Sonntag, 20. November 2016

Shanghai Alltag: Magen verderben leicht gemacht?

Es gibt immer so ein paar Klischees, die sich einfach hartnäckig halten. Und wenn man im Ausland lebt, bekommt man davon dann doch immer mal wieder was mit. So haben mich über die Jahre viele Leute immer wieder gefragt, ob ich denn das Chinesische Essen vertrage. Schließlich, so der allgemeine Konsens, sei das bestimmt nicht leicht für so einen Europäischen Magen und ich müsse mir wohl – vor allem, wenn ich lokal esse – oft den Magen verderben. Aber, mal in aller Kürze: Nein, das stimmt nicht. Sicherlich sind hier öfter mal Dinge im Essen, die da nicht hingehören (Lebensmittelskandale Ahoi), aber öfter unter Magen-Darm-Problemen gelitten als in Deutschland habe ich nie.

 

Das gleiche habe ich auch vor meinem Aufenthalt auf Bali immer wieder gehört und das selbe Resultat erlebt. Ok, mein Magen ist auch nicht der empfindlichste, aber trotzdem gibt es da so Mythen, die mich inzwischen einfach nerven...

  

 

Die Mär des ausländischen Magens

 

Sobald man die Landesgrenze verlässt, scheint – so das Klischee – der Magen plötzlich und sofort ganz anders zu funktionieren, als sonst. Statt Kohlenhydraten, Vitaminen, Fetten, Proteinen und so holt er sich aus den fremdländischen Nahrungsmitteln nur noch böse Bakterien, die für Durchfall und Erbrechen oder beides sorgen. Der rassistische Arsch. Oder vielleicht das rassistische Arschloch-Essen, dass Ausländer gezielt krank macht? Fakt ist: Klar, wenn ich Dinge esse, die ich noch nie gegessen habe, kann mein Bauch auch mal ungewohnt reagieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass das ausländische Essen so unhygienisch wäre. Ihr glaubt nicht, was für Geschichten ich schon über deutsches Essen gehört habe. Ein Australier fragte mich mal, wie wir Deutschen das eigentlich wegen dem ständigen Durchfall vom Sauerkraut machen. Er habe das mal probiert und sei danach kam noch vom Klo gekommen. Tjanun. Da kann aber ja das „deutsche“ Essen nichts für. Und das liegt auch nicht an gar katastrophalen Bedingungen in der Produktion bei Kühne. Und auch nicht daran, dass er Ausländer war. Einem Deutschen, der zum ersten mal oder ungewohnt große Mengen Sauerkraut isst ergeht es da ja auch nicht anders. 

 

  

Survival-tipp: Iss mit den Locals!

 

Vor Bali bekam ich einen ganz wichtigen Tipp bezüglich des Essens: Eat where the locals eat. Klar, so eine kleine mobile Garküche KANN hygienisch sehr, sehr fragwürdig sein. Und ein winziger food stall wird auch selten vom Gesundheitsamt kontrolliert (wenn es denn eines gibt). Aber auch in großen Restaurants kann man sich übelste Geschichten einfangen. Da wird dann ggf kontrolliert, aber genug Geld wandert von einer Hand in die andere und alles ist gut – auf dem Papier. Als Tourist hat man dann erstmal das Risiko und fängt sich gegebenenfalls was ein. Und geht dann natürlich da nicht mehr hin. Aber Touristen reisen halt auch eh bald wieder ab. Und wenn man nur danach geht, wo die Touristen essen, ist man am Ende auch nicht wirklich schlauer. Wenn ich aber irgendwo wohne, dauerhaft lebe, und weiß, in welchem Laden mich Montezuma's Rache erwischt und bei welcher Garküche es gut schmeckt, ohne dass ich mir das Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen muss, gehe ich wohl eher zur letzteren. Und erzähle davon dann auch meinen Freunden, Verwandten und Bekannten, die auch in der Nähe leben. Als Tourist sollte ich mich daher nicht danach richten, wo andere Touristen futtern. Die sind höchstwahrscheinlich auch zum ersten Mal in dem Restaurant und eher dessen Marketing als dessen durchgängig guter Qualität erlegen. Wenn jedoch die Einwohner selbst irgendwo essen, dann kann ich mir recht sicher sein, dass mir davon nicht schlecht wird.

  

 

Lebensmittelvergiftungen in Shanghai

 

Ja, auch hier in Shanghai kann man sich den Magen ordentlich verderben. Ich persönlich habe genau 3 Fälle kennen gelernt (abgesehen von dem einen Mal, als uns die Hühnersuppe umgekippt war und wir es zu spät realisiert hatten... Aber Fälle zu Hause zählen jetzt mal nicht).

1.     Der alte Caterer hier im Büro – der hatte ein echtes Problem mit der Hygiene. Da wurde auf Teufel komm raus am falschen Ende gespart. Keine Ahnung, wie es dort in der Küche aussah, aber es wurden zuvor schon 2 x Kakerlaken im Essen gefunden, bis dann eines Tages fast 40 Kollegen Magen-Darm bekamen. Letztendlich musste der Caterer dann die Arztrechnungen und den Verdienstausfall für 35 Leute zahlen und war natürlich sofort vom Tisch bei uns in der Kantine.

2.     Fancy Mexikaner – eine ehemalige Kollegin war zu einer Geburtstagsfeier bei einem Mexikaner, der locker 3-4 mal so viel kostete, wie ein durchschnittliches Restaurant hier. Und genau da holte sie sich eine echt üble Lebensmittelvergiftung, offenbar an schlechtem Fisch, die sie sogar stationär ins Krankenhaus brachte (wo sie dann im Bad ohnmächtig wurde, mit dem Kopf auf dem Waschbecken aufschlug und wegen der Gehirnerschütterung noch länger bleiben musste...)

3.     Steak und Salat – ein ehemaliger Chef war, als er in China ankam, zunächst sehr „vorsichtig“ mit dem Essen. Er hatte Sorge, sich den Magen zu verderben. Also aß er nicht lokal, sondern nur westliches Essen in entsprechend vergleichsweise teuren Restaurants. Dabei holte er sich erstmal eine Magenverstimmung nach einem Sandwich bei „element fresh“ (oh the irony^^) und dann nochmal eine handfeste Lebensmittelvergiftung nach Steak und Salat in einem westlichen, teuren Restaurant. Danach hatte er die Nase voll und aß lokal, in kleinen Garküchen, street food usw und hatte kein Problem mehr.

 

Sicherlich, das sind alles nur Anekdoten. Aber da ich keine größere Studie zu dem Thema zur Hand habe, lasse ich das jetzt mal einfach so stehen.

  

 

Manchmal läuft’s doch

 

Ja, also eine richtige Lebensmittelvergiftung oder größere Magenverstimmung hatte ich (bis auf die unheilvolle Hühnersuppe...) hier noch nicht. Natürlich geriet meine Verdauung auch mal ein kleines bisschen aus den Fugen. Grund oder Anlass war hierfür aber grundsätzlich eine Ernährung, die mir auch in Deutschland, Spanien oder den USA Probleme gemacht hätte: Zu viel Öl und zu viel Chillies. Ich habe früher sehr gerne sehr scharf gegessen. Seit der Schwangerschaft kann ich das nicht mehr so (was ich teilweise bedauere). Und in China wird, entgegen des Klischees vom gesunden, fettarmen Wok-Gemüse, verdammt viel frittiert und oftmals triefen die Teller nur so vor Öl. Und dann kann man noch so geübt drin sein und der Magen sich dran gewöhnt haben, aber nach ein paar Portionen Essen, bei dem die Chillies fröhlich im Öl herum schwammen, flutscht’s. Bei jedem. Egal, wo man her kommt oder wo oder wie das Essen gekocht oder serviert wurde.

 

1 Kommentar:

  1. Als Der-Lateinamerikaner-in-meinem Leben zum ersten Mal für mich kochte, dachte ich, mir verbrennen die Zunge, der Gaumen und der Magen. Dabei hatte er extra meinetwegen mild gewürzt. (Sagt er. Ich glaube ihm aber nicht.)Inzwischen ist es so, dass er selbst auf Heimaturlaub bei der Mama immer erst ein paar Tage braucht, um sich wieder an das örtliche Essen zu gewöhnen. Anfangs reagiert er nämlich mit denselben Symptomen wie die ausländischen Touristen.

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