Freitag, 11. November 2016

Gothic Friday: Misanthropische Weltverbesserer - "Man" kann mich mal

Endlich geht der Gothic Friday in die nächste Runde und hat ein ganz tolles Thema, auf dessen Beiträge ich schon extrem gespannt bin: Gesellschaftskritik. Es tut mir sehr Leid, aber auch hier muss ich dann wohl wieder ein ganzes Stück ausholen...

 

 

Menschen sind scheiße

 

Eine der Prämissen, mit denen ich durchs Leben gehe ist, dass Menschen scheiße sind. Wir sind auf so vielen Ebenen Idioten, Arschlöcher und Ignoranten, dass ich da gar nicht alle menschlichen Charaktereigenschaften auf die Kette bringe... Wir Menschen verletzen einander aus niederen Beweggründen wie Neid und Missgunst. Wir sind überhaupt erst einmal neidisch und gönnen einander nicht die Butter auf dem Brot. Gedankenlos gehen wir durch die Welt und vernichten sie dabei. Für den schnellen Profit blasen wir unsere Abgase in die Atmosphäre, vergiften den Boden und das Wasser, hinterlassen Berge von Müll – atomaren, Plastik und mehr – und tun so, als käme nach uns die Sintflut. Dabei klopfen wir uns selbst stolz auf die Schulter, wenn wir einmal die Woche mit dem Rad statt mit dem Auto ins Büro fahren oder unsere Brötchen in die mitgebrachte Leinentasche packen lassen. (Nichts gegen beides - aber alleine damit retten wir die Welt sicherlich nicht...) Wir grenzen andere Menschen aus, weil sie anders sind als wir selbst. Größer, kleiner, dicker, dünner, schlauer, dümmer, heller, dunkler, egal. Anders. Also falsch. Wir kämpfen, streiten und führen Krieg darüber, wer den besseren imaginären Freund hat. Wir sind Mitläufer, die darüber lachen, wenn ein Klassenkamerad vom etwas stärkeren Halbstarken in die Kotzen am Boden geschubst wird und die den Abzug drücken, weil so unser Befehl lautete. Wir spucken Menschen auf der Straße an, weil die so aussehen, als seien sie in einem anderen Land als dem unseren geboren. Wir suchen uns Sündenböcke. Wir schauen weg, wenn woanders Kinder misshandelt werden, Menschen verhungern und Frauen dafür gesteinigt werden, dass sie vergewaltigt wurden. Stattdessen machen wir den Fernseher an, drehen den Tatort lauter oder schauen eine lustige Comedyserie. Geht mich nichts an, da halte ich mich raus. Egal, ob am anderen Ende der Welt oder bei den Nachbarn. Wir misshandeln Kinder, wie lassen Menschen verhungern und verdursten, wir vergewaltigen und wir steinigen. Wir sind voller Vorurteile. Gegen die „anderen“. Die Homos, die Schwarzen, die Gelben, die Roten, die Weißen, die Frauen, die Männer, die Feministen, die Maskulisten, die Religiösen, die Satanisten, die Heteros, die Stinos, die Grufties, die Gangster-Rapper, die Kinderlosen, die Großfamilien,... Einfach gegen ALLE, die nicht zu unserer Peergroup gehören. Und auch die, wenn es gerade genehm ist. Wir wollen immer mehr, mehr mehr. Mehr Reichtum, mehr Sicherheit, mehr Essen, mehr Reisen, mehr Urlaub, mehr Steuervorteile, mehr, mehr, mehr. Und wenn wir es nicht bekommen, dann sind immer die anderen Schuld. Die Ausländer, die Politiker, die „da oben“, die Homos, die Heteros, die Kinderlosen, die Gelben,... You got the drift. Es gibt kein Wesen auf diesem Planeten, das so grausam sein kann, wie der Mensch. Kein Wesen, das einem anderen derartige Qualen – seelische wie körperliche – zufügt, wie der Mensch. Aus Neid, Missgunst, Wut, Ignoranz, Sadismus,... You name it.

 

Ja, natürlich gibt es auch noch die anderer Seite am menschlichen Wesen. Die mit Kunst, Liebe, Phantasie, Vergebung und so. Und die ist es, zusammen mit der bewährten menschlichen Strategie, die Musik ein bisschen lauter zu drehen und die Kommentar-spalte auf Facebook nicht mehr zu lesen, die dafür sorgt, dass ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe.

 

Aber allgemein ist der Mensch einfach scheiße. Da nehme ich mich auch ganz bewusst nicht aus. Ich bin ein Mensch und ich bin zuweilen scheiße. Klar, ich versuche es nicht so oft zu sein. Aber ich bin es trotzdem. Jetzt gerade sitze ich ja auch hier, an einem Computer mit einer Plastiktastatur, trinke meinen weder fair noch bio angebauten Kaffee und zwischendrin einen Schluck Wasser aus meiner Plastikflasche. Ich trage Lederschuhe bei denen ich recht sicher bin, dass das Tier nicht gut behandelt wurde. Ich nutze Strom aus einer mir gänzlich unbekannten Quelle. Nachher gibt es Essen vom Lieferservice – das in Styroporboxen gebracht wird. Ich rolle abschätzig mit den Augen, wenn bei der Kollegin neben mir der Klingelton am Handy losgeht und irgend ein House-Track oder chinesischen Schnulzenmusik beginnt. Ich bin neidisch auf den Kollegen, der die ganze Nacht durchgeschlafen hat und vielleicht motze ich meinen Mann Morgen wegen einer Nichtigkeit an. Oder ich bin ein bisschen neidisch auf die schönen Fotos einer Bekannten (und darauf, dass ihr Busen auch mit über 30 noch steht wie eine eins). Oder so. Auf jeden Fall: Ich bin auch scheiße. Vielleicht nicht ganz so scheiße, wie ein Warlord, der Kindersoldaten rekrutiert oder eine Serienmörderin, aber wir Menschen sind einfach alle irgendwie scheiße.

 

 

Rotten to the core – Versuch einer Systemkritik

 

Das gesellschaftliche System, das er Mensch sich aufgebaut hat und in dem wir leben, ist aber auch nicht gerade viel besser. Da gibt es so unendlich viel, das schief läuft und viel besser sein könnte. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll... Also: Das politische System einer Demokratie bei der Parteien um den eigenen Machterhalt kämpfen, Lobbyismus, die ungerechte Verteilung des Wohlstands, ungleiche Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern, dass wir Geld verwenden, das Wirtschaftssystem mit einem Anreiz für schnellen Profit auf Kosten der Nachhaltigkeit, das Sozialgefüge das beispielsweise Care-Tätigkeit absolut nicht honoriert,... Das Problem ist, richtige, machbare Lösungen habe ich auch nicht. Nicht für die Menschen, die wir heute sind. Nicht für die Sozialisation, die die meisten Menschen erfahren haben. Denn beispielsweise einen Anarchie, ein wohlwollender Diktator oder ein neuer Sozialismus bei dem jeder gibt, was er kann und bekommt, was er braucht – lauter solche Lösungen benötigen entweder eine Revolution, die dann wieder nicht ohne Blutvergießen ginge, oder viel Zeit und würden doch wieder am Egoismus und der Raffgier einiger Menschen scheitern. Es gibt ein paar gute Ansätze, wie ich finde. Zum Beispiel die Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen oder des Lebensarbeitszeitkontos. Wenn das irgend jemand großflächig umsetzen könnten, würden wir wohl einen ersten Schritt in die Richtige Richtung machen. Und dann noch ein bisschen auf Menschen wie Jacque Fresco hören...

 

 

Und so im Alltag?

 

Ja, ok, vieler der Punkte, die ich hier an der Gesellschaft kritisiert habe, sind sicherlich kritikwürdig und müssen auf lange Sicht überdacht werden, wenn der Mensch überleben will (denn sonst kommt es irgendwann doch einfach zu einem Atomkrieg und wir sind alle tot). Aber so im Kleinen, im Alltag, kann der Einzelne sicherlich nicht das Wirtschaftssystem umkrempeln, Geld abschaffen, Kriege beenden usw. Trotzdem kotzt mich auch da unsere Gesellschaft in großen Teilen einfach nur an. Und meist sind das Dinge, bei denen der einzelne sehr wohl die Wahl hat und jeder jeden Tag die Möglichkeit besitzt, etwas zu ändern. Beispiele sind hier:

-          Mobbing

-          Alltägliche Gewalt (körperliche wie seelische)

-          Das Wegssehen (sei es bei Gewalt, Verbrechen oder auch wenn es jemandem sichtlich nicht gut geht)

-          Die Bildung von Taboos, über die man nicht spricht

-          Rassismus

-          Sexismus

-          Intoleranz (wenn man andere nicht einfach anders sein lassen kann, sofern einem dadurch gar kein Schaden entsteht)

-          Mangelnder Respekt und Fürsorge der Menschen vor und für einander sowie vor der und für die Umwelt

-          Religionen, die Gewalt, Sexismus, Kleingeistigkeit etc. fördern und dabei ihre eigene Überlegenheit zelebrieren

-          Jegliche Form der Vorverurteilung

-          Schwarz-Weiß-Denken

-          Die Tendenz, anderen die eigene Meinung aufdrücken zu müssen und keine abweichende Meinung akzeptieren zu können

-          Ignoranz für Fakten und Ablehnung von Wissen, insbesondere wenn dies anderen schadet (z.B. Impfgegner, MMS-Jünger etc.)

-          Wenn Menschen Moden folgen um der Moden willen und den eigenen Sinn für Vernunft oder Geschmack dabei ausschalten, weil sie dazu gehören wollen

-          Die Tendenz der Menschen, sich lieber zu verbiegen und anzupassen, statt sich selbst auch dann treu zu bleiben, wenn sie damit anecken

-          Alles was "fake" ist, so wie beispielsweise das typische „How are you?“ der Amerikaner, auf das doch niemand eine ehrlich Antwort erwartet oder gibt

 

 

Ist die „Szene“ anders?

 

Vielleicht. Ich kenne nicht die ganze Szene. So, wie sie sich in ihrer Gesamtheit präsentiert, tendiere ich zu einem Nein. So, wie ich sie persönlich kennen gelernt habe, zu einem ja. Beispielsweise habe ich nur in der Szene erlebt, dass Menschen auf Parties weinen können und die Leute schauen nicht bedröppelt zur Seite, sondern nehmen den oder die Weinende/n in den Arm, fragen nach, sorgen sich und trösten. Selbst dann, wenn man eigentlich nur bekannt, aber nicht wirklich befreundet ist. In der Szene habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ganz offen Homossexuelle erlebt, die sich nicht versteckten und keine Scheu hatten, einfach sie selbst zu sein. Menschen, die in einer glücklichen Dreierbeziehung zusammenlebten und das war für alle anderen einfach ganz normal. In der Szene habe ich erlebt, dass es keine Taboos gibt und man offen beispielsweise über psychische Krankheiten sprechen kann. In der Szene kenne ich mehr Vegetarier und „Ökos“ als außerhalb. Die Szene ist friedlich.

 

Auf der anderen Seite hingegen findet man auch in der schwarzen Szene sehr viel Sexismus. Es wird vorverurteilt und gelästert (sei es über die neumodischen Möchtegerngrufties, die Cyber, die Stinos etc.). Die Szene zelebriert, so scheint es, gerne selbst ihre eigene Überlegenheit. Und hier dann auch nochmal jeder für sich, wobei Statussymbole dabei weniger „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“, sondern mehr „Mein Plattensammlung, meine Stiefel, meine gesammelten WGT-Karten aus den letzten 25 Jahren“ sind. Denn ja, es ist keine auf das Materielle fixierter Status, sondern man wetteifert darum, der trueste unter den truen zu sein. Was, letztendlich, fast genauso doof ist. Und dass die Szene an sich für viele nur eine Mode ist und es in der Szene selbst immer wieder Moden gibt, nun, da muss man wohl als Szenegänger kaum noch ein Wort drüber verlieren...

 

 

Und was tue ich dagegen?

 

Nun, im Großen kann ich, wie erwähnt, nicht viel tun. Ich kann keinen Warlord der Welt dazu zwingen, seine Kindersoldaten aufzugeben. Ich könnte mich zwar vor die Bulldozer stürzen, die den Regenwald abholzen, aber das wäre vermutlich vergebliche Liebesmüh. Ich kann die Geschicke der Welt nicht in ihrer Gänze lenken. Dazu hätte ich in die Politik gehen müssen. Oder reich als Mann geboren werden und dann viel ein hässliche Toupet und viel Spay-Tan… Nun ja. Aber im Kleinen, im Alltag, da kann ich etwas tun. Und wenn es nur der Versuch ist, dass ich der beste Mensch bin, der zu sein ich im Stande bin. Und der Versuch, meinem Kind (und denen, die noch in Planung sind) meine Werte zu vermitteln, auf dass auch sie die besten Menschen werden, die sie sein können.

 

Was aber tue oder unterlasse ich den nun?

 

-          Ich versuche, so gewaltfrei wie möglich zu leben und mein Verhalten dabei immer wieder zu reflektieren. Klappt nicht immer. Aber ich versuche es.

-          Ich versuche, mich in Zivilcourage zu üben. Klappt leider auch nicht immer, da ich ein Schisser bin.

-          Ich breche Taboos

-          Ich verwehre mich dagegen, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion etc. vorverurteilt, ausgegrenzt oder benachteiligt oder - im Gegenteil - bevorzugt werden. So gut ich es halt kann. Denn auch ich habe Stereotypen im Kopf, die mir nicht immer ganz bewusst sind.

-          Ich stehe für die Gleichberechtigung von Männer und Frauen ein (Bitteschön für beide! Geschlechter)

-          Von mir aus kann jeder tun und lassen, haben oder sein was er oder sie will. So lange dabei die Grenzen Anderer gewahrt bleiben, ist es mir vollkommen egal oder ich denke mir meinen Teil. Das heißt nicht, das ich alles gut finde. Aber so lange mich keiner fragt oder ich keine entsprechende persönliche Beziehung zu der jeweiligen Person habe, lasse ich die Leute in Ruhe.

-          Ich versuche, ein guter Mensch zu sein. Ich bin höflich, grüße, halte Türen auf, biete Alten, Kranken oder Schwangeren meinen Sitzplatz an, hebe Kleintiere von der Straße ins Gebüsch etc.

-          Ich versuche auf meiner Arbeit so fair wie möglich zu sein. Manchmal muss ich mich dann dafür anschreien lassen, wenn ich einem Gast eine Auszahlung verweigere, die ein anderer Kollege ggf genehmigt hätte, um seine Ruhe zu haben. Aber nur, weil jemand lauter schreit oder wüster schimpft, hat er deshalb trotzdem nicht recht. Und manchmal genehmige ich, entgegen dem Interesse der Firma, eine größere Auszahlung, als ein Kunde überhaupt gefordert hatte, weil es sonst nicht fair wäre.

-          Ich lebe überwiegend vegetarisch, wickle den kleinen Raben mit Stoffwindeln, freue mich darauf bald möglichst regional und bio einzukaufen, fahre mit dem Rad (isch abe gar keine Auto...), versuche Verpackungsmüll, Wasser, Strom etc. zu sparen und lauter solche öko Sachen. 

-          Dabei sind wir aber durchgeimpft und ich ziehe beispielsweise bei einer Erkältung einen Kräutertee den Glaubulies genauso wie den Antibiotika vor und gehe trotzdem zum Arzt, wenn es sein muss. Denn dass beispielsweise Autoabgase schlecht für die Umwelt sind, ist genauso evidenzbasiert wie die Schutzwirkung von Impfungen (und dass Antibiotika bei einem Virusinfekt nicht helfen).

-          Ich interessiere mich nicht für Moden, egal welcher Couleur oder Natur. Das heißt nicht, dass sie mich nicht doch irgendwie beeinflussen, indem ich sie sehe. Aber wenn mir etwas nicht gefällt, dann gefällt es mir nicht. Egal, wie „in“ es gerade sein soll. Und wenn mir etwas gefällt, dann gefällt es mir. Egal, wie „in“ es gerade ist.

-          Ich lege großen Wert darauf, mir treu zu bleiben, mich nicht zu verbiegen und authentisch zu bleiben (auch, wenn ich das Wort irgendwie doof finde...). Sofern es halt geht. Mit einem Kunden aus den USA am Telefon kann ich halt doch nicht auf „How are you?“ mit „You don’t care anyways, but I am tired and hungry and sick of this shit“ antworten, zum Beispiel.

 

 

Trauerflor, Rebellion und fashion statements

 

Und was hat das alles jetzt mit Klamotten zu tun? Nun, auch hier muss ich mal kurz am Anfang anfangen. Denn bevor ich so wurde, wie ich heute bin, habe ich lange Zeit versucht, dazu zu gehören. Zu den „coolen Kids“, den Beliebten, den Normalen. Klappte nur nicht. Also nicht ganz. Zu meiner Schande habe ich mitgelacht, als der Schwächere in die Kotze geschubst wurde, und nur innerlich gegrummelt. Aber ich gehörte trotzdem nicht dazu. Ich blieb Außenseiter. Und irgendwann dann begann ich, schwarz zu tragen. Zum einen, weil ich es schon immer eigentlich schön fand. Und zum anderen weil: Fuck it. Scheiß auf das Dazugehören. Ich wollte an diesem Punkt meiner Umwelt zeigen, dass ich eben nicht dazu gehörte. Nicht mehr dazugehören wollte. Und ich genoss es, in Ruhe gelassen zu werden. Ich genoss es, wenn Gleichaltrige die Straßenseite wechselten, wenn ich ihnen in meinem langen schwarzen Mantel entgegen kam. Ich genoss es, wenn sich im Bus oder in der Straßenbahn niemand neben mich setzen wollte. Ich provozierte ganz bewusst und gezielt. Mit einem Pentagram auf meinem Ordner in der Schule in katholischer Trägerschaft (aber eben auch mit einer Erklärung zur Bedeutung des selbigem, falls mich jemand hätte fragen sollen). Mit der „Satanic Bible“ von LaVey im Glaubenscamp von Taizé (Wobei das in der Tat Recherche für ein Projekt für den Religionsunterricht war, aber von anderen Campern offenbar als eine derartige Provokation aufgefasst wurde, dass man mir spätabends meine Herringe gezogen und die Zeltstangen auseinander schob und damit mein Zelt eingerissen hatte, sodass ich bei Mitschülern unterkommen musste...). Andere Symbole hingegen, mit denen mit Okkultismus unterstellt wurde, trug ich schon immer aus tiefer Überzeugung. So wie das Ankh, das ich als silbernes Schmuckstück nun seit mehr als der Hälfte meines Lebens nicht abgelegt und auch als erste Tattoo bekommen habe und das ich einfach seit ich mit 11 oder 12 zum ersten Mal über das alte Ägypten gelesen hatte liebe. 

 

Heute ist es kaum noch eine Rebellion, schwarz zu tragen. Das hat auch mit der Mode zu tun, die eben irgendwann in den letzten 14, 15 Jahren beschlossen hat, dass Goth jetzt chic ist. Sogar schwarzer Lippenstift ist heute mehr ein fashion statement, denn ein Zeichen von Rebellion. Aber es ist mir egal. Mode kommt und geht. Ich fühle mich in schwarz am wohlsten und am schönsten. Und auch, wenn heute kaum noch jemand die Straßenseite wechselt, wenn er mich sieht, so bleibt schwarz eine bedeutungsschwangere Farbe. Und wenn mich das nächste Mal jemand fragt, dann werde ich wieder antworte: Ja, ich trage Trauer. Ich trage jeden Tag Trauer für all das Leid in dieser Welt. Die Menschen, die in sinnlosen Kriegen sterben, die ausgebeutet werden, denen ganz nebenbei Gewalt angetan wird. Und ich trage Trauer für die Welt, die wir Menschen in den Abgrund stürzen.

 

Also ist für mich mein Styling, geboren aus Rebellion, heute ein Zwischending aus einem Stück Auflehnung, Trauerflor und ganz viel „Leckt mich einfach am Arsch, ich mache, was mir gefällt“.

  

  

Fazit: "Man" kann mich mal

 

Denn letztendlich ist das meine Quintessenz: Leckt mich am Arsch. Ich gebe einen feuchten Kehricht auf die Erwartungen und Werte, die die Gesellschaft mir aufdrücken will. Um es mit den Worten von „Großstadtgeflüster“ zu sagen: Ich muss gar nix! Mir ist egal, was „in“ oder was „out“ ist. Mir ist egal, ob von mir jetzt als Mutter erwartet wird, Laternen zu basteln oder mich an Kuchenbasaren zu beteiligen. Mein Kind ins eigene Bett zu verfrachten oder mich jetzt nicht mehr so „gruselig“ zurecht zu machen, damit der Kleine keine Angst bekommt. Ich bin eher bereit, beruflich zurück zu stecken, statt mich tagtäglich zu verkleiden. Ich schäme mich nicht (mehr) für meine Narben – ob körperlich oder seelisch. Ich bin in der Lage, meine politische oder auch sonstige Meinung zu ändern, wenn es dafür triftige Gründe gibt. Ja, wenn es dafür einen guten Grund gibt, dann tue oder lasse ich Dinge. Aber ein guter Grund beginnt niemals mit dem Satz „Weil man...“. Man kann mich mal kreuzweise.

Kommentare:

  1. Was für ein Beitrag, ich bin etwas platt... aber zugleich auch erfreut, dass ich offenbar nicht alleine mit meiner (,wennauch im diesmonatigen Beitrag nicht direkt angesprochen, misantrophischen) Weltsicht bin,welche sich in vielen Punkten mit deiner deckt, werte Fledermama.

    "Es gibt kein Wesen auf diesem Planeten, das so grausam sein kann, wie der Mensch. Kein Wesen, das einem anderen derartige Qualen – seelische wie körperliche – zufügt, wie der Mensch." Sic est. Und man selbst ist da keine Ausnahme. Eine Einsicht, die einigen Menschen mehr guttun würde...

    Was die Lösungen betrifft, bin ich da auch offen für Vieles und es gibt ja auch einige Menschen, die daran arbeiten. Das bedingungslose Grundeinkommen würde ich gerne mal in der Realität unter ebensolchen Bedingungen getestet sehen. Aber irgendwie traut sich da in der Politik so gut wie keiner ran und wenn, werden die mutigen als "Spinner" abgetan, einfach nur traurig.

    Wie gesagt, ich habe mich zu sehr großen Teilen in deinem Beitrag wiedergefunden, vielen Dank!

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    1. Vielen Dank. :)

      Ja, Mut bedeutet immer ein gewisses Maß an Spinnerei. Was verständlich ist. Veränderungen, echte Veränderungen, macht Angst... Dass sie Not tut, ändert daran nicht viel. Leider.

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  2. Ich kann meinen obrigen Kommentar Schrieber nur bei Pflichten sehr schöner Beitrag es ist wirklich gut zu sehen dass man nicht alleine mit seinen Ansichten ist!

    Auch ich kann dir in vielen Punkten nur recht geben. Bei mir wird es Immer dann unschön wenn mir einer sagt ICH MUSS! da denk ich immer nur Ich muss mir zu viel shit in der welt antuhen der nicht sein müsste!

    wie gesagt sehr schöner beitrag!

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  3. Ich möchte dir so sehr zustimmen. (Und wahrscheinlich ist es gut, dass ich immer erst dann andere Artikel lese, wenn meiner fertig ist.)

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