Montag, 16. Januar 2017

Shanghai Alltag: Mein Lieblingsessen

Nachdem ich ja schon ein bisschen von den Tischsitten hatte, will ich heute ein bisschen über das plaudern, was ich hier ganz besonders gerne esse. Chinesische Küche ist nämlich weit mehr als Schweinefleisch süß-sauer, Frühlingsröllchen und gebackene Banane (die habe ich hier auch bis aufs japanische Teppanyaki noch nirgendwo bewusst gesehen). Jede Region hat ihre eigene Küche und zu jedem Rezept gibt es eine eigene Geschichte, die erklärt, wer das wann wie und warum erfunden hat.
  
  
Im Restaurant

Wenn wir essen gehen oder Essen bestellen, gibt es ein paar Gerichte, die müssen eigentlich immer sein. Dazu gehören:

Kartoffeln mit Bohnen

So einfach wie lecker und seit ich kein Fleisch mehr esse mein absoluter Favorit. Hier werden 50% grüne Bohnen und 50% Kartoffeln erst blanchiert, dann in Öl gebraten und mit einer braunen Sauce (wohl ein guter Teil Austernsauce) serviert. As simple as yummie can be und ich könnte mich reinlegen.

Eichhörnchenkarpfen

So ziemlich das Gegenteil von simpel ist der Eichhörnchenkarpfen. Der ist eine Spezialität aus der Gegen um Suzhou. Dazu wird ein Fisch, suprise suprise, meist ein Karpfen, so geschnitten und frittiert, dass er wie mitten in der Explosion eingefroren – oder eben wie ein buschiger Eichhörnchenschwanz – aussieht. Das ganze wird dann serviert mit einer süß-sauren Sauce und Pinienkernen. Ob der Fisch eigentlich vorher filetiert wird oder nicht, habe ich noch nicht ganz verstanden. Aber Gräte, die gestört hätten, hatten wir auch so gut wie nie. Also irgendwas machen die damit dann schon...



Kungpao Chicken

Fällt für mich inzwischen ja weg und ein bisschen bedauere ich es darum dann schon. Aber naja. Kung pao Chicken kennt man ja glaube ich im Westen auch. Hier hat sogar Pizza Hut eine „Kung Pao Chicken Pizza“ im Angebot. Leider, leide ohne die Erdnüsse. Und dabei finde ich die doch mit am besten...Ich gebe euch einfach mal den Link zu Wikipedia, da steht auch das Rezept mit bei:https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Pao_chicken

Scharf-Saure-Suppe

Auch sehr bekannt, glaube ich. Jedes Restaurant hat da hier so seine Eigenheiten dazu, manche machen sie besser, andere nicht so dolle. Aber grundsätzlich ist das eine Suppe mit gestocktem Ei und Tofu, Bambus und Pilzen, die oft mit Stärke angedickt wird. Sie ist sauer und scharf. Die Schärfe kommt manchmal von Pfeffer oder weißem Pfeffer und manchmal von Chillies und die Säure von Essig, oft von „Zu“, dem milden und ganz speziellen chinesischen Essig.

Gurkensalat China-Style

Das genaue Rezept kennt das Haselchen. Der macht die nämlich am leckersten überhaupt. Aber grundsätzlich besteht dieser „Salat“ oder halt „cold dish“ aus Salatgurken, die in in grobe Stücke geschnitten und mit der breiten Seite des Beil-Messers leicht platt gedrückt werden. Dann werden sie in einer Marinade mit Honig, Sojasoße, Zu, etwa einer Tonne Knoblauch pro 100 gr Gurke, Gewürzen sowie Erdnüssen eingelegt und damit dann auch serviert.

Spongy Tofu – Fungus – Erdnuss - Salat

Leider weiß ich nicht, wie das richtig heißt. Aber ganz besonders lecker war das von unserem alten Caterer hier im Büro. Spongy tofu ist Tofu, das aussieht wie ein Schwamm und von der Konsistenz an etwas festeres Roggenbrot erinnert. Dieses Tofu wird dabei mit Mu-Err Pilzen und frischen Erdnüssen in einer pikant-sauren Sauce (wohl ein Mix mit Zu, Austersauce, Honig und sonst was) serviert.


Streetfood

Wie auch im Rest Asiens ist auch in Shanghai The place to be für leckeres Essen eigentlich kein fancy Restaurant, sondern eine fettige, ranzige, übervolle Garküche oder Straßenecke. Mit Kind leider nicht mehr ganz so praktisch zu machen – aber dank dem Segen des Internet können wir auch hier die meisten Sachen zu uns nach Hause bestellen. Hier kannst du ja auch von einem mobilen Barbecue dein Essen per Mofaboten nach Hause liefern lassen...

Bautse

Leider letztes Jahr ein wenig in Verruf geraten, weil ein paar findige Leutchen mit Aluminium angereichertes Backpulver verwendet haben, um ihre Bautse besonders fluffig zu machen. Aber Bautse sind Teigtaschen aus fluffigem, weißen Teig, gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder Süßem wie Eierpudding, die in großen Dämpfern im Wasserdampf gegart werden. Sehr simpel, sehr lecker. Meine Lieblingsbautse sind die aus dem Family Mart (hoffentlich ohne Aluminium – die habe ich in der Schwangerschaft täglich gegessen und sie gehörten auch zu den ersten Dingen, die der kleine Rabe selbst gegessen hat). Die mit Gemüse haben auch ein bisschen dried Tofu mit drin und die mit „normalem“ Fleisch (also nicht spicy, kein Hühnchen etc) haben kleine Stückchen Kastanie oder  Nuss mit drin.

Gebratene Nudeln Shanghai-Style

Die aller, aller besten Shanghai Style fried Noodles gab es bei unserer ersten Wohnung hier. Granny noodles nannten wir sie. Denn zubereitet wurden sie an der Straßenecke von der Granny, der auch das kleine Kiosk dort gehörte. Immer nur abends nach Einbruch der Dunkelheit holte sie ihren Campingkocher raus und brutzelte für 5 RMB pro Portion Shanghai style Nudeln mit Pak Choi, Mungbohnenkeimlingen und Ei. Dabei hatte sie ihre Übung so raus, dass sie ohne hinzusehen und während sie sich dabei unterhielt immer genau die richtige Menge Nudeln, Gemüse und Gewürze in den Wok schmiss. Das benutze Öl kippte sie dann immer in den Gulli direkt neben sich.

Mala tang

Mala steht für „numbing spicy“ und bezeichnet eine besondere Geschmacksnote aus der Sichuan-Küche. Durch den Sichuan pepper bekommt man ein leicht taubes Gefühl im Mund, während das ganze auch ordentlich scharf ist. Mala tang nun ist taub-scharfe Suppe. Hier gibt es riesengroße Pötte, in denen Brühe vor sich her köchelt. Jeder Gast sucht sich dann aus Nudeln, Gemüse, Tofu, Fischbällchen, Fleisch, Seetang, Kräutern etc pp das aus, was er oder sie gerne hätte. Das wird dann in kleinen Sieben im großen Topf gekocht und – je nach Wunsch – eben mit Mala Sauce oder ohne, mit Knoblauch, mit leicht scharf, ganz ohne scharf etc serviert.

Noctunal food

*sabber* *sabber* *sabber*

Noctunal food nennen wir das, was die Expats hier sonst als street barbecue bezeichnen. Noctunal, weil die meisten Grillmeister dazu erst nach Einbruch der Dunkelheit raus kommen. Meistens wird hier auf einem Fahradanhänger gerillt. Zubereitet werden über Holzkohle Spieße mit Fleisch, Tofu, Fisch, Gemüse und Meeresfrüchten sowie ganze Muscheln oder Auberginen. Ein paar Sachen sind schon vorher ein bisschen mariniert (beispielsweise die Tofu-Spiralen), aber das meiste wird direkt auf dem Grill mit Öl und Gewürzmischung bestrichen und bestreut. So kann man dann auch Wünsche zur Schärfe äußern (lade i dyendyen = ein kleines bisschen scharf). Mein Favorit hier sind die „spring rolls“ – in dünnes Tofu-Skin werden Salat, Petersilie, anderes Grünzeug oder needle mushrooms gerollt. Außerdem gibt es sehr leckere Saury (Makrelenhechte?).




Teppanyki

Ja, eigentlich gehört das nicht zur chinesischen Küche. Denn die heiße Platte hier ist japanisch. Aber egal. Auf jeden Fall: Teppanyaki ist eine große, heiße Platte. Man sitzt als Gast um diese herum und der Koch kocht die Speisen direkt vor der eigenen Nase. Das Typische hier in Shanghai dabei ist der All-you-can-eat-and-drink part. Für einen festen Preis, meist so um die 30-40 EUR pro Person, kann man so viel bestellen, wie man will. Sushi und Sashimi, Salate und dann eben von der heißen Platte Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch, Gemüse, Reis, Nudeln, Pfannkuchen, Eier mit Kaviar etc etc. Dazu alle Getränke, inklusive frischer Säfte, Tee, Wein, Bier, Sake. Und zum Nachtisch gibt es dann flambierte Banane und Ananas mit Eiscreme und Creme Brulee und dazu vielleicht noch einen süßen Pflaumenwein. Geöffnet sind die meisten Teppanyaki von 17:00 bis 22:00 Uhr. Wir waren meist Punkt 17:00 Uhr da und rollten dann kurz vor 22:00 Uhr pappsatt und mit runden Schuhen wieder raus. Heute etwas kürzer und mit etwas mehr Cola und Saft. Aber trotzdem. *mjam*









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