keine größeren orthopädischen Probleme haben und auch wirklich in den Schuhe laufen können. Das ist hier meist NICHT der Fall. Die Mädels starksen auf Billigdingern herum, die Absätze sind ungleich abgenutzt, wackeln ganz und drohen bei jedem Schritt abzubrechen. Die Schuhe sind zu groß oder zu klein, sodass die Füße gequält aus Peeptoe-Löchens gequetscht werden oder die Trägerin wie klein Lischen in Mamas Pumps durch die Weltgeschichte schlurfen muss, um nicht ständig ihre Schuhe zu verlieren. Hinzu kommt: Ich habe wirklich noch NIE so viele Menschen mit Fehlstellungen an Beinen und Hüfte gesehen, wie hier (auch kein Wunder, wenn die Hüfte von Babies niemals auch nur kurz angeschaut wird...). X- und O-Beinen sind da noch das harmloseste. Da Laufen Frauen mit sogar für mich sichtbar komplett deformiertem „Fahrgestell“ herum, watschen wie die Enten mit den Füßen nach außen gerichtet, fallen ständig fast über die eigenen, vor sich gekreuzten Zehen, haben ein normales und ein verdrehtes Bein und so weiter und so fort. Und all diese Mädels, anstatt zum Orthopäden zu gehen und sich um ihre Knochen zu kümmern, trippeln, watscheln oder staksen auf miesen Hacken durch die Weltgeschichte. Und selbst die, die keine sichtbaren Verformungen haben, können einfach nicht in High heels laufen. Da wird wie der Storch im Salatbeet das Bein in höchste Höhen gehoben, mit stocksteifer Hüfte gestakst (weil Hüfte bewegen hat ja was sexuelles und das macht man als ordentliches Mädchen nicht!!!einself) oder die Sohle verliert niemals den Bodenkontakt und es wird mit angezogener Handbremse herumgeschluft. Und davon, wie die Mädels dann RENNEN, wenn sie versuchen, sich zu beeilen (kurz: die Füße werden bei jedem Schritt seitlich abgeknickt und man rudert ganz wild mit den Armen, ist dabei aber noch ein kleines bisschen langsamer unterwegs, als ich es als Hochschwangere Watschelente war, was auch davon nicht besser wird, dass man nach rund 10 m kurz stehen bleiben und aufs Handy schauen muss), will ich gar nicht erst groß anfangen...

 

Wer schön sein will...

 

Wer schön sein will, muss nicht nur leiden. Der muss auch: Nägel schneiden, feilen und lackieren, Lockenwickler tragen, Gesichtsmasken auflegen. Macht man zu Hause im Bad? Neihein! Weit gefehlt! Macht man überall. Hier ist es vollkommen normal, das Kolleginnen morgens mit einem einzelnen Lockenwickler im Pony ins Büro kommen, den sie dann gegen Mittag herausnehmen, um allen Kollegen ihre tolle Haartolle präsentieren zu können. Oder dass Menschen sich mitten in der vollen U-Bahn Finger und Fußnägel knipsen. Oder dass Frauen mit aufgelegten Gesichtsmasken (es gibt ja so Masken in Form eines Vlies, das mit den Pflegestoffen getränkt ist und nach der Benutzung weggeworfen wird) durch die Straße gehen. Alles sehr stange wenn man eigentlich gewohnt ist, dass Menschen ihr Haus erst fertig angezogen und gestyled verlassen... Und von den skurrilen Schönheitstrends wie diesen unsäglichen, hautfarbenen Aufklebern, mit denen Frau ihr Augenlid weiter öffnet, um so einen „europäischeren“ Blick zu bekommen und die aber einfach immer wie ein Unfall aussehen oder den Klett-Stückchen, die man sich als Deko in die Haare hängt, mag ich gar nicht weiter ausholen...

 

Hauspuschen

 

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, dass Kollegen und Kolleginnen es sich im Büro ein wenig gemütlicher machen wollen. Wer schon in billigen Plastik High-Heels zur Metro gerannt ist, darf von mir aus gerne dann unter dem Schreibtisch in ein paar bequeme Hausschluppen schlüpfen. Wobei ich mir aber immer wieder ein Kichern oder Augenrollen verkneifen muss ist, WAS für Hausschuhe viele Mädels hier tragen. Und ja, ich rede da nur von den Mädels. Die männlichen Kollegen haben meist entweder kostenlose Hotel-Schlappen oder ein paar neutrale Hausschuhe. Die Damen hingegen... Pink und rosa, wohin man schaut. Was ja ok wäre. Wären es nicht beispielsweise pinke und rosane Hello-Kitty Köpfe, Minimäuse, Häschen und Ähnliches in der riesen Plüsch Variante, bei denen das ach so süüüüüüüüße Plüschgesicht mit den aufgeklebten Kulleraugen oder den auslandenden Plastikblümchen oder den Schnurrhaaren gleich 2-3 so groß sind, wie die Füße der Trägerin. Sogar so knallrote, Puff-Federpantöffelchen MIT ABSATZ habe ich schon im Büro gesichtet. Und sorry, aber wer sich so etwas auf der Arbeit anzieht, den kann ich nicht erst nehmen! Grund ist aber wohl, dass die Mädeln ganz bewusst klein und niedlich wirken möchten. Eine Kollegin sagte mir vor Kurzem O-Ton „Yeah, for us Chinese the thing is: Once we are getting old, like 25, we do everything we can to look cute and young, like 15.” Ich war kurz davor, aber habe dann doch den Mund gehalten. But this is just wrong on so many levels...

 

Schlafanzüge

 

Es gibt ja so dieses Klischee-bild des Chinesen, der im Seidenschlafanzug durch die Gegend radelt. Furchbar rassistisch und vorbei an jeglicher Lebensrealität? Nope. Genau DER begegnet mir alle paar Tage auf meinem Weg morgens zur Arbeit. Der gute Mann ist etwas älter und trägt einen hellgelben Pyjama aus Seidenbrokat mit chinesischen Drachen darauf. Mit kleinem Stehkragen und den typisch chinesischen Knubbelknöpfchen. Dazu fährt er auf seinem alten, rostigen Rad und hat ein kleines Ziegenbärtchen. Nur mit Reishut habe ich ihn noch nicht gesehen. Die tragen nur die Reinigungskräfte im compound, wenn sie im Hochsommer Laub fegen und so. Ich vermute immer, dass er auf dem Weg zur Renter Tai-Chi Gruppe in unserem Compound ist. Dort tragen die Teilnehmen entweder ähnlichen Pyjamas – oder Sportkleidung aus Hightech-Fasern. Aber doch eher die Seidenschlafanzüge. Und das ist nichts ungewöhnliches. Ähnlich gekleidete Menschen sieht man hier überall und immer wieder. Der Seidenpjyama ist dabei das eleganteste Teil. Es gibt aber auch viele, die einfach in ganz „normalen“ Schlafanzügen aus Baumwolle herumlaufen. Auch „europäisch“ geschnitten. Damit geht man einkaufen, Fährt mit dem Rad durch die Gegend, geht in den Park,... Alles, was man in der Freizeit so tut. Und manchmal habe ich sogar schon am Wochenende Kolleginnen im Büro sitzen sehen, die einen Pjyama anhatten. Und die waren morgens nicht einfach zu spät aus dem Bett gefallen – sonst hätten sie keine Zeit gehabt, sich die künstlichen Wimpern aufzukleben und sich ein halbes Pfund Spachtelmasse ins Gesicht zu schmieren...

 

Schlafanzüge im Winter

 

So ein Seidenpyjama eignet sich wohl im Frühling und Sommer, aber sobald es deutlich unter 10 Grad Celsius hat, friert man sich da ja dann elementare Körperteile ab. Dann MUSS man doch eine Winterjacke drüber ziehen, nech? Nö. Nicht in China. Hier gibt es den Winter-Schlafanzug. Schaut aus wie eine gefütterte Steppdecke, aus der jemand Hose und Jacke genäht hat. Meistens sind die Dinger dann in rosa und pink gehalten und mit „schönen“ bunten Blumenmustern „verziert“. Es gibt aber auch die grauen oder blauen Varianten für den Herrn von Welt, der auch bei Kälte und Frost noch zeigen will, dass er reich genug ist, einen Schlafanzug zu besitzen.

 

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