Freitag, 9. Februar 2018

Erziehung auf Chinesisch: Kinderwagen / Kinder tragen

Mit dem kleinen Raben haben wir zwar grundsätzlich fast nichts im "Chinese way" gemacht, aber trotzdem haben wir ja mitbekommen, wie das mit den Kindern in Shanghai so tendenziell gehandhabt wird.

Ein Punkt, der uns (mal wieder) zu den absoluten Exoten machte, war unsere Art, das Baby zu transportieren.

Nämlich hauptsächlich in der Manduca und bis er selbstständig sitzen konnte liegend im Kinderwagen. Danach sitzend mit Blick zu uns.

Klingt für deutsche Verhältnisse nicht besonders spannend. War in Shanghai allerdings ungewöhnlich genug, um beispielsweise Fotos zu machen, wie ich das Kind in der Trage spazieren trug...
 
 
Auf Händen getragen
 
Der absolute Standard in China ist es, Kinder auf dem Arm zu tragen. Ohne Kinderwagen, ohne Tragehilfe. Einfach auf dem Arm. Da einem so die Arme irgendwann einschlafen, werden die Babys teilweise in den verqueersten Positionen herumgetragen. Also so richtig krumm und schief und schepp. So, dass das weder für das Baby, noch für die Träger auf Dauer bequem oder gesund sein kann. Und wo immer möglich werden sie abgelegt. Auf Sitzen im Bus oder der Metro oder auf dem Tisch in der Bibliothek, damit Mama sich ein Buch suchen kann (davon postete eine ehemalige Kollegin neulich Bilder). Runterfallen? Ach, wird schon nicht passieren.
 
 
Tragehilfen aus der Hölle
 
Nun gibt es auch in China Tragehilfen. Wir haben uns zum Beispiel hier ein Moby Wrap gekauft (das der kleine Rabe gehasst hat) und auch unsere Manduca haben wir auf Taobao bestellt. Einmal fragte mich damit sogar jemand um Rat, weil seine Schwiegertochter einen Ergobaby Carrier hatte und er von mir wissen wollte, wann man denn da den Neugeboreneneinsatz rausnehmen könnte. Das war aber auch schon das erste und einzige Mal, dass ich mitbekommen habe, dass Chinesen ergonomisch sinnvolle Tragehilfen nutzen.

Ansonsten sieht man hier vor allem so Styropor-Keile, die man sich umschnallt, um das Kind darauf zu setzten oder zu legen. Praktisch und bequem stelle ich mir Tragen irgendwie anders vor. Und Anhock-Spreizhaltung wird damit auch irgendwie schwer. Und weil die meisten Kinder jetzt nicht soooo gerne einen halben Spagat machen, trägt man sie halt nach vorne. Für ältere Kinder mag so ein Keil ganz praktisch sein, aber in China werden da eben auch Mini Babies drauf getragen.

Ebenfalls öfter mal gesehen habe ich Tragehilfen, die besonders ergonomisch sein sollten, es aber für Babys definitiv eigentlich nicht sind. So mit einem geraden Rücken, beispielsweise. Ein Teil wird auch ausdrücklich damit beworben, dass der Streg nur 7.5 cm breit ist. Das sei wichtig, weil das Kind sonst O-Beine bekommt. Nee, ist klar...

 

Kinderwagen

Neben dem Tragen ohne Hilfe werden gefühlt die meisten Babys in Shanghai schon im Kinderwagen umher gefahren. Das sind dann aber meist keine chicen (und teuren) Kombikinderwagen mit verstellbarer Fahrtrichtung, Federung, Babyschale und so. Stattdessen sieht man viel häufiger simple Buggys.

Grundsätzlich schaut das Kind dabei eigentlich immer nach vorne. Soweit, so ungünstig für die Kleinsten. Richtig spannend allerdings wird es mit der Haltung. Denn meist habe ich die Kinder sitzen sehen. Auch die, die ziemlich eindeutig erkennbar selbst noch lange nicht sitzen konnten.

Dazu kommt dann, dass viele der Buggys nur harte, dünne Plastikreifen und keine bzw. so gut wie keine Federung haben... Nicht gut.

Den Vogel abgeschossen haben für mich jedoch Nachbarn aus unserem Compound. Die fuhren ihr Kind immer in etwas spazieren, dass aussah wie ein Spielzeug. Ein Teil aus buntem, billigem Plastik in Form irgendeines Tieres. Mit winzigen Plastikrädern daran. Also es sah wirklich so aus, als sei das eigentlich dafür gedacht, dass ein älteres Kind darin sein Plüschtier oder seine Puppe umher fahren könnte. Stattdessen setzten diese Nachbarn da ihr Baby hinein. Das hing dann wie ein Schluck Wasser in der Kurve in dem Ding und wurde ordentlich durchgerüttelt.

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