Samstag, 31. Dezember 2016

2016

So, same procedure as last year... ;-)

Das Jahr neigt sich nicht nur dem Ende, sondern stürzt stolpernd darauf zu und ehe ich mich versehe, liegt es – Gesicht zuerst auf dem Boden – schon vor der Tür. Das ist ein Bild, das ich für 2016 irgendwie passend finde.

Ich hatte letztes Jahr beim Silvester feiern eine böse Vorahnung. Ich hatte das Gefühl, dass 2016 etwas schlimmes passieren und es kein gutes Jahr werden würde. Nicht für mich selbst, sondern ganz allgemein. Auch beim Wachsgießen (in Ermangelung eines Bleigießen-Sets) bekam ich ein Eichhörnchen – was offenbar für „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“ steht. Also Obacht! 

Und leider sollte ich Recht behalten. Was in diesem Falle jedoch keine self-fulfilling prophecy sein kann, da ich bei den meisten Dingen, die 2016 nicht gut waren, gar nicht selbst beteiligt war... Viele Menschen sind 2016 gestorben. Zu viele. Prominente und Unbekannte. Dazu Brexit. Trump. Wahlerfolge der AfD. Der Hund meines Bruders (bzw. auch meiner Eltern) musste eingeschläfert werden. 

Das Haselchen und ich habe uns oft gestritten. So oft, glaube ich, wie zuletzt in dem Jahr, in dem wir zum ersten Mal zusammen gewohnt haben. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten und habe mein Baby dabei so sehr vermisst, dass ich wochenlang täglich den Tränen nahe war.

Viel trauriges, beängstigendes und blödes ist 2016 passiert. 

Natürlich gab es auch tolle Dinge. Aufregendes, spannendes, schönes. Für mich war es das größte, dem kleinen Raben dabei zuzusehen, wie aus dem Baby ein richtiges, waschechtes Kleinkind wurde. Seine ersten 100 Worte. Seine ersten vollständigen Sätze. Sein erster Geburtstag.

Dann natürlich unsere Entscheidung, Shanghai zu verlassen und nach Leipzig zu ziehen. Diese, bzw. deren Konsequenzen in Form der Umzugsvorbereitungen, überschatten hier gerade alles so ein bisschen.

In der Summe bleibt für 2016 eigentlich nur die Zusammenfassung: Nächstes Jahr wird besser!

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Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Mein persönliches Jahr war eigentlich gut. Aber da ich halt nicht nur in meiner eigenen kleinen Blase lebe, würde ich persönlich diesem Jahr eine 6/10 geben.

Zugenommen oder abgenommen? 

Ich glaube ein bisschen ab. Aber nicht viel. So vielleicht 1 kg aufs ganze Jahr.

Haare länger oder kürzer? 

Länger. Ich habe nur zwischendrin mal Spitzen schneiden lassen. Jetzt gehen sie etwa bis zur Hüfte.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Ich glaube gleich geblieben. Sowohl im wortwörtlichen, als auch im übertragenen Sinn.

Mehr Geld oder weniger

Dieses Jahr: Mehr. Erst habe ich wieder angefangen zu arbeiten, dann wurde ich befördert.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Wir haben zwar viele Kinderklamotten gekauft und öfter mal Essen ebstellt, aber dafür unsere Kurztrips am Wochenende stark reduziert.

Der hirnrissigste Plan?

Meinen Job hinschmeißen und ohne neuen Arbeitsplatz nach Deutschland zurückwandern.

Die gefährlichste Unternehmung?

Taxi fahren in China – ohne Gurt (weil keiner da) mit 120 km/h auf der Stadtautobahn

Die teuerste Anschaffung?

Öhm... Ich glaube dieses Jahr haben wir gar nichts wirklich teures angeschafft. Also nicht selbst. Und Geschenke zählen ja nicht wirklich. Die teuerste Einzelposition, die wir selbst gekauft haben, war glaube ich das neue Tragetuch mit so um die 70 EUR (wenn ich mich recht entsinne). Vielleicht war es auch der Reisebuggy mit um die 75 EUR? Ich bin mir nicht sicher. 

Das leckerste Essen?

Uff, da fragste mich was. Mein Haselchen kocht immer so leckere Sachen, steht dafür manchmal bis zu 6 Stunden in der Küche... Da ein einziges Essen rauszupicken, ist irgendwie nicht machbar. Daher sage ich ganz allgemein: Das, was mein Mann mit Hingabe und Liebe kocht.

Das beeindruckenste Buch? 

Asche auf mein Haupt, ich habe kein einziges Buch gelesen.

Der ergreifendste Film?

Puh. Wir haben kaum einen Film überhaupt in einem Stück gesehen...

Die beste Serie?

Southpark. Bei der aktuellen Staffel musste ich teilweise in meinen Bademantel lachen, um den kleinen Raben im Nebenzimmer nicht vor lauter Lachen aufzuwecken.

Die beste CD?

Nicht wirklich eine CD, aber ich habe meine Begeisterung für November Növelet und Haus Arafna entdeckt.

Das schönste Konzert?

Ich war auf genau einem einzigen Konzert. Saeldes Sanc und Ernst Horn während des WGTs. Aber das Konzert war toll. :-)

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Dem kleinen Raben, wenn die Nächte auch zählen. Wach mit der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit…? 

Dem kleinen Raben und dem Haselchen. Einfach beim Spazieren gehen.

Vorherrschendes Gefühl 2016? 

Vermissen

2016 zum ersten Mal getan?

- Auf der Arbeit Milch abgepumpt und dann nach Hause gebracht

- Ein Umzugsunternehmen angeheuert, das unseren gesamten Hausrat eingepackt und dann auf einen Seefrachtcontainer gebracht hat

2016 nach langer Zeit wieder getan?

Einen ersten Geburtstag gefeiert

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 

- Escalation calls

- Luftverschmutzung

- Meine Liebsten immer so sehr zu vermissen

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Das Haselchen sowie mich selbst vom Umzug nach Leipzig so ganz „ins Blaue“ hinein sowie das Haselchen davon, dass unsere neue Wohnung wirklich die richtige ist. Hat beides geklappt.

 

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? 

Gemeinsame Zeit.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Die unglaubliche Unterstützung meiner Eltern bei unseren Umzugsvorbereitungen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Mama en Papa

 

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Ich halte dich.

  

Besseren Job oder schlechteren?

Besseren.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Erfahrungen und Erkenntnisse. Und 2000 virtuelle Münzen in Roller Coaster Tycoon^^

Mehr bewegt oder weniger?

Mehr. Allein schon, weil ich jetzt immer mit dem Rad zur Arbeit fahre.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Ich selbst: 2

Der kleine Rabe: 2

Das Haselchen: 2

Davon war für Dich die Schlimmste?

Für den kleinen Raben Magen-Darm, weil ich mir da sehr Sorgen gemacht habe, als er nicht richtig getrunken hat und langsam dehydrierte.

Für mich selbst der grippale Infekt, weil ich eine Nacht richtig hohes Fieber hatte. Mit wirren Fieberträumen, Schüttelfrost und totaler Schwäche. Dabei wollte der kleine Rabe die ganze Nacht stillen, und hatte eine nasse Windeln, was ich aber nicht realisierte, sodass wir kurz vor 2 Uhr morgens beide weinend im Bett lagen...

Dein Wort des Jahres?

Mama

Dein Unwort des Jahres?

Escalated call

Dein Lieblingsblog des Jahres?

Rabensalat. Es gehört zu meinen festen Rituatlen, spätestens in der Mittagspause nachzuschauen, was es bei Frau Rabe so neues gibt.

Dein größter Wunsch fürs kommende Jahr?

Dass es mit unserem Umzug weiter so gut läuft, wir alle zusammen (inklusive dem Kater!) gut in der neuen Wohnung ankommen, ich dann am besten auch noch einen guten Job bekomme und unser neuer Lebensabschnitt ohne größere Reibungsverluste beginnt.

2016 war mit 1 Wort…?

Nervenaufreibend

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Weihnachten im Exil und der Erinnerung

Jedes Jahr aufs Neue glaube ich vorher, dass es mir ja nichts ausmachen wird. Pah. Weihnachten. Das ist ja nicht so wild. Da machste ja eh nix, ist ja gar kein Feiertag hier in China. Abends können wir dann ja ein bisschen feiern. Glühwein, Kekse und Kerzen. Das reicht schon. 

Dann kommt der 24. Und meine Stimmung ist im Keller. Ich sitze im Büro, denke an Weihnachten in meiner Kindheit und will mit Sachen um mich schmeißen. Oder weinen. Oder jemanden anbrüllen. Weil ich hier bin. Obwohl ich viel lieber Weihnachten feiern möchte. Richtig feiern. Mit Baum und Lichtern und Musik und diesem fiebrigen Gefühl, wenn es draußen sehr kalt ist und man ins Warme kommt. 

Mein Weihnachten früher

Aus meiner Kindheit erinnere ich mich an Heiligabend zuerst in der Kirche. Da haben wir immer beim Krippenspiel mitgewirkt. Ich im Kinderchor, der die Engel darstellte. Dafür probten wir immer schon Wochen im Voraus und hatten weiße Hemdchen und Kerzen. Die Kerzen tropften manchmal und das war alles sehr spannend und aufregend. Meine Mama war oft einer der Hirten. Später war ich einmal die Maria. In dem Jahr hatten wir ein richtiges, lebendiges, echte Baby als Jesus. Das ICH halten durfte! In diesem Jahr habe ich meinen eigenen Kinderwunsch entdeckt und beschlossen, dass ich ganz viele Babies haben will. Am liebsten so schnell wie möglich. Aber ich schweife ab. Auf jeden Fall gingen wir danach zu meiner Oma. Dort war die gesamte Verwandschaft zu Kaffee und Kuchen zu Besuch und es gab die Beschereung mit Oma, Opa, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen. Und Kaffee und Kuchen natürlich. Danach gingen wir nach Hause. Während wir im Flur die Jacken und Schuhe auszogen, ging die Mama schonmal im Wohnzimmer nachsehen, ob das Christkind denn schon da war. Das dauerte ein paar Minuten. Dann klingelte das Glöckchen und wir durften ins Wohnzimmer kommen, wo der erleuchtete Baum stand. Darunter die Geschenken. Wir sangen ein Weihnachtslied, die Krippe klimperte „Stille Nacht“ als Glockenspiel. Dabei fingen wir an, die Geschenke auszupacken. Danach gab es Essen. Immer etwas schnelles, einfaches. Tintenfischringe mit Pommes oder heiße Würstchen oder Brot mit verschiedenen Räucherfischen. Schließlich waren ja praktisch den ganzen Tag auf Achse gewesen.

Ich weiß, dass Weihnachten wohl für meine Eltern etwas stressiger war, als für mich. Und manchmal gab es natürlich auch Streitereien. Aber insgesamt habe ich so schöne Erinnerungen an Weihnachten. An ein entspanntes Fest mit Lichtern und Musik und Besinnlichkeit. So, glaube ich, wie es halt wirklich sein soll.

Und es fehlt mir hier sehr.

Nicht mehr lange!

Aber nicht mehr lange. Dieses war das letzte Weihnachtsfest, das wir hier in Shanghai gefeirrt (beziehungsweise ja letztendlich nicht richtig gefeiert) haben. Und ab nächstem Jahr ist es an der Zeit, dass wir Weihnachten wieder richtig feiern. Ich weiß noch nicht genau, wie. Aber Musik muss dabei sein. Und Lichter. Und der kleine Rabe, der hoffentlich genauso schöne Kindheitserinnerungen an unsere Weihnachtsfeste zusammen bekommen wird, wie ich sie habe...

Sonntag, 25. Dezember 2016

Weihnachten 2016

Ich will nur ein paar kurze Worte zu Weihnachten dalassen.

 

Feier

 

Wir feiern dieses Jahr nicht wirklich. Die Wohnung ist vergleichsweise kahl. Alle Bilder an den Wänden sind im Container nach Deutschland. Wir haben keinen Christbaumschmuck hier. Und einen nackten Plastikbaum aufbauen oder nochmal extra Deko bloß für einmal kaufen wollten wir nun auch irgendwie nicht... Daher haben wir ganz minimalsitisch mit Kerzen, Glühwein und „unserem“ Weihnachtsfilm „The nightmare before Christmas“ gefeiert. Letzteren konnten wir nicht ganz zu Ende schauen an Heiligabend, weil der kleine Rabe erst kurz nach 22:00 Uhr geschlafen hat und ich am 25. um 9:00 Uhr im Büro sein musste. Zu Essen gab es auf meinen Wunsch hin unhealthy shit und ich habe mir an Pommes rot-weiß satt gefuttert. Außerdem hatten wir Pizza. Die gab es dann aber heute kalt zum Frühstück - man sollte halt nicht ausgehungert Essen bestellen...

Familie

Mit meiner Familie haben wir ganz kurz geskyped. Leider viel kürzer, als es schön gewesen wäre. Aber das Internet war schlecht,die Verbindung miserabel und der Großteil der Konversation bestand aus "Hmm, was? Das hab ich gerade nicht richtig verstanden...".

Dafür freue ich mich umso mehr auf gemeinsames Weihnachten nächstes Jahr. Das war bei und zu Hause nämlich nie stressig oder anstrengend oder nervig. Sondern einfach schön...

 

Arbeiten

 

Für mich sind das ja auch alles ganz normale Arbeitstage. Ich hatte im ganzen Jahr 2016 genau einen einzigen Feiertag tatsächlich als Feiertag frei. Ansonsten habe ich entweder gearbeitet oder hatte gerade mein normales „Wochenende“ an den Tagen. Und jetzt im Moment brennt hier im Büro eher die Hütte, als dass irgend jemand an Freizeit denken könnte... Und überhaupt ist Weihnachten in China kein Feiertag. Also arbeite ich und habe dann am 27. Und 28. Mein „Wochenende“. Immerhin habe ich den 1.1. frei. Richtig Leid tun mir ja die Kollegen, die an Silvester Nachtschicht machen und von 16:00 bis 2:00 Uhr im Büro sind...

 

Geschenke

 

Wir haben auch für uns hier keine Geschenke. Das Haselchen und ich schenken uns eh meist nichts und den kleinen Raben juckt das noch nicht so wirklich. Er bekommt dann erstmal für den Flug nach Deutschland neue Spielsachen. In Deutschland warten von meiner Familie unter anderem eine vollständige, tolle, neue Küche. Und überhaupt Wohnung. Und eine tolle Kaffeemaschine für mich (die kann Kannen und Pads!) und ein schwarzes Bobby Car für den kleinen Raben. Verschenkt haben wir auch nichts. Also nichts stoffliches. Stattdessen haben wir für meine Familie dieses Jahr an World Vision und Ärzte ohne Grenzen gespendet.

Von unseren Teamleitern bekamen alle Seniors einen Kugelschreiber mit Namen. Also mit dem Namen des jeweils Beschenkten, nicht dem der Teamleiter. Das fand ich eine sehr schöne Geste.

Und mir selbst habe ich ein Spiel geschenkt. Ok, es war gratis. Und ich hätte es mir auch ohne Weihnachten runtergeladen. Aber ich habe jetzt endlich Roller Coaster Tycoon auf dem Handy. Seitdem daddel ich ständig daran herum und komme zu nix, aber ich bin absolut seelig. Wenn ich jetzt noch Pharao finde, dann lest ihr wohl erst 2018 wieder von mir... ;-)

 

Wünsche

 

Ich wünsche mir nicht viel zu Weihnachten. Ein bisschen mehr Liebe. Ein bisschen weniger Hass. Das wäre schön.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Meine Lektion in Demut

7 Jahre sind eine lange Zeit. Und doch können sie sich anfühlen, als sei keine Zeit vergangen. Ja, 7 Jahre Beziehung haben das Haselchen und ich dieses Jahr auch gefeiert. Aber heute möchte ich von etwas anderem erzählen, das nun 7 Jahre her ist. Nämlich mein Aufenthalt auf Bali – und was er mich gelehrt hat.


Wie ich nach Bali kam

Im Zuge meines Studiums war ein Jahr im Ausland Plicht. Ein halbes Jahr als Praktikum, welches ich letztendlich ohne spanische Sprachkenntnisse und entgegen all meiner Versuche, einen Praktikumsplatz in Frankreich zu bekommen, in Madrid absolvierte, und ein halbes Jahr als Studium. Für das Studium wollte ich mal „ganz woanders“ hin. Nicht nur raus aus Deutschland. Raus aus Europa! Aber auch nicht in die USA... Also blieb ja irgendwie nur noch Asien. China wollte ich nicht, weil ich damals tatsächlich Angst hatte, dachte in China lebe man unter den permanenten Repressalien des kommunistischen Regimes. Dann stieß ich auf eine Organisation, die Auslandssemester an der Universitas Udayana in Depasar, Bali organisierte. Ich bewarb mich, wurde angenommen und begann das Prozedere für Visum und Co. Ich ließ mich impfen, buchte einen Flug und war mächtig aufgeregt. Nur 3 Wochen nach meiner Rückkehr aus Madrid dann ging es los und ich saß zum aller ersten mal in einem richtig großen Flugzeug, dass mich 12 Stunden lang durch die Luft ans andere Ende der Welt trug.


Party people vs. Local life

Kaum richtig angekommen musste ich schnell feststellen, dass viele meine Kommilitonen herzlich wenig Interesse an der Uni oder dem Land an sich hatten. Viele waren hergekommen mit dem erklärten Ziel, es sich ein halbes Jahr lang gut gehen zu lassen. Am Strand Bier trinken, Poolparties, Clubs. Wohnen in Villen mit eigenem Pool. Surfen. Und sich dabei immer reich fühlen, weil das Leben auf Bali halt so unglaublich günstig ist, dass man da sogar als durchschnittliche deutscher Student auf einmal richtig dick Kohle hat.

Nun bin ich kein bierernstes Kind von Traurigkeit. Das nicht. Ich habe auch meine Parties auf der Insel mitgefeiert. Ich war im Bounty, ich war bei ein oder zwei Poolparties. Ich hatte die schlimmsten Kater meines Lebens vom Bali Arrak, ich habe Bintang getrunken. Ich bin am Bombing monument vorbei gewankt. Ich habe nach einem großen Jungle Juice Karaoke gesungen. Ich hatte meinen Spaß. Aber bis auf die Tage, an denen ich tatsächlich mit Fieber und Grippe flach lag, war ich jeden Tag in der Uni. Ich habe meine Hausarbeiten selbst geschrieben, statt sie aus dem Internet herunter zu laden. Ich habe mich regelmäßig mit meiner indonesischen Bekannten getroffen. Ich war bei einer Balinesischen Familie eingeladen, um traditionell Früchte zu einem der balinesischen Feiertage zu essen. Ich habe mein Bintang zum Sonnenuntergang nicht auf der Poolside Liege im teuren Strandclub, sondern auf dem Plastikstuhl aus der Styroporkiste direkt am Strand getrunken und mich dabei mit dem Verkäufer unterhalten. Ich habe nicht Burger und Pommes im Club gegessen, sondern Nasi Campur oder Gado Gado in der Seitengasse oder auf dem Night market. Und mich dabei mit den Leuten unterhalten. Um mein Bahasa Indonesia zu üben und um mehr zu erfahren. Darüber, wie sie leben, was sie denken. Denn wo wäre der Sinn gewesen, ein halbes Jahr am Ende Ende der Welt zu leben, wenn ich dann doch strikt nur unter meinesgleichen geblieben wäre?


Anekdoten

Vier Anekdoten möchte ich euch erzählen, die mich bis heute noch tief beeindrucken und die ich wohl so schnell nicht vergessen werde.

Erste Hilfe am Strand

Während eines langen Wochenendes war ich auf den Gili Islands. Gili Meno, die mittlere und ruhigste der drei winzigen Inseln vor der Küste von Lombok, war mein Ziel. Ich könnte hier jetzt ganze Seiten mit diesen 3 Tagen füllen... Aber eigentlich will ich euch nur von dem einen Nachmittag erzählen. Ich war schnorcheln. Sehr, sehr lange (weil ich ZUSAMMEN mit einer Meeresschildkröte schnorchelte – ungelogen, sie wartete sogar auf mich, wenn sie zu schnell weg schwamm und ich nicht hinterher kam!) war ich im Wasser. In der prallen Sonne. Irgendwann kam ich wieder an Land und mir wurde erstmal ganz komisch. Mein Herz raste, ich bekam kaum Luft. Vorsichtig setzte ich mich in den Sand und hoffte, dass das gleich vorüber wäre. Da kam ein junger Mann zu mir, schaute mich an, bat um Erlaubnis und drückte verschiedene Punkte an meiner Hand. Und – ob Placebo, normale Erholung oder was anderes – es ging mir schlagartig besser.

Der Getränkeverkäufer

Eines abends saß ich beim Sonnenuntergang am Strand von Kuta und trank ein Bintang von einem der vielen Verkäufer dort. Die Jungs kaufen Bier und Limo im Supermarkt und lagern es gekühlt in Styroporkisten direkt am Strand, wo sie ein paar Plastikstühle hinstellen und dann das Bier halt für 20.000 statt für 15.000 IDR verkaufen und sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir kamen ins Gespräch und plauderten über Gott und die Welt. Als die Sonne endgültig verschwunden war, gingen wir zufällig in die gleiche Richtung. Unterwegs pfiff der Verkäufer fröhlich vor sich hin.Ich fragte ihn, was ihm so gute Laune machte. Die Antwort: „Ich habe heute genug Geld verdient, damit ich mir für eine ganze Woche Reis kaufen kann.“

Die Straßenkinder

Schon vor Antritt der Reise und dann auch vor Ort noch einmal wurden wir eindringlich „gewarnt“, Bettlern kein Geld zu geben. Ganz besonders nicht den vor allem nachts an der Partymeile bettelnden Kindern. Denn, so die Erklärung, von dem Geld, das man ihnen gibt, sehen diese Kinder nichts. Das müssen sie an die organisierten Banden abliefern, die sie in den frühen Morgenstunden mit Bussen einsammeln und zu ihren Sammelunterkünften karrten. Was ich stattdessen tat war, Gruppen von Straßenkindern, die gemeinsam bettelten, mit in den SevelEleven zu nehmen. Dort gab es dann für alle Instantnudeln, Sandwiches, Kekse und Limonade. Diese Freude über eine Tasse mit Instantnudeln, dieses Johlen über ein paar Kekse – das werde ich niemals vergessen.

Die Poolbar

Das Staatsmotto Indonesiens lautet "Bhinneka Tunggal Ika". Das bedeutet "Einheit in Vielfalt". Und wie diese Einheit in der Vielfalt gelebt werden kann, wurde mir unter anderem bei einem Besuch in einem Wasserpark klar. Dort gab es eine Poolbar. Eine indonesische muslimische Familie war dort. Alle Frauen und Mädchen der Familie trugen vollen Burkini – mit langen Ärmeln, Beinen und Kopftuch. Während die Kinder im Wasser tobten, setzte sich die Mutter der Familie an die Poolbar und trank einen frisch gepressten Saft. Neben ihr saß eine Touristin aus Australien. Diese trug einen sehr knappen Triangle-Bikini und sie trank sich scheinbar einmal quer durch das Cocktail-Menü. Sie lallte auch schon kräftig und torkelte im Sitzen. Natürlich wurden die beiden nicht beste Freundinnen. Aber sie tolerierten einander einfach vollkommen selbstverständlich. Nicht einmal einen abschätzigen Blick – egal von welcher Seite – konnte ich beobachten.


Demut und Dankbarkeit

Mich hat dieses halbe Jahr auf Bali, die aufgeführten Anekdoten und auch die sonstigen Begegnungen und Erfahrungen, die ich dort hatte, zwei wichtige Dinge gelernt: Dankbarkeit und Demut.

Ich bin dankbar für das Leben, das ich führen darf. Ich habe so viel Luxus, so viele Privilegien, das es schon fast unverschämt ist. Nie in meinem Leben musste ich Hunger oder Durst leiden, mich darüber Sorgen, wo ich nächste Woche mein Essen her bekomme. Ich hatte immer ein festes Dach über dem Kopf. Und als Deutsche kann ich mich selbst dann, wenn ich eines Tages nicht arbeiten kann und nichts hätte, auf ein soziales Netz verlassen, das mir zumindest eine Grundsicherung ermöglicht. Das ist ein riesiger Luxus! Was für ein großer, das ist mir in China noch einmal klarer geworden... Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Und ich bin demütig geworden. Nicht im christlichen Sinne mit der Demut vor dem allmächtigen Gott. Nein. Ich glaube nicht an den christlichen Gott. Aber ich bin mir meines Platzes in dieser Welt mehr bewusst als zuvor. Ich sehe nichts mehr als selbstverständlich an. Denn nichts, was wir haben, ist selbstverständlich. Nicht einmal, dass wir leben und atmen, ist selbstverständlich. Let alone dass wir genug Kleidung, Nahrung und Wohnraum haben. Es ist ein riesiges, enormes, unfassbares Glück. Und im Bewusstsein dieses Glücks versuche ich, mein Leben so zu gestalten, dass ich mich für meine Privilegien zumindest nicht schämen muss.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Gothic Friday: Schwarzer Kajal schützt vor Augenrollen nicht

Der Gothic Friday im Dezember steht unter dem besinnlichen Motto „Black an annoying“. Ehrlich gesagt musste ein Teil von mir alleine bei dem Thema schon mit den Augen rollen. Scheint es mir doch so unerträglich typisch Deutsch, überall das Haar in der Suppe zu suchen. Und gerade in der Szene wird ja sowieso so gerne über die Szene gemotzt... Dann fiel mir auf, dass ja auch das Motzen über das Motzen wieder Motzen wäre. Und wie sich der Kreis der Gedanken und der, den mein Blick in der Luft zog, zeitgleich schloss, entschied ich, doch wieder einen Text zu verfassen. Überhaupt, mit Traditionen brechen ist nicht so meins.

Da war ich wohl nicht der einzige, den der Graf nervte... 


Musikalische Entgleisungen und ihre Fans

Es gibt Musik, die dieser schwarzen Szene zugeordnet wird - sei es aus Marketing-gründen der Musiker, von außen oder auch von innen selbst – die da für mein Empfinden Fehl am Platz ist. Als Beispiel sei hier alles Ramstein-esque genannt. Oder schwarz angemalter Schlager a la Unheilig (ganz besonders der neueren Bauart). Dann gibt es auch noch solche Witzfiguren wie Blutengel, die einfach so tief in die Klischeekiste gegriffen haben, dass man meint, das solle doch nun wirklich Satire sein, die es aber leider tatsächlich todernst meinen, wenn sie sich zu ihrem Fruitiloop-Gedudel als die tragischen Vampire (aber mit Glitzer!) aufspielen. Und über „Diene meinem Penis“ bin ich auch noch lange nicht hinweg (und ich dachte mal, viel schlimmer als „Du.... Du Fotze!“ kann es bezüglich Text-Niveau nun auch nicht mehr werden...).

Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten. Und auch, wenn ICH diese „Musik“ (manche davon verdient sich die Gänsefüßchen in dem Zusammenhang aber wirklich...) nicht mag, als vollkommen Szenunpassend empfinde und nicht hören möchte – ok. Von mir aus soll ja jeder seinen Spaß haben. Jeder ist mal irgendwie in die Szene eingestiegen und ich habe mich in meiner höchst persönlichen musikalischen Historie ja nun auch nicht mit der puren Trueness bekleckert.

ABER. (Dass ein Aber kommen muss, war ja klar, sonst hätte es ja keinen Sinn gemacht, das hier aufzuzählen, nech?) Aber was mir WIRKLICH auf den Zeiger geht, und zwar so richtig, sind teilweise die Leute, die solche „Musik“ mögen. Nicht, weil sie sie halt einfach mögen. Damit kann ich, wie gesagt, leben. Sondern dann, wenn sie ihre und nur ihre „Musik“ zum Nonplusultra erheben, nichts anderes mehr kennen lernen möchten und darauf beharren, dass ihr Star die Szene erschaffen hat. Besonders auffällig wir das beispielsweise immer dann, wenn irgendwo das WGT-Lineup diskutiert wird (ganz besonders auf Facebook...). Wenn dann Sätze fallen wie „Nee, also diese ganzen Bands da bis jetzt kennt doch keine Sau. Die sollten mal richtige Headliner, so richtige Szenegrößen einladen. Zum Beispiel Ramstein. Oder wenigstens Blutengel. Sonst komme ich ganz bestimmt nicht wieder!“ denke ich mir halt nur „Ja dann BLEIB ZU HAUSE! Verdammte Hacke und hör deinen Mist da alleine!“. Versteht mich nicht falsch. Mir geht es dabei gar nicht einmal so sehr darum, DASS der Hansel sich halt seine „Musik“ wünscht. Würde er oder sie einfach schreiben "Ich mag ja Ramstein und Blutengel... Wenn die kommen, das fände ich ganz supi!" Mir geht es darum, dass ein solcher Käse allen Ernstes als DIE Gothic-Musik schlechthin hingestellt wird und alles andere ist doof, weil man es selbst nicht kennt. DAS nervt.

Das Maggi Kochstudio in Leipzig zu Pfingsten 

Das ist voll gothic! – Nee, stümmt ja gar nich!

Und wenn wir schon dabei sind, Musik als Gothic oder nicht Gothic einzuteilen, gleich der nächste Punkt auf der Liste: Die ewige Debatte der Szene, was die Szene ist. Es ist aber ja auch schwer, zu definieren, wo man die Grenze zieht, wenn von außen einfach ALLES schwarz angemalt und als Gothic betitelt wird. Ich weiß noch, wie damals die „Popstars“-Gewinner-Band „Nu Pagadi“ irgendwo als „Gothic“ bezeichnet wurde, weil sie den Mädels ein bisschen schwarzen Kajal verpassten und die Musik etwas rockiger als die der „No Angels“ war. Nun werde ich regelmäßig an dieses Kapitel der deutschen Musikgeschichte erinnert, weil „nu pagadi!“ auf Russisch „Jetzt warte! (halt kurz)“ heißt. Aber das mal nur am Rande.

Punkt ist: Nee, nicht überall, wo schwarz draufgemalt wurde, ist auch wirklich Gothic drin. Echt nicht. Lakritz ist nicht Gothic, nur weil es schwarz ist. Gerade zum WGT wird man diesbezüglich ja auch immer kreativer und der Gruftischar wird schwarze Pizza beim Italiener, schwarze Nudeln im Maggi-Kochstudio, schwarzes Eis in der Eisdiele, süße Fledermäuse beim Bäcker und ein Foto-Thron im Hauptbahnhof präsentiert. Das ist ja alles ganz lustig. Aber es ist halt nicht gothic, nur weil es schwarz ist.

Unter dieser Prämisse nervt mich allerdings dann halt auch die selbsternannte Szenepolizei. Denn nein, beispielsweise BDSM ist nicht typisch Goth. ABER wenn halt Leute gleichzeitig darauf stehen und musikalisch mit dem WGT was anfangen können, wo ist dann das Problem, wenn es eine „Obsession Bizarre“ im Rahmen des Treffens gibt? Wo ist per se das Problem, wenn Leute auf Lack stehen und damit in der Goten-Disko aufschlagen? So lange alle ihre Körpersäfte da behalten, wo alle direkt Beteiligten damit zufrieden sind (und auch nicht so tun, als hätten sie die Szene erfunden und wer eben NICHT auf Lack und LKEder steht sei falsch an der Stelle), sollen sie doch machen. Bela Lugosi ist schon tot, den stört der Latex-Rollbraten nicht mehr. Und mich auch nicht, so lange der Rollbraten nicht plötzlich lautstark nach Ramstein fordert, weil es richtige Gothic-Musik hören will. Oder ich über seine Hundeleine falle, weil es die wie eine Stolperfalle einmal quer durch den Raum gehängt hat. Das ließe sich jetzt auch auf alle anderen Bereiche übertragen, in denen „Das ist ja gar nicht Gotisch!“ gebrüllt wird.


Ich bin viel truer als wie du!

Klar, oftmals steht hinter dem „Das ist nicht Gothic!“-Gebrülle auch der Wunsch, sich selbst als ja nun viel gothic-ischer als alle anderen darzustellen. Denn,wie bereits im letzten Monat erwähnt: Was dem einen „Mein, Haus, mein Auto, mein Boot“, dass dem Grufti „Meine Schuhe, meine WGT-Karten, meine Plattensammlung“. Jeder will immer der Trueste von den Truen sein (oder schreibt man das jetzt als „Trve“, wenn man trve ist? Ich finde das sieht komisch aus... bin ich halt untrve...).  Statt „Wer hat den längsten“ vergleicht man „Wer ist am längsten“ (in der Szene), weil ja auch so klar ist, dass die Alteingesessenen immer und unumstößlich mehr zur Szene wissen und mehr dazu gehören, als die jungen Hüpfer. Die toupieren sich ja nicht einmal die Haare richtig!* Sowas hätte es bei uns™ damals™ nicht gegeben. Und das beweist natürlich, dass wir™ viel truer sind. Oder wahlweise, dass die Szene eigentlich tot ist und alles, was sich heute Gothic nennt, gar nicht mit Gothic zu tun hat und sich gar nicht so nennen dürfte, weil ICH alleine der allerletzte echt Grufti bin... Ach ja und überhaupt heißt das nicht Gothic weil das ist nur ein Musikstil und das heißt Grufti oder Schwarzkittel oder wasweißichnicht.

Und ja, so ein auf das Level der Szenezugehörigkeit übertragener Schwanzvergleich nervt gewaltig. So wie eigentlich jeder Schwanzvergleich. Immer.

And why? In the name of Satan, obviously! 

Bist du dann auch...

Da kann jetzt eigentlich die Szene nix für. Aber seit ich schwarz trage, war ich angeblich schon:
-          Satanistin
-          In einer Sekte
-          Domina
-          Sub
-          Depressiv
-          Selbstmordgefährdet
-          Potentielle Amokläuferin
-          Emo
-          Metalhead
-          Künstlerin
-          Musikerin
Und ich glaube warum es so ganz dezent störend ist, wenn einem vollkommen aus dem Zusammenhang Fragen zu den sexuellen Vorlieben gestellt oder gleich anzügliche Bemerkungen aufgrund von diesbezüglichen Annahmen gemacht werden, muss ich nicht näher erläutern. Anderes ist mehr amüsant. Zumindest so aus der Retrospektive...

Der kleine Rabe macht das schon ganz richtig. Machen nicht alle Neugoten so schön... 

Die Arroganz der jüngeren Generation

Bei den musikalischen Entgleisungen habe ich diese ganz besondere Unterart der Spezies Homo Goffikus schon angesprochen. Und ich blase ja nicht gerne ins Horn der ewig Gestrigen. Andererseits hat sich darüber ja schon Sokrates beschwert. Also wäre ich ja dann doch in guter Gesellschaft... Und wann sonst kommt man mal mit unter 30 dazu, voller Inbrunst zu schimpfen: Also diese Jugend von heute! Überhaupt keinen Respekt mehr gegenüber der älteren Generation! Sowas hätte es bei uns™ damals™ nicht gegeben!!!einself!!!

Denn ich bin ja nun schon einmal viel truer, weil ich inzwischen fast mein halbes Leben in der schwarzen Szene verbracht habe, also haben diese kleinen 16-Jährigen Baby-Bats mir zu gehorchen, ne? Nee, das nicht.

Aber: Als ich erst so ein oder zwei Jahre lang überhaupt wusste, dass es die schwarze Szene gibt, hätte ich mir nicht angemaßt, deren volle Weisheit für mich gepachtet zu haben. Ich wusste, dass ich noch nicht viel wusste. Über Musik, Styling oder Tanzstile, zum Beispiel. Wenn ich also in meinem Stammclub war und wie fast jeden Samstag auf Wunsch einer Dame hin Diva Destructions „Broken Ones“ über die Tanzfläche schallte und dann diese Dame raumgreifend über das Parkett (ok, die Fliesen) schwebte – dann sah ich gebannt zu, versucht zu verstehen, was genau sie da eigentlich anhatte (es waren Spitzen-Strumpfhosen mit Löchern für den Kopf und die Finger unter ihrem Korsett, wie ich heute weiß – nicht ein gekauftes Oberteil wie ich einst vermutete), wie dieses Tanzen ging, was zum Henker sie da mit den Fingern machte und wie man es hinbekommt, dass der Lidschatten so toll aussieht (das kann ich heute noch immer nicht). Mir wäre es nicht in den Sinn gekommen, mich beim DJ darüber zu beschweren, dass 69 Eyes doch viel besser wären und/oder in meinem H&M-Outfit wild fuchtelnd vor ihrer Nase herum zu springen. Und bei den stompenden EBM-Jungs wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, da im Weg herum zu fuchteln. Jahre später nun hingegen läuft im selben Club gerade Nitzer Ebb. Die EBM-Truppe (zu der ich in dem Moment gerade auch gehörte) stompt fröhlich im Pit. Und auf einmal fängt so ein Glühwürmchen in blauen Plüschstulpen und mit LEDs in den Händen an, mit seinem imaginären Basketball zu spielen. Mitten in unserem Pit. Ich meine klar, nachdem die Ellbogen dann etwas höher flogen war er doch schnell weg. Mit einem stompenden Pit legt man sich halt besser nicht an. Aber danach wollte er noch rummotzen und sich beschweren. Hö?!

Und das ist halt nur Symptom einer gewissen Arroganz, die den eigenen Horizont – ob bezüglich Musik, Stil oder sonstwas – zum einzig Anerkennbaren erhebt, die mich sehr nervt.


Das. Ist. Kein. KOSTÜM! 

Ja ist denn heut schon Karneval?!

Mein absolutes Hasswort ist und bleibt in Bezug auf die schwarze Szene auf Ewig: KOSTÜM. Ich trage kein Kostüm, wenn ich ausgehe. Ich trage kein Kostüm, wenn ich auf einem Festival bin. Ich trage kein Kostüm, wenn ich auf dem WGT bin. Ich verkleide mich nicht als jemand oder etwas, der oder das ich nicht bin. Ich gehe nicht "als Katze" oder "als Pirantenprinzessin" oder "als Gothic". Und ich finde es ebenfalls extrem befremdlich, wenn andere Leute dies tun. Also ein Kostüm tragen, in eine Rolle schlüpfen, etwas darzustellen versuchen, das sie gar nicht sind, wenn sie auf einem Festival oder Treffen sind. Wieso? Weshalb? Ich verstehe es nicht. Aber es nervt. Sehr.


Die Toleranz-Debatte

Wann immer in einem Forum mit schwarzem Hintergerundbild das T-Wort fällt, geht die Luzie ab. Oder jetzt halt auf Facebook, wenn die Teilnehmer der Debatte alle düstere Profilbildchen vorzuweisen haben. Die Szene rühme sich doch gerade ihrer Tolleranz (IMMER IMMER schreibt es irgendwer mit zwei l...) und das sei total ungotisch, nicht tollerant zu sein. Daher sei X ja wohl mal total falsch in der Szene, wenn er Y als „Glühwürmchen“ (oder von mir aus Faschingsfritzen mit feschem Falschhaar) bezeichnet. Und der übergewichtige Latexrollbraten** verbittet sich auch, dass man sie darauf aufmerksam macht, dass es auch Klamotten in ihrer eigenen Konfektionsgröße geben würde, nachdem sie doch nur in der WGT-Gruppe ein Bild von sich in ihrem Latexrollpraten-Piratenprinzessin-Kostüm mit dem Caption „Naaaaa ihr Lieben? Wie findet ihr das Kostüm fürs nächste WGT?“ gepostet hat. Weil das ist „untollerant“, sagt sie.

Kaum schreiben sie es, kommen die nächsten und blöken los, die Szene sei noch nie tolerant gewesen. Das sei alles nur der Irrglaube der verwirrten schwarz angemalten Teenager, die sonst keine Freude haben. Aber der echte Goth, der lästere über alles, was nicht bei drei aus dem schwarz umrandeten Blickfeld verschwunden sei.

Dass Toleranz eigentlich ein „Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten“ bedeutet, vergessen dabei natürlich beide Seiten. Also dass ich den Rollbraten toleriere heißt nicht, dass ich ihn nicht hässlich finden darf. Und wenn mich ein Rollbraten fragt, wie er aussieht, sage ich halt „Wie ein Rollbraten“. Aber ich kann etwas hässliches tolerieren. Ich kann auch die Glückwürmen gewähren und mit ihren LEDs und Knicklichtern rumfuchteln lassen und trotzdem dabei mit den Augen rollen. Das heißt nicht, dass ich sie nicht toleriere.

Wenn ich von diesem Begriff der Toleranz ausgehe, ist die Szene verdammt tolerant. Ich finde das gut. Muss man nicht gut finden, wenn man nicht will. Aber muss man auch nicht immer und immer und immer wieder aufs neue aufrollen und diskutieren und drüber streiten.


Wenn Gothics über Gothic meckern...

...meckern Gothics Gothics an. Oder so. Hier schließt sich dann damit auch wieder gedanklich der Kreis, den ich ganz zu Anfang mit den Augen machte. Denn es nervt mich an der schwarzen Szene, dass sie sich immer und immer wieder über sich selbst aufregen zu müssen scheint. Ob nun die ewige Tol(l)eranzdebatte, Musik, ob früher alles besser war, Pikes vs New Rocks, Tanzstile, was BDSM mit der Szene zu tun hat, was Cyber mit der Szene zu tun hat, ob Gothics die besseren oder die schlechteren Menschen sind, ob es „Gothic“ oder „Goth“ oder „Grufti“ oder „Gote“ oder ganz anders zu heißen hat, was Steampunk mit der Szene zu tun hat, welche Festivals zu kommerziell geworden sind, ob die Szene tot ist oder nicht, rechte Tendenzen in der Szene oder ob die Antifa doch nicht viel schlimmer ist, Karnevalisten, Furries in der Szene, ob ein Goth auch was anderes als nur schwarz tragen kann oder damit automatisch seinen Status verliert und zum Wochenendgrufti wird,... Die Themen, über die man sich in der Szene über die Szene aufregen und streiten kann, scheinen schier unerschöpflich. Aber wenn man das alles schon zum dröfzigstens Mal durchgekaut hat, wird es einfach irgendwann ermüdend. Und dann irgendwann auch nervig. Ich glaube nicht, dass andere Szenen sich so intensiv und immer wieder selbst zerpflücken. Zumindest habe ich noch nie gehört, dass sich jemand darüber gestritten hätte, ob man zu einem House Track Techno sagen darf, wann ein Skater ein Skater ist oder ob man sich als Cosplayer von der politischen Vergangenheit Japans aktiv zu distanzieren hat.*** Ich weiß natürlich nicht, ob das meinem eigenen Horizont geschuldet ist... Aber nerven kann es mich ja trotzdem.



*Das ist KEIN Angriff an alle, die sich die Haare toupieren oder toupiert haben und das schön finden. Ich finde das auch schön. Aber ich finde halt nicht, dass ich weniger dazu gehöre, weil ich es nicht mache.
  
**Auch hier wie gesagt nix gegen Menschen mit etwas mehr auf den Hüften. Und nix gegen Menschen in Lack und Latex. Auch nix gegen Menschen mit mehr auf den Hüften in Lack und Latex. Kann jeder tun und lassen, wie er mag. Aber ich muss es halt trotzdem nicht schön findet und wenn man mich fragt, wie ich es finde, dann sage ich halt "nicht schön".
  
***Und jetzt singt Grönemeier in meinem Kopf "Wann ist ein Hipster ein Hipster"...

Freitag, 16. Dezember 2016

Shanghai Alltag: Ayi

Ja, vieles hier aus China werde ich in Deutschland vermissen. Unsere Ayi gehört da auf jeden Fall dazu.

Die Tante für alles

Ayi bedeutet übersetzt soviel wie „Tante“. Und so eine liebe Tante, die macht nahezu alles. Grundsätzlich ist eine Ayi eine Haushaltshilfe. Das heißt, sie hilft bei allem, was im Haushalt so anfällt. Ayis putzen, spülen, waschen, bügeln, beziehen Betten, kaufen ein, kochen. Es git auch Ayis, die Babysitten oder komplett die Kinderbetreuung übernehmen, inklusive Abholen von Kita oder Schule, Wickeln, Hausaufgabenbetreuung, etc pp. Und unsere Ayi kam zudem beispielsweise während unserer Urlaube alle 2 Tage vorbei, fütterte die Katzen und machte das Katzenklo sauber. Manche Ayis kommen stundenweise, andere sind fest angestellt. Unserer zum Beispiel kommt inzwischen 2 x pro Woche. Einmal für 3 Stunden, einmal für 2 Stunden. In der Zeit spült und putzt sie. Und manchmal spielt sie ein bisschen mit dem kleinen Raben, weil sie ihn mag. Er mag sie auch total gerne und freut sich immer riesig, wenn die Tante kommt. Andere haben ihre Ayi 8 Stunden täglich (oder auch noch mehr) und sie macht den gesamten Haushalt und kümmert sich um die Kinder. Auch die lieben Damen in unserem Büro, die hier sauber machen, das Obst für alle waschen und schnibbeln, die Kaffeemaschine auffüllen, Tassen spülen, die Mülleimer leeren etc sind Ayis.  So ist eine Ayi letztendlich echt eine Tante für alles.

Die Bezahlung

Es gibt wohl Verträge, bei denen das anders läuft. Ich vermute zum Beispiel, dass unsere Büro-Ayis einen Festvertrag haben und ihr Gehalt jeden Monat überwiesen bekommen. Andere Ayis sind bei Agenturen angestellt und werden von dort bezahlt und der Kunde selbst zahlt an die Agentur. Bei uns bekommt die Ayi ihr Geld einfach bar nach jedem Besuch. Ich habe gehört, dass Chinesen meist ca. 25 RMB pro Stunde zahlen. Wir zahlen unserer Ayi 30 RMB pro Stunde. Andere Expats zahlen wohl auch so 35-45, je nachdem was die Ayi macht und ob Sie (wenigstens ein bisschen) Englisch spricht etc.

Die Suche

Wie man eine Ayi findet ist von außen betrachtet viel schwerer, als wenn man schon in China lebt, glaube ich. Hier kennt man dann ja schon den einen oder anderern, der selbst eine Ayi hat und kann mal fragen. Zum einen gibt es, wie erwähnt, Agenturen, die Ayis vermitteln. Dann gibt es Bekannte, die ihre eigene Ayi empfehlen können (was besonders bei den stundenweise kommenden gut klappt – oder bei den fest angestellten, wenn die Bekannten wegziehen und einem dann ihre Ayi „vererben“). Aber es geht auch anders.Wir bekamen zum Beispiel unsere Ayi über den Immobilienmakler vermittelt. Der gab uns nämlich sein Wechat und bekundete, wir könnten ihn jederzeit kontaktieren. Was auch stimmt. Er hat uns nicht nur geholfen, die Ayi zu finden, sondern übersetzt auch immer fleißig zwischen dem Vermieter und uns, um alles zu klären, was so anfällt. Aber trotzdem ist unsere Ayi cooler und wir werden sie mehr vermissen. Ganz besonders der kleine Rabe...

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Sie ist weg

Heute wurde die Seefracht abgeholt. Wir waren nicht optimal vorbereitet. Weil wir beide in den letzten Tagen erkältet waren. Dazu kam ein motzig-forderndes Kleinkind. Aber es hat trotzdem geklappt und so wie es scheint haben wir nichts wichtiges vergessen. Ok, es wurden des Haselchens Ersatzakkus, Ladegerät und Liquids für die E-cigarette eingepackt, die er eigentlich noch hier braucht. Aber Ersatz ist dafür schnell bestellt und das ist kein Beinbruch.


Das Umzugsunternehmen war echt gut. Alles wurde schnell, sicher und professionell mit Karton, Papier und Bubble wrap verpackt. Dazu kam ein ganzer Sack "Silica"-Tütchen gegen Feuchtigkeit, der unseren Hausstand hoffentlich erfolgreich trocken hält. Alle Kisten wurden ordentlich beschriftet, durchnummeriert und mit Barcodes versehen.



Zuerst kamen der englisch sprechende Coordinator und meldete die Truppe an. Ein paar Minuten später brachte er erstmal den chinesischen Vorarbeiter mit und gemeinsam gingen wir unter lauten und freudig "Mann! Mann! Männer! Wiiiiüüüwiiiüüüwiiiiüüü" - Rufen des kleinen Raben durch die ganze Wohnung und erklärten, was eingepackt werden sollte.

Dann ging es los. Während der kleine Rabe jeden einzelnen Möbelpacker fröhlich mit "Mann! Wiiiiüüüwiiiüüüwiiiiüüü" begrüßte¹, baute das Haselchen den Reisebuggy zusammen und ich zog ihm Jacke und Schuhe an. Dann gingen wir spazieren. Beziehungsweise erst einmal den Container, der schon vor dem Haus geparkt wurde, anschauen. Den fand der Rabe super spannend.



Danach spazierten wir. Im Family Mart schnappte sich der Buggy-Passagier einfach eine Flasche Nonfu Spring. Das günstigste stille Wasser. Die wurde seinerseits dann als "Nyamka! Nyamka!" gepriesen und nicht mehr losgelassen. Nun denn.

Außerdem lernte er auf dem Spaziergang das Wort "Baudse" (eine Art gedämpfte, (meist herzhaft) gefüllte Hefe-Klöße). Ich lernte, ihm die Handschuhe richtig anzuziehen. Inklusive Daumen separat.

Währenddessen schrieb das Haselchen, dass alles soweit laufe und er aber vor lauter Nervosität zittere. Ich war ja schon seit Wochen nervös und seit etwa einer Woche durch den Wind, während der noch vor 2 Tagen seelenruhig ein halbes Stündchen nachmittags im Bett entspannen konnte, statt was für die Seefracht vorzubereiten. So hatten wir beide wohl am Ende die gleiche Nervosität, nur halt in verschiedenen "Dichten"...

Dann machten die Umzugsleute Mittag, wir gingen wieder heim, das Haselchen fütterte den Raben, ich verräumte ein bisschen Wäsche. Dann lag ich erstmal fast 1 1/2 Stunden mit dem kleinen Raben im Bett und begleitet ihn beim Mittagsschlaf. Normalerweise schläft er ja locker eine Stunde länger, aber heute war dank anhaltendem Klebebandabrollgeräusch nicht mehr drin. Aber immerhin. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.








Danach war eigentlich gar nicht mehr viel. Aus den dröfzig Kleinigkeiten, die uns noch einfielen, packten die Jungs noch eine "Misc."-Kiste. Der Vorarbeiter trug alle Kisten zum Wiegen in den Hausflur. Ich musste ungefähr 20 Mal irgendwo unterschreiben. Dann war alles plötzlich fertig und die Wohnung leer.




Der kleine Rabe war bei alldem erwartungsgemäß anstrengend. Auf den Arm, doch runter. Zu Papa, doch Mama, da doch runter, nee doch nicht, wieder auf den Arm und den Packern winken, das ist aber auch nach 2 Minuten doof, doch Papa, nein Mama, vielleicht Cartoons, nee langweilig, Sticker sind toll, oh aber da sind Männer, auf den Arm, doch runter, etc pp...



Beendet haben wir nun alles flüsternd, mit dem fiebrigen Gefühl von Erschöpfung (und Kälte draußen) bei Pizza, Pommes und Burger. Das erste Mal so richtig volle Kanne unhealthy shit, seit wir in China leben. Jetzt fix und alle, aber mit Fresskoma. Gute Nacht!

¹er scheint zu glauben, die Mehrzahl von Mann müssen immer Feuerwehrmänner sein...

Montag, 12. Dezember 2016

12 von 12 Dezember 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Zweites Frühstück für die Gewinner im Virenlotto

Während die Herren spazieren fahren, packe ich zwei weitere Vakuumbeutel voll. Wir haben SO. VIEL. KRAM! 

Währenddessen hing ich in der Air China Warteschleife. Endlich geht jemand ran, aber jetzt sind die Preise ganz schön gestiegen und wegen des Katers kann man mir nix genaueres sagen. Tolle Wurst... 

Ich muss beim Mittagsschlaf dabei bleiben. 

Was man halt so macht beim Umziehen: Uralten Kram aus der letzten Schrankecke wiederbeleben und herausfinden, wo die Motten her kamen... 

Sie sehen Bamus (den das 2-Zahn-Kleinkind aß) an Mann und 7 Jahre altem Geburtstagsgeschenk (Gott ist das lang her...) 

Ich fühle mich ein wenig mies, aber der kleine Rabe wird mit Cartoons bespaßt, damit wir weiter packen können. 

Der Rabe "hilft" beim Zusammenlegen der frischen Wäsche 

Die Fledermaus ist in der Nachtsicht sehr creepy 

Wir haben uns zwar für das andere Unternehmen entschieden, aber die Aufkleber nutzen wir. Hoffentlich klappt das so. Die Schubladen sollten ja beide dableiben, nur der Inhalt... Ich hoffe, die Packer verstehen das auch so... 

Das Haselchen hat "nur was schnelles" gekocht: Orientalisches Chilli mit Couscous. Mein erstes Mal Couscous überhaupt, glaub ich. Nicht das letzte! 

Und jetzt halt noch schnell Bilder posten, ne? 

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Kleinkind-Kauderwelsch #1 - 100 Wörter!

Wie bei deinem Monatsupdate angekündigt, schreibe ich hier nochmal deinen aktuellen Wortschatz auf, mein kleiner Rabe. Du verstehst sowieso praktisch alles, was wir sagen. Aber diese Wörter benutzt du auch selbst richtig. Außerdem bildest du daraus Sätze. Da deine Sprache ein wildes Misch-Masch aus Deutsch, Russisch und ein bisschen Englisch ist, fällt es wohl Außenstehenden noch eine Weile schwer, dich richtig zu verstehen. Aber du lernst auch schon langsam, dass Mama und Papa unterschiedliche Sprachen sprechen. Allerdings glaubst du derzeit offenbar, „Deutsch“ heiße „Tante“. Denn immer, wenn ich sagen „Auf Deutsch...“ ruft du strahlend „Tante!“. Das war aber halt auch das erste Wort, das du sowohl auf Russisch, als auch auf Deutsch gesagt hast. Wenn du wissen willst, wie ein Wort in der anderen Sprache heißt (was du fast immer willst), fragte du mich „Papa?“ oder deinen Papa „Mama?“. So haben wir Unterhaltungen wie:

 

Äta?

Das ist ein Knopf.

Äta, Papa?

Ein Knopf. Dein Papa ist kein Knopf...

Papa!

Achsooo! Wie „Knopf“ auf Russisch heißt, weiß ich leider nicht. Warte, ich frage mal kurz den Papa, ok?

 

Ansonsten beschäftigt es dich derzeit offenbar sehr, dass dein heißgeliebter Anker zwei Namen hat. Seit Tagen erklärst du mir nämlich immer wieder „Jaker, äta Anker.“ Überhaupt hat der Anker es dir wohl angetan... Eine Woche lang war deine Erzählung immer „Papa Anker Kamas Brrrrrrum Manner“ – du warst mit papa am Anker und am gleichen tag habt ihr ein großes Feuerwehrauto mit feurrwehmännern gesehen. Eine andere Woche waren wir zusammen dort und haben Fotos gemacht, sodass du fast eine Woche lang erzählt hast „Mama Anker Papa Kamara“. Ansonsten sagst du:

 

Aaaaaah! (perfekt imitiertes Geräusch, das das Haselchen und ich machen, wenn wir etwas gerade verstanden haben)

Ab

Adad (Fahrrad)

Am (Arm)

Ampa (Lampe)

An (adin – eins / meist begeleitet von einem hochgehaltenen finger auf die Frage nach deinem Alter)

An (als anschalten, zum Beispiels für den Fernseher)

Andere (damit meinst du meist die andere Brust, willst also beim Stillen die Seite wechseln)

Anker

Ankh

Antenna

Apka (Schapka - Mütze)

Asser (Wasser)

At (Rad)

Äta – das da

Aus

Auto

Baba – Oma

Babaka (Babashka - Schmetterling)

Babi (balbyez - doofi)

Back - Mülltonne

Backa (sabaka - Hund)

Bagger

Bamm (Baum, Blatt)

Ban (Bein)

Banan/Banana

Bann (Ball)

Bat (Bad)

Bene (Bennel - Bändel in Dialekt)

BH (besonders als Aufforderung zum Stillen)

Brrrrumm (Brummendes Geräusch für alles, was fährt oder fliegt)

Bumm (etwas fällt runter)

Bus (immer auf Englisch ausgesprochen)

Chrck-Kaka (Cracker oder Keks)

Come (Englisch)

Dada (Djadja – Onkel)

Danke

Dat da (das da)

Done (Englisch)

Ecka (lecker)

Ei (im Sinne von „Ei“ machen beim Streicheln)

Eima (Eimer)

en (und – ausschließlich genutzt für „Mama en Papa“)

Ende

Endegga (Entdecker)

Ente

Fersea (Fernseher)

Ga (Gans)

Gas (Gras)

Ham/Yam/Am (essen, beißen)

Hand

Hände (Handy)

Hass (Hurz)

Hecka (Hexe)

Is/Eis (Ris - Reis)

Kaka (für Kacka, Pipi, Pups und das Töpfchen)

Kamas - LKW

Kamera/Kamara

Komm her

Krach

La (Jula – Kreisel, du sagst es aber auch für alles, was sich im Kreis dreht oder was ich auf Deutsch als Kreis benenne)

Ma (Miau / Katze)

Machba (Nachbar)

Mafa/Mofa (Mofa, Motorrad)

Maffa (Muffin)

Maka (Maska – Maske)

Mama

Mamaf (Maulwurf)

Mamaka (Mamaschka - Verniedlichung von Mama auf Russisch)

Mango

Mann

Manner ((Feuerwehr-) Männer)

Masa (mjasa - Fleisch)

Masen (Mädchen)

Mass (Maus, auch für Fledermaus)

Maßa (masla - Öl)

Matt (Samalot - Flugzeug)

Mimimi (Geräusch einer Maus)

Na/Nei (Nein – wenn du etwas tust, was du eigentlich nicht tun sollst und ich gleich Nein sagen werde)

Nacht

Nass

Nisa (Nisya – so viel wie „Lass das“ - wenn du etwas tust, was du eigentlich nicht tun sollst und dein Papa dir gleich „Nisya“ sagen wird)

Nyamka - lecker

Paka - Tschüß

Pampas (Pampers)

Panda

Pansa (Panzer)

Papa

Papaka (Papaschka - Verniedlichung von papa auf Russisch=

Riba - Fisch

Sacke (Jacke)

Tam – dort

Tam ana - Da (ist) sie

Tamata (Tomate)

Tank – Panzer

Tanni (stanis - Hose)

Tante

Tas – Wäschekorb

Tasse

Tota (Tjotja – Tante)

Yakor – Anker

 

Montag, 5. Dezember 2016

Tagebuchbloggen Dezember 2016

Wie an jedem 5. Des Monats fragt Frau Brüllen auch heute wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Hier meine Antwort mit nervender Arbeit, Kakerlaken im Essen und krakem Kleinkind:
 

1:irgendwas und 3:irgendwas Ich glaube, das Abendessen war doch nicht genug. Der kleine Rabe rödelt durchs Bett, ist unruhig und motzig, aber er scheint diesmal keine Schmerzen zu haben. Zumindest weint er nicht und fasst sich auch nicht an den Mund. Dafür will er stillen und scheint mit der dadurch erreichten Sättigung nicht ganz zufrieden. Immerhin: Er schläft wieder ein. Aber ich freue mich schon sehr darauf, wenn er uns sagen kann, worauf er Apetit hat. Derzeit bekommen wir als Antwort immer nur „Njamka!“, also lecker. Was wohl richtig ist, aber halt bei der Suche nach dem, was er jetzt gerade als lecker empfinden würde, nicht besonders hilft. So nennt er nämlich grundsätzlich alles Essen, das ihm gerade schmeckt. Und spätestens, wenn Reis, Brei mit Mango, Nudeln, Milchbrötchen und Banane abgelehnt wurde gehen wir halt erstmal davon aus, dass er einfach satt ist, und mit „njamka“ sowas wie Schokolade oder Kekse herbeiwünscht...

 

6:45 Der Wecker klingelt und holt mich aus einem angenehmen Traum. Ich hatte von einer Betriebsfeier geträumt. Nach irgend einer Teambuilding-Aktivität saß ich gerade an einem langen Tisch, scherzte mit einem spanischen Kollegen, hatte richtig ungesund fettige Pizza und chinesische Suppe vor mir stehen und war gerade kurz davon, einen herzhaften Schluck aus einem großen Glas Bier zu nehmen. Statt Traum-Bier gab es Wecker. Hmpf.

 

6:50 Das Haselchen hatte sich ebenfalls einen Wecker gestellt und kommt jetzt herein, um mich abzulösen. Denn morgens, so haben wir festgestellt, schläft der Rabe alleine höchtens 10 Minuten. Aber seine normale Aufwachzeit ist irgendwo gegen 8:00, also braucht er mehr Schlaf und sollte halt nich schon zwangsweise vor 7 wach sein.

 

6:55 Ich habe meine Klamotten zusammen gesucht und bin im Bad. Ich sollte aufhören, meine Kleidungsstücke in der ganzen Wohnung zu verteilen als sei nachts ein angetrunkenes, frischverliebstes Paar nach Hause gekommen. Andererseits habe ich einfach keinen festen Ort für meine Sachen, der NICHT sofort von den Katzen belagert (und die Sachen damit komplett zugehhart) würde(n). In der neue Wohnung muss ich mir da eine Lösung überlegen.

 

7:20 Der „Jetzt losgehen“ Wecker klingelt, aber ich bin nich einmal angezogen. Hupsi. Zeitmanagement ist nicht meine Stärke... Aber die Wärmelampe auf den Schulter tut einfach soooo gut und ich habe zum Glück noch ein paar Minuten Puffer, denke ich und beeile mich.

 

7:25 Ich werfe ein in Folie gewickeltes Stück „Yummie bun“ in meinen Rucksack und passe die Feinstaubmaske auf meine Nase an. Der AQI ist über 200 und damit „very unhealthy“. Was da draußen aussieht wie dichter Nebel, ist in Wirlichkeit gesundheitsschädlicher Smog. Nur noch 64 Tage, nur noch 64 Tage...

 

7:32 Ich fahre auf meinem Rad aus dem Compound. Für einen Monatg ist der Verkehr erstaunlich gut.

 

8:03 Trotzdem bin ich zu spät. Also schleicht ich schnell zu meinem Schreibtisch, statt freundlich alle zu grüßen – in der Hoffnung, dass meinem Tealeitet nicht auffällt, dass ich 5 Minuten zu spät bin und er die nicht als „lateness“ im System vermerkt.

 

8:08 Mit einem frischen Moccha mache ich mich Yummie-bun futternd ans Werk. Mir fällt ein, dass ja heute der 5. ist und ich schreibe erstmal auf, was ich sonst schon heute gemacht habe.

 

9:30 meine Picklist-Zeit beginnt. Ich tausche mit Kokllegen noch schnell Schichten hin und her und überlege, mir doch noch einen weiteren Tag Urlaub zu nehmen, nachdem die Seefracht weg ist, damit ich auch ein bisschen Zeit mal angenehm verbringen kann und nicht ständig so gestesst bin... Derweil wird mir leicht übel und ich bekomme Kopfschmerzen. Danke, Luftverschmutzung. -_- Noch 64 Tage, noch 64 Tage...

 

9:51 Meine Picklist gibt mir keine neuen items aus und ich bekomme eine Fehlermeldung. Also melde ich den Fehler an unser Support-Team. Ich könnte mich jetzt kurz über die ganzen bugs und Systemfehler in letzter Zeit aufregen. Aber ich habe keinen Bock mehr. Ich bin froh, dass ich bald hier weg bin. Aus der Stadt, aus dem Land sowie aus der Firma. Ja, das Betriebsklima ist toll, aber es ist wirklich in jeder Hinsicht höchste Zeit für Veränderung.

 

9:57 Ich hole mir noch einen Kaffee. Denn auch, wenn meine Picklist nicht funktioniert, lasse ich den Telefoncode mal kurz so stehen. Ich böses Mädchen... Denn wenn mein Telefon auf ready steht darf ich ja meinen Schreibtisch nicht verlassen. Nicht einmal für die 2 oder 3 Minuten, die es dauert, bis ich einen frischen Kaffe haben. Dafür muss ich Personal time nehmen. Genau wie für jeden Gang zur Toilette außerhalb meiner Pausenzeiten. Und personal time haben wir genau 15 Minuten pro Tag. Erwähnte ich schon, dass ich meinen Job nicht mag? Also, die Aufgaben an sich schon, aber dieses Drumherum... Ich verstehe ja, dass das halt dazu gehört, wenn man eine Hotline besetzt. Und wenn es die interen Hife-Hotline ist. Aber dass WFM halt echt jede Pinkelpause bis auf die Minute genaus planen muss, das könnte man auch anders regeln und mit mehr Freiraum für mehr Motivation sorgen... Was aber, andererseits, wohl bei der chinesischen Arebeitsmoral schnell schief gehen würde. Ich sehe hier ja regelmäßig agents an ihrem Platz SCHLAFEN. Während der Arbeitszeit. Anstatt dass sie die Emails bearbeiten, die sie eigentlich in der Zeit machen sollten und von denen mehr als genug da sind...

 

10:23 Meine Picklist funktioniert. Stattdessen fluche ich nur lautstark, sehr genervt und entegen meiner gewöhnlichen Art sogar mit Kraftausdrücken, weil ich die Verfügbarkeiten für eine ferienwohnung, die es nicht mehr gibt, nicht schließen kann. Jedes verfluchte mal bekomme ich die nette, kleine Meldung vom System „An error occured. Please try again“. Aaaaaaaargh

 

10:30 Mitten in meine Schimpftiraden und meine „Ich will alles anzünden“-Gefühl kommt eine Sprachnachricht von zu Hause und mein Herz schmilzt ein bisschen. Das Haselchen hat seit ein paar Tagen versucht, dem kleinen Raben beizubringen, wie wir heißen, und schickt mir jetzt folgende Unterhaltung:

Kak Mama sawut? (Wie heißt Mama?)

Mamina!

Fast, aber ich finde, das kann man so lassen...

 

10:43 Nachdem ich meinen mass issue für heute bearbeitet habe, habe ich jetzt Pause. EIGENTLICH vor 13 Minuten, aber nun denn.

 

10:57 Ich schalte mein Telefon wieder auf ready. Es bleibt erst einmal vergleichsweise ruhig – am Monatg ist die coverage immer besonders gut. Also tippe ich nebenbei an einem anderen Text.

 

12:30 Lunchtime! Ich habe einen Bärenhunger und lade mir den Teller gut voll. Nachdem ich etwa die Hälfte verputzt habe (und noch immer weit entfernt vn satt bin) quietscht die Kollegin, die mir gegenüber sitzt, plötzlich laut auf. Sie ruft etwas auf Chinesisch, eine Kollegin kommt, dann noch eine, die Chefin, die auch in der Nähe saß, kommt ebenfalls, alle schauen auf den Teller und fangen an, Fotos zu machen. Neugirig geworden frage ich nach, was passiert ist. Antwort: Die quietshende Kollegin hat einen Käfer gefunden. Ich schaue und tatsächlich liegt da mitten im essen eine junge, kleine Kakerlake. Brrrrrr. Ich meine ich weiß, die Kakerlaken hier können überall auftauchen. Die fliegen durch die Gegen und schauen überall mal vorbei. Wir hatten gerade gestern Abend eine, die wohl mal wieder über das Balkonfenster ins Schlafzimmer gekommen war. Aber trotzdem: Brrrrr! Ch mache auch ein foto. Dann habe ich aber weiter Hunger und versuche, weiter zu essen. Denn, so sage ich mir, sowas kann immer mal vorkommen. Gerade in Großküchen. Und es war eine einzige und überhaupt... Trotzdem betrachte ich jede Nudel und jedes Blat von alle Seiten, bevr ich es in den Mund stecke. Kaue dann ganz vorsichtig und warte richtig darauf, dass es gleuch unerwartet crunchy wird. So macht das essen keinen Spaß und ich gebe auf.

 

13:10 Ich fahre nach unten, um mir im 7Eleven etwas zu kaufen. Die Kantine ist derweil komplett leer – die Geschichte hat sich sofort rumgesprochen und niemand möchte heute noch was vom Caterer essen. Ich durchsuche das gesamte Angebot im 7Eleven. Aber habt ihr mal versucht, in Chian etwas zu Essen zu kaufen, in dem KEIn fleisch drin ist? Selbst in jedem kleinen SALAT in der Kühltheke liegen mindestens ein paar Scheiben Hähnchen oder Rind. Manchmal haben die hier im 7Eleven richtig leckere Nudeln, die man kalt isst. Mit Rohkost und einer Ernuss-Zu-Soße. Heute leider nicht. Also nehme ich mir Instantnudeln mit. Meh, aber was will man machen?

 

13:30 Theoretisch geht es jetzt weiter mit der Arbeit. Praktisch hole ich mir jetzt erstmal noch einen kaffee.

 

13:35 JETZT geht es weiter. Also auch theoretisch. Praktisch bin ich zwar available, esse aber in Ruhe meine Nudelsuppe. Die chinesischen Kollegen stört es ja nicht einmal, wenn man schmatzend und mit vollem Mund ans Telefon geht.

 

14:07 Das Haselchen meint, der schlafende Rabe zu Hause fühle sich plötzlich ganz heiß an und er befürchte, der Kleine habe Fieber. Mir wird flau im Magen. Klar, ein kleiner Infekt wäre nichts Weltbewegendes, aber schön ist halt trotzdem anders...

 

15:00 Pause.

 

15:33 Das Haselchen berichtet von zu hause: der kleine Rabe ist gerade aufgewacht, aber wirkt ganz schwach und matt. Ich möchte gerne irgendwas zwischen heulen un toben, dass ich noch 1 ½ Stunden hier festsitze...

 

15:39 39.1 Grad. Ok, kein krass hohes Fieber. Also nicht für ein Kleinkind. Aber trotzdem tut mir der Kleine so Leid und ich überlege, ob ich mir einfach morgen urgent leave nehmen soll.2.5 bezahlte Urlaubstage habe ich für dieses Jahr noch...

 

16:00 Während ich mit einem agent spreche, schreibe ich parallel mit dem Haselchen. Der Rabe hat as getrunken und schläft gerade wieder ein. Das klingt gut. Flüssigkeit und Schlaf helfen immer...

 

16:56 Ich schicke mir selbst eine Email mit dem bisherigen WMDEDGT, da ich in 4 Minuten Feierabend habe und das hier bis jetzt am Arbeitslaptop getippt habe, den ich allerdings hier lassen möchte.

 

17:03 Ich stehe im Aufzug nach unten. Ich beeile mich auf dem Weg und trete ordentlich in die Pedale.

 

17:30 Zu Hause angekommen ist alles dunkel und still. Das Haselchen liegt mit dem Raben im dunklen Schlafzimmer. Der kleine Patient freut sich erstmal sehr, mich zu sehen und verlangt dann lautstart nach "Kamas". Er möchte also Cartoons schauen. Ich werte das mal als gutes Zeichen.

 

18:30 Ich habe das Haselchen erstmal abgelöst. Der Rabe hat gestillt und gequatscht, dann geweint und geschrien, war auf dem Töpfchen, wo er sich an meiner Schulter ansehen musste, wir haben nochmal Fieber gemessen (38.9°C, also es geht wirklich) und nun gerade schläft er wieder an der Brust ein.

 

19:00 Der kleine Rabe wacht auf und will Kamas. Er weint. Also schauen wir Mausclips und Leo Junior auf dem Handy. Dabei versuchen das Haselchen und ich, ihm etwas zu essen und zu trinken anzubieten. 3 Schluck Wasser und 2 Löffel Brei später ist dem Raben aber das Sitzen zu anstrengend. Ich lege ihn wieder hin und biete nochmal an, aber er will nichts. So liegen wir dann beisammen, mein Baby als kleines Löffelchen in meinem Arm, und schauen Cartoons. Irgendwann schaut er kaum noch hin. Ich mache das Video aus und erzähle stattdessen die Geschichte, wie der Kater zu uns kam. Er hört eher teilnahmslos zu und stillt zwischendurch ein bisschen.

 

20:40 Plötzlich hat der kleine Rabe gute Laune. Er redet von Ma und Mama und Panda und Kamas und Ma Ei und fragt nach Papa. Er lächelt und lacht sogar ein bisschen. Papa kommt. Dann schwenkt die Laune aber wieder schnell und er wird groggi. Das Haselchen legt sich zu ihm und er pennt wieder weg.

 

20:55 Ich schaufle mir so schnell ich kann eine Portion Nudelauflauf und einen halben Zentner russisches Konfekt rein und trinke ein großes Glas Wasser. Dann putze ich Zähne und rolle meine Haare für die Nacht ein.

 

21:20 Ich lege mich bettfertig zum schlafenden Raben und hoffe auf eine ruhige Nacht und dass es ihm morgen besser geht. Er sucht im Schlaf nach mir und dockt gleich wieder an. Ich bin sehr froh darum, dass wir noch stillen.

 

21:48 Da ich nicht glaube, dass hier heute noch viel passiert, beende ich den Eintrag an dieser Stelle. Gute Nacht!

Sonntag, 4. Dezember 2016

In der Weihnachtsbäckerei

Ich habe Plätzchen gebacken! Ich weiß, für viele ist das ganz normal und die machen das jedes Jahr. Für mich war es eine absolute Premiere. Also, dass ich alleine selbst Plätzchen gebacken und nicht nur meiner Mama beim Backen geholfen habe. Dabei fiel mir auf: Tatsache, seit ich 2007 zu Hause ausgezogen bin, habe ich keine Plätzchen mehr gebacken. Ich hatte trotzdem immer Massen an Weihnachtsplätzchen, weil Mama mich mit ausreichend Care-Paketen versorgt hat. Aber selbst gebacken habe ich nie. Bis eben jetzt.

Ich hatte mir natürlich schlauerweise einen der drei Tage ausgesucht, an denen ich alleine mit dem kleinen Rabe zu Hause war. Und habe natürlich auch vollkommen unterschätzt, wie viel Arbeit so „einfaches“ Buttergebäck macht... Und hatte nicht genug Butter im Haus und konnte auch nicht mal eben welche kaufen gehen, weil der nächste Laden, der VIELLEICHT Butter haben könnte rund 15 Minuten zu Fuß weg ist und die Luft richtig schlecht war und ich bei einem AQI von fast 190 dem Raben keinen 30 minütigen Spaziergang draußen zumuten wollte. Aber trotzdem hat es geklappt. Ich habe bis fast 23:00 Uhr gebacken und der Teig war mit teilweise Kokosöl nicht ganz optimal geschmeidig, aber die Plätzchen schmecken richtig gut. Der Rabe fand sie allerdings als rohen Teig noch besser und fordert bis heute bei dem Wort „backen“ sofort nach „Njamka!“.

Die restliche Butter – und das Kokosöl zum Strecken (70% Kokosöl, 30% Milch habe ich genommen)

Ein Löffel zum Mischen – Rührstäbe oder Knethaken haben wir (noch) nicht. Aber ja auch noch immer hier nur den kleinen Elektroofen. Das kaufen wir dann in Deutschland, wenn wir einen richtigen, großen Umluftherd haben... 

Der kleine Rabe hilft beim Kneten und probiert. Ab da will er gerne die Schüssel leer essen.

Der Teig ist ausgerollt. Der Rabe schaut neugierig, was ich da mache – und ob er nicht doch noch mehr Njamka abbekommen könnte.

Die ersten Plätzchen sind ausgestochen.

Dann mussten wir erstmal pause machen. Es war Zeit für das Abendessen des kleinen Raben. Danach noch waschen, umziehen und schlafen gehen. Als er tief und fest schlief, mache ich dann noch den Rest fertig.

Sogar unseren Silikon-Pinsel habe ich gefunden! *stolz*

Das erste Blech vor dem Backen

Und danach


Und weil ich beim Backen die ganze Zeit daran gedacht habe, wie schön das eigentlich früher war, gemeinsam mit meiner Mama in der Küche zu stehen, Teig zu kneten, auszurollen und auszustechen oder Kringel für die Marmeladenplätzchen zu legen oder das Spritzgebäck durch den Fleischwolf zu drehen etc. planen meine Mama und ich jetzt für nächstes Jahr ein 3-Generationen-Plätzchen-back-Wochenende. Bis dahin kann der kleine Rabe garantiert dann auch schon mithelfen - und darf noch mehr Teig naschen. Hach, ich freue mich jetzt schon! Ich brauche jetzt wohl einen Adventskalender mit 365 Türchen, damit ich bis dahin runterzählen kann... ;-)