Mittwoch, 15. November 2017

Shanghai Alltag: Drink hot water und ähnliche Tipps

Auch, wenn unser Leben sich nicht mehr in Shanghai abspielt, gibt es doch noch immer so ein paar Stories und Dinge, die ich nicht unaufgeschrieben lassen möchte. Daher hier nun eine kleine Sammlung kurios anmutendender, aber durchaus nett gemeinter Tipps und Tricks, die uns in China geraten wurden:

Warmes Wasser trinken

Warmes oder auch heißes Wasser ist in China eine Art Wundermittel für einfach alles. Egal, ob Erkältung, Kopfweh, Rückenschmerzen, Schwangerschaftswehwehchen, Husten, Magenprobleme oder sonstwas. Jeder rät eigentlich immer dazu, man sollte möglichst viel heißes Wasser trinken.

Zitronenwasser

Zum Schutz vor bzw als Behandlung bei Erkältungen und als Frau überhaupt immer zum Abnehmen oder Figur halten wird Wasser mit Zitrone getrunken. Das wäre ja an sich gar nicht ganz so abwegig. Wenn ich nicht live dabei gewesen wäre, wie sich eine Kollegin in Ermangelung frischer Zitronen ein Bonbon mit Zitrusgeschmack in heißem Wasser aufgelöst hat, weil sie erkältet war.

Bloß keinen Kaffee

Sehr interessant für mich als Deutsche, die ich an einen eher hohen Kaffeekonsum meiner Umwelt gewöhnt bin, war für mich die Beobachtung zum Thema Kaffee. Niemals hat auch nur ein Kollege in Shanghai (also von den Chinesen natürlich) je morgens gesagt "Puh, ich brauche erstmal nen Kaffee!". Unzählige Male wurde mir beim zweiten Kaffee des Tages geraten, nicht so viel Kaffee zu trinken. Das sei total ungesund. Auf Erklärungen, dass es in Deutschland völlig normal sei, dass man an manchen Tagen zumindest auch gerne mal 3 oder 4 Tassen Kaffee trinken kann, wurde richtig schockiert reagiert. In der Schwangerschaft verzichtet ich dann - auch auf Anraten meiner OB Gyn komplett auf Kaffee. Und als ich wieder arbeiten ging und Kaffee im Büro trank, waren sich alle sicher, dass ich nicht mehr stillen würde. Denn Stillen und Kaffee ginge überhaupt nicht, das sei ganz schlecht für das Baby.

Tee

Statt Kaffee solle ich doch besser grünen Tee trinken. Der sei total gesund. Davon könne man immer zu jeder Tageszeit so viel trinken, wie man wollte. Mein Einwand, dass Teein und Koffein ja doch letztendlich das gleiche seien, wurde skeptisch angehört und beflissentlich ignoriert oder vielleicht auch als Quatsch abgetan. Und dass ich von vielen Tees Herzrasen bekomme, konnte sich auch absolut niemand vorstellen.

Strahlenschutz

Ein weiterer Punkt, der besonders in der Schwangerschaft scheinbar ganz wichtig wurde: Schutz vor gefährlicher Strahlung. Obwohl sie im Büro von verschiedenen Kolleginnen getragen wurden, hat mir direkt niemand zu einer Schwangerschafts-Strahlenschutzschürze geraten. Wohl jedoch zu Aufklebern für das Handy, die die schlechte elektromagnetische Strahlung neutralisieren sollen. Außerdem sei es vollkommen unverantwortlich, in der Schwangerschaft direkt neben der Mikrowelle stehen zu bleiben. Das sei total gefährlich wegen der Mikrowellenstrahlen und ich müsse einen großen Abstand einhalten, um mein Baby nicht zu gefährden.

Nur nichts zu kaltes!

Kaltes wie Getränke mit Eiswürfeln oder auch Eiscreme sind nach chinesischer Auffassung schlecht für die Gebärmutter. Warum, weiß keiner, aber isso. Deshalb verzichteten die meisten Chinesinnen während ihrer Menstruation auf alles Kalte. Und mir wurde in der Schwangerschaft immer wieder gesagt, eine Limo aus dem Kühlschrank sei aber doch viel zu kalt und jetzt gar nicht gut für mich. Und auch meine Entscheidung, Eiscreme zu essen (im Hochsommer, mind you) wurde immer mal wieder kritisch beäugt.

Ionen an die Macht

Viele Chinesen lieben Ionen. Daher kann man überall Geräte kaufen, die die Luft ionisieren sollen. Die gibt es in groß zum aufstellen und in klein zum Beispiel mit USB-Anschluss für den Schreibtisch. Durch die Ionisierung der Luft wird angeblich die Luftverschmutzung unschädlich gemacht und die Luft soll nach Aussage mancher sogar mehr Sauerstoff enthalten. Während ich also im Büro regelmäßig umher ging, um bei miserablen Smog-Werten und laufenden Luftfiltern und Klimaanlage die Fenster zu schließen, drängten andere Kollegen darauf, ich solle mir besser einen Ionisator mit USB-Anschluss holen. Das wäre doch viel effektiver.

Kälte gegen Bakterien

Eine andere Anekdote zum Thema offene Fenster: Im Winter müsse man lediglich immer die Fenster offen stehen lassen. Bakterien, zum Beispiel auf der Toilette, würden dadurch abgetötet. Desinfektion mit 3°C.

Wäsche raus hängen

Und noch was zum Desinfizieren: Klar, UV-Strahlung hat eine desinfizierende Wirkung. In China geht man dafür aber auch gerne mal soweit, seine frische Wäsche bei übelstem Smog an der Hauptstraße auf rostigen Zäunen aufzuhängen. Hauptsache draußen. Dann wird die Wäsche nämlich keimfrei. Ich denke mir das wirklich nicht aus. In unserem compound hingegen regelmäßig die Zäune voll und die halb wilden Compound-Katzen streunerten zwischen frisch gewaschenen Bettlaken und Kinderklamotten umher. Alles im Namen der Hygiene...

Kommentare:

  1. Sehr spannend! Wie seid ihr ursprünglich eigentlich auf Shanghai gekommen? Ich hab mal im Blog ein wenig zurück gelesen (beim Stillen hat man Zeit) aber den Punkt vielleicht überlesen?

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    1. Ich glaube, dazu habe ich echt noch nie geschrieben. :) Also Kurzfassung: Es war die Idee meines Mannes und geplant war es für maximal 1-2 Jahre, direkt nach dem Studium.

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  2. Also, ich kriege ja von grünem Tee Herzrasen und Schwindelanfälle, was mir kein Mensch glauben will. Kaffee hingegen macht mir gar nichts.

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    1. Ja, so geht es mir auch oft. Das, was man hier in Deutschland so als grünen Tee bekommt kann ich komplett vergessen (wobei das auch wirklich geschmacklich kein großer Verlust ist). Der einzige grüne Tee, den ich problemlos trinken kann, ist Ginseng Oolong.

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