Mittwoch, 17. Mai 2017

Pink und Blau und überhaupt

Es gibt so Themen, da denkt man eigentlich sein halbes Leben gar nicht drüber nach. Und auf einmal wird es sehr präsent und man entwickelt eine ganz deutliche Meinung zu einem Thema, das einem bis kurz vorher noch ziemlich wurscht gewesen ist. So ging es mir mit der "Einteilung" von Babies oder Kindern in "Team Blau" und "Team Rosa".

 

In der Schwangerschaft war es mir tatsächlich sehr wichtig, das Geschlecht zu erfahren. Hauptsächlich, weil ich einfach sehr neugierig bin. Hätte man mir Augenfarbe, Haarfarbe, spätere Lieblingsfarbe, ob Rechts- oder Linkshänder, Körpergröße als Erwachsener oder Schuhgröße im Alter von 7 Jahren sagen können - ich hätte es ebenfalls wissen wollen. Und außerdem machte das unsere (sehr akribisch recherchierte und langwierige) Namenssuche ein kleines bisschen einfacher (nicht, dass wir nicht auch einen Mädchennamen ausgesucht hätten - aber dann konnten wir uns erstmal auf einen Namen einigen und dann nochmal neu suchen).

 

Nun gehört der kleine Rabe zu den Menschen, die mit ihrem "Pinsel am Popo" (wie mein ca. 2jähriges ich gesagt hätte) Pipi machen. Als uns das nach dem Ultraschall gesagt wurde, waren wir total aufgeregt. Und freuten uns einen Ast. Obwohl wir beide eigentlich eher auf ein Mädchen gehofft hätten (ich war wegen eines Traumes davon ausgegangen, das Haselchen kam eigentlich immer mit Mädels besser klar und hat auch deutlich mehr weibliche denn männliche Freunde). Und dennoch freuten wir uns einen Ast, weil wir ein klitzekleines bisschen mehr über unser Baby wussten. Lediglich die Sache mit dem Pinkeln beim Wickeln machte mir auf einmal große Sorgen, die letztendlich in der Sache berechtigt, aber letzendlich als Sorgen doch unbegründet waren (Will heißen: jupp, er hat sich selbst und mich und alles um uns herum mehr als einmal voll gestrullt, aber das war überhaupt nicht schlimm).

 

Nach dem Artzbesuch gingen wir essen und kauften uns vorher noch schnell in einem Convienience Store was kühles zu trinken (in China nimmer man seine Getränke von draußen problemlos mit rein). Da sahen wir dann an der Kasse "Kinder Joy" in blau und rosa. Und kauften ganz übermütig ein blaues. Ein Foto davon wurde zu unserem "Outing" an Freunde und Familie gesendet.

 

Ein rosafarbenes Ei hätte ich eher nicht genommen. Weil ich rosa nicht leiden kann. Noch nie. Für mich ist rosa so hässlich, wie beige oder ocker oder khaki. Das hat mit Sicherheit auch ganz viel mit den Assoziationen für "typisch Mädchen" zu tun, von denen ich mich immer schon weitmöglichst distanzieren wollte. Ich war eigentlich immer gerne ein Mädchen und ich bin sehr gerne eine Frau. Aber keine Prinzessin, die die Hände in den Schoß legt und brav ist. Ich trug Latzhosen, kletterte auf Bäume und saute mich von oben bis unten mit Schlamm voll. Ich kann Lampen aufhängen, Löcher bohren (wenn es denn sein muss) und Reifen wechseln.

 

Aber ich finde rosa trotzdem auch einfach hässlich.

 

Das ist einer der Gründe, weshalb der kleine Rabe nichts in rosa hat. Und wenn wir eine Tochter bekommen, dann werden wir auch ihr nichts rosafarbenes anziehen. Zumindest nicht, so lange sie nicht selbst danach fragt. Genauso möchte ich das auch beim kleinen Raben handhaben. Er fängt derzeit an, pink zu mögen. Und hat sich zum Geburtstag eine LKW-Party in pink und blau (oder vielleicht schwarz, er war noch nicht sicher) gewünscht. Und bekommt sie.

 

Hätte er gerne eine ocker-Party, dann würde er auch die bekommen.

 

Eine Farbe ist schließlich nur das. Nicht mehr und nicht weniger. Kann ich hässlich finden, aber muss ja der Rest der Welt nicht genauso sehen.

Und für die Assoziationen, die wir damit verbinden, sollte das gleiche gelten. Was ich persönlich so sehe, muss ein anderer Mensch nicht ebenso sehen. Und dass auch eine kleine Prinzessin in pink Reifen wechseln oder ein Bauarbeiten im Blaumann Ponys mögen kann, sollte doch eigentlich klar sein. Eigentlich...

Klar, gefeit bin ich vor den ganzen Klischees bei Weitem auch nicht. Deshalb würde ich auch nie behaupten, dass der kleine Rabe genderneutral aufwächst. Das wäre gelogen. Er trägt hauptsächlich Jungsklamotten (bis auf ein Set mit Leggins in Türkis und T-shirt mit lila, das laut Waschzettel für Mädchen ist - es steht ihm, ist super niedlich und sein Genital ist bis jetzt noch nicht davon abgefallen...). Wir sagen ihm, dass er einen Penis hat und dass er ein Junge ist. Das Gros seiner Spielsachen ist "jungstypisch". Er hat einen Faible für Bagger und Laster und Autos. Er hat ebenfalls einen Puppenwagen, den er absolut liebt. Die Puppe dazu interessiert ihn hingegen nicht. Genauso wenig, übrigens, wie seine Plüschtiere. Da sind keine Räder dran. Ergo recht unspektakulär für ihn. Ist einfach so.

Und klar, sagen wir ihm, dass er später einmal groß und stark wird. So wie sein Papa. Weil das einfach das bessere Beispiel ist, da ich einfach objektiv kleiner bin als das Haselchen und weniger Körperkraft habe. Aber ich käme niemals auf die Idee, ihm zu sagen, dass Jungs nicht weinen. Oder dass Feen (die er auch mag) nicht für Jungs seien. Oder sonst irgend einen Käse.

Aber überhaupt sind wir in unserer Familie ja weder Team Rosa, noch Team Hellblau. Wir sind Team schwarz. Und das steht allen Menschen gleich. ;)

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