Freitag, 20. Oktober 2017

Bulgarien 2017

Anreise
 
Wir hatten das alles ganz toll durchgeplant, ne. Also packen und Wohnung urlaubsfertig machen (ohne, dass man hinterher in Chaos, Schimmel oder Wäschebergen verschollen geht) klappte auch super. Der kleine Rabe machte keinen Mittagsschlaf und war dafür kurz vor 18:00 Uhr im Land der Träume. Allerdings dann auch um kurz vor 20:00 Uhr wieder wach. Und ein wenig durch den Wind, sodass er nur noch bei Mama sein konnte. Ich aß also extra schnell auf und legte mich zu ihm, während das Haselchen die letzten Schritte (Spülen, Müll runter bringen etc) alleine machte.
 
Der Wecker war auf 2:30 Uhr gestellt, aber wir waren schon früher wach und zogen uns leise um. Flüsternd packte ich den Raben in eine Windel, warme Socken und Jacke. Und er schlief und schlief.
 
Plötzlich dann schlug er die Augen auf, strahlte bis über beide Ohren und rief "Wir gehen in den Urlaub!" Ab dem Moment war er voller ungebremster Euphorie. Mental hatten wir uns auf viele Stunden Gemotze und Tränen eingestellt. Bekommen haben wir ein total glückliches Kind, das nur die ganze Zeit zum Wasser wollte.
 
Im Flieger schlief er eine knappe Dreiviertelstunde auf meinem Schoß und war dann wieder ganz aufgeregt. Ich trank übrigens den besten Flugzeug-Kaffee ever. Da kann ich Sun Express wirklich nur für loben! Im Hotelzimmer, das eigentlich echt keine 4 Sterne verdient hätte, aber sauber war, kam er noch immer nicht zur Ruhe. Also gingen wir erstmal zum Mittagessen. Da saß dann unser kleiner Rabe fast 90 Minuten brav am Tisch, ohne Spielsachen oder Videos, und futterte. Und futterte und futterte. Am besten fand er offenbar, dass es Maggie gab. XD
 
Danach war es ein kleiner Marathon, ihn zum Schlafen zu bewegen. Wir waren total durch, aber er wollte am liebsten sofort schwimmen gehen. Irgendwann klappte es dann doch und er schlummerte mit uns zusammen ein.
 
Das Haselchen und ich wachten deutlich vor dem Raben auf. Ich ging einen Kaffee trinken und brachte ein paar Stücke Pizza mit. Der Rabe aß eines, dann hielt ihn aber nichts mehr. Wir machten uns also auf zum Pool. So planschten wir, ich schwomm auch ein bisschen und mir wurde - anhand meiner extrem schnell müden Arme - klar, dass ich auf jeden Fall wieder regelmäßig schwimmen gehen muss. Ich war mal eine so gute Schwimmerin und habe locker 90 Minuten am Stück meine Bahnen gezogen. Und jetzt halte ich kaum 5 Minuten durch?! Das geht so nicht.
 
Absolut genial war der Moment, als der kleine Rabe, den ich gerade in seiner Schwimmhilfe unter den Armen durchs Wasser trug, sagte, er würde jetzt schwimmen. "Kak legushka" - wie der Frosch. Und einen richtigen Brustschwimm-Beinschlag hinlegte, als feile er nur noch an der optimalen Technik. Ich schwöre feierlich - wir haben das vorher nie geübt oder ihm erklärt. Er hat das einfach so von sich aus gemacht.

Nachdem der Rabe langsam blaue Lippen bekam, gingen wir aufs Zimmer und duschten uns warm ab. Ich feixte, dass die mintgrünen Fliesen und dieses angenehme Gefühl einer heißen Dusche nach dem Schwimmen bestimmt des Raben erste Urlaubserinnerung werden würden. Ich bin mal gespannt, ob ich damit Recht behalten werde. Begeistert war er auf jeden Fall.
 
Dann gingen wir zum Abendessen, wo sich der Rabe erst einmal ein volles Glas Saftschorle über kippte und ich nochmal mit ihm zum Umziehen ging, bevor wir wieder ausgiebig aßen. Statt vom Kinderbuffet futterte er natürlich bei uns mit und sogar mein Rosenkohl (den ich übrigens liebe!) schmeckte ihm super. Nach dem Essen gingen wir auf sein Drängeln hin nochmal im Dunkeln ins Kinderbecken, wo er einen aufblasbaren Delfin umher jagte.
 
Nach einer erneuten warmen Dusche und ausgiebigem Kuscheln, Einölen und auf dem Bett herumtoben schlief er dann auch erstaunlich schnell ein, während auch das Haselchen schon sehr bald schnarchte. Mich hielt der Kaffee noch ein wenig auf Trab.









  
Tag 1
 
Der Morgen begann erstmal damit, dass der Rabe wieder nach Hause wollte. Weil wir sein großes Töpfchen nicht dabei hatten. Aber wir konnten ihn mit der Aussicht auf "Planschwasser" doch davon überzeugen, dass es im Urlaub auch schön ist. Nach dem Aufstehen und einem ausgiebigen Frühstück, bei dem der Rabe seine alte Liebe für baked beans wiederentdeckte, gingen wir zum Strand. Der Weg war etwas weiter, als erhofft. Aber nach ein paar hundert Metern auf einem Plankenweg durch die Dünen waren wir da. Es war zwar vergleichsweise viel los, aber man fühlte sich nicht wie die Sardinen in der Dose. Wir hatten nur einen kleinen Rucksack mit Sandspielzeug und Getränken sowie die GoPro dabei. Den legten wir einfach in den Sand. Dank Barfußschuhen bzw Strandschuhen konnten wir alle ohne heiße Füße bequem direkt vom Strand ins Wasser gehen.
 
Und da war der kleine Rabe nun zum ersten Mal in seinem Leben am Meer. Und hatte erstmal Angst davor.
 
Statt ihn weinen zu lassen und darüber zu lachen (wie ich leider bei anderen Familien beobachtet habe), setzte ich mich mit ihm erstmal so weit hinein, dass er zwar je nach Welle Wasser bis zum Bauch bekam, aber auch ganz entspannt im Sand buddeln konnte. Das Haselchen watete derweil ein wenig nach draußen. Irgendwann dann fand der Rabe das Wasser trotz Wellen nicht mehr so angsteinflößend und wollte gerne zum Papa. Also trug ich ihn immer weiter hinein. Der Strand ist aber auch wirklich kindgerecht: Der reine Sand, ohne Kiesel etc fällt ganz langsam und flach ab, sodass man wirklich weit gehen kann, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Zudem war das Wasser richtig kristallklar und offensichtlich auch sauber. Es schwamm kein Müll herum. Dafür jede Menge kleine Fische. Und über den Sand konnte man auch hier und da eine Krabbe rennen sehen.
 
So planschten wir eine Weile und buddelten dann nochmal in der Brandung. Bis wir wirklich überall Sand hatten und eine nervige Wespe das Haselchen nicht in Ruhe lassen wollte. Wir packten alles wieder ein und gingen einfach so, wie wir waren, zurück. Im Hotel angekommen duschten wir uns ab und sprangen nochmal kurz in den Pool, bevor wir uns auf dem Zimmer warm duschten und umzogen und dann zum Mittagessen gingen.
 
Obwohl der kleine Rabe am Tisch fast eingeschlafen wäre, wollte er im Bett lieber toben. Irgendwann dann schlief er endlich ein - mit dem Kopf auf meiner Hand. Ich döste ebenfalls weg.
 
Vielleicht eine Stunde später wachte ich aus wirren Träumen mit Kopf- und Rückenschmerzen und einem eingeschlafenen Arm auf. Ich schaffte es, meine Hand vorsichtig unter dem Raben heraus zu ziehen und ging einen Kaffee trinken. Außerdem holte ich ein Eis und ein Stück Pizza. Zurück auf dem Zimmer weckte ich dann den Raben, der sich gleich mein Eis einverleibte. Kaum war es leer, wollte er wieder schlafen - nicht, weil er noch müde war, sondern weil er davon ausging, dass dann beim aufwachen wieder ein Eis auf ihn warten würde. Der Schelm.
 
Wir gingen nochmal zum Pool, aber weil das Wasser im Schatten lag und doch eher frisch war, blieben wir nicht lange,bevor wir zu einer erneuten Dusche und dem Abendessen aufbrachen. Nachdem wir alle drei gut und reichlich gegessen hatten, ging es auf den Hoteleigenen Spielplatz. Auf dem Weg hatte der Rabe erstmal Angst vor den grünen und roten Punkten, die die Laser der Disko-Beleuchtung auf den Weg warfen, weil er sie für Mücken hielt. Aber auf dem Arm ging es.
 
Der Rabe freute sich einen Ast über die Kleinkind-Schaukel, die seiner Überzeugung nach von den Smeshariki, genauer vom Pinguin Pin, repariert worden war, rutschte einmal und kletterte sogar allein einmal durch das Gerüst. Dann allerdings kletterte hinter ihm ein anderes Kind und er bekam es mit der Angst zu tun. Also buddelte er ein wenig im Sand, während die Animateure auf der Bühne eine abgewandelte Version von Dinner for one aufführten. Beim Buddeln schüttete er sich dann auch gleich mal eine volle Schippe Sand über den Kopf. Danach schaukelte er noch, gab uns dabei immer wieder high five und wollte wegen der Musik gar nicht mehr weg. Ich hätte mir hingegen gerne die Ohren zugehalten. Vor allem bei dem komplett dämlichen Lied zum Club-Tanz, aber nun denn...
 
Irgendwann beschlossen wir, dass es jetzt wirklich Zeit sei und gingen aufs Zimmer, wo der Rabe auch nur noch eine halbe Stunde herumtobte und alles sandig machte, bevor er an meine Schulter gekuschelt einschlief.





Tag 2
 
Der Tag begann für mich viel zu früh, da ich aus einem blöden Traum wütend aufwachte und dann erstmal nicht mehr einschlafen konnte. Und auch, als ich endlich wieder schlief, blieb es nicht lange so und ich schreckte bald wieder aus einem anderen Traum hoch. Aber es war ohnehin langsam Zeit und wir standen auf.
 
Auf dem Nachbarbalkon streiten sich derweil zwei Geschwister und die zugehörigen Eltern waren ordentlich genervt, weil sie wohl schon eine halbe Ewigkeit versuchten, den Nachwuchs endlich soweit zu bekommen, dass man gemeinsam zum Frühstück gehen könnte. Bei uns klappte es glücklicherweise schneller und so hatte ich bald einen Kaffee und die besten Hotel-Pfannkuchen, die ich bis dato gegessen habe, vor mir. Es waren nämlich richtige Blini und keine American pancakes. Letzte finde ich nämlich absolut bäh und ärgere mich immer wieder, dass es in Hotels irgendwie nur diese gibt.
 
Nach dem Frühstück gingen wir zum Pool. Erst fuhr der Rabe im Kinder Planschbecken mit einem aufblasbaren Polizeiauto umher und dann verliebte er sich auch noch in ein Auto aus dem Spielzimmer. Dann übte er im großen Pool nochmal eine Runde schwimmen, bis ihm so kalt war, dass er freiwillig aus dem Wasser ging.
 
Nach dem Mittagessen blieb das Haselchen beim Raben, der mal wieder recht spät schlief. Ich hingegen ging nochmal zum Pool und zog zumindest 20 Minuten meine Bahnen. Außerdem holte ich mir meinen Lieblingcocktail von der Poolbar: Ananassaft mit Grenadine und Sprudelwasser. Und dachte mal wieder, dass all inclusive irgendwie unschwanger noch besser wäre, während ich die eiskalten Biere der anderen Gäste anstarrte.
 
Gerade, als ich auf dem Zimmer eigentlich mit dem Aufschreiben des bisherigen Tages beginnen wollte, nachdem das Haselchen und ich alles für den Strand gepackt hatten, wachte der kleine Rabe ganz unerwartet früh schon wieder auf. Ich holte ihm und mir ein Eis, konnte aber leider mein Versprechen, ihm ein blaues zu bringen, nicht halten, weil es heute keines gab. Er knusperte dann zwar unsere beiden Eiswaffeln weg, aber er fragte trotzdem den ganzen Tag nach blauem Geschmack...
 
Anschließend gingen wir zum Strand. Die Sonne schien von hinten und war nicht mehr gar so heiß. Der Rabe buddelte im Sand und saß dabei in der Brandung. Das Haselchen baute ihm immer neue Burgen zum kaputt hauen und ich sammelte ein paar Muscheln. Irgendwann wurde der Rabe dann etwas mutiger und wollte auf meinem Schoß sitzend weiter in die Wellen hinein. Gerade, als er sagte, dass das Wasser lecker sei und er es essen wolle, klatschte uns eine große Welle entgegen und schlug ihm eine ordentliche Portion Wasser ins Gesicht. Ab dem Moment war er dann auch mit der Rückkehr zum Hotel einverstanden.
 
Dort angekommen wuschen wir uns den omnipräsenten Sand so gut als möglich ab und gingen dann essen.
 
Danach stand wieder Spielplatz auf unserem Programm. Und Fremdschämen. Denn: Es war Karaoke-Abend. Eine Deutsche sang während der Rabe auf der Schaukel und im Sand spielte gleich 4 mal. Aber derart schief und falsch, dass es zum Davonlaufen war. Das Haselchen regte sich auf, als ein kleiner Junge ein russisches Lied über drei Panzerfahrer zum besten gab - das Hintergrundbild des dazugehörigen Videos war auch noch ein Stern mit Hammer und Sichel auf rotem Grund und das Lied feiert den Heldenmut der russischen Soldaten und ihren glorreichen Sieg. Nicht unbedingt passend für ein internationales Publikum im Jahr 2017 und vor allem nicht gesungen von einem Kind...








 
Tag 3
 
Wir schliefen etwas länger und ich futterte beim Frühstück nichts als Pfannkuchen - mit Banane und Nutella, mit Käse, mit Wurst, mit Marmelade und Käse,... Bis ich absolut nicht mehr konnte. Auf dem Weg aus dem Restaurant fanden wir endlich heraus, weshalb der Rabe immer ein Getränk mit blauem Geschmack verlangte: Cola, Limos, Säfte und Wasser holt man sich aus einem Getränkespender - und das Label am Zapfhahn mit dem Wasser ist - taddaaa - blau.
 
Nach dem Frühstück gingen wir Richtung Pool. Dabei blieben wir erstmal eine Weile an der Kleinkind-Schaukel hängen. Der Rabe saß darin und wollte gar nicht mehr heraus. Irgendwann war er dann doch einverstanden, ein wenig ins Wasser zu gehen. Wir gingen erstmal ins Kinderbecken und später dann in den großen Pool, wo wir das aufblasbare Polizeiauto wiederfanden, sodass er damit umher paddeln konnte. Als er langsam blaue Lippen bekam, aber partout im Wasser bleiben wollte und der festen Überzeugung war, ihm sei nicht kalt, mussten wir ihn dann mit Engelszungen überreden, raus zu kommen. Kaum an Land bibberte er dann los und wir zogen ihm sofort die nassen Sachen aus und wickelten ihn in mein Kleid. Das fand er wiederum ganz toll - Mamas Kleid zu tragen. Die Klamotten von Mama und Papa sind halt immer ganz besonders gemütlich... :)
 
Nach dem Mittagessen wollte ich eigentlich gleich schwimmen gehen. Aber der kleine Rabe bat mich derart lieb darum, mit Mama einschlafen zu wollen und schlang im liegen seinen Arm um mich, dass ich einfach nicht nein sagen konnte.
 
Ich döste dann auch ein wenig mit weg, wachte aber zum Glück bald wieder auf und war fit genug, zum Pool zu gehen. Dort zog ich immerhin 25 Minuten lang meine Bahnen.
 
Wieder auf dem Zimmer weckten wir gemeinsam den kleinen Raben und gingen dann zur Teatime. Hier gibt es täglich für eine Stunde Pizza und Eiscreme. Der Rabe und ich aßen zusammen Eis, das Haselchen und ich zusammen Pizza. Dabei überlegten wir, was wir als nächstes machen wollten. Für den Strand war es schon etwas spät (17:00 Uhr durch, bis wir fertig waren) und auch Geld wechseln und mit dem Mini-Zug ins Zentrum fahren klang jetzt nicht so verlockend. Also beschlossen wir, das Spielzimmer zu erkunden und danach vielleicht noch ein bisschen zu planschen.
 
Leider gehörte das Spielzimmer zum Kinderclub, der - wie die sonstige Animation auch - samstags nicht stattfindet. Dementsprechend war das Zimmer verschlossen. Der Rabe war darüber ganz schön enttäuscht, ließ sich aber mit der Schaukel gut ablenken. Und auch ins Wasser gingen wir nochmal. Dabei brauchten wir in etwa gleich viel Zeit, den Raben davon zu überzeugen, dass das Wasser zwar kühl war, aber ihm nichts tun würde, und - nachdem er ordentlich durchgefroren war - dass er wieder rauskommen und essen gehen sollte.
 
Das Abendessen stand ganz unter dem Motto "Bulgarien" und obwohl vor allem das Lamm und die vielen sauer eingelegten Gemüse sehr lecker waren, hatte ich mir irgendwie mehr erhofft.
 
Nach dem Essen gingen wir erneut auf den Spielplatz. Da heute auch kein Programm auf der Bühne stattfinden sollte, war es hier angenehm ruhig und der Rabe konnte einfach eine ganze Weile schaukeln, ausgiebig buddeln und sogar ganz alleine auf dem Kletterhaus herum klettern, ohne Angst vor anderen Kindern zu haben. Nur ins Bett wollte er dann natürlich mal wieder nicht...




 
Tag 4
 
Heute weckten wir den Raben um 8:00 Uhr auf. Nach dem Frühstück konnten wir endlich in den Kinderclub und er war selig, den Eimer mit den Autos und anderem Kleinkram auszuräumen außerdem malte er ein wenig und eine Animateurin schrieb ihm in bunt seinen Namen auf. Nach einer guten Stunde konnten wir ihn überreden, zum Polizeiauto ins Planschwasser zu gehen. Es dauerte wieder etwas, bis er seine Scheu vor dem kühlen Nass verloren hatte. Aber mit dem Laster eines englischen Jungen war es dann um ihn geschehen. Er planschte im Polizeiauto umher und schob den Laster im flachen Bereich auf dem Beckenrand hin und her. Er wollte sogar beim Club-Dance mittanzen und lachte den Animateur, der ihm vorher Angst gemacht hatte, fröhlich an.
 
Nach einem sehr gemüsereichen Mittagessen wollte ich eigentlich wieder schwimmen gehen. Stattdessen schlief ich zusammen mit dem Raben und dem Haselchen ein. Noch mit dem Gedanken im Kopf, wie schön es ist, dass man im Urlaub überhaupt nichts tun MUSS, wenn einem gerade nicht danach ist. So gegen 16:00 Uhr wachte ich auf. Kurz darauf auch das Haselchen. Wir weckten zusammen den kleinen Raben und ich holte uns Eis. Heute gab es blaues Eis, wie es sich der Rabe gewünscht hatte. Und eine Waffel noch extra dazu.
 
Während ich mich um den Raben kümmerte, packte das Haselchen alle Sachen zusammen. Wir zogen unsere Schwimmsachen an, cremten uns ein und gingen Richtung Strand.
 
Leider war das Meer heute gar nicht kindgerecht. Mit hohen Wellen, die viel Seegras anspülten und deren lautes Brechen dem Raben erstmal Angst machten. Also blieb er am Strand direkt neben den Wellenausläufern sitzen. Das Haselchen hingegen stürzte sich mit größter Wonne in die Fluten. Ich blieb beim Raben. Mir war der Seegang auch erstmal nicht ganz geheuer. Ich baute dem Raben Fische aus einem Förmchen, die er dann fein säuberlich mit der Schippe wie mit einem Messer zerschnitt. Das Haselchen kam wieder und baute Burgen und Mauern, die der Rabe wieder einriss. Ich schaute derweil einfach den Wellen zu, lauschte dem Meeresrauschen und ließ meine Gedanken schweifen. Für mich gibt es nichts meditativeres, als das Meer...
 
Das Haselchen ging wieder ins Wasser, um in den Wellen herum zu springen. Zum Glück musste er dafür heute nicht so weit raus, sodass ich mich immer wieder vergewissern konnte, dass es ihm gut ging. Ich weiß, ich bin ein alter Schisser. Aber ich weiß meine Liebsten einfach immer gerne in Sicherheit. Und ich bin um Längen ein besserer Schwimmer, als mein Mann... Der kleine Rabe buddelte derweil fröhlich im Sand und beschäftigte sich dabei fast allein. Eine besonders kräftige Welle spülte Wasser bis zu ihm und er erschrak sich fürchterlich. Danach wollte er immer wieder, dass ich ihm Wasser in seinem Eimer holte. Ich baute derweil einen Kanal und einen kleinen Teich, der von etwas größeren Wellen immer wieder erfolgreich gefüllt wurde.
 
Als das Haselchen irgendwann vollkommen fertig war und zurück kam, ging ich doch noch einmal selbst ins Wasser. Nicht weit hinaus. Nur etwa knietief, wo ich mich dann hinkniete und den Schaum der bereits gebrochenen Wellen um meinen Bauch blubbern ließ. Neben dem Genuss dieses Gefühls an sich auch in der Hoffnung, das Salzwasser möge gegen die dröfzigtausend kleinen, roten, juckenden Pickelchen helfen, die ich seit gestern hatte. Zumindest der Juckreiz ließ auch wirklich nach.
 
Zurück im Hotel mussten wir uns ein wenig sputen, um noch entspannt zu Abend essen zu können. Aber es klappte. Zurück auf dem Zimmer mussten wir über die Rezeption den Hausmeister rufen, weil die Lampe im Bad den Geist aufgegeben hatte. Das Problem war zum Glück schnell behoben. Danach gingen wir mit dem kleinen Raben zur Schaukel neben dem Kinder-Becken und ich schubste ihn - mit einem Drink in der Hand auf einem Gartenstuhl sitzend - an, bis ihm schlecht war. Er hing wie ein Schluck Wasser ganz kraftlos auf meinem Arm und wollte aufs Zimmer. Da gingen wir dann auch hin und er durfte im liegen noch einen Cartoon schauen, bis es ihm wieder so gut ging, dass er im Bett Kopfstand übte und wollte, dass ich ihn aus dieser Position in den Purzelbaum rollte. An dem Punkt machten wir uns dann alle bettfertig und schliefen nacheinander ein.








 
Tag 5
 
Nach dem Frühstück, dass ich wieder ausschließlich mit Pfannkuchen bestritt, gingen wir in den Pool. Es war sehr warm und das Wasser sehr angenehm. Der kleine Rabe stimmte dem erst nach einigem weinen und schreien und auf dem Arm getragen werden zu. Dann allerdings planschte er fröhlich und spielte mit seinem Laster und seiner neuen (geschenkt bekommenen) Gießkanne.
 
Selbstverständlich gab es wieder Tränen, als wir dem bibbernden Kind dann nach etwa 1 1/2 Stunden erklärten, dass er jetzt aus dem Wasser wieder raus müsse. Aber irgendwie klappte es dann doch und wir konnten duschen und zu Mittag essen.
 
Beim Essen wurde deutlich, dass die Saison dem Ende zugeht: Es gab deutlich weniger Auswahl als vorher und das Kinderbuffet wurde nach oben verlegt, wo vorher 3 oder 4 Speisen für die Erwachsenen angeboten worden waren.
 
Den Mittagsschlaf des Raben nutzte ich dann nochmal, um eine halbe Stunde zu schwimmen. Danach packten wir die Strandsachen, weckten den Raben, ich holte ein Eis und wir machten uns auf den Weg zum Strand.
 
Zum großen Bedauern des Haselchens war die See heute deutlich ruhiger. Zu unserem gemeinsamen Bedauern war das dem Raben aber recht egal, da er so oder so nicht ins Wasser wollte. Dafür buddelte er mit größter Hingabe im Sand drauf los und matschte mit Meerwasser, das wir ihm zwischendrin in seinem Eimer brachten.
 
Ich selbst setzte mich eine Weile in die Brandung und ließ die Wellen bis zur Brust über mich hinweg rollen. Dabei lasse ich meine Gedanken treiben, bis sie irgendwann bei Geburt hängen bleiben. Ich muss an Motherbirth denken und wie sie nie von Wehen, sondern immer nur von Wellen schreibt. Diese Vorstellung möchte ich gerne mitnehmen für die Geburt des baby bat. Und auf einmal habe ich den Wunsch, mir als Anker zur Erinnerung ein paar Muscheln mitzunehmen. Ja, das baby bat ist ein kraftvolles Kind und obwohl er er eigentlich ein Erd-Sternzeichen haben wird, hat er etwas feuriges. Aber ich kann nicht aus meiner Haut - ich bin Fisch von Kopf bis Fuß und Wasser ist mein Element. Ich glaube nicht, dass das baby bat im Wasser geboren wird, aber ich werde vielleicht einen Teil des Weges im Wasser gehen.
 
Nach dem Strand verabschieden wir uns vom Meer, gehen uns duschen und essen zu Abend. Anschließend gehen wir wieder zum Spielplatz. Hier überrascht uns der kleine Rabe und macht uns sehr stolz:
 
Unser schüchternes, kleines, ängstliches Kind, das nichts ohne Hilfe machen wollte, wird plötzlich innerhalb nur einer guten Stunde um Längen selbstständiger. Zuerst folgt er nach vielem gutem Zureden zwei älteren Jungs, die mit einem großen Laster spielen. Sobald er bei ihnen sitzt, weiß er zwar nicht so recht, was er nun mit ihnen anfangen soll, ruft wieder nach Mama und bricht in verzweifelt-frustrierte Tränen aus, als sie ihn den Laster nicht einfach nehmen lassen. Aber er war ganz alleine hin gegangen. Anschließend will er auf das Kletterhäusschen und rutschen. Und nach ein paar Probeläufen mit immer weniger Hilfestellung schafft er es in der Tat völlig alleine. Er klettert die Treppe hoch, hält sich selbst am Geländer fest, wenn er unsicher wird, krabbelt er auf allen Vieren nach oben, geht selbst die kleine Stufe wieder hinunter und rutscht ganz alleine. Ohne Hilfe, ohne Mamas Hand, ohne dass wir am Ende der Rutsche stehen und ihm gut zureden müssen. Wie ein richtig großer Junge. Das mag nicht nach viel klingen. Viele Kinder machen das alles noch viel früher. Aber für den kleinen Raben ist das ein riesen Schritt.
 
Weil es der vorletzte Abend ist und wir morgen früh ins Bett müssen, bleiben wir heute länger auf. Wir lassen den Raben so lange klettern und rutschen, bis er irgendwann von sich aus sagt, dass er ein bisschen müde ist und auf Mamas Schoß kuscheln will. Kurz darauf gehen wir wieder aufs Zimmer und schlafen alle drei ziemlich müde, aber sehr glücklich ein.







 
Tag 6
 
Heute war das Wetter zumindest am Morgen eher von der trüben Sorte. Daher gingen wir nach dem Frühstück auf den Spielplatz. Der Rabe freute sich sehr darüber und während wir einfach auf der Bank sitzen und etwas trinken konnten, kletterte er unermüdlich die kleine Treppe hoch und rutschte die kleine Rutsche runter. Nach und nach wurde es doch wärmer und der Rabe wurde in seinem nicht ganz so dünnen Sachen ziemlich rot. Aber er bestand darauf, dass ihm nicht zu warm sei und so ließen wir ihn erstmal weiter toben.
 
Wir aßen zu Mittag und statt Koffer zu packen, schlief ich zusammen mit Rabe und Haselchen ein. Nach dem Mittagsschlaf gingen mit Badesachen unter den Klamotten wir zum Eis essen. Der Rabe hatte dafür aber gar keinen Nerv. Deshalb machten wir uns schon sehr bald auf ins "Zimmer mit den ganz vielen Autos". Der Rabe räumte wieder fleißig die Kiste mit dem Kleinkram aus und kommentierte dabei jedes einzelne Teil. Er war absolut glücklich. Um 17:30 allerdings schloss der Mini - Club. Wir schafften es tatsächlich, den kleinen Raben ganz ohne Tränen von den Autos loszueisen und gingen nochmal in den Pool.
 
Mir war das Wasser etwas zu frisch und ich blieb hauptsächlich am Rand sitzen. Aber das Haselchen und der Rabe hatten nochmal viel Spaß im Wasser mit jeder Menge aufblasbaren Spielsachen. Wem die alle eigentlich gehörten, wissen wir bis heute nicht mit Sicherheit. Teilweise waren sie wohl wirklich vom Hotel für alle Kinder gedacht.
 
Irgendwann hatte der Rabe gehörig blaue Lippen und wir holten ihn - bibbernd betonend, ihm sei überhaupt nicht kalt und er wolle weiter planschen - aus dem Wasser.
 
Nach einer heißen Dusche und dem Abendessen durfte der kleine Rabe eine extra Portion Cartoon gucken, während wir den Koffer packten. Es passte alles hinein und es wäre sogar noch mehr Platz gewesen. Außerdem besorgte das Haselchen ein Souvenir für uns und eines der Autos aus dem hoteleigenen Minimarkt, in die der Rabe sich ganz unsterblich verliebt hatte.
 
Nachdem wir mit allem durch waren, gingen wir in den Garten am Kinderpool. Hier hatte das Haselchen sich mit einem anderen russischen Vater zum Gitarrespielen verabredet. Während die beiden Männer also Musik machten, schaukelte der kleine Rabe ein wenig, lief herum, bestaunte eine Schnecke (erschrak sich aber fast zu Tode, als er sie anfasste und hatte dann ein bisschen Angst vor ihr - von mir hat er das mit Sicherheit nicht!), schaukelte nochmal und protestierte dann heftig, als ich langsam ins Bett gehen wollte. Aber irgendwann war er dann überzeugt. Die Männer blieben noch unten, während ich mit dem kleinen Raben schlafen ging.











 
Abreise
 
Unser Wecker klingelte kurz nach 6. Wir zogen uns schnell an (wobei ich meine Kompressionsstrümpfe weglies - dank meiner Reaktion auf Sonne und Chlor oder so waren meine Beine noch immer mit kleinen Pusteln übersät und juckten wie bekloppt, was mich mit Kompressionsstrümpfen komplett um den Verstand gebracht hätte), warfen die letzten Sachen in den Koffer, packten den noch immer schlafenden Raben zur Sicherheit in eine Windel (das war unser Trick für unterwegs - eine Pampers unter der Unterhose, die wir bei Bedarf einfach ausziehen könnten) und waren fertig. Während ich den Raben auf den Arm nahm, wachte er auf und war ein wenig unzufrieden.
 
An der Rezeption checkten wir aus und bekamen noch ein Frühstückspaket zum mitnehmen. Dann warteten wir vor der Tür auf unseren Transfer. Der kam dann auch pünktlich. Es war wieder ein Minibus mit Gurten, aber ohne Kindersitz. Es schallte sich aber sowieso niemand an. Mir machte das aber ordentlich Bauchschmerzen. Unterwegs meckerte der Rabe erst ein bisschen und schlief dann in meinem Arm ein.
 
Wir waren viel zu früh am Flughafen und mussten noch auf den Check-in warten. Der Rabe war beim Aussteigen aufgewacht und schlief nun langsam wieder ein, während ich ihn im Kinderwagen umher schob. Aber die Warteschlange für den Check-in und das restliche Prozedere weckten ihn dann doch richtig auf. Seine Laune war schonmal besser, aber es war in Ordnung. Wir gingen alle ne Runde pullern, ich befreite den Raben von der trockenen, aber unbequemen Windel und dann ging es durch die Sicherheitskontrolle. Hier regten wir uns noch ein bisschen über zwei russische Mütter auf, die richtig dumm-dreist versuchten, sich vorzudrängeln (indem sie einfach ihren Kram vor unserem aufs Band legen wollten), aber auf Russisch von der Mitarbeiterin des Flughafens offenbar ordentlich zurecht gewiesen wurden. Ich hätte auch gerne was gesagt, aber zum höflich schimpfen fehlt mir das Vokabular...
 
Dann hatten wir noch massig Zeit und erkundeten den Frischluft-Spielplatz direkt am Gate. Auch nicht schlecht...
 
Im Flieger schlief der kleine Rabe dann nochmal ein und zurück in Leipzig waren wir ganz dezent gestresst wegen der Züge, bis ein Bahnmitarbeiter uns erklärte, dass wohl heute nix zum Hauptbahnhof fahren könnte und wir stattdessen nur bis Messe kämen. Von da ging dann aber eine Straßenbahn ohne Umsteigen nach Hause.
 
Es war ein schöner Urlaub.



Kommentare:

  1. "Höflich schimpfen" ist schön gesagt.

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    1. Es gibt halt ja diesen deutlichen Unterschied zwischen "Entschuldigung, aber was fällt Ihnen ein?!" und "Suka bljad idi Na hui!"... (letzteres übersetze ich jetzt nicht ^^)

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