Dienstag, 20. Februar 2018

Shanghai family: Ammenmärchen rund ums Kinderkriegen

Es gibt ja immer so gewisse Dinge, die "weiß man" einfach. Obwohl sie eigentlich totaler Humbug sind. Besonders beliebt scheinen solche Ammenmärchen und Binsenweisheiten rund um Schwangerschaft und Geburt zu sein. Wir haben da auch in Deutschland so einiges zum Belächeln. Aber in China hatte ich da auch so meinen Spaß...

Strahlenschutz

Besonders amüsant fand ich die Angst vor Strahlung und die Lösungen dafür. Das Ungeborenen sollte auf keinen Fall mit gefährlichen Handy- oder Mikrowellenstrahlen belastet werden. Deshalb sollte man von Mikrowellen fern bleiben, ggf besser kalt essen, das Handy immer möglichst weit weg vom Bauch benutzen und sich zum Strahlenschutz Aufkleber aus Gold darauf kleben. Der sicherste Weg jedoch sei es, eine Strahlenschutzschürze zu tragen. Im Kollegenkreis wurde die selbe Schürze immer weiter vererbt. Die war unverkennbar: Eine hellrosa Kittelschürze mit Blümchen drauf. Etwas steif, wegen der Drähte darin, die vor Strahlung schützen sollen.

Kaffeeverbot

Ich wurde ohnehin schon von den Kollegen wegen meines exzessiven Kaffeekonsums (mehr als eine Tasse am Tag!) beäugt. Und dann kam die Schwangerschaft. Ich war dann am Ende Dank der unzähligen Ratschläge von Kollegen sowie der Auskunft meiner Ärztin verunsichert genug, um die Schwangerschaft über auf Kaffee zu verzichten.

In der Stillzeit jedoch brauchte ich wieder meinen Mocha. Und musste bei jeder einzelnen Tasse immer wieder aufs Neue erklären, dass mein Kind trotzdem ganz normal schlafen kann und dass den meisten Babys es überhaupt nichts ausmacht, wenn man in der Stillzeit Kaffee konsumiert.

Dass übrigens auch grüner Tee Teein enthält und das de facto dasselbe ist wie Koffein, das wollte mir wiederum keiner glauben. Schließlich sei Tee doch gesund!

Not cool!

Kalte Speisen und Getränke sind schlecht für den Uterus. Wusstet ihr noch nicht? Aber sowas weiß man doch!

Warum dem so sein sollte und was genau passieren könnte, konnte mir niemand so richtig erklären. Aber ich wurde recht besorgt angeschaut, als ich mit Babybauch (im Hochsommer, mind you!) Eis gegessen und gekühlte Getränke getrunken habe.

Es wird, was du isst

In China ist die Hautfarbe ganz wichtig. Je heller die Haut, desto besser. Um ein Kind mit möglichst heller Haut zu bekommen, sollen Schwangere extra viel helle Lebensmittel zu sich nehmen. Also Birnen, weißen Reis und Kokosmilch zum Beispiel. Dunkle Lebensmittel wie Kaffee, Schokolade und schwarzer Tee werden gemieden, damit das Kind nicht zu dunkelhäutig wird. I kid you not!

Auf die Linie achten

Besonders viel Augenmerk legte meine Gynäkologin auf meine Gewichtszunahme und das geschätzte Gewicht des Babys. Ich selbst wurde getadelt, weil ich am Ende 20 kg zugenommen hatte. Das sei zu viel. Und das Baby sei viel zu groß! Deshalb verhängte meine Gyn dann ein Süßigkeitenverbot für mich. Der Rabe wurde dann auch auf 4000 gr geschätzt und die Ärztin machte mich ganz wuschig, weil das viel zu schwer sein würde. Funfact: Letztendlich hatte der kleine Rabe 3560 gr und damit sogar 40 gr weniger als der Morgenstern. Bei dem hingegen hatte die Gynäkologin in Deutschland Angst, er sei zu leicht und könne eventuell eine Unterversorgung haben...

Horoskop

Man kann ja von Horoskopen denken, was man will. Aber in China ist das ne richtig ernste Sache. Vor dem Raben war das Jahr des Drachen. Und die Chinesen bekamen Babys, dass es nur so krachte, weil jeder ein Drache-Kind haben will. Meine Gynäkologin erzählte mir, dass sie teilweise Frauen absagen musste und sie nicht als Patientin annehmen konnte, weil es einfach zu viele Schwangere auf einmal gab. Der kleine Rabe hingegen wurde im Jahr der Ziege geboren. Da wollte niemand ein Baby bekommen und ich habe auch bei den ganzen CTGs (in einem Raum mit ca. 10 Liegen) nie andere Schwangere getroffen...

Sex, Sport und Co

Mit meiner Gynäkologin habe ich über Sex in der Schwangerschaft nicht gesprochen. Daher weiß ich nicht, wie der "offizielle" medizinische Rat ist. Aber aus Gesprächen mit Kolleginnen und Bekannten weiß ich, dass die meisten Schwangeren in China keinen Sex haben. Aus ähnlichen Gründen, aus denen auch bei uns viele Sorge vor dem Verkehr unter anderen Umständen haben.

Aber während einem in Deutschland zu moderatem Sport gerne geraten wird, ist das in China auch eher Tabu. Beispielsweise war meine Ärztin auch dagegen, dass ich Fahrrad fahren wollte. Das sei nicht gut (im dritten Monat). Warum genau habe ich dann nicht mehr nachgefragt.

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