Sonntag, 27. August 2017

Wann wird es anstrengend?

Es gibt eine Frage, die ich mir seit kurz nach der Geburt des kleinen Raben immer mal wieder gestellt habe: Wann wird so ein Kind eigentlich so richtig anstrengend?

Das Babyjahr sei der Horror, der aber nur von den Trotzanfällen während der terrible two getoppt würde. So heißt es hier und da. Kann ich jedoch bis jetzt so irgendwie nicht bestätigen...

Klar, die ersten Wochen bekamen wir ziemlich wenig Schlaf. Und der kleine Rabe weinte wegen seiner Bauchschmerzen öfter mal. Er stillte auch deutlich mehr, als ich erwartet hatte. Aber das war alles machbar. Schließlich waren wir beide zu Hause. Und wir waren derart überglücklich, unser Baby bei uns zu haben. Es war also nicht alles easy peasy, aber es war toll. Und mit jedem Tag wurde es ein bisschen einfacher. Wir gewöhnten uns an unsere Rollen als Eltern und die neuen Aufgaben.

Dann musste ich wieder arbeiten gehen. Das strengte mich so richtig an. Volle 8h Tage in rotierenden Schichten von jetzt auf gleich mit einem noch praktisch voll gestillten Baby zu Hause. Und ich vermisste ihn in jeder Sekunde, in jeder Minute. Aber anstrengend war hier nicht das Kind, sondern die Arbeit.

Und schwups war das "anstrengende" Babyjahr auch schon rum. Und unser Kind war niemals wirklich anstrengend.

Aus dem Baby wurde langsam, aber unaufhaltsam ein Kleinkind. Das als solches auch einen eigenen Willen und eigene Wünsche hat. Die wir nicht immer erfüllen können. Sicherlich führt das ab und zu zu ein wenig Frustration auf allen Seiten und es kann auch ein wenig stressig sein. Aber trotz seiner 2 Jahre hört der kleine Rabe bei Erklärungen zu und wenn wir ihm ein "Nein" logisch begründen können (und ohne logische Begründung sagen wir eben nicht Nein), akzeptiert er es meist dann auch. Irgendwann zumindest. Mal schneller, mal langsamer natürlich. Aber letztendlich ist es in der Kommunikation mit Erwachsenen ja auch nicht anders.* Aber so einen richtig klischeehaften Trotzanfall mit Schreien, Toben und auf den Supermarkt-Boden schmeißen hatten wir noch nie. Kann ich mir auch beim kleinen Raben echt nicht vorstellen.

Und so stecken wir jetzt eigentlich ja mitten in diesen "Terrible two". Und ich finde mein Kind keinen Meter anstrengend.

Ich würde ihn um nichts in der Welt jemals hergeben wollen und ich genieße jeden Tag, den wir zusammen verbringen. Klar, es gibt mal so Momente, in denen ich die Augen rolle und genervt bin. Aber das habe ich mit jedem anderen Menschen genauso. Für den bin ich dann vielleicht nicht verantwortlich und kann einfach so weggehen. Aber so richtig die feine Englische ist das ja dann auch nicht, ne? Also bei einem Chef, Kunden oder auch meinem Partner würde ich das jetzt nicht unbedingt machen. Und dem Kind kann ich dann auch einfach mal ein Video einschalten oder ihn in den Kinderwagen setzen und rumfahren, damit ich den Kopf frei bekomme.

Vielleicht kommt die richtig anstrengende Zeit ja noch. Spätestens die Pubertät ist ja für alle Anwesenden kein Zuckerschlecken mehr... Und vielleicht haben wir mit dem Charakter unseres kleinen Raben auch echt richtig Glück und beim baby bat wird das alles anders.

Ich weiß es nicht.

Aber ich habe beschlossen, nicht mehr darüber zu grübeln, wann es wohl so richtig anstrengend wird, sondern stattdessen zu genießen wie es ist. Ändern kann ich es ja so oder so nicht. ;)

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*Ihr könnt euch ja nicht vorstellen, wie oft man im Kundenservice ein trotziges "Das akzeptiere ich nicht!" / "Ich will aber!" zu hören bekommt, wenn man Kunden mit Grenzen des Möglichen konfrontiert. Also mit Dingen, die wirklich nicht von den involvierten Akteuren geändert werden können. Wie Gesetze, an die man sich halten muss. Flüge, die gestrichen wurden. Hotels, die von den Behörden geschlossen wurden oder wegen Wasserrohrbrüchen und dergleichen kurzfristig unbewohnbar sind. Naturkatastrophen oder Wetter. Und wie oft dieses "Das akzeptiere ich nicht!" / "Ich will aber!" dann noch wiederholt wird. Trotz ruhiger und sachlicher Erklärung von verschiedenen Personen...

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