Samstag, 22. Oktober 2016

Was für eine Mama will ich sein?

Es gibt ja so ganz grundlegende Fragen, die man sich eigentlich dann doch erst stellt, wenn es schon so weit ist. Dazu gehört für mich auch die Frage, was für eine „Art“ von Mam ich sein will. Dabei denke ich gar nicht einmal so sehr an die typischen Schubladen a la „Latte Macciato Mum“, „Helikopter-mutter“ etc pp. Sondern wirklich daran, wie ich mit meinem Kind umgehen will. So im ersten Jahr lief das alles bei uns eigentlich einfach so. Da gab es keine größere Frage. Wir haben gestillt, mal getragen, mal geschoben und wir teilen uns ein Bett zusammen. Denn ein Baby schreien lassen, das geht einfach nicht. Stillen ist schön und gesund und praktisch und an mich gekuschelt bzw. an mir nuckelnd (da er trotz mehrere Versuche auch keinen Schnuller nimmt) schläft der kleine Rabe halt einfach am Besten. Da gab es nicht so viel zum drüber nachdenken. Also nicht für uns.

 

 

Stil? Bauchgefühl?

 

Aber jetzt wird der kleine Rabe langsam älter und ist ein richtiges, echtes Kleinkind. Er hat einen Sturkopf, bekommt Wutanfälle wenn ihm was nicht passt etc. Und damit kam wieder die Frage bei mir auf, was für eine Mama ich sein will. Unerzogen? Laissez-faire? Autoritär? Muss ich einem Stil folgen? Nein. Muss ich nicht. Natürlich nicht. Klar, ein paar Dinge sollten schon stringed (stingend ungleich streng!) sein, um das Kind nicht unnötig zu verwirren. Aber ich muss mich nicht an einem Erziehungsratgeber orientieren und alles so machen, wie mir jemand anderes sagt, dass es am besten sei.

 

Trotzdem habe ich mich gefragt, was für eine Mama ich sein will. Wie will ich heute, morgen und in 10 Jahren mit meinem Kind umgehen? Und die Antwort ist in meinem Fall: Ich will meinem Kind oder für die Zukunft meinen Kindern eine Mama sein, so wie meine Mama mir eine war und ist.

 

 

Wie ich erzogen* wurde

 

Meine Mama hat uns lange gestillt (mich 18 Monate, meinen Bruder 3 Jahre). Sie hat uns jeden Abend ins Bett gebracht und in den Schlaf gesungen und gekuschelt und wir waren jederzeit im Familienbett willkommen. Sie hat mich, als das ältere Kind, bewusst und aktiv miteinbezogen, als mein kleiner Bruder auf die Welt kam, damit ich mich nicht zurückgesetzt fühlen und eifersüchtig werden würde. Sie hat unsere Trotzanfälle „ausgesessen“ und alle Gründe für Verbote oder Regeln immer auf Augenhöhe erklärt. Dabei war sie sehr konsequent. Konsequenz sollte man nicht mit "Strenge" verwechseln. Konsequent heiß zum Beispiel: Wenn vorher ausgemacht war, dass ich mir EINE Süßigkeit im Laden aussuchen darf, dann darf ich mir eine Süßigkeit aussuchen. Dann wird mir weder eine vorgeschrieben oder die ausgesuchte verwehrt (ggf wird darüber kurz gesprochen, warum der einzelne Schokoriegel an der Kasse weniger Sinn macht als die günstigere Großpackung aus dem Regal), noch kann ich mir (durch ausreichendes Quengeln oder wie auch immer) noch eine zweite aussuchen, wenn die nicht sowieso Teil des Einkaufs sein soll. Damit heißt konsequent auch, dass keine sinnlosen Regeln nur um der Regeln Willen aufgestellt werden. Und dass Absprachen von allen Seiten eingehalten werden. Sogar meine wirklich, wirkliche üble Pubertät hat sie größtenteils mit (zumindest äußerlich) stoischer Gelassenheit durchstanden und gelächelt und Dinge mit Kommentaren wie „Ach, wenn du meinst...“ abgewunken – was mich teilweise noch mehr in Rage brachte... Und dann habe ich mich hinterher bei ihr entschuldigt, sie nahm es an und war einfach weiter für mich da. Überhaupt immer. Wenn ich es mal schaffte, meine Mama wirklich in Rage zu bringen und sie mit ihrer knurrenden, wütenden Stimme anfing wusste ich genau, dass ich JETZT aber wirklich RICHTIG über die Grenzen gegangen war. Aber zeitgleich, dass sie mich liebt und immer für mich da ist. Und ja, ganz genau so eine Mama will ich ebenfalls sein.

 

 

Praktische Entscheidungshilfe

 

Das macht die Sache eigentlich ganz einfach: Wenn ich mir nicht sicher bin, frage ich mich manchmal tatsächlich „Was würde meine Mama jetzt machen?“. Und ich hoffe, dass ich das auch in Zukunft beibehalten kann, wenn der kleine Rabe noch sturer wird. Denn dass er einen tierischen Dickschädel haben wird, ist bei mir und dem Haselchen als Eltern eigentlich schon klar. Und an sich auch sehr toll (Willensstärke und so), aber kann eben auch anstrengend werden... ;-) Und an sich ist das ganz cool, weil es sehr viel einfacher ist, als mich an einem theoretischen erziehungstheoretischen Konstrukt zu orientieren.

 

 

Woran ich noch arbeiten muss

 

Leider merke ich im Alltag, dass ich von dem Idealbild, als Mama so zu sein wie meine Mama, in manchen Punkte noch weit entfernt bin. Beispielsweise ist meine Mama sehr gut organisiert und hat es auch als wir noch klein waren immer geschafft, uns beide, Papa und den Haushalt zu managen. Wir waren praktisch immer pünktlich (also soweit ich mich entsinnen kann), es fehlte nie irgendwas (wichtiges) und alles war durchgeplant und organisiert. Mich stellt sowas noch vor eine mittel-kleine Krise... Wir schaffen es grundsätzlich nie, zur angepeilten Zeit vor die Tür und selbst wenn wir nur mal eben unten im Compound picknicken wollen bin ich von der Logistik, Decke, Essen für Kind und Erwachsene, Lätzchen, Löffel, Wasserflasche und Co zügig und vollständig aus der Wohnung zusammen zu sammeln und einzupacken schon gestresst. Unser Ausflug ins Schwimmbad bei unserem letzten Besuch in Deutschland hätte mich wohl ohne die Hilfe meiner Mama total überfordert. Ich hoffe ja darauf, dass das zu den Dingen gehört, die man mit der Zeit noch lernt und dass Übung den Meister macht...

 

Und ja, manchmal muss ich auch noch an meiner Konsequenz und meinen "Regeln" arbeiten. wenn zum beispiel der kleine Rabe mit der Fernsehfernbedienung spielt, ist das ok. Sachen ein- und ausschalten ist derzeit eines seiner liebsten Hobbies und wirklich Fernsehen kann er damit eh nicht, weil der Fernseher nicht mit dem normalen Programm angeschlossen ist. Die kann er auch gerne haben und wenn ich was verstellt können wir das einfach wieder zurückstellen. Aber ich möchte nicht, dass er sie durch die Gegend wirft und auf den Boden schlägt, weil sie sonst kaputt gehen könnte (und dem Vermieter gehört und ich nicht wüsste, wo man eine neue herbekommt). Also versuche ich, ihm das zu erklären. Aber, logischerweise, fruchtet so eine Erklärung noch nicht wirklich und wenn ihm danach ist, dann macht er weiter. Also nehme ich ihm die Fernbedienung irgendwann ab und versuche, etwas anderes mit ihm zu spielen. Manchmal klappt das. Aber manchmal halt auch nicht und er motzt und schreit und weint der Fernbedienung so lange nach, bis ich sie ihm wiedergebe. Was halt irgendwie nicht Sinn der Sache ist, befürchte ich... Aber, so nachsichtig darf ich wohl mit mir selbst sein, das sind eher Feinheiten. Wirklich PERFEKT ist niemand und wenn ich den einen oder andere Fehler mache heißt das nicht,. dass ich nicht trotzdem im Großen und Ganzen die Mutter sein kann, die ich gerne wäre.

 

 

 

P.S.: Und ich hoffe, dass meine Mama ein bisschen lächeln muss, wenn sie den Text liest. ;-) Denn dass sie eine super Mama ist, das weiß sie hoffentlich schon. Aber ich glaube es ist doch schön, das auch mal in dieser Form zu lesen... :-)

 

 

 

 

* Auf die Debatte erzogen/unerzogen will ich an dieser Stelle jetzt nicht näher eingehen. Aber auf Englisch würde ich weniger von „education“, denn von „parenting“ sprechen. Im Deutschen fehlt mir dazu einfach ein passendes Wort...

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