Freitag, 23. Februar 2018

Die Mär von der schlechten chinesischen Qualität

Es gibt so Klischees, die regen mich mehr auf, als andere. Dazu zählt eindeutig die Vorstellung, dass einfach alles, was aus China kommt, qualitativ minderwertig und kopiert ist. Dazu möchte ich mal ein paar Zeilen verlieren.

Ja, es gibt viele Plagiate und viel Schrott "made in China". Aber dass es von dort nichts anderes gibt, stimmt einfach nicht mehr.

Vor 10 bis 15 Jahren mag dem so gewesen sein. Aber wenn Chinesen eines gut können, dann ist es Geld verdienen. Und dass sich mit billigen Kopien auf Dauer nicht so viel Geld verdienen lassen wird, haben viele dann doch kapiert.

Aus China kommen viele verdammt gute High-Tech Geräte. Ich denke dabei zum Beispiel an Handys. Aber nicht nur die, die in den USA entworfen und dann in China produziert werden, sondern auch die, die in China selbst entwickelt wurden. Auch moderne Solaranlagen, LEDs und ähnliches gibt es in höchster Qualität "made in China". Gleiches gilt für Kleidung. Punkrave zum Beispiel wird von Chinesen in China entworfen und hergestellt - und macht gute Gothic-Mode. Wir haben aus China auch richtig gute Schuhe und Klamotten mitgebracht (zum Beispiel Stiefel und eine Lederjacke). Und die chinesischen Bullettrains zum Beispiel sind absolut top notch.

Der Haken an der ganzen Sache ist jedoch: Die Qualität gibt es nicht für nen Appel und n Ei. Gute Fachkräfte arbeiten auch in China schon lange nicht mehr für eine Schale Reis am Tag. Wer deshalb innovative und / oder qualitativ hochwertige Produkte aus China haben will, muss etwas mehr bezahlen. Meist zwar noch immer weniger, als in Europa, aber nicht mehr so deutlich viel weniger.

Das wollen nun nicht alle. Und auch das wissen die Chinesen.

Das Haselchen stand einmal für einen Klienten in Kontakt mit einer Schuhfabrik und verhandelte über einen Container voller Herrenschuhe. Und die Firma bot nun für die gleichen Modelle drei unterschiedliche Preise an:

Super billig für die Qualität, die einem nach einer Tragesaison zerbröselt

Mittel für eine okaye Qualität

Teuer (zumindest relativ) für die Spitzenqualität, bei der man dann auch "made in Italy" draufschreiben könnte, ohne dass die Kunden den Unterschied merken würden

Und genau das ist der Grund, weshalb es hier halt noch immer so oft Ramsch aus China zu kaufen gibt: Weil da jemand im Einkauf die Variante "super billig" ausgesucht hat.

Und auch aus China bekommt man einfach das, wofür man zahlt.

Das bedeutet nicht, dass Chinesen nur schlechte Qualität liefern können. Es bedeutet nur, dass sie einem die Wahl lassen, ob einem der Preis oder die Wertigkeit einer Sache wichtiger sind.

Wenn ihr also das nächste Mal irgendwo "Made in China" lest und reflexartig denkt "Naja, das kann ja nix gutes sein...", dann überlegt es euch vielleicht doch zweimal.

Kommentare:

  1. Du hast absolut recht.
    Hier ist so vieles Made in China. Aber das gute Zeug hat auch entsprechend gekostet. Ich glaube das ist vielen nicht bewusst, was alles wirklich aus China kommt.
    Ich hab neulich Wish kritisiert. Da ist auch nicht alles schlecht, aber viele finden die App toll weil da vieles total günstig ist. Ja das ist aber wie ich es nenne, Chinaschrott. Da darf man sich nicht wundern und dann meckern dass es miese Qualität ist. Was erwartet man denn für ein paar cent oder 2-3 Euro wenn es sonst das Fünf- bis Zehnfache kostet? Das hat schon seinen Grund.

    Dass die App Daten sammelt wie nichts gutes, ist dann nochnmal ein Thema für sich.

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  2. Vielen Dank für diese Hintergrundinfos! Da bekommt man gleich eine andere Sichtweise.

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