Freitag, 2. Dezember 2016

17 Monate kleiner Rabe

Ach mein Kleiner, es ist so unglaublich, wie schnell das letzte Jahr vergangen ist und wie viel sich seitdem getan hat. Vor einem Jahr noch warst du mein kleines Still- und Tragebaby und ich hatte Sorge, wie du es verkraften würdest, wenn ich wieder arbeiten gehe. Heute bist du meine kleine Fressmaschine im nach vorne gerichteten Buggy (weil du alles sehen willst und sonst nur motzt und weil du echt zu schwer geworden bist fürs längere Tragen – höchstens auf dem Rücken ginge es vielleicht mehr als eine halbe Stunde...). Und derzeit habe ich ehrlich gesagt gar keine Sorge. Ich habe ein tiefes Vertrauen in deine eigene Kompetenz gefunden. Ich vertraue dir, dass du weißt, was und wie viel du essen möchtest. Ich vertraue dir, dass du schon noch laufen wirst, wenn du es eben kannst. Ich vertraue dir, dass du deinen Weg finden und gehen wirst. Ich vertraue darauf, dass du es ernst meinst, wenn du weinst und ich nehme dich in den Arm. Und wenn du dann strampelst und lauter brüllst, weil ICH der eigentliche Grund bin, der dich so aufregt, weil ich zu etwas Nein gesagt habe, dann erkläre ich dir noch einmal, warum du zum Beispiel nicht mit dem Messer spiel darfst oder warum du jetzt nicht noch ein Video schauen kannst, dann vetraue ich darauf, dass du mich verstehst. Vielleicht nicht jedes wort, aber meine Intention. Und wenn du dann immer noch frustriert bist, dann vertraue ich darauf, dass du trotzdem damit umgehen kannst. Denn ich liebe dich trotzdem über alles und sage und zeige dir das auch.

 

Gerade Gestern habe ich meinen Hand auf deine Brust gelegt, als du geschlafen hast. Und ich habe dein kleines Herz kräftig schlagen gespürt. Dabei habe ich darüber nachgedacht, was ich mir für deine Zukunft wünschen würde. Und mir wurde bewusst, wie viel Potential du in dir trägst. Du kannst alles schaffen und alles sein, was du willst. Und ich werde dabei immer für dich da sein, dich unterstützen und dich lieben. Du kannst Automechaniker und damit glücklich werden und ich wäre glücklich. Oder du kannst die Welt verändern, Krebs heilen oder eine gerechte Wirtschaftsordnung etablieren – denn du hast das Potential dazu. Und wenn du stattdessen lieber als Straßenmusiker um die Welt reisen willst, dann liebe ich dich genau so, bin stolz auf dich und bin glücklich, wenn du dein Glück findest – und bin immer da, wenn du mich brauchst. Ich würde mich dann nur über regelmäßige Lebenszeichen freuen, damit ich nachts besser schlafen kann...

 

 

Gewicht und Größe

 

11.8 kg

79.5 cm

 

 

Gesundheit

 

Du bist fit wie ein Turnschuh. Selbst deine Nase läuft nur, wenn du gerade dolle geweint hast.

 

 

Zähne

 

Wir warten und warten und warten... Aber du hast noch immer nur die beiden unteren Schneidezähne. Du weinst, fasst dir an den Mund, beißt auf allem herum und deine Felgen sind recht spürbar eine volle Buckepiste, aber durch ist noch immer kein weiterer Zahn gekommen.

 

 

Schlaf

 

Dein Schlaf wird immer besser. Klar ist es tagesformabhängig und wir hatten diesen Monat ein unschönes Intermezzo mit nachts jeweils 2 Stunden wach. Allerdings war das Angst oder Zahnungsschmerz oder beides irgendwie. Ansonsten schläfst du abends meist kurz nach 21:00 Uhr ein und pennst dann bis morgens im Schnitt 8:00 Uhr. Mal 7:30, mal sogar bis 9:00. Tagsüber schläfst du meist 2-2.5 Stunden, irgendwann zwischen 13:00 Uhr und 16:00. Manchmal müssen wir dich um 16:00 Uhr wecken, aber wenn du viel länger schläfst, dann bist du abends vor 22:00 Uhr noch nicht müde und irgendwann wollen halt auch wir mal essen und in Ruhe reden...

 

 

Spiele und Spielsachen

 

Autos, Autos und nochmal Autos. Außerdem Bagger und LKW. Deine Puppe schubst du meistens weg. Auer, du lädst sie zum gemeinsamen Stillen ein. Das ist dann schon echt Zucker, aber eher selten. Auch deine Kuscheltiere sind irgendwie bis auf Ausnahmen nicht so dein Favorit. Du LIEBST deine Fledermaus und schmust sie richtig am Abend. Außerdem hat die Cousine deines Papas dir ein Huhn gestrickt/gehäkelt, das du „Ente“ nennst und mit dem du seit dem ersten Tag, an dem du es bekommen hast, im Arm schläfst. Du magst auch Eimer und alles, was man sich auf den Kopf setzen kann, obwohl du nicht so gerne Mützen trägst.

 

Du spielst gerne mit mir Kuckuck, indem du dir etwas über die Augen ziehst – zum beispiel ein Handtuch oder auch einfach deine Hände. Ich muss dann fragen „Ei, wo ist denn mein Baby? Ich sehe mein Baby ja gar nicht...“ und dann grinst du mich an und erwartest ein überraschtes „Ja da ist er ja wieder!“.

 

Außerdem hast du so deine eigenen Spiele. Wie wenn der Papa bei dir ist, du sitzt auf dem Teppich und spielst und er muss mal aufs Klo. Dann sagt er dir immer, dass du dableiben und warten sollst. Sekunden später rennkrabbelst du unter lautem „rödelrödelrödel“-Rufen du ihm hinterher, lugst kurz ums Eck, lachst dich schlapp und krabbelst zurück zu deinen Spielsachen.

 

 

Medien

 

Ich muss leider zugeben: Du schaust gerne Videos. Der Renner ist bei dir Leo Junior – ein kleiner LKW, der andere Fahrzeuge zusammenbaut. Auch die Sendung mit der Maus hast du schon gesehen und vor allem der Clip mit „Mass nass Adad“, in dem die Maus auf dem Fahrrad nass wird, hat bei dir scheinbar bleibenden Eindruck hinterlassen... ich würde deinen Medienkonsum gerne mehr einschränken, aber du forderst es manchmal halt sehr, sehr deutlich. Und dann irgendwann ist es auch wieder ok und du schaust gar nicht mehr hin. Daher vertraue ich da so ein bisschen auf deine eigene Kompetenz deiner Grenzen. Und biete dir aber natürlich erstmal Gesellschaft, ein anderes Spiel oder eine sonstige Aktivität an, bevor ich das Handy einschalte.

 

 

Angst

 

Bestimmte Dinge machen dir furchtbar Angst. Beispielsweise alle Geräusche aus der Wohnung über uns. Vor allem am Abend. Oder wenn ich genervt „orrrrr“ sage. Dann reist du die Augen auf und klammerst dich ganz nahe an Mama oder Papa. Ist das gerade nicht möglich, krabbelst du so schnell du nur kannst zu Mama oder Papa. Oder weinst, damit sie zu dir kommen.

 

Sehr unangenehm und ein bisschen gruselig war deine Angst in der Nacht diesen Monat. Wie der Versuch ergeben hat, lag es wohl an der Klimaanlage. Offenbar macht dir das Geräusch der Klimaanlage in unserem Schlafzimmer nachts Angst. Denn als diese an war, bist du jede Nacht aufgewacht und warst richtig panisch. Dabei hast du dann immer wieder in die Dunkelheit gezeigt und von „Tante“ oder „Mann“ gesprochen. Außerdem hast du jedes Mal ganz verzweifelt nach deinem Papa geweint. Eine Nacht hast du auf meinem Arm frühs um 3:00 unter Schluchzen „Mama... Papa... Ende!“ geschrien und richtig gezittert. Du hast dich dann erst wieder beruhigt, als du zwischen Mama und Papa lagst, die beide mit dir gesprochen haben. Wir haben jetzt statt der Klimaanlage einen elektrischen Heizkörper bei uns stehen und seitdem ist das mit der nächtlichen Angst viel besser geworden.

 

 

Sprechen

 

Dein Wortschatz ist riesig. Ich muss das die Tage nochmal separat aufschreiben. Jetzt ist es schon zu spät, das alles ein bisschen zu ordnen... Aber du spricht derzeit über den Daumen gepeilt +/- 90 Wörter. Du bildest 3-Wort-Sätze (beispielsweise „Papa Bad nass“ oder „Mama komm her“ oder eben „Mass nass Adad“) und erzählst und manchmal von Dingen, die dich besonders beeindruckt haben. Sei es ein Mausclip oder der Tag mit „Mama Anker, Papa... Kamara!“ an dem wir zusammen Fotos am Anker an der Uferpromenade gemacht haben.

 

 

Fortbewegung

 

Du krabbelst wie eine eins. Du übst das aufstehen ohne unsere Hilfe, indem du aus dem Vierfüßlerstand mit den armen kletterst. Du hast gestern für etwa 10 Sekunden frei gestanden (bis dir bewusst wurde, dass ich dich losgelassen hatte, während du im Spiel vertieft warst – in diesem Moment ließt du dich sofort auf den Po fallen). Du läufst an der Hand. Aber nur an der Hand. An Möbeln entlang geht gar nicht.

 

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das einzige, was dich daran hindert, einfach zu laufen (ja, noch tapsig und unsicher, aber selbst) deine eigne Angst ist. Vielleicht ist es ein bisschen unsere Schuld, als überbehütende Helikoptereltern. Aber vielleicht brauchst du auch einfach etwas länger, bevor du selbst loslassen und wortwörtlich auf eigenen Beinen stehen kannst. Who knows... 

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