Mittwoch, 5. Oktober 2016

Tagebuchbloggen Oktober 2016

Jeden 5. des Monats fragt Frau Brüllen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?". Hier ist meine Antwort mit einem eher durchwachsenen Tag heute:

  

0:00 WTF?! Ich wollte doch heute eigentlich früh... Ach naja, jetzt isses eh zu spät, um mich noch zu wundern oder aufzuregen. Erstmal schlafen.

 

3:30 Nach ein bisschen hin und her gestille hatte der kleine Rabe scheinbar wieder einen Alptraum. Er wacht schreiend auf und klammert sich mit aller Kraft an mich. Er zeigt immer wieder zur Tür und ruft nach Papa. Der schläft nebenan. Er schlingt die Arme um meinen Hals als ruft nach mir. Ganz verängstigt ist das arme kleinen Häschen. Dabei war er abends noch soooo tapfer und hat den Fernseher eingeschaltet, kurz gezuckt und dann gelacht anstatt in untröstriche Panik auszubrechen... Ich nehme den kleinen Raben hoch, trage ihn herum, rede ihm gut zu und langsam beruhgt er sich. Nur loslassen darf ich ihn auf gar keinen Fall. Dann geht er nochmal kurz aufs Töpfchen und pennt da fast im sitzen ein.

 

3:47 Der kleine Rabe schläft wieder. Mich überkommt genau jetzt ein übler Hustenreiz. Da die Suche nach dem Yoks im Dunkeln auf dem Nachttich vergebens bleibt, trinke ich einen Schluck aus dem Trinklernbecher und es hilft.

 

3:50 Ich schlafe wieder ein.

 

6:45 Ich verfluche mein past self von letzter Nacht, das vergessen hat, den früheren Wecker auszustellen.

 

7:45 Der richtige Wecker klingelt. Der kleine Rabe wacht mit mir auf und lächelt mich an. Herzschmelzmoment! Wir stillen nochmal fix, dann setze ich ihn aufs Töpfchen und warte darauf, dass das Haselchen aus dem Bad kommt.

 

8:00 Das Haselchen übernimmt. Ich muss mich jetzt beeilen.

 

8:15 Ich stehe halb nackt im Bad, das Haselchen holt irgendwas und plötzlich gibt es einen stumpfen, lauten Kanll und der kleinen Rabe schreit schrill auf. FUCK! Er ist vom Bett gefallen. Er wollte offenbar auf den Nachttisch krabbeln, um mit den Sachen dort zu spielen, und ist daneben getapst. Das Haselchen hat ihn schon auf dem Arm, als ich dazu komme. Aber er will lieber zu Mama. Also trage ich ihn ein wenig herum, während er weint und vor lauter Weinen und Aufregung ganz schweißnass wird.

 

8:20 Mein „Jetzt los!“ Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus und stille den kleinen Raben nochmal. Er entspannt und wirkt erschöpft. Kein Wunder... Dann setzen wir ihn auf den Boden, wo er ein bisschen spielt und sich immer wieder an den Kopf fasst. Ich schneide Grimassen und er versucht, zu lächeln, aber fühlt sich dazu sichtlich nicht wirklich gut genug. Aber er versucht es trotzdem. Mein süßer, kleiner, immer positiver, herzallerliebster Rabe! Ich mache ich mich derweil in neuem Rekordtempo fertig und schmeiße einen Muffin als Frühstück in meinen Rucksack. Dann muss ich los.

 

8:40 Ich verlasse auf dem Rad den Compound. Zum Glück ist noch Feiertag und es ist nicht viel los auf der Straße. So kann ich ein bisschen in die Predale treten und schaffe es gerade noch so bei grün über 5 der 9 Ampeln auf meiner Strecke.

 

9:02 Minimal verspätet logge ich mich ein.

 

9:12 Das Haselchen berichtet von zu Hause, dass der kleine Rabe nichts essen wollte und sogar das angebotene Stück Muffin verschmähte. Stattdessen liegen sie jetzt im Bett und der Kleine schläft gerade ein. Ich fasse dem Mann, der sich gerade vor lauter Selbstvorwürfen wohl am liebsten den Kopf vor die Wand hauen würde, nochmal zusammen, worauf er halt jetzt achten muss und wann sie in Krankenhaus fahren müssten. Er ist zwar nicht doof, aber es beruhigt uns beide ein bisschen.

 

9:58 Der kleine Rabe ist wieder wach und das Haselchen schickt mir einen ganz verheulte, halb tränenerstickte Sprachnachricht, dass alles in Ordnung zu sein scheint. Er ist doch so viel sensibler, als er sich selbst eingestehen will, mein Mann... Der Rabe hat sich gleich nach dem Aufwachen erstmal hingesetzt, winkt fröhlick, plappert vor sich hin und lächelt. Und die Pupillen sind auch ok.

 

10:32 Der kleine Rabe hat einen kompletten Kirschmuffin UND eine ganze Schüssel Haferschleim mit Apfel verputzt und krakeelt fröhlick im Hintergrund der Sprachnachricht. Ich habe jetzt Pause und hole mir erstmal einen Mocha.

 

10:47 Pause vorbei. Weiter geht die Arbeit. Zum Glück ist es nicht mehr ganz so krass wie über’s Wochenende. Wir haben zwar immer noch viele mass issues, aber mein Telefon steht auch mal ein paar Minuten still und statt der ganzen verzweifelten „Der Gast ist an der Rezeption und die sagen, sie haben noch nie was von unserer Webseite gehört und kein Zimmer frei! Was soll ich tun?“-Anrufe habe ich heute die ganzen „Der Gast hat uns die Rechnung von der Alternative geschickt, kann ich das jetzt für die Auszahlung an die zuständige Abteilung weiterleiten?“-Anrufe. Deutlich entspannter! Natürlich muss ich nebenbei noch nach meinen offenen mass issues schauen, aber auch da brennt nicht mehr so die Hütte. Die meisten der 586 Millionen Chinesen, die in der Golden Week verreisen, fahren halt in den ersten 3 Tagen. Und den meisten Hotels, die sich überbucht oder komplett falsche Preise angegeben oder plötzliche Renovierungsarbeiten angefangen oder sonst ein Problem haben, die merken das dann auch am Anfang der Golden Week, wenn die ersten Gäste eintrudeln wollen.

 

13:21 Ich gehe in die Mittagspause. Ich gehe erst einmal Abpumpen und habe dabei einen Viodeocall mit meinen beiden Männern zu Hause. Der kleine Rabe erkennt mich und lächelt und winkt mir zu.

 

13:45 Ich gehe in die Kantine. Das Essen ist heute sehr, sehr fad, wenn man kein Fleisch isst... Aber gut, es ist gratis und dann haue ich mir halt noch Zu und Sojasoße auf geschmacklos gedünstetes Grünzeug und weißen Reis.

 

14:20 Ich bin wieder an meinem Schreibtisch. Jetzt erstmal eine Stunde Picklist, also neue MJs abarbeiten. Ich habe Glück und bekomme super einfache Fälle. Danach wieder Telefon, aber es bleibt alles recht entspannt.

 

15:50 Pause. Capuccino.

 

16:05 Und Endspurt! (und ein bisschen Twitter zwischen den Anrufen... *lalalala*)

 

16:25 Escalated call. Ich habe das Vergnügen, mich über eine halbe Stunde lang von einer Dame aus England anschreien zu lassen, deren Akzent ich kaum verstehe. Es geht darum, dass sie der festen Überzeugung ist, sie hätte ihre Buchung storniert. Hat sie aber nicht. Sie sieht selbst, dass sie noch aktiv war und hat weder einen Screenshot der Stornierung, noch eine Email, noch sonst irgendwas. Nun erkläre ich mir den Mund fusselig, dass vielleicht ihr Handy kurz ohne Internet war und die Stornierung deshalb nicht abgeschickt wurde, aber dass bei uns definitiv nichts angekommen ist und dass halt einzig ihre eigene Erinnerung kein handfester Anhaltspunkt ist, den wir von unserer Seite aus weiter untersuchen können. Aber sie findet das unbefriedigend und meint, wir müssten ihr beweisen, dass sie nicht storniert hat und nur unser ganzes System ausgefallen sei. Letztendlich meint sie, ich würde sie der Lüge bezichtigen und will sich über mich persönlich beschweren.

  

Am schwersten fällt es mir immer, bei diesen Leuten ruhig zu bleiben. Also ich kann das sehr, sehr gut. Ich bleibe höflich und sachlich und lächle weiter für die freundliche Stimme. Aber innerlich koche ich und rege mich furchtbar auf. Daher zittere ich nach den meisten escalted calls erstmal vor Wut.

 

18:03 Nachdem ich den Anruf dokumentiert habe, ist Feierabend. Ich packe meinen Rucksack, hole die abgepumpte Milch aus dem maternity room und mache mich auf den Weg. Im Gehen fällt mir unser Sandsack ein. Ich ziehe meinen Feenring aus und boxe 2x mit aller Kraft gegen den Sack. Jetzt tut mir zwar die Hand ein bisschen weh, aber ich fühle mich tatsächlich besser. Das sollte ich mir fürs nächste mal merken...

 

Dann radle ich im Stockdunkeln nach Hause.

 

18:37 Ich komme zu Hause an. Der kleine Rabe isst gerade zu Abend, aber will natürlich erstmal zu mir. Wir gehen ins Schlafzimmer, stillen ein bisschen, kuscheln und klettern und freuen uns. Dann versuche ich, ihn weiter am Tisch zu füttern. Er meckert nur und will tanzen. Also muss das Haselchen weitermachen. Machte er aber nicht, ohne mir vorher eine Überraschung zu kredenzen: Er hat still und heimlich Kirschbier für mich gekauft! ❤

 

19:00 Ich spüle derweil die Milchpumpe. Bis ich fertig bin, hat auch der kleine Rabe fertig gegessen und wir gehen spielen, während das Haselchen anfängt zu kochen.

 

19:53 Der kleine Rabe und ich schauen das Sandmännchen. Danach fange ich an, ihn bettfertig zu machen. Töpfchen, Zähne putzen, Waschen und alles, was dazu gehört. Dazwischen ganz viel kuscheln und Quatsch machen.

 

21:02 Das Licht ist aus. Zeit zum Einschlafstillen und Gute-Nacht-Lied. Denke ich. Der kleine Rabe sieht das ein wenig anders. Er will lieber rumrollen, sitzen, die ausgeschaltete Deckenleuchte anstarren, durchs Bett krabbeln, versuchen auf den Nachttisch zu krabbeln und nach Papa rufen. Sobald ich versuche, ihn länger als 20 Sekunden hinzulegen, quittiert er das mit wütendem Weinen.

 

21:22 Ich schreibe dem Haselchen in Wechat, wie es gerade läuft. Er kommt und löst mich ab.

 

21:30 Der kleine Rabe schläft.

 

21:40 Wir fangen an, zu Abend zu essen und den neuen "The purge" zu schauen. Dazwischen reden wir, einmal wacht der kleine Rabe auf und der Kater will gestreichelt werden.

 

0:00 Morgen habe ich zwar Spätschicht, aber jetzt gehen wir trotzdem schlafen - auch, wenn wir den Film Dank endloser Quassel-Unterbrechungen noch immer nicht zu Ende gesehen haben.

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