Mittwoch, 30. November 2016

Shanghai Alltag: Taobao

Es gibt Dinge, die ich in Deutschland vermissen werde. Was eindeutig dazugehört: Taobao! Taobao ist einfach DIE Shoppingwebsite schlechthin in China. Was auch immer man sucht – man findet es mit Sicherheit auf Taobao.

 

 

Sortiment

 

Wir kaufen ungelogen einfach ALLES auf Taobao. Kleidung, Schuhe, Möbel, Windeln, Spielsachen, Handyguthaben, Firlefanz, Deko, Getränke, Luftfilter, Medikamente, Kosmetik, Geschirr, Töpfe, Bettwäsche, Matratze, Elektrogeräte, bis hin zu Lebensmitteln wie Nudeln und Konserven, aber auch frisches Gemüse, Fleisch und Fisch (klappt erstaunlich gut – die Händler, bei denen wir bestellen, liefern aus Shanghai und alles kommt in großen Styroporkisten mit tausend Eispacks und war bis jetzt eigentlich immer noch gut gekühlt. Im Hochsommer, wenn es draußen über 40 Grad hat, bestellen wir dann halt keinen frischen Fisch oder andere dolle temperaturempfindliche Sachen, weil der Liefermensch kommt ja trotzdem weiterhin auf dem Mofa und nicht mit nem Kühl-LKW). Also echt ganz einfach alles. Ok, Eiscreme haben wir noch nie bestellt. Möglich wäre es allerdings, glaube ich. Und Feuerwerkskörper gibt es INZWISCHEN auch nicht mehr, leider. Das war vor 2 Jahren noch anders. Und Zigaretten muss man ein bisschen suchen, wenn man die will, weil die eigentlich auch nicht angeboten werden dürfen, die Händler aber halt so ihre Schlupflöcher finden.

 

 

Anmeldung

 

Die Anmeldung des Taobao Accounts damals habe ich nicht richtig mitbekommen. Zu der Zeit war ich noch gar nicht in China, also ist das auch schon fast 7 Jahre her... Das Haselchen hatte damals allerdings Hilfe von einem Bekannten, der Chinesisch lesen kann und sich auch selbst schon einen Account eingerichtet hatte. Also unfaires Spiel, in gewisser Weise... ;-) Zwischendrin hatten wir immer mal wieder Probleme, dass etwas nicht klappte. Meist wurde die Sicherheit verbessert. Aber wenn man halt weiß „Klick da, dann klick den erste Button rechts, dann den orangenen Button, dann gib die Nummer ein“ oder so, dann macht schon eine Änderung der Reihenfolge der Button große Probleme. Vor allem, wenn die halt alle auf Chinesisch beschriftet sind... Irgendwie hat das Haselchen aber all diese Probleme lösen können. Mit viel Fluchen, google translate und manchmal auch einfach mit wildem Herumgeklicke (unter wüsten Flüchen).

 

 

Suche

 

Bei der Produktsuche auf Taobao ist es enorm wichtig, auf Chinesisch zu suchen. Sonst bekommt man nur sehr, sehr wenige und meist total überteuerte Angebote angezeigt, weil alle anderen nichts Englisches im Titel oder der Beschreibung oder sonstwo haben (außer mal ein „Hot!“ oder ein „Feel the beauty in the time“ oder „Happy times“ oder so in der Beschreibung). Nun sprechen wir ja aber kein Chinesisch. Daher übersetzen wir, wonach wir suchen. Dabei muss man manchmal Kreativ werden. Sonst kommt man ja auch nicht drauf, dass beispielsweise „Reifrock“ mit „Rock Käfig“ (oder so ähnlich) übersetzt wird. Also versuchen wir immer erstmal einen translator (Google oder Yandex) und suche mal drauf los. Klappt nicht? Ok, erstmal von einer anderen Ausgangssprache übersetzen, Synonyme oder Umschreibung versuchen. Wenn die Ergebnisse alle sehr komisch aussehen oder es gar keine gibt, suchen wir mal über Wikipedia und dann der Chinesischen Version des Wiki-Artikels. Wenn das auch nicht klappt, suchen wir nach einem ähnlichen Suchbegriff. Also zum Beispiel nach einem Hochzeitskleid, wenn ich eigentlich einen Reifrock will. Und dann gehe ich in einen Shop, schaue dort die Artikel durch und wenn ich ein Foto von einem Reifrock sehe, kopiere ich die Artikelbezeichnung, übersetze diese zurück, suche mir heraus, was genau davon „Reifrock“ heißen könnte und suche dann damit.

 

 

Online-Banking und Alipay

 

Am Ende des Einkaufs steht die Zahlung. Man kann ich dafür einen Alipay Account einrichten. So ähnlich wie bei Paypal zahlt man darauf Geld ein, was dann da so herumliegt und was man eben überall, wo Alipay akzeptiert wird, ausgegeben werden kann. Wir haben auch einen Alipay Account, aber wir nutzen ihn nicht. Stattdessen hat das Haselchen sich für sein Chinesische Konto Onlinebanking einrichten lassen. Das ist eine kleinere größere Aktion hier. Und er musste auch zwischendurch noch manchmal zur Bank, weil da wieder irgendwas geändert wurde. Heute hat er einen Mini-„Taschenrechner“ von der Bank zu Hause. Sobald wir alles, was wir wollen, in den Warenkorb gelegt haben, muss das Haslechen (ich lasse da einfach die Füße draußen – das ist seine Domäne) die zu zahlenden Artikel auswählen und dann unsere Bank, aber den richtigen Link (die taucht in der Auswahl nämlich gleich 2 oder 3 Mal auf, aber dann klappt es nicht mit dem normalen Onlinebanking) und dann muss er die Kontonummer und ein Passwort eingeben, eine endlos lange Zahl vom Bildschirm in den Taschenrechner tippe, auf die orangene Taste am Taschenrechner drücken und dann eine von diesem ausgegebene endlos lange Zahl (ich glaube jeweils so 10 oder 12 Stellen, also deutlich mehr als eine gewöhnliche TAN in Deutschland hätte) am Bildschrim eingeben. Dann nur nur ein Captcha (zumindest war es mal da) und nochmal bestätigen und dann ist es erledigt. Ach ja, und alles im Internet Explorer, weil chinesische Webseiten grundsätzlich erstmal nur im IE rund laufen und in jedem anderen Browser keinerlei Online/Banking möglich ist.

 

 

Lieferung

 

Ein paar Tage später (mal ne Woche, mal am nächsten Tag, je nachdem) dann klingelt der Postbote. Oder besser: Die Postboten. Hier gibt es nicht nur 1 oder 2 Paketdienste. Hier werden die Sachen von locker 5 oder 6 verschiedenen Quaidies (= delivery companies) gebracht. Die düsen auf Mofas und Elektro-rollern durch die ganze Stadt und haben die Pakete mit teilweise atemberaubenden skills mit Gummies hinten auf den Rollern festgeschnallt. Kleintransporter oder so gibt es dafür nur von China Post – und die bringen so gut wie nichts, weil sie teuer und langsam sind. Es könnten auch 7 oder 8 sein. Und manchmal klingelt der selbe Bote sogar einmal am Morgen und einmal nochmal am Abend. Das allerdings meistens von der einen Firma, die ihr Depot direkt um die Ecke haben. Gut an dieser Vielfalt ist, dass die Lieferkosten sehr gering sind, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Etwas nervig ist es, dass es halt teilweise dann 7 Mal am Tag klingelt, wenn wir viel bestellt haben. Auch, wenn der Postbote schon da war, kannst du halt nie wissen, ob dann nicht gleich der nächste vor der Tür steht und genau in dem Moment auf die Klingel drückt, in dem du dich gerade auf dem Klo niedergelassen hast. Aber das ist halt Jammern auf hohem Niveau...

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