Donnerstag, 1. Februar 2018

Für ein entspannteres Elternsein

Perfektion ist ein ganz schön hohes Ziel.

Ganz besonders unerreichbar wird sie spätestens dann, wenn man ein Kind bekommen hat. Schließlich können es Eltern ja eigentlich nur falsch machen.

Da werden Kinder verwöhnt und gefährdet oder nicht richtig geliebt und die Bindung gestört. Da wird zu oft gestillt, zu öffentlich oder nicht offen genug. Oder es wird gar mit der Flasche gefüttert. Da übernimmt ein Elternteil zu wenige Aufgaben, oder die falschen oder zu viele. Beikost startet man viel zu spät. Oder zu früh. Und überhaupt wäre BLW besser. Oder Brei. Aber bitte immer frisch selbst gekocht! Und so geht es immer weiter. Da ist man nicht bedürfnisorientiert genug. Oder greift nicht genug durch und lässt sich auf der Nase herum tanzen. Da bekommt das Kind das falsche Essen, zu viel oder zu wenig. Und wie kann man nur so viel arbeiten und das Kind immer abschieben. Oder so wenig und nicht an die Rente denken.

Kurzum: Wenn man "die anderen" fragt, macht man dieses Eltern-Dings garantiert falsch.

Daher bin ich sehr froh, dass mir "die anderen" als anonyme Masse ziemlich egal sind. Inzwischen zumindest.

Beim Raben war ich da ganz oft doch noch ungewollt verunsichert. Wenn er zum Beispiel irgendwo in der Öffentlichkeit angefangen hat, zu schreien. Dann wollte ich ihn unbedingt so schnell als möglich zur Ruhe bringen. Um die anderen Menschen nicht zu belästigen und weil ich als gute Mutter doch wissen muss, wie ich mein Kind beruhigen kann. Sonst halten mich alle für unfähig...

Als der Morgenstern gestern in der Straßenbahn gebrüllt hat, habe ich natürlich auch versucht, ihn zu beruhigen. Schließlich soll mein Baby nicht weinen müssen.

Aber die Leute um uns herum waren mir egal. Sogar die alte Dame, die leicht genervt mit der Zunge schnalzte. Mir wurde nicht heiß vor Aufregung und ich fing nicht an, nervös am Kind zu zupfen oder sonstwas, um für Ruhe zu sorgen.

Aber genau so entspannt sollten wir eigentlich auch mit uns selbst und unseren eigenen Ansprüchen sein.

Ich wäre gerne eine perfekte Mutter für meine Kinder. Mit viel Geduld und Respekt und Liebe und Kreativität. Eine, die jedes "Fehlverhalten" analysiert und dem Kind darauf hin die nötige Zuwendung gibt. Eine, die kindliche Wut und Verzweiflung immer liebevoll begleitet und mit aushält. Eine, die immer auf Augenhöhe agiert. Eine, die nicht laut wird und der auch kein falsches Wort heraus rutscht.

Bin ich aber alles nicht. Nicht so, wie es perfekt wäre.

Ich motze, ich werde laut, ich werde genervt, ich drohe, ich orrrrre, ich schimpfe.

Ich bin damit oft selbst nicht ganz zufrieden und denke hinterher, dass ich auch anders hätte reagieren können.

Aber alles in allem bin ich ziemlich überzeugt davon, dass wir das alles so schlecht gar nicht machen mit diesem Eltern-Ding.

Denn ganz ehrlich: Wir sind alle nur Menschen. Und Fehler zu machen ist einfach menschlich. Und meine Kinder werden mit ziemlicher Sicherheit keinen Schaden davon tragen, wenn ich nicht immer perfekt bin. Ich gebe mein Bestes und ich versuche, es gut zu machen.

Aber ich mache mich nicht mehr verrückt, wenn das mal nicht ganz klappt.

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